07.11.2012 | Madrid-Dortmund im 11FREUNDE-Liveticker
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We have grandios 87 Minuten gespielt

Roman Weidenfeller: Ein Grizzly von einem Torwart. Hält tausend glitschige Lachse, frisst sie auf, spuckt ihre Gräten aus, knurrt, hat noch mehr Hunger. Und dann flutscht ihm einer durch. Einer! Schwimmt wie immer gegen den Strom: der 11FREUNDE-Liveticker. 

Text: Dirk Gieselmann und Johannes Ehrmann Bild: Imago

Real Madrid
Casillas - Sergio Ramos, Pepe, Raul Albiol, Arbeloa - Modric, Xabi Alonso - di Maria, Özil, Cristiano Ronaldo - Higuain
Trainer: Mourinho

Borussia Dortmund
Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Kehl - Reus, M. Götze, Großkreutz - Lewandowski
Trainer: Klopp

Real Madrid
2
:
2
Borussia Dortmund

10:19 Uhr

Was heute Morgen schon so alles zusammengebrochen ist: Das Tor von Madrid im Frühstücksfernsehen, mein Kreislauf, mein Sohn, weil ich ihm das Nutella verwehrte, der Verkehr am Kottbusser Tor, irgendeine Währung, irgendein Stern, irgendeine Kunstlehrerin an irgendeiner Problemschule. Und das klingt dann so:

10:30 Uhr

Das Schlimme ist ja: Wenn man zusammenbricht, weil man sich für die Gesellschaft aufgeopfert hat, ist es eben jene, die einen auslacht.

11:17 Uhr

Wie heute bekannt wurde, spielen die »Kastelruther Spatzen« ihre Instrumente nicht selbst. Wer live dabei sein will, wie eine ganze Welt zusammenbricht – HIER geht es zum Spatzen-Gästebuch.

11:21 Uhr

Wobei doch zwei Fragen an einem kleben bleiben: Gab es wohl schon mal eine Fußballmannschaft, die gar nicht selbst gespielt hat? Und: Wie müssen bloß die Studiomusiker aussehen, wenn sich der Manager der »Spatzen« entschieden hat, diese Fressen hier vorzuschicken?

12:27 Uhr

»Angst vor Unentschieden!«, meldet bild.de. »Obama schickt 2500 Anwälte nach Ohio!« Mein Gott, ist dieser US-Präsident mächtig! Undenkbar hingegen die Meldung: »Angst vor Unentschieden! Rauball schickt 2500 Anwälte nach Madrid!« Jetzt fühle ich mich, als Fußballfan, ganz klein und lächerlich. Ob ich lieber mal zusammenbrechen soll?

12:37 Uhr

Aber lasst uns nicht nur über Tore sprechen, liebe Fans – es gibt so viele Dinge, die zusammebrechen. Und niemand spricht darüber.

12:46 Uhr

13:23 Uhr

Was ist los in der Ruhrmetropole? Keine Lust mehr? Diese Meldung jedenfalls stellt sowohl die US-Wahl als auch das Schlagerspiel heute Abend in den Schatten: »Bochum vier bis sechs Wochen ohne Freier!« Und draußen vor der großen Stadt stehen die Nutten sich die Füße platt. 

13:57 Uhr

Fast zwei... Zeit für einen Mittagsschlaf. Aber nicht zu lang! Sonst zuppelt uns noch »The Special One« persönlich am Ohrläppchen.

14:05 Uhr

Für die Dortmunder Fans bedeutet die heutige Auswärtsfahrt eine gehörige Umstellung, ist der tägliche Gang »nach Real« doch in der Regel a) kürzer (rund 350 Meter bis zur nächsten Ecke) und b) deutlich billiger (im Schnitt 14,73 EUR). Dafür kann man im sympathischen Riesen-Discounter zum Beispiel erwerben: 1 kg frische Rinderrouladen, 1 Packung Mon Cheri sowie 2 Rotkäppchen-Sekt. Das bringt manch hartgesottenen Ruhr-Anrainer über zwei bis drei Tage. Und die Zigarettenstumpen kann man sich notfalls ja immer vom Boden vor dem Eingang zusammensammeln.

14:09 Uhr

Probleme, die Dirk Gieselmann derzeit nicht hat. Der Reizmagen der 11FREUNDE-Redaktion hat sich rechtzeitig zum Klassiker im Bernabeu eine hübsche Verstimmung zugelegt, hat von Gastgeber Ehrmann diesbezüglich Hamsterkäufe gefordert. Der Einkaufszettel des geschwächten Kollegen: 2 Flaschen Kinder-Cola, 3 Tüten Salzbrezeln, 1 Packung Kamillentee. Ich bekomme da schon beim Lesen Bauchschmerzen, stattdessen schau ich mich gleich beim REWE (nicht, dass Sie denken...) mal in der Sektion »Magenbitter« um. Hehe.

