21.06.2012 | Portugal-Tschechien im 11FREUNDE-Liveticker
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Halb Mensch, halb Finale

Kaum hat Cristiano Ronaldo die Haare schön, könnte das Turnier für ihn und die Portugiesen auch schon wieder vorbei sein. Heute geht es gegen die grauschläfigen Altmeister aus Tschechien. Unter der Trockenhaube: der Ticker.

Text: Dirk Gieselmann und Ron Ulrich Bild: Imago

Tschechien: 1 Cech - 2 Gebre Selassie, 6 Sivok, 3 Kadlec, 8 Limbersky - 17 Hübschman, 13 Plasil - 19 Jiracek, 22 Darida, 14 Pilar - 15 Baros. - Trainer: Bilek

Portugal: 12 Rui Patricio - 21 Joao Pereira, 3 Pepe, 2 Bruno Alves, 5 Fabio Coentrao - 16 Raul Meireles, 4 Miguel Veloso, 8 Joao Moutinho - 17 Nani, 23 Helder Postiga, 7 Cristiano Ronaldo. - Trainer: Bento

Portugal
1
:
0
Tschechien

10:08 Uhr

Vor dem ersten Viertelfinale fordert 11FREUNDE ultimativ: Wir brauchen couragierte Torrichter! Walter an die Linie! Willkommen in der Welt des Schmerzes, CR7!

11:46 Uhr

Nachdenkliches um 11:46 Uhr: Man sagt doch immer, man solle sich in Prüfungssituationen die Anwesenden nackt vorstellen, um locker zu werden. Was aber, wenn man darauf verfällt, sich sich selbst nackt vorzustellen, obwohl man eigentlich angezogen ist? Und ist das vielleicht das Problem von CR7? Ein Problem, das er selbst gar nicht als solches wahrnimmt, sondern vielmehr als Bereicherung? Nachdenkliches, allzu Nachdenkliches um mittlerweile 11:48 Uhr.

17:05 Uhr

Ich sag mal so: Ich kann es auch nicht, aber ich versuche es erst gar nicht. Wer ist jetzt cooler?

17:16 Uhr

Schrecklicher als Griechenland im Viertelfinale: Ronaldo im Pullover. 

19:29 Uhr

Nachdenkliches um 19:29 Uhr: Wenn Tomas Rosicky ganz offiziell »Schnitzel« genannt werden darf, ist es dann auch statthaft, Cristiano Ronaldo »Würstchen« zu nennen?   

20:24 Uhr

Wellen schwappen lustlos an den Ostseestrand, der Himmel leuchtet atomar, riesige Fernseher liegen im Wasser, die von einer untergegangenen Zivilisation zeugen, nur zwei Überlebende stehen verloren im kontaminierten Muschelkalk und unterhalten sich in einer selbst ausgedachten Behelfssprache. Herzlich willkommen im ZDF. Es gibt keinen Gott mehr, und Kahn und KMH sind seine Propheten.

20:29 Uhr

»Cristiano Ronaldo ist in aller Munde«, sagt ein ZDF-Voyeur. In meinem mit Sicherheit nicht.

20:30 Uhr

Wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen »Weltklasse« und »absoluter Weltklasse«? Und gibt es eigentlich auch die »absolute Kreisklasse«? Ich sage: Nein. Und wer wüsste es besser?

20:35 Uhr

Unsagbare beschissene Enya-Musik soll uns hypnotisieren. Aber, »liebe« UEFA: Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir lassen uns nicht hypnotisieren. Wir schlagen zurück! Da guckste.

20:38 Uhr

Na, Servus. Erst faselt Kommentator von »bulligen Schränken«, dann davon, dass Cristiano Ronaldo »der teuerste Zweibeiner der Welt« sei. Was die Frage aufwirft, wer denn der teuerste Vierbeiner der Welt ist. Vielleicht ein »bulliger Schrank«. Voller Diamanten.

