Von der Schalker Ersatzbank zur EURO
Westermann überzeugt die Zweifler
Text: sid
Seinen Wechsel begleiteten Zweifel, doch mittlerweile steht selbst für die größten Koryphäen im deutschen Fußball fest: Heiko Westermann fährt zur EURO. Als die Welt- und Europameister Franz Beckenbauer und Günter Netzer ihre Wunschmannschaft für die EM zusammenstellen sollten, tauchte der Abwehrspieler von Schalke 04 wie selbstverständlich bei beiden als gesetzter Innenverteidiger auf. Dabei ist es gerade erst sieben Monate her, dass der Ex-Bielefelder bei den Königsblauen die Ersatzbank drückte.
Nicht wenige fragten sich, wie der knapp zwei Millionen Euro teure Neuzugang an der etablierten Schalker Abwehrzentrale mit Marcelo Bordon und Mladen Krstajic vorbei zu regelmäßigen Bundesliga-Einsätzen kommen wollte. `Ich habe alles richtig gemacht´, sagt der 24-Jährige heute, der am Dienstagabend mit dem deutschen Vizemeister im Viertelfinale der Champions League auf den FC Barcelona traf. Innerhalb einer Woche erlebte der gebürtige Unterfranke zwei Höhepunkte, die er vor einem halben Jahr noch für undenkbar gehalten hätte.
Zunächst überzeugte er in seinem zweiten Länderspiel beim 4:0 in der Schweiz nach etwas nervösem Start so sehr, dass Bundestrainer Joachim Löw ihn anschließend in den höchsten Tönen lobte: `Er hat mir sehr gut gefallen, das war eine sehr ansprechende und überzeugende Leistung.´ Wegen seiner Vielseitigkeit hat Westermann beste Chancen, am 16. Mai dabeizusein, wenn der Bundestrainer auf der Zugspitze sein Aufgebot für die EM in Österreich und der Schweiz (7. bis 29. Juni) bekannt gibt.
Nur sechs Tage später erfüllte sich für den Schalker Shootingstar ein weiterer Traum. Im Viertelfinale der Königsklasse gegen den neunmaligen Europapokalsieger Barca - `das sind die Spiele, für die du als Fußballprofi jeden Tag arbeitest.´ Und Westermann musste hart dafür arbeiten. Zunächst nur Stammgast auf der Schalker Bank, kam er sporadisch ins Team, wenn ein Abwehrspieler ausfiel. Einen Stammplatz erkämpfte er sich nicht in der Zentrale, sondern als linker Außenverteidiger, als er den verletzten Christian Pander ersetzte.
So wurde auch Löw auf ihn aufmerksam und verhalf ihm beim 3:0 in Wien gegen Österreich im Februar zu seinem Länderspieldebüt - auf der rechten Außenverteidiger-Position. Westermann zahlte viel Lehrgeld, doch seine konstant starken Leistungen auf Schalke belohnte der Bundestrainer mit der zweiten Chance, die der Allrounder auf seiner Lieblingsposition als Innenverteidiger nutzte. `Dort fühle ich mich am wohlsten´, sagt Westermann, der bis zu C-Jugend Stürmer spielte, dann ins Mittelfeld wechselte und erst bei seinem ersten Profi-Einsatz beim Zweitligisten Greuther Fürth 2000 erstmals als Abwehrspieler auflief.
Doch nicht nur seine Vielseitigkeit ist für ihn auf Schalke und in der Nationalmannschaft zu seinem großen Trumpf geworden. `Er kommt fast ohne Foulspiel aus´, lobt Löw, der gerade diese Eigenschaft von seinen Verteidigern fordert. In der Tat sah Westermann in bislang 1992 Bundesliga-Minuten in seiner Debütsaison in Gelsenkirchen nur eine einzige Gelbe Karte. `Das liegt daran, dass ich in Zweikämpfen ganz selten zu Boden gehe´, erklärt der 24-Jährige: `Ich grätsche nur, wenn ich mir sicher bin, den Ball auch zu bekommen. Außerdem hilft es, dass ich schon immer schnell war und oft das Zuspiel schon abfangen kann.´
Seine Vergangenheit als Stürmer kann er nicht leugnen: Vier Tore stehen in dieser Bundesliga-Saison bereits zu Buche, nur Gerald Asamoah (6) und Kevin Kuranyi (9) trafen häufiger. Vielleicht wäre der kopfballstarke Allrounder ja auch noch eine Lösung für den schwächelnden Schalker Angriff...
---
News, Interviews, Blogs, Statistiken und Service zu: Schalke 04






