06.12.2012 | Levante-Hannover im 11FREUNDE-Liveticker
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Irrelevant

UD Levante gegen Hannover 96, ein Spiel, so süß wie Maschinenöl. Weil das Weiterkommen beider Teams schon vorher feststand, war das Ergebnis egaler als ein umfallender Reissack. Wir saßen trotzdem in der Maloche und schufteten das Ding zu Ende. Es hat, nun ja, richtig Spaß gemacht.

Text: Moritz Herrmann und Alex Raack Bild: Imago
UD Levante
2
:
2
Hannover 96

1.

Freunde, da sind wir! Und müssen zugeben: Leicht angeschossen, jaja. Gab Geburtstagsbier und Geburtstagssekt und, ja, auch Geburtstagsjägermeister. Und TROTZDEM sitzen wir hier und tickern uns die Finger wund, bis nichts mehr geht. Wenn das nix ist. Und dann auch noch Levante gegen Hannover! Ein Spiel, so spannend wie eine Schlägerei zwischen einem Zwerg und Evander Holyfield. Obwohl: Wenn der Zwerg Ohren schmeckt, dann ist hier alles drin. Jippie!, bzw.: Anstoß.

5.

Mannomann, hier steppt der Bär wie auf der Russenkirmes: Die Tickergäste, bestehend aus Ariaga, Ariaga 2 und Rolando, haben noch immer nicht durchblickt, wer hier eigentlich gegen wen spielt, und vor allem: in welcher Trikotfarbe. Die Lappen. Ich lache, und kläre weltgewandt auf: Hannover in rosarot und Levante in batmanblau, har! Was? Weiß und blau? Verdammter Geburtstagsjägi...

9.

Es soll ja Leser und User geben, die sagen, dieses hätte man nicht UNBEDINGT tickern müssen. Dem möchte ich mal entgegen halten: Niemand hat Neil Armstrong gezwungen, den verdammten Mond zu betreten, aber er hat es getan. NIEMAND hat Vinnie Jones dazu gezwungen, Gazza in die Eier zu kneifen, aber: er hat es verdammt noch mal getan! Und wir? Tickern einfach mal Levante gegen Hannover! Rock´n´Roll, Alter! Zum Spiel? Läuft.

11.

Hallo und guten Abend, hier Herrmann. Heute gilt es also, das Duell der ewigen Rivalen, eine Fehde, für die der Begriff Hass noch nicht stark genug ist, ein Hauen und Stechen ohne Gnade. Aber bevor ich von mir und Raack erzähle, widmen wir uns dem sportlichen Teil des Abends. Und der ist schlimm genug: UD Levante gegen Hannover 96. Anders ausgedrückt: Das egalste Spiel des Jahres. Willkommen auch von mir (0,0 Promille).

13.

Erster Aufreger, wenn man sowas überhaupt Aufreger nennen darf: Ruben Garcia geht im Duell mit Rausch zu Boden, im Strafraum sogar, aber der Hannoveraner macht diese Gester, die ich eigentlich nur aus den Hip-Hop-Videos der 90er kenne, als sich Laiendarsteller in der Bronx über brennenden Tonnen ihre Hände wärmten - und Schiedsrichter Tudor gibt dem Spanier tatsächlich Gelb. Schwalbe. Im Winter. Schön.

15.

»Wir sind aktuell Gruppenerster, somit reicht uns in Spanien schon ein Unentschieden zum Gruppensieg«, hat Nationaltorwart Ron-Robert Zieler gesagt. Das ist, fürwahr, eine sehr mutige Prognose vom notorischen Lautsprecher. Dabei predigt die UEFA immer wieder Respect und Common Sense auf ihren Werbebanden. Und dann kommt dieser Höllenhund Zieler, rotzfrech und auf Krawall gebürstet, rechnet zehn und elf zusammen und kloppt so einen Spruch. Da soll noch mal einer sagen, die junge Fußballergeneration sei zu brav, zu leise, zu langweilig.

17.

TOR! Mehr aber auch nicht. Lars Stindl widerlegt erst Lukas Podolski (»Doppelpass alleine? Vergiss es!«) und schiebt dann eiskalt aus 30 cm ein. Im Jahresrückblick der Sportschau könnte es dieser Treffer auf Platz 1 schaffen, prämiert als egalstes Tor 2012. Trotzdem alle so: Yeah!

20.

Huszti steht völlig verwaist vor Levante-Keeper Navas, zögert, tändelt und verschiebt. Huszti, dieser genialische Techniker, bislang auf Kriegsfuß mit dem Ball. Das ist, als würde Spiderman an Arachnophobie leiden. Irgendwie surreal.

23.

