Italien
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Costa Rica

Italien-Costa Rica im Liveticker

Schock für Balotelli: Queen will ihn trotzdem küssen

Und wieder einmal wird Mario Balotelli für seine große Klappe bestraft. Die britische Queen solle ihn im Falle eines Sieges gegen Costa Rica küssen, forderte er vor dem Spiel. Italien verlor 0:1 – doch die Monarchin schürzt trotzdem die Lippen. Bussi, Bussi – sagt der Ticker.

17:29 Uhr

Wo sind wir noch mal? Ach ja: Brasil. Zuckerhut. Flip Flops. Gute Laune. Und wo wir schon mal hier sind, machen wir einfach das Beste draus, ne? Oder wie Per Mertesacker im Vorbericht sagt: »Ich hoffe, dass ich das Ziel, das ich mir nie gesteckt habe, erreiche.« Gute Reise, Merte. Guten Tag, liebe Fans.

17:35 Uhr

Matthias Opdenhövel, der Rudi Dutschke der Sportberichterstattung, trägt heute eine grüne Hose. Einige würden sagen: neckisch. Andere: uiuiui. Wir sagen: Wären wir seine Hose, wären wir lieber Mehmet Scholls Hemd.

17:37 Uhr

Andrea Pirlos Haare in Zeitlupe. Dann Tom Bartels’ Polohemd in Zeitlupe. Zeit, dass die Sache hier mal Fahrt aufnimmt.

17:40 Uhr

Dann doch noch mal Pirlo, der sich ganz offenbar außerhalb des Feldes immer nur in Zeitlupe bewegt. Der große Nihilist des Weltfußballs. Ganz ehrlich: Ich wünschte, ich wäre ein Frau und er würde bei mir wohnen, eine Sommer lang, bei offenen Fenstern. Den ganzen Tag im Morgenmantel, rauchend, Espresso trinkend, schweigend, ohne dass jemals klar wird, ob er mich liebt und ob er überhaupt weiß, wie ich heiße. Eine Art Menschenkatze: cool, lasziv, misanthropisch. Aber ich bin leider ein Mann und habe nur einen Hund. Er heißt Philipp.

17:45 Uhr

Und noch ein kleiner Einspieler zu Andrea Pirlo, und sofort wird es ruhig im Raum. Wir atmen langsam. Wir streicheln auf dem Bildschirm seinen Bart. Wir versuchen, ihn auf Italienisch anzusprechen. Doch er antwortet nicht. Oh, Andrea! Andrea Pirlo!!! Der einzige Mensch, der Bälle umkippen kann.

17:47 Uhr

Dann Giorgio Chiellini in Zeitlupe. Und ich plötzlich auch in Zeitlupe, höre von irgendwo her »Spiel mir das Lied vom Tod«. Wer zieht als Erster? Und wann merkt dieser verdammt gefährliche Pistolero, dass ich unbewaffnet bin?

17:51 Uhr

Wenn Hollywood mal die Rolle eines sadistischen Ostblock-Schwimmtrainers zu besetzen hat, der vierjährige Mädchen in eiskaltes Wasser schubst und vorm Frühstück 800 Meter Schmetterling auf Zeit abreißen lässt – bitte Daniele de Rossi nicht vergessen.

17:54 Uhr

Matthias Opdenhövel verabschiedet sich mit den Worten: »Wie Otto Rehhagel sagte: Entscheidend is' auf'm Platz!«, während sich Alfred Preißler im Grab umdreht. Doch wir wollen nicht meckern, bei der Bonmotmaschine Otto Rehhagel kann man mal durcheinander kommen, schließlich stammen viele wichtige Sätze der letzten hundert Jahre von ihm. »Hasta la victoria siempre!« zum Beispiel. Oder: »I've been looking for a freedom!«

17:58 Uhr

Die lateinamerikanischen Hymnen gefallen uns ja am besten. Dabei werden stets Erinnerungen an unsere Zeit als Statisten bei den Winnetou-Festsspielen in Bad Segeberg wach. Herrlich. Oder: Yihaa!

17:59 Uhr

Der Schiri, ein Chilene, macht gleich bei der Seitenwahl klar: »So, ihr Lutscher. Hier gewinnt keiner. Nur Chile. Ist das klar? Und jetzt haut ab, ich muss joggen.«

1.

Anstoß. Italien gegen Costa Rica. Auf Seiten Costa Ricas wieder dabei: Joel Campbell, der größte Superheld jenseits des Atlantiks, seit Batman sich von Robin getrennt hat.

2.

Pirlo mit dem ersten Michelangelo-Pass. Leider Abseits. Aber die Unesco erklärt das Stadion trotzdem umgehend zum Weltkulturerbe.

4.

Bei Italien natürlich dabei: Mario Balotelli. Unser guter alter Freund hat via Twitter ja einen Kuss von der englischen Queen eingefordert, sollte Italien heute gegen Costa Rica gewinnen und England so im Turnier halten. Die Queen hat noch nicht darauf reagiert. Sie beantwortet nur Anfragen, die per Telegramm oder Brieftaube eingehen und mit einem ritterlichen Siegel versehen sind.

5.

Wundersam: Keine Gelbe Karte für einen ruppenden Costa Ricaner, der Marchisio am Konter hindert. Stattdessen Achtungsapplaus vom Schiedsrichter, wie gesagt: ein Chilene. Gibt es hier die Verschwörung der Geheimfavoriten? Mir schwant das Finale Chile-Costa Rica. Spiel um Platz 3: Vestenbergsgreuth gegen Nordsjælland.

8.

Kollege Gieselmann irritiert, weil Facebook anscheinend heute umgestellt worden ist. Er wechselt prompt zurück zu »StudiVZ« und versucht dort, Kontakt mit Mario Balotelli aufzunehmen. Findet dort allerdings nur den ehemaligen Wolfsburg- und Bayern-Spieler Tobias Rau – und der fragt prompt nach dem Handout für den Kurs »Pädagogik II«. Gieselmann muss passen. Er studiert Physik und Latein. Enttäuschung auf der ganzen Linie.

