10.06.2012 | Irland-Kroatien im 11FREUNDE-Ticker
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Recht und Bilic!

Die erste Stunde zwischen Irland und Kroatien hatte es in sich. Die Betonmischer von der Insel kassierten so viele Tore wie sonst in zwei Jahren, schossen aber nur eins. Da stand es 1:3 und danach war die Luft raus. Als Einziger bis zum Ende prall aufgepumpt: der 11FREUNDE-Ticker.

Text: Fabian Jonas und Lucas Vogelsang Bild: Imago

Irland: Given - O'Shea, St. Ledger, Dunne, Ward - McGeady (54. Cox), Whelan, Andrews, Duff - Doyle (53. Walters), Keane (75. Long). - Trainer: Trapattoni

Kroatien: Pletikosa - Srna, Corluka, Schildenfeld, Strinic - Vukojevic - Rakitic (90.+2 Dujmovic), Modric, Perisic (89. Eduardo) - Mandzukic, Jelavic (72. Kranjcar). - Trainer: Bilic

Schiedsrichter: Björn Kuipers (Niederlande)

Tore: 0:1 Mandzukic (3.), 1:1 St. Ledger (19.), 1:2 Jelavic (43.), 1:3 Mandzukic (48.)

Zuschauer: 39.550 (ausverkauft)

Irland
1
:
3
Kroatien

20:15 Uhr

Viertel nach Acht, das Spiel der Spanier und Italiener schmeckt noch nach. Und jetzt der Klassiker des Weltfußballs, könnte man sagen, würde die Welt nur aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Nordsee bestehen. Da muss man sich erstmal drauf einstellen. Und dann ist vom Kollegen Jonas weit und breit nichts zu sehen. Lässt mich jetzt wissen, dass er nur noch nach den türkischen Anstoßzeiten arbeitet, die er gerade in einem Döner-Imbiss in Kreuzberg gesehen hat. Dort beginnt das Spiel erst um 21.45 Uhr. Aus spontaner Solidarität mit der Türkei, die ja in der Relegation an Kroatien gescheitert ist. Erhofft sich damit dreitausend neue Facebook-Freunde.

20:20 Uhr

Nun aber könnte ich seine Affinität zu den neuen Medien gut gebrauchen. Im ZDF lümmelt Kathrin Müller-Hohenstein am Strand von Usedom in einem Liegestuhl neben der so genannten "Social Media Redakteurin", die minutenlang Zuschauer-Kommentare zum gestrigen Spiel der Nationalmannschaft vorliest. Was vor allem zeigt, wie dümmlich Schwarmintelligenz sein kann. Die Social Media Beauftragte aber rechtfertigt ihre Anwesenheit allein deshalb, weil Müller-Hohenstein im Angesicht dieser Web-2.0-Schönheit ihr tatsächliches Alter anzusehen ist. Sieht aus wie Wolfgang Joop nach einer Woche ohne Botox. Bringt sie jetzt bald ihr eigenes Modelabel raus? Anzüge maßgeschneidert auf den Körper Oliver Kahns.

20:35 Uhr

Man weiß ja bereits jetzt, am Abend des dritten Turniertages, nicht, was schlimmer ist. Diese Dauerbeschallung vor den Spielen oder doch die Seebühne in Heringsdorf, dieses Traumschiff ohne Schiff und mit noch weniger Traum. Beides aber wird uns begleiten. Durch dieses Turnier. Wie sonst nur die penetrant hilfsbereiten Volunteers in der Lemberger Innenstadt. Nur sind die wenigestens vor Ort. Kahn aber steht im Usedomer Sonnenuntergang. Warum nur? Hat er sich nicht über die Grenze getraut? Das kann nur heißen, dass er wirklich alt geworden ist. War dieser Kahn als junger Mann doch der Grenzgänger des deutschen Fußballs.

20:37 Uhr

Immerhin, gute Nachrichten hier. Jonas ist da. Die schlechte gleich hinterher: Es ist schon wieder Eröffnungsfeier. Das ist hier langsam wie ein langes Techno-Wochenende in Berlin. Drei Tage Krach. Drei Tage Tanz und psychedelische Kostüme. Es heißt ja, nach Techno sei Dienstag. Hier aber ist nach Techno nur Techno. Und der Fußball ist irgendwo in einem Darkroom des Berghain verloren gegangen.

