Niederlande
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Chile

Niederlande-Chile im 11FREUNDE-Liveticker

Fer-Play

Ein Spiel, bei dem wir in der ersten Halbzeit Sorge hatten, dass sich der Fernseher aus Protest selbst ausschaltet. Doch dann fiel noch ein ferdammt lässiges Tor. Und ein weiteres. Wer kommt jetzt? Brasilien, Mexiko oder Kroatien? Der Ticker überprüft das nach einem kleinen Spätnachmittagsschlaf ab 22 Uhr.

17:32 Uhr

Herrlich. Die ARD zeigt zur Einstimmung auf das Spiel: Jogi Löw am Strand. Dann Fragen nach Philipp Lahm, Sami Khedria oder Bastian Schweinsteiger. Untermalt wird das Ganze von einer Musik, die gerne auch mal bei »Gute Zeiten, schlechte Zeiten« Verwendung findet, wenn es besonders dramatisch wird. Die ARD versteht es immer, den Spannungsbogen an den richtigen Stellen nach oben zu ziehen. Oder auch: Richtig Lust auf Spiele wie Niederlande-Chile zum Höhepunkt zu machen. Wir sagen: Guten Abend!

17:40 Uhr

Die Ausgangslage: Beide Teams haben sechs Punkte. Beide Teams sind bereits im Achtelfinale. Beide Teams werden heute vermutlich nicht sonderlich an Verletzungen oder Gelben Karten interessiert sein. Warum ihr dieses Spiel trotzdem gucken solltet? Weil parallel Spanien gegen Australien läuft. Und das momentan noch unattraktiver erscheint als ein Freundschaftsspiel zwischen DSC Wanne-Eickel 2 und der Alten Herren des TuS Schnaittenbach.

17:43 Uhr

20 Minute vor Anpfiff informiert kicker.de: »Seit 1947 haben die Niederländer kein Länderspiel am ersten Tag der Woche verloren (acht Siege, drei Unentschieden)« Wir sind begeistert von dieser vermutlich wichtigsten Statistik seit 1948.

17:55 Uhr

Nur mal so (und weil ein bisschen hymnenmüde sind): Happy Birthday, Zinedine! Wir lieben dich. Ein bisschen.

1.

Anstoß. Erste Überraschung: Chile grätscht den Ball nicht vom Anstoßpunkt.

3.

Leider heute nicht dabei: Arturo Vidal. Wir haben den ehemaligen Leverkusener ja hier in Brasilien richtig lieben gelernt. Erinnert uns an: uns. Ein Typ, irgendwo zwischen einem Videokampfspiel-Charakter und einem Mitarbeiter des Nagel- und Frisurstudios »Nails 'n more USA 2000« in Berlin-Neukölln.

5.

Tom Bartels informiert: »Chile ist bei einer WM noch nie weiter gekommen als ins Achtelfinale.« Erzählt uns Bartels gleich auch, dass Deutschland die WM 1962 gewonnen hat?

7.

Übrigens: Vor einigen Tagen hat sich ein Holland-Fan ja ein Van-Gaal- und Van-Persie-Tattoo auf den  Rücken stechen lassen. Kollege Raack hatte mal ähnliches vor, als sein Herzensverein Werder Bremen 1992 den Europapokal der Pokalsieger gewann. Doch leider hielten ihn seine nüchternen Freunde davon ab, sich das Gesicht von Dieter Eilts auf sein eigenes Gesicht tätowieren zu lassen – sie präferierten den Körper von Marco Bode.

9.

Ziemlich überraschend für uns: Dirk Kuijt spielt. Wir müssen gestehen, dass wir nicht mal was von seiner Nominierung mitbekommen hatten. Doch diese WM – und vor allem Louis van Gaal – ist immer für Überraschungen gut. Kommt in der Schlussphase Ruud van Nistelrooy?

13.

Freistoß Robben. Nichts. Bislang sowieso: Nichts. Gar nichts. Ein Spiel wie Luft. Zeit, um mal ein paar schöne WM-Fotos aus der Kiste zu holen. Dieses hier von Arjen Robben etwa, dem menschgewordenen Multi-Task: Sprintet, während er flankt. Flankt, während er Tore schießt. Schießt Tore, während er über Karl Marx nachdenkt. Und erklärt seine Tore live im spanischen Fernsehen, während er noch jubelt. Vermutlich hat er während des Spiels dem holländischen Fan auch noch das Van-Gaal-Tattoo gestochen. Irre.

16.

