EM | 16.06.2012

Russlands Auftrag: "Glorreicher Teil der Chronik"

Die seit 16 Spielen ungeschlagenen Russen gehen als klarer Favorit ins Gruppenfinale gegen Griechenland. Aber auch die Griechen hoffen noch auf den Einzug ins EM-Viertelfinale.

Warschau - Der Auftrag ist eindeutig und kommt von hoher Stelle. "Wir erwarten, dass unsere Mannschaft einen weiteren glorreichen Teil zur Chronik der Siege des russischen Fußballs beiträgt", sagte Verbandspräsident Sergej Fursenko vor dem EM-Gruppenfinale in Warschau am Samstag (20.45 Uhr/ZDFinfo) gegen den ehemaligen Europameister Griechenland. Nur der Gruppensieg also zählt für die Russen, Griechenland benötigt unbedingt einen Sieg, um seine Chance auf das EM-Viertelfinale zu wahren.

Der seit 16 Spielen ungeschlagenen Sbornaja würde gegen die Griechen zwar schon ein Punkt für den Einzug in die K.o.-Runde genügen, doch nach Fursenkos klarer Ansage will sich die Mannschaft von Trainer Dick Advocaat auf solche Rechenspiele gar nicht erst einlassen. "Wir wollen gewinnen, um in Warschau zu bleiben. Jedes andere Ergebnis wäre inakzeptabel", sagte Mittelfeldspieler Roman Schirokow. Als Gruppensieger würde der EM-Halbfinalist von 2008 auch die Runde der besten Acht im schmucken Nationalstadion gegen den Zweiten der Deutschland-Gruppe bestreiten.

Ein Erfolgserlebnis würde laut Stürmer Roman Pawljutschenko "nicht nur Prestige und Punkte, sondern auch gute Laune bringen. Damit könnten wir in Warschau bleiben, was uns in den letzten zehn Tagen fast zur Heimat geworden ist." Nach dem Gala-Auftritt gegen die Tschechen (4:1) musste Russland im zweiten Gruppenspiel gegen Polen (1:1) den ersten Dämpfer hinnehmen. Daher warnt Pawljutschenko davor, die Hellenen auf die leichte Schulter zu nehmen: "Das wird noch härter für uns als gegen Tschechien und Polen. Die brauchen einen Sieg, wir brauchen einen Sieg. Eigentlich beginnt am Samstag die K.o.-Runde."

Der mäßige Auftritt in der zweiten Halbzeit gegen Polen hat zumindest Advocaat etwas die Laune verhagelt. "Wir müssen unser Abwehrspiel verbessern", forderte der knurrige Niederländer.

Pawljutschenko schätzt die Griechen derweil als "ein kampfstarkes, trickreiches Team" ein, doch besonders in ihrem zweiten Spiel gegen Tschechien (1:2) blieb die Mannschaft von Trainer Fernando Santos diesen Nachweis schuldig. Wie schon im EM-Eröffnungsspiel gegen Polen stolperten die Griechen in der Anfangsphase hilflos über den Rasen und kassierten in den ersten sechs Minuten zwei Gegentore. "Gegen Russland dürfen wir die ersten Minuten nicht verschlafen, sondern konzentriert auftreten", sagte der in Aschaffenburg geborene José Holebas.

Santos räumte ein, dass die Chance auf die nächste Runde gering sei. Man habe aber noch Hoffnung und wolle diese geringe Chance nutzen. Man müsse daran glauben, dass es möglich sei: "Ich habe Vertrauen in mein Team", sagte der Portugiese und fügte an: "Ich glaube an das Team, an die Spieler, an unsere Arbeit - und daran, dass wir am Ende feiern dürfen."

Der 57 Jahre alte Rehhagel-Nachfolger wird sich beim unter der Finanzkrise ächzenden griechischen Volk an seinen Versprechungen vor dem Turnier messen lassen. "Ich will die Griechen wissen lassen, dass wir für den Erfolg bluten werden. Wir werden einhundert Prozent für Griechenland geben. Die Fans sollten Vertrauen in uns haben. Wir wollen ihnen Glücksmomente bescheren." Diese reduzierten sich bisher auf eine starke zweite Halbzeit gegen Polen.

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