14.10.2013 | Kickers Offenbach-Hessen Kassel im Liveticker
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Zurück in die Zukunft

Was haben wir nur getan? Einst versprachen wir das erste TV-Livespiel von Hessen Kassel seit 1821 feierlich zu zelebrieren. Heute treffen die Hessen auch noch auf Kickers Offenbach. Und Sport 1 überträgt. Schon jetzt dabei, sich selbst für diese Idee zu verprügeln. Der 11FREUNDE-Liveticker.

Text: Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago
Kickers Offenbach
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Hessen Kassel

90.+3

Aus. Aus. Aus. Wir haben es geschafft. Gemeinsam. Ein Grund, ein kleines bisschen Stolz zu sein, denn dieses Spiel war eine Mischung aus Waterboarding und der kaltem Heroinentzug. Das wünscht man niemandem. Nicht mal der vierten Liga. Aber wir haben überlebt. Nur wo ist mein Finisher-Shirt? Egal jetzt, habe Blut geleckt. Selbstgeißelung ist das neue, große Ding. Deshalb buche ich schon Mal mein Ticket nach Oldenburg– mit Zwischenstiopp auf dem Pricklingshof. Habe nämlich trotz allem hier heute endlich meine wahre Bestimmung gefunden. Danke dafür, Sport1. Danke dafür, Martin Quast. Sie sind ein Held. Ich bin ein niemand. Und das da, das ist der Feierabend. Gute Nacht!

90.+2

Noch eine Minute. Eine Ewigkeit. Wir stehen das gemeinsam durch.

89.

Noch 60 Sekunden. »Wir haben hier ein 0:0 der besseren Art gesehen«, sagt Dahlmann. Da möchte man sich doch lieber die Augen auskratzen.

88.

Ach was soll's! Ich gehe »All in« und lege mich fest: Wenn hier noch ein Tor fällt, dann ticker ich bald Oldenburg gegen Meppen. Live aus dem Emsland.

83.

»Ab geht die Party mit Obo Mayer«, sagt Dahlmann. Hat sich wohl bereits in den VIP-Raum verabschiedet. Also vermeldet Sport1 die ersten Horrormeldung. Nächste Woche wird Koblenz gegen Ulm übertragen. Chef, falls Du mitliest: Ich habe keine Zeit. Nie wieder.

82.

Der Hammer: Bei Kassel kommt Nagel. Na dann: Gut Holz!

81.

Luftloch eines Kasselers. Vielleicht die sportlich beste Szene des Abends.

78.

»Jetzt konzentrieren wir uns auf das, was da unten auf dem Rasen passiert«, sagt Dahlmann, um zwei Sekunden später von Neckarelz zu sprechen. Er ist wie ein Sack Flöhe. Nur ohne Sack.

76.

Klamaukangriff von Kassel. Flanke von rechts, der erste Stürmer schießt den Torwart an, der nächste hält die Plauze hin, der dritte reißt sich, beim Versuch an den Ball zu kommen, alle Bänder im Knie. Wann kommt endlich Frank Elstner mit der versteckten Kamera rein? Als Lockvogel: eine ranzige Schweineschwarte.

74.

Martin Quast ist ein Magier. Ein Tausendsassa. Ein Vorbild für unsere kaputte Jugend. Denn dieser Mann kämpft gegen die Hoffnungslosigkeit an. Stellt sich der nackten Angst. Sitzt nun auf er Bank von Hessen Kassel und redet auf Sportvorstand Schäfer ein. Der kriegt bei jedem Ballverlust seiner Mannschaft einen Herzkasper. Quast ist es egal. Er fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt und fragt. Selbst als es keine Fragen mehr gibt, stellt er noch ein Frage. Dieser Wissensdurst hat unser Land einst nach ganz oben gebracht. Wo ist er heute? Genau! Und deswegen sage ich: Martin Quast for President. Meine Meinung.

69.

Bogenlampe, Grätsche, ein Tritt in die Weichteile, jemand hält sich das Gesicht. So langsam wirkt dieses Spiel wie ein VHS-Seminar. »UItimate Fighting für Jedermann«.

68.

»Was ist das Interessante an dieser Partie«, fragt Dahlmann seinen neuen Talkgast (Name der Redaktion unbekannt). Danke, jetzt müssen wir das nicht mehr fragen.

64.

