22.02.2009 | Marcell Lahm van Basten
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Leverkusen-HSV im 11FREUNDE-Liveticker

Ein Heimkomplex zieht seine Kreise. Im Düsseldorfer Regen geht Bayer Leverkusen baden und Marcell Jansen schwimmt sich frei. Am Traumtorsonntag gab Jansen erst den Lahm und dann den van Basten. Dafür machte uns Halbzeitguru Lesniak den Lesniak.

Text: Mathias Ehlers und Andreas Bock Bild: Imago
Das 11FREUNDE-Aufstellungsorakel:

Bayer Leverkusen
R. Adler, Castro, Henrique, M. Friedrich, Kadlec, Rolfes, Augusto, Vidal, Barnetta, Kießling, Helmes

Hamburger SV
Rost, Demel, Gravgaard, Mathijsen, Aogo, Silva, Jarolim, Jansen, Trochowski, Guerrero, Olic
Marcell Lahm van Basten
Bayer Leverkusen
1
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Hamburger SV



Das 11FREUNDE-Aufstellungsorakel:

Bayer Leverkusen
R. Adler, Castro, Henrique, M. Friedrich, Kadlec, Rolfes, Augusto, Vidal, Barnetta, Kießling, Helmes

Hamburger SV

Rost, Demel, Gravgaard, Mathijsen, Aogo, Silva, Jarolim, Jansen, Trochowski, Guerrero, Olic

Bis dahin: Füße hochlegen, Glücksbärchis streicheln, »Germany's next Topmodel«-Wiederholung gucken oder »Alles. Ein fiktiver Tatsachenroman« von Bodo und Bianca Illgner lesen.

16:45
Willkommen in der LTU-Arena. Ihre Piloten heißen: Ehlers (erster Leverkusen-Kutten-Hool - Fan seit 1904) und Bock (HSV-Erfolgsfan seit 1982). Anschnallen und so. Spucktüten nebst dem Juwelierprospekt der Firma Gratz und Co. Jubelfähnchen und Wind auf Anfrage bei Experten-Stewardess Effenberg.

16:48
Die erste Wette läuft: Bock glaubt, sein HSV wird die Seitenwahl gewinnen. Ich halte eine Prinzenrolle dagegen. 

16:52
Wer hat auf neutralem Platz eigentlich Heimvorteil? Bock zuckt die Schultern.

16:53
Derweil er auf ein altes Bild blickt, das ihn im HSV-Trikot zeigt, erklärt Bruno Labbadia die Kultur der Haare: »Damals war ich Spieler, heute bin ich Trainer.« Deswegen läuft auch Helmes heute im formvollendeten Vokuhila und Italo-Schnauzbart auf und Labbadia im Hugo-Boss-Mantel.


16:59
Die Spannung steigt. Die Sache mit der Seitenwahl lässt uns keine Ruhe mehr. Wird Lisa Simpson gar als Sieger hervorgehen? Ach nein, das ist das Maskottchen. Und sowieso, Jarolim, das alte Pokerface, gewinnt die Wahl. 

1.
Helau. Anstoss. Erster Fehlpass nach 5 Sekunden.

3.
Tag der Jugend in Düsseldorf. Der Linienrichter erscheint äußert juvenil.

5.
Bock futtert meine Kekse. Ich wette nie mehr auf Seitenwahlen.

7.
Gravgaard noch ohne Fehler. Scheint sich, der Bundesliga angepasst zu haben. Bock fallen Krümel aus dem Mund. 

10.
Der HSV macht jetzt auch mit. Premiere-Supermann Reif flüstert ihnen, Bayer habe einen Heimkomplex. 

11.
Während Bruno Labbadia das Spiel zu lesen versucht wie ein YPS-Heft, starrt Martin Jol regungslos vor sich hin. Er zählt bis zur Unendlichkeit – zum zweiten Mal heute. 