14:15 Uhr

Apropos bitter: Sami Khedira, vom »kicker« ja neulich zum »heimlichen Chef« der Nationalelf geadelt, wird das Spiel heute aller Voraussicht nach verpassen. Für den Sechser ist diese Champions-League-Saison also bislang allenfalls eine Drei mit Zusatzzahl. Moment, das wäre dann also, auf die DFB-Auswahl bezogen, Andy Brehme mit erhöhtem Blutdruck? Das wird mir jetzt zu kompliziert. Good healing jedenfalls, lieber Sami, oder wie man das in Spanien so sagt.

15:59 Uhr

»Mourinho traut dem BVB die Champions-League-Krone zu«, heißt es nun in den so genannten Nachrichten. Is ja doll. Was er uns, dem Kollegen Ehrmann und mir, wohl so zutraut?

16:08 Uhr

Boah, seit 16:07 Uhr hatte ich vielleicht eine beschissene Laune! Erst mal einen Kollegen umgetreten, einem weiteren eine verpasst, gespuckt, geschimpft, geflucht, noch mal nachgetreten und eine eigene Verletzung vorgetäuscht. Schließlich entlassen worden. Aber jetzt, um 16:08 Uhr, ist es auch schon wieder gut. Eine echte »Minuto de Furia«. Ganz schön unheimlich. Bin ja sonst total nett. Gab es das schon mal in der Menschheitsgeschichte? 

16:26 Uhr

Wir müssen uns in vielem, wenn nicht allem korrigieren: Mesut Özil ist gar kein schlichter Fußball-Honk, sondern vielmehr ein Meister des absurden Humors – wie dieser Facebook-Eintrag beweist: »Neues von Rocky. Er ist ein cooler Hund. Hier seine Lieblingsposition. Er lehnt am Sessel und guckt auf den Tisch.« Ein Gleichnis gar auf seinen eigenen Alltag als vermeintlich schlichter Fußball-Honk? Jetzt sind wir platt. Und lehnen nur noch am Sessel und gucken auf den Tisch.

16:34 Uhr

Dass zwei derartige Highlights (Real-BVB und US-Wahl) auf den gleichen Tag fallen, legt die Frage nahe, ob Jürgen Klopp, dieser Gute-Laune-Minister der Deutschen Liga, unter Umständen bereits fest im Schattenkabinett Obamas sitzt. Deutscher US-Außenminister, wär ja soweit nix Neues. Und dann könnte Kloppo bald zum ersten deutschen US-Präsidenten werden. Müsste sich dafür jedoch noch einen Ami-tauglichen Namen ohne Umlaute zulegen. Wie wäre es z.B. mit: Jay Kloppingen?

16:35 Uhr

»Klopp vs. Mourinho: Das Duell der Gegensätze«, so »Spiegel Online«. Eine Figur, die – Danke, Fußball! – immer funktioniert und sich beliebig oft anwenden lässt. Franco Foda vs. Horst Ehrmantraut: Das Duell der Gegensätze. Frank Pagelsdorf vs. Brian Clough: Das Duell der Gegensätze. Nevio Scala vs. Silvia Neid: Das Duell der Gegensätze. Klaus Schlappner vs. Thomas Tuchel: Das Duell der Gegensätze. Rafael Benitez vs. Gerd Roggensack: Das Duell der Gegensätze. Aad de Mos vs. Sepp Herberger: Das Duell der Gegensätze. Werner Lorant vs. Ralf Rangnick: Das Duell der Gegensätze. Bruno Labbadia vs. Erich Ribbeck: Das Duell der Gegensätze. Klaus Toppmöller vs. Markus Babbel: Das Duell der Gegensätze. Louis van Gaal vs. Falko Götz: Das Duell der Gegensätze. Rudi Gutendorf vs. Roberto Mancini: Das Duell der Gegensätze. Rainer Persike vs. Mirko Slomka: Das Duell der Gegensätze. Gero Bisanz vs. Thomas Schaaf: Das Duell der Gegensätze. Juri Schlünz vs. Alex Ferguson: Das Duell der Gegensätze. Michael Henke vs. Pep Guardiola: Das Duell der Gegensätze. Joachim Löw vs. Hansi Flick: Das Duell der... nee. Hier hört's auf. 

17:16 Uhr

»Bild.de« will gesehen haben: »Kehl mit Maske in Madrid!« Henry Maske? Nicht auszudenken. Denn: Aus Angst vor Schmerzen verleugnet er sich selbst am Telefon.

