FC Schalke 04
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FC Bayern München

Schalke-Bayern im 11FREUNDE-Liveticker

Das Topspiel der Herzen

Beim »Ich-komme-ohne-Training-und-übernehme-ohne-zu-fragen-das-Zepter-Debüt« von Xabi Alonso sah es lange Zeit nach einer klaren Angelegenheit für die Bayern aus. Doch Schalker Kampfgeist und Münchner Müdigkeit führten schließlich zu einem gerechten 1:1-Unentschieden. Als Chronist des »Topspiels der Herzen« an der Seite von Markus Merk in Ottergeil: Der 11FREUNDE-Liveticker. 

16.30 Uhr

Freunde. Curry- gegen Weißwurst, Keller gegen Guardiola, Blau gegen Rot. Schalke gegen Bayern. Das Topspiel des zweiten Spieltags, begleitet von der Ice-Bucket-Challenge unter den Tickern, dem 11FREUNDE-Liveticker. Mit den neuesten Witzen über Youri Mulder, Dettmar Cramer und einer detaillierten Analyse über die Stärken und Schwächen von Radmilo Mihajlovic. Los geht's um 17.45 Uhr, Gelsenkirchen Mean Time. Bis dahin noch etwas Futter für das morsche Fanherz, Rührpfand für die Seele, Thon für die Massen: Die Bolzen-Klubheimtour von auf Schalke.

17.45 Uhr

Willkommen zum 11FREUNDE-Liveticker! Was für eine Woche! Wowereit tritt zurück, der HSV findet zu alter Stärke und meine Mutter kämpft in ihrem Garten einen aussichtslosen Kampf gegen Nacktschnecken. Und als wäre das nicht schon genug, steht nun auch noch Schalke-Bayern vor der Tür. Soviel Aufregung! Zum Glück habe ich »Das Buch Franz« bei mir und beruhige mich und uns mit folgender, kaiserlicher Weisheit: »Der Sinn des Lebens liegt darin, im Laufe deines Lebens ein anständiger Mensch zu werden.« Wir schauen das Spiel trotzdem.

17.50 Uhr

Auf dem Weg in die Tickeria in der U-Bahn noch hurtig ein Stimmungsbild erstellt und nach dem jeweiligen Favoriten gefragt. Die Meinungen hielten sich ungefähr die Waage. Je sieben Leute antworteten mit »Halt's Maul« oder »Ich guck' kein Big Brother«. Drei Leute sagten »Ich kenn' Dich doch, Du schuldest mir noch Geld.« Verspricht ein ausgeglichenes Spiel zu werden.

18 Uhr

Nur Kollege Ron Ulrich, »Castrop-Rauxels Journalist des Jahres 2003-2007 und 2009-2014« , den ich gestern zufällig auf einer Podiumsdiskussion zum Thema »Habermas in Dubrovnik« traf, ist sich sicher, dass die Partie ganz klar für Schalke ausgehen wird. Er erinnerte mit Nachdruck an das Jahr 2003, in dem die Königsblauen nach einem ähnlich schwierigen Saisonstart ebenfalls auf die Bayern trafen und der Saison mit einem 2:0-Erfolg die entscheidende Wendung geben konnten. »Hajto und Oude Kamphuis haben damals getroffen, meine ich«, raunte Ulrich und wusste es natürlich und überzeugte mich sofort. Der Satz hallte noch im Raum, als ich mich schon im Wettbüro wiederfand, all mein Erspartes auf die Quote 7:1. Die 35 Euro kann ich gut gebrauchen.

18.10 Uhr

Zum Spiel. Didi Hamann analysiert für Sky die Unterschiede zwischen Toni Kroos und Xabi Alonso. Seine Stimme plärrt wie von einer Schellackplatte gekratzt. Und auf dem Platz steht Sebastian Rode. Quasi die mp3 unter den defensiven Mittelfeldspielern. Keine Vergangenheit mehr, aber auch ohne Zukunft. Und so reden sie weiter über einen, der noch nicht dabei ist. Jetzt Matthias Sammer. Auf die Frage, wie die Bayern denn auf Xabi Alonso gekommen seien. »Naja. Wir hoffen alle guten Spieler zu kennen.« Potzblitz.

18.15 Uhr

Warum eigentlich ist Markus Merk eingesperrt in Obergeil, oder wie immer das Dorf heißt, in dem der Zahnarzt ohne Grenzen sein eigenes Bierchen kocht? Meine These: Lothar Matthäus und Markus Merk dürfen sich qua Gerichtsbeschluß nicht auf weniger als 5 Kilometer nähern. Zum Wohl der Zuschauer. Danke Justizia!