Vergesst LSD. Schaut euch einfach mal 15 Minuten ein Viertligspiel bei Sport1 ein. Ist billiger, macht aber auch ein bisschen stulle.

62.

Was Martin Quast jetzt wohl gerade macht?

58.

Monsterchance für den OFC. Ist natürlich völliger Quatsch. Stattdessen stolpert ein Kasseler Abwehrbein einen Querpass ins To-Aus. »Die nächste Welle rollt hier an«, weiß Dahlmann zu erkennen, klemmt sich sein Surfbrett unter den Arm und paddelt raus. Aloha.

57.

Martin Quast geht dahin, wo es wehtut. Schmeichelt sich nun an Suat Türker ran. Der war vor zehn Jahren das Gesicht vom OFC. Trägt leider auch nicht die Frisur von damals. Noch so ein Titel, den man nicht haben will: der David Beckham vom Bieberer Berg.

56.

Hab noch einmal nachgedacht. Hab doch einen Lieblingsspitznamen: »Rotze«. Punk's not dead.

53.

Morike Sako schult spontan zum Wrestler um. Wirft seinen Gegenspieler in die Werbebande, setzt zur Clothline an. Aber sein Gegner hat keine Lust – und wenn er Pech hat, nun auch ein bisschen weniger Rückenmark. Aua.

50.

Mich beschleicht das Gefühl, dass Dahlmann genauso wenig Ahnung von den beiden Mannschaften hat wie ich. Zählt seit gefühlten zehn Minuten Namen aus einer anderen Zeit auf. Endet schließlich bei »Pille« Gecks. Und weiß zu erzählen, dass »Pille« sein Lieblingsspitzname ist. Ich habe gar keinen Lieblingsspitzennamen. Bezeichnend.

49.

Es wird immer seltsamer. Dahlmann hat sich eine Topelf des OFC zusammengestellt: Wir lesen Namen wie Völler, Müller, Kostedde und Kutzop und wünschen uns tatsächlich in die Achtziger zurück. Darauf erst einmal ein Raider.

47.

Auch das noch. Meine Frau ist wieder da. Statt »Hallo« oder »Wie geht's« zu sagen, sieht sie mich entgeistert an und sagt: »Was machst Du denn hier?« Wenn ich darauf nur eine Antwort hätte.

46.

»Weiter geht's«, sagt Dahlmann. »Schade«, sage ich.

21:06 Uhr

Und nun der Halbzeit-Service für alle Anwesenden, denn natürlich haben wir auch für diese Unterbrechung ein kleines Quiz für euch:
Wen hat Fieldreporter Martin Quast in der ersten Hälfte noch nicht auf der Tribüne interviewt?
a) Herr von Bödefeld
b) eine Flasche Ketchup
c) die Toilettenfrau in Block E
Schickt die richtige Antwort an weninteressiertderscheißeigentlich@11freunde.de und gewinnt mit etwas Glück 90 Minuten Lebenszeit zurück. Viel Erfolg, ihr beiden.

46.

Halbzeit. Zeit sich zu erhängen. Doch ich habe nicht einmal einen Strick. Dann melke ich einfach paar Mäuse.

45.

Memo an mich: Nie wieder, ich wiederhole, nie wieder leichtsinnig einen Ticker zusagen, von dem man schon zwei Minuten später weiß, dass es ein Desaster wird. Memo Ende.

41.

Jetzt interviewt Fieldreporter Quast auf der Tribüne einen Staubsauger. Leider habe ich seinen Namen nicht verstanden, ist aber auch egal. Denn neben ihm sitzt jemand, der sich so umständlich aus dem Bild drängt, als würde er per internationalem Haftbefehl gesucht. Das würde auch den Phantasiebart und die Geheimagentenkappe erklären. Ich rufe Interpol: Holt mich hier raus.

38.

Und dann Messi allein vor Neuer. Nein, es Schmeer vor Wilke. Und vor dem Keeper war er auch nicht so richtig. Eher grob in der Nähe, weil er beim Versuch, den Torwart auszudribbeln, ausgerutscht ist. Wenn das gewollt war, ziehe ich meinen Hut. Wenn nicht, kenne ich zumindest einen guten Orthopäden.

37.

Das Spielniveau ist mittlerweile an der Grasnarbe angekommen. Stellt jetzt eine Freunschaftsanfrage beim hiesigen Regenwurmverband. Gefällt mir nicht.

