17.04.2013 | Stuttgart-Freiburg im 11FREUNDE-Liveticker
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Jawoll, etzt geitz ufd schnauze!

Partyle im Ländle! Weil Wunder nur noch ein leerer Begriff ist, streicht Freiburg im Spiel der Spiele die Segel. Der VfB fährt nach Berlin, um gegen die Bayern zu verlieren. Und der Ticker? War schon da und verlor gegen sich selbst.

Text: Moritz Herrmann und Stephan Reich Bild: Imago
Stuttgart
2
:
1
Freiburg

20:00 Uhr

Hallo und herzlich willkommen! Zum Pokalmittwoch, zum Spiel um Platz 2, zu Stuttgart gegen Freiburg, Ex-Junge-Wilde gegen Junge Wilde, Landeshauptstädle gegen Ländle, Schwaben gegen Baden, elf gegen elf, er gegen ihn und wir für euch. Prost!

20:03 Uhr

Der VfB Stuttgart musste bis jetzt nur Fallobst aus dem Weg räumen, misst sich heute zum ersten Mal in dieser DFB-Pokalsaison mit einem Erstligisten. Das ist in etwa, als hätte der Undertaker immer nur gegen Barry Hardy um den güldenen WWE-Gürtel gewrestlt. Oder: Als wenn der FC Bayern gegen alle Bundesligisten zu spielen hat.

20:08 Uhr

Mein Lieblingsmoment des gestrigen Pokalabends: Nicht das 6:1, nicht Gomez' Mach-3-Hattrick, auch nicht der nackte, schweißnasse, muskelbepackte Oberkörper von Naldo, ja nicht mal dieser Kamerazoom auf die in kalter Wut tanzenden Augenbrauen eines Dieter Hecking, sondern Matze Sammers Beitrag zu großen Debatte um spanische Verhältnisse und etwaige Lösungsansätze. Dazu Frage Beckmann: »Matthias... [pastorales Nicken, kokettes Zwinkern durch den Brillenrahmen] ... wie könnte so ein Solidargedanke denn aussehen?« - Replik Sammer: »DAS WEISS ICH NICHT! DAS WILL ICH AUCH NICHT WISSEN! IN FÜNFZEHN JAHREN VIELLEICHT, DA DARF DER ULI DAS GERNE EINFÜHREN! NACH MEINER ZEIT ALSO! SO LANGE ICH BEIM FC BAYERN BIN, WIRD NIX VERSCHENKT! ICH WILL ALLES GEWINNEN.« Was für den TV-Zuschauer dabei fast unsichtbar blieb, weil es so schnell passierte, war Sammers Griff an Beckmanns Krawattenknoten, den er geübt strangulierte, hernach noch ein aggressives Ausspucken auf den Studioboden und ein kumpeliger, gleichwohl auch ernst gemeinter Rempler gegen Scholl. Ich, der ich das alles erkennen konnte dank meines 4D-Plasma-Fernseher, klatschte begeistert in die Hände, rief einmal laut »Jawoll! So isses doch!« gen Mattscheibe, und schlief dann glücklich weinend ein.

20:09 Uhr

Aber ja, wie könnte so ein Solidargedanke denn aussehen? Vielleicht so: Jeder Gegner der Bayern darf vor Anpfiff zehn Spieler bestimmen, die nicht auflaufen dürfen, und dann weitere drei, die bei ihm auflaufen. Wie früher auf dem Bolzplatz, wenn eine ungerechte Teameinteilung bemängelt und korrigiert wurde. Ihr gebt uns, dafür bekommt ihr, undsoweiter. Gespielt wird am Ende 6 gegen 6, vielleicht gewinnen die Bayern trotzdem, dann aber nur knapp, nicht 9:2, und mich wählt mal wieder niemand in sein Team. Good ol' times.

