03.04.2013 | Malaga-Dortmund im Liveticker
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Wo war Jens Jeremies?

Als Martin Demichelis und Roque Santa Cruz für den FC Bayern in der Champions League, setzten Mario Götze und Marco Reus noch Legosteine zusammen. Am Mittwoch neutralisierten sie sich in Malaga. Die Frage ist nur: Wo war Jens Jeremies? Keine Antworten hat: Der Ticker.

Text: Moritz Herrmann und Andreas Bock Bild: Imago

Malaga: Willy - Jesus Gamez, Demichelis, Weligton, Antunes - Toulalan, Iturra - Joaquin, Isco - Julio Baptista, Saviola. Trainer: Pellegrini

Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Felipe Santana, Schmelzer - Gündogan, Kehl - Großkreutz, M. Götze, Reus - Lewandowski. Trainer: Klopp

FC Malaga
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Borussia Dortmund

18:57 Uhr

Ihr habt ja Recht! Wir sind spät dran. Manchmal spielt uns das moderne Leben einfach einen Streich – heute haben wir zum Beispiel um 5 Uhr morgens angefangen, das Spiel Malaga-BVB zu tickern, doch eben erst bemerkten wir, dass der Rechner gar nicht angeschlossen war. Sachen gibt's. Dafür ein Mördergag zum Einstieg: »Malaga!« – »Waffel oder Becher?«

19:05 Uhr

Ansonsten geht's uns aber gut, danke der Nachfrage. Und damit ihr auch mal seht, wie es hier vor Champions-League-Spielen aussieht, haben wir unseren Praktikanten Shaquille O'Neal auf einen Rundgang durch unsere Redaktion geschickt: https://www.youtube.com/watch?v=MGvgVvfoiyM

19:15 Uhr

Die »Bild« hat heute über ihre App vermeldet: »Blaszczykowski und Kuba fallen aus.« Wenn jetzt noch Robert und Lewandowski ausfallen, sollte Klopp über eine neue Taktik nachdenken. Vielleicht mit Jürgen im Sturm.

19:37 Uhr

Bei Facebook werden mir seit geraumer Zeit drei Seiten empfohlen, die ich gerne mal anklicken würde, bei denen ich aber auch ein bisschen Sorge habe, dass der Computer dann explodiert. Erstens: Die Gruppe »Wir hassen 11FREUNDE«. Zweitens: Die Seite »Lerne eine erstaunliche Erkenntnis kennen, die zu gewaltigem Bizeps führt«. Drittens: Eine Seite, die für Wrestlemania wirbt. Kurzum: Hass, Muskeln, Schlägereien. Fazit: Ich sollte in der Mittagspause weniger alte HSV-Westkurven-Dokus gucken.

19:52 Uhr

Falls es heute Abend unerwartet zu einem »Platzsturm« auf 11freunde.de kommen sollte, empfehlen wir unsere zweitliebste Seite: antworten.de. Da kann man ganze Tage verbringen.

19:59 Uhr

Für alle, die sich fragen, warum draußen heute alle mit T-Shirt rumgelaufen sind: Lothar Matthäus hat über seine neue Facebook-Seite »Frühlingsgrüße aus dem schönen Österreich« verschickt. Außerdem schreibt er »Servus«, »Grüsst Euch!« und »Euer Lothar«. Dazu posiert er mit einem Blumenstrauß und lächelt ein wenig in die Kamera. Ein Bild wie eine 80er-Jahre-Sonntagmorgen-Show auf dem ZDF. Mit Michael Schanze. Oder Lothar Matthäus. Wir sind verliebt.

20:12 Uhr

Ich liebe diese Mail, die jeden Tag gegen 20:04 Uhr in mein Postfach flattert und wegen der ich schon manch ein Fußballspiel verpasst habe. Sie beginnt so:

»Guten Tag, Ich glaube, Sie sind eine hoch angesehene Personlichkeit, das dritte Mal, dass ich schreibe Ihnen bin ein E-Mail ist, My name Zuliu Hu ist, arbeite ich mit Hang Seng Bank hier in Hong Kong. I brauchen Ihre Hilfe bei der Durchfuhrung einer Transaktion zu 30% der gesamten Mittel als Entschadigung fur Ihre geben wollen Hilfe.«

Da ich seit einiger Zeit den anschließenden Instruktionen folge, werde ich vermutlich demnächst sehr reich sein. Ich werde dann etwas kaufen. Etwas sehr Großes. Zum Beispiel einen Turm.

