27.03.2013 | Stuttgart-Dortmund im 11FREUNDE-Liveticker
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Stuttgart 12

Sie haben wirklich alles versucht: Menschenketten am Sechzehner gebildet, sich am Torpfosten angekettet, doch am Ende hat es mal wieder nicht gereicht für die wütenden Stuttgarter. Auch die Gäste aus Dortmund brausten durch die Schwabenmetropole wie auf unterirdischen Gleisen. Nun muss Heiner Geißler die Mannschaft wieder aufrichten. Immer lattenstramm derweil: Der Ticker.

Text: Johannes Ehrmann Bild: Imago
Stuttgart
1
:
2
Dortmund

14:23 Uhr

Schönen guten Nachmittag, liebe Leser, schön, dass Sie dabei sind! Doch gleich zu Beginn Ratlosigkeit: Sagt man Karsamstag oder Ostersamstag? Oder einfach nur Dreckswetter? Hoffen wir, dass unsere Freunde von Sky das gleich für uns klären. In sieben Minuten geht's endlich, ENDLICH wieder los. Uffz.

14:25 Uhr

Das Wichtigste vorweg: Der FC Bayern ist noch nicht Deutscher Meister. Stand jetzt, also Karsamstagmittag (vielleicht). Kann aber alles noch kommen. Dortmund darf auf keinen Fall Punkte lassen. Eine ganze Region zittert. Ostern bei Frost, Passion mal anders.

14:29 Uhr

Geschichten, die nur der Fußball schreibt: Der VfB Stuttgart kann die ungeliebten Bayern also zum Meister machen. Mal mitzählen, wie oft gleich das Wort "ausgerechnet" fällt. Geschichten, die nur der Fußball schreibt (2): Die Schwaben haben ihre Negativserie durch den Sieg gegen Frankfurt beendet, sind aber trotzdem schon wieder zwei Wochen ohne Erfolg. Labbadia raus? Mal sehen.

14:37 Uhr

Apropos Labbadia. Der Darmstädter Beau mit den italienischen Wurzeln scheint mit Gedanken noch ganz woanders zu sein. Hier sein Statement zum Spiel: "Lazio are a very strong Italian team and have improved a lot over the past two years." (Quelle: internet)

14:38 Uhr

Sky ist auf Sendung und schaltet gleich mal zu Lothar Matthäus, der ganz in Grau und ganz alleine in der komplett leeren Münchner Arena steht. Treffender hätte man seine aktuelle Rolle im deutschen Fußball nicht inszenieren können. Ein Weltstar schafft sich ab.

14:42 Uhr

Matthäus muss jetzt aber seinen Platz räumen. Uli Hoeneß scheucht ihn vom Feld. Der Bayern-Präsi hat wohl Angst, dass ihn einer doch noch beim Wort nimmt und gleich anfängt, den Rasen zu wässern. I come here for play greenkeeping.

14:46 Uhr

Apropos Matthäus. Gleich als nächster darf sich sein alter Weltmeisterkollege Rudi Völler äußern. Ist schon wieder in Mistkäsescheißdreck-Laune, blafft zur Co-Trainerdiskussion: "Irgendwann kann man's nicht mehr hören." Sagt dann, dass es in Finnland sowieso kein Weißbier gibt. Krise als Chance. Oder: Hyyp-Hyyp-Hurra.

14:56 Uhr

Wenn Sportsender komisch sein wollen: Was bei den ran-Stimmenimitatoren schon nur so halbwitzig war, wird durch einen Spielerberater-Cartoon von Sky nun endgültig zu Grabe getragen. Was Schlimmeres habe ich selten gesehen. Dafür scheint sich selbst Mike Krüger in der anschließenden Gartenwerbung zu schämen. Und DAS will was heißen.

15:01 Uhr

Zurück zum Spiel also. Stuttgart hat große Personalsorgen. Neben Kapitän Tasci, Molinaro und Kvist fehlen nach 11FREUNDE-Informationen heute in Labbadias Aufstellung auch: Gaudino, Buchwald und Fritz Walter. Immerhin auf der Bank dagegen: Joker Didier Six.

15:09 Uhr

Sidekick heute: VfB-Edelfan Krebs. Der steigt gleich mit harscher Kritik an Labbadia ein: "Irgendwas ist immer: Nicht genügend gute Spieler, große Konkurrenz, zu viele Wettbewerbe." Zieht sich dann sein Dinkelacker-Jersey glatt und singt den Gassenhauer: "Sundermann! Wundermann!"

