Schalke 04

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Gladbach

Schalke-Gladbach im 11FREUNDE-Liveticker

»Tore? War ja gar nicht geplant! Trotzdem: Hurra!«

Gladbach hat in 90 Minuten genug Chancen, um fünf Spiele zu gewinnen. Blöd nur: Schalke hat Ralf Fährmann. Und Andre Schubert? Hat nicht mal Haare, die er sich raufen kann. Irritiert: der Ticker.

20:09 Uhr

Guten Abend. Vierter gegen Fünfter also. Wobei man nicht so genau weiß, wieso Schalke überhaupt dort oben steht. Wenn man den Schalke-Fans in der Redaktion glauben darf, deren Stimmung sich seit Wochen auf Magen-Darm-Grippe-Niveau bewegt, steht das Team kurz vor dem Abstieg in die Regionalliga. Mal ist Horst Heldt Schuld, dann wieder Andre Breitenreiter. Meistens aber Ebbe Sand, der vor ein paar Jahren unverschämterweise einfach so seine Karriere beendet hat. Wir weinen mit ihnen königsblaue Tränen.

20:13 Uhr

Die Sache ist natürlich: Sollte Schalke heute verlieren, könnte die Mannschaft auf den 7. Platz abrutschen. Für Andre Breitenreiter vermutlich nicht weiter schlimm, er würde sich für die Teilnahme am UI-Cup bedanken (»Ein tolles Erlebnis«). Horst Heldt wäre es auch egal, er ist ja nach der Saison weg und kann sich komplett auf sein anderes Hobby konzentrieren (rauchen). Nur Clemens Tönnies wird vermutlich noch vor Ende der Saison erfahren, dass dieser Wettbewerb vor ein paar Jahren abgeschafft wurde. Zur Strafe gibt es nur noch Tofuwurst. Noch mal: Wir weinen königsblaue Tränen.

20:18 Uhr

Eben gerade noch Klopps Zitat zur Europa-League-Auslosung gelesen. Er sagte: »Das ist eine Geschichte, die nur der Fußball schreibt«. Nun ja, vermutlich gab es das auch schon mal im Eishockey, Handball oder Billard. Auch in unserer Tipp-Kick-Liga gab es das schon mal. Und ganz vielleicht hat auch ein Drehbuchautor in Hollywood schon mal die Geschichte einer Rückkehr geschrieben. Aber das soll an dieser Stelle egal sein.

20:20 Uhr

Apropos: ausgerechnet. Schalke hat von den letzten acht Spielen nur zwei verloren. Trotzdem gerüchtet es seit einiger Zeit, dass Lucien Favre, ehemals Trainer des heutigen Schalke-Gegners Gladbach, nach der Saison neuer Coach der Knappen wird. Irre, dieser Fußball. Wie ein Dan-Brown-Roman in gut.

20:21 Uhr

Wegen dieser Favre-Sache wittert Breitenreiter übrigens eine »Intrige« gegen sich. Kann eigentlich nicht sein. Oder habt ihr das Wort »Intrige« im Schalke-Kontext schon mal gehört?

20:25 Uhr

Kommentator heute übrigens Marcel Reif. Der ja nach dieser Saison bei Sky aufhört. Und dann: Ab an die Theke. Das hat er jedenfalls schon in den Neunzigern angekündigt – und ganz nebenbei unser Motto für die letzten Spiele mit ihm vorgegeben.

20:28 Uhr

Die Mannschaften kommen aufs Feld. Dazu läuft Musik von Karel Gott oder den Wildecker Herzbuben oder Revolverheld. In der Maxi-Version. Die einzige Frage die sich dabei stellt: Übt Horst Heldt sich schon in seiner neuen Rolle als Stadion-DJ? Egal. Bitte weckt uns, falls dieses Lied je ein Ende haben sollte (Sonntag oder Montag).

1.

Der Anstoß soll erfolgen. Und jetzt stehen sie da im Mittelkreis und haben kein Feuer. Horst Heldt eilt hinzu, hält seine Kippe an den Ball. Kann losgehen.

2.

