Leverkusen
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Schalke

Sieg and destroy

Leverkusen-Schalke im 11FREUNDE-Liveticker

Imago


18:06 Uhr
Kennt man gar nicht: Der FC Bayern verliert auf der Zielgeraden der Saison wichtige Spiele. Da flattern Nerven im Kanon wie bei einer Kolibri-Clique Flügel im Wald. 

18:09 Uhr
Die 11FREUNDE-Datenbank hat somit errechnet: Gibt es im Spiel Leverkusen-Schalke einen Sieger, gibt es einen neuen Tabellenführer. Eine bayrische Vorlage, die steiler geht als Arjen Robben am Mittwochabend.

18:11 Uhr
Marcel Reif und Felix Magath stehen neben Sebastian Hellmann und tun das, was sie am besten können: schwadronieren (Reif) und gucken (Magath).

18:13 Uhr
Sky wurde scheinbar von einem unbekannten türkischen Medienmogul aufgekauft. Magath umklammert ein Mikrofon, auf dem steht: »Sky Spor«. Sebastian Hellmann bietet Ayran an.

18:19 Uhr
Jupp Heynckes steht bei »Sky Spor« und phrasiert sich durch den Phrasenwald. Dann erfährt er von der Bayern-Niederlage und sagt seltsamerweise nicht: »Ja, dann werden wir jetzt Meister.«

18:30 Uhr
Anstoß. Was die Spieler nicht wissen: Schiedsrichter Weiner hat seine Uhr etwas übereilt schon vorgestellt. Es sind also nur dreißig Minuten zu spielen. Plus Nachspielzeit. Heynckes reagiert sofort, bringt Joker Helmes für die verbleibenden 29 Minuten.

1. Minute
Magath lässt mit einem Mittelfeld spielen, das man sonst beim VfL Bochum erwartet, im grauen Mittelfeld der Tabelle. Edu und Kluge, dazu Matip und Rakitic. Aber unter Magath, der wahrscheinlich auch die schwarz-gelbe Koalition in eine homogene Einheit verwandelt hätte, spielt dieses Mittelfeld eben um die Tabellenführung. Wann ruft Merkel in Gelsenkirchen an?

3.
Beide Mannschaften scheinen sich erst wieder daran gewöhnen zu müssen, heute Tabellenführer werden zu können, wirken noch so unsicher und übervorsichtig wie zwei Heuschnupfen-Patienten beim Sonntagsspaziergang im Birkenwäldchen der Kurklinik. Sicher ist: Wer als erster durchatmet, verliert.

5.
Warum spielt eigentlich Edu, fragt Bock entgeistert, als würde da auf dem Platz plötzlich Dieter Baumann stehen. Die Antwort darauf kennt nur Magath. Und vielleicht Dieter Baumann. Aber der kann grad nicht sprechen, der putzt grad Zähne.

7.
Freistoß für die Leverkusener, die ja so etwas wie die Weltmeister im Standardtanz sind. Das weiß auch Marcel Reif, der heute wieder im Foxtrott kommentiert. Toni Kroos eröffnet die Ballnacht, doch in der Mitte hat Hyypiä noch nicht den richtigen Promillewert, um aus sich rauszukommen, verzieht.

10.
TOOOOOR! Quasi Gegenzug trifft Kuranyi, nachdem Farfan sich mit einem eleganten Hüftschwung durch das Mittelfeld gewunden hat und die Heynckes' Tanzschüler aussehen ließ wie Tanzschüler. In der Mitte vergisst Reinartz dann vor lauter Aufregung auch die einfachsten grundschritte und lässt Kuranyi völlig frei stehen. Der bedankt sich mit einem Schlenzer über Adler und verlässt dann jubelnd das Westfalenstadion. Löw wird es gesehen haben.

13.
Doch mit Löw und Kuranyi ist es so wie mit den kleinen Kindern und der Figur Nero aus »Hallo Spencer«. Irgendwann Anfang der Achtziger wurde der schwarze Unhold aus der Serie gestrichen, weil die Kinder ihn nicht verstanden und sie mitunter so viel Angst vor ihm hatten, dass sie wochenlang Alpträume hatten – allerdings: Nero hatte noch zweimal einen Gastauftritt, trotz Panikattacken im Kinderzimmer.

16.
Die Offensive von Leverkusen funktioniert momentan so gut wie Suppe mit Gabel essen.

18.
Bei Schalke wirkt nur Edu etwas verloren auf dem Rasen. Apropos: Der Rasen in Leverkusen (heute) verhält sich zum Rasen auf Schalke (Mittwoch) wie eine schlammige Müllverbrennungsanlage zu einem Himmelbett in Hugh Hefners Fantasie-Farm.

