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Im Wurmloch der Langeweile

Werder-Milan im 11FREUNDE-Liveticker

Im Wurmloch der LangeweileImago

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Am Mittwoch um 20:15 Uhr geht es hier los.

An der Tastatur: Lucas Vogelsang.

Seid dabei!

20:15 Uhr

Willkommen zum nördlichsten Italo-Western in der Geschichhte des Uefa-Pokals.
Ein Hauch von Championsleague liegt über dem Weserstadion.
Und für Spannung ist gesorgt, denn:

Zumindest mit Blick auf die Leistungskurve sind die Bremer derzeit die kurvigste Mannschaft Deutschlands, mindestens. Dortmund im Pokal geschlagen, danach in Bielefeld aus Trotz nicht richtig gespielt und gegen Gladbach schließlich im Scheibenschießen nur eine Teilnehmerurkunde erschwommen.  Doch nun kommt gerade rechtzeitig der richtige Aufbaugegner: Das Altstar-Team aus Milan. Ein scheinbar übermächtiger und deshalb unglaublich leichter Sparringspartner für Werder. Denn gegen die Schwergewichte wirkt dass Spiel der Bremer immer besonders leicht.

Die Italiener haben auf diese abstruse Arithmetik der Norddeutschen bereits reagiert. denn Milans Trainer Carlo Ancelotti hat Videos der Bremer Auftritte gegen Hannover, Cottbus, Bayern und Hertha angeschaut und zu dem Schluss gekommen, dass Milan heute Abend nur eine Chance hat, in Bremen zu bestehen: Verkleiden. Als unbegabte Graupentruppe. Eine Maßnahme dabei: Die Umbeflockung der Trikots. Beckham spielt heute als Ervin Skela und Pato als Artur Wichniarek. Ancelotti möchte auf diese Weise die Außenseiterrolle der Rossonieri simulieren und die Bremer so zum Sinnlos-Harakiri aus dem Gladbach-Spiel animieren.

Ob das klappt, ob Frings Haarbänder mit Ambrosini und Tim Wiese Wallnuss-Oliven-Bräunungscreme mit Silvio Berlusconi tauschen wird und wer eigentlich diese Antje Lotti ist, der Ticker wird es herausfinden.

Gleich geht’s hier los!

20:20 Uhr
Live vor Ort im Weserstadion, wo es laut Klaus Allofs jetzt sogar nach Meisterliga duftet, ist 11Freunde-Straßenpoet und Gesichtshaarexperte Dirk Gieselmann, der, bewaffnet mit einem Herlitz-Geodreieck bewaffnet,  in loser Abfolge die Bartlänge Thomas Schaafs durchgeben wird.

Kollege Gieselmann hat per Flughund (kicker.de) zumindest schon mal die aktuellste Aufstellung geschickt:

So wollen sie spielen:

Wiese - C. Fritz, Mertesacker, Naldo, Boenisch - Baumann - Tziolis, Özil - Diego - Pizarro, Hugo Almeida

Trainer: Schaaf

AC Mailand
Abbiati - Zambrotta, Senderos, Kaladze, Jankulovski - Beckham, Flamini, Ambrosini - Ronaldinho, Seedorf - Pato

Trainer: Ancelotti

20:25 Uhr
"Die Wahrheit liegt auf dem Platz" und "Werder steht am Scheideweg", sagt die ZDF-Stimme Thomas Wark zur Begrüßung.
Das hört sich fast an wie aus dem Kommentarbausatz von Kai Pflaume. Ein Hauch von Championsleague liegt über dem ZDF.

20:29 Uhr
Die Mannschaften laufen ein. Mailands Senioren spielen in Knickerbockers und sind zusammen so alt wie Thomas Schaafs Falte unter dem linken Auge.

Noch fünf Minuten bis Wark feststellen wird, dass Paolo Maldini schon Nationalspieler war, als Özil noch gar nicht geboren war.

20:30 Uhr
Anstoß. Werder sucht seinen Rhytmus. Schaaf mit Schellenkranz an der Seitenlinie.

1.
Gleich eine Ecke für Bremen. Diego, nüchtern, wird sie ausführen.

2.
Bremen schon jetzt mit fast so vielen Chancen wie im Kampf gegen Hans Meyers Antiquitätsfußball. Aber Tziolis scheitert am Mailänder Keeper, einem 23jährigen Belgier, der über Nacht aus Gladbach geholt wurde.

