EM | 17.06.2012

Sami Khedira: Glamour versprüht nur die Freundin

Sami Khedira hat sich zu einem Führungsspieler in der DFB-Elf entwickelt. Im "magischen Dreieck" mit Bastian Schweinsteiger und Mesut Özil spielt er den unscheinbarsten Part.
Text: SID Bild: SID-IMAGES/AFP/DAMIEN MEYER

Lwiw - Das Auffälligste an Sami Khedira ist seine Freundin. Während das blonde Top-Model Lena Gercke seine weiblichen Reize bewusst in Szene setzt und einen gewissen Glamour verbreitet, wirken die Auftritte des 25-Jährigen bei Real Madrid, aber auch in der Nationalmannschaft unauffällig, beinahe schon bieder. Khedira steht meist im Schatten von Cristiano Ronaldo, Xabi Alonso, Bastian Schweinsteiger oder Mesut Özil. Doch der wuchtige Mittelfeldspieler ist deshalb nicht weniger wichtig für die Balance und den Erfolg in seinen Teams. Er ist so etwas wie der heimliche Star.

Längst hat sich Khedira nicht nur beim Weltklub Real, sondern vor allem auch in der Nationalmannschaft zu einem unumstrittenen Führungsspieler entwickelt. Dies wird kurioserweise oft erst dann bemerkt, wenn der frühere Stuttgarter nicht dabei ist. Doch Bundestrainer Joachim Löw und Reals Starcoach José Mourinho wissen um die große Bedeutung, die ein Profi wie Khedira hat. Sie wissen, dass es nicht nur mit Künstlern geht.

"Sami übernimmt eine Führungsrolle eher auf ruhige Art und nicht durch hektische Aktionen und Gesten. Er hat ein klares Führen. Auch wenn es nicht immer so augenscheinlich ist, ist er sehr wichtig für eine Mannschaft. Das hat José Mourinho erkannt, und das weiß auch Joachim Löw", sagt DFB-Teammanager Oliver Bierhoff über die tragende Rolle des Deutsch-Tunesiers, der am Sonntag im abschließenden EM-Gruppenspiel der DFB-Auswahl in Lwiw gegen Dänemark vor seinem 30. Länderspiel stand.

Ins internationale Rampenlicht war Khedira bei der WM 2010 getreten, als er den verletzten Michael Ballack in Klassemanier ersetzte und mit Schweinsteiger und Özil ein "magisches Dreieck" im deutschen Mittelfeld bildete. Der gemeinsame Wechsel mit Özil zu den Königlichen war eine unerwartete, aber logische Folge des Aufstiegs. Dass er sich im Starensemble von Real dann auch noch durchsetzt, hatten ihm jedoch die wenigsten zugetraut.

Inzwischen ist Khedira auch im DFB-Team zum Fixpunkt geworden, und zu einem wichtigen Ansprechpartner. Durch die WM, aber auch durch die beiden Jahre bei Real "auf allerhöchstem Niveau" sei er gereifter und habe mehr Erfahrung, sagte er unlängst. Er rede "sehr, sehr viel" mit den jungen Spielern, "sie fragen nach Impressionen und Erfahrungen, und die gebe ich dann weiter." Vor zwei Jahren fragte er als unerfahrener Jungspund noch bei seinen Kollegen artig nach.

So verwundert es kaum, dass Khedira immer wieder betont, "dass sich mein Wechsel zu Real voll ausgezahlt hat". Mourinho sei der weltbeste Vereinstrainer, er habe ihm beigebracht, "noch intelligenter zu spielen". Davon profitieren alle.

In der Nationalmannschaft ist der selbstbewusste Khedira längst ein gleichberechtigter Partner im kongenialen Mittelfeld-Trio mit Schweinsteiger und Özil. Er geht in der Schaltzentrale lange Wege, stellt geschickt die Räume zu und ist im Zweikampf resolut. Man könnte auch sagen, dass Khedira für den filigranen Zauberer Özil und den spielstarken Schweinsteiger die Drecksarbeit verrichtet. Doch das würde dem U21-Europameister von 2009 nicht gerecht werden. Auch der kantige Khedira ist durchaus in der Lage, spielerische Akzente zu setzen.

Ohnehin weiß der gebürtige Schwabe, dass es nur miteinander geht - vor allem in Bezug auf das Zusammenspiel mit Schweinsteiger auf der sogenannten Doppelsechs. "Basti in Topform kann jede Mannschaft der Welt zum Erfolg führen. Ich weiß sehr gut, wie Basti spielt, und er kann sich auf mich gut abstimmen." Löw verdeutlichte, dass Schweinsteiger und Khedira sehr wichtig seien "für die Symmetrie im Team". Für den Glamour sorgen andere.

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