17:20 Uhr

CNN zeigt gerade Barack Obama, wie er Unterstützer im Bundesstaat Ohio anruft und sich persönlich bei ihnen bedankt. »Hi this is Barack Obama. Yes, your president.« Das Ganze läuft nun schon seit mehreren Minuten, unkommentiert. Wäre doch auch mal eine Idee für die Sky-Vorberichterstattung. »Hi, this is Jose Mourinho. Yes, yes, the Special One.« Könnte das Sportfernsehen revolutionieren.

17:24 Uhr

Wenn das wirklich was wird mit Klopp in den USA, dann muss er sich natürlich noch einen schmissigen Slogan zulegen. »Yes we Kehl!«, wäre vielleicht was mit aktuellem Bezug. Für die konservativere Klientel vielleicht auch etwas in Richtung »Westfalia rule the world!«, wobei sich da vielleicht dann wieder die Trailer-Park-Fraktion auf den Schlips getreten fühlt. Man muss eben vorsichtig jonglieren mit den Special-Interest-Groups.

17:50 Uhr

Eminent wichtig, im Fußball wie in der Politik: Die Streitkultur. Im 11FREUNDE-Telekolleg können Sie sich Ihren Favoriten selbst aussuchen. Zunächst die Positionen der beiden Favoriten:

Und hier nun die Konfliktbewältigung des parteilosen Herausforderers, des Renegade im deutschen Fußball, des Rächers der Punktlosen:

18:04 Uhr

Diese Bilder wirken zunächst sehr unsympathisch.

Doch wir sollten bedenken: Top-Athleten stehen unter großem Druck. Da muss man schon mal spucken.

18:14 Uhr

Neue Serie: Gründe, warum manch junger BVB-Fan heute Abend zu Hause bleiben muss, obwohl er Karten für das Spiel gegen Real Madrid hat.

Hier Teil 1.

Ende der Serie.

18:29 Uhr

Noch mal zurück zum Skandal, dass die »Kastelruther Spatzen« ihre Instrumente nicht selbst spielen (wir berichteten selbst): Hat dann wenigstens auch Gerry Ehrmann HIER nicht selbst gesungen?

18:59 Uhr

So. Noch 105 Minuten bis zum Anpfiff. Zeit, einfach mal »so« zu sagen. 

19:01 Uhr

Und schon wieder Neues von Cristiano Ronaldo. Reals bescheidener Superstar gießt seine Selbsterkenntnis in diese Worte: »Ich bin, wie ich bin, und ich gratuliere mir.« Wir entgegnen: »Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst.«

19:37 Uhr

Noch eine knappe Stunde bis zum Spiel, doch jetzt wird es bereits feierlich. Zu den Tönen von »Guns of Brixton« kommt kein anderer als unser aller Titus Chalk die Wendeltreppe ins Sky-Studio heruntergeschlendert. Der 11FREUNDE-Autor ist heute Experte - neben Fußballprof Ralf Rangnick und dem ewigen Effenberg. Der läuft zu Justin Bieber ein, sieht irgendwie unrasiert aus, stottert außerdem gleich beim ersten Statement. Klares Ding: 1:0 Chalk. Sensationell, der Mann!

19:40 Uhr

Und jetzt ist es offiziell: Sebastian »Maske« Kehl (Jim Carrey) steht in der Startelf. Klopp dazu soeben am Sky-Mikro: »O Captain my Captain! Our fearful trip is done; The ship has weather’d every rack, the prize we sought is won; The port is near, the bells I hear, the people all exulting, While follow eyes the steady keel, the vessel grim and daring.« Wir sagen: Abwarten.

19:45 Uhr

Moderator Hellmann hat noch so seine Schwierigkeiten mit dem Brixton Boy, spricht seinen Vornamen noch aus, als sei er ein römischer Senator, schießt dagegen den Nachnamen mit Fake-Cockney-Akzent raus wie ein Austauschschüler an der britischen Seeküste. Geht dann ins Kreuzverhör über: »Sie haben vorher getwittert, nicht wahr, Chalk?« - Der bleibt eiskalt: »Ist möglich, ja.« Stiff Upper Lip.

19:55 Uhr

Einspieler zu Jefferson Farfan. »Früher galt er als Abzocker«, heißt es aus dem Off. Farfan dazu: »Nein, Schalke ist meine zweite Familie.« - Aus dem Off: »Wollen wir ihm das glauben? Na klar.« Uffz. So schön ist die Welt nicht mal in den visionären Reden Barack Obamas. Hässliche neue Welt.

20:05 Uhr

Wo bleibt Gieselmann? Jetzt trudelt er endlich ein. Und gleich ist der bärbeißige Familienvater mit dem Arktisforscher-Bart wieder auf der Suche nach den Polen dieser Erde. »Piszczek? Lewandowski?« Ja, sie spielen doch. Erst mal einen Schluck aus der Thermoskanne.

