Südkorea
2
4
Algerien

Südkorea - Algerien im Liveticker

Son Ärger

»Wenn ich aus dem Haus gehe, muss ich mich verkleiden«, wusste Son schon vorher. Gegen Algerien verkleidete er sich deshalb als Heiko Westermann. Das ging natürlich nach hinten los. Südkorea wurde zerlegt, Algerien schnuppert am Achtelfinale. Im Adamskostüm an der Tastatur: der Liveticker.

20:40 Uhr

Freunde, Südkorea Algerien, ich weiß, ich weiß, ein Fußballspiel wie eine Woche Grippe. Aber: Ein Fußballspiel. Und außerdem:

20:45 Uhr

Der erste Dämpfer: Zé Roberto in der MAZ. Mit geschätzten 50 Jahren noch so fit wie eh und je, dazu ein Sixpack unter dem Shirt, auf dem man Käse reiben könnte. Der Mann ist eine Beleidigung für jemanden wie mich, bei dem die Bierwampe mittlerweile so groß ist, dass sie sich bald an der Miete beteiligen muss.

20:46 Uhr

Guten Abend, hier Herrmann. Was habe ich eigentlich gemacht, als die Zuständigkeiten für den Liveticker verteilt wurden? War ich betrunken? Verreist? Sediert? Tot? Südkorea gegen Algerien ist der Welten Lohn. Gott verzeih es mir, denn ich kann es nicht. 

20:48 Uhr

Porto Alegre, das heißt, informiert uns das ZDF, übersetzt: Lustiger Hafen. Reich hat vorgesorgt, im Redaktionsraum seinen ganz eigenen, lustigen Hafen gezimmert. Sich dann via Ticker über Bierbäuche auslassen, ist natürlich extrem unglaubwürdig.

20:49 Uhr

Gewissensfrage: Zé Robertos Sixpack haben aber dafür mit seiner Mettigel-Frise rumlaufen müssen? Na? Naaaa? Siehste...

20:51 Uhr

 

Angeblich haben sich die Algerier in der Halbzeitpause des Belgien-Spiels ja gegen die Taktik des Trainers gestellt. Angeblich wollte Verbandspräsident Mohamed Rourawa auch über die heutige Aufstellung entscheiden. Wir würden auf derlei Gerüchte nicht allzu viel geben. Angeblich ist dieser Liveticker auch lustig, manchmal. Angeblich haben wir Ahnung vom Fußball. 

20:52 Uhr

»Südkorea gegen Algerien - ein Spiel der Gegensätze«, so der Kollege im Vorberricht. Wusste gar nicht, dass Not und Elend Gegensätze sind.

20:55 Uhr

Schiri heute übrigens Wilmar Rodan. Sein Assistent Wilmar N'Bisschenbescheißenundkohlemachen ist ja leider nicht mehr dabei.

20:57 Uhr

Die südkoreanische Hymne klingt ein wenig wie die deutsche. So langsam nimmt dieses asiatische Plagiatsproblem bedenkliche Formen an.

20:58 Uhr

So schnell geht das: Jetzt ist es schon wieder out, bei der Hymne zu flennen. Der Fußball ist eben ein schnelllebiges Geschäft.

21:00 Uhr

Gleich geht's los, nur ein Spot: Das folgende Spiel wird ihnen präsentiert vom neuen Bitburger-Baldrian. Offizieller Partner der Kackspiele bei dieser WM.

1.

Südkorea stößt an. In Pjöngjang verspeist Kim Jong-Un vor Wut einen atomaren Spengkopf.

2.

 

Das geht doch gut los. Irgendein Algerier, wahrscheinlich Camus, galoppiert über die linke Flanke, Flanke, Schuss, vorbei, aber knapp. Man muss sich Halilhodzic jetzt schon als einen glücklicheren Menschen vorstellen.

4.

 

Ich kenne niemanden aus der algerischen Équipe. Aus dem Geschichtsunterricht, gymnasiale Mittelstufe, erinnere ich aber, dass es Berber, Phönizier, Vandalen und Oströmer sein müssen, die da auflaufen. Auf, auf also, ihr tapferen Männer, für Unabhängigkeit und Pluralismus. Und lasst euch auch nicht davon ermutigen, dass mal wieder ein Elfmeter vermehrt wird, der klarer ist als selbstdestillierter Mirabellenschnaps. Eines Tages kommt Gerechtigkeit. Bestimmt.

7.

 

Eigentlich sollte also Humberto Clavijo dieses Spiel an der Linie, an der Fahne assistieren. Wurde aber von der FIFA abgezogen, weil er Mexikos Dos Santos zwei Treffer wegwinkte. Beim Weltverband werden Fehler sofort sanktioniert. Fast wie bei 11FREUNDE: Da zuckert man Gieselmann einmal den Kaffee falsch und muss deshalb Korea gegen Algerien tickern.

