Hamburger SV
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SpVgg Greuther Fürth

HSV - Fürth im Liveticker

Vorgefürth

Tick, tack, tick, tack. Der HSV lauscht seiner Stadionuhr und vergisst dabei das Fußballspielen. Weil Dennis Diekmeier aber seinen ersten Follower anwirbt, ist der Dino nicht der Verlierer des Tages. Dem armen Twitterschwein und allen anderen sagte aus Hamburg Tschüß: der Liveticker.

Start ab 20 Uhr

20:15

So, Freunde, ab geht's mit dem Relegationsspiel Hamburg gegen Fürth. Kollege Herrmann legt noch schnell ein Dino-Steak auf den Grill, ich reiße noch kurz die Kapitel »Hal« - »Han« aus dem DFB-Lexikon, dann können wir loslegen. In diesem Sinne ein herzhaftes »Moin« in die Runde.

20:17 Uhr

Oliver Kreuzer im Interview. Erschütternd: Kreuzer sieht nach einem Jahr HSV aus wie nach zwei Dekaden Bürgerkrieg.

20:21 Uhr

Das blühende Leben hingegen: Pierre-Michelle Lasogga. »Abstieg? Höhö, nee, geiles Publikum hier, alles cool.« Auch geistig eher eine Sturmkante.

20:23 Uhr

Erste Hiobsbotschaft für Fürth: Heiko Westermann spielt nicht. Jetzt wird's schwer für die SpVgg.

20:25 Uhr

Frank Kramer jetzt im Interview, sieht mit seinem Bärtchen ein wenig aus wie James Hetfield. Wär geil, wenn er Lotto King Karl die Klampfe klauen und vor der Fürther Kurve »Hit the Lights« spielen würde. Oder »Enter Sandman«, das er dann Oliver Kreuzers Augenringen widmet.

20:27 Uhr

Noch drei Minuten bis zum Anpfiff, noch steht es 0:0. Ein erster Achtungserfolg für den HSV

20:29 Uhr

Jubelstürme und Konfetti in der Redaktion, Kollege Gießelmann steht überraschend in der Startelf der Fürther. Glückwunsch, Dirk, wir haben immer an dich geglaubt. Mach et!

1.

Anpfiff. Der HSV bis jetzt zu umständlich. Mit Problemen. Siehe hier:

2.

Für die ARD moderiert Gerd Gottlob. Das ist so typisch.

4.

Ich, Herrmann, übrigens live aus Hamburg. Und fürwahr, in der Hansestadt herrscht heute Ausnahmezustand.Es hat sich eine apokalyptische Stimmung über die Alster gesenkt. Die Wälder dunkeln, die Hirsche fliehen, die Möwen fallen einfach aus der Luft. Tiefpunkt diese Abwärtsspirale diese Konversation mit einem Bekannten vorhin:

Ich: Schaust du heute Fußball?

Er: Ich habe einen Muskelfaserriss.

Ich: Mmmh.

Er: Was tippst du denn?

Ich: Unentschieden.
Er: Was ja eine Niederlage wäre.
Ich: Naja.

Er: Es soll auch noch regnen.

5.

Die Fürther kommen. Und die Beschwerden von Leser-, von Hamburger Seite auch. Das sei doch gar nicht der offizielle Dennis Diekmeier bei Twitter, wird uns entgegengeschimpft. Wirklich nicht? DAS müsst ihr uns erstmal beweisen! Bei 11FREUNDE gilt das Credo: Schuldig bis zum Beweis der Unschuld.

7.

Erster Torschuss für, das wollte ich so bundesligaradiokonferenzhaft schon immer scheiben: die Kleeblätter. Links vorbei. Adler, der sich heute als Drobny verkleidet hat, muss nicht eingreifen. Reich reißt eine ganze Butterblumenwiese aus. Und Dennis Dieckmeier? Hat die Szene nicht richtig gesehen, weil er Ruud van Nistelrooy anwerben muss.

10.

Fürth schnell wie ein Meteoritenhagel. Der Dinosaurier wankt. Live aus einem Land vor unserer Zeit: wir.

13.

Hamburg bemüht, Fürth aber fleißiger. Die Fürther sind ja das laufstärkste Team der Zweiten Liga und laufen im Schnitt sechs Kilometer mehr als die Hamburger. Aber das ist auch eine unfaire Statistik, der HSV hat schließlich Van der Vaart im Team, der pro Woche in etwa einen Kilometer läuft und nächstes Jahr einen exklusiven Ausrüstervertrag mit »Gemino-Rollatoren« unterschreiben soll.

16.

Aus unserer beliebten Rubrik »Sätze, die man alle fünf Jahre mal hört«: Guter Pass von Tesche.