20:17 Uhr

Guten Abend, hier Herrmann. Bock prüft seinen Kontostand, das ZDF zeigt immer noch Küstenwache. Sieht beides miserabel aus. Vielleicht mache ich mir noch einen Tee? Hm. Ja. Vielleicht.

20:21 Uhr

Die Tausendsassa vom ZDF lassen in »Küstenwache« einen kleinen Jungen Drachen steigen. Der Junge lächelt glücklich und entrückt, trägt aber ein T-Shirt mit dem vielsagenden Ausdruck: MAD WORLD. Schleichkulturpessimismus. Dann folgt eine Abblende, und die Champions-League-Hymne scheppert aus den Boxen. Wenn man so will: Kulturpessimismus in forgesetzter Form.

20:24 Uhr

Aus dem Rosaleda, dem Rosengarten, begrüßen uns Oliver Kahn, die Orchidee unter den Experten, und ein Schulanfänger, der irgendwie an US-Hollywoodbube Michael Cera erinnert. Knallharte Recherche ergibt: Jochen Breyer.

20:28 Uhr

Was man über Jochen Breyer nicht wissen muss:

  • 1982 in Heidelberg geboren

  • Abitur am Friedrich-Hecker-Gymnasium in Radolfzell

  • freiwilliger Auslandsaufenthalt in Canberra, Australien

  • 2006 Magister Artium an der Universität München

  • lebt sogar immer noch in München

  • Hobbys I: Reisen, »möglichst lang und weit weg«

  • Hobbys II: ruht sich gerne auf seinem Balkon aus

  • Hobbys III: Gitarre

Und diese 15,4 Sekunden eures Lebens kriegt ihr nie wieder. Versprochen.

20:31 Uhr

Jürgen Klopp, von Breyer an den Tisch charmiert, sieht mehr denn je aus wie Harry Potter, allerdings mit 3D-Brille. Das Viertelfinale gegen Malaga sei, so Klopp, »das größte, was uns je passiert ist.« Darin kann man jetzt eine Geringschätzung von Meisterschaft, DFB-Pokal und den Siegen über Bayern lesen. Muss man aber nicht. Wir haben uns noch nicht entschieden.

20:33 Uhr

Rückblende, die ZDF-Archivare haben ganze Arbeit geleistet, und wir sehen BVB vs FCB, anno Ende 90er. Was dann kommt, ist verbaler Infight.

Kahn: »Dass ihr die alten Kamellen wieder auskramen müsst!«

Klopp: »Das war doch...«

Kahn: »Rückspiel 1:1, und dann hätten wir da aber...«

Klopp: »Nein, Olli! Das hätte gar nicht gereicht.«

Kahn: »Doch, 1:1 hätte gereicht.«

Und plötzlich Bob Dylan: »Half of the people can be part right all of the time,
Some of the people can be all right part of the time,
But all of the people can't be all right all of the time.«

20:37 Uhr

Malaga gegen Dortmund, das ist auch das Duell vom Geldadel (wenn auch verblichenem) gegen solides watzkisches Wirtschaften, von künstlichem gegen das gesunde Wachstum, kurz: von Mario Adorf alias Heinrich Haffenloher vs. Baby Schimmerlos.

20:41 Uhr

Das Rosaleda, in das beide Team soeben eintraben, versprüht provinziellen Charme, denke ich, und suche noch nach dem Platzwart, der kurz vor ultimo die Linien kreidet - aber da schwenkt die Regie auch schon auf die Tribüne: Ruud van Nistelrooy im Touristenoutfit flirtet mit Antonio Banderras. Im Vergleich dazu muss man den Bender ersetzenden Sebastian Kehl schon fast einen D-Promi nennen.

20:45 Uhr

Eilmeldung: 11FREUNDE will die Redakteursgehälter nicht mehr zahlen, kämpft gegen den Fiskus. Bock und ich vor dem Aus. Wir müssen jetzt improvisieren.

1.