9.

 

Südkoreas Trainer Myung-Bo Hong hat gesagt: »Wenn wir das erste Tor machen, spielt uns das in die Karten. Wenn uns das nicht gelingt, bleiben wir geduldig.« Das ist auch taktischer Warte natürlich ein Geniestreich. Sein Team steht also in jedem Fall auf der richtigen Seite der Geschichte. Wir glauben: Das geht gut. Und wenn es nicht gut geht, bleiben wir geduldig.

10.

Slimani. Kopfball. Vorbei. Slimanie.

13.

Erstes Chancechen für Korea, Koo mit dem Ball im Sechzehner, verdaddelt aber, dreht sich im Kreis und bleibt hängen, bevor er sich fast hinpackt. Hätte er auch mit Augenbinde nicht schlechter machen können. Blinde Koo.

15.

Das erwartet miese Spiel. Von so viel Langeweile krieg ich Algerie:

19.

Koo geht zu Boden, Freistoß. Philosophische Frage am Abend: Wenn es ein WM-Spiel gibt, dass so mies ist, dass es sich wirklich niemand anschaut, und der Schiri pfeift Freistoß, ist der Spieler dann wirklich umgefallen?

20.

Antwort: Ja. Leider nicht die Antwort auf den Freistoß.

22.

Slimani mit der Chance. Aber das wäre ja auch Quatsch gewesen, den reinzumachen. Das würde ja dem Spielniveau absolut nicht entsprechen.

23.

Ich bin ja riesiger Cathy-Fischer-Fan, im Gegensatz zu den Kollegen. Was macht Fischer heute? »Heute machen wir Caipirinha. Oder wie man bei uns in Deutschland auch sagt: einen Caipi. Wir machen aber keinen Caipi, sondern einen richtigen brasilianischen Caipirinha.« Ist das noch Dialektik oder schon Demenz?

25.

Wer Algerien hört, denkt immer auch an die Schande von Gijon. Behaupten wir jetzt einfach mal. Wir behaupten außerdem: Damals gab es trotzdem mehr Torszenen als in dieser Partie. Rutscht am Ende Österreich ins Achtelfinale?

26.

Meuterei in der Redaktion. Reich stellt sich, vom kolportierten algerischen Widerstand inspiriert, gegen die Taktik des Livetickers. Will nur noch in Wingdings schreiben und kursiv. Bedenklich: Beides könnte das Spiel tatsächlich besser machen.

27.

Wir nehmen alles zurück. Weil: Toooooor! Langer Ball auf Slimani, der läuft und läuft und läuft, Sepp Blatter verlängert dem Algerier das Feld per Eildekret, Slimani dankt es dem Patron mit einem Heber ins Netz der Koreaner. Geiles Spiel. Haben wir ja immer gesagt. Danke, Sepp. 

31.

Ja, seid's ihr dann narrisch? Eben noch Mehdi Ben Slimane, jetzt steigt Uwe Wassmer nach Ecke von Rodolfo Esteban Cardoso hoch und überwindet den verdutzten Oli Kahn. Die Breisgau-Brasilianer führen hier gegen die Bayern mit 5:1, der absolute Wahnsi...oh, sorry, hab aus Langeweile eine alte »ran«-VHS eingelegt und bin eingenickt. Egal, 2:0 Algerien. 

33.

Südkorea wirkt geschockt. War's das son?

34.

Brahimi wieder über links, klingt wie eine indische Gottheit. Seine Flanke derweil eher nordhessischer Kreisliga-Libero. Ich hol mir schnell noch ne Ahle Wurscht. Mit Curry-Ketchup

36.

Hat einer der Torschützen eigentlich dieses kack Jubel-Herz geformt? Hab gar nicht hingesehen. Jedesmal, wenn ein Spieler mit den Händen ein Herz formt, formt mein Herz einen Mittelfinger.

39.

Gooooooooool. Slimani auf Djabbou, die beiden Ballakrobaten springen vergnügt durch das, was die Koreaner da Abwehr schimpfen, spielen sich locker-flockig den Ball zu, fangen an zu Jonglieren, steigen aufs Trapez, setzen sich Clownsnasen auf, drehen eine Runde auf dem Einrad, machen ein paar Flic-Flacs und schieben schließlich lachend den Ball ins Eck. Mit dieser koreanischen Abwehr kann man es machen.

41.