 

20:11 Uhr

Freiburgs Daniel Caligiuri sprach vom Spiel der Spiele. Ein Superlativ, den ich nie verstanden habe. Was soll das sein, ein Spiel der Spiele? Und wenn schon im Halbfinale das Spiel der Spiele wartet, wozu dann noch dieses Berlin? Könnte ich mich auch Redakteur der Redakteure nennen? Und wird meine Visitenkarte dann zur Visitenkarte der Visitenkarten? Während ich nochmal recherchiere, wünsche ich viel Spaß beim Ticker der Ticker.

 

20:13 Uhr

Die Stuttgarter Fans sind, das beweist das anbei gesichtete Video der StZ, guter Dinge. Die Frage der Fragen des investigativen Mikrofonmannes: »Warum gewinnt ausgerechnet Stuttgart?« Tja, warum eigentlich? Wo doch auch so viele andere gewinnen könnten. Wir überdenken bis zum nächsten Tick nochmal unseren Tippschein (Remis nach Elfmeterschießen, mit Handicap).

20:15 Uhr

Frage: Wer organisiert uns jetzt auf die Schnelle so lustige, freche, rote Afroperrücken wie im Video? Als Belohnung winkt ein handsigniertes W-Lan-Kabel.

20:16 Uhr

Und das erwarten sich die Freiburger Fans:

 

20:17 Uhr

So, Freunde. Die Tagesschau ist vorbei, kommen wir mal zu den ernsten Dingen des Lebens. Pokalspiele zum Beispiel. Live aus dem Tickerstudio, das eigentlich nur aus einem Radio besteht, das wir im Innenhof gefunden haben und zwei umgedrehten Bierkisten als Sitze. Gut für die aufrechte Haltung, sagt der Chef.  Davon lassen wir uns die Stimmung aber nicht vermiesen und verbringen die schwierigen Delling-Minuten bis zum Anpfiff mit Karaoke. Yeah. Im Studio heute übrigens Kollege Moritz »Pokalsensation« Herrmann, links im Bild, und Stephan »Underdog« Reich.

20:20 Uhr

Erschreckende Bilder. Die ARD zeigt einen Rückblick auf die tragische Jagd nach Problembär Bruno, der arme, stets flott frisierte Bär, der durch stete Pfeiffkonzerte in die Enge getrieben wurde. Erlegt haben sie ihn aber nicht, jetzt steht er bei Delling und brüllt ins Mikro.

20:23 Uhr

Wer sich übrigens wundert, was Delling in seiner Freizeit macht: Akustischen Viking-Baladen-Metal, klar....

20:25 Uhr

Oh, da vorne steht der goldene Pott. Uns läuft das Wasser im Munde zusammen und champagnerlastige Entmüdungsbeckenpartys ziehen an unseren Augen vorbei. Wir würden gerne sagen, wie gerne wir das Ding in Berlin mal in die Luft recken würden, aber wir haben Angst, dass Matthias Sammer in die Redaktion gesprintet kommt und uns abgrätscht.

20:27 Uhr

Der arme Christian Streich. Bei mir in der Ecke gibt es einen Wurst-Sonderpostenmarkt. Kein Witz. Richtig mit Grabbeltisch und so. Immer wenn ich dort einkauf.... äh....immer wenn ich dort vorbeigehe, muss ich an Streich und seine Freiburger denken. Im Wurst-Sonderpostenmarkt gibt es auch immer einen ähnlichen Ausverkauf wie derzeit beim SC. Traurig. Und unglaublich lecker.

20:30 Uhr

So, jetzt gehts los. Die offizielle DFB-Pokal-Hymne ertönt. Wunderschön.

1.

Und der Ball rollt. Hör ich da die ersten Pfiffe gegen Labbadia?

3.

Geplänkel und Fehlpässe. Wahrscheinlich geht das jetzt 90 Minuten so weiter. Aber wir würden auch jeden Ball ängstlich ins Aus kicken. Wer will schon vor den Augen der Weltöffentlichkeit von den Bayern vermöbelt werden?

4.

Ha, aber dann. Die Stuttgarter hackeln sich den Ball hin und her und auf einmal ist Harnik frei. Zieht aber so weit drüber wie die Erwartungen der Stuttgarter vor der Saison.