9.

Buffon ist eben unter einer Ecke her gesegelt. Kein Fehler, nur eine Solidaritätsbekundung in Richtung seines waidwunden Kollegen Iker Casillas. Ein T-Shirt mit einer Botschaft für den Kumpel hat die Fifa ihm untersagt.

14.

Mario Balotelli wirkt noch ein wenig gehemmt. Hat er jetzt doch Angst bekommen, weil seine Kuss-Anfrage bearbeitet wurde? Die Queen hat sich jedenfalls vor wenigen Minuten doch noch bei Twitter angemeldet. Sie schreibt »Yo, Bro! Waiting for you!« und schickt ein Foto aus ihrer Balotelli-Camouflage-Gedächtnis-Suite.

15.

Was für ein seltsamer Schatten fliegt da eigentlich die ganze Zeit übers Feld? Eine Drohne? Zini vom »Spaß am Dienstag«? Oder etwa der Ballon, den ich nach den Bundesjugendspielen 1987 aufsteigen ließ? Hoffentlich fängt ihn Pirlo und antwortet auf meine Postkarte. Dann komme ich in die Zeitung!

17.

Bislang ein Spiel wie aus den Achtzigern. Schieb, schieb, pass, pass, lauf, lauf. Wenn das so weitergeht, legen wir die Best-of-Herzblatt-DVD mit Reinhard Fendrich ein. Da erotisiert uns wenigstens nicht Tom Bartels, sondern Susi Müller.

18.

Die Italiener gewaltig unter Druck. Aber das kennen sie ja.

20.

Costa Rica mit der brutalsten Eckenvariante aller Zeiten: Erst zur anderen Seitenlinie gedroschen, was offenbar einstudiert war, denn da lauert schon der nächste Schütze, und der knallt den Ball Chiellini aus vier Metern ins Gesicht. Der sieht durch den Volltreffer für eine herrliche Sekunde so wunderschön aus wie Francesco Totti, schüttelt sich, sieht dann wieder aus wie Chiellini. Wie gesagt: brutale Variante.

23.

Noch da? Chiellini würde sich gerne auswechseln lassen. Denkt dann aber an all die uruguayischen und chilenischen Ackergäule, die in den vergangenen Tagen mit Stahlbeinen und Pressluftstollen bearbeitet wurden – und trotzdem nach ihren Spielen per Iron Man ins benachbarte Bolivien liefen, um frische Milch zu kaufen. »Nein«, sagt Chiellini sich da. »Nein, ich bleibe drin.« Unsere ambosshafte Anerkennung hat er.

25.

Wenn Italien denn mal nach vorn kommt, läuft alles über Balotelli. Der kann schon jetzt nicht mehr, zieht sein Trikot hoch und fragt schriftlich: »Why always me?«

28.

»Aussehen ist bei den Italienern erst mal sekundär«, meint Bartels nun. Neee, is klar.

 

30.

Es gibt ja Menschen, die partout nicht altern. Vicente del Bosque etwa. Der trug schon im Kindergarten Moustache und Halbglatze. Ein anderer ist Andrea Pirlo. Hier ein Bild von 2002. Wir haben auf den Bildschirm einen Bart gemalt, und siehe da: Andrea Pirlo anno 2014.

31.

Oh, Andrea, du wunderschöner Mann, du wunderschöner Spieler. Schlägt einen Pass mit Zuckerguss auf Mario Balotelli, der auf einmal alleine vor Costa Ricas Keeper Navas steht. Was macht er? Er lupft. Ganz schwach. Denn der Ball erreicht nicht mal die Torauslinie. Navas Gelächter hallt bis nach Berlin-Kreuzberg.

36.

Ich schlage Pirlo hiermit für den Chefposten bei Deutschen Bahn vor: Man wüsste zwar nicht, woher man kommt, aber man wäre pünktlich da.

35.

Wieder Balotelli. Schuss aus 16 Metern. Doch wieder kein Problem für Navas, der sich prompt einen Blümchenhut aufsetzt, Balotelli ein Handküssen zuwirft und sich danach mit einem Cabrio durch die johlende Menschenmenge aus dem Stadion chauffieren lässt. Queenhaft. Bzw. Kingmäßig.

36.

Trinkpause. Pirlo nimmt einen Espresso und die »Gazetta dello Sport«.

38.

Jetzt auch mal Costa Rica. Bolanos zieht aus 17 Metern ab, doch Buffon, der ewige Buffon, senkt seinen Legendenkörper nach unten. Der Rasen wird vor Erregung ganz feucht.

40.

Unheimlich: Kollege Bock schrieb ja gerade was über Batman, da kriege ich einen Anruf vom Babysitter. Mein Sohn (3) sei auf ein drei Meter hohes Gerüst geklettert, habe gerufen »Ich bin Batman!« und sei ins bodenlose Nichts gesprungen. Jetzt hat er Nasenbluten. Batman gut und schön. Ich glaube eher, er ist Chilene.

41.

Unsere Taktikexperten flüstern uns zu: Costa Ricas Mittel gegen Italien sind Distanzschüsse. Wieder Bolanos. Wieder Buffon. Momentan erinnert das ein bisschen an Aufschlag-Return. Becker gegen McEnroe. Hartford 1987.

43.

»Warum ist Costa Rica eigentlich so stark?«, will ein Gast wissen. Unsere Taktikexperten antworten: »Liegt alles an Joel Campbell. Ein Multitasker der ganz modernen Art. Zählt während eines Spiel zweimal bis Unendlich.«

43.