Anstoß. Und schon wird die wichtigste aller Fragen geklärt: Wie sprechen wir den Namen »Demichelis« aus? Beim ZDF entscheidet man sich für »Demikelis«. Danei erklärte Jörg Wontorra doch einst so anschaulich: »Demitschelis! Mit ›tsch‹ – wie Schule.«

5.

So, das Spiel läuft und die erste Chance des Spiels hat: Javier Saviola. Ja, richtig, das ist dieser Argentinier, der vor circa 20 Jahren als nächster Diego Maradona gefeiert wurde. Nach ein paar Jahren war aber klar: Er bleibt Javier Saviola. Erinnert an unsere eigenen Karrieren. Ein bisschen.

8.

Dortmund versucht sich an dieser Sache namens Pressing. Macht das so konsequent, dass Gündogan gegen einen Gegenspieler läuft und einfach so umfällt. Auch wie bei uns. Nur dass sich diese Sache bei uns nicht Pressing, sondern »Rauf da!« nennt.

10.

Gündogan steht wieder. Der ZDF-Mann weiß: »Er sieht völlig normal aus in seinem Bewegungsablauf.« Schade. Wir hatten erwartet, dass er jetzt auf Knien läuft und mit seinen Orläppchen schießt. Doch wie sagte Oma schon: »Träume sind Schäume.« 

13.

Tor! Nein! Doch! Nicht! Mein Herz! Mario Götze rennt alleine aufs Malaga-Tor zu und dann und dann und dann... erschrickt er sich vor dem Torhüters: Willy Caballero. Ein Name wie ein MDR-Köstumfilm und eine »Wetten, dass?!«-Saalwette. Ächz, wir sind am Ende! 

19.

Wieder Götze, wieder Caballero, wieder vereitelt. Bislang ein Spiel wie ein Abend mit Fips Asmussen.

21.

Das RTL berichtet auch über dieses Viertelfinale, allerdings in anderem Format: Die 25 gewagtesten Schönheits-Experimente, moderiert von Sonja Zietlow. Bock, der schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken spielt, O-Ton, »ein wenig was machen zu lassen, Augenbrauen wie Klopp oder dem Hummels ihm sein Lächeln«, will sofort umschalten, landet aber in der Verkaufshölle von QVC. Bestellt zwei Gänsebräter zum Preis von dreien.

23.

Klopp hat seinem Team angeblich ja auch akribische Defensive verordnet, aber Dortmund stürmt und drängt wie Schiller auf Ritalin. Je strenger der Bischof, desto säuischer die Ortschaft. Leider steht Lewandowski im Abseits.

23.

Klopp hat seinem Team angeblich ja auch akribische Defensive verordnet, aber Dortmund stürmt und drängt wie Schiller auf Ritalin. Je strenger der Bischof, desto säuischer die Ortschaft. Leider steht Lewandowski im Abseits.

25.

Im gewaltigen Blätterrauschen um einen möglichen Transfer von Lewandowski wird meines Erachtens die viel wahrscheinlichere Option vergessen: Dass dieser Mann mit der Erfolgsbilanz zum Saisonende ins zweite Glied zurücktritt und sich um die vereinseigene Jugendabteilung kümmert.

28.

Mitten hinein in die Dortmunder Attacken sticht der FC Malaga. Saviola (»El Conejo«) ist frei durch, bringt den Ball aber aus kurzer Distanz nicht im Tor unter. Weidenfeller gibt dem Kaninchen eine Möhre extra, denn es hat dem BVB gerade das Remis gerettet.

29.

Réthy hyperventiliert in sein Mikrofon, ausnahmsweise sogar zurecht, denn einmal mehr bricht Lewandowski durch die spanische Abwehr, im Strafraum kommt er zu Fall. Referee Eriksson verlegt den Klammergriff an den Sechzehner, Rethy jubelt über die sperrende Karte für Weligton. Das ist dann deutsche Erregungsindustrie at its best. Der nachfolgende Freistoß bringt übrigens nur Hass ein.

32.

Immer wenn ich Demichelis in Nahaufnahme sehe, muss ich an die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg denken. Immer wenn ich an Bad Segeberg denke, muss ich an Obst und Schwarzbrot aus Tubberdosen denken. Immer wenn ich an Tubberdosen denke, muss ich daran denken, dass dieses Wort eigentlich mit Doppel-P geschrieben wird, das aber eigentlich keinen Sinn macht, da man es ja »Tubber« ausspricht. Ich jedenfalls. Und Jörg Wontorra bestimmt auch: »Mit Doppel-B – so wie in Pappschachtel.«

34.

