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Brasilien kämpft sich ins Traum-Halbfinale gegen Deutschland

Mit Leidenschaft, Kampfkraft und jeder menge schmutziger Tricks ist WM-Gastgeber Brasilien ins Traum-Halbfinale gegen Deutschland eingezogen. SID-IMAGES/SID-IMAGES/AFP/VANDERLEI ALMEIDA

Fortaleza - Mit Leidenschaft, Kampfkraft und jeder menge schmutziger Tricks ist WM-Gastgeber Brasilien ins Traum-Halbfinale gegen Deutschland eingezogen. Die Innenverteidiger Thiago Silva (7.) und David Luiz (69.) erzielten die Tore beim 2:1 (1:0)-Arbeitssieg gegen Kolumbien. Die knüppelhart agierende Selecao machte damit die Neuauflage des Finals von 2002 perfekt. Vor Angst zu erstarren braucht die DFB-Elf am kommenden Dienstag - exakt 24 Jahre nach dem WM-Triumph 1990 - in Belo Horizonte (22.00 Uhr MESZ) aber nicht.

James Rodriguez gelang per Foulelfmeter (80.) nur noch der Anschlusstreffer für die Cafeteros, die den Einzug in ihr erstes WM-Halbfinale verpassten. Der Jungstar verabschiedete sich mit seinem sechsten Tor von der großen WM-Bühne.

Vom "Jogo bonito", dem in Brasilien so verehrten "schönen Spiel", war die Elf von Trainer Luiz Felipe Scolari Lichtjahre entfernt. Der Zweck heiligte die Mittel. Symptomatisch war die Gelbe Karte gegen den überragenden Thiago Silva, der damit gegen Deutschland gesperrt sein wird: Als Kolumbiens Torwart David Ospina das Spiel mal schnell machen wollte, rannte er ihn einfach über den Haufen. Nun wird wahrscheinlich Dante von Bayern München gegen seinen Teamkollegen Thomas Müller und Co. verteidigen.

Bangen müssen die unter dem Strich enttäuschenden Brasilianer vor dem Halbfinale auch um Neymar. Der Superstar wurde nach zahllosen Attacken und einem finalen Knie-Check in den Rücken durch Juan Zuniga in der 88. Minute vom Platz getragen.

Die Kolumbianer ließen sich in ihrem ersten WM-Viertelfinale den Schneid abkaufen. Die Brasilianer führten jeden einzelnen Zweikampf am Rande der Legalität und häufig jenseits davon. Vor allem Cafetero-Jungstar James wurde bei jeder Ballberührung knüppelhart attackiert - und der schwache Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo (Spanien) schaute allzu oft nur zu.

Die Selecao-Fans im Estadio Castelao mussten nicht lange bis zum ersten Torjubel warten. Nach einer Ecke von Neymar passte Carlos Sanchez nicht auf, ließ Thiago Silva laufen, und der Kapitän bugsierte den Ball mit dem Knie ins Tor. Der Treffer passte zum Spiel der Brasilianer: Schön war er nicht. Umso schöner war dafür das 2:0 von David Luiz. Der Verteidiger vom FC Chelsea versenkte einen direkten Freistoß aus 25 Metern im Winkel.

Die Kolumbianer waren schon nach dem frühen ersten Gegentreffer schockiert gewesen, ihnen gelang gegen die bissigen und aggressiven Gastgeber kaum eine Aktion - auch, weil Rodriguez unentwegt attackiert wurde. Fernandinhos Checks gegen den 22-Jährigen vom AS Monaco (13./45.+1) waren grenzwertig, zahllose weitere Male bekam James Tritte, Schubser und Stöße ab. 

Am Drücker waren zumeist die Brasilianer, die bei aller Härte zumindest durch ihre Leidenschaft und Zielstrebigkeit zu überzeugen wussten. Nur einmal blitzte vor der Pause auch spielerische Klasse auf. In der 20. Minute kam Hulk nach einem Doppelpass mit Neymar zum Schuss, bei dem David Ospina im Tor seine ganze Klasse zeigen musste. 

Brasiliens Trainer Scolari hatte nach dem Zittersieg im Elfmeterschießen gegen Chile auf der rechten Abwehrseite überraschend Dani Alvez durch Maicon ersetzt. Paulinho spielte für den gelbgesperrten Wolfsburger Luiz Gustavo. 

Auch José Pekerman, argentinischer Coach der Cafeteros, nahm zwei Veränderungen vor. Im Mittelfeld spielte Fredy Guarín für Abel Aguilar. Im Angriff musste Jackson Martínez weichen, für ihn stürmte Víctor Ibarbo.

Nach der Pause ebbten die zumeist wilden und ungestümen Angriffswellen der Gastgeber ab, in der Defensive operierten sie weiter kompromisslos. Und wenn Kolumbien mal in Strafraumnähe kam, war spätestens beim bärenstarken Innenverteidiger-Duo Endstation. Nach dem Elfmeter, den Torwart Julio Cesar mit einem Foul am eingewechselten Carlos Bacca, war es aber vorbei mit der Sicherheit. Nur eine Minute später verpasste Bacca per Kopf den Ausgleich nur um wenige Zentimeter. Am Ende zitterte sich Brasilien ins Ziel.

 

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