20:08 Uhr

So, nun bin ich auch in Ehrmanns Marzipan-Loft angekommen. Schön hier, es gibt sogar Strom. Der Weg hierher war allerdings eine Spießrutenfahrt. Ja, nun weiß ich, wie Cristiano Ronaldo sich fühlen muss: An jeder Ampel wurde mir mindestens ein Mittelfinger gezeigt – von parkatragenden Kunststudenten, die es für irgendwie cool halten, ihr Leben in die Hände von wildfremden Autofahrern zu legen. Ich war sogar drauf und dran, mir die Haare zu buttern, auszusteigen und mir in den Schritt zu fassen. Und hätte zufällig ein Ball rumgelegen, ich hätte ihn mit großer Geste übers nächstbeste Dach gedroschen. Bin ich jetzt für Real? Das nun nicht. 

20:15 Uhr

Plötzlich ist vor lauter Glitzern nichts mehr zu sehen. Riesige Highheel-Amazonen bringen den durstigen Experten mitten im Gespräch frisches Wasser. Selbst im Halbprofil gut zu erkennen: Titus Chalk linst einem der Mädels direkt auf den Hintern, lächelt dann wissend in sich hinein. Der Mann mit dem rosa Seidenschlips ist in Gedanken offenbar schon in der dritten Halbzeit. Wer will es ihm verdenken? Wir jedenfalls nicht.

20:16 Uhr

Genau genommen, sieht Effe aus wie ein Metzger, bei dem ganz genau hinguckt, ob er sich auch die Hände wäscht, bevor er die Mortadella anfasst. 

20:18 Uhr

Und genau genommen, sieht Kloppo aus wie ein Gemüsehändler, bei dem man ganz genau hinguckt, ob er sich auch die Hände wäscht, bevor er den Sellerie anfasst.

20:20 Uhr

Auf dem Platz wird Basti Kehl noch mal desensibilisiert, indem ihm Teddy de Beer die Bälle direkt aufs gebrochene Gesicht drischt. Hätte seine Mutter ihm die Sporttasche weggenommen, wenn sie all das vor 25 Jahren schon vorausgesehen hätte? Wahrscheinlich. 

20:21 Uhr

Mittlerweile wird nicht nur Chalk, der sich auf seinem Drehsessel ächzend windet, die Zeit bis zum Anpfiff elend lange. Wann rollt endlich der Ball? Wann hört endlich dieses ewige Geseier auf, wann diese unnötigen Einspieler? Wann also, lieber Fußball, kehrst du endlich zu dir selbst zurück? Wie? Nie? Okay, Fußball, nur noch dieses eine Mal, und bald sind wir weg. Endgültig. Versprochen.

20:23 Uhr

Effe sagt, wenn er mit einer These konfrontiert wird, nicht »Stimmt« oder »Korrekt«, nicht mal »Na, klar«, sondern immer »Nä, klär!«. Nervt uns das? Nä, klär! 

20:25 Uhr

Fun Fact aus dem Amerikanistik-Studium: Gewählt wird in den USA nicht am ersten Montag, sondern am ersten Dienstag nach dem ersten Montag im November.

20:26 Uhr

Und Ralf Rangnick isst Gummibärchen.

20:28 Uhr

Fun Fact aus dem Amerikastudium (II): Grund des abstrusen Wahltermins ist, dass er nach der Ernte, aber vor dem ersten Schneefall liegt. Somit beste Anreisemöglichkeiten für die Bauern mit ihren Pferdekutschen. Gilt natürlich heute nur noch für die Amish.

20:33 Uhr

Frage an die Zoologen unter euch, liebe Fans: Verfärbt sich Effe eigentlich weiß, wenn es Winter wird? Antworten an online@11freunde.de. Stichwort: Polartiger.

20:43 Uhr

Kurz vor dem Anpfiff Frisuren-Update für CR7: Gockelkamm mit Linksdrall. Ist deshalb wichtig, weil der Gute ja gerne mal zur Halbzeit die Frise wechselt. Wir halten Sie auf dem Laufenden, liebe Leser.

20:44 Uhr

Blass, schüchtern, aber nicht ohne Stolz: Die Borussen sehen im Bernabeu ein wenig aus wie weißrussische Austauschschüler am Gymnasium von Düsseldorf-Oberkassel. Aber Achtung: Kann gut sein, dass sie auf der Abschlussparty der Klassenschönheit die Zunge in den Hals stecken. 

1.

Los geht's. Schiri pustet in seine Pfeife (Farbe: rot). Ein Zeichen? Wir sagen: Nein. Liegen aber oft falsch.

2.

Wenn Sie so wollen: Ich hasse Menschen, die »Wenn Sie so wollen« sagen.

3.

