England

Hillsborough: Spenden für ein Ferienhaus

Im Zuge der Untersuchung der Hillsborough-Katastrophe von 1989 haben sich die zuständigen Polizeibeamten anscheinend an Geldspenden für die 96 Todesopfer vergreifen wollen. SID-IMAGES/AFP/PAUL ELLIS

London - Eine Mikrowelle für die Dienstküche, Sportgeräte für den Fitnessraum und ein Ferienhaus in Übersee: Im Zuge der Untersuchung der Hillsborough-Katastrophe von 1989 haben sich die zuständigen Polizeibeamten anscheinend an Geldspenden für die 96 Todesopfer vergreifen wollen. Das berichtet die englische Tageszeitung "Liverpool Echo" mit Verweis auf Dokumente der zur Aufarbeitung eingesetzten unabhängigen Kommission.

Demnach machte in der Dienststelle von South Yorkshire im Jahr 1991 eine "Wunschliste" die Runde, auf der Vorschläge über den Einsatz von "restlichen Geldern" eingetragen werden konnten. Die Spendensumme für die Angehörigen der Zuschauer, die am 15. April 1989 beim Halbfinalspiel des FA-Cups zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest in einem überfüllten Liverpool-Block erdrückt worden waren, betrug rund 14 Millionen Euro.

Den Großteil der Gelder hätten die Familien der Opfer sowie Überlebende des Unglücks erhalten. Ein Sachverwalter wandte sich dann mit der Frage an Polizei und andere Organisatoren, was mit der Restsumme geschehen solle.

"Die Polizei South Yorkshire reichte offizielle Vorschläge ein, die zur Verbesserung der öffentlichen Sicherheit sowie bei Fußballspielen gedacht waren", sagte der derzeitige Polizeichef von South Yorkshire Andy Holt. Eine kleine Anzahl von Beamten hätte zusätzlich individuelle Ideen eingereicht. Von den geplanten Projekten wurde offenbar aber keines genehmigt.

Vertreter der Hinterbliebenen reagierten entsetzt. "Das ist das Schlimmste, was ich seit langem gehört habe. Die Leute denken, dass das Geld an die Familien ging, aber das ist falsch. Vieles ging an andere Stellen", sagte Margaret Aspinall, die die Liste als "verachtenswert" bezeichnete.

Im vergangenen September hatte eine unabhängige Untersuchung ergeben, dass 41 der 96 Getöteten hätten gerettet werden können, wenn sie schneller medizinische Hilfe erhalten hätten. Polizei- und Rettungskräften seien schwere Fehler unterlaufen, zudem habe die Polizei später für sie negative Passagen aus Berichten entfernt.

Eine neue Untersuchung der Hillsborough-Katastrophe wird noch vor April kommenden Jahres beginnen. Die Neuaufnahme soll alle Fakten und jegliches strafbare Verhalten rund um das Unglück im Fußball-Stadion von Sheffield Wednesday ans Licht bringen.

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