5.

Christian Streich hat auf der montäglichen Pressekonferenz betont, wie wichtig es sei, »dass die Kanäle frei sind.« Reich zappt sich durch das Programm und meldet: Aktenzeichen XY ungelöst (ZDF), Beim Leben meiner Schwester (Sat.1), Jagd auf Roter Oktober (Kabel 1), Der Mann ohne Vergangenheit (Arte). Spiel wie Rundfunk: irgendwie verstopft.

 

8.

Wie ist das eigentlich, wenn man ein Mann ist ohne Vergangenheit? Ich stelle es mir jedenfalls sehr schön vor, will mich aber nochmal bei Lothar Matthäus, dem Mann mit absoluter Vergangenheit, absichern. Er, bissig: »Ein Lothar Matthäus ist stolz auf ihm seine Vergangenheit, weil ihm seine Vergangenheit gehört zu einem Menschen Lothar Matthäus dazu.«

9.

Jetzt haben wir hier ein Fußballspiel, würde ich sagen, wäre ich Radiomoderator aus den 90ern. Bin ich aber nicht, also sage ich mit der mir eigenen, schlichten Art: Tor. Für den VfB Stuttgart. Durch Artur Boka, der einen großartigen, weil schnellen, weil vom VfB Stuttgart so gar nicht in dieser Saison gewohnten Angriff humorlos einschiebt. Okay? Bokay.

13.

Und Ausgleich. Freunde, Freunde, uns bleibt die Luft weg wie nach drei Stunden Pornodreh. Rosenthal monstert plötzlich auf rechts frei durch, wird nicht gestört bzw. eigentlich wird er gestört, aber es stört ihn nicht, und dann 1-1. Das hätten wir so nicht prophezeit. An dieser Stelle gerne auch das Zitat vom Antimatthäus, Paul Gascoigne: »Ich mache keine Vorhersagen und werde auch nie welche machen.« Danke, Gazza.

 

19.

Du lieber Himmel, hier ist ganz schön Tempo drin. Wie  müssen sich die Spieler fühlen? Verlieren? Nee, tut weh. Gewinnen und dann gegen die Bayern ran müssen? Tut auch weh, ist aber auch schön. Verlieren? Gewinnen? Ein Spiel wie eine Sado-Maso-Session. Vor lauter Erregung schießen sich die Freiburger gegenseitig ab.

23.

Boka foult Ginter. Den Bartels als »eines der größten Talente des deutschen Fußballs« preist. Wieder einmal ein Talent aus dem beschaulichen Freiburg. Woher? Hierher:

26.

»Schmid noch nicht so im Spiel«, meint Bartels. Schmid sieht ein wenig aus wie einer, der beim Dorf-Autoscooter das sagen hat und cool rückwärts fahren kann. Der Autoscooter-Mac, den man lieber nicht zu lange anschaut. Verdammt, jetzt haben wir zu lange hingesehen und müssen unsere Autoscooter-Chips abdrücken. Sonst gibts Haue.

28.

Freiburg klärt, ohne zu klären, woraufhin Stuttgart angreift, ohne wirklich anzugreifen. Am Ende steht es 2:1, auch weil »Labbadia, der gelernte Stürmer, natürlich mitköpft«, wie Tom Bartels weiß. Und ein Bruno Labbadia ist einfach nicht zu verteidigen, auch nicht für Keeper Baumann. Tor.

 

31.

 

 

»Das ist eben ein baden-würtembergisches Derby«, entschuldigt Bartels kleine Freundschaftsfouls mit einem Satz, den er sich vermutlich schon auf die Karte geschrieben hat, als die Teams gegeneinander gelost wurden. Wer also schnabeltief in die Vorgeschichte dieses Duells, gar in den historischen Unterbau einsteigen möchte, dem empfehlen wir im Andromedaforum den bemühten Beitrag von User Tobi, Thema: Was Badner gegen Schwaben haben... Hier der Link. Der 11FREUNDE-Archivar (89) hat alle angegebenen Fakten natürlich auf ihre historische Akuratesse gecheckt und für sachlich völlig richtig befunden.

