Champions League

Der Pott ist "dahoam" - FC Bayern ringt BVB nieder

Der Pott kommt endlich "hoam". Ein eiskalter Arjen Robben hat Bayern München nach einer Zitterpartie zum Sieg im historischen "German Endspiel" geschossen. SID-IMAGES/AFP/CHRISTOF STACHE

London - Der Henkelpott ist "dahoam": Ein eiskalter Arjen Robben hat Bayern München nach einer Zitterpartie zum Sieg im historischen "German Endspiel" von Wembley geschossen und den Titel-Traum von Borussia Dortmund brutal zerstört. Robben, der im Vorjahr noch im traumatischen Champions-League-Finale einen Elfmeter verschossen hatte, krönte den Rekordmeister mit seinem Tor zum 2:1 (0:0) in der 89. Minute gegen einen wie besessen kämpfenden BVB zur besten Mannschaft Europas.

Nach dem Triumph von London sind die schmerzhaften Final-Pleiten 2010 und 2012 vergessen, das "Drama dahoam" ist überwunden. Um 22.54 Uhr überreichte UEFA-Präsident Michael Platini Kapitän Philipp Lahm den Pokal, zuvor hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel gratuliert. Die BVB-Profis stapften geknickt davon.

Für die Münchner ist das erste Triple der Vereinsgeschichte dank des stürmisch umjubelten Siegtreffers zum Greifen nahe, Zehntausende Fans steigerten sich in der Arena und zu Hause beim Public Viewing in einen roten Rausch. "Das bedeutet mir sehr viel, ich kann es gar nicht richtig fassen. So viele Emotionen!", sagte Robben im ZDF. "Es haben mir sehr viele Leute gesagt: Du schießt dieses Tor..."

Der Ausgleich von Ilkay Gündogan (68.) durch einen Foulelfmeter hatte den FC Bayern nach dem perfekt vorbereiteten Führungstreffer von Mario Mandzukic (60.) bis zuletzt bangen lassen. Für die Bayern ist der zweite Triumph in der "Königsklasse" nach 2001, zuvor hatten sie dreimal den Europapokal der Landesmeister gewonnen.

Das knallhart umkämpfte Finale, das anfangs überraschend die Dortmunder Außenseiter dominiert hatten, war nicht nur das letzte Highlight in der großen Trainerkarriere von Jupp Heynckes, sondern auch eine Erlösung für die "Goldene Generation" um Kapitän Lahm und Bastian Schweinsteiger: Für sie ist es der so sehnsüchtig erwartete erste internationale Titel. Im DFB-Pokal-Finale am 1. Juni gegen den VfB Stuttgart kann der FC Bayern das Triple perfekt machen. "Es ist sehr wichtig, solch eine Laufbahn zu krönen, sonst hört das Gerede nie auf", sagte Sportdirektor Matthias Sammer. "Aber ich gratuliere auch dem BVB zu einer großen Saison."

Dortmund muss sich ärgern, denn der BVB hatte zunächst viel richtig gemacht. Unter dem starken Pressing des Außenseiters hatte der FC Bayern erhebliche Mühe mit dem Spielaufbau, er kam in den ersten Minuten kaum aus der eigenen Hälfte. Auch die exzellente Mittelachse gab den Ball zu schnell her - und die Abwehr stand nicht sicher: Jakub Blaszczykowski (10.) und Robert Lewandowski (14.), der angeblich zum FC Bayern wechseln wird, gaben gefährliche Fernschüsse ab, bei einer weiteren Blaszczykowski-Chance rettete Torhüter Manuel Neuer (15.).

Es war schon erstaunlich: Befreiungsschläge des Rekordmeisters hatten die wenigsten der 86.298 Zuschauer erwartet. Dem BVB gelang es eindrucksvoll, dem Rivalen in Erinnerung zu rufen, dass es wieder einmal traumatisch werden könnte - 371 Tage nach dem "Drama dahoam" gegen den FC Chelsea (3:4 i.E.). Spätestens mit dem Ausgleich werden die Bayern daran gedacht haben.

Dementsprechend nervös wirkten sie lange, erst nach der Pause wurden sie sicherer. Dortmund, Champions-League-Gewinner von 1997, ging enormes Risiko und spielte pfeilschnell nach vorne. Reus (19.) sowie Sven Bender (22.) prüften den glänzenden Neuer, von den Bayern kam bis dahin kaum etwas - außer eines Ellbogenschlages von Franck Ribéry ins Gesicht Lewandowskis. Ribéry hätte sich über eine Rote Karte nicht beschweren können, entkam aber ungestraft (25.).

Sekunden später allerdings "weckte" Mandzukic die Bayern mit einem Kopfball an die Latte, BVB-Torhüter Roman Weidenfeller war dabei noch mit den Fingerspitzen am Ball. Arjen Robben scheiterte frei vor Weidenfeller (30.), Lewandowski in bester Position gegen Neuer (35.). Es war die beste Phase eines Spiels, dass spätestens nach 50 Minuten die Bayern im Griff zu haben schienen.

Der Angriff zum 1:0 ging ausgerechnet von Ribéry aus, der den Ball an drei BVB-Verteidigern vorbei auf Robben durchsteckte. Der bediente Mandzukic mustergültig, der Kroate hielt nur noch seinen Fuß hin. Ein Foulspiel von Dante an Reus im Strafraum jedoch machte die Führung wieder zunichte. In der 72. Minute kratzte Neven Subotic den Ball von der Linie - Thomas Müller hatte Weidenfeller umspielt. Robben schließlich schob den Ball kurz vor dem Abpfiff doch noch an Weidenfeller vorbei.

Angela Merkel ("Deutschland gewinnt auf jeden Fall!") nahm es staatstragend gelassen, Bundestrainer Joachim Löw und seine Rumpf-Nationalmannschaft fieberten von Miami aus mit. Elf Nationalspieler standen in Wembley auf dem Platz.

Um exakt 20.46 Uhr hatte Deutschland (fast) still gestanden. Alles war geschrieben, getwittert, episch ausdiskutiert worden, selbst Prinz William als Präsident des englischen Fußball-Verbandes FA hatte noch seinen Finaltipp hinterlassen: ein 2:0 für Bayern. Nun wurde Fußball gespielt - der Schiedsrichter Nicola Rizzoli (Italien) eröffnete das erste deutsche Champions-League-Endspiel nach einer Ritter-Schlacht zur Einstimmung im mythischen Wembleystadion.

BVB-Trainer Jürgen Klopp hatte im Aufstellungspoker gegen den "James-Bond-Bösewicht" Bayern schon eine Stunde vorher seine Karten aufgedeckt. Es galt, Mario Götze zu ersetzen, der bekanntlich in der kommenden Saison für die Münchner auflaufen wird. Klopp machte keine wilden Sachen, er entschied sich fürs Naheliegende: Das Götze-Double gab Marco Reus, Kevin Großkreutz spielte im 4-2-3-1-System links im Mittelfeld. Auch Heynckes, der als vierter Trainer mit zwei Vereinen den wichtigsten Europapokal gewonnen hat, setzte auf ein 4-2-3-1 mit Mandzukic als Speerspitze.

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