03.11.2012 | HSV-Bayern im 11FREUNDE-Liveticker
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Die Dinosaurier wer´n immer trauriger

Es sollte ein Klassiker werden, es wurde zum ungleichen Duell zwischen T-Rex (Bayern) und Feldmaus (HSV). Kurzum: Die Bayern fressen Hamburg mit 3:0 auf, Franck Ribery zeigt dabei einen Appetit wie ein Kiffer zu später Stunde. Das Spiel gerollt, geraucht und inhaliert hat für euch: Der 11FREUNDE-Liveticker!

Text: Johannes Ehrmann und Alex Raack Bild: Imago
Hamburger SV
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Bayern München

14.15 Uhr

N'achmittag allerseits.

14.16 Uhr

Hamburg gegen Bayern. "Dino empfängt Spitzenreiter", titeln zu diesem Spiel sicher die einschlägigen Presseagenturen. Etwas unpassend, finden wir, denn das klingt ja so, als würde Toppmöllers Sohn Ludger Beerbaum zum Kaffeekranz in Papas Sky-Kneipe in Rivenich erwarten. Und weil die Mosel sich zur Elbe verhält wie die Adria zum Asowschen Meer, sagen wir: Nein! Heute spielt: HSV gegen Bayern. Nicht mehr, aber immerhin auch nicht weniger.

14.25 Uhr

Wir dem auch sei, wir freuen uns schon ziemlich auf das "Topspiel" des Tages. Der Himmel über Berlin hat sich auch schon fein hamburgisch verhüllt. Wim Wenders trottet traurig im Dreiteiler über die Torstraße, sucht seinen amerikanischen Freund. Doch der war seit vier Jahren nicht mehr da, hat derzeit ordentlich zu tun. Wahlkampf. Was das alles mit HSV-Bayern zu tun hat? Menschen, die solche Fragen stellen, wählen auch die Republikaner.

15.15 Uhr

An dieser Stelle schon mal ein Versprechen: Egal, wie das nachher läuft, werden wir Sie, werte Leser, mit plakativen Albernheiten rings um Hamburgs Koreaner diesmal verschonen (vgl. "Immer wieder Sontags", "Son Pech", etc). Ausdrücklich erlaubt sind dagegen Wortspiele aller Art mit Dinosaurier-Bezug. Bis später also; live aus dem Jurassic Volkspark.

18.23 Uhr

»Bayern zittert vor van der Vaart«, habe ich eben irgendwo gelesen. Irgendwie nicht ganz glaubhaft. Außerdem: Kann bitte der Begriff »der kleine Eingel« unter Strafandrohung verboten werden? Gerne auch Todesstrafe. Bitte, gern geschehen, Mister Romney.

18:25 Uhr

Moin, Moin, liebe Froinde! Ehrmann und Raack sind jetzt auch endlich am Platz, waren kurz davor, bei der im Hause stattfindenden Weinprobe zu versacken, aber als uns die ersten angeschickerten Rentner-Muttis aus Berlin Ost entgegenstolperten, entschieden wir uns doch für, genau, Fußball! HSV gegen Bayern, ein Klassiker wie Bond gegen Bösewicht. Öffnet das Anstoß-Pils (gerührt, nicht geschüttelt) und macht es euch bequem!

18:26 Uhr

Ein bisschen Klugscheißer-Infos: Martinez spielt nicht, dafür Luiz Gustavo. Solche Probleme muss man erstmal haben. Ganz anders hier bei uns in der Redaktion: Der kurioseste Stromausfall seit David Hasselhoff mit seiner Elektro-Jacke die Mauer zum Einstürzen und das Stromnetz in Berlin lahm legte: Glotze und Internet funktionieren, Licht nicht. Wir sitzen also im Dunkeln und sind kurz davor die Kerzen zu entzünden. Ehrmann hat auf die Schnelle einen verfrühten Adventskranz geflochten und zündet das Teil einfach mal an. Kuschelig!

1.

Und los gehts! Marcel Reif und Effe am Mic, wir an der Tastatur, HaEsVau-Baaaayern auf dem Platz. Geht es es noch besser? Ich glaube nicht.

5.

Skandalbuchautor Raack ("Volle Pulle", Edel Germany, 19,90 EUR) sitzt im Halbdunkel an seinem Rechner, hat sich die dunkle Hafenarbeitermütze ("Die Faust im Nacken") tief in die Stirn gezogen. Wenn jetzt hier der Sicherheitsdienst reinplatzt, wird er hundertpro für einen Einbrecher gehalten und direkt bewusstlos getasert. Nur damit es hinterher nicht heißt, ich hätte nicht gewarnt.

7.

Der Spaß wurde hinfort gegrätscht, scheint jetzt doch ein Fußballspiel zu werden. »Is ja auch kein Rentner-Yoga!«, grölt Ehrmann, streicht sich den Trainingsanzug von 1992 glatt, öffnet sich eine Büchse DAB und beginnt, die Qualitäten von Jürgen Kohler zu loben. Whatever happened to the gegenwart?

8.

