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Einzelinteressen statt Gemeinsamkeit

Pflippen: Medienberater »lächerlich«

Text: sid  

»Lächerlich« nennt Norbert Pflippen das, was im Moment im deutschen Profifußball zur Mode wird. Der Altmeister der Beratergilde hat keinerlei Verständnis dafür, dass sich jetzt sogar Trainer Medienberater nehmen.



Ganz anders der Deutsche Fußball-Bund (DFB): »Jeder Mensch darf sich einen Steuerberater oder Rechtsanwalt nehmen, weshalb also nicht einen Medienbeauftragten?«, sagt DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach. Jürgen Klinsmann verfügte bei Bayern München über einen Vertrauten für seine private Pressearbeit. Ulrich Dost, bis vor kurzem Kommunikationsdirektor bei Bayer Leverkusen: »Bruno Labbadia hatte mit mir jede Presseanfrage koordiniert. Bis eben auf das Interview vor dem Pokalfinale.« Mit dem Labbadia seinen Abschied provozierte. Dafür nahm Labbadia einen eigenen PR-Profi, der zuvor im Radsport tätig war.

Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler, der in der ersten Aufregung zum Rundumschlag gegen die Berater (»Das kotzt mich an«) ausholte, hält diese immer noch für überflüssig: »Ich verurteile es nicht, wenn sich ein Spieler, Trainer oder Manager beraten lässt. Aber ich befürchte, dass man dann nicht mehr authentisch ist. Die Gefahr bei einem Medienberater ist doch, dass man versucht, nach außen etwas zu tun, von dem man innerlich gar nicht überzeugt ist.« Der ehemalige Teamchef und Weltmeister von 1990 sagte im Express-Interview weiter: »Ich brauche keinen. Ich bin bereits sehr lange in diesem Job. Ich komme gut ohne aus.«

Welch eine Führungskraft hat ein Trainer noch?

Ein weitgehend unbeachtet gebliebener, aber krasser Fall ist jener des Berliner Trainers Lucien Favre. Der hat nicht selbst erklärt, sondern ließ durch einen Berater erklären, er habe mit dem Weggang von Dieter Hoeneß nichts zu tun. Da stellt sich die Frage, welch eine Führungskraft ein Trainer hat, wenn er erklären lässt statt selbst zu reden. Niersbach bringt das Dilemma auf den Punkt: »Fußball ist immer noch ein Mannschaftssport, gründet sich in einem Verein und nicht in Vertretung von Einzelinteressen. Der DFB, die DFL und die Lizenzvereine haben durch Presse- und PR-Abteilungen die Medienarbeit sehr professionalisiert. Vereine, Sponsoren, Medien, Fans, Spieler, ehrenamtliche Funktionäre - alle Interessen werden zusammengebracht, gebündelt, gewertet. Das Überbetonen des Einzelinteresses und das damit zwangsläufig verbundene Unterminieren des Mannschaftsgedankens gerade auch durch leitende Angestellte kann nicht richtig sein.«

Das Branchenblatt sportjournalist hatte zuletzt die Autorisierungswut von Profisportlern gegeißelt, die zunächst behaupten, eine Wand sei weiß. Später soll sie dann doch schwarz gewesen sein. Es gibt inzwischen Berater, die das Zitieren aus öffentlich zugänglichen Quellen verbieten, so lange die Reinheit der Quelle nicht überprüft worden ist. Dass Fragen da möglichst - zur Vermeidung spontaner Antworten - vorher eingereicht werden sollen, ist fast schon normal. DFB-Mediendirektor Harald Stenger hat in Hinsicht auf die Nationalmannschaft seine Linie gefunden: »Ich verwehre niemandem, seine Außendarstellung überprüfen zu lassen. Aber von meinem Selbstverständnis her habe ich keine Kontakte zu den Beratern von DFB-Angestellten und lasse mir daher auch von ihnen nicht in meine Arbeit reinreden.«

Pflippen: Früher war alles besser

Nachtrag: Früher durften Spieler noch auf dem Spielfeld interviewt werden. Jetzt nur noch vor der Werbewand der hauseigenen Sponsoren. Und die Trainer nehmen sich vor ihrem Wechsel oder zum Abschuss missliebiger Personen ihre eigenen PR-Vertreter.

Wunderbare Fußball-Welt. Pflippen: »Früher habe ich ein paar Leute angerufen und denen Stichworte gegeben.«



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