19.
Farfan mit einem No-Look-Pass – Kuranyi mit einem No-Look-Sprint ins Nichts.

21.
Marcel Reif weiß: »Felix Magath hat psychologisch ganze Arbeit geleistet, keine Trauerarbeit zu erkennen.« Wir wissen: Marcel Reif liest keine
keine Gedanken: Er starrt sie so lange an, bis sie ihm freiwillig sagen was er wissen will.

23.
Leverkusens Defensive spielt ungefähr auf dem Niveau des KSV Baunatal anno 1987 (Bundesliga Manager 1, System Amiga 500, Oberliga). Reinartz Drei-Meter-Pass in den leeren Raum verhält sich zum Thema Fußball wie Kevin Kuranyi zum Thema Kernphysik.

26.
TOOOOR. Das geht einfach wie das kleine Einmaleins: Flanke Farfan, Kopfball Kuranyi, Tor. Rene Adler wirkte auch schonmal länger, größer flexibler. Heute eher Typ Bahnschranke. Sei's drum, Schalke auf dem Weg zur Tabellenspitze, Kuranyi auf dem Weg zur Torjägerkanone, Magath auf dem Weg zu Gott.

27.
Gleich der nächste Angriff, kein Abseits von Kuranyi, doch der Schalker offenbart seine sanfte, humane Seite und vergibt aus Rücksicht auf Jogi Löw, den er mit einem Hattrick nicht unnötig in Verlegenheit bringen wollte.

29.
Nach diesem Tor stellen sich aber auch für Löw unweigerlich zwei Fragen: Warum fährt der eine (Kuranyi) trotz der saison seines Lebens nicht zur WM, während der andere (Adler) wohl dabei sein wird, obwohl er gerade durch den Strafraum hechtet, als wäre er in einem Alptraum von Oliver Reck gefangen. Bock will das klären, ruft die Traumdeuter bei Astro TV an. Da die aber in die Zukunft schauen können und so schon vor fünf Minuten wussten, dass Bock gleich anrufen wird,  gehen sie nicht ran.

31.
Bei Sky wurde Reif mittlerweile durch den Leichtathletik-Experten Ralf Scholt ausgetauscht, der aber zu vermelden weiß: "Schalke verteidigt hoch." Schlechte Nachricht für die Leverkusener, die bereits zwei Mal die Einstiegshöhe gerissen haben. Heynckes schickt Bubka zum Warmmachen.

34.
Leverkusen mit einem Angriff. Schalke mit einem Bordon. Reicht.

37.
Reif, der in seiner Zeit am Gymnasium Chefredakteur der Schülerzeitung war, weiß: Kluge ist kein Mann für die Schlagzeilen aber einer für das Kleingedruckte. Und da werden die Spiele schließlich entschieden. Möglicherweise ein versteckter Hinweis. Wir schauen ins Kleingedruckte der aktuellen Tageszeitung und finden dort eine Kontaktanzeige: Fidele, gut situierter Grimmepreisträger (60) sucht Partnerin für sonntägliche Fußballnachmittage zu zweit. Chiffre bitte an rauesperknopf@skybox.org. Aha.

40.
Zurück zum Kleingedruckten dieses Abends: Schalke mit der nächsten Chance. Wieder Kuranyi, der heute allein eine Doppelspitze zu bilden scheint. Kameraschwenk auf die Ehrentribüne: Jogi Löw hat das Stadion bereits verlassen. Ob er sich jetzt noch selbst für Südafrika nominieren kann, bleibt unklar. In der Halbzeit wird sich Matthias Sammer dazu äußern. Einen Kandidaten für Löws nachfolge hat er dann wahrscheinlich sogar dabei. Einen Taschenspiegel, den er medienwirksam Gesicht halten wird. 

43.
Heynckes macht seinem Spitznamen heute wieder alle Ehre. Sein Kopf ist in etwa so rot wie Uli Hoeneß' Birne nach einem türkischen Dampfbad.

45.
Halbzeit. In der Kurve der Bayer-Fans ging es in den ersten 45 Minuten zu wie auf einer Sammelbörse für Philatelisten oder Schmetterlinge: Entdeckte man einen Pass, der seinen Mitspieler fand, verzückte man sich ob seiner Rarität so sehr, dass man am liebsten die Zeit anhalten würde.