Liegt es nur an meiner Glotze, oder sind die Trikots der Holländer tatsächlich neon-orange? Wie elf Müllmänner, die in rasender Geschwindigkeit den Abfall entsorgen. Eben ist doch tatsächlich so ein Vogel von rechts nach links reingezogen und war so schnell, dass er die Plastiksäcke verloren hat, der Strolch! Korrigiere: Es war Arjen Robben, ein Mann, schneller als jeder Pfandsammler im Volkspark Friedrichshain!

18.

Ach, Tom Bartels. Haut eine Jahrhundertinfo nach der nächsten raus. Jetzt: Das sei das erste Mal seit x Jahren, das eine holländische Mannschaft ohne einen »van« in der Startaufstellung spiele. Vantastisch. Was kann jetzt noch kommen? Dass die Krawatte von Louis van Gaal aus Walpenis-Leder geflochten ist? Dass Patrick Kluivert eigentlich Dennis Bergkamp ist und uns jahrelang verarscht hat. Dass Frank Rijkaard damals Rudi Völler nur knutschen wollte, ihm seine angeborene feuchte Aussprache aber einen Strich durch die Rechnung gemacht hat?

22.

Was ich nicht mehr hören kann: Schlechte »No woman no cry«-Abklatsche in der U-Bahn. Und den »Die chilen ja«-Gag bei Chile-Spielen. Wenn ich das noch einmal höre, erwürge ich den Reggae und mache Chile zur Gagfreien-Zone. Mit ganz viel Blues.

25.

Kurze nachdenkliche Zwischenfrage beim Anblick von Chiles Stürmer Sanchez: Warum wurde ich eigentlich nie »Alexis« gerufen? Klingt doch deutlich cooler und irgendwie surfiger als »Alex«, »Ali«, »Raack« oder »Raacki«. Morgen komme ich mit einem Longboard zur Arbeit und grüße den Chef mit Surfergruß. Vielleicht hilft das.

26.

Das Spiel bislang wie eine Schiffsschaukel: Hin und her. Wann muss Arjen Robben kotzen, wann kauft sich Dirk Kuyt Zuckerwatte? Wir gehen dann mal lässig sein beim Autoscooter.

27.

BREAKING NEWS: Bock hat die Autoscooter-Gang mit diversen abfälligen Kommentaren über Feinripp-Muskelshirts und Rückwärtsfahrerei im Stand wütend gemacht und wird jetzt mit dem Go-Kart verfolgt. Kann sich gerade noch so in die Geisterbahn retten. Dort warten der WM-Auftritt von Wayne Rooney. Shrek, lass nach!

30.

Chile bislang bei dieser WM wie der arme Nachbarsjunge mit dem schweren Drüsenproblem: Niemand will gerne gegen sie spielen.

32.

Hartes Einsteigen von Hollands Blind im Strafraum, auf der chilenischen Bank schnellt Arturo Vidal entsetzt nach oben und fordert bestürzt einen Elfmeter. Als würde sich Al Capone im Supermarkt auf die Lauer legen und jeden Kaugummi-Diebstahl zur Anzeige bringen.

36.

Robben fällt auf der rechten Seite hin. Guckt man dabei in sein Gesicht, könnte man glauben, er wird gerade von einem Panzer überfahren, während ihm Jean-Claude van Damme die Zähne ausschlät. Ein genauerer Blick zeigt: kein Panzer und natürlich auch kein Van Damme. Bartels (»Heute das erste Spiel seit 212 Jahren ohne einen Van«) wusste das eh schon.

38.

Während Bartels immer noch darüber nachdenkt, warum Louis van Gaal heute ohne einen einzigen Van in der Mannschaft spielen lässt, interessiert uns vielmehr, wieso  niemand mitbekommen hat, dass Barack Obama an der WM teilnimmt. Ob er das letzte Gruppenspiel bestreitet, steht allerdings noch dahin. Vielleicht übernimmt auch Chris Smalling.

41.

Robben dribbelt sich über das halbe Feld, zehn oder zwölf oder zwanzig Chilenen rennen hinter ihm her wie Jagdhunde, doch Robben schüttelt sie alle ab. Und auch wenn sein Schuss  vorbeigeht, überschlägt sich Bartels fast vor Freude: »Mann, ist der gut!«, jubelt der ARD-Mann und zündet danach eine Kerze in der Arjen-Kathedrale seines Herzens an. 

44.

Nächste Chance für Holland. Lens zieht aus 20 Metern ab und zimmert den Ball dabei auf die Tribüne. Sah nicht sonderlich geschickt aus. Seine besten Zeiten sind wohl vorbei. Seit einem Jahr spielt er in der Ligue 2. Die letzte und einzige Meisterschaft datiert auf 1998. Schade. Wir mögen ihn. Diesen RC Lens.