18.15 Uhr

Wahnsinn. Jetzt eine Schalte ins Abenteuerland. Harmut Engler, der beste Kumpel von Toni Kroos, im Interview. Sagt orginal gar nichts. Redet ohne Ende. Aber. Was macht der jetzt eigentlich, wenn er in München ist? Bei Toni kann er ja nicht mehr pennen, die Nächte durchquatschen, sich festhalten am Glauben des Anderen. Wo sind all die Indianer hin?

18.20 Uhr

Breaking News. Neuer Spielertunnel »Auf Schalke«. Das Spiel beginnt trotzdem mit 0:0. Skandal. 

18.25 Uhr

Die Schalker mit einer Choreo Marke »Filmriss«. Viele kleine Fußbälle, Filmschnipsel und das gewohnte Blau und Weiß. Die Bayern kontern mit einem Banner »Europapokalsieger 1974«. Ich verstehe kein Wort mehr. »Wolf Fuss, hilf«, will ich rufen, aber da fällt mir ein, ist ja Wolf Fuss. 

18.28 Uhr

Xabi Alonso also von Beginn an. Im Mittelfeld, wie »Insider des FC Bayern« den Experten von Sky gesteckt haben wollen. Frage mich derweil trotzdem, wozu dann eigentlich das ganze Training, wenn der Alonso einfach mal so, die Tinte unter dem Vertrag ist noch gar nicht trocken, mitspielen kann, als wäre Guardiolas Taktik eben doch alles andere als kompliziert oder eigen oder überhaupt irgendwas. 

1.

Anpfiff. Für den Moment deutet alles auf Verlängerung hin.

3.

Schalke geht drauf, als gelte es aus der Kohle, die der neue Spielertunnel sein soll, einen Diamanten zu pressen. Am besten innerhalb der nächsten fünf Minuten. 

5.

Höwedes weltmeisterlich wieder als Linksverteidiger. Der heranstürmende Philipp Lahm lacht sich über diese Idee noch immer derart schlapp, dass er seinen ersten Flankenversuch vor Kraftlosigkeit herschenkt. Kurz darauf klärt Fährmann mit seinem dritten Arm vor dem mustergültig von Boateng und Lewandowski im Strafraum freigespielten Müller.

7.

Angesichts der zwei Glanztaten, die Ralf Fährmann hier bereits aufzeigen musste, scheinen sich seine Vorderleute zu denken, dass die Sache mit den Diamanten ja doch nicht so richtig ins Ruhrgebiet passen würde. Parken stattdessen erstmal den Bus. Fahrtzielanzeige »Hoffnung«.

9.

Xabi Alonso bisher mit der Abgeklärtheit von Redaktions-Hospitant Thomas Hitzlsperger beim Hallenfußball unter der Woche. Was in beiden Fällen bleibt, ist die Erkenntnis, dass Training offenbar vollkommen überbewertet ist. Entweder Du kannst es, oder Du tickerst eben. Und über die Traurigkeit einer Lüge fällt das 0:1.

11.

Lewandowski mit seinem ersten Bundesligator für die Bayern. Nach doppeltem Doppelpass unter Mithilfe von Sebastian Rode. Keine Pointe.

14.

Auf der Bayern-Bank klatschen sich Guardiola und Sammer ab, als hätten sie gerade Einigung darüber erzielt, dass es heute Abend Mett- statt Leberwurstbrötchen gibt. Auf der Ehrentribüne fachsimpelt Karl-Heinz Rummenigge mit seinem Finanzvorstand über das nächste Rhetorik-Seminar dass er gebucht hat. Arbeitstitel: »Die holprige Rede als Waffe.« Topspiel, du Spannungsmonster.

16.

Foul Marco Höger. Wer übernimmt den Freistoß für die Bayern? Xabi Alonso. Mal im Ernst, liebe Bayern. Ihr seid Weltmeister, habt die Champions League gewonnen und gewinnt 13 von 8 deutschen Meisterschaften. Und dann lasst ihr Euch von einem 32-Jährigen Alonso nach einer halben Trainingseinheit den Freistoß wegnehmen? 

19.

Götze tanzt an der Außenlinie mit Felipe Santana. Der hat ein Einsehen, dass er den Ball ohnehin nicht bekommt und tänzelt einfach mit. So schön kann Fußball sein. Doch dann kommt Draxler, der die Tanzschule seinerzeit geschwänzt zu haben scheint, und nimmt sich humorlos des Balles an. Schade. War Schalkes beste Szene bisher.

22.

Bayern überlässt Schalke jetzt den Ball. Was als Demütigung zu verstehen ist. Denn die können damit in etwa so viel anfangen, wie ein Veganer beim All-You-Can-Eat beim Metzger.

25.

»Die Schalker kriegen den Fuß nicht in die Tür, bis hierhin«, analysiert Wolf Fuss. Falsch, lieber Wolf, du Fuchs. Sie finden sie nicht einmal, die Tür.