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19:16 Uhr
Während Alice Cooper über den Sky-Kanal flimmert, überlegt Jogi Löw in der BayArena, wie er nach dem Spiel aus dem Stadion kommt, ohne die Fragen nach Kevin Kuranyi beantworten zu müssen. Hansi Flick besorgt schon mal ein Reiner-Calmund-Kostüm.

19:20 Uhr
Es geht schon los: Andy Köpke diskutiert mit Sebastian Hellmann und Reiner Calmund (Jogi Löw?) über die Personalie Kevin Kuranyi. Calli gerät dabei so ins Schwärmen wie weiland nur von Schokoladenpudding mit Sahne.

19:25 Uhr
Vogelsang, Hertha-BSC-Urgestein seit 1965, macht es Calmund gleich: Schwärmt auch. Findet nun Kuranyi, Neuer und Schalke als Verein »ganz schön toll«. Bevor er ein Meet-and-greet mit seinen Stars vereinbaren kann, ziehe ich den Stecker aus der Telefonbuchse. Er zückt sein IPhone (mit Schalke04-Gehäuse). Ächz.

19:28 Uhr
Was erwartet uns in Halbzeit 2: Noch ein Tor? Hurra! Noch zwei Tore? Hurrahurra. Unter uns, wir wissen es natürlich nicht. Marcel Reif indes schon. Und er wird es uns in 30 Sekunden verraten.

19:30 Uhr 
Während Rainer Calmund, der sich Joey Kelly auf den Rücken geschnallt hat, noch aus dem Bild und direkt in die Krombacher Werbung ächzt, hat bereits das Spiel angefangen. Doch anstatt den Wiederanstoß zu zeigen, lässt Sky weiter gigantische Biergläser über den Regenwald fliegen. In HD. Aber das ist kein Trost. Wir hätten lieber den Anstoß gesehen. In Echtzeit.

47.
Jetzt schaltet sich Reif doch noch ein, versucht seine gesamte die Situation durch seine Poetryslam-Erfahrung zu retten, indem er die ersten zwanzig Sekunden nacherzählt. das gibt es bald als Hörbuch. Auch in HD.

49.
Jetzt Ecke Schalke, dann Freistoß Schalke, beide Standardsituationen bringen dabei noch mehr Gefahren als die der Leverkusener. udn wir halten fest: Im Wettstreit der Freistoßkünstler verhält sich Schalke zu Leverkusen wie Wilhelm Tell zu Robin Hood. Zum beweis spaltet Rakitic einen Freistoß von Kroos in der Luft. Rainer Calmund klatscht sich blöde, tut so als wäre er Bruder Tuck.

52.
Zweikampf zwischen Hyypiä und Edu, die zusammen aussehen wie Thomas Anders und Dieter Bohlen. Ein Herz und eine Seele. Oder so ähnlich.

54.
Nächste Ecke für Schalke, aber Rakitic hat sein Zielwasser scheinbar schon ausgetrunken, der Ball verdurstet noch in der Luft, fällt wie ein Stein zu Boden.

57.
Die Schalker machen nur noch so viel wie sie müssen, die Leverkusener so viel wie sie heute können. was dabei heraus kommt ist nicht mehr als eine Fotografie eines Fußballspiels, von dem nie jemand Abzüge bestellen wird. Außer vielleicht jene Menschen, die sich auch Formel 1 in der abendlichen Wiederholung im DSF oder ein Solo-Musical von Peaches anschauen würden. Visuelle Masochisten.

59.
Kollege Raack kommt ins Zimmer, fragt: »Wenn Magath nun mit Schalke Meister wird – was dann los ist?« Vogelsang glaubt: »Er gründet einen eigenen Verein mit selbst aus Knetmasse modellierten Spielern und steigt innerhalb von einem Jahr von der Kreis- in die Bundeslliga auf – oder er fliegt zum Mars.«

61.
Nun aber mal: Sieben Bayer-Pässe in Folge kommen an. Geschichte wird gemacht, es geht voran.

63.
Wir wollen nicht mosern, doch gelegentlich verfällt Kevin Kuranyi in alte Muster: Sobald er den Ball fern des Sechzehners bekommt, bleibt er an seinem Fuß kleben wie ein Flummi an der Wand.

65.
Rafinha versucht einen Ball in drei Meter Höhe in Jean-Claude-van-Damme-Manier zu erreichen. Als er zwei Meter wagerecht in der Luft schwebt, merkt er, dass er doch nicht fliegen kann.

67.
Schalke agiert wie ein Kollektiv von Meeres-Weichtieren (Vgl. Muscheln, Schwämme): Reduziert im Bewegungsradius, sanft im Nehmen. Immerhin macht Farfan wie immer Kilometer wie LKW-Fahrer mit Hallowach-Tabletten.

