Uruguay
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1
England

Uruguay – England im 11FREUNDE-Liveticker

Celeste macht das Licht aus

England darf aufatmen: keine K.o.-Runde, kein Elfmeterschießen. Vorher hatten alle über Rooney und Suarez gesprochen, danach sprachen alle über Suarez und Rooney. Der uruguayische Hasenzahn zieht die Sicherung raus, die Insel versinkt im Dunkeln. Wie immer völlig nachtblind: der Liveticker.

Ab 20:45 Uhr

Immer eine Hand am Defibrillator: Luis Herrmann und Wayne Jonas.

13:35 Uhr

Hier schon mal der Vorbericht der BBC für heute Abend.

 

20:40 Uhr

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Nie war dieser Satz so wahr wie bei dieser WM. In diesem Sinne: Hallo und willkommen zum Duell der Gehheimfavoriten. Wir haben uns bei den Kollegen der SUN eingelesen und wissen nun, dass es um was geht. Um was? Keine Ahnung. Aber den Free Pint ordern wir gerne. Cheers.

20:44 Uhr

Luis Suarez startet also für Uruguay. Wichtig, immerhin erklärte der verletzte Diego Lugano vorab: »Ich weiß nicht, ob Luis spielen wird. Aber ich hoffe es. Nein, ich träume sogar davon.« Oliver Welke, der davon träumt, dass er nicht aussieht wie Oliver Welke, weiß: »Das kann was werden.« Seine Emotionentasterstimme weckt Kollege Jonas auf. Ein Albtraum.

20:48 Uhr

Der deutsche Teamarzt Tim Meyer hatte vor der WM noch die Engländer dafür kritisiert, dass sie in Winterkleidung trainierten, in der Annahme sie wollten damit die Hitze simulieren. Das Gegenteil ist richtig: 12 Grad in Sao Paulo. ZWÖLF! Alles richtig gemacht, Roy.

20:52 Uhr

Vorbericht über Uruguay. Es fällt der Satz: »Journalistische Distanz bedeutet etwas anderes als bei uns«. Was denn? Distanz etwa? Oder schwimmt die uruguayische KMH tatsächlich vor der Kamera mit den Spielern? Lesen Sie hierzu einen Kommentar von Ulrich Deppendorf vom Westdeutschen Rundfunk.

20:56 Uhr

Die Hymnen. In der Uruguays soll es angeblich um Leben und Tod bzw Vaterland oder Tod gehen, kommt aber eher wie verhinderte Liebe in einer Richard-Strauss-Operette daher. Tirili!

20:58 Uhr

Immerhin: Der Trend, nach dem Ende der Musik noch weiterzusingen, wird jäh gestoppt, alle klatschen schon, als die letzten Takte noch gar nicht verklungen sind. Englands Song for Brazil hingegen: klassisch, zeitlos, schön. Was man über die Spieler nur bedingt sagen kann.

1.

God save the Anstoß. Es geht los. England weicht zurück. Eine physische Meisterleistung. Immerhin stehen die Weißen mit dem Rücken zur Wand.

20:59 Uhr

Das ist jetzt überraschend, Uruguays 17, Arevalo Rios, der eben noch die Partie Elfenbeinküste – Kolumbien geleitet hat, schafft es rechtzeitig zum Spiel

3.

Uruguay und England heute mit einer Frage konfrontiert, wie sie sich sonst nur konkurrierende Diarrhöpartienten stellen: Wer scheidet früher aus? Roy Hodgson hat seine Mannschaft durchgespült, aber das Febreze vergessen. Es riecht. Nach einer Scheißangst.

4.

Oliver Schmidt, der einzige Mensch, der schon im Konfirmationsanzug geboren wurde, kommentiert mit Gauckscher Pastorenmilde: »Da muss er auf die Hilfe seiner Mitmenschen bauen.« Konfessionen of a dangerous mind. Wir sagen: Amen. Beziehungsweise: Erbarmen.

6.

Die Kollegen von der Wall Street haben diese Partie gegen den Aktienmarkt aufgerechnet und schlagen Alarm: »Der Euro stürzte gegenüber dem britischen Pfund ab und steht auf dem niedrigsten Niveau seit November 2013. Denn ähnliche Schritte sind bei der EZB derzeit noch undenkbar. Erst Anfang Juni wurde der Zins auf ein Rekordtief von 0,15 Prozent reduziert. Seit gut einem Jahr läuft das Währungspaar in einem Abwärtskanal, der zugleich gute Orientierungsmarken liefert. Die Oberkante dieser Range verläuft im Bereich um 0,825 GBP und wird von der ebenfalls fallenden 100- und 200-Tage-Linie verstärkt.« Muss sich Mario Draghi jetzt selbst einwechseln?