Reif informiert: »Pepe is teiner der härtesten Knochen, der haut auf alles drauf.« Aufmerksame 11FREUNDE-Leser wissen das bereits seit 16:08 (siehe oben).

4.

Und schon die Chance für Real. »Weidenfeller muss eine Menge-Menge riskieren«, so Reif bzw. so-so Reif-Reif. Taub-taub müsste man sein-sein.

4.

Da ist er erstmals im Bild: Jose »Mou« Mourinho. Sitzt auf der Bank, hat ein Zettelchen auf dem Knie (lieneniert). Macht jetzt einen aggressiven Strich mitten durchs Blatt, wie ein portugiesischer Kellner, wenn sich die doofen Touris doch auf den letzten Drücker für den Tapasteller statt des Oktopus entscheiden. Seinen Zorn möchte man nicht spüren.

6.

Real hier am Drücker wie früher mein Schulfreund Berndi, der nie (NIE!) den Joystick hergeben wollte, wenn auf dem C64 »Summergames« lief. Toll, Berndi – noch'n Rekord im Speerwurf! Hoffentlich kriegt Kloppo zu Weihnachten seinen eigenen Computer.

8.

Mourinho und Kloppo an der Seitenlinie, der eine im Zwirn, der andere in der Daunenjacke: Das sieht aus wie ein »Tatort«-Ermittlerduo, der zivilisierte und der dekadente Kommissar, der Familienvater und der Kneipendauergast. Tod im Bernabeu. Und das Schönste: Til Schweiger spielt nicht mit.

9.

Reus auf Schmelzer, den neuerdings torgefährlichsten Außenverteidiger der Welt. Schmelle auf und davon, mit wehendem Haar in den Strafraum, Schmelle, Haare, Schmelle, Schuss - Casillas! Argh. Werden wir denn nie mehr Europameister?!

11.

»Modric« – das klingt, als würde Dragoslav Stepanovic gebeten, den Geschmack eines abgestandenen Weins zu beurteilen. Aber: Lebbe geht weida.

13.

Dortmund, immer wieder Dortmund! Real-Abwehr macht das Seepferdchen, Großkreutz hat jede Menge Erfahrung im Bademeister-Verarschen, springt vom Beckenrand, dass es nur so klatscht! Casillas kann sich noch einmal auf seinem Schwimmring halten. Noch.

15.

Dortmund macht hinten dicht wie eine jugendlicher Zeitungsbote, der sich von Helmut Berger in den Salon hat lotsen lassen und, ohne es zu wollen, den achten Prosecco intus hat. Tapfer.

17.

DIe Schwimmbad-Episode erinnert mich daran, wie diesen Sommer mal das Nichtschimmer-Becken im Freibad Humboldthain geräumt werden musste, weil ein Steppke reingekackt hatte. Dann standen alle ums Becken, und die kleine Kackwurst trieb munter an der Oberfläche. Echt wahr. Bestimmt ein Sinnbild, aber wenn ich nur wüsste, wofür!

18.

Erschreckende Beobachtung: Hat Kloppo, der ja nie wenig Zähne hatte, seit Spielbeginn eigentlich noch ein paar mehr bekommen? Wenn es so weiter geht, kann er bald als Klavier anfangen. In Vereinsfarben.

20.

Zwanzig Minuten vorbei. Schön sieht das aus, was der BVB bislang so macht. Schöner jedenfalls als die Dortmunder Skyline auf der Wade von Borsigplatz-Ultra Großkreutz. Wenn neongelbe Stutzen schön sind.

22.

Da lobt man einmaaaaal... und dann das! Higuain plötzlich so alleine wie sein fünfjähriges Pendant am Sprungturm, der kleine Gonzalo sucht seine Mutti, findet sie aber nicht, flankt stattdessen auf Ronaldo, der mit dem Seemannsköpper - Abzüge in der B-Note. Weiter 0:0.

24.

Ronaldo! Doch Subotic blockt mit der Eichel. Wie heißt es so schön: Man muss Gleiches mit Gleichem bekämpfen. 

25.

»Es wird Zeit, dass Hummels und Subotic dahinten die Schnittstellen zubekommen«, mäkelt Reif, der offenbar eine Hose zur Änderung gebracht hat, die an der Champions-League-Plauze zu eng wurde. Änderungsschneiderei Hummels & Subotic? Vielleicht eine Idee, wenn es mit dem Achtelfinale nichts wird. 

26.

Ramos spielt Götze den Ball bei einem kurzen Freistoß direkt in die Beine, grätscht ihn dann mit beiden Füßen voran um. Sah glatt nach Absicht aus. Also auch schon der Freistoß. Wird man so Weltmeister? Wenn Sie Spanier sind und es wissen, mailen Sie bitte an wm2014@jogiloew.de!