18:46 Uhr

Halbzeit. Schade. Langsam begann das Spiel Spaß zu machen. Und wir wissen jetzt: Wenn wir uns eine Traumpaarung bei »American Gladiators« wünschen könnten, wäre es vermutlich diese: Jara im Terrier-Modus. Robben im Turbo-Boost-Modus. Schiedsrichter: Costa Ricas Trainer Pinto.

18:51 Uhr

»Das Endspiel um den Gruppensieg reißt uns nicht so ganz von den Sitzen«, sagt Matthias Opdenhövel. Stehend.

18:56 Uhr

Werbung. Und das heißt bei Fußballübertragungen: Jürgen Klopp. Unser Lieblingstrainer wirkt dennoch so unendlich weit weg. Nach gefühlten 19 Wochen WM und Brasilien. Wir würden Jürgen Klopp gerne ein paar Fragen stellen: Wo hält er sich gerade auf? Gibt es Borussia Dortmund noch? Und was ist das: Bundesliga? Doch da grüßen schon wieder Mehmet Scholl und Matthias Opdenhövel von unserer Lieblingsterasse, die sich direkt neben unserem Redaktionsbalkon befindet. Irgendwie.

19:00 Uhr

Wir sehen noch einmal die Chancen der ersten Halbzeit. Unser Redaktionshaustier findet das alles ganz okay. Wir fallen in einen Sekundenschlaf.

46.

Weiter. Imma weiter! Die zweite Halbzeit beginnt mit einem Fehlpass von Sanchez, der so räudig ist, dass uns Krummfüßen die Herzen aufgehen. Bock verstolpert spontan ein Interview, ich hole mir nach 15 Minuten Reportage den Platzverweis und fange anschließend eine Rangelei mit unserem CvD an. True Kreisliga never die!

48.

Chiles Trainer erinnert uns rein optisch an eine Kreuzung aus Wee Man und Danny de Vito. Wenn gleich Jonny Knoxville seinen Zwillungsbruder Arnold Schwarzenegger ankotzt oder Feuerwerkskörper aus dem Anus schießen lässt, wandern wir aus nach Hollywood.

52.

Bock und ich sind ja hilflos oldschool. Während der Kollege von der Sprungkraft des legendären Ivan Zamorano schwärmt, übersehe ich schlichtweg, dass ich die Hälfte der Holländer nicht kenne und schweife mit versonnenem Blick ab. Da wird aus der Kante mit der Kurzhaarfrisur Jaap Stam, im Kasten steht van Breukelen und hasst Deutsche, vorne wirbeln Gullit, van Basten und Bergkamp. In der Halbzeitpause stehe ich neben Johan Cruyff und lächle ihm wissend zu. Aber er pisst mich einfach aus. Zum Glück reicht mir Ronald Koemann einen Lappen. Dass hinten »Thon« draufsteht, erkenne ich zu spät.

58.

Immer noch 0:0. Gerade als ich den Mund aufmachen will, um ein flapsiges »Ein Tor würde dem Spiel gut tun«, tauchen hinter mir Günther Jauch und Marcel Reif auf, um mich mit einem Grimme-Preis auszuknocken. Spalten mir fast den Schädel, die Herren Vorzeige-Journalisten. Meine Feinde hätten das dann sicherlich »Vollpfostenbruch« genannt.

61.

Mögen da draußen irgendwelche Taktiknerds sitzen und schon ganz feuchte Klemmbretter bekommen, bei dem Geschiebe der Holländer und Chilen, Modefans wie wir wollen Hütten, Buden, Tore und Spektakel sehen! Fallrückzieher von der Mittellinie, Sololäufe über 120 Meter, Vollkontaktgrätschen von Louis van Gaal. Stattdessen urteilt Bartels wissend: »Und so sieht das aus, wenn sich zwei Mannschaften neutralisieren.« Neutral war schon immer scheiße. Sorry, Schweiz.

65.

Liegt das eigentlich am Ton oder sind die Fans wirklich unfassbar laut? Und wenn ja: Was bejubeln sie hier eigentlich? Ach, da: Eine Flanke landet nicht direkt im Aus.

63.

Die nachfolgenden Sendungen verschieben sich voraussichtlich um 20 Minuten. Das Spiel, so hat die ARD entschieden, ist zu spannend und muss en detail analysiert werden. Dafür werden Ivan Zamorano und Mark van Bommel per Herzblatt-Hubschrauber auf den ARD-Balkon an der Copacabana geflogen.