20:39 Uhr

Die LKW-Fahrer unter uns kennen dieses Gefühl: Man fährt die ganze Nacht durch und hält sich nur an der Vorfreude auf das Schnitzel fest, das man sich zum Frühstück im Morgengrauen am Kamener Kreuz reinziehen will. Und dann sagt die warzige Bedienung: »Schnitzel ist aus.« Und genau das gleiche passiert uns heute. Wir sind durch die finstere Nacht der Vorrunde gefahren, die Sonne dürfte jetzt langsam mal aufgehen, und dann sagt uns Oliver Schmidt, Tomas Rosicky sei verletzt. Schnitzel ist aus. Jetzt haben wir den Salat.

20.43 Uhr

Seitenwahl. Cech mit seinem Helm wie ein Amateur-Boxer im olympischen Finale. Soll er dem widerlichen Hähnchen auf der anderen Seite jetzt schon den tödlich Aufwärtshaken verpassen? Oder ihn noch zappeln lassen. Er spuckt aus. Später. Aber nicht viel später. 

1.

Der Anstoß-Countdown. 10, 9, 8, 7... Und dann hakt es bei Ronaldo aus. Sex! Damit ist doch er gemeint! Er! CR7! Hat er etwa schon ein Tor geschossen? Warum jubeln die Leute ihm dann nicht zu? Hat wenigstens mal jemand einen Spiegel?

3.

Howard Webb pfeift. Wie schon das WM-Finale. Und im Trainingslager der Spanier versteckt sich Xabi Alonso unterm Sofa und ruft seine Mutti an.

5.

Mein, Gott ist Pepe hässlich. Ich wünschte, er wäre mein Kumpel. Durch den Kontrast würde ich geradezu schön wirken. Vielleicht eine Jobidee für groteskgesichtige Innenverteidiger nach der aktiven Karriere: Sich an durchschnittlich aussehende Männer kurz vor der Midlife-Crisis vermieten.  

8.

»Jiracek!«, krächzt Schmidt, »in seiner Heimat wir er der haariger Engel genannt.« In meiner Heimat werden so die Damen genannt, die in ihrem Wohnwagen am Straßenrand auf Kundschaft warten. Aber das schließt einander ja nicht aus.

10.

Meireles. Ein Name, der klingt wie das Ostsee-Brackwasser, wenn es Kathrin Müller-Hohensteins Füße umspült, beim Morgenspaziergang, wenn sie vom großen, starken Mann zum Anlehnen träumt, der sie von dieser Insel entführt und nicht Oliver Kahn heißt. Meireles. Meireles. Aber dann kommt auch schon ein Fernsehgarten-Rentner vorbei und brüllt: »Meeeeensch, dat is doch die Katti! Ilse! Komma her! Dat ist die Katti vonne Lottozahlen! Ich dreh ab!« 

14.

Wenn ein Halbsatz jemals das ganze Elend von Oliver Schmidts Wortfindungsfähigkeiten widergespiegelt hat, dann dieser: »Flüchtigkeitsfehler des 25-Jährigen.« Schützenfestberichterstattungssprache. Kleinanzeigenpoesie. Ich wünschte, ich hätte nie Ohren besessen.

16.

Gerüchten zu Folge soll das Ganze hier auch mit Fußball zu tun haben. Dann also mal dazu: Es klingt und sieht aus wie Dressurreiten in der ZDF-Reportage am Sonntagnachmittag. Wenn draußen der Schneemann im Februarregen vor sich hinstirbt. Ohne Arnim Basche. Ohne Pferde. Soviel mal dazu. 

21.

Gebre Selassie ist seine zehn Kilometer gelaufen. 21 Minuten – gute Zeit! Nimmt einen Blumenstrauß entgegen, küsst teilnahmslos eine Blondine, muss dann weiter ins Höhentrainingslager. 

25.

Bisher habe ich übrigens getickert: Ukraine, Schweden, Polen, Russland. Alle raus. Heute Tschechien gegen Portugal. Wenn heute beide rausfliegen, höre ich auf. Versprochen.

25.

Chance für Ronaldo: Schuss aus drei Metern, doch Cech pariert. Offensivfoul, sagt der Schiri. Das sowieso. Grundsätzlich. Immer. 

28.

