Spanien
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Italien

Spanien-Italien im 11FREUNDE-Liveticker

Die Tiktatur

2008, 2010, 2012 – Spanien holt den dritten Titel in Folge. Und die Reihe ließe sich beliebig verlängern, wenn die Zukunft nur so schnell wäre wie das Kurzpassspiel der Seleccion. 4:0 im Finale! Italien und der Liveticker sahen macht- und fassungslos zu.

23:30 Uhr

Was soll’s, das Ding hier ist durch, überall gehen die Lichter aus, auch bei uns. Die EM ist vorbei, Spanien ist Europameister – herzlichen Glückwunsch dazu –, und im Nachhinein betrachtet, hätte man das vorher auch schon wissen können. Wie man ja vieles im Nachhinein betrachtet schon vorher hätte wissen können. Wie oft habe ich beispielsweise gewusst, dass ich, wenn ich diesen Schnaps jetzt trinke, morgen früh Kopfschmerzen haben werde? Insofern habe ich meine Zeit schon deutlich sinnloser verbracht als bei dieser EM. Ob sie gut war, können wir euch jetzt aber noch nicht sagen, wenn etwas in Erinnerung bleibt, dann wahrscheinlich dieses Endspiel, das, als man dachte, dass es jetzt mal vorbei ist mit der spanischen Vorherrschaft, die Befürchtung hervorrief, dass es vielleicht gerade erst angefangen hat. Ist aber auch egal, wir müssen jetzt Schnaps trinken, liebe Fans. Bis bald und vielen Dank für »alles«!

23:25 Uhr

Da ist sie. Mit Breaking News: Puyol freut sich, Hans Sarpei twittert, Spanien war besser. Irgendwann entdecke ich dieses Internet auch noch für mich. Und dann Gnade euch Gott, @liebeFans.

23: 20 Uhr

Ich würde ja gerne Feierabend machen, weiß aber nicht, was Kollege Gieselmann noch vorhat, vielleicht hat er ein Gedicht vorbereitet, wer weiß. Oliver Kahn und Kathrin Müller-Hohenstein geht es ähnlich. Sie sind mittlerweile vollkommen allein auf Usedom, müssen nachher aber noch die komplette Insel aufräumen, plaudern deswegen noch ein bisschen. Spannend. Wann kommt die Social Media Redakteurin?

23:15 Uhr

Blitzschalte nach Madrid, Freude allerorten, berauschte Männer reißen sich die Klamotten vom Leib, eine Austauschstudentin mit ZDF-Mikrofon kichert hysterisch. Mal ehrlich, ich war mal auf Mallorca, so geht das in Spanien jeden Abend zu.

23:05 Uhr

Die Spanier feiern eher müde so vor sich hin, in Kleinstgrüppchen, die offenbar schon seit sehr langer Zeit fest mit verschiedenen Fotografen verabredet sind, da finden die »Bild«, Peta und ich endlich Gelegenheit, uns noch einmal abschließend zu empören. Sergio Ramos feiert den Titel, indem er einen Stierkampf imitiert, ein blutrünstiges Spektakel. Ob Ramos jetzt wirklich erwartet, dass ihm jemand die Hoden von Andrea Pirlo überreicht?

23:00 Uhr

Buffon jetzt im Interview. Sein Gesicht ist nur noch ein Bermudadreieck der Hoffnungen, er sagt, in beliebiger Reihenfolge: »Tolle Mannschaft, Bestes gegeben, Geben und Nehmen, Glückwunsch, fantastisches Spiel, wir waren nicht in Form, Glück gefehlt, letzten Endes, vielen Dank.« Vielen Dank auch, geliebter Feind.

22:56 Uhr

Geknatter in Kiew. Jetzt kommen offenbar die Hell's Angels Hannover und beenden diese EM gewaltsam. Wir würden gern Danke sagen, wissen aber nicht ob das politisch korrekt ist. 

22:55 Uhr

»Der Prinz freut sich sicher ganz, ganz doll«, so Rethy nun. »So nach innen.« Ob dem wirklich so ist, kann nur Poldis Frau beantworten. So nach innen. 

22:52 Uhr

»Da ist das Ding«, murmelt Oliver Kahn im Ü-Wagen am ZDF-Fußballstrand, während Casillas den Pokal empor stemmt, und dann verliert er endgültig die Fassung: Er wirft sich der KMH in die Arme und heult in ihr Kostüm. »Daaaaaa ist das Di-hing!«, greint er und greint und greint. Und hört dann nie wieder auf. Die nachfolgenden Sendungen verschieben sich um eine spanische Ära. 

