Juventus Turin

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Bayern München

Juve-Bayern im 11FREUNDE-Liveticker

Das Comeback der alten Dame

Ja, da schau her: So schnell kann ein 2:0 sich in ein 2:2 verwandeln. Den Trick kannte selbst Supersupermagier Pep Guardioala noch nicht. Als zersägte Jungfrau mit dabei: der Ticker.

20.30 Uhr

Buonasera, Signoritas. Endlich Schluß mit dem Vorgruppen-Gepinkel, endliche richtige Duelle. Auf Henkelpott-Höhe. Juve gegen die Bayern. Italienisches Form-Monster gegen bayrisches Lazarett. Was das gibt? Wenn es nach uns geht, liegt der Fall klar. Denn Kollege Gieselmann und ich haben die Partie vorab ausgewürfelt. Aber seht selbst:

20.35 Uhr

Zur Aufstellung. Bayern ohne gelernten Innenverteidiger. Dafür wieder mit Kimmich. Gegen die Juve-Heavy-Weight-Abteilung um Mandzukic, Pogba und Dybala. Hier ein Symbolbild:

20.39 Uhr

Juventus hat im Vorfeld der Partie aber auch nichts unversucht gelassen:

20.42 Uhr

Ach, was haben wir ein Glück. Marcel Reif kommentiert uns durch den Abend. Kommen wir nachher immerhin gut in den Schlaf.

20:43 Uhr

»Be Heroes« haben die Juve-Fans mit weißen und schwarzen Regenjacken auf die Tribüne geschrieben. Ergreifender Anblick. »Wie geht unser Satz eigentlich weiter?«, fragt da einer von den Armseligen, die bei den Bayern immer das Telekom-T bilden müssen. Aber wollen wir das wirklich wissen?

20:45 Uhr

Philipp Lahm hat Mühe, Arturo Vidal an der Kette zu halten. »Der will nur spielen!«, ruft er noch. Aber wie alte Damen eben so sind: Fangen sofort an zu rennen. Anstoß.

2.

Mandzukic mit der ersten Chance, die er jedoch kläglich vergibt, als er erkennt, dass die Bayern heute ohne Abwehr spielen. Wie einer, der in der Dorfdisco die Tanzfläche stürmt, sobald die ersten Töne von »Summer of 69« erklingen, dann aber merkt, dass keiner mitzieht. Muss die Nummer aber trotzdem durchhalten. Wir kennen diese Sternstunden der Peinlichkeit, oh ja, wir kennen sie, Mario.

3.

Vidal direkt! Was klingt wie eine unseriöse albanische Autoversicherung, ist dann doch nur eine Schusschance. Buffon verweigert trotzdem die Unterschrift.

5.

Es hätte jetzt gerade einen Elfmeter für die Bayern geben können. Das ist eigentlich alles.

7.

Reif sieht jetzt einen »Pass auf dem Bierdeckel«. Wenn wir gewusst hätten, dass man bei der alten Dame anschreiben kann, wären wir doch glatt auch noch in den Bayernbus gestiegen.

8.

Bayern macht Druck wie Markus Söders Blase (CSU) nach acht Stunden Bürgersprechstunde in Oberbayern. 

10.

»Wir müssen den Zufall als würdig erachten, Herr über unser Schicksal zu sein«, sagte Nietzsche. Wann endlich lässt Thomas Müller sich diesen Satz auf die Schuhzunge sticken?

11.

Und endlich wissen wir, was Peter Struck und Pep Guardiola gemeinsam haben. Denn Deutschland wird am Hindukusch verteidigt. Und Manuel Neuer an Juves Strafraum.

12.

Derweil in Wolfsburg. Wusste gar nicht, dass am Wochenende auch ein Fifa16-Turnier stattfindet. 

14.

Müller mit der Millarden-Chance, stolpert zwei freistehende Meter vor Denkmal Gigi Buffon in existenzielle Nöte: Wer bin ich, und wenn ja, warum? Nutzt es, den Ball über die Torlinie zu pusten, oder kommt er nicht doch wieder zu mir zurück, auf dass ich ihn wieder versetze? Und in all der Zeit, die Müller für diesen tragischen Moment hat sich seiner Selbst gewahr zu werden, plumpsen die Synapsen und Müller unbeholfen auf die Krachlederne, die sein Ego jetzt ist. Oder wie der gemeine Bayern-Fan in dieser Situation wohl zu sagen geneigt ist: Müller und puh.