Pfeifkonzert für Cristiano Ronaldo. Muss man in Anbetracht derer, die gegen ihn sind, für ihn sein? Also, wenn Hass jetzt zur Modeerscheinung wird, dann auf jeden Fall. Ich liebe euch, liebe Fans.

29.

Im Stadion singen jetzt nur noch die Polen - zur Melodie von »Go West«, das nenne ich ein Statement. Genauso wie die gefährliche Flanke von Theo Gebre Selassie, doch abgeblockt. Der Mann hat so viel Esprit wie mein Nebenmann. Dirk Gebre Selmann. Nicht verwandt übrigens, die beiden.

29.

»Warsaw«, steht auf der Bande. Kriegssäge? Hammer. Ich hätte nicht auf eine Einwechslung von Terry Butcher zu hoffen gewagt.

33.

»Ronaldo: Mit dem Abschluss hat es nicht geklappt«, lehrert Oliver Schmidt. Kann ja immer noch Fußballer werden, der arme Junge.

36.

Bento will den Löw-Look kopieren, weißes Hemd, locker hochgekrempelt, schwarze Hose, brauner EM-Teint, Espresso-Ausstrahlung. Sieht aber nur aus wie Matze Knop als Löw, der versucht, so auszusehen wie Bento. 

37.

Die Tschechen nicht mehr so wie 1996. Gott, was haben die uns in den 90ern beeindruckt. Im Überschwang wurden sämtliche Tamagotchis Karel, Radoslav, Jiri und Pavel genannt. Smicer zog die Käppie lässig nach hinten und hat dann mit dem Skateboard die neue »Bravo Hits« geholt. Heute tragen sie Helme, und Miroslav schreit zu Michal: »Mach die Musik leiser.«

41.

Einwechslung bei Portugal. Almeida für Postiga. Hugo für Helder. Komparativ von Held. Komparativ, der einzige verbliebene Russe im Turnier.

43.

Chance für Nani, der wird nicht ganz sauber am Schuss gehindert. »Und jetzt hält er sich die Hände vors Gesicht in Sachen Elfmeter«, so Schmidt. Ach, wisst Ihr was, liebe Fans? Ich gehe jetzt einfach ins Bett. Und wünsche Euch alles Gute in Sachen Nacht.

45.

Cristiano Ronaldo dreht sich um den Gegenspieler und schließt gut ab. Doch Cech blinzelt ihn an den Pfosten und keucht auch die folgende Ecke aus dem Sechzehner. »Ronaldo hört das Aluminum klingeln«, sagt Oliver Schmidt. Sound-Cech. Sozusagen. Pause.

46.

Wer nachfühlen will, wie kalt mir in dieser ersten Halbzeit ums Fußballherz geworden ist, kann ja mal eine Sekunde in Marietta Slomkas Augen gucken. Viel Spaß.

21.37

Jetzt sehen wir also das »Heute-Journalq. Und ich sehne mich zur Nachrichtenschalte von gestern zurück. Auf Phoenix. Bei mir auf Kanal 37 zwischen Tele 5 und tv.berlin. Aber dann blieb ich hängen. Denn da meldete sich Antje Pieper aus Athen und strich sich sekündlich durchs Haar, während sie die Worte »Eurokrise« und »Fiskalpakt« lasziv ins Mikro hauchte. Ach, Antje. Wir holen dich da raus. Wenn es sein muss, mit dem Herzblatthubschrauber. Morgen nach dem Spiel.

21:38 Uhr

Udo van Kampen, der Erich Ribbeck der Wirtschaftskrise. Sagt jetzt: »Die Bundeskanzlerin hat einen Termin.« Sagt dann: »Die Südländer sind sich einig, dass das kein Zuckerschlecken wird.« Sagt dann: »Tschüss.« Ausgerechnet.

21.44

»Wir mögen arm sein, aber wir können die Reichen schlagen. Die Deutschen und Andrea Merkel.« So ein Grieche im Einspieler des »Heute-Journals«. Beifallsbekundungen, alle gegen Merkel. Und taktische Kniffe bei den Griechen. Morgen stürmen überraschend für Hellas: Friedrich Merz, der den Gegner auf dem Bierdeckel ausspielen will, Rollie Koch als Ausputzer, Christian Wulff als flache Vier und Nobbie Röttgen als kippende Neun. Andenpakt statt Mauertaktik. Wie will Jogi darauf reagieren?  