8.

Que Gerrard, Gerrard /

Whatever will be, will be?

9.

Rooney! Will seiner Coleen, die auf eigene Faust, wider den Anweisungen von Hodgson und mit Kai (4) und Klay (1) angereist ist, etwas bieten. Immerhin hatte seine Liebste gewütet: »Ich will nicht, dass meine Kinder irgendwann fragen, warum sie nie Dad bei einer WM spielen sehen durften.« Aber der Freistoß rauscht links vorbei. Jetzt muss Coleen erklären, warum die Kinder ihren Daddy immer nur haben ausscheiden sehen.

11.

"Zwei Freunde, kein Foul" Was klingt wie eine Integrationsbroschüre der Bundesregierung oder ein Hörspiel aus den Achtzigern, ist Oliver Schmidts Beschreibung eines Zweikampfes zwischen Gerrard und Suarez.

14.

Beunruhigend für alle englischen Fans I: Joe Hart fällt schon hin, wenn er nur einen Abschlag macht. Beunruhigend für alle englischen Fans II: Rodriguez kommt von halblinks völlig frei an den Ball, entscheidet sich aber für den Traumtorversuch, statt das Ganze klug auszuzocken.

17.

Schuss: Sturridge. Ball: störrisch. Immerhin Ecke.

19.

Schon mal jemandem aufgefallen, dass Luis Suarez im Halbprofil verdammt aussieht wie Roy Makaay?

20.

Also von mir aus muss in Gruppe D niemand weiterkommen. Außer Pirlo vielleicht.

21.

Im immergleichen Tempo rattern die Spieler durch das Bild, von links nach rechts, im Hintergrund billige Theatergruppendeko und im Publikum Menschen, die Unsummen bezahlt haben, um nach Strich und Faden verarscht zu werden. Dieses Spiel sieht aus, als würden die Mannschaften Carrells Achtzigerjahreshow »Am laufenden Band« neu aufführen. Mit Roy Hodgson als Korbstuhl und Oliver Schmidt als Trostpreis. 

22.

Wir schaffen täglich am laufenden Band
fühlen uns kläglich am laufenden Band
und sind dann abends total abgespannt
das ist nichts Neues für dich und für mich.
Immer nur hetzen am laufenden Band
immer nur wetzen am laufenden Band
Man steckt am liebsten den Kopf in den Sand
das ist nichts Neues für Dich und für mich
Doch heut’ sag ich Stopp mit dem Galopp
Und habe als Argument:
Dramen gibt es viele, wie auch Trauerspiele
Und wer möchte nicht ein Happyend?
Man kann doch auch lachen am laufenden Band
Und Blödsinn machen am laufenden Band
Heut’ gibt’s was Neues und ich bin mal gespannt
Es gibt Verwandte am laufenden Band
Und was gibt’s noch?
Es gibt Bekannte am laufenden Band
Und was gibt’s noch?
Man kann gewinnen am laufenden Band

25.

Do-or-Die-Match nennt man so ein Spiel auf der Insel. Kategorie nach fünfzig Minuten: or. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Mehr taktiert hat zuletzt nur die Nato auf der Krim. Or?

27.

Eckball für Uruguay, Suarez bedient Cavani, England träumt, von 1966, Bobby Charltons Seitenscheitel, Pints und Pie, einem Pokal, der nicht nach Jules Rimet benannt ist, decken tut den Angreifer jedenfalls keiner, aber Cavani strähnt die Kugel über das Tor. Jules Rimet still gleaming.

29.

Caceres fällt Welbeck. Der singt: »I'm a loser, baby. So why don't you kill me?«

31.

Wayne der Postmann einmal klingelt! Freistoßflanke England, Muslera ist gerade auf dem stündlichen Rundflug durch seinen Strafraum, Rooney setzt den Kopfball an die Latte. Aus ca 50 cm Entfernung.

35.

Selbst der Lattentreffer war irgendwie nur ein Alibiaufregerchen. Sofort verflacht das Spiel wieder. Würde mich gerne etwas hinlegen und ein Nickerchen machen, habe aber Angst, von Oliver Schmidt wegen eines lächerlichen Schüsschens, wie jetzt von Sturridge, aus dem Schlaf geschrien zu werden und dann nie wieder einpennen zu können.

37.

Keiner will sich hier irgendwas vorwerfen lassen, jeder rennt wie blöd, alle Pässe, alle Schüsse, sogar Einwürfe werden ausnahmslos mit Vollspann geschlagen. Und so sieht’s dann halt auch aus.

38.

