21.11.2012 | Valencia-Bayern im 11FREUNDE-Liveticker
Share

Die Geilheit hat gefehlt

»Die Geilheit hat gefehlt«, so sprach Lothar Matthäus, ausgewiesener Experte in solchen Fragen, nach dem 1:1 der Bayern in Valencia. Was sonst noch fehlte, lest ihr in der großem Inventur der inneren Leere, der sich der 11FREUNDE-Liveticker unterzog.

Text: Dirk Gieselmann Bild: Imago
FC Valencia
1
:
1
FC Bayern München

15:57 Uhr

Was macht eigentlich... Valencia? Um das gleich mal zu klären, zeigen wir euch mühsam recherchierte Filmaufnahmen aus kolumbianischen Fernseharchiven. Und nun zum Spiel Bayern gegen... vergessen. Egal.

16:08 Uhr

Apropos Valencia, oder wie das heißt. Ein Motto für heute Abend könnte ja sein: »Ich glaub, ich spar mir das Auspressen.«

16:12 Uhr

Und apropos Auspressen. Das meldet »bild.de« brandaktuell: »Lukas Podolski besucht in einem Shirt mit dem Aufdruck ›Fucker‹ ein Konzert von Rihanna.« Wünscht sich da einer was ganz doll zu Weihnachten? Und wann sehen wir, wie Mario Gomez in einem Shirt mit dem Aufdruck »Knipser« ein Spiel der Bayern besucht?

16:19 Uhr

Ist es wirklich der junge Daniel van Buyten, der hier sagt: »Oooooh! Gut!«? Und warum lächelten die Sonnen damals in den Wetterberichten, heute jedoch nicht mehr? 

17:40 Uhr

»Angst-Gegner Valencia«, dröhnt »bild.de«. Aber wer ist eigentlich kein Gegner der Angst? Ich für meinen Teil bin jedenfalls entschiedener Angst-Gegner. Und Mut-Befürworter.

17:53 Uhr

Nachdenkliches um 17:53 Uhr: Ist ein 7:0 gegen Valencia heute noch möglich? Wenn ja: Würde man Lahm dann auch »Euro-Philipp« nennen? Oder ist der Fußball nicht mehr volksnah genug? Und wird im SAT1-Frühstücksfernsehen eigentlich noch »Super-Ball« gespielt?

18:01 Uhr

Sagen wir so: Es wäre schade, wenn nicht. Denn: »Da fliegt einem ja der Draht aus der Mütze!«

18:04 Uhr

Ich komm einfach nicht weg vom »Super-Ball«. Ob Felix Magath davon geträumt hat, dass eine Fußballmannschaft sich genauso lenken ließe: »Rechts! Links!« Er gibt die Kommandos, Bernd Hollerbach mit verbundenen Augen am Joystick, das Ganze über 90 Minuten, und am Ende knackt er den Jackpott? Naja. Hat nicht ganz geklappt. Oh, wie schade. 

18:11 Uhr

Was machen eigentlich die deutschen Basketballnationalspielerinnen heute Abend?

18:39 Uhr

Ein Blick in die Kamera in die Webcam des Stadions Mestalla in Valencia verrät indes nichts Gutes. Sieht aus, als hätten dort zum letzten Mal vor 2000 Jahren Spiele stattgefunden. Hoffentlich gibt es wenigstens Brot.

19:06 Uhr

Apropos Basketballnationalspielerinnen. Man kann sich die Zeit bis zum Anstoß prima damit vertreiben, indem man darauf wartet, dass Uli Hoeneß HIER zum Slam Dunk ansetzt. Man kann aber auch seinen eigenen Füße zählen.

19:13 Uhr

Das ist die Nachricht des Tages: »Dr. Oetker verliert den Pudding-Krieg!« Und wieder einmal werden wir aufs Schmerzlichste daran erinnert, dass es in dieser Welt Wichtigeres gibt als Fußball. 

19:33 Uhr

Lille führt derzeit 2:0 in Borrisow – was bedeutet, dass Bayern und Valencia ein Unentschieden reichen würde, um gemeinsam in die nächste Runde einzuziehen. Bei dem Gedanken... wird mir... ganz schwindelig... Alles verschwimmt... Ich glaube... ich habe... eine Vision!

19:37 Uhr

Die Facebook-Fotos des FC Bayern aus Valencia und die Frage: Was ist demütigender – ein Bärenkostüm zu tragen oder mit einem Bären abzuklatschen und dabei präsidial aussehen zu müssen? Unser Tipp: Unentschieden, 1:1!