17.

Bayern aber weiterhin mit einer Spielauffassung, die den Anschein erweckt, als wüssten sie mehr als wir. Als wäre dies nicht das Hin-, sondern das Rückspiel. In der 80. Minute. Bei 0:2-Rückstand. Und Juves Offensive? Hält sich klar an die Vorgaben:

20.

Was macht eigentlich Sami Khedira? Überzeugt wie immer mit seinen Laufwegen:

22.

Reif sagt so übertrieben und damit unglaubwürdig »Klasse« wie der Vater eines Dreijährigen, der ihm Sonntagmorgens um sieben zeigen will, wie gut er schon Elefanten malen kann.

24.

Schon wieder Großchance für die Bayern, Robben knapp drüber. Und Massimo Allegri sucht derweil fieberhaft den Fehler im System.

25.

Lichtsteiner ist der Quoten-Breitensportler bei Juve, der uns zeigen soll, dass wir es auch hätten packen können. Einer also, der uns zum Weinen bringen würde, wenn wir nicht längst mit dem Frustsaufen angefangen hätten.

26.

Bayern steht hinten aber halt auch wahnsinnig offen. Und wir kennen auch schon das Adjektiv, mit dem wir das Gefühl beschreiben, wenn das Ding hier 2:0 für Juve ausgeht: kimmich.

26.

Das Spiel verflacht seit etwa 15 Sekunden, und schon liest Reif den Text von dem Karton vor, in dem der Fernseher verpackt ist, den er seinem Enkel von der Dienstreise mitbringt: »Serraunt Saunt!« Und wir kriegen wieder nichts.

29.

Khedira gegen Costa: Das ist wie Dalmatiner gegen Gepard. Halten Sie Ihren lieben Kleinen jetzt besser die Augen zu.

31.

Jetzt Fußball nach Rudolf Steiner. Bernat tanzt seinen Namen in den Abend und erwischt wie nebenbei den Ball. Mit dem rechten Fuß. Doch Vorteil Überraschungsmoment: Durch die ungeplante Einwirkung des Zufalls gerät dieser Versuch zur Gefahr für Gigi, den Großen, Buffon. Der es Bernat gleich tut, seine Gefühle tanzt und die Schranke macht. Eine sehr rostige, langsame Schranke. Doch noch immer breit genug, damit das Unheil an ihm abprallt. 

34.

Was wurde nicht alles über Juves neuen Wunderstürmer Paulo Dybala gesagt, geschrieben und geraunt. Und was ist? Das ist:




37.

Jetzt schon im Juve-Fanshop: Der Themen-Sweater zum Rückspiel in München. Don't be happy - worry.

38.

Müller mit dem Foul. Vielleicht war es aber auch ein Schussversuch. Bei ihm weiß man ja nie.

40.

Traurig, wie Buffon immer wieder seine Briefmarkensammlung wegpacken muss, um eine Monsterparade hinzulegen. Lasst doch mal den Opa in Ruhe, Kinder!

42.

Ecke Juve. »Er führte sie aus, aber schlecht.« (Albert Camus, »Der Fremde«)

44.

Tor. Müller. Der damit den endgültigen Beweis erbringt, dass er über irgendeine sagenhafte Präkognition verfügt, eine Psi-Fähigkeit, durch die er weiß, wo der Ball in fünf Sekunden sein wird und wo er selbst dann sein muss, wo die anderen nie sind, wo es eigentlich auch absurd ist zu sein, jedenfalls aus der Perspektive eines normalen Menschen betrachtet, wo also auch niemand ist, nur er, Müller, und dann muss er nur noch machen, was er eigentlich nicht kann, jedenfalls nicht in eleganter Weise, aber das ist dann ja auch egal, auf die allerherrlichste Weise scheißegal: ihn verdammt noch mal reinmachen, Burschi! 1:0. Denken wir. Nur Müller weiß: Es steht in Wahrheit schon 2:0. Doch dazu später mehr.