 

 

 

 

 

 

 

33.

Parallelwelt Onlinewörterbücher. Folgende Redewendungen werden uns so im O-Ton angezeigt, als wir uns ins Badische einlernen wollen:

Jawoll, etzt geitz ufd schnauze!

Heißt: Jawohl, nun werden wir uns duellieren

koine schenkel koine wada aber oier wia kohlraba

Heißt: besonders ausgeprägtes geschlechtsmerkmal

Kreizgrabbasackunasche

Heißt: Schwäbischer Ausdruck des Verärgertseins

35.

Maxim bringt den Ball aufs Tor, vermutlich mit seinem besonders ausgeprägten Geschlechtsmerkmal, aber Baumann fängt das Leder ab. Beinahe der coitus maximus.

38.

»Ich denke, er wollte den Ball spielen«, orakelt Bartels nach einer Attacke gegen Harnik. Manchmal macht Denken sehr einsam.

41.

Ungewohnt, dass Spiele mit Freiburger Beteiligung jetzt Spitzenspiele sind. Macht aber auch Spaß. Manchmal ist das eben so und Dinge sind erstmal ungewohnt, dann aber ganz toll. So wie es zunächst ungewohnt war, Hulk Hogan Schnulzen singen zu hören. Und jemittlerweile hören wir nichts anderes mehr.

43.

Das Spiel wird »nickelig«. Endlich. Die Steigerungen sind dann nur noch »hässlich«, »unsportlich« und schließlich »niedermeierig«.

45. +1

Das Spiel tombartelt ruhig vor sich hin und wird plötzlich dellingig. Soll heißen: Halbzeit. Gleich in der Pause: Jogi Löw. Mit Fachwissen und seidenglatter Haut. Wir freuen uns drauf.

21:25 Uhr

Ein flottes Spielchen bis hierher. In dieser Form würden beide Teams gegen die Bayern nur etwa sechs Gegentore fangen. Umgerechnet von »Bayern« in »Normale Mannschaft« sind das nur etwa zwei Gegentore. Wäre das ein fairer Wettbewerb, dann würde da was gehen. Wir schreiben mal einen Bittbrief an Matthias Sammer, dass die Bayern vielleicht die A-Jugend auflaufen lassen. Ist seine Adresse noch hassgrätsche@maximalererfolg.de?

21:29 Uhr

Jetzt Delling und Löw. Klingt wie eine der Detektivserien in den Öffentlich-Rechtlichen , die man als Kind nicht gucken durfte und dann irgendwann ganz ernüchtert war, als man sie später doch angesehen hat, weil sie strunzlangweilig war. »Delling&Löw - auf der Suche nach der Betonfrisur«  - Wir schalten um.

21.30 Uhr

»Höggggggssssscccchhhhhhddddd«. Löws Beiträge sind ein einziges, langes »Sch«, so weich und speichelig gesprochen, da muss man aufpassen, dass man nicht drauf ausrutscht.

21:32 Uhr

»Ja, hier sieht man, wie .... ganz klar ..... sie müss'.... ich glaube ...« Die ARD überblendet des Bundestrainers Spielanalyse, nur noch vereinzelt dringen Wortfetzen ans Zuschauerohr, klingen dabei aber wie von einer buddhistischen Yoga-CD kommend. Skandal, schreien wir, die wir uns immer noch Chancen bei Löw ausrechnen. Dennoch: Wieder keine Berufung.

46.

Von den Machern von Politikverdrossenheit und Demokratieverdrossenheit: Fußballverdrossenheit. Damit die Ende hat, wird wieder angepfiffen. Auf, auf!

48.

Auf diese Fanbanner hatten wir als Freunde des Kalauers eigentlich gehofft:

Freiburger Kurve: Über Baden lacht die Sonne, über Schwaben die ganze Welt
Stuttgarter Kurve: Lieber Duschen als Baden.

50.