28.

Sidney Sam mit etwas, das zumindest in einer Waldorf-Schule als »fast eine Torchance« bemerkt werden würde. Der positiven Bestärkung wegen. Auch wenn es unter dem Strich eher so aussah, als würde Sam die Wörter »Wir geben auf« tanzen.

31.

Nochmals zu Xabi Alonso. Hat die meisten Ballkontakte bei den Bayern. Einfach so. Aus dem Nichts. Die meisten Ballkontakte. Lieber Fußballgott, Du bist mir eine Erklärung schuldig.

34.

Nachricht von Sam. Der zeigt sich auf dem rechten Flügel, nimmt es mit Alaba auf, entdeckt darüber sein Herz, und sein Geschick, und wackelt vorbei am Österreicher, und ist darüber so erfreut, dass er feixt vor Glück. Und weg ist der Ball. Die Schalker Fans nehmen es dankbar auf, als wäre es das Fanal einer goldenen Zukunft. »Fan sein bedeutet«, sagte dazu einst ein kluger Mann, »um die realistischen Chancen seiner Mannschaft zu wissen und trotzdem davon abzusehen.« Insofern wäre ich gern Fan meines eigenen Lebens. Aber das nur nebenbei.

37.

Schalke jetzt mutiger. Attackieren mit ganzer Leidenschaft. Sebastian Rode hat Mitleid, foult in aussichtsreicher Situation in die Beine von Sam, der sich eigentlich längst verheddert hatte. Den Freistoß aus 22 Metern wemmst Meyer in die Mauer. Von Mitleid will er nicht leben.

40.

Bittere Nachricht für Jan Kirchhoff. Hat bisher gerade einmal drei Spiele für die Schalker gemacht und muss nun nach 40 Minuten erneut verletzungsbedingt raus. Für ihn kommt Neustädter ins Spiel. Scheint darüber nicht gerade begeistert. 

43.

Die Bandenwerbung mahnt »Don't call it Schnitzel.« Ein anderer Begriff will mir für dieses Spiel aber partout nicht einfallen.

19.21 Uhr

Halbzeit in Gelsenkirchen. Das Gute an Sky ist dann doch, dass man von den Halbzeit-Nachrichten der öffentlich-rechtlichen, diesem Menschen-Potpourri der Schlechtigkeit, verschont bleibt. Stattdessen Lothar Matthäus und Didi Hamann. »Merkste selbst, nich«, raune ich mir zu. 

19.25 Uhr

Wenn ich die Kommentar-Dichte unter dem Ticker richtig deute, liest hier bis auf meine Mutter niemand mit. Hallo Mutti. Denkst Du an das Kartoffelsalatrezept? Didi Hamann lächelt derweil mit seiner Schellack-Stimme in die Kamera. Verstehe kein Wort. Zeit, für ein Zitat aus »Das Franz Buch«: »Schaun mer mal, dann wer'n wir schon seh'n.« Amen.

19.30 Uhr

Personen, denen das gefällt, gefällt auch: »Mittelmaß 2014/15«.

46.

Anpfiff zur zweiten Halbzeit. Das Spiel jetzt ein gänzlich anderes. Schalke von links nach rechts.

48.

»Was für Optionen hat Schalke noch«, fragt Wolf Fuss und nennt die Namen Clemens und Obasi. Drückt dann die Räusper-Taste. Das schallende Lachen klingt trotzdem bis nach Berlin.

51.

Gute Nachrichten allenthalben: die Kommentar-Leiste unter dem Ticker ist zum Leben erwacht und Schalke jetzt doch wieder mit Offensivdrang. Neuer muss tatsächlich eingreifen. Kurz darauf segelt Choupo-Mouting auf Neuer zu, doch Jerome Boateng hat nach dem WM-Finale offenbar beschlossen jetzt einfach durchgängig Weltklasse zu sein und nimmt ihn in beiläufiger Selbstverständlichkeit den Ball ab. Nur Neuer, kurz davor sich endlich auszeichnen zu können, schaut etwas grimmig.

54.

Schalke ohne Plan aber mit viel Leidenschaft. Langsam nähert sich das Spiel der zugegeben imposanten Kulisse an. Guardiola reagiert wie immer in Stress-Situationen. Bringt einen Spanier. Bernat für Götze. 

57.

Nochmal »Das Buch Franz«: »Ich kann aus einem schlechten kein gutes Spiel machen.« Das glauben wir dem Kaiser zwar nicht, ist in diesem Fall aber auch nicht nötig. Schalke malocht sich an jedem Klischee in die Partie, dass man sein eigenes Herz bald königsblau vermutet. Derweil kommt Dante für Boateng. 

60.