20:38 Uhr

Guten Abend, die Mannschaften sind auf dem Feld, ich bin auch auf dem Feld, hier Jonas. Ekelattacke im Vorfeld. Shay Given, der irische Torwart, hat offenbar keinen Bock, sich die Handschuhe nass zu machen, wischt die schwitzende Stirn deshalb an der Schulter von Robbie Keane ab, der vor ihm steht. Bemerkt beim Rauslaufen dann, dass es in Strömen regnet. Künstlerpech.

1. Minute

Und läuft. Zu Ehren der ersten irischen EM-Teilnahme seit 1988 haben wir auch in etwa eine Bildqualität aus dieser Zeit, können die grüngekleideten Iren vor dem grüngekleideten Rasen kaum ausmachen. Künstlerpech II.

3.

»Gibt’s doch gar nicht«, rappt der ZDF-MC Oliver Schmidt gerade, da steht es auch schon 1:0. Alberne Flanke, aber alle Mann im Strafraum rutschen aus, inklusive Mandzukic, den stört’s aber nicht, er köpft den Ball trotzdem aufs Tor, Given sucht noch nach Keanes Schulter, um den Ball wegzuwischen, findet ihn nicht. Tor. 1:0

8.

Das ist natürlich doof jetzt, wenn man, wie ich von dubiosen Experten erfahren habe, vorhatte, 90 Minuten hinten drin zu stehen, und es dann nach drei Minuten 0:1 steht. Womöglich aber ganz gut, fürs Spiel würden wir sagen, wenn wir beim Fernsehen wären, weil wir es nicht sind, sage ich: für uns.

12.

Freistoß direkt an der Strafraumgrenze, für Irland. Früher hätte jedes Team bei einer EM da das große Zittern bekommen, weil jedes andere Team einen sogenannten »Freistoßkünstler« in seinen Reihen hatte. Heutzutage, wo wegen der Hormone im Grundwasser und der Medikamente im Hähnchen alle Spieler in den Mauern mindestens zwei Meter groß sind, erwartet man gar nichts mehr. Zurecht, wie Andrews beweist, gegen den allerdings auch eine Mauer aus Zwergkaninchen gereicht hätte.

 

15.

Der Spieler mit dem schönsten Namen im Profifußball ist ja Kroatiens Innenverteidiger Gordon Schildenfeld, vielleicht auch dem einen oder anderen Frankfurter bekannt. Welche Poesie darin steckt, welche Kraft. Wenn die Iren weiter so auf den Ausgleich drängen, schreibe ich in spätestens fünf Minuten von der »Schlacht um Schildenfeld«.

19.

Bevor ich dazu komme, verliert Kroatien die »Schlacht um Schildenfeld«, weil St. Ledger, ein Mann wie eine Kirche, zum Ausgleich einköpft. TOOOOR, 1:1.

22.

Man kann es nicht anders sagen: Geiles Spiel. Sofort ist Kroatien wieder dran, stürmt wie eben noch die Iren, Psychologen müssten es erforschen bzw. ich müsste lesen, was Psychologen dazu erforscht haben, Perisic ist es egal, er hält einfach drauf, aber vergivenlich, Shay hält.

24.

Irischer Reinkarnations-Wahnsinn. Angeblich hat hier ein gewisser Ledger getroffen. Der Torschütze also hieß Ledger. Hieß Ledger? Das kann nicht sein. Dieser Ledger überzeugte schließlich bisher nur als Joker.

26.

"Hinter jedem Trapattoni verbirgt sich ein irischer Fußballfan", weiß ZDF-Volkszähler Oliver Schmidt. Was entweder heißt, dass Trap seinem zunehmenden Alter mit einer Klon-Offensive begegnet. Oder, dass es in Irland nur einen Fußball-Fan gibt. Damit wäre die grüne Armee der kleinste Streitkräfte-Verbund der Welt. Kleiner noch als die Schweizer Garde. Da hilft dann nur noch Weihwasser. Gott sei Dank vebirgt sich hinter jedem Trapattoni auch ein Aberglaube.

 

28.

Das Spiel hält sich hier nicht lange mit dem Spiel auf. Wunderbar. Das zeigt ja vor allem wie großartig Fußball sein kann, wenn er sich über den Fußball hinweg setzt. Wenn Schmidt jetzt innerhalb der nächsten Minuten auf die Formulierung "mit offenem Visier" verzichtet, wird das hier das beste Spiel ohne Spiel aller Zeiten.

32.

Nun aber lässt sich der Kommentator wieder vom Kommentator aufhalten, raunt wirres Zeug ins Mikro. Immer wenn der Ball in Richtung irischen Strafraum fliegt, entdeckt er dort unten "Handschuhkitsch". Was nur bedeuten kann, dass KMH mit ihrer Modelinie für Oliver Kahn viel weiter ist, als zu befürchten war. 