17

»Platz für Tesche«, so Gottlob. Das »...im Zweitligakader« vergisst er aber irgendwie.

19.

Kontermöglichkeit jetzt für den HSV. Aber: HSV. Weiterhin 0:0.

22.

Drobny bisher mit einer soliden Vorstellung. »Wennde n Drobny holst, dann mussdn spieln lassn. Dann mussdn ohne wenn und aber spieln lassn«. Na endlich hört man beim HSV mal auf Frank Rost.

23.

Stieber kam direkt von Sonnenbank auf den Rasen getrabt. Großartige Bronzebräune, Dieter Bohlen wäre stolz. Richtig, Herr Bohlen? »Wenn ich nach sechs Wochen aus dem Studio komme und Fernsehen habe und aussehe wie ein Toter, aber nicht aussehen möchte wie ein Toter, dann schmeiße ich mich eben unter den Toaster. Das ist ein Tribut an meine Fans. Ich möchte meinen Fans nicht zumuten, einen blassen, fertigen Typen zu sehen.« Wir auch nicht, Dieter. Wir auch nicht.  

24.

Kurzer Schwenk in die WM-Vorbereitung: Löw präsentiert parallel zur Relegation eine neue Alternative für den Angriff. Erfolgshungrig, routiniert und eiskalt sei der Neue, so der Bundesjogi. Leider bekommt die Turnierhoffnung das Leder gleich in der ersten Szene an die Hand. Hansi Flick versucht den Fauxpas wegzulächeln, aber es ist schon zu spät – geahndet wird das Foul mit einer Steuerreform von Friedrich Merz, notiert auf einem Fußballtrikot.

27.

In der BILD-Zeitung, Regionalausgabe Hamburg, haben HSV-Helden gefordert: HEUTE MÜSST IHR GRAS FRESSEN! Müssen die Rothosen falsch verstanden haben. Es sieht so aus, als hätten sie das Gras geraucht. Wieder branden wilde Fürther Angriffe auf das Tor von Drobny. Aber der paktiert mit dem Teufel, kniet den Ball von der Linie. Erstklassige Parade. Noch.

29.

Djourou rettet. Die Relegation hat ihre eigenen Gesetze.

30.

An der Seitenlinie ein Dreiergespräch zwischen Slomka, Lasogga, Calhanoglu. Was sie wohl bereden? »Also ich nach Leverkusen, und du?« - »Weiß nicht. Vielleicht zurück zur Hertha. Muss Mama fragen. Trainer?« - »Bin ab Juni VHS-Kursleiter: So reden Sie sich Ihre Miseren richtig schön.«

32.

»Ich bin überzeugt, dass wir das mit der einmaligen Unterstützung unserer Anhänger schaffen«, hat Mirko Slomka vor dem Spiel gesagt. Mittlerweile fragt man sich: Was ist DAS? Und bekommt der HSV im Rückspiel tatsächlich kein Support mehr? Es würde nicht verwundern.

34.

35 Minuten gespielt, Immer noch 0:0. Das dürfte der größte Erfolg der jüngeren HSV-Geschichte sein.

38.

So ein wichtiges Spiel heute, auch viele Ehemalige drücken dem HSV die Daumen, selbst wenn die Vorstellung bisher eher mau ist. Herr Jol, Ihre Einschätzung? Ahja...

41.

Mehr Gewühl jetzt im Hamburger Strafraum als in Gina-Lisa Lohfinks Schlafzimmer. Das Ergebnis aber genauso sexy. Würg

43.

Der Djurjic bei Fürth sieht ein wenig aus wie Farid Bang. Wann bringt Frank Kramer Kollegah den Boss?

45.

Woran man erkennt, dass beim HSV etwas nicht stimmt: Wenn Hakan Calhanoglu seine Fernschüsse nicht in den Winkel nagelt, sondern holprig nebend das Tor setzt. Ein Jahr lang HSV-Training geht auch an ihm nicht spurlos vorbei.

21:17 Uhr

So, Pause. Für alle, die das Spiel nicht sehen können, hier die erste Halbzeit in der Zusammenfassung:

21:19 Uhr

Halbzeit. Und die Meister der Suspense, die bei der ARD Regie führen, blenden exakt in dem Moment ab, als Lasogga und Jiracek beim Kabinengang handgreiflich werden. Würde ich Gebühren zahlen, ich würde sie zurückfordern.

21:21 Uhr

Die Tagesschau blendet vom Fußball ab, zeigt das Grubenunglück in Soma. Tragödie - das ist plötzlich ein sehr relativer Begriff.

