DFB-Pokal am Freitag
Mainz am Boden, Meister Wolfsburg magisch
Text: sid
Eine Blamage, eine magische Nacht und ein Glücksgriff - der Auftakt im diesjährigen DFB-Pokal bot alles, was den Wettbewerb beim deutschen Fußball-Fan so beliebt macht. Aufsteiger FSV Mainz 05 scheiterte am Freitag durch ein 1:2 (1:1, 1: 0) nach Verlängerung am Viertligisten VfB Lübeck und war damit der erste Bundesligist, der sich ordentlich blamierte.
Dagegen zauberte das magische Dreieck Grafite, Edin Dzeko und Zvjezdan Misimovic Meister VfL Wolfsburg mit einem 4:1 (2:0) beim Drittligisten SV Wehen Wiesbaden in Runde zwei und bescherte dem neuen Coach Armin Veh einen Pflichtspieleinstand nach Maß. Den verschaffte sich Kollege Jupp Heynckes höchstpersönlich, indem er beim 1:0 (0:0) seines Klubs Bayer Leverkusen beim SV Babelsberg 03 in Eren Derdiyok den Siegtorschützen einwechselte.
Für eine kleine Überraschung sorgte Drittligist VfL Osnabrück, der sich 2:1 (0:0) gegen den höherklassigen Nordrivalen Hansa Rostock durchsetzte. Rostocks Zweitliga-Kontrahenten FC Augsburg und 1. FC Kaiserslautern kam dagegen weiter. Augsburg gewann 2:1 (2: 0) beim FC Ingolstadt und Kaiserslautern kam in Unterzahl zu einem 1:0 (0:0) beim Drittligisten Eintracht Braunschweig.
Jörn Andersen konnte seinen Ärger nicht verbergen. Mit knappen, vorformulierten Sätzen beantwortete er sichtlich genervt die Fragen nach dem Spiel. `Das habe ich mir ganz anders vorgestellt, deshalb bin ich wirklich sehr enttäuscht´, erklärte der Mainzer Trainer nach der ersten Riesenpleite seiner Amtszeit. Nach der Führung durch Niko Bungert (19.) habe man `aufgehört, Fußball zu spielen´. Nico Schrum (56.) und Jacob Sachs (95.) sorgten dann für eine kleine Sensation aus Sicht der Lübecker.
Ganz anders war natürlich die Stimmungslage bei den Lübeckern. Die Spieler feierten mit den knapp 8000 Fans auf der Lohmühle ausgelassen einen der größten Erfolge der vergangenen Jahre. `Am liebsten hätten wir als nächstes den FC Bayern hier - das wäre ein Traum´, sagte Trainer Peter Schubert.
Wolfsburgs Trainer Veh freute sich nach dem mühelosen 4:1 beim Zweitliga-Absteiger Wehen Wiesbaden mehr über die Verpflichtung des nigerianischen Stürmers Obafemi Martins als über die Erfüllung der Pflichtaufgabe. `Martins kann nicht nur als zweiter Stürmer agieren, sondern auch als dritte Spitze - so sind wir noch weniger ausrechenbar´, sagte der neue Coach zum Transfer des 21-maligen Nationalspielers (13 Tore) von Newcastle United, der einen Vierjahresvertrag unterschrieben und angeblich 10 Millionen Euro Ablöse gekostet hat. Trotz Martins müssen die drei Offensivstars nicht um ihre Stammplätze bangen. Misimovic (41., 57.), Grafite (26.) und Dzeko (51.) unterstrichen mit ihren Toren im Alleingang, dass der Meister für den Bundesliga-Auftakt gegen Vehs Ex-Klub VfB Stuttgart am Freitag gerüstet ist.
Vehs Kollege Heynckes machte nach seinem Glücksgriff mit Derdiyok und dem Zweitrunden-Einzug mit Pokalfinalist Bayer Leverkusen in der Filmstadt Babelsberg auch verbal eine gute Figur. `Wir haben große Ambitionen im Pokal. Die Mannschaft hat ja letzte Saison gezeigt, wie schön es ist, im Endspiel zu stehen. Das ist etwas ganz Besonderes, in Berlin dabei zu sein´, sagte Heynckes.
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