FC Schalke 04
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Hertha BSC

Milben im Kopfkissen

Hertha-Schalke im 11FREUNDE-Liveticker

Milben im KopfkissenImago
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14:47 Uhr
Durch die Stadt geächzt. Hinter jeder Ecke (zu) gut gelaunte Hertha-Fans. Und nun noch Beckenbauer, der heute sein Alter Ego Siegmund Freud übergezogen hat: »Wenn du täglich 300 bis 400 Bälle aufs Tor bekommst, kannst du nicht normal sein.« Wenn du wöchentlich Bonmot-Volleyball mit Sebastian Hellmann spielst scheinbar auch nicht.

14:50 Uhr
Premiere besucht alle Meisterschaftsanwärter und macht den Balkon-Check. Das ist ungefähr so kreativ wie »Malen nach Zahlen«. Im Studio schläft sogar Beckenbauer ein.

14:54 Uhr
Premiere schaltet nun in alle Stadien des Abstiegskampfes. Alle vier Kommentatoren werden gleichzeitig in einer spektakulären Schalte auf der Videoleinwand eingeblendet. Das Grauen nimmt seinen Lauf.

14:58 Uhr
Zum Spiel: Hertha gegen Schalke. Das ist das Duell der farblosen Schalker gegen die pragmatischen Berliner. Das Pomade-Duell im Angriff: Pantelic gegen Kuranyi. Was im ganzen Meisterschaftstrubel untergeht: dieses Spiel ist wohl das letzte Heimspiel in der Ehe Hertha-Pantelic. Wer wohl das Tafelsilber mitnehmen darf?

15:06 Uhr
Franz Beckenbauer spürt erotische Vibes im Premiere-Studio und kuschelt via Bildschirm sogleich mit Felix Magath, nennt ihn einen Zauberer, wünscht ihm alles Gute. Hellmann leicht verwirrt. Ist er Kai Pflaume? Gibt es gleich noch balladeskes Gesüsel von Hartmut Engler?

15:12 Uhr
Endlich wird auch das Thema Podolski aufgegriffen. Beckenbauer analysiert die Situtation messerscharf und sagt, dass Podolski unter Klinsmann »einen Frust« gekriegt hat. Hellmann zuckt kurz zusammen, schaut dann beleidigt zum Aufnahmeleiter. Er will auch so einen Frust habe. Einen ganz großen. Am liebsten in grün.

15:17 Uhr
Nun endlich die Schalte nach Berlin. Franz auch mit Dieter Hoeneß per Du. Franz kennt sie einfach alle. High Five an jeder Ecke. Bekannter ist niemand. Nicht mal Max Mustermann.


15:22 Uhr
Warte seit einigen Tagen auf das Dementi von Kuranyi zum Interesse des HSV. Kuhlhoff, einziger Fan von Kuranyi westlich von Shanghai, tröstet: »Der ist gar nicht so schlecht.« Dann verschwindet er wieder auf seiner eigenen Kuranyi-FanWebseite, die er mit seinem Tuschemalkasten und Schreibmaschine gebastelt hat und irgendwie durch den Bildschirm ins Internet gedrückt hat. Wahnsinn.

15:23 Uhr
Franz bleibt ein Weltmann. Hat uns doch doch die Aufstellungen geschickt. Per Brieftaube. Die flattert durch das Fenster und gurrt: »Servus ihr beiden. Franz hat die Aufstellungen schon vor zwei Tagen gewusst.« Sagte ich schon Weltmann?

Berlin: 1 Drobny - 26 Piszczek, 4 von Bergen, 13 Stein, 14
Simunic - 20 Ebert, 8 Dardai, 44 Kacar, 7 Cicero - 10 Raffael - 9
Pantelic.

Schalke: 1 Neuer - 18 Rafinha, 23 Höwedes, 2 Westermann, 3
Kobiaschwili - 37 Engelaar, 13 Jones - 10 Rakitic - 17 Farfan, 22
Kuranyi, 19 Altintop.

15:27 Uhr
Schalte ins Olympiastadion. Gleich geht´s los. Wowi trägt ein Hertha-Trikot mit der Nummer 1. Außerdem einen 100 Meter langen Schal um den Hals. Was soll jetzt noch schief gehen für die Berliner?