 

Heung-Min Son kann vor wichtigen Spielen nicht schlafen, informiert uns der Wark. Stundenlang liegt er dann wach, der Koreaner, wälzt seine Gedanken und sich gleich mit, färbt sich zum Zeitvertreib vielleicht die Haare, füttert sein Tamagochi, was Menschen wie er eben so machen. Nur schlafen, schlafen kann er nicht. Der Form am Spieltag ist das nicht immer zuträglich. Hier ein Live-Bild von Son:

43.

Yun gegen Bentaleb. Foul, Freistoß, irgendwo in der Mittelfeldperipherie. Yunnötig.

45.

 

»Applaus aus der algerischen Kolonie«, feldherrt Wark jetzt ins Mikrofon. Der ZDF-Mann führt einen verbalen Unabhängigskrieg. Gegen sich selbst.

21:48 Uhr

Halbzeit. Ein Spiel wie aus dem Jahr 1913, aufgeschrieben von Florian Illies. Motto: Raste nie und haste nie, sonst haste die Neurasthenie. Und was sagt Doktor Freud dazu? »Die Absicht, daß der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten.« Südkorea gegen Algerien, das ist vielleicht die Urkatastrophe des 21. Jahrhunderts.

 

21:50 Uhr

Hoffnung für Südkorea: Heung-Min Son hat seinen Lieblingsrucksack wiedergefunden. Ist das Talent in dem kultigen Textil versteckt? Die Antwort liefern wir in der zweiten Halbzeit. Motto: Best in Rest.

21:53 Uhr

0:3 zur Pause also. Unsere koreanische Schülerpraktikantin ist untröstlich:

21:56 Uhr

Das heute-journal lässt uns wissen, dass Nico Rosberg im Mercedes das Formel 1-Rennen gewonnen hat. Darauf eine Dose Red Bull. Genüsslich in den Abfluss.

21:59 Uhr

Und zurück ins Studio. Mal so nebenbei: Wenn Katar die WM 2022 tatsächlich doch wieder weggenommen werden sollte, vielleicht könnte man sie auf Oli Welkes Stirn ausrichten?

22:00 Uhr

Kann ein Mensch mit derartigen Geheimratsecken eigentlich jemals jung gewesen sein? Die Antwort ist erschreckend

:

46.

Nur weiße Trikots auf dem Feld, Südkorea tritt nicht mehr an. Halilzovic verteilt Leibchen, teilt sein Team auf. »Ihr Elf, ihr spielt jetzt Fünf gegen Acht.« 

48.

 

Son hat dem Kicker sein Herz ausgeschüttet: »Wenn ich in Korea aus dem Haus gehe, dann nur verkleidet. Sonst werde ich von den Menschen überrannt.« Können wir in der Theorie nachvollziehen. In der Praxis finden wir das übertrieben.

49.

Yun bricht am linken Flügel durch, wird im letzten Moment von Feghouli abgeräumt. Per Kantsteinbeißer. Ganz fiese Szene. Typ Feghouligan.

50.

Erleben wir hier doch noch eine Sonsation? Der Leverkusener sprintet in die Tiefe des Raums bzw. in den Raum der Tiefe, man erkennt ihn an seinem neuen Rucksack, nimmt den Diagonalball mit dem Nacken an, jetzt gelingt plötzlich alles, auch der Abschluss, 1:3. Anschluss! 

53.

Die Partie kippt schneller als ein Alkoholiker in seiner Lieblingskneipe. Korea mit der Kraft der zwei Herzen, über rechts, Han geht Solo, in der Mitte nickt Koo das Leder am Pfosten vorbei. Das war knapp. Algerien wankt. Kommt der technische Koo?

55.

»Der Ballbesitzfußball geht seinem Ende entgegen«, raunt Wark verschwörungstheoretisch. Wie ich solche apokalyptischen Prognosen hasse! Künftig gewinnt dann das Team, das keinen Ballbesitz mehr hat. Und keine Torschüsse. Keine Trikots. Wahrscheinlich noch nicht mal Spieler. Nachtigall, ich hör di’ kotzen.

58.

Vor dem Tor hat sich Son übrigens schön gegen Bougherra durchgesetzt. Hätt ich auch nicht gedacht, dass der Alexander Bougherra mal ne WM spielt...

60.

Son mit dem Dribbling, jetzt taut er auf, der Bub. Und dass er mehr kann, der Heung-min, das wissen wir doch:

62.

Dann Ki mit der Schusschance, huft den Ball aus 25 Metern auf den Kasten, aber da steht Rais und pariert. Tja, Baby, es gibt Rais, nix zu machen...

64.

Tja, aber da wäre noch dieser algerische Sturm, Brahimi und sein Brahomie Feghouli, die zwei Doppelpässe spielen und richtig lässig einschieben. Derweil möchten wir uns für jeden einzelnen Witz auf Kosten dieser Partie entschuldigen. Das ist ein richtig geiles Fußballspiel geworden.