28.

Tock, Tock, Tock! Es klopft! Nanu, ein Specht? Ja: Woody Woodpecker – manche kennen ihn als »Marco Reus« – hämmert das Ding gnadenlos rein. Aus 14 Metern! Volley! Und Reif meint, das Ding sei haltbar gewesen. Lächerlich: Wie soll Casillas damit rechnen, dass ein Vogel so gut schießen kann?  

30.

Apropos Specht: Kommen Sie auch aus der Generation, als man beim Kartenspielen noch sagte »Pikus, der Waldspecht«? Wenn ja, wissen Sie sicher auch noch, wie man Weltmeister wird (Mail-Adresse siehe oben).

31.

Verzweifelt ruft Obama bei irgendwelchen Ommas in Dortmund-Deusen an: »Guten Tag, hier spricht Ihr Präsident!« Zu spät, Barack. Rauball for President.

32.

Preisfrage: Wer hätte hier auf keinen Fall treffen dürfen?

a) Mitt Romney

b) Bono Vox

c) Der Jojo-Typ aus »Wetten, dass...?«

d) Ivan Drago

e) Pepe

Die Antwort obliegt euch, liebe Fans. Uns bleibt die Chronistenpflicht: Es steht 1:1. Heul.

36.

Es steht 1:1. Real im Aufwind. Das merkt man in erster Linie daran, dass Cristiano Ronaldo wieder Bogenlampen mit der Hacke aus der Luft holt (wie eben geschehen). Würde er ja am liebsten immer machen, der Lachs, aber ein ganz klein wenig Einfühlungsvermögen hat er ja, nicht nur beim Frauenrumkriegen.

38.

»Die Dortmunder Chefetage in der Box«, erklärt Reif. Ein Satz, der, würde es sich hier um ein Premier-League-Spiel handeln, ungeahnte Konsequenzen hätte. Hier aber flitzen vorerst nur die Männer in den kurzen Hosen durch den Strafraum. Gottseisgedankt.

40.

Özil chippt sich selbst den Ball in den Strafraum, als wäre er beim Fußballtennis an der türkischen Riviera. Profi-Urlauber Weidenfeller hat sein Handtuch schon heute um sieben in bester Lage platziert, greift zu, die Chance fällt ins Wasser. Platsch.

41.

Warum herrscht hier plötzlich eine Stimmung, als würde der BVB gerade in der ersten Pokalrunde gegen den FSV Salmrohr rausfliegen? 

43.

Das geht jetzt hier schneller als Hallenfußball, schneller als Heribert Faßbender »hüben wie drüben« sagen könnte. Özil »hüben« auf Reus, in letzter Sekunde geklärt, dann 3,8 Sekunden später Ronaldo »drüben« frei durch, aber Schmelle, der torgefährlichste Toreverhinderer der Welt, trennt ihn sensationell von seinem Lieblingsspielzeug. Ist. Das. Gut.

43.

Wer eine Zunge hat, möge jetzt mit ihr schnalzen. Denn: TOOOOOOOOOOOOOR! BVB-eindruckend! Lewandowski auf Götze, und der Junge hat die Ruhe, in diesem Hexenkessel, umzingelt von Killern, sich den Ball genau dahin zu legen, wo er ihn haben will, und dann streichelt er ihn rein, als wäre dieser Ball seine allererste Freundin und als wollte er noch alles richtig machen. Und dazu läuft Kuschelrock. 2:1! Liebe, Sex und Kloppokeit. Und uns alten Säcken hängen die Zungen raus, dass wir noch nicht mal mehr mit ihnen schnalzen können. Lechz.

45.

Plötzlich Halbzeit. Und genauso plötzlich steht Aki Watzke auf dem Rasen. Hat der mitgespielt? Und wie er jetzt das alles analysiert, ganz hart an der Kante des Rasensprengers, so gelassen, weltmännisch und championshaft, die großen Gefühle mit den Händen in den Taschen versteckend. Das ist groß, das ist SEHR groß, Aki. Vor allem, weil wir uns den ganzen Halbzeitsermon jetzt wirklich sparen können. Ciao, Effe.

46.

Anstoß. Tor. Ein Quickie, wie mancher unter uns ihn sich beim letzten Bierzelt-Besuch gewünscht hätte. Doch: Abseits. Das wiederum ist die harte Realität der Bierzelt-Besuche.

48.

Es kann dieses Spiel, man muss das jetzt zu Beginn der zweiten Hälfte einfach mal so formulieren, durchaus 3:3, 4:4 oder auch 5:5 ausgehen. Aber wenn, dann hoffentlich für Dortmund.

49.