21:23 Uhr

Die gute Nachricht für den HSV: Es steht nur 0:0. Die schlechte Nachricht für den HSV: Es steht nur 0:0. Wen kann Slomka jetzt bringen? Auf der Bank: Kein Bäron, kein Fischer, kein Spörl, kein Ivanauskas. Stattdessen: Tah, Westermann, Demirbay, John, Bouy. Gute Nacht, John Bouy.

21:27 Uhr

Wenn man ein Auge zudrückt, kann man dem HSV wenigstens Kampfgeist attestieren. Aber wenn der Träger ein Zyklop ist, kann man ein Monokel auch als Brille bezeichnen.

21:29 Uhr

Haben wir gerade HSV-Granden aufgezählt und ihn, den Methusalem, den Suppenkasperpapst, den Godfather of Bürstenschnitt, vergessen? Uli Stein bei Matthias Opdenhövel am Analysetresen. Nimmt die Seinen mit hanseatischer Nonchalance auseinander. Hat dazu die Haare frisch coloriert. Der letzte Hamburger, der sich noch um seine Außenwirkung kümmert.

46.

Weiter geht's. Für die zweite Hälfte hat der HSV extra nochmal die Unterwäsche gewechselt.

49.

Gute Einschätzung von Uli Stein eben in der Halbzeitpause: »Alles Suppenkasper, da muss man dem Gegner mal in die Fresse schlagen. Zur Not zahlt der Kühne die Jackettkronen.« Richtig so, Uli.

51.

Der HSV jetzt am Drücker, zwei Ecken nacheinander, dann die Flanke, aber kein Durchkommen. Und irgendwo weint Manni Kaltz ein paar salzige Tränen in ein Banana-Split.

54.

Ach, ist doch auch irgendwie kacke. HSV vielleicht bald nicht mehr in der Liga, Red Bull bekommt die Lizenz, irgendwie ist das nicht mehr mein Sport. Ab jetzt geh ich Cricket gucken, das versteh ich nicht, also kann ich da auch nicht enttäuscht werden. Juhu. Bzw. Schnüff.

56.

Fürth jetzt besser, erspielt sich zumindest Chancen und Ecken, auch wenn es bisher nix einbringt. Und der HSV? Eher so:

57.

Merkwürdig. Meine Seamaster Ploprof 1200 M Co-Axial aus Edelstahl funktioniert nicht mehr. Und auch an Reichs Montblanc Tourbillon mit Handaufzug lahmt das Zeigerpaar. Die Redaktionsuhr (Lackschild, aus Tannenholz) ist vor einer halben Stunde vom Nagel gerutscht. Omen est Abstieg.

59.

Baba! Klingt wie ein Psychopharmakon, das man sich als Hamburger bei diesem Spiel gerne einwerfen würde. Diese Qualen. Dieses Leiden. Mach, das es aufhört. Aber. Es. Hört. Einfach. Nicht. Auf. Es geht immer weiter.

60.

Van der Vaart lacht dieses bittere Lachen eines Mannes, dem das Leben, die Liebe, der Job, alles entgleitet. Har-har-har. Wer kann dem Kapitän helfen? Vielleicht ja Janßen, mittlerweile eingewechselt, von Gerd Gottlob, dem Vater der Intimbeichte, als positiver Typ eingeführt. Aber ein Optimist ist eben auch nur ein Pessimist mit Realitätsverlust.

62.

Calhanoglu über links. Da ist nicht genug Platz für sein Ego. Einwurf.

63.

Gottlob verliest eine Moderation, die er sich nächtens zuvor in Sütterlin und mit einem kratzenden Gänsekiel in sein ledergebundenes Moleskine-Notizbuch kalligrafiert hat. Im Hintergrund hallt dazu Zadok The Priest von Händel in hellem D-Moll. Alles ganz klassisch bis hierhin. Wo ist dieser moderne Fußball, wenn man ihn mal braucht?

64.

Azemi ist frei durch, vor Drobny, muss schießen, rutscht aus. Im Gegenzug: Janssen, über links, zügellos, als hätte es die ganze Scheißvergangenheit nie gegeben, die verkorkste Station in München nicht, die Ausbootung durch Löw nicht, gar nichts, bedient Van der Vaart, der Lasogga bedient, der an Hesl scheitert. Durch-at-men! Da Spiel wogt hin und her, meine Kehle vertrocknet vor Aufregung, mir wird ein Glas Wasser gereicht von meinen namenlosen Couchgästen. Oder wie ich sie nenne: Herrmanns treue Riege.

67.

Gerd Gottlob wirft mit McKinsey-Begriffen um sich. Will die HSV-Bilanz verbal aufbessern. Scheitert.

70.

Gedanken am Abend: Ob Oliver Kreuzer ein Tamagotchi am Leben erhalten könnte?

72.