22:51 Uhr

Unfassbar langes Shake-Hands, bis es endlich den Pokal gibt, der spanische Tross scheint aus mehreren hundert Personen zu bestehen. Mittendrin Sergio Ramos, hat einen kleinen Spielzeugball dabei, leider vom falschen Sponsoren, wird morgen  auf Lebenszeit gesperrt.

22:51 Uhr

Pirlo weint. Oder ist das nachträglich von der UEFA reingeschnitten? Hat er VOR dem Spiel geweint? Vor Angst? 

22:49 Uhr

Spanien? »Wir« hätten die weggeputzt. Da sind die »Bild« und »ich« »uns« »einig«.

22:47 Uhr

Buffon erstaunlich gefasst. Hat die Silbermedaille um den Hals, als wäre es ein Lebkuchenherz vom Rummel. Aufschrift: »Bärchen«.

22:44 Uhr

»Jordi Alba, wie fühlen Sie sich?« – »Total beschissen! Ich hätte wirklich unheimlich gern verloren. 4:0! Ich fasse es nicht! Ich schäme mich, ganz ehrlich. Und werde, um mich zu bestrafen, all meine Ed-Hardy-Shirts verbrennen. Danke.«  

22:42 Uhr

Das hat Stil: Prandelli entschuldigt sich bei Del Bosque.  

22:40 Uhr

»Auch die Basken sind Katalanen«, sagt Rethy. Wisst Ihr was, liebe Fans? Ich geb mich auf. Auch wir sind Rethys. Ist doch auch egal.

94.

Immerhin, fast hätte es noch mit einem 5:0 per Hacke geklappt, dann ist es endlich aus.

91.

Drei Minuten Nachspielzeit in einem EM-Finale beim Spielstand von 4:0. Aber es muss ja alles seine Ordnung haben, könnte ja noch jemand gerade nach Hause kommen und die schönen Werbebanden erst jetzt bewundern. Fair Play sponsored by UEFA. Respect!

970979283709182730912039871029837019387.

Den Staat Spanien gibt es längst nicht mehr. Aber noch immer ist ein Mannschaftsbus voller sich ständig reproduzierender Männer unterwegs, die sich auf das Land ihrer Urväter beziehen. Soeben sind sie zum 38. Mal Weltmeister geworden, haben im Finale die Betriebsmannschaft von Apple mit 16:3 geschlagen. Zum Glück sind wir längst tot.

89.

Mal ganz unter uns, liebe Fans: Seid ihr gerade auch so froh, dass wir am Donnerstag ausgeschieden sind?

87.

4:0 – für die Statistikfüchse unter Euch. Eine Demütigung – für diejenigen unter Euch, die überhaupt noch etwas empfinden.

84.

Uuuuuuuund: Aus, aus, aus. Bzw. drin, drin, drin, bzw. olé, olé, olé. Torres galoppiert mit dem Ball durch die italienische Hälfte, die Verteidiger sind viel zu müden, um hinterherzurennen, Buffon ist viel zu müde, um zu halten, wieso auch, es macht keinen Unterschied mehr. 3:0. Olé!

80.

Spanien fast mit dem 3:0, doch Pedro steht a) im Abseits und schiebt den Ball b) vorbei, was Bela Rethy wie folgt kommentiert: »Der Treffer, wenn er drin gewesen wäre, hätte keine Anerkennung gefunden«. Ich sach mal so: Wenn er drin gewesen wäre, wäre es immerhin ein Treffer gewesen. Aber, was reg ich mich auf, noch zehn Minuten.

78.

Jetzt heißt Rethy den rechten ungarischen Regierungschef Viktor Orban auf der Tribüne willkommen. »Politprominenz!«, frohlockt er im selben Tonfall, in dem er nun Markus Lanz ankündigt. Es ist ein Witz. Aber ich habe mein Lachen ans ZDF verkauft.

78.

Jetzt heißt Rethy den rechten ungarischen Regierungschef Viktor Orban auf der Tribüne willkommen. »Politprominenz!«, frohlockt er im selben Tonfall, in dem er nun Markus Lanz ankündigt. Es ist ein Witz. Aber ich habe mein Lachen ans ZDF verkauft.

78.