Was soll das? So wie die »Kastelruther Spatzen« nicht selbst spielen (wir berichteten selbst), spielt auch hier offenbar nicht der BVB selbst, stattdessen sind irgendwelche Studio-Fußballer aus der Kabine gekommen. Ich will mein Geld zurück!  

49.

Akute Herzkaspergefahr jetzt unter den mitgereisten Dortmundern. Callejon hat schon wieder so viel Raum vor sich wie Baumgartner neulich beim Absprung. Schießt - knapp daneben diesmal! Lange geht das nicht mehr gut.

51.

»Kehl! Nee, nee, nee, nee, nee! Nee, nee, nee, nee!«, meckert Reif. Und hat – dass wir das sagen müssen! Nee, nee, nee, nee! – recht. 

53.

Weidenfeller eben mit der Ehrmannschen Doppelfaust. Gibt nachher ne »Stolz auf dich«-SMS von Papa Gerry.

53.

Dieses Spiel besteht nur noch aus Entlastungsangriffen. Steht in der »Bild«-Zeitung von heute etwa, dass Verteidigen out ist?

55.

Dortmund braucht Entlastung wie ein Gewichtheber, dem die Stange sonst gleich auf die WIrbelsäule kracht. Seit Olympia wissen wir, wie scheiße das aussieht. Keine Wiederholung, bitte. Danke.

57.

Reif hat seine Traumrolle gefunden: Er kommentiert das Ganze hier wie Helmut Schmidt in der Flut von 1962 einen brechenden Deich.

58.

Schwer zu hörende Stadiondurchsage in gebrochenem Deutsch. Die Dortmunder sollen irgendwas freilassen, so viel ist zu verstehen. Aber was? Den Raum zwischen Abwehr und Mittelfeld? Ronaldo und Di Maria? Psychologische Kriegsführung auf Spanisch.

59.

Ramos, so Reif, könne »gar nicht trainieren, nur spielen.« Fast wie ich! Ich kann gar nicht trainieren, nur (an mir selbst rum-) spielen.

60.

Weidenfeller! Rettet gegen Callejon mit den Füßen! Wenn das hier gut geht, spendiert Papa morgen gleich ein Siegesgeschenk, 30 Extraserien Bizeps-Curls oder sowas. Worüber man sich halt freut.

61.

Kloppo sieht aus wie ein NASA-Aspirant nach sechs Stunden in der Zentrifuge. Und so langsam kommt die Frage auf: Misst da draußen noch jemand seine Werte? Ist da draußen überhaupt noch jemand? Oder ist er tatsächlich schon auf dem Mond? 

64.

Nichts für ungut, aber in der Nahaufnahme kriege ich immer einen Schreck, wenn Maske Kehl ins Bild kommt. In der Filmgeschichte wäre er damit irgendwo zwischen DiCaprio im Verlies und »Eyes Wide Shut«. Brrrr.

67.

»Open your world«, steht da hinten an der Bande. Aber ganz so wörtlich müssten die Dortmunder das hier eigentlich nicht nehmen, wenn Sie mich fragen. Aber mich fragt ja keiner. Wie so oft. Bezeichnend.

68.

Immer wenn ich den Namen Angel di Maria höre, denke ich, es ist schon Weihnachten. Ähnlich ärgerlich wie Dominosteine im August. 

69.

Kloppo kneift die Augen zusammen, sieht nicht happy aus. Vielleicht hat er - wie ich - das Banner auf der Gegengeraden gesehen, »Detmold«, und denkt jetzt ans graue Ostwestfalen, an eine Nacht, die er dort mal in der Jugendherberge verbringen musste. Aber dann müsste er sich ja eigentlich gleich wieder diebisch freuen, dass er jetzt in diesem sensationellen Fußballstadion steht und seine Mannschaft führt. »Enjoy the Moment, Junge«, rufen wir ihm zu, merken dann aber, dass der Bildschirm dazwischen ist und noch der eine oder andere Kilometer. Verdammt.

70.

»Klopp lässt seine Reservisten antraben«, vermeldet Reif. Klingt, als kämen da jetzt Wolfgang Feiersinger, Harry Decheiver, Martin Kree und Günther Kutowski angekrochen. Aber auch die würden das Ding hier noch gewinnen. Und Kree macht das 3:1 per 45-Meter-Hammer mit dem Rollator. Ich leg mich fest.   

72.

Wird jetzt wieder ein bisschen ruhiger, das Spiel. Kurz Zeit, ein wenig zu sinnieren. Cristiano Ronaldo wird ja ausgesprochen, als käme er aus dem Schwäbischen: »Krischtiano.« Hab ich neulich mal gehört. Irgendwie komisch. Vielleicht hat er seine Kindheit auf der Alb und die Jugend in Wirklichkeit beim SC Pfullendorf verbracht, und wir müssen die neuere Fußballgeschichte komplett umschreiben. Wenn Sie ihn da mal getroffen haben, schreiben Sie uns. Danke.

