Premiere wird Sky
Kosten und Angebote wachsen in den Himmel
Text: sid
Deutschlands renommiertester Bezahl-Sender Premiere will mit einem neuen Namen zum Start der neuen Saison in der Bundesliga hoch hinaus.

Sky heißt der Pay-TV-Sender ab dem 4. Juli, und Vorstandsboss Mark Williams greift gedanklich schon nach den Sternen. Derzeit liegt die Abonenntenzahl bei rund 2, 5 Millionen, zum Jahreswechsel soll sie - so das ehrgeizige Ziel - die drei Millionen-Marke locker überschritten haben. Dazu wird es mit Zugpferd Franz Beckenbauer eine Werbekampagne geben, die nach Informationen des Düsseldorfer Handelsblattes allein den klassischen Fernseh-Anstalten 40 Millionen Euro einbringt. Marketing- und Vertriebschef Marcello Maggioni von Noch-Premiere sagte dem Blatt: »Wir steigen damit nach Aldi und Lidl zum drittgrößten Werbekunden auf.«
Nun mag dem Fußball-Fan ziemlich gleichgültig sein, unter welchem Namen der Sender firmiert, bei dem er alle Spiele live sehen kann. Wenn Hauptaktionär Rupert Murdoch (30,5 Prozent der Anteile), der schon über BSkyB (England) und Sky Italia verfügt, ausdrücken möchte, dass ihm der Himmel über Europa gehört, muss das den normalen Fußball-Verbraucher nicht stören. Aber die Entwicklung hat einen gravierenden, dicken Haken. Wer ab der kommenden Saison Fußball live konsumieren möchte, muss richtig tief in die Tasche greifen. Kostete der Zugriff auf die 612 nationalen Spiele des deutschen Profifußballs bislang 19,99 Euro, so sind ab Juli 32,90 Euro pro Monat fällig.
»Basispaket« plus Bundesliga = 32,90 Euro
Das liegt daran, dass der Kunde in Zukunft ein »Basispaket« für 16,90 Euro bezahlen muss, das sich »Sky Welt« nennt, und erst dann die Bundesliga zusätzlich kaufen darf. Natürlich hat Sky in Zukunft alles, was den deutschen Fan interessieren kann: alle Spiele der Champions League, auch alle Spiele des DFB-Pokals, ab der kommenden Saison auch das Zugriffrecht auf alle 205 Spiele der neuen Europa League, des ehemaligen UEFA-Cups. Dort werden alle Spiele mit deutscher Beteiligung und alle weiteren interessanten Spiele live gezeigt.
Der Jubel von Carsten Schmidt, Vorstand Sport der Premiere AG (»Damit ist die Sieben-Tage-Fußball-Live-Woche bei Sky jetzt komplett«), ist verständlich. Es ist aber auch die Frage zulässig: »Wer braucht jeden Tag Fußball live?«. Zumal das europäische und deutsche Pokalpaket noch einmal kostet. Fußball total ist für 44,90 Euro zu haben. Premiere hat 2008 einen Verlust von 270 Millionen Euro erwirtschaftet. 256 Millionen Euro kostet es in diesem Jahr, wegen der Umbenennung den Wert des Markennamens Premiere vom Markt zu nehmen. An die Deutsche Fußball Liga (DFL) müssen für die Saison 2009/10 rund 225 Millionen Euro überwiesen werden. Da ist es verständlich, dass der Erlös pro Kunde gesteigert werden soll. Aber gleichzeitig eine halbe Million Kunden mehr?
Kerner mit »Liga total« für 59,90 Euro
Zwar soll das Universum unendlich sein, aber die Quadratur des Kreises ist selbst Einstein nicht gelungen. Nur die Relativitätstheorie. Das Argument von Premiere-Sprecher Torsten Fricke wirkt da eher dürftig. Die neue Dimension, in Zukunft fünf Spiele live sehen zu können - Freitags abends, Samstags nachmittags, Samstags bei Beginn der Dunkelheit, Sonntags nachmittags, Sonntags bei Beginn der Dämmerung, sei ein »Mehrwert«, der seinen Preis koste. Auch eine Sichtweise.
Ob die neue Konkurrenz, welche die Deutsche Telekom jetzt unter dem Namen »Liga total« mit dem Zugpferd Johannes B. Kerner gegen Sky auftut, eine ernsthafte wird, muss abgewartet werden. Wer Kerner statt Beckenbauer will, muss 59,90 bezahlen und hat dafür Telefon, Internet und Bundesliga, aber eben weder DFB- noch Europapokal. Dazu noch die Zwangsgebühren von ARD und ZDF, vielleicht noch eine Tageszeitung, um zu wissen, wer im Landkreis gestorben ist - das summiert sich. Der Himmel ist unendlich. Das Budget deutscher Haushalte nicht.