15:13 Uhr

Erstaunlich: Bruno Labbadia wirkt neben Jürgen Klopp, als wäre er 1,50 Meter groß. Um ihn noch kleiner zu machen, blendet Sky maliziös unter seinem Namen "Schlechteste Heimbilanz der Vereinsgeschichte" ein. Gleich fordert Jan Henkel noch den EU-Rausschmiss von Darmstadt.

15:23 Uhr

Klopp tut heute noch lässiger als sonst, pah, Meisterschaft, scheißegal. Scheint dennoch kurz davor, Henkel umzutackeln, oder ihm zumindest den Mützenschirm in die Stirn zu rammen.

15:27 Uhr

"Besonderes Augenmerk heute auf Maxim", sagt der Krebs. Hatte ihn eigentlich eingeladen für Experten-Tipps zum VfB, nicht für Herrenmagazin-Weisheiten.

15:29 Uhr

Die Einlaufmusik erinnert an die glorreichen Zeiten der Chicago Bulls. Krebs springt auf, stopft im Hechtsprung seine Bierflasche in meinen Papierkorb und klatscht sich mit der Tapete ab. Na, schönen Dunk.

1.

Pünktlich zum Anpfiff hat der 11FREUNDE-Haustechniker die Serverleitung durchgepustet. Jetzt sind auch wir auf Sendung.

3.

Passend zu meinem Herrenwitz-Kalauer hat Maxim tatsächlich eine Maske auf. Fifty Schwabes of Grey.

5.

Weidenfeller ist großer Eishockey-Fan, checkt Traore mit der Hüfte um. Will ihm dann die Jackettkronen zahlen, ist enttäuscht, dass noch alle Zähne drin sind.

7.

Erste Chance VfB. Ecke und dann auf der Linie geklärter Kopfball von Niedermeier. Den nennt der Krebs sonst meist "Niederstrecker". Mit bewunderndem Unterton.

9.

Stuttgart macht das Spiel, Dortmund in Gedanken bei der Meisterfeier vom Vorjahr. Großkreutz kauert kotzend hinter der Werbebande.

10.

Und dann nimmt Reus den Gegner mit einer einzigen Aktion auseinander, schickt Götze, doch der denkt immer noch an all die Brinkhoff's, die er letzten Sommer getrunken hat, vertendelt.

13.

Dreimal Stuttgart mit dem 1:0, also dreimal fast. Zunächst ein Kopfballtor. Krebs kreischt, zählt aber nicht. Dann Traore alleine durch, Krebs kreischt wieder, Weidenfeller hält. Dann wieder Traore alleine durch, Krebs kreischt nicht, denkt es ist die Zeitlupe. Und: Wieder kein Tor. Puh.

15.

Erstmal durchschnaufen. In der ersten Viertelstunde schon mehr Chancen für die Stuttgarter als für Greuther Fürth in der gesamten Hinrunde. Das sind selbst die VfB-Fans nicht gewohnt, Stimmung wie auf dem Cannstatter Wasen morgens um zwei.

18.

Mein lieber Mann! So viel Aggressivität hat man in Stuttgart zuletzt rings um die alten Bäume am Hauptbahnhof gesehen. Dortmund kommt kaum zum Zug.

19.

Reuuuuuuuuus fast mit dem gefühlvollsten Tor des Jahres, chippt den Ball nach Lewandowski-Pass quer über Ulreich, es wäre der Treffer mit der längsten Wartezeit gewesen, so lange ist der unterwegs - und geht dann doch Zentimeter am langen Pfosten vorbei. Torschuss Interruptus.

21.

Harnik auf der rechten Seite frei durch, fällt dann aber wie vom Blitz getroffen. Der Zeitlupe ist zu entnehmen, dass es wohl eher ein schwäbisches Luftstößchen war.

23.

Aua. Harnik tritt Schmelzer bei einem Standard Vollspann ins Gesicht. Harnik sieht Gelb, Schmelzer Rot. Muss blutend ausgewechselt werden.

26.

Piszczek muss nun doch mitmachen. Sollte eigentlich geschont werden. Wofür auch immer. Vielleicht für die nächste Saison.

29.

Jetzt wissen wir, wofür Klopp ihn geschont hat: Für das 1:0! Piszczek keine zwei Minuten auf dem Feld, da hält er seine Tolle in einen Freistoß von Obertolle Reus - Frisur kaputt, Ulreich geschlagen. Dortmund führt.

31.

Haarig auch die Vorgeschichte des Treffers. Felipe mit dummem Foul gegen Reus, was das Publikum aber ganz anders gesehen hat. Wütende Bürger auf den Rängen, Heiner Geißler rennt vor die Kurve, kann aber auch nichts mehr ausrichten.

33.

Niedermeier grätscht gegen einen Dortmunder. Ich sag mal so: Bis Mitte der 90er hätte das kein Schiri der Welt gepfiffen. Jetzt gibt Aytekin Gelb. Und Dittmann sagt: "Rot war das nicht." Und der Krebs sagt nur: "Strecker." Und lächelt.

35.

Die erste Hälfte von Dortmund wie ein WM-Kampf eines erfahrenen Boxers: Erst den Herausforderer sich austoben lassen, dann blitzschnell kontern und danach ab in den Clinch.

38.

Dittmann sagt: "Da ist noch Gras am Hinterkopf, aber das dürfte ihn nicht weiter beeinträchtigen." Wie er all diejenigen, die noch bei klarem Verstand sind, mit seinen Kommentaren beeinträchtigt, daran hat er wohl noch keinen Gedanken verschwendet.

42.

Die ersten Stuttgart-Fans verlassen ihre Plätze. Stadionwurst? Oder Kehrwoche? Im Ländle beides denkbar.

45.

Die letzten Sekunden der ersten Hälfte versinken im Dauerschalalaaa der Stuttgarter Kurve. Das Heimteam im Aufbau unverändert ultranervös.

46.

Der Krebs, als billiger Applausgeber eingeladen, erweist sich wider Erwarten als extrem harte Nuss, als verwöhntestes Ein-Mann-Publikum der Welt. Liest meine Ticks und verzieht keine Miene. Muss meine Taktik ändern. Also: Cacau ist voll super. Niederstrecker rockt.

47.

Pause. Und das bedeutet auch immer: Ailton. Viel schlimmer als die Espresso-Weisheiten des Kugelblitzes ist aber die Bankwerbung mit dem unrasierten Typen, der einen 50er faltet. So geht Werbung heute nicht.

16:23 Uhr

Höher, schneller, weiter: Werder Bremen auf den Spuren von Baron de Coubertin. Hat sich schon nach 12,6 Sekunden das 0:1 in Mainz gefangen. Getroffen hat Linford Christie.

16:27 Uhr

Der Krebs, der bis eben wütend geschwiegen hatte, nun mit dem Patentrezept für den Umschwung: Timo Werner soll als Joker kommen, "der neue Klose", wie er sagt, der Jungstürmer kann angeblich alles, "fuchsen und Tore machen". Stattdessen kommt einfach nochmal die Cortal-Consors-Werbung. Bezeichnend.

16:33 Uhr

VfB-Maskottchen Fritzle will es jetzt erzwingen. Haut den Stuttgarter Spielern seine grünen Pranken auf den Rücken, dass es nur so scheppert. Wer solche Maskottchen hat, braucht keine Motivationsreden mehr.

46.

Weiter geht's. Zwischenstand: Dortmund noch mit Meisterchancen. Stuttgart nicht mehr.

47.

Bundesliga-Spieler, über die Mark Knopfler schon ein Lied geschrieben hat: Rüdiger (Ende der Serie).

49.

Der Krebs flüchtet sich jetzt in die Allgemeinplätze der Frustrierten. a) "Mann, Schiri!" b) "Ja, Foul!" c) "Ey, du nervst!" Und wieder von vorne.

50.

Bruno Labbadia kaut verdrossen auf seiner Unterlippe herum. Denkt vielleicht an die Toskana, an Lazio Rom oder an die südländische Atmosphäre, von der man so viel hört. Oder doch nur an Georg Niedermeier.

53.

Woran wiederum Niedermeier gerade gedacht hat, als er eine Freistoßflanke völlig frei zehn Meter neben das Tor geköpft hat, ist noch unklarer. Vielleicht an seine Lieblings-Eisdiele, zu der er dieses Jahr nicht gehen kann, weil nach dem Winter einfach wieder der Herbst kommt.

56.

Felipe schon jetzt mit mehr falschen Pässen als der gesamte BND, lädt Dortmund zur Entscheidung ein, doch Lewandowski lehnt diplomatisch ab.

58.

Wieder mal Ecke VfB, wieder mal eine Sache für den Mann mit der Maske. Und was dann passiert, ja, liebe Leser, das schauen Sie sich am besten selbst an. Nur so viel: Wenn Sie gerne Flipper spielen, dann ist das was für Sie. Die Hauptrollen spielen der Pfosten und Weidenfeller, am Ende steht es immer noch 1:0. Der Krebs bricht mit Schaum vor dem Mund zusammen.

61.

Ecke Dortmund. Bringt nichts ein. Andererseits: Was bringt heute schon noch was ein?

63.

Und dann ist es doch passiert! Die Maske (Jim Carrey) schlägt zu! Maxim, der bis zu diesem Zeitpunkt schon gefühlte 58 Ecken und 79 Freistöße geschlagen hat, hat realisiert, dass die anderen einfach zu doof sind, macht es also selbst, zieht einfach flach ab - und drin.

67.

Damit könnten die Bayern also heute Abend Meister werden. Wenn alles so bleibt. Womit dann auch klar wäre, dass der Fußballgott kein Münchner ist. Sonst hätte er wohl ein paar Grad mehr bestellt für den Anlass.

69.

Raymond Domenech wurde ja immer "der Laienschauspieler" genannt. Georg Niedermeier will ihn nun beerben, senst erst Götze um und wälzt sich dann auf dem Dortmunder herum, als habe ihm der Schauspiellehrer eine Personifikation der Raupe Nimmersatt aufgetragen. Gibt das zweite Gelb für den Stuttgarter und Gelb für Götze. Der darf allerdings weitermachen.

72.

Maxim wird ausgewechselt. Eben noch der legitime Nachfolger von Zorro, jetzt schon Opfer schnöder Taktikerwägungen. So prosaisch kann Fußball sein.

74.

Dortmund schwankt nun zwischen zwei Entscheidungen: Der in diesem Spiel und der in der Meisterschaft. Klassische Win-Win-Situation, wenn Sie mich fragen.

76.

Ibisevic testet noch einmal die Stabilität von Santanas Jochbein. Bleibt Gottseidank alles heil. Eine Maske und eine angehende reichen für ein Spiel.

80.

Lewandowski und Reus auf dem Weg zum 2:1, doch Ulreich mit dem Magdalena-Brzeska-Preis für eingesprungenen Spagat und Sakai mit dem Jens-Weißflog-Award vor der Torlinie schaffen es irgendwie, diesen Treffer noch zu verhindern.

82.

Und da ist es dann doch! Reus auf Piszczek auf Lewandowski - Tor! Borussia Dortmund ist Deutscher Meister. Oder so.

85.

Die Leistung der Stuttgarter wird heute irgendwie deren Trainer gerecht: Hübsch, aber am Ende erfolglos.

86.

Doch noch mal Stuttgart, Flanke Traore, aber Ibisevic ist mehr mit Drücken beschäftigt als damit, zum Kopfball hochzusteigen. Daher: Abstoß.

88.

Reagierend auf die Pfiffe der Heimfans gegen Aytekin hat Klopp nun Schieber ins Spiel gebracht. Dessen erste Szene: Vorbeigeschoben.

89.

Schon mal ein bisschen weitergedacht: Was passiert eigentlich, wenn die Bayern heute Abend nicht gewinnen? Wird Stuttgart dann Meister? Ich geb's ganz offen zu, diese irren Abstände verwirren mich. Diese ganzen Rekorde, dieses Punktegehamster. Ich will, dass es endlich vorbei ist. Und ich mich auf Champions League konzentrieren kann. Auf die Zweite Liga. Und den Confed-Cup.

92.

Nachspielzeit. Vier Minuten länger Dittmann. Das haben wir nicht verdient.

94.

Und das war's. Aytekin hat ein Einsehen, sogar ein paar Sekunden früher als geplant. Das werde ich ihm nie vergessen.

17:25 Uhr

Das Spiel ist vorbei. Dortmund gewinnt in Stuttgart. Was das jetzt bedeutet, außer dass mir der Krebs jetzt noch die Couch vollweint, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich glaube: Die Bayern sind noch nicht Meister, haben aber ganz gute Chancen. Nageln Sie mich jetzt aber nicht darauf fest. Labbadia wird dagegen garantiert nicht Meister. Dafür muss er schon noch mal zu den Bayern zurückgehen. Oder zu Lautern. Aber er wird es überstehen, Bruno, das ewige Stehaufmännchen. Das sag ich jetzt auch meinem Gast. Ihnen, liebe Leser, lege ich vor allem die kommende Woche ans Herz. Da geht es dann wieder um was. In der Champions League. Ist sowas wie der Confed-Cup für Vereinsmannschaften. Dann wieder voll auf der Höhe: Der 11FREUNDE-Ticker. Versprochen. Bis dahin tschüss und frohe Ostern!


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