Campbell allein im Strafraum, das stellt nun auch Chiellini fest - und wie jemand, der sieht, dass eine Vase vom Tisch rutscht, hastet er hinzu. Doch zu spät: Alles geht zu Bruch. Klarer Elfmeter. Klar für Bartels, klar für uns, klar für die Costa Ricaner, klar für die ganze Welt, also selbst für die Italiener – klar aber nicht für den Schiedsrichter: »Elfmeter für wen? Costa Rica? Nie gehört. In welcher Liga spielen die? Interessant. Aber egal, ich muss weiter. Ciao.«

45.

TOOOOOOOR! Junior Diaz, der costaricanische Christian Ziege, schlägt eine Zuckerflanke von links auf den langen Pfosten. Da steht Ruiz und nickt ein. Wir sind verwirrt. Steckt die Queen dahinter?

45.

Die Italiener verlassen den Platz wie Eros-Ramazotti-Roadies ihren Arbeitsplatz: Sie haben die Schnauze voll, bei 40 Grad im Schatten zu ackern, und jemand anderes kriegt den Applaus.

18:48 Uhr

Unser Herz. Halbzeit. Endlich. Mario Balotelli trottet durch den Spielertunnel und verteilt ein paar Balotelli-Panini-Doppelte an die Ordner. Die lehnen allerdings dankend ab und knien vor Bryan Ruiz Gonzalez nieder.

18:51 Uhr

Blanke Panik bei den Engländern: Müssen sie jetzt in die Relegation gegen Fürth?

18:55 Uhr

Die ARD zeigt einen Beitrag über einen Schweizer namens Siggi. Dem geht's gerade nicht gut, weil er sein Pferd und seine Trompete nicht mit ins Stadion nehmen darf. Irgendwie hat er da die falschen Kontakte. Unser Mann in Brasilien, Tim Jürgens, darf mit seinem Känguruh und seinem Kontrabass sogar in den VIP-Bereich.

18:58 Uhr

Tumulte in den Katakomben. Was ist da los? »Die Costa Ricaner fühlen sich benachteiligt, die Italiener sagen, was wollt ihr eigentlich? Und dann gibt es Diskussionen«, so Mehmet Scholl, der John Rambo unter den WM-Analysten.

46.

Anstoß. Zweite Halbzeit. Und die Frage: Haben sich die Spieler wieder beruhigt? Konnte Mario Balotelli seine Panini-Bildchen noch verkleben? Und wie geht's Costa Ricas Heißsporn-Trainer Jorge Luis Pinto? Der Mann hat vor einiger Zeit mal ein paar Reporter als »Clowns, die sich als Journalisten getarnt haben« bezeichnet. Uns – den Journalisten, die sich als Clowns getarnt haben – gefällt das.

47.

Cassano ist jetzt dabei. Wird sofort von der Fifa mit Tüchern abgehängt. Zu hässlich.

49.

Claudio Abate im Sprintduell wie einst Zehnkämpfer Frank Busemann beim abschließenden 1500-Meter-Lauf in Götzis: pumpend, anaerob, aber glücklich. Die Ecke hat er ganz allein verursacht. Hallo, Mama! Ich bin im Fernsehen!

51.

Cesare Prandelli schreibt Dinge in einen Block. Zum Beispiel: »Ich kam, sah und siegte.« Costa Ricas Coach Jorge Luis Pinto linst rüber, entreißt ihm das Schriftstück und unterschreibt unter der Zeile mit seinem eigenen Namen.

52.

Der witzige Schiri würde jetzt ganz gern mal einen Freistoß von Pirlo sehen. Also pfeift er einen. Weil er’s kann. Und Pirlo ist sein Eintrittsgeld wert: hart gezimmert, dennoch gezwirbelt, leider etwas zu zentral, gehalten, kein Tor. Aber es sollte ja auch nur ein kleiner Zeitvertreib sein.

54.

Endlich erscheint auf der Bande im Hintergrund wieder unsere Lieblingswerbung: »Oi! Oi! Oi!«, steht da. Wir finden es jedenfalls gut, dass unser Lieblingstrainer seine kürzlich gegründende Fußball-Oi-Band auch in Brasilien bekannt machen will: »The Peter NOirurers«.

55.

Insigne halbnackt an der Seitenlinie. Er hätte sich so gern das gesamte Neue Testament in die Haut stechen lassen. Aber er ist zu klein, einfach zu klein (1,63 Meter). Der Tätowierer kam nur bis zum letzten Abendmahl. Mit Pirlo als Jesus Christus.

59.

Pintos Taktik für die zweite Halbzeit: Elf Mann in die eigene Hälfte – und bei Gelegenheit einen zwölften Mann dazustellen. In der 89. Minute lässt er dann den Ball per menschgewordener Schildkröten-Wagenburg zum 2:0 ins italienische Tor tragen.

60.

Souverän: Altmeister Buffon klärt weit vor dem Tor. Bei den Temperaturen gilt ja ohnehin: Libero als gekocht.

63.

Was für ein Szenario: Costa Rica in einer Gruppe mit England (!), Uruguay (!!) und Italien (!!!) momentan Erster. Einen größeren Erfolg hat in den letzten 100 Jahren nur David Hasselhoff gefeiert, als er 1989 die Mauer niedersang.

64.

Costa Rica jetzt mit endlosen Passkaskaden. Und die Italiener atzen wie Ü40-Papas über die Freibadwiese, die von ihren siebenjährigen Playstation-Kids abgekocht werden. Und so langsam wächst in ihnen die Bereitschaft, ihre eigenen Söhne in Grund und Boden zu grätschen.

67.

Was ist das? Ein untätowierter Italiener! Ein ganz seltenes Exemplar. Und sofort tauchen Siegfried und Roy in der Coaching Zone auf, wild entschlossen, ihn zu zähmen.

69.