Freistoß für Schalke. Sam mit einem langen Ball in den Strafraum, alles irrt herum, ehe der Ball von Höwedes ins Netz geweltmeistert wird. Die Bayern reklamieren Handspiel von Höwedes, aber der wird tatsächlich einfach nur angeschossen. 

63.

Das Schalker Publikum in der Stimmung eines Abiturienten nach der Zeugnis-Vergabe. Als wäre nun alles möglich. Zurufen will man ihnen, dass alles träumen nichts nutzt, am Ende siegt die Enttäuschung, also die Bayern. Aber vielleicht ist das hier auch die güldene Ausnahme, brüllt Choupo-Mouting und knallt ein Pfund Richtung Neuer. Auf der Gegenseite spiegelt Lewandowski dessen Versuch. Jetzt geht es hier hin und her. Wie auf Abi-Fahrt.

66.

Xabi Alonso hat es mit Krämpfen zu tun, informiert Wolf Fuss. Genugtuung now. Und Jens Keller springt an der Seitenlinie, als hätte er sich Charisma gespritzt. Was ist hier jetzt nur los?

69.

Noch 20 Minuten zu spielen. Torschüsse, Ballbesitz, Tore - alles ausgeglichen. Für den Moment nehmen sich beide Mannschaften eine kleine Auszeit. Wie zwei Boxer aus dem Altersheim, die darauf hoffen, dass der Gegner einfach von selbst umfällt.

72.

Markus Merk zugeschaltet aus Ottergeil, oder wie immer das Dorf also heißt. Beruhigt die erhitzten Gemüter, dass der Treffer der Schalker aus seiner Sicht völlig korrekt gewesen wäre. Fordert nachträglich eine gelb-rote Karte für Julian Draxler. Versteht aber auch Marco Fritz. Nur. Wer ist Marco Fritz? Und warum zur Hölle hockt Markus Merk in Ottergeil. Anyone?

75.

Die Kraft reiche noch nicht für 90 Minuten bei den Bayern, weiß Wolf Fuss. Dennoch stellt sich Schalke jetzt hinten rein, als müssten sie ein 2:1 über die Zeit bringen. Beim Brettspielabend im privaten Kreis würde ich jetzt sagen: »Schluß für heute. Bringt ja nix mehr.« Aber so. Noch 15 Minuten. Wo ist Hartmut Engler, wenn man ihn braucht?

78.

So schnell kann es gehen. Er sollte längst verkauft sein, jetzt kommt Christian Fuchs für die letzten zehn Minuten gegen die Bayern. Wenn der Fußballgott sich mit dem Xabi-Alonso-Gag für heute nicht als erledigt ansieht, lässt er Fuchs noch das Siegtor schiessen.

81.

Beide Mannschaften jetzt nur noch hoch und weit. Für Weitsprung-Fans wäre es ein Fest. So lebt es von der Spannung, der durch zitierten Resterampe der Unterhaltung.

84.

Versichern heißt verstehen säuselt mir die Bandenwerbung jetzt in die Synapsen, da das Spiel mich verloren hat, in seiner Untätigkeit. Ich versichere diesem Spiel, dass ich es mit Aufmerksamkeit verfolge, die letzten Minuten. Aber verstehen, verstehen kann ich das nicht.

87.

Die Bayern auf der Suche nach dem Lucky Punch. Der scheint allerdings gerade im Urlaub. Alaba ruft laut nach ihm, lässt sich im Strafraum fallen, fordert Elfmeter, aber nein, das war nichts, lässt der Lucky Punch über sein Sekretariat ausrichten. 

89.

Ecke für Schalke. Das Stadion flippt aus. Zurecht. Die Mannschaft ist spielerisch fast alles schuldig geblieben hat aber gemacht und getan, als gäbe es kein Morgen. So einfach kann Fußball im Ruhrgebiet offenbar tatsächlich sein. Der Romantiker in uns weint. Der Tickerer in uns fordert den Abpfiff.

90.+2

Es ist dann hier eben doch kein Boxkampf. Denn dann wäre längst ein weißes Handtuch geflogen. Beide Mannschaften stehend k.o., vereinzelt scheinen die Spieler ihre Körper kaum noch unter Kontrolle zu haben. Oder Neustädter und Bernat hatten sich von vornherein zum Electric Boogie verabredet.

20.25 Uhr

Und dann ist Schluß. Unentschieden. Schalke feiert den Punkt. Bayern hält immerhin Anschluß an Paderborn.

20.27 Uhr

Thomas Müller im Interview. »Wie fällt ihr Fazit aus«, lautet die knallharte Frage. »Ja, gut..« müllert Müller. Recht hat er. 

20.30 Uhr

Didi Hamann schellackt wieder über Xabi Alonso. Zeit, zu gehen. Der 11FREUNDE-Liveticker verabschiedet sich in die Nacht. Nicht ohne eine letzte Weisheit des Kaisers aus dem Buche Franz: »Wir hatten eben diesmal kein Glück. Aber daran muss sich aus meiner Sicht die Frage anschließen: Waren wir bereit für dieses Glück?« In diesem Sinne.

16.30 Uhr

Freunde. Curry- gegen Weißwurst, Keller gegen Guardiola, Blau gegen Rot. Schalke gegen Bayern. Das Topspiel des zweiten Spieltags, begleitet von der Ice-Bucket-Challenge unter den Tickern, dem 11FREUNDE-Liveticker. Mit den neuesten Witzen über Youri Mulder, Dettmar Cramer und einer detaillierten Analyse über die Stärken und Schwächen von Radmilo Mihajlovic. Los geht's um 17.45 Uhr, Gelsenkirchen Mean Time. Bis dahin noch etwas Futter für das morsche Fanherz, Rührpfand für die Seele, Thon für die Massen: Die Bolzen-Klubheimtour von auf Schalke.

17.45 Uhr

Willkommen zum 11FREUNDE-Liveticker! Was für eine Woche! Wowereit tritt zurück, der HSV findet zu alter Stärke und meine Mutter kämpft in ihrem Garten einen aussichtslosen Kampf gegen Nacktschnecken. Und als wäre das nicht schon genug, steht nun auch noch Schalke-Bayern vor der Tür. Soviel Aufregung! Zum Glück habe ich »Das Buch Franz« bei mir und beruhige mich und uns mit folgender, kaiserlicher Weisheit: »Der Sinn des Lebens liegt darin, im Laufe deines Lebens ein anständiger Mensch zu werden.« Wir schauen das Spiel trotzdem.

17.50 Uhr

Auf dem Weg in die Tickeria in der U-Bahn noch hurtig ein Stimmungsbild erstellt und nach dem jeweiligen Favoriten gefragt. Die Meinungen hielten sich ungefähr die Waage. Je sieben Leute antworteten mit »Halt's Maul« oder »Ich guck' kein Big Brother«. Drei Leute sagten »Ich kenn' Dich doch, Du schuldest mir noch Geld.« Verspricht ein ausgeglichenes Spiel zu werden.

18 Uhr

Nur Kollege Ron Ulrich, »Castrop-Rauxels Journalist des Jahres 2003-2007 und 2009-2014« , den ich gestern zufällig auf einer Podiumsdiskussion zum Thema »Habermas in Dubrovnik« traf, ist sich sicher, dass die Partie ganz klar für Schalke ausgehen wird. Er erinnerte mit Nachdruck an das Jahr 2003, in dem die Königsblauen nach einem ähnlich schwierigen Saisonstart ebenfalls auf die Bayern trafen und der Saison mit einem 2:0-Erfolg die entscheidende Wendung geben konnten. »Hajto und Oude Kamphuis haben damals getroffen, meine ich«, raunte Ulrich und wusste es natürlich und überzeugte mich sofort. Der Satz hallte noch im Raum, als ich mich schon im Wettbüro wiederfand, all mein Erspartes auf die Quote 7:1. Die 35 Euro kann ich gut gebrauchen.

18.10 Uhr

Zum Spiel. Didi Hamann analysiert für Sky die Unterschiede zwischen Toni Kroos und Xabi Alonso. Seine Stimme plärrt wie von einer Schellackplatte gekratzt. Und auf dem Platz steht Sebastian Rode. Quasi die mp3 unter den defensiven Mittelfeldspielern. Keine Vergangenheit mehr, aber auch ohne Zukunft. Und so reden sie weiter über einen, der noch nicht dabei ist. Jetzt Matthias Sammer. Auf die Frage, wie die Bayern denn auf Xabi Alonso gekommen seien. »Naja. Wir hoffen alle guten Spieler zu kennen.« Potzblitz.

18.15 Uhr

Warum eigentlich ist Markus Merk eingesperrt in Obergeil, oder wie immer das Dorf heißt, in dem der Zahnarzt ohne Grenzen sein eigenes Bierchen kocht? Meine These: Lothar Matthäus und Markus Merk dürfen sich qua Gerichtsbeschluß nicht auf weniger als 5 Kilometer nähern. Zum Wohl der Zuschauer. Danke Justizia!

18.15 Uhr

Wahnsinn. Jetzt eine Schalte ins Abenteuerland. Harmut Engler, der beste Kumpel von Toni Kroos, im Interview. Sagt orginal gar nichts. Redet ohne Ende. Aber. Was macht der jetzt eigentlich, wenn er in München ist? Bei Toni kann er ja nicht mehr pennen, die Nächte durchquatschen, sich festhalten am Glauben des Anderen. Wo sind all die Indianer hin?

18.20 Uhr

Breaking News. Neuer Spielertunnel »Auf Schalke«. Das Spiel beginnt trotzdem mit 0:0. Skandal. 

18.25 Uhr

Die Schalker mit einer Choreo Marke »Filmriss«. Viele kleine Fußbälle, Filmschnipsel und das gewohnte Blau und Weiß. Die Bayern kontern mit einem Banner »Europapokalsieger 1974«. Ich verstehe kein Wort mehr. »Wolf Fuss, hilf«, will ich rufen, aber da fällt mir ein, ist ja Wolf Fuss. 

18.28 Uhr

Xabi Alonso also von Beginn an. Im Mittelfeld, wie »Insider des FC Bayern« den Experten von Sky gesteckt haben wollen. Frage mich derweil trotzdem, wozu dann eigentlich das ganze Training, wenn der Alonso einfach mal so, die Tinte unter dem Vertrag ist noch gar nicht trocken, mitspielen kann, als wäre Guardiolas Taktik eben doch alles andere als kompliziert oder eigen oder überhaupt irgendwas. 

1.

Anpfiff. Für den Moment deutet alles auf Verlängerung hin.

3.

Schalke geht drauf, als gelte es aus der Kohle, die der neue Spielertunnel sein soll, einen Diamanten zu pressen. Am besten innerhalb der nächsten fünf Minuten. 

5.

Höwedes weltmeisterlich wieder als Linksverteidiger. Der heranstürmende Philipp Lahm lacht sich über diese Idee noch immer derart schlapp, dass er seinen ersten Flankenversuch vor Kraftlosigkeit herschenkt. Kurz darauf klärt Fährmann mit seinem dritten Arm vor dem mustergültig von Boateng und Lewandowski im Strafraum freigespielten Müller.

7.

Angesichts der zwei Glanztaten, die Ralf Fährmann hier bereits aufzeigen musste, scheinen sich seine Vorderleute zu denken, dass die Sache mit den Diamanten ja doch nicht so richtig ins Ruhrgebiet passen würde. Parken stattdessen erstmal den Bus. Fahrtzielanzeige »Hoffnung«.

9.

Xabi Alonso bisher mit der Abgeklärtheit von Redaktions-Hospitant Thomas Hitzlsperger beim Hallenfußball unter der Woche. Was in beiden Fällen bleibt, ist die Erkenntnis, dass Training offenbar vollkommen überbewertet ist. Entweder Du kannst es, oder Du tickerst eben. Und über die Traurigkeit einer Lüge fällt das 0:1.

11.

Lewandowski mit seinem ersten Bundesligator für die Bayern. Nach doppeltem Doppelpass unter Mithilfe von Sebastian Rode. Keine Pointe.

14.

Auf der Bayern-Bank klatschen sich Guardiola und Sammer ab, als hätten sie gerade Einigung darüber erzielt, dass es heute Abend Mett- statt Leberwurstbrötchen gibt. Auf der Ehrentribüne fachsimpelt Karl-Heinz Rummenigge mit seinem Finanzvorstand über das nächste Rhetorik-Seminar dass er gebucht hat. Arbeitstitel: »Die holprige Rede als Waffe.« Topspiel, du Spannungsmonster.

16.

Foul Marco Höger. Wer übernimmt den Freistoß für die Bayern? Xabi Alonso. Mal im Ernst, liebe Bayern. Ihr seid Weltmeister, habt die Champions League gewonnen und gewinnt 13 von 8 deutschen Meisterschaften. Und dann lasst ihr Euch von einem 32-Jährigen Alonso nach einer halben Trainingseinheit den Freistoß wegnehmen? 

19.

Götze tanzt an der Außenlinie mit Felipe Santana. Der hat ein Einsehen, dass er den Ball ohnehin nicht bekommt und tänzelt einfach mit. So schön kann Fußball sein. Doch dann kommt Draxler, der die Tanzschule seinerzeit geschwänzt zu haben scheint, und nimmt sich humorlos des Balles an. Schade. War Schalkes beste Szene bisher.

22.

Bayern überlässt Schalke jetzt den Ball. Was als Demütigung zu verstehen ist. Denn die können damit in etwa so viel anfangen, wie ein Veganer beim All-You-Can-Eat beim Metzger.

25.

»Die Schalker kriegen den Fuß nicht in die Tür, bis hierhin«, analysiert Wolf Fuss. Falsch, lieber Wolf, du Fuchs. Sie finden sie nicht einmal, die Tür.

28.

Sidney Sam mit etwas, das zumindest in einer Waldorf-Schule als »fast eine Torchance« bemerkt werden würde. Der positiven Bestärkung wegen. Auch wenn es unter dem Strich eher so aussah, als würde Sam die Wörter »Wir geben auf« tanzen.