Gladbach heute in den Trikots von Wacker Burghausen. So wie die Bayern mal in den Trikots von Brasilien spielten. Kann vieles heißen, in alle Richtungen. Wir werden berichten.

3.

Keine drei Minuten gespielt, da passiert schon wieder so »eine Geschichte, die nur der Fußball schreibt«: Der Linienrichter verliert seine Fahne. Ob wir diese Szene für unseren nächsten Roman verwenden dürfen? Oder müssen wir dann einen DFL/BILD-Powered-by-emotion-Button auf das Cover kleben?

5.

Stindl, der mit seinem laienhaften Enthusiasmus immer so wirkt, als würde er sich nachts, nach dem Job bei einem KFZ-Zulieferer, noch alles anlesen, was man über den Fußball wissen muss. Fernstudium Bundesliga.

7.

Eine Kombination, die klingt wie die Anweisung der Chefin eines französischen Cafés an die Auszubildende: »Schöpf Sané!«

9.

Ein Hobby von uns: Spieler mit schwarzen Schuhen auf dem Platz ausfindig machen. Ein Unterfangen, was in etwa so aussichtsreich ist, wie am Berliner Hermannplatz auf jemanden zu treffen, der einem an der Tür zur U8 den Vortritt lässt.

12.

Gladbach mit so etwas wie einer Chance. »Breitenreiter müssen die Haare zu Berge stehen«, sagt Reif. Kameraschwenk auf Andre Schubert. Keine Pointe.

14.

»Tschakka! Ausgerechnet!«, ruft Reif. Da hat sein Assistent ihm wohl ein besonders kniffliges Sudoku hingelegt.

16.

Neustädter und Höjbjerg mit einer sonderbaren Defensivaktion. File under: Nimm du ihn, ich hab ihn sicher. Unser Field-Fotograf hat exklusives Fotomaterial der Szene:

18.

Horst Heldt nervös wie selten.

19.

Schalke heute mit Guardiolas Abwehrstrategie aus dem Juve-Spiel. Dieser Mann hat die Bundesliga wirklich nachhaltig beeinflusst.

21.

Wenn man die Augen schließt, klingt das Spiel wie der Kick von ein paar Siebenjährigen am Strand von Wangerooge. Wenn man die Augen öffnet, sieht es auch so aus.

23.

Gladbach drückt. Und Schalkes Abwehr verhält sich in etwa so wie Donald Trumps Frisur zu seinem Mund: Alles läuft irgendwie diametral zueinander.

25.

Stindl hat in seinem »Fernstudium Bundesliga« offenbar zuletzt das Kapitel Trashtalk durchgeackert, provoziert jetzt Höjbjerg: »Ey, du Blödi!« Und dann schubst er ihn noch. Email vom Dozenten: »Für den Anfang nicht schlecht, Lars!«

26.

Nächste Ecke Schalke. Und auch hier hat gerade eine Trinkhalle dichtgemacht, es ist so traurig.

28.

»Erste Ecke des Spiels und dann sogar die zweite!« So feierte Marcel Reif die zwei ersten Ecken des Spiels – und machte direkt ein Bitburger auf. Wir ziehen derweil mit Trompeten und Partyhüten durch Neukölln und zelebrieren an der nächsten Abbiegung das neue Eckenverhältnis: Schalke 2, Gladbach 0. Bis später.

29.

Es ist wie beim Petting zweier Teenager auf der Rückbank eines Golf Bon Jovi: Viel Körperkontakt, aber »er« geht nicht »rein«.

30.

Kleine Chance für Gladbach. Aber wirklich überraschend ist das nicht. Jedenfalls nicht so sehr wie das hier:

34.

Hazard an der Außenlinie mit einem famosen Lupfer. Horst Heldt würde mit der Zunge schnalzen, wenn sie nicht vom Nikotin belegt wäre. Aber Kopf hoch, wir kennen das Problem. Beim letzten Zungenschnalzversuch kam ein ganzer Aschenbecher mit raus (immerhin: er war aus Bronze).

35.

Schalkes Abwehrleistung schockiert Deutschland. Benatia: »Das kann ich auch!« Gerland: »Jetzt bloß nicht abheben, Junge.«

36.