Moderieren tut für euch, uns und Sie (ja, SIE!) heute übrigens Tausendsassa Holger Pfandt. Raack und ich verabreden wie immer in so einem Fall die golden rule, dass der erste, der den alten WG-Spruch Kann-denn-mal-einer-Pfandt-wegbringen tickert, Bier auf Lebenszeit auszugeben hat. Gewinnen wollen wir beide. Immerhin ist so eine Wettschuld ein Pfandt, mit dem man wuchern kann. Ach.

25.

Beide Teams fechten hier weiter ihr Trainingsspiel aus. Gelegenheit für Aphorismen von Ron-Robert Zieler, Teil 2: »Wir gehen auf dem Zahnfleisch, aber wir werden nun alles rausholen.« Raack will sich einfühlen in diese Parallelwelt des forschen Keepers und versucht dessen Situation spontan nachzustellen: Zugleich auf dem Zahnfleisch gehen und alles rausholen. Ungelenk wie er ist, gelingt dem Bürostuhlathlet weder das eine noch das andere.

26.

TOR! Für den Rest einfach s. Minute 17, und dann ergänzen bzw. ersetzen um bzw. mit: Ya Konan, Lupfer, »monstergeil, megageil« (O-Ton Pfandt). Danke.  

32.

Kleiner Rap für zwischendurch: »Ja, ich heiße Alf und ich komm von einem Stern und ich kann nicht zurück und das hab ich gar nicht gern...« Wer weiß, in welcher Folge dieser Jahrhunderthit gesungen wird, schreibe es bitte auf die Facebook-Wand und gewinne ein Sack voll guter Laune. PS: Ich würde gerne Alf, aber ich muss Lynn sagen, dass sie Ihrer Mutter helfen soll..

34.

So, genug mit Alf (fürs erste, har!). Stindl fällt im Zweikampf, sein Knöchel macht den Michael-Stich-Gedächtnis-Move: Knickt ab, wie ein vorlauter Partygast, der sich zu früh verabschiedet. Wir denken: Jahrhundertverletzung und binden schon Kränze fürs Krankenhaus. Stindl denkt: Leck mich fett! und steht einfach wieder auf. Hollywood Hogan ist ein Witz gegen dieses Tier!

38.

Tja, Zweinull hier immer noch, Hannover also so gut wie durch, Gruppensieg, yeah und Congaschlange! In der Tickerrunde wird derweil überlegt, mit welchem Trinkspiel man diesen Abend noch auskliingen lassen könnte. Neuzugang Reich plädiert fürs Spielersaufen, bekommt folgerichtig aufs Maul. Sonst noch wer Vorschläge?

44.

Christian Lell macht das Spiel seines Lebens. Auf der Bank. Bezeichnend für die Karriere des ehemaligen Herthaners.

45.+2

Herrliche Flugeinlage von Ya Konan. Der Ivorer strauchelt, klammert, segelt und – steht seinen Versuch am Ende sicher. Leider ist der Ball während der Aktion ins Niemandsland entschwunden und Elfmeter gibt es auch nicht. Dafür Abzüge in der L-Gruppe: weiterhin 0,2. Und Halbzeit.

Halbzeit (Werbung)

Fazit: Hannover voll gut. Raack gut voll. Es gleich sich alles aus.

Immer noch Halbzeit

Die ARD überträgt parallel ebenfalls dieses Spiel, hat es aber in eine Komödie verpackt: »Alles außer Liebe«. Von TV-Today mit einem von drei möglichen Punkten bewertet. Hannover mit drei von drei möglichen Punkten. Es gleicht sich alles aus, 2.

Nach wie vor Halbzeit

Liebe Leser, ihr überlegt, ob ihr jetzt abschaltet? Weil eh' schon alles gelaufen ist? Weil ihr euch langweilt mit dem Spiel und dem Ticker? Weil ihr lieber UI-Cup als Europa-League schauen würdet? Dann hat Sofaphilosoph Bart Simpson eine Entscheidungshilfe für euch im Angebot:

Und jetzt: Halbzeit

»Levante ohne Chance«, flötet Moderator Matthias Killing, als Kabel1 endlich zurück ins Ciudid de Valencia schaltet. Der Mann ist so gnadenlos wie der Sonntagskater, so staubtrocken wie Pumpernickel aus dem Münsterland. Erledigt die Spanier im verbalen Vorbeigehen, vom Spielfeldrand, aus der sicheren Ferne. Quasi: Killing them softly.

Die 2. Halbzeit naht

Scheiß auf Kabel1. Unser Favorit läuft auf 3Sat: »Dinge, die man tun kann, wenn man tot ist«, eine Dokumentation von Tanja Hamilton. Filmt uns die Dame etwa live? Und wenn ja, wie lange schon? Kollege Raack sofort zeigt paranoide Zwangsanwandlungen, sucht im Telefon nach Wanzen und zwischen seinen Büchern (zwei alten Atlanten) nach Minikameras. Bricht dann vor dem Fernseher zusammen. Immerhin, nun sehe ich nichts mehr. Danke, Tanja. Ehrlich.