66.

Und eh:

67.

Eil: Der südkoreanische Verband fordert Umbennung von Porto Alegre. In Porto Triste. Genehmigt.

69.

Djabou grätscht den Ball ins Haus, Hong verreißt den Einwurf, dann ein Presschlag, dann ein Befreiungsschlag, dann ein Foul, dann ein Freistoß, dann Ballbesitz, vermutlich sogar für irgendwen. Sternstunden der Bedeutungslosigkeit. Und im Golden Pudel Club weint Rocko Schamoni stille Tränen in sein Astra.

70.

Das ZDF blendet das Miniaturbild von Thomas Wark ein. Der Pamphletist trägt eine großartige Brille, dazu eine Frisur unauffällig wie ein Karnevalsperücke. »Tolle Szenen«, kommentiert er selbstverliebt. Wer nicht Wark, der nicht gewinnt.

71.

Son steht so sehr neben sich, er könnte Doppelpass spielen mit sich selbst. Aber nicht mal das schafft er. Bezeichnend.

72.

Puh! Beziehungsweise Koo! Der Mainzer schwurbelt durch den Strafraum, legt ab auf Son, der ablegt auf Park, der Koo sieht. 2:4 - gar nicht schlecht.

73.

Hong und Mostefa bändeln an, befummeln sich wie zwei verliebte Teenies, Heavy Petting im Mittelkreis. Referee Roldan kommt dazu, vermählt die beiden noch auf dem Rasen. »Hiermit erkläre ich euch zu spielerisch limitiert und technisch begrenzt. Ihr dürft den WM-Pokal nicht küssen.«

75.

Verdammte Hypochondrie: Erst rollt sich Djabou über den Rasen, dann springt Brahimi ab wie Heike Drechsler. Und für die Scheiße gibt der Arzt auch noch drei Tage arbeitsfrei und rezeptiertes Xanax. Willkommen in der schlechtesten aller Welten. Ich diagnostiziere mir jetzt einfach mal Parasitosis. Das Geschwür heißt Fußball.

77.

Dem Ergebnis zum Trotz: Das ist immer noch viel zu nett hier. Alle lächeln sie, helfen sich auf, tätscheln sich den Rücken, die Wange, das Gemächt, sie flachsen und feixen, Koreaner wie Algerier, haben bessere Laune als im Haight-Ashbury. Ich will das nicht sehen. Ich will blutige Grätschen, hassverzerrte Gesichter, Ohrfeigen und Kopfstöße, die Welt zu Gast bei Feinden. Eure Liebe tötet mich.

79.

»Naja, so wird es nichts, so kann es nichts werden«, schwingt Wark seine Moralkeule. Weil seine Sprecherkabine knapp bemessen ist, trifft er damit aber nur sich selbst. Endlich Ruhe. Wenigstens für ein paar Sekunden. Man ist in so einem Spiel ja schon für die kleinen Pausen dankbar.

81.

Ganz im Ernst: Großartiges Spiel. Hier gewinnen alle. Außer den Leuten, die auf Ergebnis getippt haben. Und Südkorea.

84.

Koreas Außenverteoidiger Lee bisher alles andere als inspiriert, macht kaum Tempo über seine Seite, trabt vielmehr herum wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Aber jetzt weiß ich wenigstens, was er meinte, als er gesagt hat, man solle Wasser sein.

86.

Slimani derweil verletzt am Boden. Sei Wasser, mein Freund. Oder von mir aus Mobilat.

88.

Son nochmal mit dem Freistoß aus aussichtsreicher Position, aber er haut das Ding in die Mauer. Da merkt man halt, dass er lange Zeit mit Rafael van der Vaart zusammengespielt hat.

90.

Algerien weiter ohne Gnade nach vorne, Ghilas mit der Chance. Leute, es steht 4:2, jetzt ghilasst doch mal gut sein.

92.

Ganz im Ernst, es könnte schlimmer sein für die Südkoreaner. Sie könnten Nordkoreaner sein.

93.

Kurzer Kommentar zu Rais M`Bohlis Torwartspielt heute: Mmmmmmhhhhhhh`Bohli

94.

Dann nochmal Son, wird im Sechzehner umgecheckt aber der Schiri pfeift nicht. Warum auch, schließlich hat die Fifa Elfmeter extra für diese WM abgeschafft und durch das neue, lustige Fehlentscheidungs-Roulette ersetzt, damit dieser Sport noch aufregender wird. Immerhin lassen die Sesselpupser da in Zürich die Funktionärsgriffel vom guten, alten Abpfiff. Also: Abpfiff. 4:2.