33.

Was uns bisher weitgehend erspart bleibt: Superzeitlupen von ganzkörperbemalten Eventfans, wie sie eben bei Italien-Spanien alle zwei Minuten gezeigt wurden. Was natürlich »Emotionen« transportieren soll, die im modernen Fußballfernsehen längst zur Fahrstuhlmusik herabgewürdigt wurden. Meine Tochter (3) hatte jedenfalls die richtige Diagnose parat: »Guck mal, Papa: Clowns«. Bei diesem Spiel, wie gesagt, gibt es das nicht. Vielleicht sind die Iren und die Kroaten aber einfach nur nicht jugendfrei.

35.

Eben fast übersehen: Den nächsten Freistoß für die Iren. Aber auch nur deshalb, weil ich lange dachte, das wäre die Wiederholung des Ausgleichs. Wenig abwechslungsreich also die Standardvarianten der irischen Mannschaft. Gleichen in ihrem Einfallsreichtum der Musik von Modern Talking. Sind aber bislang ähnlich erfolgreich. Wird Trap jetzt Juror bei DSDS?

38.

»Inzwischen ist das Spiel so, wie wir es erwartet haben«, informiert uns Schmidt. Wir wissen nun: Schmidt hat ein langweiliges Spiel erwartet. Leider ist auch sein Kommentar inzwischen so, wie wir es erwartet haben. Kostprobe: »Doyle, Kopfball, immerhin«

41.

Tatsächlich ist das irische Spiel jetzt so, wie man es von Otto Rehhagels Griechen 2004 gewohnt war.

43.

Hilft nur nix. TOOOOOR, 2:1 für Kroatien. Wobei gleich zwei Kroaten beim Fernschuss im Abseits standen, dann flippert die Kugel aber noch drei Mal hin und her, wodurch »eine neue Spielsituation« hergestellt worden sein soll, weswegen das Ding jetzt erstens zählt und man zweitens als Normalsterblicher nicht weiß, was dazu im Regelbuch steht bzw. wer jetzt wissen soll, ob der Ire den Ball absichtlich abgefälscht hat. Jelavic. Drin. Zählt. Soviel von mir.

 

45.

Was soll eigentlich dieser Bundesliga-Patriotismus bei deutschen Kommentatoren? Jedes Mal, wenn bei diesem Turnier ein in Deutschland beschäftigter Spieler auch nur in Ballnähe ist, wird der Name irrsinnig betont heraus geschrien. In gesprochenen Großbuchstaben. Also heute: PERISIC, MANDZUKIC und: DIESER TYP, DER ANGEBLICH BEI EINTRACHT FRANKFURT SPIELT. Klarer Fall von Legionärskrankheit. Mit verdammt kurzer inKUBAtionszeit. Scheiße, angesteckt.

46.

Und Pause. Verschnaufpause, sollte man meinen. Aber denkste: heutejournal. Mit Claus Kleber, der die erste Meldung mehr singt als spricht.

21:40 Uhr

Was Oli Kahn und KMH wohl gerade machen? Mehr dazu im Nachtprogramm ab 24 Uhr!

21:41 Uhr

Claus Kleber versteht sich ja längst nicht mehr nur als Anchor-Man des "heute"-Journals, sondern auch und vor allem als Botschafter des klugen Idioms. Da ist er ein Künstler, ein Virtuose der Überleitung, wenn er Spaniens Unentschieden gegen Italien wie beiläufig mit der Euro-Krise verbindet. Danach aber jetzt Rocker-Krieg in Berlin. Bevor er das jetzt mit den Treffern der Kroaten verknüpft, blendet das ZDF jedoch in die Kurznachrichten über. Der Sender weiß eben, wann er seine Künstler schützen muss.

21:45 Uhr

Und Schumi ist schon wieder ausgeschieden. Heckflügel defekt. Ich würde mir ja sooooo wünschen, dass er endlich mal wieder was reißt, glaube, dann würde ich auf einen Schlag 15 Jahre jünger. Wobei: Müsste ich dann noch mal Zivildienst machen? Oder bliebe der abgeschafft? Ach, vielleicht doch besser so. Danke Schumi!

21:47 Uhr

Kahn und Müller-Hohenstein haben die Klamotten rechtzeitig wieder anbekommen.Was mir aber nach wie vor schleierhaft ist: Warum zum Geier sendet das ZDF aus Usedom? Angst vor den bösen Polen? Überrascht, dass das Stettiner Haff gar nicht mehr zugefroren ist? Oder einfach nur Betreuung der Stammkundschaft in den Seniorenresidenzen vor Ort?

