22.06.2014 | Nigeria - Bosnien im Liveticker
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Bosnien-Schmerzegowina

Viel Kampf, wenig Fußball und am Ende auch noch Dramatik - schmerzhaft verabschiedet sich Bosnien-Herzegowina mit einem 0:1 gegen Nigeria von der großen WM-Bühne - Wir sagen »Bye Bye Bosnien« und verdrücken eine slibovitzene Träne. Schnüff. Bis zum nächsten Mal.

Text: Stephan Reich und Ilja Behnisch Bild: Imago

Nigeria: Enyeama, Ambrose, Yobo, Omeruo, Oshaniwa; Onazi, Obi Mikel, Babatunde; Musa, Odemwingie, Emenike

Bosnien: Begovic, Spahic, Besic, Mujdza, Sunjic; Lulic, Pjanic, Misimovic, Medunjanin, Hajrovic; Dzeko

Nigeria
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Bosnien-Herzegowina

23.30 Uhr

Freunde! Schland fast abgebrannt. Auch Deutsche unter den Opfern. Aber gleich geht es weiter, weil es immer weiter gehen muss, steht so seit 2001 schließlich im deutschen Fußballgrundgesetz. Zur Einstimmung auf Nigeria – Bosnien ein heiteres Ratespiel für Neugierige, Experten und solche, die es werden wollen. Ab 23.45 Uhr dann »Like a Bos«: Der 11FREUNDE-Liveticker. 

23:45 Uhr

Jagutichsachma: n'abend.

23:47 Uhr

Griechenland – Japan, Iran – Nigeria, gestern Honduras gegen Ecuador, jetzt Nigeria Bosnien, alles Mitternachtsspiele, klar. Behnisch und ich picken uns nur die ganz besonders leckeren Rosinen aus dem WM-Kuchen. Falls sich jemand fragt, was wir in unserer Freizeit machen: Wir tickern Spiele wie Schweinfurth 05 gegen den Melsunger FV oder die Schach-Kreismeisterschaften Bünde-Ost, oder die Mitgliederversammlung des Kleingartenvereins »Kleine Freiheit« in Marzahn, oder auch einfach nur den Busfahrplan. In unsere Notizbücher. Weinend.

23:49 Uhr

Ach, auch Quatsch. Is doch WM. Is doch super. Der Nino aus Wien hat scho Recht…

23: 52 Uhr

Puh, Beckmann am Pult und Simon am Mikro, das wird hässlich. Quasi die Nasty Boys der ARD. Behnisch steigt schon mal aufs oberste Ringseil und springt in die andere Richtung, ich schlage mich kurz mit einem Klappstuhl selber k.o. Vielleicht habe ich ja Glück und werde erst nach dem Spiel wieder wach.

23:55 Uhr

Entrüstung auch in den Kommentarspalten: »Dick und Doof begleiten uns wieder durch die Nacht«, so User 7x35. Behnisch panisch: »Meinen die uns? Und wer ist der Dicke.« Ich kann ihn beruhigen. Die meinen Elber und Beckmann, und dick sind wir beide.

23:58 Uhr

»Steffen Simon. Der Iran gegen Nigeria der Kommentatorenzunft.«, unkt User Moriaty. Sehr gut, so macht tickern Spaß. Muss man ja gar nix mehr selber machen. Weiter so, bitte. Für jeden gelungenen Gag gibts eine der Essensmarken, mit denen wir bezahlt werden.

23:59 Uhr

Ist spät. Bin müde. Will, dass das Spiel in etwa so verläuft:

1.

Anpfiff. Auch nur ein Anagramm für Glück. 

3.

Präventiver Service-Tick. Für alle, die sich im Laufe des Spiels mal so richtig aufregen, aber nicht auffallen wollen:

5.

Für Nigeria mit einem ersten Abschluss: Onazi. Klingt aus Steffen Simons Mund wie ein Warnruf vor einem rechten Mob. Für uns wie die Hoffnung auf eine Hallo-Wach-Pille mitten in der längsten Nacht des Jahres. Für den Moment beides Quatsch.

7.