Der FC Malaga nistet sich jetzt in der Hälfte der Dortmunder ein. Das sollte schleunigst unterbunden werden. Irgendwie. Sind Flitzer eigentlich out? Und wenn ja: Warum sitzen wir dann hier nackt?

36.

Die BVB-Spieler storchen nun ein wenig gespenstisch durch die eigene Hälfte. Dazu dieser Mann mit der Maske. Eine Abwehr wie eine Gehgeisterbahn. Rethy glaubt, dass es sich um Schmelzer handelt. Wir haben in Malaga angerufen, es ist: Knut Reinhardt.

38.

Es riecht, nun ja, nicht unbedingt nach einem Tor, aber doch nach einer Großchance. Und zwar für Malaga. Die spielen jetzt ein wenig wie der FC Bayern. Der BVB weiterhin wie der BVB. Dummerweise haben wir nicht mehr 2012.

41.

Was den Dortmundern bisher noch nicht aufgefallen ist: Malaga spielt mit einer höchst riskanten Abseitsfalle. Schon zum zweiten Mal versuchen sie erfolglos Reus ins Abseits zu stellen. Doch was sie auch versuchen, ein Marco Reus steht nie im Abseits. Er ist immer da. Der gute alte Lothar-Matthäus-Effekt.

44.

Romaaaaaaaan Weidenfeller. Wäre ich eine Parade, wäre ich gerne diese! Leider bin ich nicht mal eine Grätsche.

45.

Halbzeit, Freunde! Es steht 0:0 – es hätte aber auch andersherum stehen können. Kurz vor dem Pausenpfiff vereitelte Willy Caballero noch einen BVB-Chance. Wir nutzen die Halbzeit, um beim Amt einen Namenswechsel zu beantragen: Von Moritz Hermann und Andreas Bock zu Willy Caballero! Das ist wie von Opel zu Ferrari. Oder von Dr. Best zu Dr. Socrates. Und was macht ihr?

21:33 Uhr

Ja, Halbzeit, Kollege Bock hat Recht. Die Pause des kleinen Mannes. Der ZDF schaltet zu Klaus Kleber, wir schalten auf Durchzug. Oder steht ihr etwa auf leidenschaftslos geraffte Bilanzziehungen? Nun, dann bitte: Dortmund schlechter und Malaga besser als gedacht, ergo sum noch 0:0. Weder ein 0:0 der besseren noch der schlechteren Sorte, sondern ein 0:0 der 0:0er-Sorte. Uns sind das die liebsten.

21:37 Uhr

Oha! Die 14. Lotto-Ziehung am Mittwoch war getürkt (ist getürkt eigentlich ein Adjektiv, dass unsere Freunde am Bosporus bzw. den wackeren Andreas beleidigt? Meldung bitte nicht uns) und musste wiederholt werden. Ich starre auf mein Schein: 6 6 6 6 6 6, Superzahl 6. Knapp, aber vorbei.

21:42 Uhr

Es sind audiovisuelle Tsunamis, die das Heute-Journal auf den armen Zuschauer rollt. Wenn Sie für die Überlebenden spenden wollen:

Rundfunkbeitrag

Postbank Köln
Kto. 123 456 503

BLZ 370 100 50

21:45 Uhr

Die Dortmunder Angriffbemühungen im ersten Durchgang waren, das lehren uns auch Kahn und Breyer, bisweilen zu kompliziert. Wir haben das mit dem Redaktionstiger mal nachgestellt:

21:46 Uhr

»Ich habe noch nie ein Champions-League-Spiel mit so vielen Großchancen gesehen«, flötet Breyer, der aber wahrscheinlich in Summe noch gar nicht so viele Champions-League-Spiele gesehen hat. A propos Breyer: Wieso glauben Moderatoren, dass es okay ist, Fußballphrasen abzufeuern, wenn man diese vorher süffisant lächelnd ankündigt mit »Achtung, Fußballphrase!«? Lieber Breyer: Ist es auch dann nicht.

46.

Das Heute-Journal hatte übrigens noch erschreckenden Fakten: Jeder Deutsche hat 2012 eine Badewanne voll Alkohol getrunken. Egal, Spiel geht weiter. Prost!