Ich hab’s doch gewusst, plötzlich, als keiner (also ich nicht) damit rechnet, ist er plötzlich da: Roy Makaay, das Phantom, taucht im Trikot von Suarez vor Hart auf, Cavani löffelt ihm den Ball auf den Kopf. TOOOOR bzw. GOOOOL bzw. GOOOAAAAL!

41.

Die Three Lions harmlos, domestiziert vom Dompteur Suarez. Wollen zurückschlagen, aber wie, mit zusammengebundenen Tatzen? Wir fordern Artenschutz. Wenigstens für Wayne Rooney.

42.

Uruguay wieder so wie Uruguay anno 2010. England wieder so wie England bei jeder WM seit 1966. Zwischen den Mannschaften liegen Generationen.

43.

Die Wiederholung zeigt: Suarez küsste nach dem Tor diverse Glücksbringer an seinem Handgelenk. So weit, so gewöhnlich. Die Zeitlupe offenbart nun aber: Er tat es mit Zunge.

45.

Liegt es, wie vom englischen Boulevard kolportiert, an Coleen Rooney? WAGs nennt man Spielerfrauen wie sie auf der Insel, kurz und offiziell für: Wives and Girlfriends. Inoffiziell: Willing and greedy. Und jetzt raubt sie einer ganzen Nation die letzte Hoffnung.

21:48

Von einer Katastrophe zu Katastrophen: Oliver Schmidt gibt ab an Marietta Slomka. Verbale Kanonaden im heute-Journal. Wir verschanzen uns in uns selbst.

21:52 Uhr

England auf der Couch, seit 48 Jahren am WM-Sieg im eigenen Land knapsend. Was würde Freud diagnostizieren? Vermutlich: einen Vaterlandskomplex.

21:55 Uhr

Immer wieder faszinierend, wie Marietta Slomkas Gesichtsausdruck während einer Anmoderation von 20 Sekunden ein ganzes Höhlenforscherschicksal zu reflektieren im Stande ist: Betroffenheit, Sorge, Erleichterung, Freude. Und nun zum Wetter.

21:56 Uhr

Och nö, doch nicht.

21:58 Uhr

Nett, dass die beiden Ollis aus Solidarität mit England ihren Pointen-Tresen von der Copacabana an die Strandpromenade von Southampton verlegt haben

22:00 Uhr

Ist das nur mein Eindruck, oder bemängelt Oliver Kahn in jeder, wirklich jeder Halbzeit, dass das jeweils zurückliegende Team keinen Typen wie ihn in seinen Reihen hat?

46.

Wiederanpfiff. Mit einem Nebelhorn.

47.

Jetzt wird’s nicklig. Perreira wird von rund 140 Pfund Sterling geblockt.

50.

Joe Hart mit einer zwar effektiven, aber so würdelosen Patschaktion auf der Linie, die die Bezeichnung "Parade" nicht verdient hat.

52.

»Cavani, Cavani«, jodelt Schmidt. Hätte Uruguays Sommerhit 2014 werden können, aber der Lockenmann setzt den Ball mutterseelenallein vor dem Tor von Hart rechts vorbei. Der Song heißt also vorerst »Cava? Nie!« Weiter 1:0.

52.

Rooney, Sohn eines Preisboxers und einer Bareknucklefighterin, lässt sich von Pereira abgrätschen, umtacklen, malträtieren. Überlegt, ob er zurücktritt, so wie damals gegen Ronaldo, das Gesicht wutverzerrt, entscheidet sich dann doch dagegen. Hat sich mental schon vor langer Zeit die rote Karte gegeben.

54.

Die obligatorische Welle schwappt durch die Arena. Und Kollege Jonas schultert sein Brett in den Kamm und surft sie, surft sie, surft sie, bis sie bricht oder er, so genau kann ich das nicht mehr erkennen, nur noch am winziger Fleck am Horizont ist der Kollege, dieser lustige Hallodri, macht ja auch nichts, ganz egal, die Stimmung ist toll, yeah, juchuu, hang loose, wie haben wir nur die vergangenen vier Jahre gelebt? WM, das ist immer auch die Angst vor dem Danach. 

56.

Warten auf Godin.

60.

Wir finden doch immer was, um uns einzureden, dass wir existieren, nicht wahr, Raheem Sterling? Und sei es eine Schwalbe. Nach der er sofort ausgewechselt wird.

63.

Perreira wird kurzzeitig ausgeknockt, soll auf Anraten des Arztes ausgewechselt werden, will aber unbedingt zurück in den Ring, wo er auf alles einprügelt, was ihm in die Quere kommt. Wayne Rooney überlegt jetzt sehr ernsthaft, sich auf alte Familientraditionen zu besinnen. Um endlich mal einen Stich zu machen.

68.