Der HSV jetzt besser. Trägt die eigens von »Super RTL« ins Leben gerufene Rettungsaktion also doch Früchte?

73.

Azemi mit der Kopfballchance, aber vorbei. Kurz darauf wieder Azemi, aber er rutscht an der Flanke vorbei, wieder nix. Der Mann ist so torungefährlich, dass Oliver kreuzer wahrscheinlich gerade schon ein Angebot vorbereitet.

74.

Man könnte jetzt was zur Stimmung in der Arena schreiben. Man könnte aber auch einfach schweigen. Wie man das auf Beerdigungen so macht. Gratis für euch, die 11FREUNDE-Schweigeminute, hier: ___________________________________________________________________________ .

77.

Derweil hat Dennis Diekmeier seinen ersten Follower. Bezeichnend.

78.

HSV kickt, vergisst aber zu rushen. Sieht im Ergebnis unfertig aus. Als würde Oliver Hardy ohne Stan Laurel auftreten, plötzlich nur noch ein adipöser Mann mit Schnauz, Melone und zu viel Gel im Haar, lächerlich, zur Bespottung freigegeben, das Publikum johlt: »Guck mal, der Fettsack, ha!« Und am Ende ruft Dr. Christine Theiss an und sagt: »Das sind immer noch zwanzig Kilo zu viel, für den Klassenerhalt hat es leider nicht gereicht.«

79.

Relegation. Aus dem Lateinischen, relegatio, im römischen Reich die mildeste Form der Verbannung. Auch die Linguistik spuckt dem HSV dieser Tage ins Gesicht.

82.

Wir erinnern uns an 2012, Düsseldorf gegen Berlin, Invasion, Bengalos, Randale. Jetzt kann dem HSV nur noch ein Fan helfen, der den Rasen stürmt. Und das ganze Spielfeld herausschneidet.

85.

Marcell Janßen, der Skorpion, wirkt heute irgendwie schneller als sonst. Vielleicht liegt das an den neuen Fußballschuhen, die er sich  extra für die Relgationsspiele hat designen lassen. Fesch.

88.

Lasogga, Hamburgs Sturm-Büffel mit der Riesen-Chance, ochst den Ball aber direkt auf den Torwart. Immer noch 0:0. Scheißegal, trotzdem HSV:

89.

Mit Niklas Füllkrug und Florian Trinks jetzt zwei Ex-Bremer bei Fürth im Spiel. An der Seitenlinie macht sich zudem eine Papierkugel bereit. Könnte nochmal spannend werden.

90.

Trinks also im Spiel. Relegation als Restesaufen.

90+1

Westermann jetzt im Spiel. Seine Geheimratsecken kommen gleich separat nach, die sind so weit hintendran.

90+2

Ecke HSV. Und auf der Tribüne echst Uwe Seeler eine Flasche Doppelherz.

90+3

Letzte Chance des Spiels, Van der Vaart mit einem Schuss, der gleichzeitig das Fazit seiner Saison ist: Schlecht, ungenügend, läppisch, ärgerlich. Das will sich auch der Schiri nicht mehr angucken und pfeift ab. »Niemals Zweite Liga«, singen die Fans. Kann man ein Fragezeichen eigentlich auch singen?

22:25 Uhr

Ein 0:0 der torloseren Sorte. Fürth verpasst es, eine Bude zu machen, Lasogga regt sich auf: »Dass die Fürther die Favoritenposition einfach an uns abgeben, das ist doch...« Ja, was ist das: clever? Respektlos? Egal? Bevor wir am Nachdenken zerbrechen, legt Lasogga nach: »Ich stecke nicht in den Spielern drin. Aber ich genieße es einfach.« Genießen wir es also mit ihm, liebe Fans. Mindestens bis Sonntag. 

22:27 Uhr

Im ARD-Studio begrüßt Opdenhövel Kramer auf Fürther Seite - und Uli Stein für den HSV. Hat der Aufsichtsrat etwa Mirko Slomka noch im Kabinengang beurlaubt? Andererseits: Welcher Aufsichtsrat? Welcher Kabinengang? Wer ohne Fehl ist, der schicke den ersten Stein.

22:30 Uhr

Der HSV knüpft im Studio da an, wo er auf dem Rasen aufgehört hat. Stein mit fahrigen Aussagen, die schon auf halbem Weg zu Opdenhövel versanden. Kramer suppenkaspert kantig dazwischen. Fürth plötzlich in der Favoritenrolle. Irgendwo in der Kabine grinst Lasogga. Irgendwo im World Wide Web twittert Diekmeier. Irgendwo zwischen Hamburg und Berlin steigt der 11FREUNDE-Liveticker nicht ab und nicht auf. Sondern aus. Tschüß, Freunde, Fans, Feinde. Für alle, die es hässlich mögen, war es schön. Gute Nacht. Wir müssen ins Bett. Die Uhr tickt. Hört ihr?