Cesare Prandelli klatscht zweimal in die Hände. Das sieht ein bisschen aus wie bei einem Ü70-Step-Aerobic-Workout. Mario Balotelli animiert das dennoch zu neuen Aktionen. Er schnappt sich den Ball und rennt einfach mal geradeaus. Am Ende steht er im Seitenaus und klebt einem Balljungen sein Pannini-Bildchen auf den Rücken. Der fragt: »Why always me?«

70.

Gelbe Karte für Balotelli. Die wird jetzt in der 70. Minute immer dem unbeliebtesten Spieler gezeigt. Neue Fifa-Regel.

74.

Interessante Informationen erreichen uns aus Dortmund: Marco Reus (Bild) hat den Fernseher eingeschaltet und kann das hier alles ebensowenig fassen wie wir.

75.

Bezeichend: Statt Pirlo liefert jetzt ein DHL-Bote die Bälle. Klingelt gar nicht erst. Holen Sie Ihre Chance bitte beim Gegner ab.

78.

Costa Ricas Spieler zitieren jetzt die komplette Fußballgeschichte: Zunächst eine Grätsche wie Uruguay 1986, dann eine Pirouette wie Zinedine Zidane 1998, dann ein Pass wie Xavi 2010. Kommt gleich noch ein Tor wie Robin van Persie 2014? Vermutlich: ja.

80

Jetzt fällt mir siedend heiß wieder ein, was ich vor ein paar Wochen im 11FREUNDE-WM-Planer über Costa Rica schrieb. Und zwar: »Glaubt man den Buchmachern, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Costa Rica Weltmeister wird, bei 1:1000. Was nicht heißt, dass die Mannschaft kein unangenehmer Gegner wäre. Trainer Jorge Luis Pinto ist kein Geringerer als der Otto Rehhagel Südamerikas – kontrollierte Offensive ist auch seine Maxime. Was, wie bei Griechenland 2004, heißt: Hinten reinstellen (Standardformation 5-4-1), vorn den Schädel in die seltenen Eckstöße halten und dann das Beste hoffen. In der Qualifikation zeitigte das durchaus Erfolge: Costa Rica blieb 476 Minuten ohne Gegentor. Und meistens quetschte Bryan Ruiz, der Stürmer vom PSV Eindhoven, den Ball mindestens einmal ins gegnerische Tor. Wenn es aber gilt, das Spiel zu machen, ist die Mannschaft schnell überfordert, die Passgenauigkeit liegt nicht weit über der eines Kreisligisten beim Punktspiel Sonntag morgens, wenn alle noch alles doppelt sehen. Und nur einmal, gegen Panama, war Costa Rica öfter in Ballbesitz als der Gegner. Doch zum Glück werden ›Los Ticos‹ bei dieser WM ja nicht in die Verlegenheit geraten, das Spiel machen zu.« Also: Wenn nicht mal ich, der Otto Rehhagel der norddeutschen Tiefebene, das Unheil kommen sah, sind die Italiener ja wohl entschuldigt.

83.

Aber es ist im Fußball ja immer so: Eine Ära kommt, eine andere geht. Nach Frankreich 1998 (Weltmeister) und 2000 (Europameister), Spanien 2010 (Weltmeister) und 2012 (Europameister) kommt jetzt eben Costa Rica 2014 (Weltmeister) und 2016 (Europameister). So verrückt das klingt: Vertrauen Sie uns!

88.

Das Problem bei Italien: Die Außenstürmer stelzen und galoppieren über den Platz wie Wildpferde über eine Eislaufbahn. Katharina Witt schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und dreht sich Beruhigung zwei Pirouetten auf ihrem neu verlegten Laminat in Echtholzoptik.

90.

Die Costa Ricanische Bank jetzt mit wilden Gesten. Als wollten sie einen 40-Tonner voll Gold in den engen Straßen San Josés in einen Hinterhof lotsen. Aber noch parkt da diese italienische Angeberkarre. Noch!

92.

Ganz Italien trauert. Und ein Blick in die Wohnung nebenan verrät: Auch die Party bei den englischen Nachbarn will nicht so richtig in Gang kommen.

95.

Gerade erreicht uns die Nachricht: Die englische Queen nimmt das mit dem Ergebnis nicht so genau. Sie wäre trotz einer italienischen Niederlage zu einem Kuss bereit. Mario Balotelli verlässt fluchtartig das Land.

19:53 Uhr

Und es ist vorbei. 1:0! Costa Rica steht im Achtelfinale. Eine Sensation, möchte man sagen. Aber was sind Sensationen noch wert, wenn sie täglich passieren? Normal: England fährt nach Hause. Und im englischen Mannschaftshotel sitzt Wayne Rooney und kriegt künstlichen Haarausfall.

19:57 Uhr

Zu diesem historischen Anlass noch mal das launige Blitz-Interiew mit Hernan Medford, dem Costa Ricanischen Held der WM 1990, geführt vor etwa acht Wochen. Ich: dummdreist. Medford: weise.

Hernan Medford, jubeln Sie immer noch über Ihr 2:1 gegen Schweden?
Das ist zwar 24 Jahre her, aber es kommt mir vor wie gestern. Die Erinnerung an unseren Einzug ins Achtelfinale ist noch frisch. Ich hoffe, die Sensation gelingt Costa Rica bei dieser WM noch einmal!

Dann müsste Ihre Nationalmannschaft aber in der Gruppenphase erst mal Italien und England hinter sich lassen.
Ja, und Uruguay ist auch noch da. Sie haben Recht: Es wird schwer, verdammt schwer. Aber warum sollte es nicht wieder eine Überraschung geben?
Weil Überraschungen auf diesem Niveau nur noch selten vorkommen.

Selten zwar, aber sie kommen immer noch vor! Das sollen sie auch, denn was wäre eine WM ohne die Underdogs, die plötzlich die Großen schlagen? Das ist der Grund, warum wir in Brasilien sind. Das ist unser Job.