Simon, der alte Streber, dropt die Namen der Spieler beider Seiten, als wäre die ARD das Epizentrum des Battlerap, nur um uns allen zu zeigen, wie super-gut er vorbereitet ist. Leitet zudem aus jedem Grashalm eine Anekdote ab, von Okocha bis Gaziantepspor. Zu Schulzeiten wussten wir noch, wie wir mit solchen Typen umzugehen haben. Wir haben sie gehätschelt und getätschelt. Damit wir bei der Klassenarbeit abschreiben konnten.

9.

Kurzer Exkurs Fußballanalytik. Die Spiele um Mitternacht folgen allesamt einem Trend: Es gibt kein Mittelfeld. Liegt das an der Uhrzeit? Dem Wetter? Oder haben die Mannschaften nur Mitleid mit uns alten Kreisklasseromantikern? 

11.

Musa mit der Chance, aber er verpasst. Musa machen.

13.

Schon 13 Minuten gespielt. Wann zeigt die ARD endlich lachende Fans in Superzeitlupe? Werde langsam unruhig.

15.

Onazi mit dem Weitschuss aber Begovic hält. Richtig so. Kein Fußbreit den Faschisten.

18.

So, alles klar, bitte abpfeifen, wir können alle nach Hause gehen. Efe Ambrose spielt und mit diesem Namen hat er jetzt schon die WM gewonnen. Schön war's, Glückwunsch Effe und bis in vier Jahren.

20.

Puh, also das Spiel hat bisher derart niedriges Niveau, dass RTL2 glatt eine Doku-Soap drüber drehen könnte.

22.

Aber dann: Misimovic mit dem Zuckerpass auf Dzeko, der vollendet eiskalt. Aber der Schiri entscheidet auf Abseits. Wolfsburg ist doch kein Meister 2009, na Gott sei Dank.

24.

Dafür, dass ich vor der WM dachte die bosnische Elf bestünde aus mindestens acht Weltklassespielern, ist ihre Leistung ziemlich überschaubar. Muss aber auch gestehen, dass ich die Bosnier bisher nie über 90 Minuten gesehen habe. Und so fühlt sich das Spiel an, wie die Fußball gewordene Variante von Online-Dating. Auf dem Papier ist das Sex pur. Und dann verabredet man sich, fährt 500km weit durch die Welt und steht am Ende Bärbel, 46, drei Katzen gegenüber.

26.

Dzeko mit der guten Chance für Bosnien. Nach einem Pass, mitten aus den 90er-Jahren, als Fußball noch Platz und Zeit zu haben schien, steht der Stürmer von Manchester City plötzlich frei vor Nigerias Torwart Enyeama. Der findet die 90er aber so ziemlich 80er und reflext den Ball souverän ins Lexikon für 0:0 auf hohem Niveau.

27.

»Es gibt eine Menge Indizen, an diesem Abend in Cuiaba«, x-ypsilont Simon ungelöst. Die zu vermutende These: Steffen Simon findet Steffen Simon ziemlich gut. Anhand von Indizien allein können wir als Gerichtsbarkeit leider kein Urteil sprechen. Dafür ist die Beweislage dann doch zu dünn.

31.

Hallo, noch jemand wach? Ja? Nein? Weil: TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR NIGERIA, Emenike über den Flügel, wrestelt Spahic nieder, was seltsam ist, denn den bekommt man ja eigentlich höchsten mit Waffengewalt zu Boden, in der Mitte steht Odemwingie und schiebt ein. Einsnull, so siehts aus.

34.

Bewundernswert, wie Obi MIkel im Mittelfeld der NIgerianier die Fäden zieht. Weiß immer, wo der Ball hinmuss, wie er ihn zu spielen hat und was das Spiel gerade erfordert. Wie wo was weiß Obi.

38.

Wieder Efe Ambrose, mein neuer Lieblingsmensch der WM. Guter Typ. Zeigt den Fans den Ficker, säbelt dann Gaizka Mendieta über die Auslinie und rasiert sich selber einen Tiger in die Frise. Echst anschließend ein Weizen und verschwindet in die Pressekonferenz, paar Journalisten fressen. Danach ab ins P1, heute is trink 2, zahl 1, hinten im VIP, aber da kommt ihr eh nich rein, Freunde der Sonne.