12.
Oh - ein erster Aufreger. Jol bewegt sich, greift zur Flasche und spritzt sich das Wasser in den Rachen. Erste Anzeichen von Erschöpfung? Zweiter Aufreger: Matjisen senst Barnetta mit einem Michael-Dudikoff-Gedächtnis-Kick um.

14.
Es regnet und regnet. Olic ist jetzt durchtränkt wie nach einem 5000-Meter-Wettschwimmen mit Franziska van Almsick. Oder nach einer Arschbombe vom Ein-Meter-Brett. Demel schöpft Wasser aus seinem Nacken ab und träufelt es in die Flasche von Jol.

16.
Dritter Aufreger: Trochowski gewinnt Kopfballduell. Gegen den Balljungen?, fragt Ehlers.

17.
YESSSSSSS! TOOOOOR für den Deutschen Meister 2009! Jansen macht's wie Lahm 2006. Auf halblinks verlädt er die halbe bayer-Abwehr und nascht den Ball mit rechts ins Tor. Makrele! Ahoi! 

19.
Dank der Superzeitlupe erleben wir einen erhabenen Moment: Martin Jol macht die Beckerfaust. Nie wieder wünschten wir uns mehr, das Bild würde für ein paar Minuten einfach anhalten. Ein Mann wie ein Gemälde von Caspar David Friedrich, ein Gedicht von Goethe oder ein Aufschlag von, genau, Boris Becker.

23.
Gelb für Castro. Doppelsohlig in Jansen gesprungen. Das hat der nun von seinem Tor. Castro als Verteter des Faustrechts.

24.
Jarolim verzieht maßlos. Bock springt trotzdem auf und reisst die seine Prinzenrolle um.

26.
Bock schaut sich die virtuelle Tabelle an. Kann sein Glück kaum fassen. Gleich mach ich bei ihm den Castro.

29.
TOOOOOOOOOOOOOR! Von wegen Heimkomplex. Helmes atzt sich um Mathijsen und verlängert die Flanke am Hamburger Torwartveteran vorbei ins Tor. Dessen Gemecker hört man bis in die BayArena.

32.
Der Druck an der Tabellenspitze ist zu groß. Der HSV bricht ein. So geht es in diesem Jahr allen Teams. Nie war es für Cottbus leichter, Meister zu werden.

34.
Bock ist ruhig wie ein Fisch. Seine Kekse lutscht er nur noch. 

36.
Völlig von der Rolle, der HSV. Jol unterbricht die zweite Zählung der Unendlichkeit und plant seine Roundhousehalbzeitansprache.

38.
Jols Stuhl wackelt. Sein potentieller Nachfolger Rehhagel ist schon im Stadion.

39.
Und Peter Neururer schaltet sein Handy an. User »Hallenrasen« fragt übrigens: »Wie hat der Helmes den um die Ecke bekommen?« Experte Lesniak wird in Halbzeitpause antworten. Wir vermuten: Der hat X-Füße. So wie dieser Litti.

41.
Leverkusen jetzt am Drücker. Wenngleich Alex Silvas Beine in den letzten Minuten noch um ein paar Zentimeter gewachsen sind. Müsste man mal auf Kopfhöhe bedienen – und er könnte das Ungeheuer machen. Doch auf mich hört ja niemand.

45.
Die Bayer-Führung naht. Freistoss aus guter Position. Gravgaard muss raus, Benjamin rein. Trotzdem Freistoss.

45+1.
Der Freistoss führt zum Abstoss. Der Abstoss führt zum Pausenpfiff. Der Pausenpfiff führt zum Pausentee...Bock hechtet zum Telefon, um Marek Lesniaks Expertise abzugreifen. Einer muss Bock diesen Sport ja erklären können. Ich hab's lang genug versucht. Erfolglos.

17:51
Hoffenheimer Doping-Diskussion in der Halbzeit. Zwei TSG-Spieler kamen 10 Minuten zu spät zum Pipi machen. Die Chefaufklärer Effe, Beiersdorfer und Völler erzählen Premiere-Beau Nickles, dass das alles Kokolores ist. Die Jungs scheinen Recht zu haben. 