46.

Portugal und Tschechien. Die einen haben den Portwein erfunden, die anderen das Bier. Eins kann man sagen: Der übermäßige Genuss von beiden muss dazu geführt haben, dass jemand gezeugt wurde, der entschieden hat, dass das ZDF von Usedom aus sendet. Langer Satz. Erst einmal ein Pivo.

47.

Almeida, meint Schmidt, sei eine Wuchtbrumme. Wenn man dieses Wort googelt, Freunde... Andi Brehme würde sagen: »Das hat mit Fußball nichts mehr zu tun.«

49.

Freistoß Ronaldo. Was nicht heißt, dass er für gewissen Dienste nicht bezahlen muss, sondern: Standardsituation. »Pfosten!«, schreit Schmidt. Warum immer diese Beleidigungen?

51.

Was schreiben die portugiesischen Kollegen von »A Bola«? Das hier: »A melhor oportunidade do jogo foi para Portugal num remate de Cristiano Ronaldo ao poste da baliza de Cech. A Seleção Nacional procura mais vezes o golo, porém, os checos fecham-se bastante em três linhas muito fechadas.« Heißt: »Die beste Chance des Spiels ging nach Portugal in einem Schuss von Cristiano Ronaldo an den Torpfosten von Cech. Die National Selection auf der Suche nach dem Ziel, öfter jedoch werden die Tschechen sehr in drei Linien sehr nahe beieinander.« Sehr, sehr? Das kenne ich doch! Schreibt da etwa Joachim Löw? Sehr, sehr vorstellbar. 

56.

Die Angriffe der Tschechen stocken. Sie spielen zu viele Fauxpässe.

57.

Draußen regnet es. Und »die Kinder spielen mit der Sonnenleiche Fußball«. (Etel Adnan) 

58.

Portugal jetzt mit Super-Nani von RTL. Will Cech auf die stille Treppe schicken, doch der ist rotzig wie ein Teenager und wehrt ab wie Kids die Ratschläge. Abseits von Almeida. Frech.

60.

Pilar mit der Chance. »Da lässt er schön einen aussteigen«, jodelt Schmidt. Leute die »schön« was machen, »schön ein Bananenweizen trinken«, »schön bei Ed Hardy shoppen gehen«, »schön ins Solarium gehen« – sie wären die Diddl-Maus-Anhänger, wenn unser Gesellschaft ein Rucksack wäre.

64.

Moutinho mit dem Gewaltschuss. Cech mit der Pazifismusparade. 

65.

»25 Minuten sind noch übrig«, so Schmidt. Wäre er eine Fleischereifachverkäuferin in der Grillsaison, kurz vor Geschäftsschluss am Samstagabend, würde dieser Satz lauten: »Diese Bisamratten-Schaschliks hier sind noch übrig.«

69.

Soll uns keiner sagen, dass wir einseitig berichten. Eine portugiesische Zeitung haben wir zitiert, hier kommt der Eintrag der 60. Minute der tschechischen Zeitung »Sport«: »Václav Pilař se protáhnul po levé straně a poté se mu ve vápně nabízeli tři spoluhráči, jenže přihrávka neprošla. Velká škoda.« Und wir finden: Wo sie recht haben, haben sie recht. Mein Skoda ist auch mittlerweile in Polen.

71.

Es deutet sich an, und doch können wir nicht glauben, nach allem, was wir von ihm gehört haben, dass Cristiano Ronaldo mal eine Verlängerung brauchen würde.

74.

Chance für Nani. Drüber. Verblüffend. Dem Niveau des Spiel gemäß, hätte der Schuss eigentlich drunter gehen müssen.

78.

Noch mal zurück zur Zeitung »Sport«: Wenigstens Jan Koller hat gute Laune. Was er wohl gerade sagt? Wahrscheinlich das gleiche wie die Rentner auf der ZDF-Insel, wenn Kahn einen Witz über dieses neumodische Twitter-Gedöns macht: »Jöööööööö!«

78.