Jetzt heißt Rethy den rechten ungarischen Regierungschef Viktor Orban auf der Tribüne willkommen. »Politprominenz!«, frohlockt er im gleichen Ton, in dem er Markus Lanz ankündigt. Es ist ein Witz. Aber ich habe mein Lachen ans ZDF verkauft.

76.

Europa-, Welt- und dann wieder Europameister. Das hat zuvor noch niemand geschafft. Herzlichen Glückwunsch nachträglich, Lars Riedel!

75.

Ganz miese Nummer der Spanier: Jetzt, da sie 2:0 in Führung liegen gegen einen Gegner, der in Unterzahl spielt und nicht mehr wechseln darf, bringen sie endlich einen Stürmer. Torres kommt für Fabregas.

73.

Wie steht's eigentlich? Achja. Soso. Naja. Tüdelü.

71.

»Prandelli hat noch kein Pflichtspiel mit Italien verloren«, weiß Rethy. Ich auch nicht! Und im Unterschied zu Prandelli ist MEINE Bilanz auch morgen noch makellos. Ich stehe als Nachfolger bereit.

69.

Hat Italien eigentlich einen Sportdirektor vom Schlage eines Matthes Sammer? Falls ja, sollte Motta besser schnellstmöglich eine ärztliches Attest vorlegen, dass seine Blitzverletzung nicht auf mangelhaftes Aufwärmen zurückzuführen ist.

67.

11 gegen 10. Das ist so ungerecht, dass Tausende Soziologiestudentinnen zur Stunde weinend Plakate malen. Aber während sie noch über einen knackigen Slogan nachdenken, schlafen sie ein, hypnotisiert vom spanischen Passspiel. 

64.

Unendliche Passkaskaden, und Rethy sagt alle Namen derjenigen auf, die an den Ball kommen. Hört selbst. Oder hört weg.

62.

Große Geste: Die Spanier wollen hier nicht in Überzahl gewinnen, nehmen Casillas raus. 

60.

Du kriegst die..., nein lassen wir das. Ihr müsst jetzt ganz tapfer sein, lieber Fans, das Ding hier ist gelaufen. Motta, der vor vier Minuten eingewechselt wurde, wird jetzt wieder hinausgetragen. Sieht nicht so aus, als wäre er noch zu was zu gebrauchen, es sei denn als Anti-Abseitsfalle. Die dreckige Pointe: Italien kann nicht mehr wechseln. Hier die aktuelle Übertragung aus Cesare Prandellis Kopf:

59

Pirlo. »PiRRRRRRRRRRlo«, nennt in Rethy. »PiAlo«, nenne ich ihn. Aber ich sage ja auch HeAz und SchmeAz. 

57.

Freistoß für Italien. Aber damit müsst Ihr Euch jetzt nicht belasten.

55.

Was auch merkwürdig ist: Bei den Spaniern sieht es immer so aus, als stünden sie im Abseits, was sie aber nie tun, bei den Italienern hingegen ist es genau umgekehrt. Ich hasse es, das sagen zu müssen, aber vielleicht sind die Spanier wirklich doppelt so schnell wie alle anderen. Ich habe  nämlich auch das Gefühl, dass sie mit mindestens zwei Mann mehr spielen, komme aber nicht hinterher beim Nachzählen.

52.

»Orange«, steht auf der Bande. Nett, dass sie sich an die Niederlande erinnert. Dann müssen wir es nicht tun. An wen noch mal?

50.

Chance! Chance! Doppelchance! Mehr Chancen jetzt hier, als sogar Shakira hätte, wenn sie durch den spanischen Fanblock wackeln würde. Aber: Wer macht »ihn« rein?

49.

Plötzlich Aufregung, ganz Spanien reklamiert Handspiel, warum sie dabei hüpfen müssen, als wären sie auf Drogen beim Rave, bleibt ihr Geheimnis, der Schiri jedenfalls pfeift nicht, weswegen offenbar ein Italiener Arbeloa demonstriert, was ein ordentliches Handspiel ist und ihn niederstreckt. Aber das zeigen sie natürlich nicht in Superzeitlupe, diese Weichspüler in der UEFA-Regie.

48.

Fabregas! Fabregas! Fabregas! Fabregas! Fabregas! Fabregas! Fabregas! Fabregas! Dribbelt, fummelt! Dann der Schuss! Buffon! Lässt klatschen! »Kein Zugriff«, bellt Rethy, als wäre er Einsatzleiter bei der GSG9. Warum gibt es keine sprachsicheren Westen?

