FIFA

Zwanziger stellt klar: "Rücke nicht weit von Blatter ab"

Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger hat sich zehn Monate vor der Wahl des FIFA-Bosses erneut klar hinter Amtsinhaber Joseph S. Blatter gestellt. //

Altendiez - Der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger hat sich zehn Monate vor der Wahl des FIFA-Bosses erneut klar hinter Amtsinhaber Joseph S. Blatter gestellt - und damit gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und nahezu allen europäischen Verbände. "Ich rücke auch heute nicht so weit von ihm ab, weil ich sehe, dass diese Entscheidung von 2010 - Katar in erster Linie - nicht an ihm aufgemacht werden kann", betonte der 69-Jährige in einem Interview mit dem Deutschlandfunk.

Blatter habe bei der Vergabe der umstrittenen WM 2022 nicht für Katar gestimmt. Dafür habe das Emirat Stimmen aus Europa bekommen, auch von UEFA-Boss Michel Platini. "Die Begründung, die er dafür abgibt, ich kann sie akzeptieren, aber ich halte sie für falsch. Das muss ich deutlich sagen", meinte Zwanziger: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass er eine Europameisterschaft im Fußball nach Luxemburg vergeben würde."

Dagegen dass der DFB eng an der Seite Platinis stehe, sei "ja grundsätzlich nichts einzuwenden". Aber der DFB habe "das muss man deutlich sagen, Blatter 2007 zu seinem Ehrenmitglied gemacht. Da waren alle die, die auch heute noch in der Verantwortung des DFB tätig sind - also der Präsident und der Ligapräsident und alle - aktiv daran beteiligt".

Bundesliga-Vereinen, die ihre Trainingslager in Katar abhalten - zum Beispiel Bayern München und Schalke 04 - warf der Jurist "Doppelmoral" vor. "Dorthin fahren, sich einladen lassen, und sie haben auch all diese Missstände im Umgang mit Menschen, mit Arbeitern nicht gesehen und nicht zur Kenntnis genommen. Das ist ein bisschen das, was mir an dem Fußball nicht gefällt. Von daher trifft es eigentlich alle ein Stück, diese 'Verantwortung Katar'". 

Zu Blatter stehe er, weil Abrücken oder Zurücken für ihn "immer eine Frage der Gerechtigkeit und der Kenntnis der Fakten" sei, so Zwanziger. Das schlechte Image der FIFA werde "zum Teil auch gemacht. Es gibt insbesondere von den englischen Medien zum Teil auch Vorwürfe, die schlicht und einfach unberechtigt sind". 

Das schlechte Bild der FIFA in Europa rühre von 1998 her, von Blatters erster Kandidatur gegen den Schweden Lennart Johansson: "Da war schon von vornherein ein Verhältnis entstanden: Europa gegen den Rest der Welt. Das ist bis heute nicht behoben. Das Image der FIFA ist nicht überall in der Welt so, wie es hier in Europa dargestellt wird."

Zudem sei die Wahl auf Katar "eine Katastrophe für den Fußball und auch eine Katastrophe für das Image der FIFA" gewesen: "Du kannst alles das, was auch gut geleistet wird, einfach nicht mehr rüberbringen. Das kann der normale Fußballer nicht begreifen. Und da ich mich immer noch zu den normalen Fußballern rechne, kann ich das auch nicht begreifen."

Aber Blatter habe persönlich "natürlich auch Fehler gemacht". Er habe als Präsident, "insbesondere in Folge des ISL-Skandals, als die FIFA ja fast bankrott war, gewusst oder wissen müssen, dass es in seinen Reihen - auch in diesem FIFA-Exko - Menschen gab, die die Moral und die Ethik nicht einhalten". Auf die Frage, ob er damit Korruption meine, antwortete Zwanziger: "Zum Teil." Dennoch betonte der Jurist, dass Blatter selbst, "nie - obwohl er Schweizer ist und die Schweizer Staatsanwaltschaft als eine sehr, sehr energische Staatsanwaltschaft gilt - ein strafrechtliches Verhalten, trotz vieler Durchsuchungen des FIFA-Gebäudes, nachgewiesen worden" seien.

Sein bisher einziger Gegenkandidat Blatter, Jérôme Champagne, sei "ein exzellenter Mann, der aber bisher über keinerlei Unterstützung aus den Verbänden verfügt. Wie wollen sie Präsident der FIFA werden bei 209 Verbänden, wenn sie noch nicht einmal das erfüllen?" Deshalb sei der Franzose "vielleicht auch ein Mann für später".

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!