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Arminia will Stuttgart zum Meister machen

Arminia Bielefeld - Arminia Hannover 3:1 (2:1)

Text: SID  

Ernst Middendorp bekam seine Bierdusche Sekunden nach dem Abpfiff, die Spieler tanzten noch um 17.35 Uhr durch den heftigen Regen, und Torhüter Mathias Hain dachte schon an den Kampf um die Meisterschaft. Nach ihrer längsten Siegesserie in der Bundesliga seit 1982 und dem Klassenerhalt will Arminia Bielefeld dem schwächelnden Titelaspiranten Schalke 04 am kommenden Samstag den Rest geben. `Wir wollen am Samstag auf Schalke gewinnen. Mehr nicht. Eigentlich ist es mir fürchterlich egal, wer Meister wird, weil Arminia nicht dabei ist. Aber dieses Spiel könnte ein Riesenevent für uns werden´, meinte Hain nach dem 3:1 (2:1) gegen Hannover 96. Und bevor er seine Spieler zur rauschenden Nichtabstiegsparty im Zelt hinter der Südtribüne entließ, fügte der `Jahrhunderttrainer´ Middendorp hinzu: `Wir haben die Pflicht und das Spielermaterial, um dort noch ein Wörtchen mitzureden. Wir haben unser großes Ziel realisiert, der deutsche Meister - zumindest von Ostwestfalen - ist für mich seit Wochen Arminia Bielefeld.´ Eher mit einem Schmunzeln registrierten die Verantwortlichen auf der Alm, dass selbst der UI-Cup noch nicht außer Reichweite ist. Dem direkten Konkurrenten einen schweren Dämpfer verpasst, nur noch zwei Punkte Rückstand auf Rang sieben: In einer verrückten Saison ist für die Arminia nach dem vierten Sieg hintereinander so gut wie alles möglich, selbst der Einzug in den UEFA-Cup über den Umweg der Fair-Play-Wertung. `Wenn es so käme, wäre es sensationell. Aber das ist nichts, worauf wir jetzt hoffen, meinte Geschäftsführer Roland Kentsch. Vielmehr setzte sich am Samstag die Genugtuung durch, mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln zum dritten Mal in Folge den Klassenerhalt erreicht zu haben. `Wir können hier nicht mit 12, 13 oder gar 14 Stars auflaufen, sondern müssen teilweise mit Spielern auskommen, die die anderen Vereine ausgemustert haben. Das ist ein wahnsinniges Geschenk für alle, dass wir weiter erstklassig sind´, sagte Hain. Ein im eigenen Verein Ausgemusterter war es, der mit einer Galavorstellung die letzten Zweifel am Klassenerhalt der Arminia beseitigte. Fatmir Vata, von Middendorp teilweise auf die Tribüne verbannt, machte ein Klassespiel, erzielte das 3:1 (65.) und wird den Verein wohl trotzdem verlassen. `Ich bin zu 90 Prozent weg´, meinte der Albaner nach dem Spiel emotionslos. Sein Sturmpartner Artur Wichniarek, der beim 1:0 sein 60. Tor für Bielefeld erzielte (22.), schimpfte derweil munter auf die Riege der Experten. `Unser Beispiel zeigt, dass einige Leute keine Ahnung von Fußball haben.´ Bei 96, das sechzig Sekunden nach dem 1:1 von Jan Rosenthal (31.) postwendend das 1:2 durch Jörg Böhme (32.) kassierte, war nach dem Rückschlag im Kampf um die erste Europacup-Teilnahme seit 15 Jahren niemand wirklich enttäuscht. `Wir haben nie jemandem den Europapokal versprochen, Ziel Nummer eins war immer der Klassenerhalt´, erklärte Rückkehrer Thomas Brdaric, der verletzungsbedingt zuvor 15 Spiele gefehlt hatte: `Wir haben ein saublödes Spiel abgeliefert, das war so unnötig wie ein Kropf. Trotzdem haben wir noch eine Chance, jetzt müssen wir eben Nürnberg schlagen.´




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