England rennt an, wie englische Fußballer eben anrennen, bevor sie sich acht Pint ex reinschütten: Kopf unten, Schweiß spritzt, Gras spritzt, Lungen rasseln, abgezockte Gegner machen die Räume eng und warten auf den Konter. Und Uruguay ist ein abgezockter Gegner.

70.

»2 Girls 1 Cup« war ja schon widerlich. Aber diese Würgreizproduktion aus São Paulo schraubt den Ekelfaktor in ungeahnte Höhen: »22 Men, 0 Cup« Jonas erbricht sich in das GEZ-Gebührensparschwein.

71.

Hiobsbotschaft aus Campo Bahia! Jogi Löw hat beim Joggen seinen iPod in der Brandung verloren. Was bedeutet das für die deutschen Titelträume? Für den Wet-T-Shirt-Contest, den Jogi am Strand gegen sich selbst ausficht? Muss Hansi Flick jetzt mitjoggen und seinem Chef wieder und wieder »Mein Weg« von Xavier Naidoo vorsingen? »Nochmal von vorne, Hansi!« - »Nochmal? Aber ich kann nicht mehr.« - »Du singscht jetzt gefälligscht. Oder willscht du wieder beim FC Bammental die Tickets abreißen?« Eine Nation in Sorge.

72.

Hodgson wechselt jetzt Fantasiespieler ein, die so kingen, wie England spielt: Lallana. Summertime Sadness.

74.

Nachdenkliches am späten Abend: Funktioniert die flache Vier eigentlich nur auf einem LCD-Fernseher? Eine Taktik, die ein ganzes Konsumentensegment einfach ausschließt. Wir haben leider nur einen alten Philipps von 1983. Wir gucken in die Röhre.  

75.

TOOOOOOOOOOOOR! Das wir das noch erleben dürfen, Wayne Rooney, Purple Wayne, wie wir ihn wegen seiner Laktatwerte liebevoll nennen, bekommt seine vierte Riesenchance in diesem Spiel, hat auch keine Zeit mehr, über sich oder Colleen, ihre Kinder oder den World Cup nachzudenken, muss nur noch den Fuß hinhalten und Muslera eine Widmung schreiben: To Nestor, I shagged you on June 19th, 2014. Yours, Wayne. 1:1.

78.

Suarez streithahnt durch die Hälfte der Engländer. Diskutiert erst mit Cahill, grätscht dann dessen Nebenmann Jagielka um. Uruguayische Ontologie. Suarez cogita, Suarez extensa.

81.

Suarez wird auf links von Pereira freigespielt, beißt den Ball in die Mitte. Aber da wehrt Cahill ab. Guckt sich danach ungläubig um. Bin ich denn hier der einzige, der noch verteidigt? Irgendwie tut er einem leid. Und gleich steigt Guido Crantz aus dem Mittelkreis und fragt mit seiner ganzen Wasserstoffblondheit: »Verstehen Sie Spaß?« Verstehen wir nicht, Guido. Haben wir noch nie. 

84.

Und! Jetzt! Nicht! Cavani dropkickt einfach mal netzwärts, scheitert aber am türhutenden Gemächt der Engländer. Kein Schwanz ist so hart wie das Leben. Und kein Leben hat so viel Schwanz wie Joe Hart. 

86.

Was ist denn hier los? Gerrard macht sich bewusst, dass er im englischen Trikot keinen Blumentopf mehr gewinnen wird, wechselt deshalb kurzerhand die Seiten, die Teams, malt sich deshalb babyblau an und schickt Suarez steil, der den Ball ins lange Ecke trümmert. Uru-guay! God pranks the Queen.

89.

Wer kann England jetzt noch retten? Wir sagen: Ashley Cole. Verkleidet als Prince.

90.

Fünf Minuten Nachspielzeit, fünf Minuten, das prognostiziere ich jetzt mal, intensivstes Gehacke, Gehäcksel gar. Aber wird es für ein Tor reichen? Oder zumindest ein paar abgetrennte Gliedmaßen?

93.

Alle Engländer rennen an, alle Namen, die wir hören, enden auf -nie. Cava-nie, Stua-nie, und natürlich, am unmöglichsten, Roo-nie.

95.

Und aus! Das Spiel ist aus. Die Uruguayer flippen aus, die Engländer schlurfen vom Platz, wie sie bei jeder WM irgendwann, und meistens früh, vom Platz schlurfen. Aber so früh? Aus ist wahrscheinlich auch die WM-Karriere von Wayne Rooney, eine Bude hat er immerhin noch gemacht, aber wird das reichen, um Colleen zu halten. Ich meine, wie soll sie das den Kindern erklären, dass dieser Dutch Man doppelt so viele Tore schießt wie ihr Vater. Ganz ehrlich. Soll nicht unsere Sorge sein. Wir sind nämlich, ebenfalls, raus. Gute Nacht bzw. viel Spaß gleich bei, bei... beim dritten Spiel halt.