4.
An der Mittellinie haben sich Ambrosini und Frings (in zivil, aber mit Hass in den Augen) in den Haaren.

6.
Jetzt erkennen sie, dass sie Halbbrüder sind. Vater Frings hatte jahrelang einen Wohnwagen an der Adria. Frings wird vom Feld geschickt. Muss unter die Dusche. Sein neues Totenkopftattoo aus der Bravo abwaschen.

8.
Thomas Wark hat seine eigene Chancen-Zählweise entwickelt und rechnet jeden erfolglosen Bremer Angriff auf die 35 Tormöglichkeiten aus dem Gladbach-Spiel rauf. Bremen jetzt mit 40 Großchancen und nur einem Tor: 1:1 für Mailand.

9.
Die Mailänder Abwehr wirkt wie eine Rentnergruppe auf Sightseeing-Tour am Checkpoint Charlie: Ein bisschen Staunen, ein bisschen Nostalgie und ganz viele Pausen. Jankulovski hat Stullen dabei.

10.
Inzaghi macht, was er am besten kann und versteckt sich an der Demarkationslinie zwischen Abseits und Torchance. Hat dazu dem Linienrichter die Fahne geklaut. "Listig", meint Wark.
Und: "Mit allen Wassern gewaschen." Ghostwriter: Fritz von Thurn und Taxis.

12.
Wieder Inzaghi. Wieder abseits. Der Linienrichter hat seine Fahne wieder und Wark philosophiert über das Wort Flügelspiel.

14.
Baumann und Ronaldinho prallen im Mittelfeld aufeinander. Werders Kapitän schüttelt sich. Hat einen Zahnabdruck in der Stirn. Der Brasilianer macht den Surfergruß.

16.
Erste Großchance für Mailand, aber Italienkenner Wiese (Münz-Rimini für goldene Adriabräune, Lieblingsessen: Spaghetti Carbonara) lenkt den Ball zur Ecke. Danach bestreut er sich selbst mit Parmesan.

18.
Schaaf im Bild. Gieselmann meldet: Bartlevel drei (Kurt Beck), noch zwei bis Marx!

20.
Fritz klärt gegen Ambrosini, der sogleich zur italienischen Gestik-Oper ansetzt. Aber Fritz lächelt nur und gibt ihm auf der nach oben offenen Luca-Toni-Skala nur einen Panettone.

23.
Inzaghi macht vor, wie es richtig geht. Fallenlassen, Händekreisen, ein Blick irgendwo zwischen Hund (süß) und Katze (verschlagen). Drei Panettone.

25.
Das Spiel befindet sich im Snooze-Modus. Man kann Schaafs Bart wachsen hören. Jetzt wäre es Zeit, ein paar Hoteltraumreisen an die Türkische Riviera zu verlosen. Jeder Anrufer gewinnt. Und danach gibt es Brüste vor Flipcharts.
Stattdessen nur: Boenisch vor Inzaghi.

28.
Diego klaut Senderos den Ball, muss aber allein gegen alle Italiener spielen, weil der Rest der Mannschaft mit Wiese das Verhalten bei hohen Bällen übt.

30.
An der Seitenlinie tauschen Inzaghi und Wolgang Rolff Schlachtanekdoten aus. Veteranentreff Weserstadion. Und an der Heimorgel: Uli Borowka.

32.
Mailand wird stärker. Chancen für Inzaghi und Seedorf. Schaaf reagiert und zündet Wunderkerzen an. Werders Scrooch wartet auf den Geist der vergangenen Weihnacht.

34.
Das Spiel jetzt so spannend wie ZDF-Videotexttafel 224. Mit Blick auf das kommende Wochenende ist es Zeit für Karnevals-Rhetorik: An Ronaldinho nagt der Zahn der Zeit.

36.
TOOOOR! Ein Tor aus dem Nichts des Entertainment-Vakuums: Mertesacker legt  Inzaghi den Ball am Elfmeterpunkt zurecht. Wiese duckt sich , will gar nicht erst hinsehen: 0:1 für Mailand. Schaaf zündet Wunderfackeln an und macht Böllergeräusche.