31.

Nochmals zu Xabi Alonso. Hat die meisten Ballkontakte bei den Bayern. Einfach so. Aus dem Nichts. Die meisten Ballkontakte. Lieber Fußballgott, Du bist mir eine Erklärung schuldig.

34.

Nachricht von Sam. Der zeigt sich auf dem rechten Flügel, nimmt es mit Alaba auf, entdeckt darüber sein Herz, und sein Geschick, und wackelt vorbei am Österreicher, und ist darüber so erfreut, dass er feixt vor Glück. Und weg ist der Ball. Die Schalker Fans nehmen es dankbar auf, als wäre es das Fanal einer goldenen Zukunft. »Fan sein bedeutet«, sagte dazu einst ein kluger Mann, »um die realistischen Chancen seiner Mannschaft zu wissen und trotzdem davon abzusehen.« Insofern wäre ich gern Fan meines eigenen Lebens. Aber das nur nebenbei.

37.

Schalke jetzt mutiger. Attackieren mit ganzer Leidenschaft. Sebastian Rode hat Mitleid, foult in aussichtsreicher Situation in die Beine von Sam, der sich eigentlich längst verheddert hatte. Den Freistoß aus 22 Metern wemmst Meyer in die Mauer. Von Mitleid will er nicht leben.

40.

Bittere Nachricht für Jan Kirchhoff. Hat bisher gerade einmal drei Spiele für die Schalker gemacht und muss nun nach 40 Minuten erneut verletzungsbedingt raus. Für ihn kommt Neustädter ins Spiel. Scheint darüber nicht gerade begeistert. 

43.

Die Bandenwerbung mahnt »Don't call it Schnitzel.« Ein anderer Begriff will mir für dieses Spiel aber partout nicht einfallen.

19.21 Uhr

Halbzeit in Gelsenkirchen. Das Gute an Sky ist dann doch, dass man von den Halbzeit-Nachrichten der öffentlich-rechtlichen, diesem Menschen-Potpourri der Schlechtigkeit, verschont bleibt. Stattdessen Lothar Matthäus und Didi Hamann. »Merkste selbst, nich«, raune ich mir zu. 

19.25 Uhr

Wenn ich die Kommentar-Dichte unter dem Ticker richtig deute, liest hier bis auf meine Mutter niemand mit. Hallo Mutti. Denkst Du an das Kartoffelsalatrezept? Didi Hamann lächelt derweil mit seiner Schellack-Stimme in die Kamera. Verstehe kein Wort. Zeit, für ein Zitat aus »Das Franz Buch«: »Schaun mer mal, dann wer'n wir schon seh'n.« Amen.

19.30 Uhr

Personen, denen das gefällt, gefällt auch: »Mittelmaß 2014/15«.

46.

Anpfiff zur zweiten Halbzeit. Das Spiel jetzt ein gänzlich anderes. Schalke von links nach rechts.

48.

»Was für Optionen hat Schalke noch«, fragt Wolf Fuss und nennt die Namen Clemens und Obasi. Drückt dann die Räusper-Taste. Das schallende Lachen klingt trotzdem bis nach Berlin.

51.

Gute Nachrichten allenthalben: die Kommentar-Leiste unter dem Ticker ist zum Leben erwacht und Schalke jetzt doch wieder mit Offensivdrang. Neuer muss tatsächlich eingreifen. Kurz darauf segelt Choupo-Mouting auf Neuer zu, doch Jerome Boateng hat nach dem WM-Finale offenbar beschlossen jetzt einfach durchgängig Weltklasse zu sein und nimmt ihn in beiläufiger Selbstverständlichkeit den Ball ab. Nur Neuer, kurz davor sich endlich auszeichnen zu können, schaut etwas grimmig.

54.

Schalke ohne Plan aber mit viel Leidenschaft. Langsam nähert sich das Spiel der zugegeben imposanten Kulisse an. Guardiola reagiert wie immer in Stress-Situationen. Bringt einen Spanier. Bernat für Götze. 

57.

Nochmal »Das Buch Franz«: »Ich kann aus einem schlechten kein gutes Spiel machen.« Das glauben wir dem Kaiser zwar nicht, ist in diesem Fall aber auch nicht nötig. Schalke malocht sich an jedem Klischee in die Partie, dass man sein eigenes Herz bald königsblau vermutet. Derweil kommt Dante für Boateng. 

60.

Freistoß für Schalke. Sam mit einem langen Ball in den Strafraum, alles irrt herum, ehe der Ball von Höwedes ins Netz geweltmeistert wird. Die Bayern reklamieren Handspiel von Höwedes, aber der wird tatsächlich einfach nur angeschossen. 

63.