67.

Und noch mehr: Alexis dribbelt an der Grundlinine seinen Gegner schwindelig. Am Ende noch ein geschickter Tunnel. Dann der Schuss. Die erste Aktion, die mich aus dem Sessel reißt. Schreibe ich hier. Sitzend.

69.

Vielleicht sollte man dem neuen Credo dieser Biermarke folgen: Einfach Gehirn ausschalten und in Unterhose aufs Feld skaten. Wenn ein Spieler zufällig noch einen Stift zur Hand hat, kann er auch gerne noch ein Plus hinter das Spiel machen. Dann wird alles gut. Ganz bestimmt.

71.

Ein 0:0 der 0:0-Sorte. Und in Curitiba fällt das 2:0 für Spanien. Wir haben zwar bislang kaum mehr als 30 Sekunden von diesem Spiel gesehen, legen wir uns fest: Ein 2:0 der 2:0-Sorte. Ein irrer Montag!

72.

Bei Chile jetzt Valdivia im Spiel. Ein Name wie ein Wellnessprogramm in Südtirol. Vielleicht bringt er ja Heilung.

73.

Immerhin eine Erkenntnis: Bei chilenischen Friseuren wird gerne rasiert. Im Nacken und an den Schläfen. Sieht aus wie ein Bundeswehr-Frisur, doch wir sind uns ziemlich sicher, dass Gunnery Sergeant Hartman so eine Spur von Resthaar auf dem Schädel niemals geduldet hätte.

75.

Nächste Chance, nächster Griff ins Nichts. Sneijder versucht sich an einem Freistoß, 14 bis 15 Spieler versuchen sich an einem Kopfball. Am Ende berührt niemand den Ball. Erinnert mich an meine Bundesjugendspiele, als ich beim Stabhochsprung nicht mal den Stab hochhalten konnte.

76.

Jetzt aber: Schuss des eingewechselten Fer. Hammerrakete, doch Bravo reißt die Arme hoch. Verzeiht uns, aber: Bravo!

77.

Und: TOOOOOOOOOR!!!! 1:0 für Holland! Flanke aus dem Nirgendwo und Fler, bis eben für uns ein Niemand, wuchtet den Ball mit dem Schädel ins Tor. So frei stand er allerdings das letzte Mal in seinem Leben, als er sich im Alter von 10 auf der Jugendfreizeit nach Texel vollgekotzt hatte. Wir übergeben an Chile: Jetzt muss was kommen.

80.

Meine Fresse: Fast ein Eigentor von de Jong. Sein Kopfball wird aber auf der Linie abgeblockt. Der Mann hat mehr Schwein als Bauer Horst.

82.

Aus unserer Serie: Brotlose Kunst – die Spanier führen inzwischen mit 3:0 gegen Australien.

83.

Diese Holländer. Wenn sie jetzt tatsächlich Spanien und Chile in der Gruppenphase besiegen, sollte es uns gehen wie einem übereifrigen Mathematiker: Wir müssen mit ihnen rechnen. Bock holt schon sein Geodreieck aus dem Ranzen, der Streber.

85.

Noch mal ein Satz zum Torschützen Leroy Fer. Der macht in seinem ersten Länderspiel seine erste Bude. Kurz vor Schluss. Gegen Chile. Bei der WM. Als wenn wir am ersten Arbeitstag die Ehe des Chefs retten und mit einer einzigen Blitzidee die Jahresbilanz retten würden.

88.

Dirk Kuyt hat Krämpfe. Richtig, der Typ, der früher erst auf dem elterlichen Bauernhof den altersschwachen Ochsen ersetzte und den Kartoffelacker umpflügte, dann in 90 Minuten 15 Kilometer im Vollsprint abriss und anschließend den Braveheart-Battle rückwärts lief. Zum Auslaufen. Merke: Wir werden älter.

90.+1.

TOOOOOOOOOOOOORR!!!!! Für OOOOOOOOORRanje! Chile wie eine gutmütige Oma: Macht einfach auf. Und die Strauchdiebe aus Holland nutzen das schamlos aus: Langer Ball auf Robben, der hat noch immer Kraft, schlängelt sich bis zur Torlinie und bringt den Ball auf Memphis. Tor. Und auf der Trainerbank grölt Louis van Gaal: »USA! USA!«

Abpfiff

Aus und vorbei, liebe Freunde. Holland siegt mit 2:0 und ist Gruppenerster. Mehmet Scholl fasst zusammen: »Ich wollte versinken in dem Spiel.« Wir wären fast abgesoffen und sind jetzt klitscheklatschenass trotzdem froh, dabei gewesen zu sein. Wir gehen dann mal die Titanic retten. Nackt. Alles Kahn, nix muss. Auf bald!

