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Präsident tritt zurück

Jena entwickelt sich zum Chaos-Klub

Text: Thomas Bachmann  

Die Mannschaft taumelt der Abstiegszone entgegen, der Präsident tritt per E-Mail zurück und im Etat klafft eine gewaltige Lücke: Der frühere Europapokal-Finalist Carl Zeiss Jena entwickelt sich immer mehr zum Chaos-Klub der 3. Fußball-Liga. Am Montagabend zog Präsident Peter Schreiber die Konsequenzen aus der sportlichen Talfahrt und internen Machtkämpfen und legte sein Amt nieder - auf elektronischem Wege. »Ich bin völlig überrascht worden von der Mail. Ich hatte noch keine Gelegenheit, mit Peter Schreiber zu sprechen. Jetzt werde ich erstmal die Vorstandskollegen zusammenrufen«, sagte Michael Meier.

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Der Vizepräsident steht dem Verein nun vor, bis ein Nachfolger für Schreiber gefunden ist. Der wiederum nannte permanente Indiskretionen und die Verbreitung von Halbwahrheiten als Gründe für seinen Rücktritt. Erst im Mai 2008 hatte er den Vorsitz des Traditionsvereins übernommen. Der Aufsichtsrat wollte sich am Dienstagabend treffen und über einen Nachfolger beraten. Einen Schnellschuss sollte es allerdings nicht geben, immerhin hat das Gremium laut Satzung vier Wochen Zeit.

Nach dem 0:4 am Wochenende gegen Dynamo Dresden und dem Abrutschen auf Tabellenplatz 14 schrillen beim einst so ruhmreichen FCC allerdings nicht nur sportlich die Alarmglocken. Im Etat klafft eine Lücke von einer halben Million Euro, am deutlichsten sichtbar wird die finanzielle Schieflage auf den Trikots der Thüringer. Dort fehlt der Aufdruck eines Hauptsponsors.

Dabei sollte genug Geld in den Kassen des FC Carl Zeiss sein, schließlich nahm der Klub 2007/2008 im siebenstelligen Bereich ein, als er das Halbfinale des DFB-Pokals erreichte. Auch in der folgenden Saison wurde Jena erst im Achtelfinale gestoppt. In der Liga versagte die teure Mannschaft jedoch und fraß die Einnahmen aus dem Pokal auf. Schreiber wurden die finanzielle und sportliche Talfahrt angekreidet, systematisch wurde der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Jena-Eisenberg-Stadtroda aus dem Amt gedrängt. Interna, wie die Bitte des Vereins an Sponsoren, die Zahlungen für 2010 schon im Dezember zu leisten, gelangten immer wieder an die Öffentlichkeit.

Auf dem Rasen gelang der Mannschaft unter dem zurückgekehrten Trainer Rene van Eck ein Traumstart, kurzzeitig erklomm Carl Zeiss sogar die Tabellenspitze. Als der Klub am 9. Spieltag als Fünfter gegen den damaligen Dritten Wacker Burghausen 0:0 spielte, kritisierte Sportdirektor Heiko Weber die Mannschaft schonungslos in einem Interview. Das Team verstand nach Webers Äußerungen die Welt nicht mehr und ist seitdem neben der Spur. Nur noch ein Sieg gelang. Die Derbys gegen Erfurt (0:3) und Dresden verlor man deutlich und im Landespokal flog Jena gegen den Regionalligisten ZFC Meuselwitz raus. Mit Einnahmen aus dem DFB-Pokal können die Thüringer also künftig nicht rechnen.



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