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Erst Weltstar, dann Trainer - Schmaler Grat für Legenden

Ottmar Hitzfeld hat in der Schweizer Tageszeitung Blick Kritik an der Ernennung des unerfahrenen Zinédine Zidane als Trainer von Real Madrid geäußert. FIRO/FIRO/SID-IMAGES/

Köln - Ottmar Hitzfeld hat in der Schweizer Tageszeitung Blick harsche Kritik an der Ernennung des unerfahrenen Zinédine Zidane als Trainer von Real Madrid geäußert. Tatsächlich sind viele Weltklasse-Fußballer als Coach gescheitert - nur wenige konnten an ihre Glanzzeiten anknüpfen.

Johan Cruyff (68): Als Spieler war der Niederländer Inbegriff des "totaalvoetbal", führte Ajax Amsterdam und den FC Barcelona zu zahllosen Titeln. Bei Barça setzte der Vizeweltmeister von 1974 die Philosophie seines Lehrmeisters Rinus Michels fort und machte die Katalanen Anfang der 1990er Jahre zum Serienmeister in Spanien und 1992 zum Gewinner des Europapokals der Landesmeister.

Pep Guardiola (44): Der Taktgeber des FC Barcelona in der erfolgreichen Ära unter Cruyff legte eine Trainerkarriere hin, die Zidane in Madrid als Blaupause dienen könnte. Ohne große Erfahrung aus der Barça-Reserve zum Chef des Profiteams befördert, gewann Guardiola zwischen 2008 und 2012 sagenhafte 14 Titel, seit 2013 kamen bei Bayern München bislang fünf weitere hinzu. Bei seinem Abschied am Saisonende ist er das heißeste Eisen auf dem Trainermarkt.

Franz Beckenbauer (70): Dem "Kaiser" blieb das Glück auch nach seiner erfolgreichen Spielerkarriere (EM 1972 und WM 1974 als Kapitän) treu. Ohne Trainerschein führte Beckenbauer Deutschland 1990 in Italien als Teamchef zum dritten WM-Titel. Bei Intermezzi auf der Bank von Olympique Marseille und Bayern München folgten insgesamt drei Titel.

Jupp Heynckes (70): Der Weltmeister von 1974 krönte seine lange Trainerlaufbahn 2013 mit dem Gewinn des Triples mit Bayern München. Zuvor machte sich der frühere Angreifer auch in Spanien einen Namen, 1998 gewann er mit Real Madrid nach 32-jähriger Durststrecke die Champions League. 14 Titel gewann Heynckes von 1979 bis 2013.

Frank Rijkaard (53): Der Mittelfeld-Abräumer der niederländischen Europameister-Elf von 1988 scheiterte als Trainer-Frischling mit der Nationalelf bei der Heim-EM 2000 im Halbfinale, führte aber den FC Barcelona um Ronaldinho und Eto'o von 2003 bis 2008 zurück zu alter Stärke. Höhepunkt: der Gewinn der Champions League 2006.

Lothar Matthäus (54): Deutschlands WM-Kapitän von 1990 kam nach seinem Karriereende 2000 nicht über Engagements bei Klubs im zweitklassigen Ausland sowie als Nationaltrainer Ungarns und Bulgariens hinaus. Auf die Bundesliga wartete er vergebens, seit 2011 ist Matthäus ohne Job. Mittlerweile Experte beim Pay-TV-Sender Sky.

Jürgen Klinsmann (51): Der Weltmeister von 1990 hauchte der deutschen Nationalelf nach dem EM-Debakel 2004 ohne jede Trainererfahrung neues Leben ein und hatte nach Platz drei bei der Heim-WM 2006 den Ruf als Baumeister des "Sommermärchens" weg. Bei Bayern München scheiterte Klinsmann aber 2009 nach nicht einmal zehn Monaten krachend, auch als Nationalcoach der USA wackelt sein Stuhl bedenklich.

Bernd Schuster (56): Gewann 2007 mit Real Madrid zwar die spanische Meisterschaft, doch bei den Königlichen war der Europameister von 1980 rückblickend nur einer von vielen Trainern. Auch bei weiteren Stationen wie beim 1. FC Köln, Schachtjor Donezk oder Besiktas Istanbul hielt sich der einstmals begnadete Mittelfeldspieler nur kurz im Amt. Zuletzt wurde er 2014 beim FC Malaga entlassen.

Andreas Brehme (55): Der Weltklasse-Linksverteidiger und Siegtorschütze im WM-Finale 1990 folgte 2000 als Trainer-Novize auf Meistertrainer Otto Rehhagel beim 1. FC Kaiserslautern. Brehme verpasste mit dem Meister von 1998 zweimal den Europacup und wurde im Spätsommer 2002 entlassen. Ein zweites Engagement bei der SpVgg Unterhaching 2005 endete nach wenigen Monaten.

Harald "Toni" Schumacher (61): Der wohl weltbeste Torhüter der 1980er Jahre versuchte sich nach mehreren Stationen als Torwarttrainer 1998 als Chefcoach beim Zweitligisten Fortuna Köln. Im Dezember 1999 wurde er von Präsident Jean Löring noch in der Halbzeit des Spiels gegen Waldhof Mannheim (Spielstand 0:2) entlassen. Heute ist Schumacher Vizepräsident seines Stammvereins 1. FC Köln.

Diego Maradona (55): Der "Goldjunge" schoss Argentinien 1986 quasi im Alleingang zum WM-Titel. Die Verehrung in seiner Heimat ist trotz zahlloser Eskapaden und seines krachenden Scheiterns als Nationaltrainer bei der WM 2010 (0:4 im Viertelfinale gegen Deutschland) ungebrochen. Letzte Trainerstation: 2012 Al Wasl in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Michel Platini (60): Der mittlerweile gesperrte UEFA-Präsident und überragende Akteur bei Frankreichs EM-Sieg 1984 (neun Turniertore) versuchte sich von 1988 bis 1992 als Nationaltrainer. Mit der Equipe Tricolore verpasste Platini die Qualifikation für die WM 1990 in Italien, bei der EM 1992 in Schweden war in der Gruppenphase Endstation.

Marco van Basten (51): Der erfolgreichste Torjäger der späten 1980er und frühen 1990er Jahre gewann 1988 mit den Niederlanden den EM-Titel und wurde 2004 Nationaltrainer von Cruyffs Gnaden. Trotz schönen Spiels scheiterte Oranje bei der WM 2006 und der EM 2008 früh. Nach mehreren Vereinsstationen in den Niederlanden ist van Basten nun Co-Trainer der Elftal unter Danny Blind.

Ruud Gullit (53): Van Bastens kongenialer Partner in der Nationalelf und beim AC Mailand stieg 1996 als Spielertrainer beim FC Chelsea gleich auf hohem Niveau ein. Bereits im ersten Jahr gewann Gullit den FA-Cup, danach ging es allerdings mit der jungen Trainerkarriere steil bergab. Gullits letzte Station: 2011 bei Terek Grosny in Tschetschenien.

Kevin Keegan (64): Die "Mighty Mouse" wurde in ihrer Zeit beim Hamburger SV (1977 bis 1980) zweimal als Europas Fußballer des Jahres ausgezeichnet. Mit zahlreichen Vorschusslorbeeren in die Trainerlaufbahn gestartet, blieben Erfolge sowohl als englischer Nationalcoach als auch auf Vereinsebene aus. Seit seiner Entlassung bei Newcastle United 2008 ist Keegan ohne Trainerjob

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