34.

Marko Dawid mit einer Goliath-Grätsche. Setzt sich auf den Hosenboden, rutscht 20 Meter mit beiden Beinen voraus in den Gegner. Und irgendwo verdrückt sich Vinnie Jones ein Tränchen.

33.

War der Slogan von Sport1 nicht mal »Mittendrin statt nur dabei«? Was ist daraus geworden? Wenn das hier mittendrin ist, bleibe ich lieber weiterhin außen vor.

31.

Der Nächste bitte: Jetzt darf Oliver Reck ein bisschen was erzählen. »Schweiß, wo isch herkomm«, sagt Reck. Wir können es nur ahnen. Spielstand weiterhin: 00.

29.

Uiuiuiuiuiuiuiuiui, aus dem Nichts erwacht das Spiel. Natürlich beteiligt: Morike Sako. Stoppt einen Flanke mit der Nase, legt sich die Manschettenknöpfe zurecht und maßanzugt den Ball dann ungelenk ans Außennetz. Würden jetzt noch seine Kippen aus dem Stutzen rutschen, würde ich sagen: Willkommen in der Kreisliga. Aber so: Respekt.

27.

Es ist schon fast schmerzhaft, wie sehr Jörg Dahlmann das Spiel ignoriert. Da hat sein Sender schon 4,50 Euro in die Übertragungsrechte investiert und der Dahlmann plaudert nur über Privates. Dann kann er sich ja gleich Frank Buschmann nennen. Gemein.

24.

Bei Sport1 ist heute wohl Tag der offenen Tür. Jetzt ist plötzlich André Schubert als Co-Kommentator dabei. Was kommt als nächstes? Grobi als Linienrichter? Karl Dall als Morike Sako? Gina-Lisas Lippen als Ricco Schmitts Haut? Bitte nicht.

20.

Hermann Nuber in full effect. Schon jetzt der Gewinner des Spiels. Richtet einen flammenden Appell an den OFC. Leider versteht man nur die Hälfte, was natürlich nicht an Hermann Nuber liegt. Nur an seinem Dialekt. Hesslich.

18.

Die Sensation. Hermann Nuber im Tribünen-Interview. Der Mann, der Rudi Völler, Uwe Bein und Oliver Reck geschaffen hat. Scheint allerdings die Medienschule geschwänzt zu haben. Redet dem Fieldreporter immer wieder in die Fragen rein. »Ab und zu ist man schon traurig«, sagt Nuber. Da wird das Spiel zur Nebensache. Wenn es nicht sowieso schon Nebensache wäre.

15.

Und jetzt: Rummms. 2,02-Meter-Ochse Morike Sako köpft seinen Gegenspieler für ein paar Sekunden aus dem Leben. Und während das Weichei in Rot sich die Rübe hält, reißt Sako schon Gags mit dem nächsten Gegenspieler. Humor ist, wenn es trotzdem kracht.

14.

Fun fact: OFC-Trainer Ricco Schmitt glänzt, als hätte er sich mit einer ranzigen Schweineschwarte eingerieben.

12.

Jörg Dahlmann packt die Geschichtsbücher aus. Erzählt vom Krieg. Von Finanzproblemen. Von Hermann Nuber. Schmaucht dann eine Pfeife und lehnt sich in seinem Ohrensessel zurück. Wir reichen die Pantoffeln. Wohlfühloase Regionalliga.

8.

Ich gebe es zu: Ich kenne genau einen Spieler. Der heißt Morike Sako, ist so groß wie eine Giraffe und läuft auch so. Trotzdem mimt er bei Kassel so etwas wie einen Spielmacher. Das arme Spiel.

6.

Achtung, Servicetick, weil Jörg Dahlmann offenbar für Taube kommentiert. »Die Fans rufen das schlimme Wort, das mit A anfängt und mit OCH aufhört.« Dabei kann jeder hören, dass dieFans: »Nulle, Du Arschloch.« Das darf man doch wohl noch sagen im Fernsehen. Guckt doch eh niemand zu.

1.

Anstoß. Ach was: Groooooooßchance. Offenbachs Tahiri, der Unterklassen-Neymar, zimmert einen Hammer an die Latte. Geht dann auf die Walz. Tradition ist Tradition.