Job erledigt, Hernan. Und in der Tat: Was wäre die WM ohne Underdogs? Und ohne Journalisten, die keine Ahnung haben? Deshalb: Schalten Sie gleich wieder ein, zum Liveticker der Partie Schweiz-Frankreich. Viel Spaß.

19:57 Uhr

Zu diesem historischen Anlass noch mal das launige Blitz-Interiew mit Hernan Medford, dem Costa Ricanischen Held der WM 1990, geführt vor etwa acht Wochen. Ich: dummdreist. Medford: weise.

Hernan Medford, jubeln Sie immer noch über Ihr 2:1 gegen Schweden?
Das ist zwar 24 Jahre her, aber es kommt mir vor wie gestern. Die Erinnerung an unseren Einzug ins Achtelfinale ist noch frisch. Ich hoffe, die Sensation gelingt Costa Rica bei dieser WM noch einmal!

Dann müsste Ihre Nationalmannschaft aber in der Gruppenphase erst mal Italien und England hinter sich lassen.
Ja, und Uruguay ist auch noch da. Sie haben Recht: Es wird schwer, verdammt schwer. Aber warum sollte es nicht wieder eine Überraschung geben?
Weil Überraschungen auf diesem Niveau nur noch selten vorkommen.

Selten zwar, aber sie kommen immer noch vor! Das sollen sie auch, denn was wäre eine WM ohne die Underdogs, die plötzlich die Großen schlagen? Das ist der Grund, warum wir in Brasilien sind. Das ist unser Job.

Job erledigt, Hernan. Und in der Tat: Was wäre die WM ohne Underdogs? Und ohne Journalisten, die keine Ahnung haben? Deshalb: Schalten Sie gleich wieder ein, zum Liveticker der Partie Schweiz-Frankreich. Viel Spaß.

19:53 Uhr

Und es ist vorbei. 1:0! Costa Rica steht im Achtelfinale. Eine Sensation, möchte man sagen. Aber was sind Sensationen noch wert, wenn sie täglich passieren? Normal: England fährt nach Hause. Und im englischen Mannschaftshotel sitzt Wayne Rooney und kriegt künstlichen Haarsausfall.

95.

Gerade erreicht uns die Nachricht: Die englische Queen nimmt das mit dem Ergebnis nicht so genau. Sie wäre trotz einer italienischen Niederlage zu einem Kuss bereit. Mario Balotelli gefällt das.

92.

Ganz Italien trauert. Und ein Blick in die Wohnung nebenan verrät: Auch die Party bei den englischen Nachbarn will nicht so richtig in Gang kommen.

90.

Die Costa Ricanische Bank jetzt mit wilden Gesten. Als wollten sie einen 40-Tonner voll Gold in den engen Straßen San Josés in einen Hinterhof lotsen. Aber noch parkt da diese italienische Angeberkarre. Noch!

88.

Das Problem bei Italien: Die Außenstürmer stelzen und galoppieren über den Platz wie Wildpferde über eine Eislaufbahn. Katharina Witt schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und dreht sich Beruhigung zwei Pirouetten auf ihrem neu verlegten Laminat in Echtholzoptik.

83.

Aber es ist im Fußball ja immer so: Eine Ära kommt, eine andere geht. Nach Frankreich 1998 (Europameister) und 2000 (Europameister), Spanien 2010 (Weltmeister) und 2012 (Europameister) kommt jetzt eben Costa Rica 2014 (Weltmeister) und 2016 (Europameister). So verrückt das klingt: Vertrauen Sie uns!

80

Jetzt fällt mir siedend heiß wieder ein, was ich vor ein paar Wochen im 11FREUNDE-WM-Planer über Costa Rica schrieb. Und zwar: »Glaubt man den Buchmachern, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Costa Rica Weltmeister wird, bei 1:1000. Was nicht heißt, dass die Mannschaft kein unangenehmer Gegner wäre. Trainer Jorge Luis Pinto ist kein Geringerer als der Otto Rehhagel Südamerikas – kontrollierte Offensive ist auch seine Maxime. Was, wie bei Griechenland 2004, heißt: Hinten reinstellen (Standardformation 5-4-1), vorn den Schädel in die seltenen Eckstöße halten und dann das Beste hoffen. In der Qualifikation zeitigte das durchaus Erfolge: Costa Rica blieb 476 Minuten ohne Gegentor. Und meistens quetschte Bryan Ruiz, der Stürmer vom PSV Eindhoven, den Ball mindestens einmal ins gegnerische Tor. Wenn es aber gilt, das Spiel zu machen, ist die Mannschaft schnell überfordert, die Passgenauigkeit liegt nicht weit über der eines Kreisligisten beim Punktspiel Sonntag morgens, wenn alle noch alles doppelt sehen. Und nur einmal, gegen Panama, war Costa Rica öfter in Ballbesitz als der Gegner. Doch zum Glück werden ›Los Ticos‹ bei dieser WM ja nicht in die Verlegenheit geraten, das Spiel machen zu.« Wenn nicht mal ich, der Otto Rehhagel der norddeutschen Tiefebene, das Unheil kommen sah, sind die Italiener ja wohl entschuldigt.

78.

Costa Ricas Spieler zitieren jetzt die komplette Fußballgeschichte: Zunächtst eine Grätsche wie Uruguay 1986, dann eine Pirouette wie Zinedine Zidane 1998, dann ein Pass wie Xavi 2010. Kommt gleich noch ein Tor wie Robin van Persie 2014? Vermutlich: ja.

75.

Bezeichend: Statt Pirlo liefert jetzt ein DHL-Bote die Bälle. Klingelt gar nicht erst. Holen Sie Ihre Chance bitte beim Gegner ab.

74.

Interessante Informationen erreichen uns aus Dortmund. Marco Reus (Bild) hat den Fernseher eingeschaltet und kann das hier alles ebensowenig fassen wie wir.