Breitenreiter handelt, schickt Johan de Kock zum Warmlaufen.

38.

Listig: Gladbach lässt eine Chance der Schalker zur, aber nur um hinterher kontern zu können. Sané: »Das gildet nich!« Stindl: »Steht aber so im Lehrbuch, kann ich dir zeigen!«

40.

»Jetzt haben wir ein Fußballspiel«, sagt Marcel Reif. Schön, wir haben nämlich schon die ganze Zeit befürchtet, dass gleich Steffi Graf eingewechselt wird, um das Spiel per Tiebreak zu beenden.

41.

Tönnies: »Was für ’ne Schweinehälfte!«

43.

Dahoud nimmt einen Ball an. Grund genug für ein Jubelschrei Marcel Reifs: »Er dreht jetzt auch auf.« Für den Fall, dass gleich ein Tor fällt, stellen wir sicherheitshalber schon mal einen Defibrillator neben die Kommentatorenkabine.

44.

Gladbach mit der Ecke. Bringt nichts ein, wie gehabt. Hier die letzten 200 Standardsituationen der Mannschaft in der Zusammenfassung.

45.

Schön ist es immer, wenn die Fans so was singen wie »Auf geht's Schalke, schießt ein Tor«. Wenn man dann die Augen schließt, könnte es auch 1984 sein. Es könnte Olaf Thon neben Rolf Töpperwien stehen. Und Dendemann im Kinderzimmer auf und ab hüpfen.

45.

Halbzeit. Breitenreiter: »Ich schneid’ euch die Eier ab!« Goretzka: »Aber wir haben doch gar keine, Chef!« Breitenreiter: »Auch wieder wahr.«

21:22 Uhr

Werbung. Noch hat Andre Breitenreiter 13 Minuten Zeit, seine Abwehr ein bisschen zu stabilisieren. (Abbildung ähnlich)

21:24 Uhr

Mike Büskens klingt, als hätte sich der Puppenspieler von Kermit, dem Frosch, heute was Falsches über die Hand gezogen.

21:30 Uhr

Hat zwar nichts mit dem Spiel zu tun, aber wir haben in diesem Internet eine Anzeige gefunden, die einst von Podolskis Eltern aufgegeben wurde. Schön.

21:31 Uhr

Außerdem einen alten Artikel über uns:

46.

Anstoß. In diesem Fall ein Wort, das klingt wie »Der Nächste, bitte« beim Zahnarzt.

48.

Raffael hat so viele Chancen wie Rolf Eden. Aber hier wie da kommt es nicht mehr zum Äußersten.

49.

Gladbach mit einer Chance nach der nächsten. Schalkes Abwehr weiterhin deplatziert. (Abbildung ähnlich)

52.

Heidel: »Mein Gott, das ist ja schrecklich hier!« Tönnies: »Hatte ich das bei den Verhandlungen gar nicht erwähnt? Verzeihung. Dann saugen Sie jetzt mal mein Auto aus.«

55.

»Hazard heißt übrigens Gefahr«, informiert Marcel Reif. Wir informieren: Marcel heißt »der Kriegerische«. Ein Wunder, dass die beiden gemeinsam noch nie die Champions League gewonnen haben.

58.

Kurzer Blick an die Seite. Horst Heldt steckt sich vor Wut drei Zigaretten auf einmal an. Eine raucht er durch die Nase. Clemens Tönnies winkt ab: »Mit diesem aktionistischen Imponiergehabe ist auch nichts mehr zu retten!«

59.

Wenn das hier wirklich der Vierte gegen den Fünften ist, kann es sich eigentlich nur um den »vierten König« und das »fünfte Rad am Wagen« handeln.

60.

Tor. Wenn man es denn so nennen möchte. Sané mit dem Solo, sucht Olli Reck – und findet ihn in der Gestalt von Sommer und Nordtveit: Die beiden Pannenollis schießen sich mehrfach gegenseitig an, und als sie keine Lust mehr haben, den Ball ins Tor. 1:0 für Schalke. Und dass die Spieler jubeln, sagt vieles, ja fast alles über ihren Glauben aus, dass sie das selbst zuwege hätten bringen können.