95.

Und aus! Das Spiel ist aus. Die Uruguayer flippen aus, die Engländer schlurfen vom Platz, wie sie bei jeder WM irgendwann, und meistens früh, vom Platz schlurfen. Aber so früh? Aus ist wahrscheinlich auch die WM-Karriere von Wayne Rooney, eine Bude hat er immerhin noch gemacht, aber wird das reichen, um Colleen zu halten. Ich meine, wie soll sie das den Kindern erklären, dass dieser Dutch Man doppelt so viele Tore schießt wie ihr Vater. Ganz ehrlich. Soll nicht unsere Sorge sein. Wir sind nämlich, ebenfalls, raus. Gute Nacht bzw. viel Spaß gleich bei, bei, beim dritten Spiel halt.

93.

Alle Engländer rennen an, alle Namen, die wir hören, enden auf -nie. Cava-nie, Stua-nie, und natürlich, am unmöglichsten, Roo-nie.

90.

Fünf Minuten Nachspielzeit, fünf Minuten, das prognostiziere ich jetzt mal, intensivstes Gehacke, Gehäcksel gar. Aber wird es für ein Tor reichen? Oder zumindest ein paar abgetrennte Gliedmaßen?

89.

Wer kann England jetzt noch retten? Wir sagen: Ashley Cole. Verkleidet als Prince.

86.

Was ist denn hier los? Gerrard macht sich bewusst, dass er im englischen Trikot keinen Blumentopf mehr gewinnen wird, wechselt deshalb kurzerhand die Seiten, die Teams, malt sich deshalb babyblau an und schickt Suarez steil, der den Ball ins lange Ecke trümmert. Uru-guay! God pranks the Queen.

84.

Und! Jetzt! Nicht! Cavani dropkickt einfach mal netzwärts, scheitert aber am türhutenden Gemächt der Engländer. Kein Schwanz ist so hart wie das Leben. Und kein Leben hat so viel Schwanz wie Joe Hart. 

81.

Suarez wird auf links von Pereira freigespielt, beißt den Ball in die Mitte. Aber da wehrt Cahill ab. Guckt sich danach ungläubig um. Bin ich denn hier der einzige, der noch verteidigt? Irgendwie tut er einem leid. Und gleich steigt Guido Crantz aus dem Mittelkreis und fragt mit seiner ganzen Wasserstoffblondheit: »Verstehen Sie Spaß?« Verstehen wir nicht, Guido. Haben wir noch nie. 

78.

Suarez streithahnt durch die Hälfte der Engländer. Diskutiert erst mit Cahill, grätscht dann dessen Nebenmann Jagielka um. Uruguayische Ontologie. Suarez cogita, Suarez extensa.

75.

TOOOOOOOOOOOOR! Das wir das noch erleben dürfen, Wayne Rooney, Purple Wayne, wie wir ihn wegen seiner Laktatwerte liebevoll nennen, bekommt seine vierte Riesenchance in diesem Spiel, hat auch keine Zeit mehr, über sich oder Colleen, ihre Kinder oder den World Cup nachzudenken, muss nur noch den Fuß hinhalten und Muslera eine Widmung schreiben: To Nestor, I shagged you on June 19th, 2014. Yours, Wayne. 1:1.

74.

Nachdenkliches am späten Abend: Funktioniert die flache Vier eigentlich nur auf einem LCD-Fernseher? Eine Taktik, die ein ganzes Konsumentensegment einfach ausschließt. Wir haben leider nur einen alten Philipps von 1983. Wir gucken in die Röhre.  

72.

Hodgson wechselt jetzt Fantasiespieler ein, die so kingen, wie England spielt: Lallana. Summertime Sadness.

71.

Hiobsbotschaft aus Campo Bahia! Jogi Löw hat beim Joggen seinen iPod in der Brandung verloren. Was bedeutet das für die deutschen Titelträume? Für den Wet-T-Shirt-Contest, den Jogi am Strand gegen sich selbst ausficht? Muss Hansi Flick jetzt mitjoggen und seinem Chef wieder und wieder »Mein Weg« von Xavier Naidoo vorsingen? »Nochmal von vorne, Hansi!« - »Nochmal? Aber ich kann nicht mehr.« - »Du singscht jetzt gefälligscht. Oder willscht du wieder beim FC Bammental die Tickets abreißen?« Eine Nation in Sorge.

70.