48.

Gut, dafür wurde also das Wort »Chance« erfunden: Götze passt flach nach innen, Lewandowski steht mutterseelenallein auf dem Elfmeterpunkt und braucht den Ball eigentlich nur noch einschieben. Er entscheidet sich allerdings für die Variante »11FREUNDE-Betriebsmannschaft beim Torschusstraining«. Der Ball segelt ins Seitenaus.

49.

Ich habe immer noch die Expertisen von Olli Kahn im Ohr. Geht nicht weg. Als dieser in der Pause dem ZDF-Nachwuchsmann von alten Spielen erzählte, dann ließ er die Namen seiner ehemaligen Mitspieler über die Lippen gleiten, als erzählte er aus Zeiten der französischen Revolution: »Carsten!«, sagte er zum Beispiel, dann Pause. Dann nochmal: »Carsten Jancker!« Oder: »Mehmet«. Dann wieder Pause, dann Fingerzeig, dann: »Mehmet Scholl! Denn kennst du ja auch noch, oder?« Stopft er sich gleich seine Pfeife und setzt sich in den ZDF-Ohrensessel?

52.

Bela Rethy informiert: »Bleiben Sie dran: Gleich kommt Karl-Heinz Riedle zu Markus Lanz.« Wir informieren: »Geht nicht, wir müssen noch ein paar neue Katzenvideos auf Youtube gucken.«

53.

Dortmund setzt jetzt verstärkt auf Angriff. Reus auf Götze auf Gündogan. Spieler wie ein Klavierstück. Doch Demichelis, dieses Freejazzgewitter, hält immer eines seiner acht Beine dazwischen.

59.

Besonders schön: Der Banner aus Detmold ist wieder da. Wäre »Detmold in Malaga« ein Gericht, wäre es vermutlich Currywurst an Fruchteis. Lecker.

61.

Demichelis ist jetzt überall. Vielleicht auch, weil ich kaum einen anderen Malaga-Spieler kenne. Vielleicht aber auch, weil Demichelis heute die Position »falscher 6,5er mit Faible für die Doppelfünf« spielt. Was das ist, erfahren Sie morgen. Hier. Vielleicht.

62.

Ou la la! Bzw.: Tou-la-lan!

64.

Das Tempo zieht an, und zwar in diesem Moment in Person von Mario Götze. Aber der Justin Bieber des deutschen Fußballs randaliert das Leder am langen Pfosten vorbei. Will sein Image vom braven Goalgetter einreißen.

65.

Isco! Disco! Iscofieber! Dachten wir jedenfalls. Aber der Versuch des Jungspaniers geht ins Leere wie die Suche nach wahrer, echter Liebe im Berghain morgens um 8 Uhr. Bock und ich tanzen auf der leeren Redaktionstanzfläche eine einsame Lambada.

66.

In eine kurze Verschnaufpause schneidet die ZDF-Regie die bisherigen Großchancen. Was ist eigentlich das Gegenteil von Penetrationsverweigerung? Penetrationsekstase? Auf jeden Fall ist der BVB aktuell, mit Wolfram Eilenberger gesprochen, die männlichste Mannschaft im europäischen Fußball. Wir entdecken sogar bei Götze das erste Barthaar auf der Oberlippe. 

68.

Stichwort: Penetrationsverweigerung. Bock will sich Bleistifte in die Augen rammen, zielt aber immer daneben. Lange schaue ich mir das nicht mehr mit an.

71.

Ein Satz, den man in cirka siebzig Jahren auf den Grabstein von Julio Baptista meißeln wird: »Er wollte die Welt erobern, scheiterte aber schon an Kehl.« R.I.P. Halbfinale.

73.

Mario Götze will partout nicht erwachsen werden, tollt und tobt durch die spanische Hälfte, als wäre diese das IKEA-Kinderparadies. Ein kickender Peter Pan – bis Martin Demichelis, dieser Hook des Fußballs, dazwischenstelzt. Die Sache hat also doch einen Haken.

74.

Santana gelingt heute ausnahmslos alles in der BVB-Defensive, er blockt die zarten spanischen Bemühungen mit Vehemenz ab. Der Mann würde auch den koreanischen Konflikt befrieden, er könnte in die Herbertstraße marschieren und die dortigen Prostituierten zur Heilsarmee bekehren. Sankt ana!