23:00 Uhr

Freunde, schön war's. Was nicht eben zu erwarten war. Im ZDF-Studio welkt wieder das Niveau, macht aber nix, wir müssen eh zur Autogrammstunde unseres persönlichen Man of the Match. In diesem Sinne.

23:00 Uhr

Freunde, schön war's. Was nicht eben zu erwarten war. Im ZDF-Studio welkt wieder das Niveau, macht aber nix, wir müssen eh zur Autogrammstunde unseres persönlichen Man of the Match. In diesem Sinne.

94.

Dann nochmal Son, wird im Sechzehner umgecheckt aber der Schiri pfeift nicht. Warum auch, schließlich hat die Fifa Elfmeter extra für diese WM abgeschafft und durch das neue, lustige Fehlentscheidungs-Roulette ersetzt, damit dieser Sport noch aufregender wird. Immerhin lassen die Sesselpupser da in Zürich die Funktionärsgriffel vom guten, alten Abpfiff. Also: Abpfiff. 4:2.

93.

Kurzer Kommentar zu Rais M`Bohlis Torwartspielt heute: Mmmmmmhhhhhhh`Bohli

92.

Ganz im Ernst, es könnte schlimmer sein für die Südkoreaner. Sie könnten Nordkoreaner sein.

90.

Algerien weiter ohne Gnade nach vorne, Ghilas mit der Chance. Leute, es steht 4:2, jetzt ghilasst doch mal gut sein.

88.

Son nochmal mit dem Freistoß aus aussichtsreicher Position, aber er haut das Ding in die Mauer. Da merkt man halt, dass er lange Zeit mit Rafael van der Vaart zusammengespielt hat.

86.

Slimani derweil verletzt am Boden. Sei Wasser, mein Freund. Oder von mir aus Mobilat.

84.

Koreas Außenverteoidiger Lee bisher alles andere als inspiriert, macht kaum Tempo über seine Seite, trabt vielmehr herum wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Aber jetzt weiß ich wenigstens, was er meinte, als er gesagt hat, man solle Wasser sein.

81.

Ganz im Ernst: Großartiges Spiel. Hier gewinnen alle. Außer den Leuten, die auf Ergebnis getippt haben. Und Südkorea.

79.

»Naja, so wird es nichts, so kann es nichts werden«, schwingt Wark seine Moralkeule. Weil seine Sprecherkabine knapp bemessen ist, trifft er damit aber nur sich selbst. Endlich Ruhe. Wenigstens für ein paar Sekunden. Man ist in so einem Spiel ja schon für die kleinen Pausen dankbar.

77.

Dem Ergebnis zum Trotz: Das ist immer noch viel zu nett hier. Alle lächeln sie, helfen sich auf, tätscheln sich den Rücken, die Wange, das Gemächt, sie flachsen und feixen, Koreaner wie Algerier, haben bessere Laune als im Haight-Ashbury. Ich will das nicht sehen. Ich will blutige Grätschen, hassverzerrte Gesichter, Ohrfeigen und Kopfstöße, die Welt zu Gast bei Feinden. Eure Liebe tötet mich.

75.

Verdammte Hypochondrie: Erst rollt sich Djabou über den Rasen, dann springt Brahimi ab wie Heike Drechsler. Und für die Scheiße gibt der Arzt auch noch drei Tage arbeitsfrei und rezeptiertes Xanax. Willkommen in der schlechtesten aller Welten. Ich diagnostiziere mir jetzt einfach mal Parasitosis. Das Geschwür heißt Fußball.

73.

Hong und Mostefa bändeln an, befummeln sich wie zwei verliebte Teenies, Heavy Petting im Mittelkreis. Referee Roldan kommt dazu, vermählt die beiden noch auf dem Rasen. »Hiermit erkläre ich euch zu spielerisch limitiert und technisch begrenzt. Ihr dürft den WM-Pokal nicht küssen.«

72.

Puh! Beziehungsweise Koo! Der Mainzer schwurbelt durch den Strafraum, legt ab auf Son, der ablegt auf Park, der Koo sieht. 2:4 - gar nicht schlecht.

71.

Son steht so sehr neben sich, er könnte Doppelpass spielen mit sich selbst. Aber nicht mal das schafft er. Bezeichnend.

70.

Das ZDF blendet das Miniaturbild von Thomas Wark ein. Der Pamphletist trägt eine großartige Brille, dazu eine Frisur unauffällig wie ein Karnevalsperücke. »Tolle Szenen«, kommentiert er selbstverliebt. Wer nicht Wark, der nicht gewinnt.

69.