39.
Uli Borowka (an der Heimorgel) legt "Wunder gibt es immer wieder" auf. Dann geht er stagediven im Werder-Fanblock.

40.
Diego (immer noch nüchtern) hadert mit der Unzulänglichkeit seines Umfelds. Bestellt drei Ramazotti und verlangt von Bremens Pressechef Tino Polster die augenblickliche Herausgabe seiner Autoschlüssel.  Verständlich: Wer  will schon nach Delmenhorst laufen.

42.
Die Mailänder Taktik geht auf. Die Italiener spielen wie Cottbus und führen mit 1:0.
Ancelotti schickt eine kurze e-mail in die Lausitz: "Danke, Bojan!"

45.
Mailand führt in Bremen mit 1:0. Doch das ist nicht die einzige schlechte Nachricht für Bremen: Wie die Uefa soeben verkündet hat, darf Mesut Özil trotz der ersten Halbzeit im Werder-Trikot, in der zweiten Hälfte für Mailand auflaufen. Möglich macht das eine Zusatzklausel in den Uefa-Statuten. Auf Özils Homepage eskaliert das Forum.

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Halbzeit

Michael Steinbrecher, mit Glaswolle vom Bauhaus auf dem Kopf,  analysiert ganz allein die Highlights der ersten Hälfte. Durch die  Wirtschaftskrise ist auch das ZDF zu massiven Sparmaßnahmen gezwungen. Und so wurde Oliver Kahn wegrationalisiert.
Johannnes B. Kerner verlässt sein Studio in Hamburg eh nur noch für WM-Spiele.
Zumindest Matthias Sammer hätte man aber einladen können. Der kommt auch umsonst.

Thomas Schaaf versucht derweil, seine Mannschaft wachzurütteln, indem er ihnen die Kontoauszüge von Ronaldinho und Andrea Pirlo zeigt.

Torsten Frings, mittlerweile wieder abgetrocknet und mit einem Smiley auf dem Oberarm, ist zurück an der Seitenlinie, wird aber vom Vierten Offiziellen festgehalten.
Bei genauem Hinsehen stellt sich die Frage, ob Frings und Stefan Kretzschmar eigentlich ein und dieselbe Person sind.

46.
Wiederanstoß. Alles wie vorher. Nur Mailand jetzt mit Özil. Und Bremen mit Frings als Tim Wiese.

47.
Boenisch übt weiter Flanken. Die Balljungs applaudieren höhnisch.
Auf der Ehrentribüne werden Fangnetze angebracht.

49.
Tziolis verteilt Gratis-Bälle an den Fanblock. Pizarro lässt sich von Baumann das mit der Abseitsfalle noch mal erklären. Und Boenisch? Übt weiter Flanken. Bremen wird besser.

51.
Nächste Ecke. Özil, der jetzt ein neongelbes Leibchen trägt undd für beide Teams spielt, bringt den Ball hinein und klatscht sich danach mit Dida ab.

53.
Almeida aus gefühlten 40 Metern gefühlte 40 Zentimeter vorbei. Messdiener Gieselmann bestätigt die Schätzungen von ZDF-Mann Wark. Die Zahlen sprechen für Werder.

55.
Ancelotti wird Beckham bringen, Schaaf vielleicht Vranjes. Gut, wenn man reagieren kann.

56.
Diego weckt Dida auf, dem schon das Gesicht eingeschlafen war. Auch Wark, dem die Stimmbänder eingeschlafen waren, schreckt auf und röhrt ins Mikrofon. Zumindest in seiner Sprecherkabine kippt das Spiel.

58.
Ancelotti beginnt mit der sukzessiven Demütigung der Bremer und erhöht das Durchschnittsalter seiner Mannschaft: er schickt George Weah und Ibrahim Ba zum Warmlaufen. Schaaf reagiert und zieht seine Trainingsjacke aus, lässt sich Vranjes'  Trikot geben. Warum auch nicht: Unter Rehhagel würde er wahrscheinlich immer noch Libero spielen dürfen.

60.
Diego verläuft sich im Mittelfeld. Bremens Raute ist merklich deformiert. Verbindet man die einzelnen Bremer Spieler, erhält man eine Anleitung zum Unglücklichsein.

64.
Das Spiel läuft jetzt rückwärts. Vorteil: Noch fünfzehn Minuten und Schaaf hat wieder einen ordentlichen Dreitagebart.

66.
Pirlo, Ronaldiho, Diego, Pizarro. Entweder wurden vor dem Spiel Valium-Tabletten verteilt, oder Madame Tussaud's Fußballwanderausstellung macht heute Halt in Bremen.

