FIFA

Schenk: Ethik-Bericht "sehr unbefriedigend"

Die Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk hat enttäuscht auf den Abschluss der Untersuchungen des ISL-Schmiergeldskandals beim Fußball-Weltverband FIFA reagiert SID-IMAGES/AFP/JOHN MACDOUGALL

Köln - Die Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk hat enttäuscht auf den Abschluss der Untersuchungen des ISL-Schmiergeldskandals beim Fußball-Weltverband FIFA reagiert. "Der Bericht ist sehr unbefriedigend und verniedlichend. Der Report drückt sich um die eigentlichen Fragen", sagte die Sportbeauftragte von Transparency International am Dienstag auf SID-Anfrage: "Ethisches Verhalten und Integrität beginnen nicht erst an der Strafrechtsgrenze."

Schenk empört an dem Bericht des Münchners Hans-Joachim Eckert als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission über den Bestechunsgsskandal in den 90er Jahren besonders die Bewertung der Rolle des heutigen FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter in seiner damaligen Funktion als FIFA-Generalsekretär: "Wenn er einen Millionenbetrag von einem FIFA-Vermarkter für einen FIFA-Funktionär auf einem FIFA-Konto sieht, müssten alle Alarmglocken geläutet haben. Es ist auch nicht vorstellbar, dass er in seiner Funktion das System nicht gekannt hat. Wenn jetzt sein Verhalten nur als 'ungeschickt' bezeichnet wird, dreht sich mir der Magen um und ist das eine Verniedlichung: Auch wenn es damals noch keinen Ethik-Code bei der FIFA gab, so gab es schon eine Olympische Charta, die die damaligen Vorgänge auch seinerzeit schon verboten hätte. Wäre das alles bekannt geworden, hätte es auch damals einen Aufschrei gegeben."

Eckert kam in seinem am Dienstag veröffentlichten Bericht zum Schluss, dass Blatter in Bezug auf die millionenschweren Schmiergeldzahlungen des einstigen FIFA-Vermarkters an den früheren FIFA-Boss Joao Havelange sowie die früheren Exekutivmitglieder Ricardo Teixeira (beide Brasilien) und Nicolas Leoz (Paraguay) weder strafrechtlich noch ethisch ein Fehlverhalten vorzuwerfen sei. Die Handlungen von Havelange, Teixeira und Leoz geißelte Eckert als "moralisch und ethisch verwerflich". Ungeachtet der bereits erfolgten Rücktritte aller drei Personen von allen FIFA-Ämtern sah Eckert für die weitere Verfolgung der damaligen Bestechungen keinen Anhaltspunkt, da seinerzeit die Annahme von Bestechungsgeldern in der Schweiz nicht strafbar gewesen und der heutige Ethik-Code der FIFA noch nicht in Kraft war.

Schenk monierte jedoch, dass Eckert praktisch als Einzelrichter eine Bewertung der Ergebnisse von FIFA-Ermittler Michael J. Garcia vornahm. "Ich hätte mir gewünscht, dass sich eine ganze Kommission den Bericht angeschaut hätte. Ein Großunternehmen in der Wirtschaft kan sich nicht leisten, solche Vorgänge nur von einer Person entscheiden zu lassen."

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