15: 29 Uhr
Bock rechnet gerade aus, wie der HSV noch in die Champions League kommen kann. Verzweiflung hat ein neues Gesicht.

1.

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2.
Kuhlhoff konnte gestern Nacht nicht schlafen. Hat Punkte und Striche auf seiner Tastatur entdeckt. Titel dieser Skizze: »Startschuss«. Vernissage heute Abend bei Kuhlhoff zu Hause. Getränke mitbringen. Erdnuss Flips vorhanden.

3.
So nun aber zum Spiel. Die beiden unbeliebesten Spieler der Liga (Pantelic und Kuranyi) noch nicht in der Nähe vom beliebtesten Ding des Spiels (Ball).

5.
Die orangenen Trikots sind so unpassend wie das Hörbuch »HP Baxxter liest Thomas Bernhard«.

7.
Bisher plänkelt das Spiel vor sich hin. Nichts passiert. Favre zückt seinen Zeichenblock. Hat einen VHS-Kurs den »Kreidzeichne I« belegt. Bringt die Kulisse des ausverkauften Olympiastadions detailgetreu auf das Blatt. Die Bank spendet Applaus. Meisterlich.

10.
Schalke kontert das erste Mal. Altintop will den tödlichen Pass spielen. Hat vergessen, dass er das gar nicht kann.

11.
Pantelic steht angeblich im Abseits. Die Zeitlupe widerlegt diese Annahme. Durchatmen, ihr kleinen Schalker.

12.
Erste Halbchance für Hertha. Kacar schießt von der Strafraumgrenze. Der Ball geht aber in Richtung Eckfahne. Jetzt haben die beiden sich immerhin auch schon Mal näher kennengelernt. Favre hat die Chance nicht gesehen. Arbeitet an einer Zeichnung des Dauerläufers Pantelic. Wird vom Co-Trainer gerüffelt. Sieht seinen Fehler ein. Er kehrt zurück zu seiner eigentlichen Leidenschaft:. Grübeln.

15.
Bisher Berlin spielbestimmend. Schalker Pässe ins Nichts – in der Hoffnung, dass dort, im dunklen Nichts, Kuranyi steht.

17.
Erfahre gerade, dass der HSV 0:1 hinten liegt, überlege, ob ich heute endgültig dieser Sache Fußball abschwöre und mich bei der Gehgeisterbahn auf dem Hamburger Dom auf die Anzeige »Junger Mann zum Mitreisen gesucht« bewerbe. Problem: bin alt.

18.
Uiuiui. Raffael mit Zuckerpass auf Pantelic. Wieder abseits wie ein Gedicht von Charles Bukowski auf kaltem Asphalt.

19.
Denkste. Ist doch mittendrin wie Marcel Reich-Ranicki im hellen Spotlight.

20.
Kuhlhoff erquickt sich an Kevin Kuranyi: »Der hat sogar orangene Schuhe – ist auf alles vorbereitet.« S04-Ultra Kuhlhoff ebenfalls: Präsentiert seine orangenen Söckchen.

22.
Marko Pantelic ist aufgedreht wie eine Locke im Wickler. Schießt aus 17 Metern von halblinks. Chiara Ohoven wehrt ab.

25.
Ogoddogodd. Erst Pantelic alleine vor Neuer. Scheitert wieder. Kuhlhoff jauchzt vor Glück. »Bester Torwart der Welt.« Dann denkt Cicero er wäre ein Astronaut und hebt ab. Kommt aber zu seinem Unglück wieder auf. Und erfährt von Schiedsricher Gagelmann, dass er doch nur 'ne Schwalbe ist.

29.
Zwischenstände aus anderen Stadien: SV Herbern - DJK Grün- Weiß Selm e. V. 2 : 4 (Kreis Lüdinghausen (B-Jugend, männlich) im Landesverband Westfalen). Zuschauer: acht. Und drei Hunde.

32.
In den 70er Jahren wäre diese Schalker Mannschaft wohl das Maß aller Dinge. Präsentieren Stadnfußball vom Feinsten. Hertha hingegen kommt langsam in Fahrt. Vor allem Pantelic sorgt für Glücksmomente im Olympiastadion. Dennoch immer noch 0:0.

35.
Orlando Engelaar ist der einzige Spieler auf dem Platz, der noch nicht begriffen hat, dass Schalke heute nicht in Blau-Weiß spielt. Passt konsequent an den orangenen Spielern vorbei. So genial wie nervenaufreibend.