45.

Raack dreht an den Knöpfen eines alten Transistorradios, »um den Mannschaften einen tollen Empfang zu bereiten«, wie er mir hysterisch erklärt. Ich lege mich auf den Boden. »Um zu sterben«, wie ich ihm erkläre. Werde aber von einem schrillen Signalton gestört: Wiederanpfiff. Schade bzw. schön.

49.

Eiderdaus, dieser verdammte Jägermeister. Wollte ich grad schreiben. Und dann: Ist es, als ob ein Engel auf unsere Tastatur pisst. Ist aber doch nur Levantes Angel, der Hannover einen reinheiligt. 1:2. Wahnsinn, ist hier noch was drin? Wir wittern, erneut, ein Jahrhundertspiel. Herrmann ruft den Times Square an und sperrt das Plätzchen für eine mögliche spontane Jubelei. Ich habe bereits die halbe Innenstadt von Berlin für einen Autokorso absperren lassen. USA!

53.

Herrliche Doppelkopfnuss im Mittelfeld! Doch Co Bernd Schuster fällt fast in Ohnmacht (»Wir haben ja da schon Sachen gesehen in den letzten Jahren...«). Cheflaberelo Pfandt spekuliert: »Bald gibt es Fußball mit Helmpflicht!« Wir klingeln bei Petr Cech durch, er lächelt weise.

56.

Wenn man leicht angeschossen ist, was wir selbstverständlich nicht sind, dann könnte man auch glauben: Hier spielt Real Madrid gegen Barcelona! Clasico, boah ey! Die Farben passen, der Rasen ist grün, der Ball doch tatsächlich rund. Irre! Und dann? Versucht sich Koka Ronaldo gegen Christian Messi. Ächzi ächz. Und wir schweben wir auf den Boden der Realität. Die Landung ist hart und grausam. So muss sich diese komische Weltraum-Ösi gefühlt haben.

60.

»Hat er gut gemacht, Bernd!«, schmeichelt Pfandt. Wäre so, als wenn ich meinen Vater beim Vornamen nennen und ihn auf eine gelungene Hechtrolle meines Bruders beim Voltigieren hinweisen würde. Also kompletter Bullshit. Trotzdem: Einfach mal sinnlos Bernd Schuster anquatschen war schon immer mein Traum. Neben: Sinnlos mit Naomi Campell rumknutschen und sinnlos mit Hulk Hogan coole Ohrschleifen drehen.

64.

Pfandti will uns jetzt, natürlich für Knete, zur Abstimmung über die Fantasie-EM in 100 Jahren in 100 Ländern anheizen. Wir bleiben lässig und rufen lieber bei einer handelsüblichen Sex-Hotline an. Eine Dame mittleren Alters flötet: »Fußballfans sind keine Verbrecher!« Panisch legen wir auf. Herrmann, Du jetzt? Ich muss Jägi käufen gehen.

67.

Roger, Kollege. »Das sind mir ein bisschen zu viele harte Aktionen«, bangt Softie Pfandt, dessen Sprecherkabine sich dazu in einen riesigen Wattebausch verwandelt. Raack und ich, jeweils 1,99 groß, bärtig, stark behaart und noch stärker tattowiert, spülen einen Backstein mit Motoröl runter und haben nichts als Verachtung für Pfandt übrig. Raack geht Jägermeister kaufen. Mann, sind wir hart!

69.

Die Ewigkeit dieser Sendung wird einem erst richtig bewusst, wenn man die Spielzeit samt Analyse hochrechnet, die ermittelte Zeit im TV-Programm ungläubig gegencheckt und dann sagen muss: Ja, Kabel 1 bleibt sogar bis 00.05 Uhr auf Sendung.

70.

Er hat sich ersten Durchgang völlig versteckt, kam kaum zur Geltung, es war bis dato nicht sein Spiel: Aber jetzt legt Bernd Schuster richtig los und quatscht Pfandt an die Kabinenwand. Was die TV-Zuschauer nicht wissen: Schuster hat in der Pause eine Million Euro gefordert, damit er seine Kommentatorenkarriere wieder aufnimmt. Und die Privatrundfunker haben gezahlt. So geht der Fußball kaputt.

73.

Nun gut, für diejenigen in den Weiten des World Wide Web, die das Spiel wirklich interessiert, sei einmal etwas vom grünen Rasen erzählt. Da hat sich Hannover nämlich mittlerweile komplett zurückgezogen, Huszti ausgewechselt, und UD Levante durfte mit zwei Großchancen an Zieler bzw. am Unvermögen scheitern... Und auch jetzt wieder ein Torschuss von Michel. Ich werd' nicht mehr! Aber auch nicht weniger. Weiter 1:2.