47.

Di Natale mit dem Kopfball. Knapp drüber. Auch knapp drüber: Mein Versuch, mir währenddessen einen Kaffee einzuschenken. Und wer macht das jetzt weg?

46. Minute

Jetzt kann sich Cassano endlich seiner eigentlichen Abendplanung widmen (wir berichteten), für ihn kommt di Natale. Was auch ein schöner Name für eine Hebamme wäre: die Natale. Weiter geht’s mit, Überraschung, Anstoß.

21:47 Uhr

»Hier ist wieder Kiew«, sagt Rethy. Wo war Kiew denn in der Halbzeitpause, Bela? Hast Du die Augen zugemacht, und dann war es einfach weg, dieses Kiew? Ist ja unheimlich. Komm, kriegst 'nen Keks.

21:46 Uhr

Kahn bei der Beschreibung der Spanier mit seinem ganzen Kahn-Vokabular: Druck, Weltklasse, das große Ganze, auf diesem Niveau, Mentalität, Zeichen setzen. Ende des Kahn-Vokabulars.

21:44 Uhr

Cello-Musik, dazu die Stimme der KMH – so muss es klingen, wenn sich dereinst die Hölle auftut. Ach, Olli! Du auch hier? War ja zu erwarten. Und Effe? Ballack? Sammer? Kommen die auch gleich? Dann sind wir Leitwölfe ja beisammen. Nur der Schweini, der kommt in den Himmel.

21:37 Uhr

Also, liebe Fans. Dann ziehen wir mal das Zwischenfazit. Das müsst Ihr Euch ungefähr so vorstellen, als zögen wir ein störrisches Rind aus dem Anhänger. Aber es hilft ja nichts. Nun also: Das Spiel ist im Grunde ausgeglichen, die Italiener haben Chancen, die Spanier auch, aber die haben nun mal die persönlichere Beziehung zum Ball, ja, er ist eine Art Tamagotchi für sie, sie können ihm sagen, wohin er rollen soll, und dann tut er das, brav, lieb, er wird dafür gestreichelt, ei-ei-ei, niedlich, süß, aber ist das Fußball für Erwachsene? Ja, sagen schnalzende Zungen. Ja, würden auch wir sagen, wenn wir noch schnalzen könnten. Aber wir haben unsagbar trockene Fressen. Immerhin: Deutschland ist Vize-Europameister im Stabhochsprung. Ich hasse mich dafür, dass mich das tröstet.

46.

Noch ein spanischer Schuss. Buffon hält seinen ersten Ball, dann Pause. »Die Italiener werden sie dringend brauchen, um sich zu fangen«, so Rethy. Unser Server ist offensichtlich auch Italiener, hat keinen Bock mehr. Wir versuchen, ihn wieder aufzumuntern, bis gleich, liebe Fans.

41.

Erst traf Silva. Und jetzt trifft Golden. TOOOOOOOOOOOOOR! Alba! Sprintet einmal hin und zurück und wieder hin, nimmt dann den Pas von Xavi in Empfang, vor ihm steht jetzt nur noch Buffon, aber was kümmert ihn das nach dem längsten Anlauf der Fußballgeschichte? Er schiebt ein, 2:0, »ein Tor zum Verlieben«, sagt Rethy, das mag sein, aber in wen? Alba und Kollege Jonas sind beide mehr oder weniger Männer, außer ihnen bin nur noch ich da, aber warum nicht? Ja, ich liebe mich. Wie am Anfang. 2:0 für die Liebe. 2:0 für mich.   

40.

Angeblich schwappt eine La-Ola-Welle durchs Stadion. Aber Vorsicht, wir sehen nur das UEFA-Weltbild, es könnte sich also auch um Aufnahmen von 2008 handeln. (Was auch erklären würde, warum alle Stadien gleich auszusehen haben.)

34.

Schade eigentlich, dass hauptsächlich die Engländer mit ihrem saulangweiligen »God save the Queen« dem exzessiven Hymnen-Absingen frönen. Dabei könnten die Italiener viel mehr Hoffnung aus ihrer schöpfen:

Dov’è la Vittoria?
Le porga la chioma,
Che schiava di Roma
Iddio la creò.

Also, Viktoria, wo bist du? Wie, in Aschaffenburg?