»2 Girls 1 Cup« war ja schon widerlich. Aber diese Würgreizproduktion aus São Paulo schraubt den Ekelfaktor in ungeahnte Höhen: »22 Men, 0 Cup« Jonas erbricht sich in das GEZ-Gebührensparschwein.

68.

England rennt an, wie englische Fußballer eben anrennen, bevor sie sich acht Pint ex reinschütten: Kopf unten, Schweiß spritzt, Gras spritzt, Lungen rasseln, abgezockte Gegner machen die Räume eng und warten auf den Konter. Und Uruguay ist ein abgezockter Gegner.

63.

Perreira wird kurzzeitig ausgeknockt, soll auf Anraten des Arztes ausgewechselt werden, will aber unbedingt zurück in den Ring, wo er auf alles einprügelt, was ihm in die Quere kommt. Wayne Rooney überlegt jetzt sehr ernsthaft, sich auf alte Familientraditionen zu besinnen. Um endlich mal einen Stich zu machen.

60.

Wir finden doch immer was, um uns einzureden, dass wir existieren, nicht wahr, Raheem Sterling? Und sei es eine Schwalbe. Nach der er sofort ausgewechselt wird.

56.

Warten auf Godin.

54.

Die obligatorische Welle schwappt durch die Arena. Und Kollege Jonas schultert sein Brett in den Kamm und surft sie, surft sie, surft sie, bis sie bricht oder er, so genau kann ich das nicht mehr erkennen, nur noch am winziger Fleck am Horizont ist der Kollege, dieser lustige Hallodri, macht ja auch nichts, ganz egal, die Stimmung ist toll, yeah, juchuu, hang loose, wie haben wir nur die vergangenen vier Jahre gelebt? WM, das ist immer auch die Angst vor dem Danach. 

52.

Rooney, Sohn eines Preisboxers und einer Bareknucklefighterin, lässt sich von Pereira abgrätschen, umtacklen, malträtieren. Überlegt, ob er zurücktritt, so wie damals gegen Ronaldo, das Gesicht wutverzerrt, entscheidet sich dann doch dagegen. Hat sich mental schon vor langer Zeit die rote Karte gegeben.

52.

»Cavani, Cavani«, jodelt Schmidt. Hätte Uruguays Sommerhit 2014 werden können, aber der Lockenmann setzt den Ball mutterseelenallein vor dem Tor von Hart rechts vorbei. Der Song heißt also vorerst »Cava? Nie!« Weiter 1:0.

50.

Joe Hart mit einer zwar effektiven, aber so würdelosen Patschaktion auf der Linie, die die Bezeichnung "Parade" nicht verdient hat.

47.

Jetzt wird’s nicklig. Perreira wird von rund 140 Pfund Sterling geblockt.

46.

Wiederanpfiff. Mit einem Nebelhorn.

22:00 Uhr

Ist das nur mein Eindruck, oder bemängelt Oliver Kahn in jeder, wirklich jeder Halbzeit, dass das jeweils zurückliegende Team keinen Typen wie ihn in seinen Reihen hat?

21:58 Uhr

Nett, dass die beiden Ollis aus Solidarität mit England ihren Pointen-Tresen von der Copacabana an die Strandpromenade von Southampton verlegt haben

21:56 Uhr

Och nö, doch nicht.

21:55 Uhr

Immer wieder faszinierend, wie Marietta Slomkas Gesichtsausdruck während einer Anmoderation von 20 Sekunden ein ganzes Höhlenforscherschicksal zu reflektieren im Stande ist: Betroffenheit, Sorge, Erleichterung, Freude. Und nun zum Wetter.

21:52 Uhr

England auf der Couch, seit 48 Jahren am WM-Sieg im eigenen Land knapsend. Was würde Freud diagnostizieren? Vermutlich: einen Vaterlandskomplex.

21:48

Von einer Katastrophe zu Katastrophe: Oliver Schmidt gibt ab an Marietta Slomka. Verbale Kanonaden im heute-Journal. Wir verschanzen uns in uns selbst.

45.

Liegt es, wie vom englischen Boulevard kolportiert, an Coleen Rooney? WAGs nennt man Spielerfrauen wie sie auf der Insel, kurz und offiziell für: Wives and Girlfriends. Inoffiziell: Willing and greedy. Und jetzt raubt sie einer ganzen Nation die letzte Hoffnung.

 

43.

Die Wiederholung zeigt: Suarez küsste nach dem Tor diverse Glücksbringer an seinem Handgelenk. So weit, so gewöhnlich. Die Zeitlupe offenbart nun aber: Er tat es mit Zunge.

42.

Uruguay wieder so wie Uruguay anno 2010. England wieder so wie England bei jeder WM seit 1966. Zwischen den Mannschaften liegen Generationen.