Tick...
Tack...
Tick...

Tack...

Tick...
Tack...

22:30 Uhr

Der HSV knüpft im Studio da an, wo er auf dem Rasen aufgehört hat. Stein mit fahrigen Aussagen, die schon auf halbem Weg zu Opdenhövel versanden. Kramer suppenkaspert kantig dazwischen. Fürth plötzlich in der Favoritenrolle. Irgendwo in der Kabine grinst Lasogga. Irgendwo im World Wide Web twittert Diekmeier. Irgendwo zwischen Hamburg und Berlin steigt der 11FREUNDE-Liveticker nicht ab und nicht auf. Sondern aus. Tschüß, Freunde, Fans, Feinde. Für alle, die es hässlich mögen, war es schön. Gute Nacht. Wir müssen ins Bett. Die Uhr tickt. Hört ihr?

Tick...
Tack...
Tick...

Tack...

Tick...
Tack...

22:27 Uhr

Im ARD-Studio begrüßt Opdenhövel Kramer auf Fürther Seite - und Uli Stein für den HSV. Hat der Aufsichtsrat etwa Mirko Slomka noch im Kabinengang beurlaubt? Andererseits: Welcher Aufsichtsrat? Welcher Kabinengang? Wer ohne Fehl ist, der schicke den ersten Stein.

22:25 Uhr

Ein 0:0 der torloseren Sorte. Fürth verpasst es, eine Bude zu machen, Lasogga regt sich auf: »Dass die Fürther die Favoritenposition einfach an uns abgeben, das ist doch...« Ja, was ist das: clever? Respektlos? Egal? Bevor wir am Nachdenken zerbrechen, legt Lasogga nach: »Ich stecke nicht in den Spielern drin. Aber ich genieße es einfach.« Genießen wir es also mit ihm, liebe Fans. Mindestens bis Sonntag. 

90+3

Letzte Chance des Spiels, Van der Vaart mit einem Schuss, der gleichzeitig das Fazit seiner Saison ist: Schlecht, ungenügend, läppisch, ärgerlich. Das will sich auch der Schiri nicht mehr angucken und pfeift ab. »Niemals Zweite Liga«, singen die Fans. Kann man ein Fragezeichen eigentlich auch singen?

90+2

Ecke HSV. Und auf der Tribüne echst Uwe Seeler eine Flasche Doppelherz.

90+1

Westermann jetzt im Spiel. Seine Geheimratsecken kommen gleich separat nach, die sind so weit hintendran.

90.

Trinks also im Spiel. Relegation als Restesaufen.

89.

Mit Niklas Füllkrug und Florian Trinks jetzt zwei Ex-Bremer bei Fürth im Spiel. An der Seitenlinie macht sich zudem eine Papierkugel bereit. Könnte nochmal spannend werden.

88.

Lasogga, Hamburgs Sturm-Büffel mit der Riesen-Chance, ochst den Ball aber direkt auf den Torwart. Immer noch 0:0. Scheißegal, trotzdem HSV:

85.

Marcell Janßen, der Skorpion, wirkt heute irgendwie schneller als sonst. Vielleicht liegt das an den neuen Fußballschuhen, die er sich  extra für die Relgationsspiele hat designen lassen. Fesch.

82.

Wir erinnern uns an 2012, Düsseldorf gegen Berlin, Invasion, Bengalos, Randale. Jetzt kann dem HSV nur noch ein Fan helfen, der den Rasen stürmt. Und das ganze Spielfeld herausschneidet.

79.

Relegation. Aus dem Lateinischen, relegatio, im römischen Reich die mildeste Form der Verbannung. Auch die Linguistik spuckt dem HSV dieser Tage ins Gesicht.

78.

HSV kickt, vergisst aber zu rushen. Sieht im Ergebnis unfertig aus. Als würde Oliver Hardy ohne Stan Laurel auftreten, plötzlich nur noch ein adipöser Mann mit Schnauz, Melone und zu viel Gel im Haar, lächerlich, zur Bespottung freigegeben, das Publikum johlt: »Guck mal, der Fettsack, ha!« Und am Ende ruft Dr. Christine Theiss an und sagt: »Das sind immer noch zwanzig Kilo zu viel, für den Klassenerhalt hat es leider nicht gereicht.«

77.

Derweil hat Dennis Diekmeier seinen ersten Follower. Bezeichnend.

74.

Man könnte jetzt was zur Stimmung in der Arena schreiben. Man könnte aber auch einfach schweigen. Wie man das auf Beerdigungen so macht. Gratis für euch, die 11FREUNDE-Schweigeminute, hier: ___________________________________________________________________________ .