74.

Reif hängt derweil immer noch im inneren Salmrohr fest. »Dortmund kriegt nichts gebacken«, menetekelt er nun. Wenn der BVB das Ding hier gewinnt, wovon ich ausgehe, schenke ich ihm einen Hundekuchen in Auswärtssiegform. 

76.

»Es kann reichen«, schreit Reif nun, hat offenbar gerade die neuesten Exit-Polls aus den Battleground-Staaten erhalten. Obama in Ohio und Florida vorne? Oder Reif ein verkappter Mormone? Alles möglich, wie auch in diesem Spiel.

77.

Kaka kommt – eine Einwechslung, die auch ein Zweijähriger, auf dem Töpfchen sitzend, kommentieren könnte. 

78.

Mourinho, so Reif, sei ein Trainer, »der sehr abhängig ist vom Erfolg«. Erstaunlich. So erstaunlich wie: Ich bin ein Mensch, der sehr abhängig ist vom Sauerstoff.

79.

Wei! Den!! Fel!!! Ler!!!! Hält! Hält!! Hält!!! Es ist grandios, wenn der BVB das Ding nach Hause holt, ist Dortmunds Keeper die fröhlichste Weide der Welt.

80.

Gündogan geht, Perisic kommt. Hm. Ich stell mal in den Raum: Ist das ein Wechsel wie Fink für Matthäus im Finale 1999? Zum Glück ist in diesem Raum niemand außer mir und Kollege Ehrmann, und der guckt gerade woanders hin.

81.

Mourinho mit Grimassen am Seitenrand, hat sich schon den kompletten Fünfeinhalbtagebart weggekaut aus Nervosität. Fußball als Graubrot für die Seele.

83.

Todesgruppe? Pah! It is better to beat them than to fade away. 

84.

Während Dortmund mal wieder auf dem Weg nach vorne ist, weht eine Plastiktüte wie in Zeitlupe durch den Real-Sechzehner. »American Beauty«-Moment im Bernabeu. Schön. Und Kevin Spacey pumpt mit Gerry Ehrmann in der Garage um die Wette. Unschön.

86.

Mitt Romney landet mit dem Heli im Mittelkreis, will eine letzte Rede halten, weil er dieses Spiel für einen Swing-State hält. Nix da, Kumpel. Wahllokal geschlossen. Großkreutz klärt auf der Linie.

87.

Krischtiano beim Freistoß. Cowboy-Spagat, Händebaumeln. Anlauf. In die Mauer. Low Noon.

88.

Und schon wieder so'n Freistoß, die Schmeißfliege unter den Standardsituationen. Immerhin mal nicht dieser schlimme Ronaldo, sondern irgendwie einer von uns: Mesut Özil. Zirkelt, schlenzt, streichelt... Weidenfeller robbt und krabbelt – drin. Das tut weh. So weh wie nichts seit dem späten Ausgleich in Manchester. So weh also wie Champions League mit dem BVB. Geil weh. Aber weh. 

90.+1

Götze geht runter. Hat ein wunderschönes Törchen gemacht. Und, hey, ein 2:2 im Bernabeu, ist das schlecht? Nicht wirklich. Aber was soll das Geschwätz. Uns hat es hier die Stimmung ordentlich runtergerissen eben, ja was glaubt Ihr. Fange gleich wieder an mit dem Rauchen. Wenn Romney nachher noch gewinnt, auf jeden Fall.

90. + 3

Und Schluss. Mourinho klatscht Kloppo ab wie Gari Kasparov einen Bürgersteig-Schachspieler, der ihm ein Remis abgetrotzt hat, räumt schnell die Figuren ein, damit niemand die Partie nachvollziehen kann. Und Kloppo grinst, als hätte er acht weiße Bauern im Mund. 

22:37 Uhr

Michael Zorc ist noch ganz platt vom »Druck, den Real gemacht hat«. Praktisch. So passt er in Kloppos Handgepäck.

22:39 Uhr

Also, für mich ist der BVB der neue US-Präsident.  

22:41 Uhr

Werbung. Wofür jetzt noch? Wenn man sich irgendwo ein 2:1 kaufen könnte, dann... Aber Autos, Rasierer, Busen? Pfff. Busen.

22:45 Uhr

Jetzt geht das Spiel schon wieder von vorne los. Und Dortmunds Maskenmann wird vom Sky-Menschen direkt »Sebastian Gel« genannt, so als wäre er der beste Kumpel von Tim Wiese. Das hat Kehl, das hat der BVB, und das haben ehrlich gesagt auch wir nicht verdient. Wir schalten jetzt um auf CNN. Let's have a Wahlparty. Good night, and good luck, liebe Fans.


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