37.
Pantelic versucht sich als brasilianischer Wunderdribbler. Eine Rolle, die ihm so gut steht wie Jopi Heesters die Rolle des Mitch Bucanan in »Baywatch« stehen würde. Ecke.

40.
Es ist zum Verzweifeln. Pässe und Flanken auf Kuranyi sehen mitunter aus wie Gemälde von Caspar David Friedrich. Die Annahmen indes wie Sprechblasen aus »Fix und Foxi« Heft 43.

41.
Kuhlhoff ebenfalls verzweifelt: »Gucken wir das langweiligste Spiel der Welt?« Überlegen kurz auf Bayern zu schalten. Doch Chef Gieselmann, der im Urlaub weilt, hat die Fernbedienung blockiert.

43.
Dardai vergibt zweitgrößte Chance der Welt. Aus zwei Metern gefühlte sieben Meter am Tor vorbei. Neuer komplett verwirrt. Langweilt sich mittlerweile auch. Möchte ebenfalls Bayern gucken. Zumindest in Fantasie. Doch Chef Büskens hat seine Gedanken blockiert.

44.
Hertha versucht irgendwie Körperteile an den Ball zu bringen. Doch weder mit Nase, Knie noch mit Fuß oder Wade bisher erfolgreich. Favre ruft von außen: »Das Ohr. Ohr!« Trainerfuchs!

Halbzeit
Wir freuen uns auf die zwei lustigen Drei Franz und Sebastian, die uns nun wieder mit Hegel-Zitaten und der alten Rocky-Balboa-Taktikschule überraschen. Vielleicht.

Ächz. Eine Bratwurst im Berliner Olympiastadion: 3,50 Euro. Ein Franck Ribéry: 70 Millionen Euro. Ein Premiere-Nachmittag ohne Beckenbauer: unbezahlbar.

Recherche-Fuchs Kuhlhoff hat die anderen Ergebnisse herausgefunden: 

Hannover - Wolfsburg 0:3
Hoffenheim - Bayern 2:2
Hertha - Schalke 0:0
Stuttgart - Cottbus 1:0
Bochum - Frankfurt 1:0
Dortmund - Bielefeld 1:0
Leverkusen - Gladbach 2:0
HSV - Köln 0:1
Bremen - KSC 0:2

Bock kann es nicht fassen, dass der HSV momentan nicht Mal mehr im UEFA-Cup dabei ist. Ich kann es nicht fassen, dass Schalke in der ersten  Halbzeit so beweglich war wie ein Faultier beim Mittagsschlaf. Als ich vorschlage, dass wir beiden uns gegenseitig in den Arm nehmen, verlässt Bock fluchtartig das 11 Freunde-Ticker Büro. Ich meine, Tränen in seinen Augen gesehen zu haben. Psychoterror nicht nur in den Stadien.

[page]46.
Weiter geht´s. Beide Mannschaften bleiben unverändert. Mist.

47.
Die Hertha macht da weiter, wo sie aufgehört hat. Angriffsversuche und Abseits.

49.
Jahrhundertdribbling von Engelaar im Niemandsland des Spielfeldes. Ergebnis: Ballverlust. Was machen wir hier eigentlich?

51.
Rafinha grummelte jüngst beim 11 Freunde Fotoshooting, dass es in Gelsenkirchen kaum eine ordentliches Restaurant gebe. Auf mein knallhartes Nachhaken, was denn nun die Spezialität in Gelsenkirchen sei, kam ein: »Nur Döner«. Fühlt sich deswegen auch heute in Berlin kaum wohler und bleibt unauffällig. Immer diese Feinschmecker.

53.
Pass von Kobiaschwili. Wieder ins Nirgendwo. Das Schalker Spiel ist momentan so wertvoll wie eine Dose Luft bei ebay.

55.
Genial dieser Ebert. Springt hoch und knockt gleich zwei Schalker, (Westermann und Kobiaschwili) aus. Nur Michael Dudikoff in »American Fighter 2« und Bud Spencer in »Vier Fäuste für ein Halleluja« schafften mehr.

57.
Kuranyi bisher so sichtbar wie eine Milbe im Kopfkissen. Sein Sturmkollege Farfan nicht besser, er versucht sich als Hollow Man. 