73.

Azemi mit der Kopfballchance, aber vorbei. Kurz darauf wieder Azemi, aber er rutscht an der Flanke vorbei, wieder nix. Der Mann ist so torungefährlich, dass Oliver kreuzer wahrscheinlich gerade schon ein Angebot vorbereitet.

72.

Der HSV jetzt besser. Trägt die eigens von »Super RTL« ins Leben gerufene Rettungsaktion also doch Früchte?

70.

Gedanken am Abend: Ob Oliver Kreuzer ein Tamagotchi am Leben erhalten könnte?

67.

Gerd Gottlob wirft mit McKinsey-Begriffen um sich. Will die HSV-Bilanz verbal aufbessern. Scheitert.

64.

Azemi ist frei durch, vor Drobny, muss schießen, rutscht aus. Im Gegenzug: Janssen, über links, zügellos, als hätte es die ganze Scheißvergangenheit nie gegeben, die verkorkste Station in München nicht, die Ausbootung durch Löw nicht, gar nichts, bedient Van der Vaart, der Lasogga bedient, der an Hesl scheitert. Durch-at-men! Da Spiel wogt hin und her, meine Kehle vertrocknet vor Aufregung, mir wird ein Glas Wasser gereicht von meinen namenlosen Couchgästen. Oder wie ich sie nenne: Herrmanns treue Riege.

63.

Gottlob verliest eine Moderation, die er sich nächtens zuvor in Sütterlin und mit einem kratzenden Gänsekiel in sein ledergebundenes Moleskine-Notizbuch kalligrafiert hat. Im Hintergrund hallt dazu Zadok The Priest von Händel in hellem D-Moll. Alles ganz klassisch bis hierhin. Wo ist dieser moderne Fußball, wenn man ihn mal braucht?

62.

Calhanoglu über links. Da ist nicht genug Platz für sein Ego. Einwurf.

60.

Van der Vaart lacht dieses bittere Lachen eines Mannes, dem das Leben, die Liebe, der Job, alles entgleitet. Har-har-har. Wer kann dem Kapitän helfen? Vielleicht ja Janßen, mittlerweile eingewechselt, von Gerd Gottlob, dem Vater der Intimbeichte, als positiver Typ eingeführt. Aber ein Optimist ist eben auch nur ein Pessimist mit Realitätsverlust.

59.

Baba! Klingt wie ein Psychopharmakon, das man sich als Hamburger bei diesem Spiel gerne einwerfen würde. Diese Qualen. Dieses Leiden. Mach, das es aufhört. Aber. Es. Hört. Einfach. Nicht. Auf. Es geht immer weiter.

57.

Merkwürdig. Meine Seamaster Ploprof 1200 M Co-Axial aus Edelstahl funktioniert nicht mehr. Und auch an Reichs Montblanc Tourbillon mit Handaufzug lahmt das Zeigerpaar. Die Redaktionsuhr (Lackschild, aus Tannenholz) ist vor einer halben Stunde vom Nagel gerutscht. Omen est Abstieg.

56.

Fürth jetzt besser, erspielt sich zumindest Chancen und Ecken, auch wenn es bisher nix einbringt. Und der HSV? Eher so:

54.

Ach, ist doch auch irgendwie kacke. HSV vielleicht bald nicht mehr in der Liga, Red Bull bekommt die Lizenz, irgendwie ist das nicht mehr mein Sport. Ab jetzt geh ich Cricket gucken, das versteh ich nicht, also kann ich da auch nicht enttäuscht werden. Juhu. Bzw. Schnüff.

51.

Der HSV jetzt am Drücker, zwei Ecken nacheinander, dann die Flanke, aber kein Durchkommen. Und irgendwo weint Manni Kaltz ein paar salzige Tränen in ein Banana-Split.

49.

Gute Einschätzung von Uli Stein eben in der Halbzeitpause: »Alles Suppenkasper, da muss man dem Gegner mal in die Fresse schlagen. Zur Not zahlt der Kühne die Jackettkronen.« Richtig so, Uli.

46.

Weiter geht's. Für die zweite Hälfte hat der HSV extra nochmal die Unterwäsche gewechselt.

21:29 Uhr

Haben wir gerade HSV-Granden aufgezählt und ihn, den Methusalem, den Suppenkasperpapst, den Godfather of Bürstenschnitt, vergessen? Uli Stein bei Matthias Opdenhövel am Analysetresen. Nimmt die Seinen mit hanseatischer Nonchalance auseinander. Hat dazu die Haare frisch coloriert. Der letzte Hamburger, der sich noch um seine Außenwirkung kümmert.