41.

Die Three Lions harmlos, domestiziert vom Dompteur Suarez. Wollen zurückschlagen, aber wie, mit zusammengebundenen Tatzen? Wir fordern Artenschutz. Wenigstens für Wayne Rooney.

38.

Ich hab’s doch gewusst, plötzlich, als keiner (also ich nicht) damit rechnet, ist er plötzlich da: Roy Makaay, das Phantom, taucht im Trikot von Suarez vor Hart auf, Cavani löffelt ihm den Ball auf den Kopf. TOOOOR bzw. GOOOOL bzw. GOOOAAAAL!

37.

Keiner will sich hier irgendwas vorwerfen lassen, jeder rennt wie blöd, alle Pässe, alle Schüsse, sogar Einwürfe werden ausnahmslos mit Vollspann geschlagen. Und so sieht’s dann halt auch aus.

35.

Selbst der Lattentreffer war irgendwie nur ein Alibiaufregerchen. Sofort verflacht das Spiel wieder. Würde mich gerne etwas hinlegen und ein Nickerchen machen, habe aber Angst, von Oliver Schmidt wegen eines lächerlichen Schüsschens, wie jetzt von Sturridge, aus dem Schlaf geschrien zu werden und dann nie wieder einpennen zu können.

31.

Wayne der Postmann einmal klingelt! Freistoßflanke England, Muslera ist gerade auf dem stündlichen Rundflug durch seinen Strafraum, Rooney setzt den Kopfball an die Latte. Aus ca 50 cm Entfernung.

29.

Caceres fällt Welbeck. Der singt: »I'm a loser, baby. So why don't you kill me?«

27.

Eckball für Uruguay, Suarez bedient Cavani, England träumt, von 1966, Bobby Charltons Seitenscheitel, Pints und Pie, einem Pokal, der nicht nach Jules Rimet benannt ist, decken tut den Angreifer jedenfalls keiner, aber Cavani strähnt die Kugel über das Tor. Jules Rimet still gleaming.

25.

Do-or-Die-Match nennt man so ein Spiel auf der Insel. Kategorie nach fünfzig Minuten: or. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Mehr taktiert hat zuletzt nur die Nato auf der Krim. Or?

22.

Wir schaffen täglich am laufenden Band
fühlen uns kläglich am laufenden Band
und sind dann abends total abgespannt
das ist nichts Neues für dich und für mich.
Immer nur hetzen am laufenden Band
immer nur wetzen am laufenden Band
Man steckt am liebsten den Kopf in den Sand
das ist nichts Neues für Dich und für mich
Doch heut’ sag ich Stopp mit dem Galopp
Und habe als Argument:
Dramen gibt es viele, wie auch Trauerspiele
Und wer möchte nicht ein Happyend?
Man kann doch auch lachen am laufenden Band
Und Blödsinn machen am laufenden Band
Heut’ gibt’s was Neues und ich bin mal gespannt
Es gibt Verwandte am laufenden Band
Und was gibt’s noch?
Es gibt Bekannte am laufenden Band
Und was gibt’s noch?
Man kann gewinnen am laufenden Band

21.

Im immergleichen Tempo rattern die Spieler durch das Bild, von links nach rechts, im Hintergrund billige Theatergruppendeko und im Publikum Menschen, die Unsummen bezahlt haben, um nach Strich und Faden verarscht zu werden. Dieses Spiel sieht aus, als würden die Mannschaften Carrells Achtzigerjahreshow »Am laufenden Band« neu aufführen. Mit Roy Hodgson als Korbstuhl und Oliver Schmidt als Trostpreis. 

20.

Also von mir aus muss in Gruppe D niemand weiterkommen. Außer Pirlo vielleicht.

19.

Schon mal jemandem aufgefallen, dass Luis Suarez im Halbprofil verdammt aussieht wie Roy Makaay?

17.

Schuss: Sturridge. Ball: störrisch. Immerhin Ecke.

14.

Beunruhigend für alle englischen Fans I: Joe Hart fällt schon hin, wenn er nur einen Abschlag macht. Beunruhigend für alle englischen Fans II: Rodriguez kommt von halblinks völlig frei an den Ball, entscheidet sich aber für den Traumtorversuch, statt das Ganze klug auszuzocken.

11.

"Zwei Freunde, kein Foul" Was klingt wie eine Integrationsbroschüre der Bundesregierung oder ein Hörspiel aus den Achtzigern, ist Oliver Schmidts Beschreibung eines Zweikampfes zwischen Gerrard und Suarez.

9.