Abpfiff

Aus und vorbei, liebe Freunde. Holland siegt mit 2:0 und ist Gruppenerster. Mehmet Scholl fasst zusammen: »Ich wollte versinken in dem Spiel.« Wir wären fast abgesoffen und sind jetzt klitscheklatschenass trotzdem froh, dabei gewesen zu sein. Wir gehen dann mal die Titanic retten. Nackt. Alles Kahn, nix muss. Auf bald!

90.+1.

TOOOOOOOOOOOOORR!!!!! Für OOOOOOOOORRanje! Chile wie eine gutmütige Oma: Macht einfach auf. Und die Strauchdiebe aus Holland nutzen das schamlos aus: Langer Ball auf Robben, der hat noch immer Kraft, schlängelt sich bis zur Torlinie und bringt den Ball auf Memphis. Tor. Und auf der Trainerbank grölt Louis van Gaal: »USA! USA!«

88.

Dirk Kuyt hat Krämpfe. Richtig, der Typ, der früher erst auf dem elterlichen Bauernhof den altersschwachen Ochsen ersetzte und den Kartoffelacker umpflügte, dann in 90 Minuten 15 Kilometer im Vollsprint abriss und anschließend den Braveheart-Battle rückwärts lief. Zum Auslaufen. Merke: Wir werden älter.

85.

Noch mal ein Satz zum Torschützen Leroy Fer. Der macht in seinem ersten Länderspiel seine erste Bude. Kurz vor Schluss. Gegen Chile. Bei der WM. Als wenn wir am ersten Arbeitstag die Ehe des Chefs retten und mit einer einzigen Blitzidee die Jahresbilanz retten würden.

83.

Diese Holländer. Wenn sie jetzt tatsächlich Spanien und Chile in der Gruppenphase besiegen, sollte es uns gehen wie einem übereifrigen Mathematiker: Wir müssen mit ihnen rechnen. Bock holt schon sein Geodreieck aus dem Ranzen, der Streber.

82.

Aus unserer Serie: Brotlose Kunst – die Spanier führen inzwischen mit 3:0 gegen Australien.

80.

Meine Fresse: Fast ein Eigentor von de Jong. Sein Kopfball wird aber auf der Linie abgeblockt. Der Mann hat mehr Schwein als Bauer Horst.

77.

Und: TOOOOOOOOOR!!!! 1:0 für Holland! Flanke aus dem Nirgendwo und Fler, bis eben für uns ein Niemand, wuchtet den Ball mit dem Schädel ins Tor. So frei stand er allerdings das letzte Mal in seinem Leben, als er sich im Alter von 10 auf der Jugendfreizeit nach Texel vollgekotzt hatte. Wir übergeben an Chile: Jetzt muss was kommen.

76.

Jetzt aber: Schuss des eingewechselten Fer. Hammerrakete, doch Bravo reißt die Arme hoch. Verzeiht uns, aber: Bravo!

75.

Nächste Chance, nächster Griff ins Nichts. Sneijder versucht sich an einem Freistoß, 14 bis 15 Spieler versuchen sich an einem Kopfball. Am Ende berührt niemand den Ball. Erinnert mich an meine Bundesjugendspiele, als ich beim Stabhochsprung nicht mal den Stab hochhalten konnte.

73.

Immerhin eine Erkenntnis: Bei chilenischen Friseuren wird gerne rasiert. Im Nacken und an den Schläfen. Sieht aus wie ein Bundeswehr-Frisur, doch wir sind uns ziemlich sicher, dass Gunnery Sergeant Hartman so eine Spur von Resthaar auf dem Schädel niemals geduldet hätte.

72.

Bei Chile jetzt Valdivia im Spiel. Ein Name wie ein Wellnessprogramm in Südtirol. Vielleicht bringt er ja Heilung.

71.

Ein 0:0 der 0:0-Sorte. Und in Curitiba fällt das 2:0 für Spanien. Wir haben zwar bislang kaum mehr als 30 Sekunden von diesem Spiel gesehen, legen wir uns fest: Ein 2:0 der 2:0-Sorte. Ein irrer Montag!

69.

Vielleicht sollte man dem neuen Credo dieser Biermarke folgen: Einfach Gehirn ausschalten und in Unterhose aufs Feld skaten. Wenn ein Spieler zufällig noch einen Stift zur Hand hat, kann er auch gerne noch ein Plus hinter das Spiel machen. Dann wird alles gut. Ganz bestimmt.