69.
Für Edu kommt Hao. fehlen wegen finanzieller Engpässe auf Schalke momentan die Fasern, um längere Namen auf die Trikots zu flocken? Oder geht der Trend zum Kurznamen? Vorreiter: Cha (Bum Kun).

72.
Heynckes ist mittlerweile zum Playmobilmännchen erstarrt. Dass da irgendwo noch Leben ist, verrät einzig eine zuckende Unterlippe, auf der kleine Fliegen ihre Eier ablegen. Fußball kann so fies sein.

74.
Googelt man den Namen Hao, kommt man auf folgenden Wikipedia-Eintrag: »Huang Hao (chin. 黃皓 / 黄皓, Huáng Hào) war ein Eunuch zur Zeit der Drei Reiche im alten China.« Wie auch immer, bzw.: 黃皓 / 黄皓.

76.
Die Leistung von Farfan heute lässt auch nur eine Vermutung zu: Arjen Robben hat sich wie Robert Downey Jr. in Tropic Thunder einer Pigmentkur unterzogen und anschließend nach dem Pokalhalbfinale mit in den Schalker Bus gesetzt. Was jetzt auch die Niederlage der Bayern gegen Stuutgart erklärt.

77.
Eilmeldung auf transfermarkt.de: Hertha BSC hat sich bei Schalke nach Hao erkundet, will ihn aber nur verpflichten, wenn auch He von Tianjin Teda an die Spree wechselt.

79.
Wieder Farfan, der die Bayer-Abwehr heute überfordert, wie sonst nur ein Flashmob die Mitarbeiter einer Sparkasse in Berlin-Friedrichshain, ravet durch die Leverkusener Viererkette wie eine Motte, Dr. Motte.

81.
Jetzt aber noch mal die Leverkusener. Womit alles gesagt wäre. Ballbesitz Schalke. Magath tobt, ist außer sich. Das scheint etwas deplatziert im Angesicht einer Zweitore-Führung. was aber kaum jemand weiß: Magath ist mittlerweile längst der Dr. B unter den Trainern, coacht seit dreißig Minuten beide Mannschaften gleichzeitig. Dabei gelingt es ihm innerhalb von Sekunden die Taktik der einen zu vergessen, wenn er die andere wieder auf den Gegner einstellen muss. Es besteht jetzt nur noch die Gefahr, dass er bei dem Versuch, sich selbst in die Karten zu schauen, verrückt wird.

83.
Marcel Reif hat bei Astro TV scheinbar mehr Glück gehabt, versteigt sich deshalb in die gewagte Prognose: Den DFB-Pokal wird Schalke 04 kaum noch holen. In Augsburg entscheiden sich die Fans des FC zu einem spontanen Autokorso, plötzlich ist wieder alles drin.

85.
Königsblaue Feiertage in Leverkusen. Magath zelebriert seine eigene Inthronisierung und die Fans jubeln Kuranyi nach Südafrika. Nur einer sieht aus, als hätte er gerade die Meisterschaft verspielt: Jupp Heynckes, der gerade die Meisterschaft verspielt hat.

89.
Die Leverkusener versuchen sich ein letztes Mal an der dringend nötigen Ergebniskosmetik, haben aber den Make-Up-kurs an der VHS geschwänzt. Wenn der Schiedsrichter jetzt abpfeift sieht dieses 2:0 aus Leverkusener Sicht so aus, als hätten sie sich mit der Schminkflinte von Homer Simpson ausgehfein gemacht. Bei Adler ist der Kajal verlaufen, Hyypiä hat Lippenstift am Kragen. Und Heynckes? Der bekommt ganz sicher heute kein Bild von Heidi Klum.

90.
Das Spiel ist aus. Schalke beinahe Deutscher Meister und wenn Hoeneß und Heynckes heute die Köpfe zusammenstecken würden, sähe es aus wie auf einer Tomatenfarm.90 Minuten Dominanz: Während Leverkusens Bemühungen wirkten wie das ewig Duell Wels gegen Aquariumglas, spielte Schalke wie eine Wildwasserfahrt im Fantasialand. Farfan zitierte Arjen Robben und Kevin Kuranyi Gerd Müller. Felix Magath nimmt's gelassen, verteidigt im bei Sebastian Hellmann tapfer sein »sky-Spor«-Mikrofon und spricht sonorig wie einer, der gerade den 15. Tabellenplatz verteidigt. Immerhin, so Magath, bekommt die Mannschaft zur Belohnung frei – bis morgen früh.

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