21:27 Uhr

Wenn man ein Auge zudrückt, kann man dem HSV wenigstens Kampfgeist attestieren. Aber wenn der Träger ein Zyklop ist, kann man ein Monokel auch als Brille bezeichnen.

21:23 Uhr

Die gute Nachricht für den HSV: Es steht nur 0:0. Die schlechte Nachricht für den HSV: Es steht nur 0:0. Wen kann Slomka jetzt bringen? Auf der Bank: Kein Bäron, kein Fischer, kein Spörl, kein Ivanauskas. Stattdessen: Tah, Westermann, Demirbay, John, Bouy. Gute Nacht, John Bouy.

21:21 Uhr

Die Tagesschau blendet vom Fußball ab, zeigt das Grubenunglück in Soma. Tragödie - das ist plötzlich ein sehr relativer Begriff.

21:19 Uhr

Halbzeit. Und die Meister der Suspense, die bei der ARD Regie führen, blenden exakt in dem Moment ab, als Lasogga und Jiracek beim Kabinengang handgreiflich werden. Würde ich Gebühren zahlen, ich würde sie zurückfordern.

21:17 Uhr

So, Pause. Für alle, die das Spiel nicht sehen können, hier die erste Halbzeit in der Zusammenfassung:

45.

Woran man erkennt, dass beim HSV etwas nicht stimmt: Wenn Hakan Calhanoglu seine Fernschüsse nicht in den Winkel nagelt, sondern holprig nebend das Tor setzt. Ein Jahr lang HSV-Training geht auch an ihm nicht spurlos vorbei.

43.

Der Djurjic bei Fürth sieht ein wenig aus wie Farid Bang. Wann bringt Frank Kramer Kollegah den Boss?

41.

Mehr Gewühl jetzt im Hamburger Strafraum als in Gina-Lisa Lohfinks Schlafzimmer. Das Ergebnis aber genauso sexy. Würg

38.

So ein wichtiges Spiel heute, auch viele Ehemalige drücken dem HSV die Daumen, selbst wenn die Vorstellung bisher eher mau ist. Herr Jol, Ihre Einschätzung? Ahja...

34.

35 Minuten gespielt, Immer noch 0:0. Das dürfte der größte Erfolg der jüngeren HSV-Geschichte sein.

32.

»Ich bin überzeugt, dass wir das mit der einmaligen Unterstützung unserer Anhänger schaffen«, hat Mirko Slomka vor dem Spiel gesagt. Mittlerweile fragt man sich: Was ist DAS? Und bekommt der HSV im Rückspiel tatsächlich kein Support mehr? Es würde nicht verwundern.

30.

An der Seitenlinie ein Dreiergespräch zwischen Slomka, Lasogga, Calhanoglu. Was sie wohl bereden? »Also ich nach Leverkusen, und du?« - »Weiß nicht. Vielleicht zurück zur Hertha. Muss Mama fragen. Trainer?« - »Bin ab Juni VHS-Kursleiter: So reden Sie sich Ihre Miseren richtig schön.«

29.

Djourou rettet. Die Relegation hat ihre eigenen Gesetze.

27.

In der BILD-Zeitung, Regionalausgabe Hamburg, haben HSV-Helden gefordert: HEUTE MÜSST IHR GRAS FRESSEN! Müssen die Rothosen falsch verstanden haben. Es sieht so aus, als hätten sie das Gras geraucht. Wieder branden wilde Fürther Angriffe auf das Tor von Drobny. Aber der paktiert mit dem Teufel, kniet den Ball von der Linie. Erstklassige Parade. Noch.

24.

Kurzer Schwenk in die WM-Vorbereitung: Löw präsentiert parallel zur Relegation eine neue Alternative für den Angriff. Erfolgshungrig, routiniert und eiskalt sei der Neue, so der Bundesjogi. Leider bekommt die Turnierhoffnung das Leder gleich in der ersten Szene an die Hand. Hansi Flick versucht den Fauxpas wegzulächeln, aber es ist schon zu spät – geahndet wird das Foul mit einer Steuerreform von Friedrich Merz, notiert auf einem Fußballtrikot.

23.

Stieber kam direkt von Sonnenbank auf den Rasen getrabt. Großartige Bronzebräune, Dieter Bohlen wäre stolz. Richtig, Herr Bohlen? »Wenn ich nach sechs Wochen aus dem Studio komme und Fernsehen habe und aussehe wie ein Toter, aber nicht aussehen möchte wie ein Toter, dann schmeiße ich mich eben unter den Toaster. Das ist ein Tribut an meine Fans. Ich möchte meinen Fans nicht zumuten, einen blassen, fertigen Typen zu sehen.« Wir auch nicht, Dieter. Wir auch nicht.  