Stuttgart stolpert sich in Richtung Tor von Baumann. Sehr langsam, sehr träge, sehr bürokratisch. Lullt die Freiburger Defensive sukzessive ein, bis urplötzlich ein Schuss von Maxim am Pfosten vorbeipeitscht. Das muss Hannah Arendt mit der Banalität des Bösen gemeint haben.

52.

Und plötzlich der SC über Rosenthal und dann Kopfball Ginter. Ein Chancengewitter, wie man es Ewigkeiten (sprich: gestern) nicht mehr gesehen hat, ein Torschussfestival, ein Furor wie Joe Pesci in Good Fellas. Und in seiner Sprecherkabine schreit und fuchtelt einsam Bartels vor sich hin: »Funny? What do you mean I'm funny?«

53.

Ibisevic, allein, aber Krmas klärt mit Daum'scher Überzeugung vor dem Netz. Linientreue Defensive. Wir haben kein absolut reines Gewissen.

55.

Eben Bengalische Feuer im Stadion. Oder wie Bartels sie nennt: »Bengalische Feier«. Toll! Wieder eine Party, auf die wir nicht eingeladen sind.

58.

Niedermeier, dieses fleischgewordene Strafgericht. Clotheslinet den kleinen Schmid um wie einst der Ultimate Warrior seinerzeit. Sieht Gelb und steigt wütend zum Ellbow-Drop auf die Eckfahne. Kann er sich den Intercontinental-Championgürtel sichern? Und wann kommen die Nasty-Boys und greifen endlich ein?

60.

Rüdiger vergibt die Chance nach einer Ecke. »Da wird er noch dran arbeiten, am Offensivkopfball«, versichert Bartels und lässt im Garten schonmal das Kopfballpendel aufstellen. Wir stellen uns derweil Bartels beim Kopfball vor. Unschöne Szenen.

64.

Wo hat der VfB eigentlich den Maxim her? Schlägt Flanken, so scharf wie eine Pyjamaparty mit Angelina Jolie und Megan Fox. Und so krumm wie unsere Vergleiche.

68.

Diagne mit dem angedeuteten Ellbogenschlag. Sieht die Gelbe dafür. Es wird hitzig. Rosenthal wird umgesenst von Molinaro und bleibt liegen. Anlass für uns, endlich das Tragische Dreieck zu spielen. End-lich.

69.

Ein wenig mehr hatte man dann doch erwartet vom Überfliegerteam aus der Dreisam. Mit einem linkischen Angriff versucht der SC nun, Muskeln zu zeigen. Das sieht dann so aus:

70.

Der VfB wirkt derweil konstant, gefestigt, dabei gefährlich. In Muskeln ausgedrückt eher so:

 

73.

Und! Plötzlich! Freiburg! Rosenthal fädelt ein und fordert Strafstoß, findet aber kein Gehör. Lächelt dann ein Lächeln ohne jede emotionale Beteiligung, starr und maskenhaft, als würde man ihm die Kiefermuskulatur gegen seinen Willen kontrahieren. Folterkammer Prime-Time.

 

75.

Das Groteske ist ja, dass beide Teams den Pokal schon abgeschrieben haben, sich de facto nur über den Finaleinzug für das internationale Business qualifizieren wollen, und dann ist aber auch gut. Zu übermächtig der FC Bayern, zu groß das Risiko, ein halbes Dutzend zu bekommen. Ich plädiere dafür, das Endspielbrimborium einfach auszusetzen, bis sich der Hoeneß'sche Solidargedanke konkretisiert hat.

76.