76.

Hector Rodas, der Verteidiger, dessen Name klingt wie ein Bond-Bösewicht, grätet dem stürmenden Diouf entgegen. Skyfall vom Senegalesen. »Das tat weh«, schüttelt sich Pfandt in seiner Kabine. Wir sind gerührt.

78.

Das wirkt hier wie ein Spiel aus urbiblischen Zeiten, als die Kausalität noch nicht zwingend war und Gott jederzeit eingreifen konnte. Aber einfach nicht wollte. Und am achten Tag schuf der Herr dann doch die Zwischenrunde der Europa League.

79.

Altert man im Abendprogramm von Kabel1 schneller? Ich fühle mich funfundneunzigjährig und mir ist danach, mich an einer Wärmflasche zu wärmen. Sogar Carmen Nebel würde ich grad gucken wollen. »Wenig Fußball hier«, weiß auch Pfandt, meint damit vielleicht aber auch einfach irgendeinen Julia-Robert-Streifen, den er sich auf der Journalistentribüne streamt. 

81.

Riesiger Etikettenschwindel, den beide Mannschaften hier betreiben. Um den Anschein zu erwecken, dass ihnen dieses Spiel tatsächlich noch etwas bedeutet und dabei zugleich den fußballerischen Stillstand zu kaschieren, holen sie sich reihenweise Karten ab. Diouf jetzt die Fünfte für die Niedersachsen. Ich glaube, ihn dabei verschmitzt grinsen zu sehen, und ich meine auch lippenlesen zu können: »Ihr werdet doch sonst auch verarscht. Nur anders!«

83.

Theofanis Gekas hat letzte Woche seinen Vertrag bei Levante aufgelöst. Wir wissen jetzt warum.

85.

Interessant und traurig: Levantes Trainer Juan Ignacio Martínez wird kurz JIM genannt, wirklich wahr, weil ja anscheinend alles (und jeder) abgekürzt wird heutzutage, für lange, mehralseinsilbige Bezeichnungen bleibt einfach keine Zeit mehr, wir sollen schließlich auch noch Steuern zahlen, also warum dann nicht auch Trainernamen schrumpfen? Nun ja, dieser JIM jedenfalls, er fuchtelt und zetert durch seine Coaching Zone, fuchsteufelswild bzw. ftw, weil UDL gegen H96 große mierda zusammenspielt. Und wir, lieb. Les., tick. ab sof. nur noch im Stak.stil., ab. wir hoff. dass ihr uns trotzd. treu bleibt. 

86.

Man möchte lachen, wenn man nicht weinen müsste, über diesen Abkürzungswahn der Sprache, den die Entschlanker auch noch für total fortschrittlich und sexy halten, dabei ist es ein schlimmer Rückfall in dunkle DDR-Epochen, als Vati und Mutti allabendlich ihren Mufuti aufbockten, dabei immer ihre PKZ bereithalten mussten für den Fall, dass man ihnen eine Konspiration mit dem NSW unterstellen wollte. Schlimm, schlimm. Ich hole mir mal ein neues Köpi. Raack?

88.

Freunde, angurten, festschnallen, vielleicht nen Abschiedsbrief schreiben: Die Europa League Vorrunde ist mit diesem Kracher noch nicht beendet. Sp. Lissabon - Szekesfehervar wurde abgesagt. Wahrscheinlich wegen absolutem Desinteresse. Naja, das tickern wir natürlich auch. Einfach, weil es bestimmt noch mehr Spaß macht, als sich auszupeitschen oder auf dem Schützenfest in die Fresse zu bekommen (obwohl...). So lange bleiben wir bei Levante gegen 96, ein Spiel, so geil wie Sex mit Rosenkohl.

92.

Das Spiel ist fast vorbei. Zeit für ein Fazit: Tschüss, wir gehen jetzt mit Karl Dall auf den Rummel, um wenigstens noch ein bisschen Spaß zu haben.

93.

Und: TOOOOOOOOOOOORRRR!!!!!!! 2:2! Vorher Fantasiefallrückzieherversuch von Kool Navas, und dann köpfelt Iborra den Ball ins Tor. Irre Wende? Nö. Hannover ist trotzdem Gruppenerster, wir gratulieren. Karl Dall hat noch mal ein Auge zugedrückt.

Tschüssikowski!

Tschau, wir sind raus wien Milchzahn. Wir tickerten WM-Endspiele, Champions-League-Klassiker, aber das hier und heute war ein Leckerbissen wie ein Stinktier-Schnitzel. Obwohl: Wir übertreiben, ist eigentlich nicht unsere Art. Wir hatten Spaß und sagen deshalb beseelt: Tschö mit y!


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