Djabou grätscht den Ball ins Haus, Hong verreißt den Einwurf, dann ein Presschlag, dann ein Befreiungsschlag, dann ein Foul, dann ein Freistoß, dann Ballbesitz, vermutlich sogar für irgendwen. Sternstunden der Bedeutungslosigkeit. Und im Golden Pudel Club weint Rocko Schamoni stille Tränen in sein Astra.

67.

Eil: Der südkoreanische Verband fordert Umbennung von Porto Alegre. In Porto Triste. Genehmigt.

66.

Und eh:

64.

Tja, aber da wäre noch dieser algerische Sturm, Brahimi und sein Brahomie Feghouli, die zwei Doppelpässe spielen und richtig lässig einschieben. Derweil möchten wir uns für jeden einzelnen Witz auf Kosten dieser Partie entschuldigen. Das ist ein richtig geiles Fußballspiel geworden.

62.

Dann Ki mit der Schusschance, huft den Ball aus 25 Metern auf den Kasten, aber da steht Rais und pariert. Tja, Baby, es gibt Rais, nix zu machen...

60.

Son mit dem Dribbling, jetzt taut er auf, der Bub. Und dass er mehr kann, der Heung-min, das wissen wir doch:

58.

Vor dem Tor hat sich Son übrigens schön gegen Bougherra durchgesetzt. Hätt ich auch nicht gedacht, dass der Alexander Bougherra mal ne WM spielt...

55.

»Der Ballbesitzfußball geht seinem Ende entgegen«, raunt Wark verschwörungstheoretisch. Wie ich solche apokalyptischen Prognosen hasse! Künftig gewinnt dann das Team, das keinen Ballbesitz mehr hat. Und keine Torschüsse. Keine Trikots. Wahrscheinlich noch nicht mal Spieler. Nachtigall, ich hör di’ kotzen.

53.

Die Partie kippt schneller als ein Alkoholiker in seiner Lieblingskneipe. Korea mit der Kraft der zwei Herzen, über rechts, Han geht Solo, in der Mitte nickt Koo das Leder am Pfosten vorbei. Das war knapp. Algerien wankt. Kommt der technische Koo?

50.

Erleben wir hier doch noch eine Sonsation? Der Leverkusener sprintet in die Tiefe des Raums bzw. in den Raum der Tiefe, man erkennt ihn an seinem neuen Rucksack, nimmt den Diagonalball mit dem Nacken an, jetzt gelingt plötzlich alles, auch der Abschluss, 1:3. Anschluss! 

49.

Yun bricht am linken Flügel durch, wird im letzten Moment von Feghouli abgeräumt. Per Kantsteinbeißer. Ganz fiese Szene. Typ Feghouligan.

48.

Son hat dem Kicker sein Herz ausgeschüttet: »Wenn ich in Korea aus dem Haus gehe, dann nur verkleidet. Sonst werde ich von den Menschen überrannt.« Können wir in der Theorie nachvollziehen. In der Praxis finden wir das übertrieben.

46.

Nur weiße Trikots auf dem Feld, Südkorea tritt nicht mehr an. Halilzovic verteilt Leibchen, teilt sein Team auf. »Ihr Elf, ihr spielt jetzt Fünf gegen Acht.« 

22:00 Uhr

Kann ein Mensch mit derartigen Geheimratsecken eigentlich jemals jung gewesen sein? Die Antwort ist erschreckend

:

21:59 Uhr

Und zurück ins Studio. Mal so nebenbei: Wenn Katar die WM 2022 tatsächlich doch wieder weggenommen werden sollte, vielleicht könnte man sie auf Oli Welkes Stirn ausrichten?

21:56 Uhr

Das heute-journal lässt uns wissen, dass Nico Rosberg im Mercedes das Formel 1-Rennen gewonnen hat. Darauf eine Dose Red Bull. Genüsslich in den Abfluss.

21:53 Uhr

0:3 zur Pause also. Unsere koreanische Schülerpraktikantin ist untröstlich:

21:50 Uhr

Hoffnung für Südkorea: Heung-Min Son hat seinen Lieblingsrucksack wiedergefunden. Ist das Talent in dem kultigen Textil versteckt? Die Antwort liefern wir in der zweiten Halbzeit. Motto: Best in Rest.

21:48 Uhr

Halbzeit. Ein Spiel wie aus dem Jahr 1913, aufgeschrieben von Florian Illies. Motto: Raste nie und haste nie, sonst haste die Neurasthenie. Und was sagt Doktor Freud dazu? »Die Absicht, daß der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten.« Südkorea gegen Algerien, das ist vielleicht die Urkatastrophe des 21. Jahrhunderts.

45.

»Applaus aus der algerischen Kolonie«, feldherrt Wark jetzt ins Mikrofon. Der ZDF-Mann führt einen verbalen Unabhängigskrieg. Gegen sich selbst.