70.

Gelbe Karte für Balotelli. Die wird jetzt in der 70. Minute immer dem unbeliebtesten Spieler gezeigt. Neue Fifa-Regel.

69.

Cesare Prandelli klatscht zweimal in die Hände. Das sieht ein bisschen aus wie bei einem Ü70-Step-Aerobic-Workout. Mario Balotelli animiert das dennoch zu neuen Aktionen. Er schnappt sich den Ball und rennt einfach mal geradeaus. Am Ende steht er im Seitenaus und klebt einem Balljungen sein Pannini-Bildchen auf den Rücken. Der fragt: »Why always me?«

67.

Was ist das? Ein untätowierter Italiener! Ein ganz seltenes Exemplar. Und sofort tauchen Siegfried und Roy in der Coaching Zone auf, wild entschlossen, ihn zu zähmen.

64.

Costa Rica jetzt mit endlosen Passkaskaden. Und die Italiener atzen wie Ü40-Papas über die Freibadwiese, die von ihren siebenjährigen Playstation-Kids abgekocht werden. Und so langsam wächst in ihnen die Bereitschaft, ihre eigenen Söhne in Grund und Boden zu grätschen.

63.

Was für ein Szenario: Costa Rica in einer Gruppe mit England (!), Uruguay (!!) und Italien (!!!) momentan Erster. Einen größeren Erfolg hat in den letzten 100 Jahren nur David Hasselhoff gefeiert, als er 1989 die Mauer niedersang.

60.

Souverän: Altmeister Buffon klärt weit vor dem Tor. Bei den Temperaturen gilt ja ohnehin: Libero als gekocht.

59.

Pintos Taktik für die zweite Halbzeit: Elf Mann in die eigene Hälfte – und bei Gelegenheit einen zwölften Mann dazustellen. In der 89. Minute lässt er dann den Ball per menschgewordener Schildkröten-Wagenburg zum 2:0 ins italienische Tor tragen.

55.

Insigne halbnackt an der Seitenlinie. Er hätte sich so gern das gesamte Neue Testament in die Haut stechen lassen. Aber er ist zu klein, einfach zu klein (1,62 Meter). Der Tätowierer kam nur bis zum letzten Abendmahl.

54.

Endlich erscheint auf der Bande im Hintergrund wieder unsere Lieblingswerbung: »Oi! Oi! Oi!«, steht da. Wir finden es jedenfalls gut, dass unser Lieblingstrainer seine kürzlich gegründende Fußball-Oi-Band auch in Brasilien bekannt machen will: »The Peter NOirurers«.

52.

Der witzige Schiri würde jetzt ganz gern mal einen Freistoß von Pirlo sehen. Also pfeift er einen. Wei er’s kann. Und Pirlo ist sein Eintrittsgeld wert: hart gezimmert, dennoch gezwirbelt, leider etwas zu zentral, gehalten, kein Tor. Aber es sollte ja auch nur ein kleiner Zeitvertreib sein.

51.

Cesare Prandelli schreibt Dinge in einen Block. Zum Beispiel: »Ich kam, sah, siegte.« Costa Ricas Coach Jorge Luis Pinto linst rüber, entreißt ihm das Schriftstück und unterschreibt unter der Zeile mit seinem eigenen Namen.

49.

Claudio Abate im Sprintduell wie einst Zehnkämpfer Frank Busemann beim abschließenden 1500-Meter-Lauf in Götzis: pumpend, anaerob, aber glücklich. Die Ecke hat er ganz allein verursacht. Hallo, Mama! Ich bin im Fernsehen!

47.

Cassano ist jetzt dabei. Wird sofort von der Fifa mit Tüchern abgehängt. Zu hässlich.

46.

Anstoß. Zweite Halbzeit. Und die Frage: Haben sich die Spieler wieder beruhigt? Konnte Mario Balotelli seine Panini-Bildchen noch verkleben? Und wie geht's Costa Ricas Heißsporn-Trainer Jorge Luis Pinto? Der Mann hat vor einiger Zeit mal ein paar Reporter als »Clowns, die sich als Journalisten getarnt haben« bezeichnet. Uns – den Journalisten, die sich als Clowns getarnt haben – gefällt das.

18:58 Uhr

Tumulte in den Katakomben. Was ist da los? »Die Costa Ricaner fühlen sich benachteiligt, die Italiener sagen, was wollt ihr eigentlich? Und dann gibt es Diskussionen«, so Mehmet Scholl, der John Rambo unter den WM-Analysten.

18:55 Uhr

Die ARD zeigt einen Beitrag über einen Schweizer namens Siggi. Dem geht's gerade nicht gut, weil er sein Pferd und seine Trompete nicht mit ins Stadion nehmen darf. Irgendwie hat er da die falschen Kontakte. Unser Mann in Brasilien, Tim Jürgens, darf mit seinem Känguru und seinem Kontrabass sogar in den VIP-Bereich.

18:51 Uhr

Panik bei den Engländern: Müssen sie jetzt in die Relegation gegen Fürth?

18:48 Uhr

Unser Herz. Halbzeit. Endlich. Mario Balotelli trottet durch den Spielertunnel und verteilt ein paar Balotelli-Panini-Doppelte an die Ordner. Die lehnen allerdings dankend ab und knien vor Bryan Ruiz Gonzalez nieder.

45.

Die Italiener verlassen den Platz wie Eros-Ramazotti-Roadies ihren Arbeitsplatz: Sie haben die Schnauze voll, bei 40 Grad im Schatten zu ackern, und jemand anderes kriegt den Applaus.

45.

TOOOOOOOR! Junior Diaz, der costaricanische Christian Ziege, schlägt eine Zuckerflanke von links auf den langen Pfosten. Da steht Ruiz und nickt ein. Wir sind verwirrt. Steckt die Queen dahinter?