67.

Und noch mehr: Alexis dribbelt an der Grundlinine seinen Gegner schwindelig. Am Ende noch ein geschickter Tunnel. Dann der Schuss. Die erste Aktion, die mich aus dem Sessel reißt. Schreibe ich hier. Sitzend.

63.

Die nachfolgenden Sendungen verschieben sich voraussichtlich um 20 Minuten. Das Spiel, so hat die ARD entschieden, ist zu spannend und muss en detail analysiert werden. Dafür werden Ivan Zamorano und Mark van Bommel per Herzblatt-Hubschrauber auf den ARD-Balkon an der Copacabana geflogen.

65.

Liegt das eigentlich am Ton oder sind die Fans wirklich unfassbar laut? Und wenn ja: Was bejubeln sie hier eigentlich? Ach, da: Eine Flanke landet nicht direkt im Aus.

61.

Mögen da draußen irgendwelche Taktiknerds sitzen und schon ganz feuchte Klemmbretter bekommen, bei dem Geschiebe der Holländer und Chilen, Modefans wie wir wollen Hütten, Buden, Tore und Spektakel sehen! Fallrückzieher von der Mittellinie, Sololäufe über 120 Meter, Vollkontaktgrätschen von Louis van Gaal. Stattdessen urteilt Bartels wissend: »Und so sieht das aus, wenn sich zwei Mannschaften neutralisieren.« Neutral war schon immer scheiße. Sorry, Schweiz.

58.

Immer noch 0:0. Gerade als ich den Mund aufmachen will, um ein flapsiges »Ein Tor würde dem Spiel gut tun«, tauchen hinter mir Günther Jauch und Marcel Reif auf, um mich mit einem Grimme-Preis auszuknocken. Spalten mir fast den Schädel, die Herren Vorzeige-Journalisten. Meine Feinde hätten das dann sicherlich »Vollpfostenbruch« genannt.

52.

Bock und ich sind ja hilflos oldschool. Während der Kollege von der Sprungkraft des legendären Ivan Zamorano schwärmt, übersehe ich schlichtweg, dass ich die Hälfte der Holländer nicht kenne und schweife mit versonnenem Blick ab. Da wird aus der Kante mit der Kurzhaarfrisur Jaap Stam, im Kasten steht van Breukelen und hasst Deutsche, vorne wirbeln Gullit, van Basten und Bergkamp. In der Halbzeitpause stehe ich neben Johan Cruyff und lächle ihm wissend zu. Aber er pisst mich einfach aus. Zum Glück reicht mir Ronald Koemann einen Lappen. Dass hinten »Thon« draufsteht, erkenne ich zu spät.

48.

Chiles Trainer erinnert uns rein optisch an eine Kreuzung aus Wee Man und Danny de Vito. Wenn gleich Jonny Knoxville seinen Zwillungsbruder Arnold Schwarzenegger ankotzt oder Feuerwerkskörper aus dem Anus schießen lässt, wandern wir aus nach Hollywood.

46.

Weiter. Imma weiter! Die zweite Halbzeit beginnt mit einem Fehlpass von Sanchez, der so räudig ist, dass uns Krummfüßen die Herzen aufgehen. Bock verstolpert spontan ein Interview, ich hole mir nach 15 Minuten Reportage den Platzverweis und fange anschließend eine Rangelei mit unserem CvD an. True Kreisliga never die!

19:00 Uhr

Wir sehen noch einmal die Chancen der ersten Halbzeit. Unser Redaktionshaustier findet das alles ganz okay. Wir fallen in einen Sekundenschlaf.

18:56 Uhr

Werbung. Und das heißt bei Fußballübertragungen: Jürgen Klopp. Unser Lieblingstrainer wirkt dennoch so unendlich weit weg. Nach gefühlten 19 Wochen WM und Brasilien. Wir würden Jürgen Klopp gerne ein paar Fragen stellen: Wo hält er sich gerade auf? Gibt es Borussia Dortmund noch? Und was ist das: Bundesliga? Doch da grüßen schon wieder Mehmet Scholl und Matthias Opdenhövel von unserer Lieblingsterasse, die sich direkt neben unserem Redaktionsbalkon befindet. Irgendwie.

18:51 Uhr

»Das Endspiel um den Gruppensieg reißt uns nicht so ganz von den Sitzen«, sagt Matthias Opdenhövel. Stehend.