45.

»Dybala will mehr haben, als drin ist«, raunt Marcel Reif über einen Schwalbenversuch des Argentiniers. Und damit endlich Gewissheit: So weit sind sie gar nicht von uns weg, diese Mega-Super-Super-Stars. Halbzeit.

21.36 Uhr

Kurze Frage für zwischendurch: Warum dürfen Amateurvereine nicht für Wettanbieter werben, Profi-Vereine aber schon? Und warum dürfen Profis zwar nicht wetten, aber für's Wetten werben? Sachdienliche Hinweise bitte an AllesQuatsch@11freunde.de 

21:40 Uhr

Hellmann: »Franz Beckenbauer, wie zufrieden sind Sie mit dem Spiel?« Beckenbauer: »Ich habe keine einzige Seite davon gelesen.«

21.45 Uhr

Investigativ-Journalismus à la 11Freunde. Die Halbzeit-Notizen von Juve-Trainer Allegri:

46.

Die Italiener reklamieren. Doch es nützt nichts: Anstoss zur zweiten Halbzeit.

47.

Juve in Dauer-Ballbesitz, legt sich die Bayern zurecht. Dumm nur, dass sie offenbar nicht wissen, wofür. Abstoss.

48.

»Lahm rückt ein«, trompetet Reif. Und das ganz ohne Bundestagsmandat. Teufelskerl.

50.

Kimmich mit perfektem One-Touch. Das Geheimnis: Der ist so jung, dem konnte Guardiola noch einreden, dass er sich den Fuß verbrennt, wenn er den Ball stoppt.

52.

Auf der Tribüne. Tasci: »Wollen Sie ein Selfie? Ich spiel beim FC Bayern!« Fan: »Hof?«

53.

381 Pässe haben die Bayern entgegen genommen. In 53 Minuten. Vielleicht sollten sie das Lageso übernehmen.

54.

Fragen, die die Welt bewegen: Wieso ist der letztjährige Champions League-Finalist so heillos unterlegen? Warum ist das Signalwort Achtung so schrecklich lang? Und was braucht es, um nach Istanbul zu kommen?

55.

Tor. Bayern. Robben mit seinem, nach der eingeflogenen Schwalbe, zweitbesten Move: zieht vom rechten Strafraum nach innen und zimmert den Ball in den Winkel. Auf einer Flugbahn, die Einstein zwar einst für möglich theoretisiert hat, deren praktische Umsetzung aber bis heute für unmöglich gehalten wurde. Was für ein Treffer. Und Gigi Buffon weint in seine Ahnung: Das ist nicht mein Sport. 

57.

Was war mit Buffon los? Achso:

60.

Die Stimmung im Stadium gleicht ob der vermeintlichen Vorentscheidung der eines italienischen Opernhauses. An einem Sonntag-Vormittag. An dem vorstellungsfrei ist. Eine Arie der Trauer. 

61.

Wunderschöne Szene für jeden Schauspielschüler. Hernanes kreuzt den Wandel von Robben. Beide fallen und sterben für diesen Moment. Nur der Schrei bleibt Stumm. Wir helfen nach:

62.

Hernanes fällt hin und verliert dabei das D, das seinem Namen erst Sinn verleihen würde. Das ist natürlich bitter.

64.

Tor Juve. Das nennt man wohl Ergebniskosmetik.

66.

Ex-Bayer Mandzukic wird nostalgisch: »Weißt Du noch damals?« Lahm: »Meine Festplatte wird einmal pro Jahr automatisch gelöscht, bitte wenden Sie sich an den Kundendienst.«

68.

Mandzukic ist jetzt natürlich beleidigt, stürmt wie ein wilder Stier durch alle hindurch, ein fleischgewordenes Foul, dem sie alle ausweichen, um ihr Leben zu retten, welch ein Amoksolo, dann auf Cuadrado, der aber noch Neuer vor sich hat, und der weicht bekanntlich so selten aus wie ein Denkmal, was heißt hier »wie«, er ist ja eines: Faust hoch, zur Parade — zum Sieg? Mandzukic foult sich vorsichtshalber schon mal selbst.