67.
Inzaghi taucht urplötzlcih aus einem Wurmloch hinter der Bremer Abwehrkette auf, trifft aber nur den Pfosten. Wiese verschließt das Wurmloch mit Haarwachs. Inzaghi pantomimt Traurigkeit. Weiter 0:1!

68.
Mailand jetzt mit acht Greisen in der Defensive, Werder mit sieben Stürmern. Doch Dida hat plötzlich mehr Arme als Berlin-Hohenschönhausen.

70.
Frings fordert Beckham zu einer Partie "Arm Wars", küsst dabei ständig seinen Bizeps. Beckham versteckt sich hinter dem Bremer Maskottchen. Im Duell Smint- gegen Armani-Model steht es 1:0. Jetzt braucht Mailand ein Wunder.

73.
Zurück zum Spiel. Nein doch nicht. Unzulänglichkeiten in der Endlosschleife: Boenisch an der Außenlinie. Sehne ein Testbild herbei!

75.
Testbild. Doch nicht. Frings in Großaufnahme. Doch Warks zittriges Timbre verrät, Werder baut weiter am einseitigsten Chancenverhältnis der Uefa-Pokal-Geschichte. Hilft aber alles nichts: Mailand mit Hans-Meyer-Taktik. Das ZDF reagiert spontan avantgardistisch und sendet in schwarz-weiß.

77.
Wark kommentiert aus lauter Langeweile jetzt youtube-Videos. Ab morgen moderiert er Upps! - die Pannenshow auf RTL.

80.
Die Spieler duellieren sich in Bewegungslosigkeit. Regel: wer zuerst zittert, muss vorzeitig zum Duschen!

83.
Schaaf greift nach dem letzten Strohhalm. Macht Papierkügelchen speichelnass und bespuckt Ancelotti.

84.
TOOOOOOOOOOOOOOOR! Diego, nicht mehr ganz nüchtern, zerschießt die Langeweile. Dida schaut dem Ball hinterher wie einem fetten Jungen mit Brüsten. Gebt ihm ein nasses Handtuch! Ganz egal. Bremen gleicht aus. Schaaf verschluckt sich an dem letzten Stück Serviette. Und: erst jetzt wirkt Ancelotti seltsam angegangen. Seine linke Wange übersät mit weißen Papierplöpsen.

87.
Ancelotti bringt die einzige Litfasssäule im bezahlten Fußball. Frings wirft Beckham seinen Schlüpper hinterher. Armani kann doch jeder!

89.
Wieder Diego. Wark wittert das Wunder. Macht Purzelbäume in der Sprecherkabine.

90.
Pfosten. Doch Wark bekommt den Ball nicht über die Linie.

91.
Werder Bremen vorne mit drei Diegos. Spiegelkabinett-Wahnsinn. Didas Augen flackern.
Alle Fans stehen. Doch Tziolis kommt an den Ball. Nichts.

92.
Letzte Chance für Bremen. Es stinkt nach Wunder. Wark fordert 45 Minuten Nachspielzeit.

93.
Abpfiff! "Dieses 0:0 ist zu wenig!" weiß Wark, der seine Sprecherkabine durchgeschwitzt hat.
Egal: Auf das Ergebnis kommt es eh nicht mehr an. Hauptsache Italien.
Frings und Beckham tauschen Tatoos, Diego gibt noch ein Interview und nimmt dann den Bus nach Delmenhorst.

Thomas Schaaf, jetzt mit Extensions im Gesicht, pustet die Wunderkerzen aus und trifft sich mit Steinbrecher zur Nachbesprechung. Beide schweigen. Wark kommentiert immer noch.
Eine Reportage, powered by Duracell!Schaaf verabschiedet sich in die Nacht. Nur Uli Borowka legt weiter tapfer die besten Hits aus "Feiern macht sexy!" auf. Rausschmeißer-Musik, der nur Tim Wiese etwas abgewinnen kann.

Bremen spielt gegen die Ü-40-Auswahl Italiens nur 1:1. Zu wenig für die nächste Runde.
Aber vielleicht gibt es in Mailand ja ein neues Wunder. Oder zumindest ein Fußballspiel, dass diesen Namen auch verdient.

All jenen, die nach dieser Partie noch wach sind, eine gute Nacht!

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