Bundesliga | 16.09.2013

Sammer-Kritik spaltet FC Bayern

Matthias Sammer spaltet mit seiner Kritik an der Mannschaft Bayern München. Uli Hoeneß hat die Aussagen Sammers scharf zurückgewiesen und den Chefkritiker zum Rapport bestellt.

München - Sportvorstand Matthias Sammer spaltet mit seiner Kritik an der Mannschaft Fußball-Rekordmeister Bayern München. Präsident Uli Hoeneß hat die Aussagen Sammers nach dem 2:0 gegen Hannover 96 scharf zurückgewiesen und den Chefkritiker zum Rapport bestellt, Ehrenpräsident Franz Beckenbauer dagegen nennt die Vorhaltungen "legitim". Sammer hatte am vergangenen Samstag dem Team mangelnde Einstellung und "Dienst nach Vorschrift" vorgeworfen. Die Spieler versteckten sich hinter Coach Pep Guardiola und müssten jetzt endlich mal "raus aus der Komfortzone", sagte er.

"Wir werden sicherlich darüber reden", kündigte Hoeneß am Montag in der Bild-Zeitung an, "weil ein Eindruck vom FC Bayern entsteht, der nicht gut ist. Man hat den Eindruck, als ob wir von fünf Spielen drei verloren und zwei unentschieden gespielt hätten. In Dortmund lachen sie sich doch tot." Die Borussia ist mit der Maximalausbeute von 15 Punkten zwei Zähler vor den Bayern Tabellenführer.

"Ich verstehe, dass Matthias den Finger in die Wunde legen will", sagte Hoeneß dem Fachmagazin kicker: "Allerdings finde ich nicht, dass wir eine Wunde haben." Er empfahl Sammer, "die Kirche im Dorf zu lassen. Matthias muss aufpassen, dass er nicht über das Ziel hinausschießt. Wenn man so etwas jede Woche macht, verbrennt man sich irgendwann dabei. Der Feind sitzt draußen, nicht bei uns. Unsere Lage in der Bundesliga ist nicht dramatisch." Deshalb sei die Kritik "zum jetzigen Zeitpunkt nicht notwendig".

Sammer reagierte am Montag auf Hoeneß' Äußerungen, blieb jedoch bei seinem Standpunkt. "Es geht hier nicht um Wunden, es geht darum, von einem guten auf ein sehr gutes Niveau zu kommen", sagte er in einem Interview mit Sky.

Guardiola, den Sammer mit seinem Vorstoß ausdrücklich in Schutz nehmen wollte, wollte sich der Kritik an Sammer nicht anschließen. "Matthias ist sehr emotional, wie ich", sagte der Spanier am Montag. Er sei "nicht überrascht" davon gewesen, dass sich Sammer öffentlich so geäußert hat, "das ist die Kultur hier in Deutschland. Die Leute, die hier arbeiten im Verein - Matthias, Kalle (Rummenigge) und Uli -, können ihre Meinung erklären. Wenn so etwas in Spanien passiert, haben wir ein Problem. Aber hier ist das normal."

Hoeneß mahnte: "Wir müssen alle aufpassen! Dieses immer weiter, immer höher wird irgendwann gefährlich, wenn wir da mitmachen." Die Profis seien "Menschen, die sich auch mal Nachlässigkeiten erlauben. Wenn nur noch Roboter auf dem Rasen stehen, brauchen wir nicht mehr ins Stadion zu gehen." Die Mannschaft habe "erstklassigen Charakter. Sie wird den Schalter umlegen, da habe ich keinen Zweifel."

Hoeneß weiter in Richtung des früheren Profis Sammer. "Mancher, der früher Fußball gespielt hat, scheint zu vergessen, wie das schon früher war nach Länderspiel-Reisen. Man kann jetzt noch gar keine Top-Form haben, zumal wir ja auch viele Verletzte haben. Aber ich bin überzeugt: Wenn wir erst mal komplett sind und es darauf ankommt - dann sind die Spieler da."

Laut Beckenbauer habe Sammer jedoch "das Recht dazwischenzuhauen, wenn er Fehlentwicklungen sieht". Der Sportvorstand sei "dicht an der Mannschaft und täglich beim Training", sagte der "Kaiser" der Bild-Zeitung, und erkenne "Anzeichen vielleicht früher als andere. Ich denke, Matthias handelt nach dem Motto: Wehret den Anfängen! Und das finde ich auch in Ordnung." Sammer unterstütze Guardiola, "das ist richtig so". Beim Pay-TV-Sender Sky ergänzte Beckenbauer, es sei Sammers Aufgabe, zu kritisieren: "Ich finde die Aussagen legitim."

Diese Meinung stützte Nationalspieler Toni Kroos. "Er ist unser Sportdirektor und bei jedem Training dabei. Er ist absolut in der Position, etwas anzusprechen, wenn ihm etwas auffällt. Ich denke nicht, dass er da unrecht hat. Das ist absolut nicht schlimm. Wenn er das nicht sagen darf, wer sonst?", sagte er am Montag.

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus betonte hingegen, er sei "echt geschockt" gewesen, als er Sammer nach dem Hannover-Spiel im Interview gesehen habe. "Die Spieler brauchen jetzt Vertrauen - und nicht öffentliche Kritik. Das führt zu noch größerer Verunsicherung. Aber das ist eben Matthias. Ob das aber der richtige Zeitpunkt ist, weiß ich nicht...", sagte Matthäus in der Münchner tz

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