18:46 Uhr

Halbzeit. Schade. Langsam begann das Spiel Spaß zu machen. Und wir wissen jetzt: Wenn wir uns eine Traumpaarung bei »American Gladiators« wünschen könnten, wäre es vermutlich diese: Jara im Terrier-Modus. Robben im Turbo-Boost-Modus. Schiedsrichter: Costa Ricas Trainer Pinto.

44.

Nächste Chance für Holland. Lens zieht aus 20 Metern ab und zimmert den Ball dabei auf die Tribüne. Sah nicht sonderlich geschickt aus. Seine besten Zeiten sind wohl vorbei. Seit einem Jahr spielt er in der Ligue 2. Die letzte und einzige Meisterschaft datiert auf 1998. Schade. Wir mögen ihn. Diesen RC Lens.

41.

Robben dribbelt sich über das halbe Feld, zehn oder zwölf oder zwanzig Chilenen rennen hinter ihm her wie Jagdhunde, doch Robben schüttelt sie alle ab. Und auch wenn sein Schuss  vorbeigeht, überschlägt sich Bartels fast vor Freude: »Mann, ist der gut!«, jubelt der ARD-Mann und zündet danach eine Kerze in der Arjen-Kathedrale seines Herzens an. 

38.

Während Bartels immer noch darüber nachdenkt, warum Louis van Gaal heute ohne einen einzigen Van in der Mannschaft spielen lässt, interessiert uns vielmehr, wieso  niemand mitbekommen hat, dass Barack Obama an der WM teilnimmt. Ob er das letzte Gruppenspiel bestreitet, steht allerdings noch dahin. Vielleicht übernimmt auch Chris Smalling.

36.

Robben fällt auf der rechten Seite hin. Guckt man dabei in sein Gesicht, könnte man glauben, er wird gerade von einem Panzer überfahren, während ihm Jean-Claude van Damme die Zähne ausschlät. Ein genauerer Blick zeigt: kein Panzer und natürlich auch kein Van Damme. Bartels (»Heute das erste Spiel seit 212 Jahren ohne einen Van«) wusste das eh schon.

32.

Hartes Einsteigen von Hollands Blind im Strafraum, auf der chilenischen Bank schnellt Arturo Vidal entsetzt nach oben und fordert bestürzt einen Elfmeter. Als würde sich Al Capone im Supermarkt auf die Lauer legen und jeden Kaugummi-Diebstahl zur Anzeige bringen.

30.

Chile bislang bei dieser WM wie der arme Nachbarsjunge mit dem schweren Drüsenproblem: Niemand will gerne gegen sie spielen.

27.

BREAKING NEWS: Bock hat die Autoscooter-Gang mit diversen abfälligen Kommentaren über Feinripp-Muskelshirts und Rückwärtsfahrerei im Stand wütend gemacht und wird jetzt mit dem Go-Kart verfolgt. Kann sich gerade noch so in die Geisterbahn retten. Dort warten der WM-Auftritt von Wayne Rooney. Shrek, lass nach!

26.

Das Spiel bislang wie eine Schiffsschaukel: Hin und her. Wann muss Arjen Robben kotzen, wann kauft sich Dirk Kuyt Zuckerwatte? Wir gehen dann mal lässig sein beim Autoscooter.

25.

Kurze nachdenkliche Zwischenfrage beim Anblick von Chiles Stürmer Sanchez: Warum wurde ich eigentlich nie »Alexis« gerufen? Klingt doch deutlich cooler und irgendwie surfiger als »Alex«, »Ali«, »Raack« oder »Raacki«. Morgen komme ich mit einem Longboard zur Arbeit und grüße den Chef mit Surfergruß. Vielleicht hilft das.

22.

Was ich nicht mehr hören kann: Schlechte »No woman no cry«-Abklatsche in der U-Bahn. Und den »Die chilen ja«-Gag bei Chile-Spielen. Wenn ich das noch einmal höre, erwürge ich den Reggae und mache Chile zur Gagfreien-Zone. Mit ganz viel Blues.

18.

Ach, Tom Bartels. Haut eine Jahrhundertinfo nach der nächsten raus. Jetzt: Das sei das erste Mal seit x Jahren, das eine holländische Mannschaft ohne einen »van« in der Startaufstellung spiele. Vantastisch. Was kann jetzt noch kommen? Dass die Krawatte von Louis van Gaal aus Walpenis-Leder geflochten ist? Dass Patrick Kluivert eigentlich Dennis Bergkamp ist und uns jahrelang verarscht hat. Dass Frank Rijkaard damals Rudi Völler nur knutschen wollte, ihm seine angeborene feuchte Aussprache aber einen Strich durch die Rechnung gemacht hat?

16.