58.
Nun mal wieder so etwas wie eine Chance. Ebert schlägt eine Ecke von links, Kacar köpft. Übers Tor. Kevin Kuranyi übt sich derweil im Kopfrechnen.

60.
Pantelic kann es nicht fassen. Scheitert zum achten oder neunten Mal an Manuel Neuer. Trainer Favre steckt ihm sodann einen Zettel mit Neuers Reflex-Formel zu: f(x)=mx+b+9-xy+y=mx+b. Pantelic winkt überfordert ab.

63.
Woronin ist mittlerweile im Spiel. Das veranlasst die Schalker nun, sich mit neun Spielern vor den Strafraum zu stellen. Vorne suchen Kuranyi und Farfan Gänseblümchen. Farfan bietet zudem Kurayni an, ihm paar Zöpfe zu flechten. Es ist so schön, wenn sich die Kinder alleine beschäftigen können.

67.
Erste Pfiffe im Olympiastadion. Will Wowi sich etwa das Hertha-Trikot ausziehen?

68.
Aus dem Nichts so etwas wie eine Chance für Schalke. Jones zieht vom Sechszehner ab, Drobny hält. Nanosekunden später verfallen alle wieder in den gewohnten Tiefschlaf.

71.
Chance für Pantelic. Köpft aber drüber. Neuer will im Abschluss den Klimmzug-Weltrekord brechen. Das Stadion zählt laut mit: »Eins, zwei, drei...«, doch Neuer bricht ab. Er ist eben ein Mann der leisen Töne.

72.
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74.
War kurz draußen. Als ich wiederkomme, liegt Kuhlhoff mit der Nase auf der Rautetaste und schläft. Wecke ihn auf und verdonnere ihn dazu 100 Mal zu schreiben: »Kevin Kuranyi ain't Horst Hrubesch. Und die Rautetaste ist kein Spielzeug!«

76.
Dieter Hoeneß zittert auf der Ehrentribüne und trägt Trikot über Hemd. Sieht so gut aus wie Dieter Bohlen 1989. Ohne Haare.

77.
Kuhlhoff sagt was: »Ich lese nun mal die anderen Ergebnisse vor, ohne die Begegnungen zu nennen.« Dann verliert er sich in Zahlen, die addiert eine Summe im achtstelligen Bereich ergeben. Wir sind derweil bei einem Spiel, wo die Summe... ach egal. Ächz. Bzw.: Äääääächz.

79.
Panetlic geht raus. »War das sein letztes Heimspiel für Hertha?«, fragt Wolf Fuss erst sich, danach sein elektornisches Miniatur-Orakel. Antwort: 3. Gerät scheint defekt.

83.
Ei, der Daus.

84.
Zuletzt schrieb das jemand vor 20 Jahren. Also nochmal: Ei, der Daus. Ähm, ja, im Spiel sehen wir lange Pässe in die Hertha Spitze. Zurück zum Wesentlichen: Ei, der Daus.

86.
Doch noch was? Der Ball springt Engelaar im Strafraum an die Hand. Gibt es Elfmeter? »Der Assistent hat vorher Foul gepfiffen«, weiß Kommentator Fuss. Schiedsrichter Gagelmann war wohl gerade dabei, sich von Pantelic ein Autogramm zu holen .

89.
Hertha hat sich mittlerweile dem Spielniveau der orangenen Macht aus dem Ruhrgebiet angepasst. Während also in allen anderen  Stadien Schützenfeststimmung herrscht, herrscht hier Langeweile wie im Religionsunterricht.

90+1
Die alte Dame Hertha zieht sich ihr schönstes Kleid an und verabschiedet sich artig aus dem Meisterschaftsrennen.

90+2
Das Spiel ist aus. Endlich.Bock korrigiert mich: Hertha hat doch noch eine Chance auf den Titel. Sie müssen nur mit 22:0 gewinnen am letzen Spieltag. Oder Wolfsburg verliert 11:0, dann reichen Hertha elf Tore in einem Spiel. Ich schalte mein imaginäres Hörgerät aus. Ich kann einfach nicht mehr. Zu viele Zahlen. Hier steht ein blankes 0:0 auf der Anzeigtafel. Wenn ich weinen könnte, dann würde ich es tun. Aus Wiedersehen.

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