19:44 Uhr

Noch eine Stunde bis zum Anpfiff. Kinder, ist das öde. So öde war zuletzt nur die vierstündige Autofahrt von Thomas Schaaf und Klaus Allofs zum Testspiel nach Zwolle, auf der Allofs Schaaf von seiner Entscheidung erzählt haben soll, nach Wolfsburg zu wechseln. »Du, ich gehe nach Wolfsburg!« – »...« – »Thomas?« – »...« »Bist du sauer?« – »…« – »Also ja?« – »…« – »Du kannst ja auch wechseln!« – »…« – »Hast du eigentlich die Chris-de-Burgh-CD dabei, die wir immer so gern gehört haben?« – »…« 

19:59 Uhr

Apropos öde. Nur um mal die Theorie zu überprüfen, dass der Einsatz von Geigen die Einschaltquoten senkt. Der Letzte macht das Licht aus.

20:26 Uhr

Kurz auf »Sky Emotion« hängen geblieben. Dort läuft »Zufällig verheiratet«. Auch kein Unterschied zum Fußballprogramm. Auf »Sky Sport« erzählt Nelson Valdez nämlich von seiner Liebe zum FC Valencia. Quasi »Zufällig verheiratet II – Liebe auf Leihbasis«. 

20:29 Uhr

Erik Meijer als unser Lehrer Doktor Specht. Fährt er gleich auf dem Hollandrad nach Hause und rettet noch schnell einem ertrinkenden Hund das Leben, bevor er seine Problemschüler mit selbstgebackenem Rosinenbrot verwöhnt? 

20:31 Uhr

Ist das noch Koketterie oder schon Idotie, wenn Matthias Sammer jetzt sagt: »Wir können nicht taktieren!« Wenn er sagen würde: »Wir können keinen Strickjacken kaufen, die mir stehen.« Dann... Aber so? Hmpf.

20:35 Uhr

Außerdem im Studio: Lothar Matthäus und eine sprechende Mortadella, die den FC Basel trainiert. Dass man mit letzterer lieber in den Urlaub fahren würde, wenn man vor die Wahl gestellt würde – was sagt das über das Verhältnis der Deutschen zu ihren Sporthelden?    

20:41 Uhr

Die Spieler rollen auf das Feld wie Trecker bei der Landtechnikauktion in Meppen. Maschinen in kaltem Licht. 

20:44 Uhr

Ungerecht: Dante ist der einzige Bayer, der keinen Vornamen hat! Das kann, das darf nicht so bleiben. Wir rufen euch also auf, liebe Fans: Schenkt dem armen Dante einen Vornamen! Vorschläge bitte an online@11freunde.de. Stichwort »Holger«. Zu gewinnen gibt es ein Autogramm von Worf aus »Raumschiff Enterprise«. Und übrigens: Anstoß. Aber das nur am Rande.

2.

Nachdenkliches in der 2. Minute: Muss man, wenn man auf dem rechten Flügel spielt, eigentlich befürchten, dass der Berliner Verfassungsschutz einen schreddert? Nachdenkliches, allzu Nachdenkliches in der nunmehr 3. Minute.

4.

Weil ja sonst nichts passiert: Franck Ribérys Frisur sieht genauso aus wie Gerd Ruges Pelzmütze, die er stets trug, wenn er aus Moskau berichtete. Und damit zurück zur »Tagesschau« nach Hamburg. 

6.

Ecke für die Bayern jetzt. Was haben das Tor von Valencia und zwei Pornodarsteller, die auf den Drehbeginn warten, gemeinsam? Kai Dittmann gibt die Antwort: »Beide Pfosten sind noch unbesetzt.«

8.

Das Dauergesinge der spanischen Fans und die sagenhaft steilen Tribünen suggerieren, dass hier gleich ein superwütender Stier aufs Feld gelassen wird. Ob der Zeugwart der Bayern noch rechtzeitig reagieren kann?

11.

Unsere Charity-Aktion »Mehr Vornamen für Dante« nimmt Fahrt auf. Vorschläge bislang: Kai-Uwe, Ante und Inferno. Es soll Eltern geben, die würden sich für alle entscheiden. Jetz komma da vons Feld runter jetz, Kai-Uwe-Ante-Inferno!

14.

Abgefälschter Ball jetzt. Doch Neuer hält souverän. Wie schon Adorno sagte: »Es gibt keine richtigen Bälle im Abgefälschten.« 

17.

»Da ist Lahm!«, jubiliert Dittmann nun. Was nichts Neues ist, denn Lahm ist seit Jahren quasi überall. Seine Spielweise erinnert sogar immer mehr an diese Staubsaugerroboter, die die ganze Zeit durch die Wohnung surren und tierisch fleißig alles wegrüsseln. Staub-o-Lahm. Vielleicht eine Idee für Weihnachten?

20.

Es ist ein 0:0 der besseren Sorte. Und dort im Korb finden sie torlose Unentschieden vom Vortag. Zum halben Preis.