32.

Jetzt verrät Rethy doch, was er unter »taktisch gut geschult« versteht: »Mit dem ersten Teller Nudeln geht den Italienern die Taktik in Fleisch und Blut über.« Ein toller Satz. Da geht mir das Blut in die Nudel über.

29.

Es könnte alles so schön sein. Tiki-Taka, Tiki-Taka, Tiki-Taka, und wir sitzen wie die Oma unter ihrer Wanduhr und schauen ins Leere. Aber diese Italiener. Geben sich einfach nicht auf. Chance, Freistoß, Ballgewinn. Und das am Sonntagabend! Wie hieß es früher auf dem Dorfplatz, wenn einer das Hacken anfing: »Wir müssen morgen alle arbeiten!«

28.

»Der Laufweg bestimmt den Pass«, jogilöwt Bela Rethy plötzlich über einen Angriff der Spanier. Schon alleine um ihm diese PR-Mitteilung des modernen Fußballs nachher im Mund umdrehen zu können, hoffe ich ja, dass Italien hier noch was reißt. Und immerhin: Casillas wackelt ganz beträchtlich, aber er fällt noch nicht. Also, er fällt natürlich schon, schließlich ist er Torwart, ach, ihr wisst schon.

27.

»Wo ist die Lücke?«, fragt Rethy. HIER!

23.

Piqué nimmt Cassano von hinten. Sehnsucht?

21.

Nach zwanzig italienischen Ecken in Folge plötzlich wieder Spanien. Iniesta rast mit Ball am Fuß in den Strafraum, wird im letzten Moment von Pirlo (!) gestoppt, Pirlo wiederum von Abate umgeholzt, der endlich auch mal einen Zweikampf gewinnen will.

20.

Balzaretti für Chiellini. Namen sind das! Man müsste sie singen. O Sohle mio.   

16.

Freistoß Italien, das Übliche, super Position usw... Nur dass ich diesmal tatsächlich Hoffnung auf einen Treffer habe, schließlich hat Pirlo noch nicht mitbekommen, dass Freistoßtore völlig aus der Mode gekommen sind. Doch er holzt in die Mauer. Und Rethy jubelt: »Suuuuper!« Irgendwas stimmt hier nicht.

14.

Nein, tatsächlich: Es gibt es noch, das Silva-Goal – und wie! Fabregas tankt sich auf rechts durch, tankt und tankt (und das bei den Spritpreisen!), die Torauslinie müsste näher kommen, aber sie tut es nicht, die Dimensionen verschieben sich wie bei »Alice im Wunderland«, Buffon wird klein, Silva groß, ein Kaninchen hetzt vorüber, eine Raupe kifft, dann die Flanke, Kopfball! Drin! Ein Traumtor, vorausgesetzt, man ist für Spanien. Eine narzisstische Kränkung, vorausgesetzt, man ist Buffon.  

14.

TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR! Ein Silva-Goal! Ist das nicht längst abgeschafft? Wir blättern mal nach. Bis gleich.

13.

Was mich freut: dass die Italiener als offensichtlich letzte erfolgreiche Mannschaft im Weltfußball noch grätschen. Was mich irritiert: dass sie weder Ball noch Fuß treffen dabei.

10.

»Taktisch gut geschult« sei jetzt irgendwer, so Rethy. Aber worin die Taktik besteht, das weiß er nicht. Er ist wie ein Tourist, der in Sandalen und mit Brustbeutel durch Kirchen latscht, auf Altarholz klopft und sagt: »Das war noch echte Handwerkskunst.« Dann geht er raus und kauft sich ein Scherz-T-Shirt. Wie auch Rethy: »I SURVIVED UKRAINE!« Und damit steht er dann am ZDF-Kopierer und beeindruckt Praktikantinnen. Taktisch gut geschult.

9.

Seit mittlerweile drei Minuten warte ich darauf, dass etwas passiert, worüber ich berichten könnte. Aber es passiert nichts, denn Spanien hat den Ball und passt und passt und passt und passt und passt und passt, und dann, als mir endlich die Augen zufallen, holzt Xavi drüber. Könnte aber auch sein, dass ich das nur geträumt habe.

7.

Kopfball Ramos. A la Playa.

5.

De Rossi jetzt mit dem Foul. Muss man das überhaupt erwähnen? Man sagt ja auch nicht: Die Bäckereifachverkäuferin jetzt mit dem Brötchen. 

4.

Ich weiß nicht, was Cassano für heute Abend vorhat, Fußballspielen offenbar nicht. Vielmehr beschränkt er sich vorerst darauf, vorne links den Kollegen im Weg zu stehen und anzuzeigen, dass er auf gar keinen Fall angespielt werden möchte. Vielleicht bekommt er das Finale auch nicht extra bezahlt, in diesem Fall hätte er meine volle Solidarität.

3.

Rethy bezeichnet Pirlo als »Quarterback«. So wie Otto Rehhagel einst Ciriaco Sforza. Rethy, der Rehhagel des Sportjournalismus? Nichts gegen Otto!

2.

Cassano: Die Kinnlosigkeit dieses Mannes lässt mich die ganze Zeit an »Lonesome George« denken, die kürzlich verstorbene berühmteste Schildkröte der Welt. Cassano: Auch er ist ja irgendwie der letzte seiner Art, ein Halunke, Wühler, Schlitzohr. Muss man lieb haben, solche Leute. Man muss. Aber man will nicht. Ganz schön anstrengend.

1.

»Ein Finale auf Augenhöhe«, so Rethy. Ein Satz auf Grasnarbenhöhe. Wie auch der Anstoß. Anstoß.

20:44 Uhr

Die spanische Hymne wie immer wortkarg. Sie ist, wie hier auf unserem einzigen Karteikärtchen steht, Thomas Schaafs Lieblingslied.

20:40 Uhr

Die Mannschaften kommen aufs Feld, für den zur Hysterie neigenden Bela Rethy viel zu entspannt, ihm wären offensichtlich 22 Hühner lieber. Die würde aber nicht so schön singen, sich nur wie die störende Operndiva anhören, die versucht, Buffon zu übertönen. Vergeblich.

Stringiàmci a coòrte,

Siam pronti alla morte.

Siam pronti alla morte,

L'Italia chiamò.

20:36 Uhr

Selbst zur Sängerin dieser Scheiß-EM-Hymne hat Rethy eine Karteikarte zugesteckt bekommen, die er reflexartig vorliest: »Die gebürtige Hamburgerin...« Und jetzt spielen Flaggen noch mal das EM-Turnier durch. Wir wehen auf Halbmast. Ein Abschlussfeier, die in ihrer neureichen Provinzialität diesem Turnier gerecht wird. Und in Wien schmeißt sich André Heller weinend auf sein brennendes Bett. 

20:34 Uhr

Jetzt der offizielle EM-Song, eine Komposition, gegen die DJ Bobos »Chihuahua« einem wie ein Geniestreich vorkommt. Bei der Vorstellung, wie Bela Rethys Fuß im Rhythmus zuckt, kriege ich Zuckungen.

20:31 Uhr

»In 15 Minuten wird hier bei dieser Europameisterschaft das letzte Mal angestoßen.«, so Orakel Rethy. Offenbar ist das Ding also nach einer torlosen ersten Halbzeit zu Ende und wird dann per UEFA-Dekret entschieden. Mir recht, ich bekomme Verlängerungen eh nicht extra bezahlt.

20:30 Uhr

Gott, was ich am wenigsten vermissen werde an dieser EM: die Eröffnungsfeiern, die jeder einzelnen Partie vorangingen, heute natürlich besonders pompös. Über das Spielfeld wird ein gigantischer Teppich gezogen, vermutlich um das Spielfeld zu schützen, vielleicht aber auch um gelegentlich aufkeimende Menschrechtsdiskussionen im Gastgeberland drunter zu kehren. Man weiß es nicht so genau.

20:26 Uhr

»Das Größte zum Schluss«, sagt Bela Rethy. Der, wenn das wahr wäre, nicht da wäre, um es zu sagen. Ist das eine fernöstliche Denkaufgabe? Lao-Tse dazu: »Alles, was gelehrt werden kann, ist nicht der Mühe wert, gelernt zu werden.« 

20:22 Uhr

Zum ersten Mal stehen Kahn und KMH nicht am Strand, nein, sie sitzen. Verschleißerscheinungen? Der Blick geht auch nicht aufs Meer, sondern auf die halbleeren Rentnerliegestuhlreihen. Ebbe? Irgendwas ist falsch, aber das ist ja nichts Neues. Also alles richtig. Also falsch? Irre. Ich muss mich setzen.

20:20 Uhr

Ich habe ja heute ein Wort gelesen, das ich mal kannte, aber längst wieder vergessen hatte. Jetzt geht es mir schon den ganzen Tag im Kopf herum, weil es einerseits so unglaublich niedlich klingt, wie ein Gebäck, das man von einer bezaubernden dänischen Austauschstudentin angeboten bekommt, dabei aber etwas bezeichnet, womit bezaubernde dänische Austauschstudentinnen keinesfalls jemals auch nur entfernt zu tun bekommen sollten. Jetzt hoffe ich, dass ich das Wort los werden, wenn ich es schreibe. Es lautet: Smegma.

20:17 Uhr

Der »Tatort«-Jingle. Dann das: Korruption überall, Staatsanwälte, die Kartons aus Profivillen tragen, schlecht gelaunte Schmalzhaarträger hinter mafiösen Sonnenbrillen – und am Ende zieht die Mannschaft doch noch in Finale ein. Also, mal ehrlich: Wir sind ja viel Bullshit vom Sonntagskrimi gewohnt, aber das ziehen wir uns nun wirklich nicht rein. 

20:15 Uhr

Die »Tagesschau« weiter: »Nicht nur die Spanier, auch die Italiener wollen den Titel.« Das ist natürlich blöd jetzt. Da muss wohl ein Entscheidungsspiel her. Nennen wir es »Finale«. 

20:14 Uhr

Die »Tagesschau« über die Spanier: »Ihre Ankunft am Finalort war geprägt von Ruhe und Konzentration.« Soso. Aha. Und wir hätten gedacht, sie verlieren schon die Nerven wenn die Bustür zischt. 

19:47 Uhr

Kollege Arnd Zeigler fragt vollkommen zurecht: »Weshalb hat Kiew eigentlich ein Olympiastadion?« Wer es weiß, schickt seine Antwort bitte an online@11freunde.de. Zu gewinnen gibt es ein »Meister 2001«-Shirt vom FC Schalke 04. 

19:20 Uhr

Und? Wo sind sie jetzt, die so genannten Fußballfans? Weg. Vom Erdboden verschluckt, der sie vor drei Wochen empor gewürgt hat. Es ist wie auf der Kirmes in meinem Heimatdorf: Einmal im Jahr kommen sie hervor, mit ihren mittelalterlichen Physiognomien, fahren grölend Autoscooter, tragen Riesenteddys umher wie eine Monstranz, kotzen in Mülleimer, und dann verschwinden sie wieder, weiß der Himmel, wohin, in ihre Hütten, Wohnwagen, und es dauert ein Jahr, bis man sie wiedersieht. So betrachtet, eigentlich nicht schlecht, dass nur alle zwei Jahre ein großes Turnier stattfindet. Danke, FIFA!

18:50 Uhr

Spanien unschlagbar. Ich hab da so meine Zweifel. Da. So.

18:15 Uhr

»Spanier singen nicht, weil sie keinen Text haben. Quasi eine textlose Hymne. Depp!«, beschimpft mich ein Leser, der kein Benehmen hat, quasi ein benehmenloser Leser. Aber ich möchte ihm die Hand reichen und dieses Lied gemeinsam mit ihm singen, so inbrünstig, als wären wir Italiener.

  

18:05 Uhr

Und dann greift Deutschland doch noch ins Finale ein – und zwar in Gestalt von Energie Cottbus. Macht das Mut? Nein. Trotzdem vielen Dank, »Lausitzer Rundschau«, für diese Schlagzeile.

17:47 Uhr

Deutschland nicht im Finale. Am schlimmsten daran ist ja, das jetzt alle Spanisch und Italienisch sprechen zu müssen glauben. Tiki-Taka, Catenaccio, Furia Roja, Selecion, Squadra Azzurra, Armada, Bunga-Bunga – ausgesprochen an der Kaffeetafel von heißdrehenden Familienvätern mit Mohnkuchen zwischen den Zähnen. Die Mutter weicht den ausgespienen Krümeln aus. Und die dummen Söhne rühren stumm in ihren Real-Madrid-Tassen. Wann geht die Fußballwelt endlich unter?  

15:45 Uhr

Gefunden in der Schmutzpostille »Österreiche«: Eine Grafik, auf der NICHTS stimmt. Zwei Mittelkreise! Iniesta spielt den Ball unbedrängt ins Aus! Das Hasen-Orakel ist ein Kaninchen! Die Mannschaften spielen unter falscher Flagge! Für Italien spielen lauter Portugiesen! Folgerichtig: Dann kann auch nicht Pedro Proenca das Finale pfeifen, der ja schließlich Portugiese ist, sondern der Türke Cüneyt Cakir. Hoffentlich schaut er sich nicht vorher diese Grafik an.

15:01 Uhr

Ich finde es übrigens erschreckend, wie wenig inbrünstig die Spanier ihre Hymne mitsingen.

14:37 Uhr

La venganza es pudín negro – Rache ist Blutwurst. Offene Rechnung Nummer 2.

13:56 Uhr

Mario Balotelli will heute Abend vier Tore schießen. Wenn er das schafft, rettet er auch Schlecker. Ich leg mich fest. 

Quelle: http://gotbalotelled.tumblr.com/

13:37 Uhr

Wer ist dieser Mann? Bitte rätseln Sie mit – Antworten an online@11freunde.de. Die ersten beiden Einsender gewinnen jeweils einen sehr langen blauen Stutzen.

13:00 Uhr

Spiegel.de hat »Angst vor der roten Furie«. Und ich erst! Und ich erst!

12:37 Uhr

La venganza es pudín negro – Rache ist Blutwurst. Offene Rechnung Nummer 1:

12:03 Uhr

Barcelona beim Tiki-Taka: 65 Sekunden ohne Ballverlust.

Aber wie erstaunlich ist das noch, wenn man sieht das DIESE KATZE es ALLEIN auf 30 Sekunden bringt? Jetzt kommt Ihr wieder, Spanien-Fans.

11:52 Uhr

Die UEFA hat ja Bilder in die Liveübertragungen geschnitten, die schon vor den Spielen entstanden. Löw und der Balljunge, die weinende Deutschland-Anhängerin, wer weiß, was noch alles. Vielleicht sogar ganze Spiele. Wir würden das nie tun, liebe Fans. Bei uns ist immer alles LIVE. Hier LIVEbilder aus der Redaktion. Wir freuen uns ja schon so aufs Finale!

11:42 Uhr

»Kann man noch an Jogi glauben?«, fragt Walter M. Straten in der »Bild«. Wir gehen raus, atmen einmal, zweimal... zehnmal tief durch. Diese Spannung, diese Angst. Welches Urteil fällt die Inquisition? Dann: »Die Antwort heißt: JA.« Zum GLÜCK. Aber: »Aber in zwei Jahren wollen wir auch einen Titel sehen.« Das ist wie: »Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde – aber nur, wenn es ihn auch wirklich gibt.« Glauben, aber unter einer Bedingung. Glauben für Bausparer. Glauben für »Bild«-Leser. Ich bin dagegen, dass Deutschland Weltmeister 2014 wird.  

11:20 Uhr

Schon viele Fußballer haben Trikots in Kameras gehalten, die sie besser nicht in die Kamera gehalten hätten. Wir erinnern uns an Rafael van der Vaart:

Doch auch wenn sich die Jungs damit ins Abseits katapultierten – immerhin war dahinter ein Wille erkennbar, die Karriere in eine neuen Richtung zu lenken. Was aber plant Cesc Fabregas, liebe Fans?

 

Wir wissen es nicht. Und es interessiert uns auch nicht.

11:05 Uhr

Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano (87) hat der-Nationalmannschaft vor dem Endspiel  einen Motivationsbrief geschrieben. »Er hat fantastische Worte gefunden«, sagt Nationaltrainer Cesare Prandelli. »Ich kann es nicht erwarten, ihn den Spielern vorzulesen.« Jetzt ist es doppelt schade, dass Deutschland bzw. »wir«, wie die »Bild« schreiben würde, den Finaleinzug verpasst haben. Zu gern hätten »wir« erlebt, wie Jogi Löw mit Blick in Lukas Podolskis Gesicht einen Brief von Bundespräsident Joachim Gauck vorgelesen hätte. Zitat: »Deutsche lieben es, betrübt zu sein. Das ganze Land lebt häufig von einer Unkultur des Verdrusses.« Und Podolski so: »Trainer, was ist eine Unken-Tour? Ich kenn nur de Höhner, und wenn die auf Tour sind, ist keiner verdrusst.« Löw: »Sei jetzt bitte sehr, sehr still, Lukas.«

10:09 Uhr

Alle schlafen noch. Wenn es doch nur so bliebe! 

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!