Rooney! Will seiner Coleen, die auf eigene Faust, wider den Anweisungen von Hodgson und mit Kai (4) und Klay (1) angereist ist, etwas bieten. Immerhin hatte seine Liebste gewütet: »Ich will nicht, dass meine Kinder irgendwann fragen, warum sie nie Dad bei einer WM spielen sehen durften.« Aber der Freistoß rauscht links vorbei. Jetzt muss Coleen erklären, warum die Kinder ihren Daddy immer nur haben ausscheiden sehen.

8.

Que Gerrard, Gerrard /

Whatever will be, will be?

6.

Die Kollegen von der Wall Street haben diese Partie gegen den Aktienmarkt aufgerechnet und schlagen Alarm: »Der Euro stürzte gegenüber dem britischen Pfund ab und steht auf dem niedrigsten Niveau seit November 2013. Denn ähnliche Schritte sind bei der EZB derzeit noch undenkbar. Erst Anfang Juni wurde der Zins auf ein Rekordtief von 0,15 Prozent reduziert. Seit gut einem Jahr läuft das Währungspaar in einem Abwärtskanal, der zugleich gute Orientierungsmarken liefert. Die Oberkante dieser Range verläuft im Bereich um 0,825 GBP und wird von der ebenfalls fallenden 100- und 200-Tage-Linie verstärkt.« Muss sich Mario Draghi jetzt selbst einwechseln?

4.

Oliver Schmidt, der einzige Mensch, der schon im Konfirmationsanzug geboren wurde, kommentiert mit Gauckscher Pastorenmilde: »Da muss er auf die Hilfe seiner Mitmenschen bauen.« Konfessionen of a dangerous mind. Wir sagen: Amen. Beziehungsweise: Erbarmen.

3.

Uruguay und England heute mit einer Frage konfrontiert, wie sie sich sonst nur konkurrierende Diarrhöpartienten stellen: Wer scheidet früher aus? Roy Hodgson hat seine Mannschaft durchgespült, aber das Febreze vergessen. Es riecht. Nach einer Scheißangst.

20:59 Uhr

Das ist jetzt überraschend, Uruguays 17, Arevalo Rios, der eben noch die Partie Elfenbeinküste – Kolumbien geleitet hat, schafft es rechtzeitig zum Spiel

1.

God save the Anstoß. Es geht los. England weicht zurück. Eine physische Meisterleistung. Immerhin stehen die Weißen mit dem Rücken zur Wand.

20:58 Uhr

Immerhin: Der Trend, nach dem Ende der Musik noch weiterzusingen, wird jäh gestoppt, alle klatschen schon, als die letzten Takte noch gar nicht verklungen sind. Englands Song for Brazil hingegen: klassisch, zeitlos, schön. Was man über die Spieler nur bedingt sagen kann.

20:56 Uhr

Die Hymnen. In der Uruguays soll es angeblich um Leben und Tod bzw Vaterland oder Tod gehen, kommt aber eher wie verhinderte Liebe in einer Richard-Strauss-Operette daher. Tirili!

20:52 Uhr

Vorbericht über Uruguay. Es fällt der Satz: »Journalistische Distanz bedeutet etwas anderes als bei uns«. Was denn? Distanz etwa? Oder schwimmt die uruguayische KMH tatsächlich vor der Kamera mit den Spielern? Lesen Sie hierzu einen Kommentar von Ulrich Deppendorf vom Westdeutschen Rundfunk.

20:48 Uhr

Der deutsche Teamarzt Tim Meyer hatte vor der WM noch die Engländer dafür kritisiert, dass sie in Winterkleidung trainierten, in der Annahme sie wollten damit die Hitze simulieren. Das Gegenteil ist richtig: 12 Grad in Sao Paulo. ZWÖLF! Alles richtig gemacht, Roy.

20:44 Uhr

Luis Suarez startet also für Uruguay. Wichtig, immerhin erklärte der verletzte Diego Lugano vorab: »Ich weiß nicht, ob Luis spielen wird. Aber ich hoffe es. Nein, ich träume sogar davon.« Oliver Welke, der davon träumt, dass er nicht aussieht wie Oliver Welke, weiß: »Das kann was werden.« Seine Emotionentasterstimme weckt Kollege Jonas auf. Ein Albtraum.

20:40 Uhr

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Nie war dieser Satz so wahr wie bei dieser WM. In diesem Sinne: Hallo und willkommen zum Duell der Gehheimfavoriten. Wir haben uns bei den Kollegen der SUN eingelesen und wissen nun, dass es um was geht. Um was? Keine Ahnung. Aber den Free Pint ordern wir gerne. Cheers.

13:35 Uhr

Hier schon mal der Vorbericht der BBC für heute Abend.

Ab 20:45 Uhr

Immer eine Hand am Defibrillator: Luis Herrmann und Wayne Jonas.

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