70.

Zunder drin. Wenn das so weiter geht, sieht gleich auch Karl Hopfner Gelb.

72.

»Jetzt ist es ein Fußballspiel«, jubelt Marcel Reif. Und ein bisschen ein Celebrity-Deathmatch. Derart viel Geholze für den Moment, dass Greenpeace schon überlegt, das Stadion zu stürmen.

73.

Halligalli gut und schön. Die wirklich wichtigen Nachrichten werden derweil auch heute IN München geschrieben:

74.

Morata kommt. »Ausgeliehen von Real Madrid«, weiß Reif. »Mit Rückkaufoption.« So mache ich es auch immer: »Kann ich dir das Buch abkaufen, das ich dir neulich geliehen habe?«

76.

Blöd: Juve macht das 2:2. Vor allem blöd für: Hofberichterstatter Marcel Reif. Wohin jetzt mit dem Konfetti in den Sakkotaschen? Trotzdem werfen? Oder essen und dann aussprechen? Also: Alles wie immer? »Juventus dreht das Spiel!«, greint er. Naja, wie man ein Spiel halt noch drehen kann, das ein Heimspiel ist, in dem man zwei Dinger kassiert hat und dem noch ein Auswärtsspiel folgen wird. Sagen wir es mal lieber mit Edmund Stoiber: »Das ist ist zwar bitter, aber nicht so bitter.«

78.

Gelbe Karte für Morata. Nach Foul an Robben. Der aber gewohnt gekonnt abrollt. Hier Livebilder:

80.

Vidal und Mandzukic geraten aneinander, dass schlagartig auch der letzte Jeb im Bush zum Pazifismus konvertiert. Schiri Atkinson bittet beide wiederholt zu sich. Und irgendwo in Leverkusen platzt es aus Roger Schmidt heraus: »Warum?« 

82.

Wer hat Reif eigentlich dazu verdammt, alle fünf Minuten obskure Programmansagen machen zu müssen? Oder plant er schon sein Comeback auf QVC?

84.

Guardiola rührt Beton an. Ribéry kommt.

86.

Faszinierend: Wenn Robben fallen müsste, wie bei dieser Todesgrätsche von Evra jetzt, dann tut er es nicht. Gilt für ihn ein anderes Gravitationsgesetzt als für uns? Könnten wir auch fliegen, wenn wir nur wollten? Soll ja ganz einfach sein, eigentlich. Man muss sich nur zu Boden werfen, aber daneben.

89.

Benatia wirkt wie der Schönling in der Werbung, der durch seinen neuen Plasma-Bildschirm mitten ins Geschehen hechtet und von dort seine Buddies aus der Yuppie-Kanzlei grüßt. Aber das nur am Rande.

90.

Wütende Schüsse von Juve, die Manuel Neuer fängt wie in einer Kinderserie der Feuerwehrmann die Katze, die vom Baum fällt: zupackend, aber sanft. Und dann trägt er einen Schnuffelteddy aus einem brennenden Haus. 

90. +2

Das Spiel in den letzten Zügen als Gleichnis auf unser Leben unterwegs: Ohne Mitte, auf der Suche nach dem Lucky Punch, ganz ohne Ahnung davon, dass wir unsere Waffen an der Garderobe der Erschöpfung abgegeben haben. Und der Schiedsrichter macht das Licht an. Schlußpfiff.

22:42 Uhr

2:2, das 0:0 für Fortgeschrittene. Laut Marcel Reif ist der FC Bayern damit ausgeschieden, wird aber im Rückspiel wieder auferstehen. Wahrscheinlich gewinnt er, Reif, dieses Rückspiel dann wie weiland Kahn gegen Madrid ganz allein. Hat ja auch damals super geklappt. Mandzukic reitet schon mal auf einem Kriegselefanten über die Alpen, Philipp Lahm gibt noch ein Interview: »Ich glaube, dass die Champions League hier heute begonnen hat.« So was Ähnliches haben wir auch schon befürchtet. Trotzdem: Gute Nacht, liebe Fans.

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