Tor. Ronaldo. Flugkopfball-Aufsetzer. Unhaltbar für Cech, der noch im Flug, sehnsüchtig dem Ball hinterher blickend, seine Memoiren schreibt. Titel: »Cetr Pech«. Ich hasse es, das sagen zu müssen, aber: Das war ein Klasse-Tor. Ja, man muss auch gönnen können. Und ich bemühe mich wirklich. Sehr, sehr wirklich.

79.

Jetzt wollte ich gerade gönnen, aber dann sehe ich, dass Ronaldos Jubelchoreographie daraus besteht, dass er an unsichtbaren Riesenbrüsten herumgrabbelt. Will er zu Mama? Ich zahle ihm das Flugticket. 

83.

Nächste Chance für Portugal - nix. 1:0 also und Portugal auf dem besten Weg ins Halbfinale. Kaum zu glauben, mental würde ich tippen, das ist hier das Achtelfinale. Doch statt Achtel ein Viertel, und zwar ein kriminelleres als das am Frankfurter Bahnhof. Tägliche K.o.-Phase. Ohne Tropfen.

87.

Tschechien nimmt Hübschmann raus. Für Eitelkeiten haben sie jetzt keine Zeit mehr.

87.

Barros spielt mit? Ich dreh am Rad. Sogar von Beginn an, wie ich eben erfahre. Das ist, als würde ich nach all den Jahren plötzlich ein drittes Testikel an mir selbst entdecken. Nur nicht ganz so erfreulich.

88.

Ein tschechischer Fan weint. »Der sieht aber müde aus«, bellt Schmidt. Ganz recht, Olli. Vielleicht kann er bloß nicht einschlafen vor Trauer. 

91.

Tschechien so gut wie raus. Das gibt Ärger. Gott vergibt - Karel Gott nicht.

92.

»Drink Responsibly«, rät die Bande allen Tschechen. Wenn ich Tscheche wäre, wäre mir Schnaps aber lieber.

94.

Michal Bilek, der Thomas Schaaf Tschechiens, mit letzten, verzweifelten Anweisungen. Was heißt »Maaaaaaaaan, doooooooo!« wohl auf Tschechisch?

95.

Und Schluss. Tschechien ist raus. Hier noch mal ihre stärksten Szenen im Verlaufe des Turniers.

22:38 Uhr

Himmel, hoffentlich steht in der Kabine der Portugiesen schon jemand bereit, der CR7 sofort kalt abbrausen kann. Andernfalls schläft er noch mit sich selbst. 

22:41 Uhr

Der längste Tag des Jahres, das längste Spiel aller Zeiten. Wie oft hat Oliver Schmidt »Aluminium« gesagt? Wie oft »Tor mit Köpfchen«? Ich habe tatsächlich mitgezählt: ∞. 

22:45 Uhr

Kahn unterzieht die KMH jetzt einer Art theoretischer Fahrprüfung: »War der haltbar?« und »Weißt du eigentlich, wie Cristiano Ronaldos Sohn heißt?« Oder ist das hier schon eine Quizsendung und kein Zufall, dass im Hintergrund eine goldene Pyramide glimmt?

 

22:49 Uhr

»Im Halbfinale treffen die Portugiesen entweder auf die FRANZOSEN oder auf die SPANIER!«, raunt die KMH nun, als wären FRANZOSEN oder die SPANIER irgendwelche Orks, die sich durch einen undurchdringlichen Monsterwald auf uns zu wälzen, brüllend über Stämme stürzend, Eichhörnchen auspressend, weiter rennend, uns witternd, mit tödlicher Wut. Boah! FRANZOSEN oder SPANIER! Nie gehört. Haben aber offenbar ganz schön was drauf. 

22:53 Uhr

»Ausnahmezustand am Morgen in dieser Schleckerfiliale in der Wilhelmsdorfer Straße!« Oh, falscher Text. Richtig wäre: Auf Wiedersehen, liebe Fans. Bis morgen. Und gute Nacht. Es könnte unsere letzte sein. Kauft besser schon mal den Laden leer.


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