46.

Und läuft wieder. Hat, wenn wir das richtig erkennen, sogar aufgehört zu regnen. Oder wir haben besseren Empfang.

48.

Liebe Leute, vergesst die Schweizer, wenn ihr ’ne Uhr braucht, schaut euch in Kroatien um. Nach 2 Minuten und 58 Sekunden, und damit exakt nach derselben Zeit wie in der ersten Halbzeit, machen die Kroaten das nächste TOOOOR. Und was für eins. Mandzukic macht nur krude Buden, hat er vielleicht von seinem kruden Trainer in Wolfsburg gelernt, zieht den Ball diesmal an den Innenpfosten, von wo er Torwart Given an die Birne springt und ins Tor. Das erste Kopfballtor eines Torwarts seit Tomislav Piplica. Balkanpower!

 

53.

Sieht eher nicht so aus, als könnten die Iren nochmal zurückkommen. Vielleicht, weil’s nicht mehr regnet und das ja, nach allem, was ich so gehört habe über die Britischen Inseln, eher ungewöhnlich ist. Ist es nicht? Dann beschwert euch bei Goscinny und Uderzo.

55.

Jetzt ist hier irgendetwas im Zeitgefüge, in der Realität ins Wanken geraten. Die Iren haben in 49 Minuten so viele Tore bekommen wie in 15 Spielen, ist der Statistik zu entnehmen. Also hat hier jemand ganz offensichtlich 1350 Minuten in eine Halbzeit gepresst. Was bedeutet, dass Jonas und ich hier nun schon seit etwa 22 Stunden sitzen. Allerdings im Zeitraffer. Das kann, ähnlich wie bei Flugbegleiterinnen, nicht gesund sein. Und nachher stehen dann die grauen Männer vor der Tür und pfänden meine innere Uhr.

57.

Nicht mal mehr Standardsituationen helfen. Duff-Man bringt einen Freistoß rein, aber Schildenfeld räumt Andrews aus dem Weg, der sogar noch ein Stürmerfoul dafür kassiert. Das haben sie jetzt davon, dass sie immer einen auf harten Mann machen, quasi unverletzbar. Keiner glaubt mehr, dass sie überhaupt gefoult werden können.

60.

Habe das mit der verrutschten Realität eigentlich nicht wirklich ernst genommen. Jetzt aber spüre ich leichtes Unbehagen. Denn Trapattoni bringt zwei Stürmer. Jener Trapattoni, der einst mit der jungen italienischen Republik den Catenaccio gezeugt hat. Das kann nicht sein. Klarer Fall von Paralleluniversum. Und nachher hält Bundespräsident Claus Kleber die Neujahrsansprache.

63.

Klarer Elfmeter für die Jungs in Grün. Eigentlich. Der Schiedsrichter aber lässt weiterspielen. Hat kein Mitleid mit den Iren. Ich lege mich fest, so wird er in diesem Leben nicht mehr Bundeskanzlerin.

65.

Geil! Jetzt versuchen die Iren Kick’n’Rush über 90 Meter. Bei einem Spielfeld, das 105 Meter lang ist. Klappt komischerweise nicht. Trotzdem geil. Aber warum ist Trapattoni plötzlich so blass?

68.

Inzwischen wirkt es schon ein bisschen hilflos, wie die Iren versuchen, sich gegen die Niederlage zu stemmen: Mit Endlos-Pässen, mit Standards, weniger mit: Fußball. Was schon deswegen ärgerlich, weil sehr viele Experten, die ich für »sogenannte Experten« halte, jetzt sagen können, dass sie recht hatten.

71.

Ein Gutes hat’s ja. Gestern lag, als ich nach dem Schlandspiel aus Kreuzberg nach Hause geradelt bin, ein total besoffener Typ rum, mitten auf dem Bürgersteig an der Leipziger Straße, Ecke Friedrichstraße. Also ein Typ, der da nicht jeden Abend liegt, sondern einer, der sonst normalerweise erst in der Vorlesung einpennt. Als ich ihn aufweckte, wollte er dann auch gleich abklatschen, stilecht mit der Faust, versteht sich. Oder er wollte mir eine reinhauen und hat es nur nicht geschafft, den Arm zu strecken. Dergleichen ist heute jedenfalls nicht zu erwarten. Das Spiel ist nämlich jetzt schon eingeschlafen.

75.