Das Schalker Publikum in der Stimmung eines Abiturienten nach der Zeugnis-Vergabe. Als wäre nun alles möglich. Zurufen will man ihnen, dass alles träumen nichts nutzt, am Ende siegt die Enttäuschung, also die Bayern. Aber vielleicht ist das hier auch die güldene Ausnahme, brüllt Choupo-Mouting und knallt ein Pfund Richtung Neuer. Auf der Gegenseite spiegelt Lewandowski dessen Versuch. Jetzt geht es hier hin und her. Wie auf Abi-Fahrt.

66.

Xabi Alonso hat es mit Krämpfen zu tun, informiert Wolf Fuss. Genugtuung now. Und Jens Keller springt an der Seitenlinie, als hätte er sich Charisma gespritzt. Was ist hier jetzt nur los?

69.

Noch 20 Minuten zu spielen. Torschüsse, Ballbesitz, Tore - alles ausgeglichen. Für den Moment nehmen sich beide Mannschaften eine kleine Auszeit. Wie zwei Boxer aus dem Altersheim, die darauf hoffen, dass der Gegner einfach von selbst umfällt.

72.

Markus Merk zugeschaltet aus Ottergeil, oder wie immer das Dorf also heißt. Beruhigt die erhitzten Gemüter, dass der Treffer der Schalker aus seiner Sicht völlig korrekt gewesen wäre. Fordert nachträglich eine gelb-rote Karte für Julian Draxler. Versteht aber auch Marco Fritz. Nur. Wer ist Marco Fritz? Und warum zur Hölle hockt Markus Merk in Ottergeil. Anyone?

75.

Die Kraft reiche noch nicht für 90 Minuten bei den Bayern, weiß Wolf Fuss. Dennoch stellt sich Schalke jetzt hinten rein, als müssten sie ein 2:1 über die Zeit bringen. Beim Brettspielabend im privaten Kreis würde ich jetzt sagen: »Schluß für heute. Bringt ja nix mehr.« Aber so. Noch 15 Minuten. Wo ist Hartmut Engler, wenn man ihn braucht?

78.

So schnell kann es gehen. Er sollte längst verkauft sein, jetzt kommt Christian Fuchs für die letzten zehn Minuten gegen die Bayern. Wenn der Fußballgott sich mit dem Xabi-Alonso-Gag für heute nicht als erledigt ansieht, lässt er Fuchs noch das Siegtor schiessen.

81.

Beide Mannschaften jetzt nur noch hoch und weit. Für Weitsprung-Fans wäre es ein Fest. So lebt es von der Spannung, der durch zitierten Resterampe der Unterhaltung.

84.

Versichern heißt verstehen säuselt mir die Bandenwerbung jetzt in die Synapsen, da das Spiel mich verloren hat, in seiner Untätigkeit. Ich versichere diesem Spiel, dass ich es mit Aufmerksamkeit verfolge, die letzten Minuten. Aber verstehen, verstehen kann ich das nicht.

87.

Die Bayern auf der Suche nach dem Lucky Punch. Der scheint allerdings gerade im Urlaub. Alaba ruft laut nach ihm, lässt sich im Strafraum fallen, fordert Elfmeter, aber nein, das war nichts, lässt der Lucky Punch über sein Sekretariat ausrichten. 

89.

Ecke für Schalke. Das Stadion flippt aus. Zurecht. Die Mannschaft ist spielerisch fast alles schuldig geblieben hat aber gemacht und getan, als gäbe es kein Morgen. So einfach kann Fußball im Ruhrgebiet offenbar tatsächlich sein. Der Romantiker in uns weint. Der Tickerer in uns fordert den Abpfiff.

90.+2

Es ist dann hier eben doch kein Boxkampf. Denn dann wäre längst ein weißes Handtuch geflogen. Beide Mannschaften stehend k.o., vereinzelt scheinen die Spieler ihre Körper kaum noch unter Kontrolle zu haben. Oder Neustädter und Bernat hatten sich von vornherein zum Electric Boogie verabredet.

20.25 Uhr

Und dann ist Schluß. Unentschieden. Schalke feiert den Punkt. Bayern hält immerhin Anschluß an Paderborn.

20.27 Uhr

Thomas Müller im Interview. »Wie fällt ihr Fazit aus«, lautet die knallharte Frage. »Ja, gut..« müllert Müller. Recht hat er. 

20.30 Uhr

Didi Hamann schellackt wieder über Xabi Alonso. Zeit, zu gehen. Der 11FREUNDE-Liveticker verabschiedet sich in die Nacht. Nicht ohne eine letzte Weisheit des Kaisers aus dem Buche Franz: »Wir hatten eben diesmal kein Glück. Aber daran muss sich aus meiner Sicht die Frage anschließen: Waren wir bereit für dieses Glück?« In diesem Sinne.

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