22.

Valencia mauert gnadenlos. »Open your world«, fleht die Bande. Aber was würden wir dann zu sehen bekommen? Wahrscheinlich Steine.

25.

Das Geile an dieser Rasenschachorgie: Niemand würde merken, wenn Norbert Nachtweih hinten noch mal den Libero geben würde. Bietet SKY deshalb etwa keine Zeitlupen an?

27.

Nur mal so: Nennt Alaba seine Mutter eigentlich »Alaba Ma«? 

28.

»Go Further«, befiehlt die Bande. Doch Lahm, ganz mündig-kritischer Profi, dribbelt genau davor ins Aus. Was für ein Kapitän!

32.

Der Stier, den wir kommen sahen, er ist nun da. Verblüffend: Barragan sieht Rot, bevor er es bekommt, nimmt Alaba auf die Hörner. Tierschützer fordern vollkommen zurecht: Fußball müsste verboten werden!

34.

Valencia also in Unterzahl. Das kennen sie ja von ihren Kontoauszügen.

37.

Erstaunlich viele Paraden in den letzten Minuten. Sind wir etwa in Nord-Korea?

40.

Und die Valencia-Fans, sie singen einfach weiter. So wie die Kastelruther-Spatzen-Fans ja auch einfach weiter singen, obwohl ihre Idole gar nicht die sind, die sie zu sein schienen. Irgendwie ätzend, irgendwie aber auch tröstlich. Kann mal wer für mich singen?

43.

Dante schimpft, als hieße er »Tante«. Grund: Valencia tapst durch den frischgewischten Strafraum. Und: Sein Dutt ist schon wieder aufgeplatzt. Ist das ärgerlich!

45.

Als wäre das hier nicht schon alles schwierig genug, stellt die UEFA uns jetzt auch noch vor eine schier unlösbare Aufgabe: »45 + 2« – ja, gut, ich sach mal: ungefähr 50. »Ich bin froh, wenn Pause ist«, stöhnt Dittmann. Ich auch. Der Kai und ich verkloppen nämlich an der Tischtennisplatte immer gemeinsam den Klassenstreber. Philipp, oder wie der heißt.    

21:34 Uhr

Was in der Entrüstung über den angeblichen Mordversuch am zarten Alaba leider unterging: Rein ästhetisch betrachtet, war das Foul ein Genuss, sowohl das Tackling als auch der Flug. Dazu die richtige Musik und ein gutes Glas Wein... Mmh.

21:37 Uhr

»Bate hat eben verloren«, wirft Sebastian Hellmann plötzlich Lothar Matthäus vor. Der überlegt. War, ist er dort sogar Trainer? Nein, wahrscheinlich nicht. 

21:40 Uhr

Es ist die ewige Wette, die Lothar Matthäus und Andreas Brehme miteinander laufen haben. Seit 1990 müssen sie in jedem Interview den Satz »Das hat mit Fußball nichts mehr zu tun« unterbringen. Und sei es als Antwort auf die Frage: »Wie war ihre letzte Ehe?«

21:43

Was mit Fußball auch nichts mehr zu tun hat: Nordsjælland gegen Donezk. Dort fängt der Donezk-Spieler Luiz Adriano nach einem Hochball einen Fairplay-Rückpass seines Mitspielers Willian zum gegnerischen Torwart einfach ab – und schießt quietschvergnügt ein Tor. Szenen, bei denen man der Fußballwelt abhanden kommt. Und jetzt Anstoß in Valencia. Wie auf einem anderen Planeten.

47.

Für eine Minute sind die 21 Männer auf dem Feld jetzt also die Gruppe 47. Jetzt müsste im Mittelkreis schnell eine Trauerweide wachsen, unter der Thomas Müller sein Klagelied über den Niedergang der CSU verlesen kann.

50.

»Jetzt kommen so langsam die Zuschauer«, sieht Dittmann. Kam wohl vorher noch was Interessantes im Fernsehen.

53.

Lahm beim Einwurf, den Ball in der Hand, lautlos die Lippen bewegend. Sieht aus wie eine Greisin in der Fuzo, die den »Wachturm« feilbietet. Vielleicht seine ganz eigene Art »Erwachet!« zu sagen.

57.

Was nervt: Flanken, so flach wie manche Fußballbiografie. Und daheim in Altendiez schaufelt sich Dr. Theo Zwanziger vor Begeisterung eine Handvoll Weinbrandbohnen extra in seinen Ex-Präsidenten-Schlund.

60.

Chancen, Chancen, Chancen. Steht es hier wirklich noch 0:0? Oder werden uns Schlechterverdienenden einfach die Tore nicht mehr gezeigt? 

64.