40.

Babatunde bei der Ecke, wird aber nix. Spielt Eke Uzoma eigentich noch? Der hätte die bestimmt besser geschossen.

43.

Kollege Reich sieht ja nicht nur umwerfend aus, kennt Nigerias Ambrose aus dem Eff-Eff und kann im Handstand Liegestütze, nein, Kollgege Reich kennt sich auch noch mit Emoticons aus, wie er mir neulich lautstark zu verstehen gab, als eine Gruppe Schüler auf Klassenfahrt an der Haltestelle neben uns stand, nur um bei der Lehrerin Eindruck zu schinden. Und daher aus berufenem Mund, hier seine Emoticopinion zur Leistung Bosniens: >:(

45.

Und dann Pjanic mit dem »Service für Dzeko«, wie Steffen »Freiher zu Knigge« Simon dramatisiert. Nur leider hat Dzeko sein Besteck falsch sortiert, vergibt die Chance und löffelt sich Unglück ins Selbstbewußtsein. 

00:48 Uhr

Beckmann wieder. Kann sich nicht irgendein Set-Assistent gnädig zeigen und in der nächsten Unterbrechung Beckmanns Labello durch einen Pattex-Stift ersetzen?

00:52 Uhr

Tagesschau. Da fällt mir ein: Während wir hier rumsitzen und Fußball gucken, peitsch Bundeswampenminist... äh, Bundeswirtschaftsminister ein Gesetz durch die Instanzen, das das Fracking erlaubt. Und Fracking ist das RB Leipzig der Energiegewinnung. Für einige wenige, die eh schon Kohle haben, ist es toll. Aber das große Ganze geht dadurch kaputt. Tagesschau vorbei. 

20:54 Uhr

Das Wort zum Sonntag, toll. Für die, die es nicht sehen können, hier eine Aufzeichnung:

00:55 Uhr

So nebenbei: Der Wort-zum-Sonntag-Theologe sieht aus, wie Jürgen Klopp aussehen würde, wenn er Theologe wäre. Sind wir jetzt endlich im Paralelluniversum angekommen? Kurz auf meine Dalí-Uhr gucken. Oh, schon fünf vor immer...

00:57 Uhr

Unser persönliches Wort zum Sonntag. Und auch zum Montag. Und Dienstag. Mittwoch, Donnerstag, Freitag und vor allem Samstag. Und eigentlich immer, ab jetzt:

1:00 Uhr

Weiter geht's, an der Seitenlinie macht sich Ibisevic schon warm, gleich kommt er rein. Es sei denn, der Trainer legt doch noch sein Vedo ein.

46.

Ein Hoch auf uns, auf dieses Leben. Weiter geht's. Bosnien jetzt von rechts nach links. Onazi andersrum.

48.

Liebes Bosnien, was haben wir uns auf Dich gefreut bei dieser WM. Was waren wir selig, als wir die Freudenbilder über die Qualifikation gesehen haben, und was tuschelten wir uns heimlich zu, als die geheimen Experten von ihren belgischen Geheimtipps fabulierten. Und jetzt sowas. Keine Pointe. Dein Franz-Josef Wagner.

51.

Oh, Schreck, oh Horror: Das Mittelfeld ist da. Plötzlich kein Drang mehr, kein Hin und Her. Auf einer Skala von 1 bis Iran-Nigeria ist dieses Spiel gerade ein glatter Bruch der Gefühle. 

53,

Steffen Simon-ic hat auch keinen Bock mehr. Ohne alles, nur noch Namen. Das können wir auch: Klaus, Bernd, Dieter. Eat the rich-ic.

55.

Aber ach, was mecker ich, ich undankbar Tickervolk. Denn schließlich:

58.

Vedad Ibisevic jetzt für Bosnien im Spiel. Gleich mit der Chance und einem Abschluß à la Trainingsgruppe zwei. Und schon denke ich an Tim Wiese. Was der wohl gerade macht? Ob er auch WM schaut? Ob er mit all den Muskeln überhaupt vor den Fernseher passt? 

61.

So, Ibisevic also im Spiel. Jetzt heißt es Vedo or die!

63.

Salihovic jetzt auch im Spiel. Ich hab nix gegen ihn aber immer, wenn ein Hoffenheimer bei der WM aufläuft, stirbt etwas in mir.

67.

Also in diese nigerianische Taktik-Diskussion möchte ich mich nur ungern einmischen und es läuft ja gerade auch, aber an Nationaltrainer Keshis Stelle würde ich auf einen wie Jay-Jay Okocha hören. So grundsätzlich. Der Mann kann zuhause das Geschirr per Jay-Jay-Trick in den Schrank räumen, also sollte man tun, was er sagt.

70.

Apropos Jay-Jay-Trick. Ich möchte auch einen Trick nach mir benannt haben. Vielleicht, wenn man den Finger so lange in die Nase steckt, bis sie blutet oder wenn man mit den Ellbogen die Tischplatte verfehlt und sich selber k.o. schlägt.

72.

Effe immer noch auf dem Platz. Komm mach hin, Junge. p1 macht bald zu.

75.

Oh, Effe doch schon ganz woanders:

77.

15 Minuten noch. Soviel Zeit. In 15 Minuten jogge ich mich einmal von hier bis in die Bewußtlosigkeit, koche sieben Tütensuppen auf oder nehme zehn Kilo zu. Aber nein. Der Spaß hat Sendepause. Nigeria ist verwaltet die Führung, mit dem Recht des Hoffnungsvollen und Bosnien weiß keinen Rat. Wir haben soviel gemeinsam.

81.

In der Disziplin Querverweis ergibt sich momentan übrigens folgendes Bild: Iran und Nigeria waren gleich schwach. Argentinien nicht besser als Bosnien, aber siegreich, dafür schwächer als der Iran, aber siegreich. Nigeria hingegen besser als Bosnien und siegreich. Bedeutet für den letzten Spieltag in dieser Gruppe: Tja. Und das ist dann Fußball. Und mitten in die Verzweiflung hinein strahlt Emenike mich Lügen und verpasst nur knapp das 2:0. 

85.

Bosnien jetzt rund um den nigerianischen Belagerungszustand, aber ohne rechten Glauben. Spare mir jeden Wortwitz. Die Trauer überwiegt. Ehe mich Steffen Simon aus der Lethargie reißt: »Besic jetzt nur noch ein Hals auf zwei Beinen." Ist das der beste Simon aller Zeiten? Ein Simon auf zwei Beinen? Oder bin ich einfach nur müde? Die Antwort wahrscheinlich wie immer: Franz Beckenbauer.

88.

John Obi Mikel in aussichtsreicher Freistoßposition. Buttert den Ball dann aber als ultimative Demütigung in den unbesetzten Strafraum, als spielte er Alte Herren, ohne Herren.

90.+1

Aus dem Nichts, der rechten Seite Bosniens, plötzlich die RIESEN-CHANCE für Edin Dzeko. Köpft mitten auf Enyeama. Ist halt ein großer Sportsmann, der Edin. Denn ganz ehrlich und im Ton traurigster Bestürzung: Der Ausgleich wäre so verdient wie der Grimme-Preis für das heutige Wort am Sonntag.

90.+3

Und dann, quasi als Beweis unsere These: Dzeko an den Pfosten. Hast Du Töne? Aber ja: Pfffffffffffffffffffff

1.53 Uhr

Schluß im Irgendwo von Curitiba. Und 11FREUNDE-Liveticker wissen wer der Babo ist: Nigeria. Ein verdienter Sieg für den amtierenden Afrika-Meister gegen eine bosnische Mannschaft, die leider enttäuschte. Bosnien damit quasi auf dem Heimweg, Nigeria mit allen Möglichkeiten. Irgendwo dazwischen: Der 11FREUNDE-Liveticker.

1.55 Uhr

P.S. Und niemals vergessen...:


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