75.

Santa Cruz kommt für Baptista. Prognose: Wenn Roque ein Tor macht, werden die Dortmunder Sportfreunde stiller.

77.

»Malaga ist die Stadt der Künstler. Pablo Picasso wurde hier geboren. Er fing schon mit sieben Jahren an zu malen. Das machen viele Kinder, aber er konnte es besser«, schlaumeierte es vorhin übrigens aus der Eremitage der Sprecherkabine. Réthy fing seines Zeichens schon mit sieben Jahren zu reden an.

79.

Undercuts, wohin das Auge blickt. Dabei ist dieser groteske Schnitt doch gar nicht anderes als ein frisierter Hilfeschrei, ein Protest im Kleinen, wie er mal von Jacques Tati erfunden wurde. Eine ganze Generation von kreuzbraven, angepassten Jungspielern schert sich die Schläfen und gelt sich den Mob himmelwärts, um zu zeigen, dass sie eigentlich ein bisschen frech und rebellisch seien könnten, wenn man sie denn ließe. Der Undercut ist das letzte Mittel der Revolte, wie in der DDR, wo so viel miteinander gebumst wurde, weil alles andere verboten war. 

80.

Die Partie ist jetzt auf eine verwelkte Art hübsch, also auch auf adrette Art hässlich. Lieber FC Malaga, auf Inspiration warten, das ist immer ein Passwort für Faulheit, eine Entschuldigung für das Nichtstun. Aber wer bin ich, euch zu rügen! »Open your world«, ermutigt mich die Heineken-Werbeband am oberen Bildrand. Und ich traue mich nicht, da ich habe zu viel Angst vor dem habe, was drin ist.

81.

Roque Santa Cruz macht sich ganz gut in einer Mannschaft mit Martin Demichelis. Die Frage ist nur: Wann kommt Jens Jeremies?

83.

Wir warten auf den Satz von Rethy: »Mit einem 0:0 kann der BVB gut leben.« Vorschlag: Schmiert euch ein Schwarzbrot, macht euch einen Tee und wartet mit uns. Oder trinkt weiter an der Badewanne voller Alkohol.

84.

Julian Schieber auf halbrechts. Versucht den Ball mit links hoch in die lange Ecke zu ziehen. Das mit dem hoch klappt. Eine Ecke findet er auch. Leider nur irgendeine auf der Tribüne.

86.

TOR! Ach, nee, war nur ein Foul am Mittelkreis. Wie man sich täuschen kann.

87.

Genauso heftig und schnell, wie Scheich Abdullah Al-Thani seine Millionen in den FC Malaga pumpte, verließ ihn die Lust am spanischen Spielzeug auch schon wieder. Quasi: ADS auf ganz hohem Niveau.

87.

Schön. Malaga wechselt scrabble-artig: D, u, d und a für I, s, c und o.

88.

Antures schießt aus der Ferne. Drüber. Rethy atmet auf und das Mikrofon atmet zurück. Klingt interessant. Demnächst auch als Hörbuch.

91.

Jetzt beginnt wieder dieser Mist mit der Nachspielzeit. Der Schiedsrichter hat 3 Minuten verordnet. Klopp wechselt nochmal: Mario Götze raus, Oliver Kirch rein. Klingt nach totaler Offensive.

92.

»Noch eine Minute«, informiert Rethy und klingt nun wie die Erzählstimme eines ZDF-Mehrteilers übers Kaiserreich. Kann der Mann auch Katzenvideos auf Youtube vertonen?

94.

Vorbei. »Ein 0:0«, sagen wir. »Ein 0:0 der besseren Art«, wird Rethy gleich sagen. Jetzt, ja... nein... doch... nö... schade.

22:39 Uhr

Und aus. Ein torloses Remis im Rosengarten, ein 0:0 der 0:0er-Art, kurz: ein zu langes Spiel für dieses kurze Leben. Der Ticker zitiert Peter Hein: »Ich bin nicht verbittert, ich finde nur alles scheiße.« Ganz so schlimm war es zwar nicht. Viel besser aber auch nicht. In diesem Sinne verabschiedet sich der Ticker in die alkoholgefüllte Badewanne. Tschüß, gute Nacht und adé!


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