Irres Spiel allemal. Der Mensch ist dem Menschen ein Angstgegner. Ganze Karrieren werden hier auf die Furcht vor einem so genannten Endspiel gegen Bate Borrisow reduziert. Als wäre dieser Verein, von dem nicht einmal erwiesen ist, dass es ihn überhaupt gibt, das jüngste Gericht. Ist der Fußballgott etwa tot? »Nein, mein Junge«, tröstet Heynckes Shaquiri vor dessen Einwechslung. »Der macht nur Schlummi.«

67.

Jetzt habe ich's durchschaut: Dieses Spiel ist eine getanzte Allegorie auf die Euro-Krise! Panik, Zusammenbrüche, Vertrauensverluste, Rettungsschirme, brennende Barrikaden. Und auf der Tribüne sitzen Merkel und Rajoy und klatschen kunstsinnig.

72.

»Shaquiri ist präsent seit seiner Einwechslung«, analysiert Dittmann nun. Sogar präsenter als vorher? Dann bin ich versucht zu sagen: Jupp Heynckes ist ein Genie.

73.

Bayern versucht jetzt offenbar, mit zwölf Mann zu spielen. Ich sag ja: Heynckes ist ein Genie. 

76.

Stellt euch irgendeinen halbkaputten Flipper in einer ranzigen Bahnhofskneipe vor, in dem eine rostige Kugel lebensmüde vor sich hin rollert. Habt ihr's? Dann habt ihr auch das Tor, das gerade gefallen ist. 1:0 für Valencia. Und das nach dem unberechtigsten Freistoß in der Geschichte der Menschheit. Und auf der Karl-Heinz Rummenigge schreibt seine Bankettrede mit seinem eigenen Blut.

81.

Und wenn du denkst, es geht nach Borrisow, macht der Müller erst mal richtig Zoff. Tor! Geil reingehasst vom guten Thomas, dem nettesten Angstgegner der Welt. Wie sich beim Jubel sein Gesicht langsam verformt, zurückverwandelt, von der Phase »Todesverachtung«, in der er aussieht wie Mick Jagger beim Orgasmus, zur »Liebenswürdigkeit«, in der er wieder der jungen Uschi Glas ähnelt! Mia san mia. Jetzt wieder. Wurde aber auch Zeit.   

84.

Foul an Neuer. Was soll das? Wann zieht Spanien endlich seine Soldados aus dem Bayern-Starfraum ab?

88.

Menschenskind, bin ich erleichtert. Hab den glorreichen FC Bayern schon in der Kreisliga gesehen, bei der SpVgg Bayreuth III. Auch sie freilich ein Angstgegner. Wie Valencia. Wie Chelsea. Hört diese verdammte Angst denn nie auf? Jetzt hab ich Angst.

90.

Dass Bayern jetzt hier allen Ernstes vor einem Mann wie Nelson Valdez zittert, erinnert in seiner ganzen Erbärmlichkeit an die Pokal-Niederlage gegen Vestenbergsgreuth im Jahre 1994. Bringt Pelligrini jetzt Roland Stein? 

92.

Abpfiff. Bayern ist weiter, bloß weiß niemand, wohin die Reise geht. Und Mario Gomez fasst dieses Gefühlsamok trefflich zusammen: »Schön, aber mit gemischten Gefühlen!«

22:40 Uhr

Oder wie Dittmann es formuliert: »Unterm Strich bleibt viel Kraft gelassen.« Gelassene Kraft, die bleibt. Ein Teufelskreis.

22:42 Uhr

Und jetzt ballert Phil Collins' »In the air tonight« aus der Glotze. Heute Nacht vor allem in der Luft: Angstschweiß. Doch wer wäscht Jupp Heynckes dort, wo er allein nicht mehr hinkommt?

22:45 Uhr

Lothar Matthäus meint, die Geilheit habe gefehlt. Praktisch, wenn man den Zettel, den die letzte Freundin vor ihrem Abgang auf dem Küchentisch hat liegen lassen, einfach noch mal im SKY-Studio verlesen kann. 

22:50 Uhr

Thomas Müller, ziemlich angefressen, sagt: »Wenn wir unser Spiel weiterhin so medium bestreiten, wird das kein Spaziergang.« Und im SKY-Studio servieren währendddessen pferdeähnliche, aber nicht unattraktive Hostessen den so genannten Experten Gummibären. Oder sind es Gummibärinnen? Ekelhaft allemal, diese Parallelwelt. Ich möchte jetzt viel lieber neben Müller sitzen und zuschauen, wie er seine dampfenden Schuhe in die Sporttasche pfeffert. Und da dies, wie so vieles, nicht möglich ist, empfehle ich mich, liebe Fans. Um es mit Kalle Rummenigge zu sagen: »Wir werden zulegen müssen. Ciao.«

22:58 Uhr


Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden