Italien

Prandelli fordert Spielabbruch bei Rassismus

Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli fordert generelle Spielabbrüche im Fall von rassistischen Ausfällen durch Zuschauer. "Empörung allein genügt nicht mehr", sagte Prandelli. SID-IMAGES/AFP/GIUSEPPE CACACE

Rom - Italiens Fußball-Nationaltrainer Cesare Prandelli fordert generelle Spielabbrüche im Fall von rassistischen Ausfällen durch Zuschauer. "Bei derartigen Vorfällen darf ein Spiel nicht vorübergehend unterbrochen, sondern muss ganz beendet werden. Empörung allein genügt nicht mehr", sagte Prandelli: "Man muss rassistische Tifosi verbannen. Fans im Stadion müssen gegen beleidigende Chöre rebellieren."

Der dunkelhäutige Milan-Torjäger Mario Balotelli war beim torlosen Unentschieden gegen den AS Rom am Sonntag durch Gesänge der Gäste-Tifosi beleidigt worden. Das Spiel wurde dennoch nach einer Unterbrechung beendet. Der italienische Verband reagierte am Montagabend und verhängte eine Geldstrafe in Höhe von 50.000 Euro gegen den Klub.

Auch Italiens Sportministerin, Kanu-Olympiasiegerin Josefa Idem, verurteilte den Vorfall. "Balotelli ist ein Spieler, der sich offen gegen Rassismus ausgesprochen hat. Die Attacken gegen ihn sind inakzeptabel. Ich rufe alle Spieler auf, rassistische Chöre zu verurteilen", sagte Idem.

Balotellis Mannschaftskollege Kevin Prince Boateng, der selbst wiederholt ins Visier rassistischer Fans geraten war, zeigte sich mit Balotelli solidarisch. "Rassismus ist ein kompliziertes Phänomen. Wir müssen es geschlossen in und außerhalb der Stadien bekämpfen", sagte der gebürtige Berliner.

Boateng hatte bei einem Testspiel im Januar wegen rassistischer Beleidigungen den Platz verlassen. Seine Mitspieler schlossen sich ihm an, die Partie gegen den Viertligisten Pro Patria wurde daraufhin abgebrochen. "Der Sport hat eine soziale Verantwortung und kann viel tun", hatte Boateng bei einer Ansprache vor der UNO in Genf im März betont.

Auch der Fußballverband (FIGC) fasst noch strengere Maßnahmen gegen Rassismus ins Auge. "Geldstrafen gegen Klubs lösen nicht das Problem, sondern benachteiligen nur die Vereine. Man muss verhindern, dass bestimmte Personen Zugang zum Stadion erhalten. In Notfällen soll das ganze Stadion geschlossen werden. Damit wollen wir ein klares Signal gegen Rassismus setzen", sagte Verbandschef Giancarlo Abete. Dieser Vorschlag soll dem UEFA-Exekutivkomitee bei einer Sitzung am 24. Mai unterbreitet werden, bei der Maßnahmen zur Bekämpfung des Rassismus diskutiert werden sollen.

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