43.

Campbell allein im Strafraum, das stellt nun auch Chiellini fest - und wie jemand, der sieht, dass eine Vase vom Tisch rutscht, hastet er hinzu. Doch zu spät: Alles geht zu Bruch. Klarer Elfmeter. Klar für Bartels, klar für uns, klar für die Costa Ricaner, klar für die Welt, also selbst für die Italiener – klar aber nicht für den Schiedsrichter: »Costa Rica? Nie gehört. In welcher Liga spielen die? Interessant. Aber egal, ich muss weiter. Ciao.«

43.

»Warum ist Costa Rica eigentlich so stark?«, will ein Gast wissen. Unsere Taktikexperten antworten: »Liegt alles an Joel Campbell. Ein Multitasker der ganz modernen Art. Zählt während eines Spiel zweimal bis Unendlich.«

41.

Unsere Taktikexperten flüstern uns zu: Costa Ricas Mittel gegen Italien sind Distanzschüsse. Wieder Bolanos. Wieder Buffon. Momentan erinnert das ein bisschen an Aufschlag-Return. Becker gegen McEnroe. Hartford 1987.

40.

Unheimlich: Kollege Bock schrieb gerade was über Batman, da kriege ich einen Anruf vom Babysitter. Mein Sohn (3) sei auf ein drei Meter hohes Gerüst geklettert, habe gerufen »Ich bin Batman!« und sei ins bodenlose Nichts gesprungen. Jetzt hat er Nasenbluten. Batman gut und schön. Ich glaube eher, er ist Chilene.

38.

Jetzt auch mal Costa Rica. Bolanos zieht aus 17 Metern ab, doch Buffon, der ewige Buffon, senkt seinen Legendenkörper nach unten. Der Rasen wird vor Erregung ganz feucht.

36.

Trinkpause. Pirlo nimmt einen Espresso und die »Gazetta dello Sport«.

35.

Wieder Balotelli. Schuss aus 16 Metern. Doch wieder kein Problem für Navas, der sich prompt ein Blümchenhut aufsetzt, Balotelli ein Handküssen zuwirft und sich danach mit einem Cabriolet durch die johlende Menschenmenge aus dem Stadion chauffieren lässt. Queenhaft. Bzw. Kingmäßig.

36.

Ich schlage Pirlo hiermit für den Chefposten bei Deutschen Bahn vor: Man wüsste zwar nicht, woher man kommt, aber man wäre pünktlich da.

31.

Oh, Andrea, du wunderschöner Mann, du wunderschöner Spieler. Schlägt einen Pass mit Zuckerguss auf Mario Balotelli, der auf einmal alleine vor Costa Ricas Keeper Navas steht. Was macht er? Er lupft. Ganz schwach. Denn der Ball erreicht nicht mal die Torauslinie. Navas Gelächter hallt bis nach Berlin-Kreuzberg.

30.

Es gibt ja Menschen, die partout nicht altern. Vicente del Bosque etwa. Der trug schon im Kindergarten Moustache und Halbglatze. Ein anderer ist Andrea Pirlo. Hier ein Bild von 2002. Wir haben auf den Bildschirm einen Bart gemalt, und siehe da: Andrea Pirlo anno 2014.

28.

»Aussehen ist bei den Italienern erst mal sekundär«, meint Bartels nun. Neee, is klar.

25.

Wenn Italien denn mal nach vorn kommt, läuft alles über Balotelli. Der kann schon jetzt nicht mehr, zieht sein Trikot hoch und fragt schriftlich: »Why always me?«

23.

Noch da? Chiellini würde sich gerne auswechseln lassen. Denkt dann aber an all die uruguayischen und chilenischen Ackergäule, die in den vergangenen Tagen mit Stahlbeinen und Pressluftstollen bearbeitet wurden – und trotzdem nach ihren Spielen per Iron Man ins benachbarte Bolivien liefen, um frische Milch zu kaufen. »Nein«, sagt Chiellini sich da. »Nein, ich bleibe drin.« Unsere ambosshafte Anerkennung hat er.

20.

Costa Rica mit der brutalsten Eckenvariante aller Zeiten: Erst zur anderen Seitenlinie gedroschen, was offenbar einstudiert war, denn da lauert schon der nächste Schütze, und der knallt den Ball Chiellini aus vier Metern ins Gesicht. Der sieht durch den Volltreffer für eine herrliche Sekunde so wunderschön aus aus wie Francesco Totti, schüttelt sich, sieht dann wieder aus wie Chiellini. Wie gesagt: brutale Variante.

18.

Die Italiener gewaltig unter Druck. Aber das kennen sie ja.

17.

Bislang ein Spiel wie aus den Achtzigern. Schieb, schieb, pass, pass, lauf, lauf. Wenn das so weiter geht, legen wir die Best-of-Herzblatt-DVD mit Reinhard Fendrich ein. Da erotisiert uns wenigstens nicht Tom Bartels, sondern Susi Müller.

15.

Was für ein seltsamer Schatten fliegt da eigentlich die ganze Zeit übers Feld? Eine Drohne? Zini vom »Spaß am Dienstag«? Oder etwa der Ballon, den ich nach den Bundesjugendspielen 1987 aufsteigen ließ? Hoffentlich fängt ihn Pirlo und antwortet auf meine Postkarte. Dann komme ich in die Zeitung!

14.

Mario Balotelli wirkt noch ein wenig gehemmt. Hat er jetzt doch Angst bekommen, weil seine Kuss-Anfrage bearbeitet wurde? Die Queen hat sich jedenfalls vor wenigen Minuten doch noch bei Twitter angemeldet. Sie schreibt »Yo, Bro! Waiting for you!« und schickt ein Foto aus ihrer Balotelli-Camouflage-Gedächtnis-Suite.

9.