17:54
Rudi Völler erzählt Fussballdeutschland, dass er früher auch mal Stürmer war. 

17:55
Effe ist auch begeistert vom Helmes-Treffer. Er glaubt, Völler hätte ihn früher nicht gemacht. Rudi erzählt das Gegenteil. Aussage gegen Aussage.

17:57
Rudi freut sich, als Hoeneß-Nachfolger gehandelt zu werden. Weiß aber nicht, ob er nach München will.

HALBZEITANALYSE VON MAREK LESNIAK:

Marek Lesniak, unser User »Hallenrasen« fragt: »Wie hat der Helmes den um die Ecke bekommen?«

Der Helmes hat einfach super Nebenleute. Die legen ihm die Bälle perfekt auf. Und mit Kießling hat er einen kongenialen Partner, der stets zwei Leute auf sich zeiht und so die Räume für Kießling freimacht. Deswegen hat Gekas auch nicht zu Kießling gepasst.

Das klingt ja wie früher, als Lesniak die Räume für Kirsten schuf.

(lacht) Ja. So in etwa. Ich war damals eine Art Kießling, Kilometer ohne Ende abgelaufen, aber bei weitem nicht so viele Tore gemacht wie der Ulf. Kirsten hat allerdings viel mehr Kopfballtore gemacht als Helmes. Er war mehr Wühler. Helmes hingegen hat eine perfekte Schusstechnik, er kann's links wie rechts.

Wenn Leverkusen heute gewinnt...

...kommen sie unter die ersten Vier. Über Meisterschaft sollte man noch nicht sprechen, man muss ja noch nach München, dort haben die seit 20 Jahren nicht gewonnen. 

[page]46.
Danke Marek! Auf geht's in die 2. Halbzeit. Leverkusen spielt zu Beginn eine Partie Billard im Hamburger Strafraum, versenken aber die schwarze Kugel beim vierten Schuss selbst. Helmes erklärt seinen Mitspielern nochmal die Regeln.

48.
Labbadia schickt siene Ersatzspieler zum Einlaufen, die Bayer-Ultras stimmen ihre Chants an, Martin Jol zählt nun schon zum vierten Mal bis zur Unendlichkeit und der Linienrichter ist in der Halbzeitpause nicht nach seinem Perso gefragt worden. Ein seltsam normales Spiel.

50.
Leverkusen rennt nun an, ohne dass von ihren Angriffen Gefahr ausgehen würde – »bemüht« würde im pädagogisch-wertvollen Zeugnis stehen. Hier steht: Note 4. 

54.
Die Bayer-Offensive und die HSV-Abwehr schliessen einen Angriffspakt. Beide Seiten halten sich daran.

55.
Das Spiel geht nach wie vor eher hin als her.

58.
Guerrero macht laut Reif ein »Klassespiel«. Bock gibt Reif recht. Mir ist das egal.

59.
Freistoss für Bayer. Helmes zieht ab. Um eine Carsten-Jancker-Haaresbreite vorbei. 

61.
Jetzt sieht Reif ein »sehr ordentliches Bundesligaspiel«. Großchancen dennoch so Mangelware wie Pokale im Bayer-Trophäenschrank. 

62.
Ehlers surft bei Konkurrenztickern, die total freakige Live-Tabellen im Minutentakt von emsigen Hamstern errechnen lassen, und stellt fest: »Wenn es so bleibt, ist Wolfsburg nur vier Punkte vom ersten Platz weg.« Fast zu schön, um wirklich schön zu sein.

65.
Derweil fragt sich Ulf Kirsten im Sonnenstudio umme Ecke: Wird Patrick Helmes der neue Vedad Ibisevic?« Zumindest sagt man von ihm: Er schläft bei Licht. Nicht weil er Angst vor der Dunkelheit hat, weil die Dunkelheit Angst vor ihm hat.

67.
TOOOOOR. Jansen zuckert den Ball mit Wucht von links volley ins lange Eck!!

68.
Nach der Zeitlupe sind wir uns sicher: Wie Marco van Basten im 88er EM-Endspiel gegen die UdSSR. Fast jedenfalls. Macht Jansen beim ersten Tor den Lahm, nun den van Basten, müsste gleich noch der Maradona folgen. Der Beginn einer großen Karriere? Oder nur die warholschen 15, äh 90 minutes of fame? 

70.
Der HSV nun wieder Tabellenführer. Wolfsburg wieder sechs Punkte weg. Wirklich schön diesmal.

71.
Vidal, dieser quirlige chilenische Chilene aus Chile, fängt an zu nörgeln. Schiedsrichter Meyer verspricht ihm ein Spaghetti-Eis nach dem Spiel.

74.
Bayer jetzt irgendwie neben der Spur. Jansen rockt sich auf links in den Strafraum, seine Eingabe wird aber verpasst. Bock küsst seine Jansen-Autogrammkarte und will mir ein Premiere-Freundschaftsabo aufschwatzen.

77.
Es riecht nach dem 1-3. Bayer verzweifelt an der HSV-Abwehr. 04-Maskottchen Lisa Simspon tritt wütend in eine Werbetonne.

79.
Erwische Bock beim Surfen auf Quelle.de. Suchwort: HSV-Bettwäsche. Ich empfehle ihm Satin. Charisteas und Dum sollen jetzt das Spiel auf den Kopf stellen. Bock lacht nur.

81.
Friedrich mit der Boenisch-Gedächtnisflanke hinters Tor. Die Folgen des Heimkomplex. Ich setze eine weitere Prinzenrolle auf Charisteas.

82.
Olic auf links ganz alleine gegen drei Leverkusener. Sprintet trotzdem als sei es die erste Minute des Spiels. Mitunter fragt man sich, wer den Kroaten vor dem Spiel wie ein zitterigen Blechhamster aufzieht. Und ob Olic auch beim Auslaufen noch Sprinttraining macht. 

85.
Der HSV mit Konterchancen. Erst verzieht Guerrero mit einem schicken Schuss von halblinks knapp, dann rennt Olic – natürlich – alleine auf Adler zu. Erst feiner Üebrsteiger, dann das leere Tor vor Augen. Doch Adler klappt schneller runter als ein Klappmesser aus Berlin-Marzahn. Super gehalten.

86.
Boateng, seit gefühlten drei Minuten im Spiel, verabschiedet sich mit Gelb-Rot. Reif sagt: »Ein junger Spieler!« Und damit alles voll okay, Jol darf für ihn einen Ersatzspieler einwechseln.

88.
Labbadia knetet seine Unterlippe und überlegt ernsthaft, ob er sich selbst einwechselt. Der vierte Schiedsrichter weist ihn wieder auf die Bank – Labbadia fehlen die Schienbeinschoner.

90. +1.
Die letzte Minute. Adler joggt nach vorne, gibt Rost im Luftkampf fast ein High Five. Bringt nichts, der Ball segelt über das Tor.

ENDE! AUS! Der Hamburger SV gewinnt in Leverkusen und Martin Jol feiert mit Dietmar Beiersdorfer fast so wie Magath und Hrubesch in Athen 83. Ein »nicht unverdienter Erfolg«, weiß Marcel Reif, Ehlers indes kauft sich online eine HSV-Dauerkarte. Und Helmes fragt Bernd Hoffmann nach fehlenden Panini-Bildchen. Und nach einem Vertrag. Wir verabschieden uns aus der Düsseldorfer LTU-Arena, lauschen noch ein bisschen Reinhard Meys »Über den Wolken« und verschwinden in der Nacht von Friedrichshain. Tschühüss! PS: Der HSV ist Tabellenführer!

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