Wie ich das hasse, wenn ich mich anhöre wie meine eigene Kommentatoren-Großmutter. Aber das Spiel plätschert nun mal so vor sich hin, die einen wollen, können, aber nicht, die anderen können, wollen aber nicht mehr. Wenig interessant inzwischen also, das Ganze. Interessanter ist da die Frage, ob der Familienname Cox in Irland eigentlich Neid hervorruft, weil er ja nahelegt, dass jemand gleich mehrere hat.

77.

Die Kroaten spielen das jetzt ganz lässig runter. Lassen die Iren laufen. Hier ein Zauberpass, dort eine Showeinlage. Und ich muss unvermittelt an Sarah Wagenknecht denken. Auch so ein Kabinettstückchen.

80.

Jetzt aber ein Hammer-, ich betone, HAMMMER-Wechsel. Neben Cox stürmt jetzt – haltet euch fest – LONG!

83.

Erst jetzt, wo es schon fast viel zu spät ist, klärt uns Schmidt auf, dass es im Jahr 2012 keine Freistoßkünstler, sondern nur noch Freistoßkönner gäbe. Aber nicht einmal das stimmt ja, wie das kroatische Exemplar anschaulich bestätigt.

85.

Wäre dieses Spiel vor dreißig Minuten abgepfiffen worden, wäre es als eines der besten in die Geschichte eingegangen. Aber so ist das nunmal. Wäre Merkel nie Kanzlerin geworden, wäre sie als Kohls bestes Mädchen in die Geschichte eingegangen. Nur wird Historie eben vom Ende aus erzählt. Und auch wir können gar nicht anders, reagieren wie ferngesteuert. Als hätten wir, naja, 'nen Knopp im Ohr.

88.

Momentan sieht’s da unten auf dem Platz ein bisschen aus wie bei mir auf dem Bolzplatz, wenn alle platt sind und der Dicke im Tor fordert, dass wir doch aufhören sollten, »bevor sich noch einer verletzt«. Letztes Tor entscheidet? Abgelehnt.

90.

Das ist jetzt aber schon ein bisschen respektlos. »Die EM hat ihren ersten Flitzer, der von einem Ordner gestellt wird«, konstatiert Oiver Schmidt. Dabei ist das nur Ivan Perisic, der nach seiner Auswechslung einen Betreuer abklatscht.

91.

Nun könnte man eigentlich mal schauen, wie lang hier nachgespielt werden soll. Nur: "Der vierte Offizielle hat keine Tafel", erklärt Schmidt. Das muss man sich mal vorstellen. Wenn das damals in Camelot ähnlich gewesen wäre, würden wir nur von den Rittern der sinnlos im Saal stehenden Stühle sprechen. Ginge natürlich nicht. Denn wie heißt es so schön: Die Runde muss ans Eckige.

93.

Die Iren noch mal mit dem sprichwörtlichen Mute der Verzweiflung. Leider aber auch mit mehr Verzweiflung als Mut. Andrews kommt im Sechzehner völlig frei zum Kopfball, der Ball aber tropft neben den Pfosten wie irischer Regen. Doch: Kein Rettungsschirm, nirgends.

96.

Wenn ihr mal ne männliche Domina braucht (Wie heißt das? Domino ja wohl hoffentlich nicht), zieht Schiedsrichter Björn Kuipers in Betracht, liebe Fans, einen Sadisten vor dem Herrn, der in dieser Partie, in der keiner mehr kann, die längst entschieden ist, noch einen Zuschlag von fünf Minuten sehen will. Die sich natürlich anfühlen wie zehn. Dann ist es endlich vorbei. Abpfiff. Kroatien schlägt Irland mit 3:1.

22:46 Uhr

Die Niederlage der Iren wird uns präsentiert von Coca Cola und McDonald's. Warum, das weiß nur die Uefa. Für die irische Nationalmannschaft aber gilt: Es war ein Spiel, wie das Leben nicht sein sollte. Echter Kampf mit Zero Chancen. Wir aber schalten nach Heringsdorf. Dort gibt Müller-Hohenstein dem Affen Zucker. Mit Zero Geschmack.

22:48 Uhr

Luftaufnahme von Usedom – und für einen kurzen Moment die Hoffnung, die Flut hätte unsere Probleme mit der neuesten ZDF-Ferieninsel mit einem Wisch erledigt. Aber für nichts sind diese Binnenmeere gut. Wir gehen jetzt nach Hause, legen uns ins Bett und träumen von der perfekten Welle. Gute Nacht und bis morgen, liebe Fans.


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