Buffon ist eben unter einer Ecke her gesegelt. Kein Fehler, nur eine Solidaritätsbekundung in Richtung seines waidwunden Kollegen Iker Casillas. Ein T-Shirt mit einer Botschaft für den Kumpel hat die Fifa ihm untersagt.

8.

Kollege Gieselmann irritiert, weil Facebook anscheinend heute umgestellt worden ist. Er wechselt prompt zurück zu »Studivz« und versucht dort, Kontakt mit Mario Balotelli aufzunehmen. Findet dort allerdings nur den ehemaligen Wolfsburg- und Bayern-Spieler Tobias Rau – und der fragt prompt nach dem Handout für den Kurs »Pädagogik II«. Gieselmann muss passen. Er studiert Physik und Latein. Enttäuschung auf der ganzen Linie.

5.

Wundersam: Keine Gelbe Karte für einen ruppenden Costa Ricaner, der Marchisio am Konter hindert. Stattdessen Achtungsapplaus vom Schiedsrichter, wie gesagt: ein Chilene. Gibt es hier die Verschwörung der Geheimfavoriten? Mir schwant das Finale Chile-Costa Rica. Spiel um Platz 3: Vestenbergsgreuth gegen Nordsjælland.

4.

Bei Italien natürlich dabei: Mario Balotelli. Unser guter alter Freund hat via Twitter ja einen Kuss von der englischen Queen eingefordert, sollte Italien heute gegen Costa Rica gewinnen und England so im Turnier halten. Die Queen hat noch nicht darauf reagiert. Sie beantwortet nur Anfragen, die per Telegramm oder Brieftaube eingehen und mit einem ritterlichen Siegel versehen.

2.

Pirlo mit dem ersten Michelangelo-Pass. Leider abseits. Aber die Unesco erklärt das Stadion trotzdem umgehend zum Weltkulturerbe.

1.

Anstoß. Italien gegen Costa Rica. Auf Seiten Costa Ricas wieder dabei: Joel Campbell, der größte Superheld jenseits des Atlantiks, seit Batman sich von Robin getrennt hat.

17:59 Uhr

Der Schiri, ein Chilene, macht gleich bei der Seitenwahl klar: »So, ihr Lutscher. Hier gewinnt keiner. Nur Chile. Ist das klar? Und jetzt haut ab, ich muss joggen.«

17:58 Uhr

Die lateinamerikanischen Hymnen gefallen uns ja am besten. Dabei werden stets Erinnerungen an unsere Zeit als Statist bei den Winnetou-Festsspielen in Bad Segeberg wach. Herrlich. Oder: Yihaa!

17:54 Uhr

Matthias Opdenhövel verabschiedet sich mit den Worten: »Wie Otto Rehhagel sagte: Entscheidend is' auf'm Platz!«, während sich Alfred Preißler im Grab umdreht. Doch wir wollen nicht meckern, bei der Bon-Mots-Maschine Otto Rehhagel kann man mal durcheinander kommen, schließlich stammen viele wichtige Sätze der letzten hundert Jahre von ihm. »Hasta la victoria siempre!« zum Beispiel. Oder: »I've been looking for a freedom!«

17:51 Uhr

Wenn Hollywood mal die Rolle eines sadistischen Ostblock-Schwimmtrainers zu besetzen hat, der vierjährige Mädchen in eiskaltes Wasser schubst und vorm Frühstück 800 Meter Schmetterling auf Zeit abziehen lässt – bitte Daniele de Rossi nicht vergessen.

17:47 Uhr

Dann Giorgio Chiellini in Zeitlupe. Und ich plötzlich auch in Zeitlupe, höre von irgendwo her »Spiel mir das Lied vom Tod«. Wer zieht als Erster? Und wann merkt dieser gefährliche Pistolero, dass ich unbewaffnet bin?

17:45 Uhr

Noch ein kleiner Einspieler zu Andrea Pirlo, und sofort wird es ruhig im Raum. Wir atmen langsam. Wir streicheln auf dem Bildschirm seinen Bart. Wir versuchen, ihn auf Italienisch anzusprechen. Doch er antwortet nicht. Oh, Andrea! Andrea Pirlo!!! Der einzige Mensch, der Bälle umkippen kann.

17:40 Uhr

Dann doch noch mal Pirlo, der sich ganz offenbar außerhalb des Feldes immer in Zeitlupe bewegt. Der große Nihilist des Weltfußballs. Ganz ehrlich: Ich wünschte, ich wäre ein Frau, und er würde bei mir wohnen, eine Sommer lang, bei offenen Fenstern. Den ganzen Tag im Morgenmantel, rauchend, Espresso trinkend, schweigend, ohne dass jemals klar wird, ob er mich liebt und ob er überhaupt weiß, wie ich heiße. Eine Art Menschenkatze: cool, lasziv, misanthropisch. Aber ich bin leider ein Mann und habe nur einen Hund. Er heißt Philipp.

17:37 Uhr

Andrea Pirlos Haare in Zeitlupe. Dann Tom Bartel’s Polohemd in Zeitlupe. Zeit, das die Sache hier mal Fahrt aufnimmt.

17:35 Uhr

Matthias Opdenhövel, der Rudi Dutschke der Sportberichterstattung, trägt heute eine grüne Hose. Einige würden sagen: neckisch. Andere: uiuiui. Wir sagen: Wären wir seine Hose, wären wir lieber Mehmet Scholls Hemd.

17:29 Uhr

Wo sind wir noch mal? Ach ja: Brasil. Zuckerhut. Flip Flops. Gute Laune. Und wo wir schon mal hier sind, machen wir einfach das Beste draus, ne? Oder wie Per Mertesacker im Vorbericht sagt: »Ich hoffe, dass ich das Ziel, das ich mir nie gesteckt habe, erreiche.« Gute Reise, Merte. Guten Tag, liebe Fans.

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