Der SC Freiburg hat, so war zu lesen, sein kleines Pokalwunder ja eigentlich schon verbraucht, im Viertelfinale gegen Mainz 05. Heißen muss das aber nichts, weil Wunder auch nicht mehr das sind, was sie mal waren. So wurde das Wunder von Dortmund bereits am Montag in der zweiten Liga von Aue zitiert (»Wie Dortmund gegen Malaga«), das trotz doppelter Unterzahl dem FCK einen Zähler abknüfpte. Da auch der Dortmunder Kraftakt nur eine Kopie war (»Wie Manchester gegen die Bayern«), freuen wir uns heute auf den schönen Satz im Fieldinterview: »Das war heute der Wahnsinn hier! Das war wie Aue gegen den FCK, was eigentlich wie Dortmund gegen Malaga war, was eigentlich wie Manchester gegen die Bayern war.« Uns wundert sowieso nichts mehr. Deshalb jetzt auch: Chance durch Caligiuri.

78.

Den Stuttgartern hängen die Stutzen auf Knöchelhöhe, als wären hier schon 120 Minuten gespielt, Nachspielzeit der Nachspielzeit, quasi Wundertime. Konstruktiv geht nichts mehr bei den Schwaben. Dabei ist der ominöse Satz »Man konnte doch nichts tun« ist in Deutschland aus historischen Gründen eigentlich nicht mehr salonfähig. Was also macht der VfB da unten? Wie will uns der sonst so auf Protest gebürstete Labbadia diese Widerstandslosigkeit verkaufen?

80.

Ich habe mich verliebt. In Molinaro, in seine italienische Gestik, in das Madonnahafte seiner Grätschen. Ich will ihm ein Gedicht widmen. Dir, Molinaro, Genie von Charles Bukowski:

Heute hab ich im Zug einen
genialen Jungen
kennengelernt.
Er war ungefähr 6 Jahre alt,
saß direkt neben mir,
und als der Zug an der Küste
entlangfuhr
sah man das Meer
und wir schauten beide aus dem
Fenster
und sahen das Meer an
und dann drehte er sich
zu mir um
und sagte,
“Das is nich schön."

Da ging mir das zum
ersten Mal
auf.

82.

Die Hausherren so beweglich wie Schaufensterpuppen, so flexibel wie ein Fahrplan. Wieder erstarrt ein Angriffsversuch in Lethargie. Reich spendiert sitting ovations. Ich schreibe Bewerbungen.

 

86.

Noch 4 Minuten und das war's dann. Gerade Harnik vor Baumann, aber er vergibt. Trotzdem, gleich ist's vorbei. Sollte sich tatsächlich bewahrheiten, wass diese armen, jungen Diabetiker aus einer Stuttgarter Selbsthilfegruppe auf so unappettitliche Weise prophezeiten?

89.

Kruse, fleißig wie ein Ackergaul. Genauso schöne Flanken. Allerdings steht da Krmas vorne drin, nicht unbedingt ein Techniker. Wie der Name so die Ballannahme: Ungelenk.

90+1

Molinaro prügelt das Ding fast von der Mittellinie aufs Tor. Will nur noch ins Sauerstoffzelt. Wird aber nix, jetzt muss er nach vorne, gibt nochmal Eckball. Maxim macht derweil den Okocha. Das setzt nochmal Kräfte frei, Kollege Herrmann jayjayt kurzerhand seine Bierdose hinter die Couch.

90.+3

Und: Party im Ländle. Partyle, quasi. Denn das Spiel ist aus, der VfB ist im Finale und die Fans feiern. Denkt denn keiner an die Bayern und den strafenden Matthias Sammer, der den Finalgegner alleine in Grund und Boden hassen wird? Scheint den Stuttgartern egal zu sein. Streichs Freiburger Rasselbande sitzt derweil weinend auf dem Platz. Die armen KLeinen. »Menno, wir wollen noch nicht ins Bett«. Nicht traurig sein, morgen gibt's ein Eis.

22:30 Uhr

Ein enttäuschter Julian Schuster im Interview. Mit steinerner Mine. Jetzt wird uns klar, was damals im Familienduell gemeint war...

22:34 Uhr

Ein glückseliger Fredi Bobic grinst in die Kamera. »Die Jungs sollen heute einen drauf machen«. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und heben unsere Wurstfinger von der Tickertastatur. Wir sagen Bye-Bye, bis zum Schlachtfest gegen München. Vorher aber Party machen, klar.


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