43.

Yun gegen Bentaleb. Foul, Freistoß, irgendwo in der Mittelfeldperipherie. Yunnötig.

41.

Heung-Min Son kann vor wichtigen Spielen nicht schlafen, informiert uns der Wark. Stundenlang liegt er dann wach, der Koreaner, wälzt seine Gedanken und sich gleich mit, färbt sich zum Zeitvertreib vielleicht die Haare, füttert sein Tamagochi, was Menschen wie er eben so machen. Nur schlafen, schlafen kann er nicht. Der Form am Spieltag ist das nicht immer zuträglich. Hier ein Live-Bild von Son:

39.

Gooooooooool. Slimani auf Djabbou, die beiden Ballakrobaten springen vergnügt durch das, was die Koreaner da Abwehr schimpfen, spielen sich locker-flockig den Ball zu, fangen an zu Jonglieren, steigen aufs Trapez, setzen sich Clownsnasen auf, drehen eine Runde auf dem Einrad, machen ein paar Flic-Flacs und schieben schließlich lachend den Ball ins Eck. Mit dieser koreanischen Abwehr kann man es machen.

36.

Hat einer der Torschützen eigentlich dieses kack Jubel-Herz geformt? Hab gar nicht hingesehen. Jedesmal, wenn ein Spieler mit den Händen ein Herz formt, formt mein Herz einen Mittelfinger.

34.

Brahimi wieder über links, klingt wie eine indische Gottheit. Seine Flanke derweil eher nordhessischer Kreisliga-Libero. Ich hol mir schnell noch ne Ahle Wurscht. Mit Curry-Ketchup

33.

Südkorea wirkt geschockt. War's das son?

31.

Ja, seid's ihr dann narrisch? Eben noch Mehdi Ben Slimane, jetzt steigt Uwe Wassmer nach Ecke von Rodolfo Esteban Cardoso hoch und überwindet den verdutzten Oli Kahn. Die Breisgau-Brasilianer führen hier gegen die Bayern mit 5:1, der absolute Wahnsi...oh, sorry, hab aus Langeweile eine alte »ran«-VHS eingelegt und bin eingenickt. Egal, 2:0 Algerien. 

27.

Wir nehmen alles zurück. Weil: Toooooor! Langer Ball auf Slimani, der läuft und läuft und läuft, Sepp Blatter verlängert dem Algerier das Feld per Eildekret, Slimani dankt es dem Patron mit einem Heber ins Netz der Koreaner. Geiles Spiel. Haben wir ja immer gesagt. Danke, Sepp. 

26.

Meuterei in der Redaktion. Reich stellt sich, vom kolportierten algerischen Widerstand inspiriert, gegen die Taktik des Livetickers. Will nur noch in Wingdings schreiben und kursiv. Bedenklich: Beides könnte das Spiel tatsächlich besser machen.

25.

Wer Algerien hört, denkt immer auch an die Schande von Gijon. Behaupten wir jetzt einfach mal. Wir behaupten außerdem: Damals gab es trotzdem mehr Torszenen als in dieser Partie. Rutscht am Ende Österreich ins Achtelfinale?

23.

Ich bin ja riesiger Cathy-Fischer-Fan, im Gegensatz zu den Kollegen. Was macht Fischer heute? »Heute machen wir Caipirinha. Oder wie man bei uns in Deutschland auch sagt: einen Caipi. Wir machen aber keinen Caipi, sondern einen richtigen brasilianischen Caipirinha.« Ist das noch Dialektik oder schon Demenz?

22.

Slimani mit der Chance. Aber das wäre ja auch Quatsch gewesen, den reinzumachen. Das würde ja dem Spielniveau absolut nicht entsprechen.

20.

Antwort: Ja. Leider nicht die Antwort auf den Freistoß.

19.

Koo geht zu Boden, Freistoß. Philosophische Frage am Abend: Wenn es ein WM-Spiel gibt, dass so mies ist, dass es sich wirklich niemand anschaut, und der Schiri pfeift Freistoß, ist der Spieler dann wirklich umgefallen?

15.

Das erwartet miese Spiel. Von so viel Langeweile krieg ich Algerie:

13.

Erstes Chancechen für Korea, Koo mit dem Ball im Sechzehner, verdaddelt aber, dreht sich im Kreis und bleibt hängen, bevor er sich fast hinpackt. Hätte er auch mit Augenbinde nicht schlechter machen können. Blinde Koo.

10.

Slimani. Kopfball. Vorbei. Slimanie.

9.