20:16 Uhr

Rahn, Becker, Mayer: Die Startelf von Hessen Kassel liest sich wie der rote Teppich bei einer xbeliebigen Sportler-Charity-Veranstaltung. Offenbar verletzt: Chiara Ohoven.

20:15 Uhr

Blanke Ironie: Sport1 zeigt in der Pause ausschließlich Werbung für Banken und Versicherungen. Keine Pointe.

20:11 Uhr

Und jetzt auch noch das. Gerade fällt mir siedend heiß ein, dass ich meiner Frau gar nicht gesagt habe, was wir heute im Fernsehen gucken. In zehn Minuten ist sie da. Ich pfeife aus dem letzten Loch.

20:09 Uhr

Puh, die Vorberichterstattung in der vierten Liga ist ja ernüchternden als ein 40-Tonner-Rollmöpse. Insolvenzen, pfeifende Löcher, Tradition am Boden. Wo ist nur die Bratwurst? Das schale Bier? Die Romantik? Hab mir das alles ganz anders vorgestellt. Enttäuscht, B.

20:06 Uhr

Die erste Erkenntnis des Abends: Jörg Dahlmann kann zaubern. Gerade noch im VIP-Bereich, steht der Mann mit den ganz wichtigen Fragen plötzlich im Tor und interviewt den KSV-Trainer Jörn Großkopf. Der gibt zu: »Wir pfeifen aus dem letzten Loch.« Und das Spiel hat noch nicht einmal angefangen. Ich. Habe. Angst.

20:00 Uhr

Woanders läuft die Tagesschau. Hier redet ein unbekannter DSF-Mann mit dem Gewinner des hessischen Uri-Geller-Lookalike-Contests. »Ich möchte nicht mit Offenbach tauschen«, sagt der unbekannte Mann aus dem Lager von Hessen Kassel. Ich bin ehrlich: Ich auch nicht.

19:59 Uhr

Und jetzt natürlich: Jörg Dahlmann. Hat seinen Flokati dabei (auf dem Kopf) und ein Mikro von der Größe eines Boxhandschuhes. Erst scheint sich ein Gespräch zu entspinnen, aber dann kommt der Dahlmann: »Dieser Mann hat wirklich unglaublich blaue Augen«, flirtet der Meister der Verbalinjurie. Wir lassen dann schon mal das Badewasser ein. Offenbach gegen Kassel – Zärtliche Ruinen.

19:55 Uhr

»Das Sportliche ist das, was ich als Insolvenzverwalter nicht kalkulieren kann«, radebricht der Insolvenzverwalter und nimmt damit all den Hobby-Spielanalysten, -scouts und -bundestrainer die Hoffnung. Doch alles nur Zufall. Urs Siegentaler your ass.

19:52 Uhr

Wenn Loriot das miterleben dürfte: Der Insolvenzverwalter heißt offenbar wirklich Kleinschmidt. Trägt einen Mantel aus der Insolvenzmasse der Stasi und eine Frisur aus der Insolvenzmasse der FDP. Rein stimmungsmäßig liege auch ich bei 4,8 Prozent.

19:49 Uhr

Und da will ich gerade frisch motiviert anfangen, die Vorteile der vierten Liga aufuzählen und dann das. Statt Trainer, Manager oder Präsident kommt der Insolvenzverwalter zum Field-Interview. Hat auch nicht mehr zu sagen, als ein durchschnittlicher Fußballprofi. Wir müssen uns auf den nächsten Konkurs konzentrieren. Quo vadis, Traditionsklubs?

19:48 Uhr

Guten Abend, liebe Fans. So genau weiß ich auch nicht, wie dieses Spiel auf meinen Tickerstundenplan gekommen ist. Aber ich nehme die Aufgabe an und denken: Champions League kann jeder!

10:37 Uhr

Das wir das noch erleben dürfen: Das Fernsehen überträgt tatsächlich ein Spiel von Hessen Kassel live. Und da wir uns seit Jahren fragen, ob es diesen Verein wirklich noch gibt, wollen wir uns nun endlich mit eigenen Augen von diesem Naturereignis überzeugen. Also haben wir unsere Kumpels Marty McFly und Doc Brown angerufen, den DeLorean vollgetankt und machen uns nun auf den Weg in das Jahr 1984. Ab 20:00 Uhr melden wir uns dann live vom Bieberer Berg. Mit dabei: der Wahnsinn. Nicht dabei: Peter Cestonaro und Dirk Bakalorz. Leider.


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