22.

Drobny bisher mit einer soliden Vorstellung. »Wennde n Drobny holst, dann mussdn spieln lassn. Dann mussdn ohne wenn und aber spieln lassn«. Na endlich hört man beim HSV mal auf Frank Rost.

19.

Kontermöglichkeit jetzt für den HSV. Aber: HSV. Weiterhin 0:0.

17

»Platz für Tesche«, so Gottlob. Das »...im Zweitligakader« vergisst er aber irgendwie.

16.

Aus unserer beliebten Rubrik »Sätze, die man alle fünf Jahre mal hört«: Guter Pass von Tesche.

13.

Hamburg bemüht, Fürth aber fleißiger. Die Fürther sind ja das laufstärkste Team der Zweiten Liga und laufen im Schnitt sechs Kilometer mehr als die Hamburger. Aber das ist auch eine unfaire Statistik, der HSV hat schließlich Van der Vaart im Team, der pro Woche in etwa einen Kilometer läuft und nächstes Jahr einen exklusiven Ausrüstervertrag mit »Gemino-Rollatoren« unterschreiben soll.

10.

Fürth schnell wie ein Meteoritenhagel. Der Dinosaurier wankt. Live aus einem Land vor unserer Zeit: wir.

7.

Erster Torschuss für, das wollte ich so bundesligaradiokonferenzhaft schon immer scheiben: die Kleeblätter. Links vorbei. Adler, der sich heute als Drobny verkleidet hat, muss nicht eingreifen. Reich reißt eine ganze Butterblumenwiese aus. Und Dennis Dieckmeier? Hat die Szene nicht richtig gesehen, weil er Ruud van Nistelrooy anwerben muss.

5.

Die Fürther kommen. Und die Beschwerden von Leser-, von Hamburger Seite auch. Das sei doch gar nicht der offizielle Dennis Diekmeier bei Twitter, wird uns entgegengeschimpft. Wirklich nicht? DAS müsst ihr uns erstmal beweisen! Bei 11FREUNDE gilt das Credo: Schuldig bis zum Beweis der Unschuld.

4.

Ich, Herrmann, übrigens live aus Hamburg. Und fürwahr, in der Hansestadt herrscht heute Ausnahmezustand.Es hat sich eine apokalyptische Stimmung über die Alster gesenkt. Die Wälder dunkeln, die Hirsche fliehen, die Möwen fallen einfach aus der Luft. Tiefpunkt diese Abwärtsspirale diese Konversation mit einem Bekannten vorhin:

Ich: Schaust du heute Fußball?

Er: Ich habe einen Muskelfaserriss.

Ich: Mmmh.

Er: Was tippst du denn?

Ich: Unentschieden.
Er: Was ja eine Niederlage wäre.
Ich: Naja.

Er: Es soll auch noch regnen.

2.

Für die ARD moderiert Gerd Gottlob. Das ist so typisch.

1.

Anpfiff. Der HSV bis jetzt zu umständlich. Mit Problemen. Siehe hier:

20:29 Uhr

Jubelstürme und Konfetti in der Redaktion, Kollege Gießelmann steht überraschend in der Startelf der Fürther. Glückwunsch, Dirk, wir haben immer an dich geglaubt. Mach et!

20:27 Uhr

Noch drei Minuten bis zum Anpfiff, noch steht es 0:0. Ein erster Achtungserfolg für den HSV

20:25 Uhr

Frank Kramer jetzt im Interview, sieht mit seinem Bärtchen ein wenig aus wie James Hetfield. Wär geil, wenn er Lotto King Karl die Klampfe klauen und vor der Fürther Kurve »Hit the Lights« spielen würde. Oder »Enter Sandman«, das er dann Oliver Kreuzers Augenringen widmet.

20:23 Uhr

Erste Hiobsbotschaft für Fürth: Heiko Westermann spielt nicht. Jetzt wird's schwer für die SpVgg.

20:21 Uhr

Das blühende Leben hingegen: Pierre-Michelle Lasogga. »Abstieg? Höhö, nee, geiles Publikum hier, alles cool.« Auch geistig eher eine Sturmkante.

20:17 Uhr

Oliver Kreuzer im Interview. Erschütternd: Kreuzer sieht nach einem Jahr HSV aus wie nach zwei Dekaden Bürgerkrieg.

20:15

So, Freunde, ab geht's mit dem Relegationsspiel Hamburg gegen Fürth. Kollege Herrmann legt noch schnell ein Dino-Steak auf den Grill, ich reiße noch kurz die Kapitel »Hal« - »Han« aus dem DFB-Lexikon, dann können wir loslegen. In diesem Sinne ein herzhaftes »Moin« in die Runde.

Start ab 20 Uhr

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