61.

Hier das Tor in der Wiederholung:

63.

Statistiken, die sie ihren Kindern nicht zeigen sollten. Anzahl der Schalker Torschüsse: 0. Anzahl der Schalker Tore: 1.

65.

Dahoud zimmert den Ball aus 22 Metern an die Latte. Ein Schuss, für den das Wort »Uiuiui« erfunden wurde. Andre Schubert wachsen prompt Wut-Haare, die er sich zu Berge stehen lässt.

68

Favre verlässt die Schalker Tribüne, lässt sich jetzt lieber bei Wormatia Worms ins Gespräch bringen.

70.

Wechsel bei Gladbach: Der Tag geht, Johnny Walker kommt.

71.

Gladbach spielt weiter ansehnlich nach vorne. Schalke zeitweise mit elf Mann in einer Reihe. Stramm, aber gleichzeitig wackelig. Kennt man sonst nur aus den Trinkhallen in Castrop-Rauxel. Ob das gut geht?

73.

Fernstudent Stindl hat in der Halbzeit das Kapitel »Elfmeter rausholen« gebüffelt. Email vom Dozenten: »Weiter so! Nächstes Mal klappt es ganz bestimmt! ;-)«

75.

Andre Schubert am Verzweifeln. So viele Chancen, so wenig Tore. Als hätte er elf Federico Insúas aufgestellt. Es ist zum Haareraufen. Oder auch nicht.

81.

Wahnsinn! Ein komisches Spiel. Schalke hatte sich schon im Drei-Punkte-Land bequemt, da schießt Christensen das 1:1. Und in der Schalke-Kurve läuft der Soundtrack zum Spiel, ach was, zur gesamten bisherigen Saison:

82.

André Hahn kommt zurück, Johannes Geis, der Mann, der ihn ihm Hinspiel ins Krankenhaus trat, vereist sich auf der Bank das schlechte Gewissen.

84.

2:1 für Schalke, erzielt von Gladbach. Tönnies treibt das Outsourcing offenbar auf die Spitze. Goretzka schießt, Xhaka fälscht mit der Schulter ab. Wie wir ihn kennen, wird er im Interview jedoch die Schulterfrage weit von sich weisen.

86.

Irre. Hier läuft ja gar nichts, wie angenommen. Immerhin funktioniert der Übergang in Sachen Musik. Aus Gladbachs Kurve brummt nun wiederum auch ein Soundtrack zum Spiel.

87.

Heldt gut gelaunt: »Das ist ja Slapstick! Was, Chef?« Tönnies: »Ich kenn’ nur Schaschlick. Ein Kilo 90 Cent.«

89.

Bammbamm. Ralf Fährmann wie eine Mensch gewordene Doublebass. Doppelreflex auf der Linie. Wir sind so erregt, dass wir entweder gleich Slayer hören oder auf eine Gabba-Party gehen müssen.

90.

Gladbach jetzt mit wütenden Angriffen. Nein, Moment, der André Schubert ist ja so ein netter Mann, nennen wir sie also: Gerade mal nicht so supi gelaunte Angriffe.

93.

War es das? Gladbach spielt jetzt unbedrängt einen Ball ins Seitenaus. Ralf Fährmann würde gerne auch diesen Pass parieren, kommt aber zu spät. Einwurf. Kurz: Enttäuschung. Dann: Freude. Das Spiel ist aus. Schalke gewinnt 2:1.

22:24 Uhr

Das war’s dann also, das bescheuertste Spiel, das wir gesehen haben, seit beim Betriebsausflug ins Brandenburgische der Programmierer die Online-Praktikantin mit der Gotcha-Wumme unter beiderseitigem Gekicher stundenlang durchs Dickicht jagte. Damals ging es, soweit wir es in Erfahrungen bringen konnten, unentschieden aus. Diesmal sind die Schalker die Glücklichen. Und die Fassungslosigkeit steht ihnen ja auch ins Gesicht geschrieben: »Was? Wir? Tore? Das war ja gar nicht geplant! Trotzdem: Hurra!« Und wir so: Gute Nacht.

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