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EURO-Gastgeber Österreich und Schweiz

Nur leicht erhöhte Temperatur statt EM-Fieber

Text: sid  

Die Schweizer sind gewohnt gelassen, die Österreicher zelebrieren ihre `Mentalität des Jammerns´ - wenige Tage vor dem ersten Anstoß ist von einer EM-Euphorie in den Gastgeberländern noch sehr wenig zu spüren. `Noch hat die Schweiz erst leichte Temperatur´, stellte das Boulevardblatt Blick fest, machte jedoch zugleich Hoffnung auf Besserung: `Mit jedem Tag steigt die Fieberkurve mehr in den roten Bereich.´

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Erstes Anzeichen ist die täglich wachsende Zahl von Nationalfähnchen an den Autos und Flaggen an Fenstern und Balkonen. Doch das größte Sportevent auf Schweizer Boden seit der WM 1954 hat die Massen wenige Tage vor dem Eröffnungsspiel der Eidgenossen am Freitag (18.00 Uhr) gegen Tschechien noch nicht wirklich infiziert.

In Wien stapeln sich indes in den Auslagen aller möglichen Geschäfte die EURO-Produkte, in Ausstellungen, mit Kunstaktionen, Werbetafeln und -bannern soll der Österreicher auf das Turnier eingestimmt werden. Das alles trägt zu der `positiven Grundstimmung´ bei, von der Christian Dominko von den Meinungsforschern Makam Market Research spricht. Von einer Euphorie, wie sie bei der WM 2006 in Deutschland zu spüren war, könne man jedoch nicht sprechen. `An fast einem Drittel der Bevölkerung geht die EURO komplett vorbei´, sagt er, zwölf Prozent der Einwohner stünden der EM sogar negativ gegenüber.

Diese Ablehnung hat ihre Wurzel tief in der österreichischen Seele. `Wissen Sie, was typisch für Österreich ist? Wir machen uns immer selbst schlecht´, sagt Stürmerlegende Hans Krankl. Dominko spricht vom `typischen österreichischen Nörgler, der Staus bei der Fahrt zur Arbeit fürchtet, weil er glaubt, dass Hunderttausende aus fremden Ländern hier einfallen, die auch noch betrunken sind´. Diese Einstellung erklärt den Erfolg der Kampagne `Österreich zeigt Rückgrat´, die über 10.000 Unterschriften für einen Verzicht der Mannschaft gesammelt hat, oder Fanartikel mit dem Aufdruck `Zu Gast bei Verlierern´.

Es herrsche `eine Mentalität des Jammerns, speziell in Wien´, meint die Wiener Meinungsforscherin Karin Cvrtila von der Österreichischen Gesellschaft für Marketing. Aber es gibt Fortschritte. `Die EURO-phorie ist am Wachsen! Unser 12. Mann ist schon voll EURO-fit!´, titelte die Kronenzeitung knapp zwei Wochen vor Turnierbeginn, als 1000 Fans der Mannschaft beim Training zujubelten.

Verkehrsminister Werner Faymann hat in einem `Flaggen-Erlass´ für die EM eine Sonderregelung geschaffen, wonach nun nicht mehr nur Regierungsfahrzeuge beflaggt werden dürfen. In der Schweiz sind die eigenen Nationalsymbole eher in der Unterzahl. In der Multi-Kulti-Gesellschaft des Alpenstaates mit 21 Prozent Ausländeranteil dominieren die Farben südeuropäischer Länder wie Italien, Spanien oder Portugal. Zudem ist im italienisch geprägten Tessin und in der französischen Westschweiz die Verbundenheit mit der `Squadra Azzurra´ und der `Equipe Tricolore´ ohnehin oft größer als mit der Schweizer `Nati´.

Die Internationalität könnte sich dabei durchaus als Vorteil erweisen - für den Fall, dass die eigene Mannschaft in der Vorrunde scheitert. `Das würde die Stimmung bei vielen Schweizern sicher dämpfen, aber das Fußballfest würde aufgrund der Begeisterung für andere Teams weitergehen´, sagt der Sportchef der Aargauer Zeitung, Felix Bingesser, der jedoch auf einen positiven Impuls durch ein erfolgreiches Abschneiden des Gastgebers hofft: `Ein guter Auftakt würde dem EM-Fieber noch einmal einen Schub geben.´

Bislang jedoch zeigte sich der Schweizer Normalbürger eher distanziert, wenn es um die bevorstehende dreiwöchige Huldigung von `König Fußball´ ging. In einer Umfrage im Auftrag der Zürcher Sonntagszeitung im Vorfeld der EM-Endrunde bekundeten lediglich 41 Prozent der Befragten Interesse (Isopublic). Kaum jeder Zehnte von diesen plant, die Spiele außerhalb der eigenen vier Wände auf einem der zahlreichen Public-Viewing-Plätze zu verfolgen.



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