Liegt es nur an meiner Glotze, oder sind die Trikots der Holländer tatsächlich neon-orange? Wie elf Müllmänner, die in rasender Geschwindigkeit den Abfall entsorgen. Eben ist doch tatsächlich so ein Vogel von rechts nach links reingezogen und war so schnell, dass er die Plastiksäcke verloren hat, der Strolch! Korrigiere: Es war Arjen Robben, ein Mann, schneller als jeder Pfandsammler im Volkspark Friedrichshain!

15.

Thierry Henrys Meinung zum Spiel?

13.

Freistoß Robben. Nichts. Bislang sowieso: Nichts. Gar nichts. Ein Spiel wie Luft. Zeit, um mal ein paar schöne WM-Fotos aus der Kiste zu holen. Dieses hier von Arjen Robben etwa, dem menschgewordenen Multi-Task: Sprintet, während er flankt. Flankt, während er Tore schießt. Schießt Tore, während er über Karl Marx nachdenkt. Und erklärt seine Tore live im spanischen Fernsehen, während er noch jubelt. Vermutlich hat er während des Spiels dem holländischen Fan auch noch das Van-Gaal-Tattoo gestochen. Irre.

10.

Hat Bartels eigentlich auch Kommentator Kent Brockman in der Simpsons-Fußball-Folge synchronisiert?

9.

Ziemlich überraschend für uns: Dirk Kuijt spielt. Wir müssen gestehen, dass wir nicht mal was von seiner Nominierung mitbekommen hatten. Doch diese WM – und vor allem Louis van Gaal – ist immer für Überraschungen gut. Kommt in der Schlussphase Ruud van Nistelrooy?

7.

Übrigens: Vor einigen Tagen hat sich ein Holland-Fan ja ein Van-Gaal- und Van-Persie-Tattoo auf den  Rücken stechen lassen. Kollege Raack hatte mal ähnliches vor, als sein Herzensverein Werder Bremen 1992 den Europapokal der Pokalsieger gewann. Doch leider hielten ihn seine nüchternen Freunde davon ab, sich das Gesicht von Dieter Eilts auf sein eigenes Gesicht tätowieren zu lassen – sie präferierten den Körper von Marco Bode.

5.

Tom Bartels informiert: »Chile ist bei einer WM noch nie weiter gekommen als ins Achtelfinale.« Erzählt uns Bartels gleich auch, dass Deutschland die WM 1962 gewonnen hat?

3.

Leider heute nicht dabei: Arturo Vidal. Wir haben den ehemaligen Leverkusener ja hier in Brasilien richtig lieben gelernt. Erinnert uns an: uns. Ein Typ, irgendwo zwischen einem Videokampfspiel-Charakter und einem Mitarbeiter des Nagel- und Frisurstudios »Nails 'n more USA 2000« in Berlin-Neukölln.

1.

Anstoß. Erste Überraschung: Chile grätscht den Ball nicht vom Anstoßpunkt.

17:55 Uhr

Nur mal so (und weil ein bisschen hymnenmüde sind): Happy Birthday, Zinedine! Wir lieben dich. Ein bisschen.

17:43 Uhr

20 Minute vor Anpfiff informiert kicker.de: »Seit 1947 haben die Niederländer kein Länderspiel am ersten Tag der Woche verloren (acht Siege, drei Unentschieden)« Wir sind begeistert von dieser vermutlich wichtigsten Statistik seit 1948.

17:40 Uhr

Die Ausgangslage: Beide Teams haben sechs Punkte. Beide Teams sind bereits im Achtelfinale. Beide Teams werden heute vermutlich nicht sonderlich an Verletzungen oder Gelben Karten interessiert sein. Warum ihr dieses Spiel trotzdem gucken solltet? Weil parallel Spanien gegen Australien läuft. Und das momentan noch unattraktiver erscheint als ein Freundschaftsspiel zwischen DSC Wanne-Eickel 2 und der Alten Herren des TuS Schnaittenbach.

17:32 Uhr

Herrlich. Die ARD zeigt zur Einstimmung auf das Spiel: Jogi Löw am Strand. Dann Fragen nach Philipp Lahm, Sami Khedria oder Bastian Schweinsteiger. Untermalt wird das Ganze von einer Musik, die gerne auch mal bei »Gute Zeiten, schlechte Zeiten« Verwendung findet, wenn es besonders dramatisch wird. Die ARD versteht es immer, den Spannungsbogen an den richtigen Stellen nach oben zu ziehen. Oder auch: Richtig Lust auf Spiele wie Niederlande-Chile zum Höhepunkt zu machen. Wir sagen: Guten Abend!

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