Südkoreas Trainer Myung-Bo Hong hat gesagt: »Wenn wir das erste Tor machen, spielt uns das in die Karten. Wenn uns das nicht gelingt, bleiben wir geduldig.« Das ist auch taktischer Warte natürlich ein Geniestreich. Sein Team steht also in jedem Fall auf der richtigen Seite der Geschichte. Wir glauben: Das geht gut. Und wenn es nicht gut geht, bleiben wir geduldig.

7.

Eigentlich sollte also Humberto Clavijo dieses Spiel an der Linie, an der Fahne assistieren. Wurde aber von der FIFA abgezogen, weil er Mexikos Dos Santos zwei Treffer wegwinkte. Beim Weltverband werden Fehler sofort sanktioniert. Fast wie bei 11FREUNDE: Da zuckert man Gieselmann einmal den Kaffee falsch und muss deshalb Korea gegen Algerien tickern.

4.

Ich kenne niemanden aus der algerischen Équipe. Aus dem Geschichtsunterricht, gymnasiale Mittelstufe, erinnere ich aber, dass es Berber, Phönizier, Vandalen und Oströmer sein müssen, die da auflaufen. Auf, auf also, ihr tapferen Männer, für Unabhängigkeit und Pluralismus. Und lasst euch auch nicht davon ermutigen, dass mal wieder ein Elfmeter vermehrt wird, der klarer ist als selbstdestillierter Mirabellenschnaps. Eines Tages kommt Gerechtigkeit. Bestimmt.

2.

Das geht doch gut los. Irgendein Algerier, wahrscheinlich Camus, galoppiert über die linke Flanke, Flanke, Schuss, vorbei, aber knapp. Man muss sich Halilhodzic jetzt schon als einen glücklicheren Menschen vorstellen.

1.

Südkorea stößt an. In Pjöngjang verspeist Kim Jong-Un vor Wut einen atomaren Spengkopf.

21:00 Uhr

Gleich geht's los, nur ein Spot: Das folgende Spiel wird ihnen präsentiert vom neuen Bitburger-Baldrian. Offizieller Partner der Kackspiele bei dieser WM.

20:58 Uhr

So schnell geht das: Jetzt ist es schon wieder out, bei der Hymne zu flennen. Der Fußball ist eben ein schnelllebiges Geschäft.

20:57 Uhr

Die südkoreanische Hymne klingt ein wenig wie die deutsche. So langsam nimmt dieses asiatische Plagiatsproblem bedenkliche Formen an.

20:55 Uhr

Schiri heute übrigens Wilmar Rodan. Sein Assistent Wilmar N'Bisschenbescheißenundkohlemachen ist ja leider nicht mehr dabei.

20:52 Uhr

»Südkorea gegen Algerien - ein Spiel der Gegensätze«, so der Kollege im Vorberricht. Wusste gar nicht, dass Not und Elend Gegensätze sind.

20:51 Uhr

Angeblich haben sich die Algerier in der Halbzeitpause des Belgien-Spiels ja gegen die Taktik des Trainers gestellt. Angeblich wollte Verbandspräsident Mohamed Rourawa auch über die heutige Aufstellung entscheiden. Wir würden auf derlei Gerüchte nicht allzu viel geben. Angeblich ist dieser Liveticker auch lustig, manchmal. Angeblich haben wir Ahnung vom Fußball. 

20:49 Uhr

Gewissensfrage: Zé Robertos Sixpack haben aber dafür mit seiner Mettigel-Frise rumlaufen müssen? Na? Naaaa? Siehste...

20:48 Uhr

Porto Alegre, das heißt, informiert uns das ZDF, übersetzt: Lustiger Hafen. Reich hat vorgesorgt, im Redaktionsraum seinen ganz eigenen, lustigen Hafen gezimmert. Sich dann via Ticker über Bierbäuche auslassen, ist natürlich extrem unglaubwürdig.

20:46 Uhr

Guten Abend, hier Herrmann. Was habe ich eigentlich gemacht, als die Zuständigkeiten für den Liveticker verteilt wurden? War ich betrunken? Verreist? Sediert? Tot? Südkorea gegen Algerien ist der Welten Lohn. Gott verzeih es mir, denn ich kann es nicht. 

20:45 Uhr

Der erste Dämpfer: Zé Roberto in der MAZ. Mit geschätzten 50 Jahren noch so fit wie eh und je, dazu ein Sixpack unter dem Shirt, auf dem man Käse reiben könnte. Der Mann ist eine Beleidigung für jemanden wie mich, bei dem die Bierwampe mittlerweile so groß ist, dass sie sich bald an der Miete beteiligen muss.

20:40 Uhr

Freunde, Südkorea Algerien, ich weiß, ich weiß, ein Fußballspiel wie eine Woche Grippe. Aber: Ein Fußballspiel. Und außerdem:

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!