Erste Ecke Bayern. Macht nix. Bringt nix ein. Ist so. Hab ich heute ja in der SZ gelesen. Im Champions-League-Endspiel hatten die Bayern 20 Ecken, kein Tor, Chelsea nur eine einzige, Drogba. Das ist irgendwie aus der Mode gekommen, da lässt man heute lieber einen Kroos die Dinger irgendwie so halb-lustlos an den Sechzehner chippen. Und wann wurde eigentlich die letzte Ecke direkt verwandelt?! Wo sind Mario Basler und Andy Herzog, wenn man sie mal wirklich braucht.

10.

HSV gucken und Beck's trinken. Heißt das, ich bin für die Bayern? Oder müsste ich dazu schon ein Augustiner am Hals haben? Antworten bitte an bierkultur@11freunde.de!

11.

Wir würden gerne von Riberys Heldentaten auf links, van der Vaarts epochalen Aktionen in der Mitte oder Müllers Kuddelmuddel auf rechts erzählen, aber, ach, es passiert noch nicht so viel hier. Dafür wird Frau van der Vaart eingeblendet, Ehrmann und ich sind sogleich ge-blendet und backen Schokoherzen in der Küche. Wir erfahren von Klatschbase Reif: Die van der Vaarts haben jetzt eine eigene Loge im Stadion. Toll!

14.

Rincon hat sich eben mal »einen gegönnt«, wie wir Fußball-Routiniers das nennen. Vielleicht war es auch eine schöne Kirsche, ganz sicher kein Langholz. Mal sehen, wann der nächste Spieler dem Gegner so richtig in die Parade fährt! (Oldschool-Modus: aus)

15.

Jetzt Son das erste Mal in Aktion. Kroos grätscht ihn weg. Der Koreaner findet das: Sonderbar. (Ausnahme der WItzregel auf besonderen Userwunsch)

16.

Am Mic heute wieder das Duo Infernale: Marcelo Maturo und Effe. Reif schwurbuliert sich nun erstmals durch die deutsche Sprache, das es nur so splattattert, wie Helge Schneider sagen würde. Wir haben es nicht verstanden, da sind wir ehrlich, der HSV war irgendwie "schielend". Auf was, wen, keine Ahnung. "Marcel Reif, du siehst auch nichts." Raack hat schon jetzt genug gesehen bzw gehört.

18.

Bayern heute in Schwarz, das wäre, sagen wir in der Saison 1990/91, noch nicht möglich gewesen. Schöne, alte Welt. Irgendwann wurde der Fußball knatschbunt, mittlerweile hat ja auch keiner mehr schwarze Töppen an. Außer Raack und ich. Wir pöhlen auch nachher noch ein bisschen gegen die Hauswand. Bis es wieder hell ist.

20.

Ribery (Töppenfarbe undefinierbar, irgendwie türkis oder so) will jetzt Handelfmeter haben, Effenberg wuppt das nicht, er muss jetzt laut Vertrag eine Statistikgrafik wegkommentieren, angeblich laufen nur 10,9 Prozent der Bayern-Angriffe über rechts. Was soll uns das sagen? Dass Lahm gemobbt wird? Will Schweini Kapitän werden? Das sagt uns Effe nicht. Die Grafik verschwindet, und wir sind so schlau wie vorher. Vielleicht schlauer. Also nicht Effe. Wir. Vielleicht.

23.

Eben Schwenk über die Bayern-Bank. Da sitzen ja dann so Leute wie Arjen Robben, Anatoli Timoschtschuk oder Javi Martinez. Leute eben, die mit der sogenannten Bayern-B-Elf unter der Woche den bemitleidenswerten FCK aus Lautern mit großer Lässigkeit vom Platz gefegt haben. Irgendwie irreal. Wenn man so früher bei "Bundesliga Manager Professional" gewirtschaftet hätte, hätten einem auch acht Commodore-Bandenverträge nix genutzt. Oder Stadionkomfort "sehr gut". Das Geld wäre nie mehr reingekommen. Aber damals gab es ja auch noch keine Champions League und die Bildschirmauflösung betrug 640x480 Pixel. Hachja.

25.

Kopfballchance für Mandzukic, den angeblich gefährlichsten Kopfballspieler der Liga. Daneben, mit hangestoppten 4 km/h. Auf der Tribüne bricht Horst Hrubesch zusammen, Manni Kaltz muss ihn mit ein paar Bananen aufpäppeln. In der Ehrenloge steigt Uns Uwe zum Kopfball hoch, doch Charly Dörfel ist heute zu Hause geblieben. Armer Uwe.

28.

»Ich konnte mich immer zu 100% auf ihn verlassen.« »Er hat immer das getan, was ich ihm gesagt habe.« »Er war auch immer sehr angenehm.« Stefan Effenberg schwelgt in Erinnerungen an seinen Hund »Führungsspieler«. Nein! Es geht doch um seinen Ex-Kollegen und heutigen HSV-Trainer Thorsten Fink. Zum Dank wirft ihm Effe ein Leckerli zu. Schnapp, bzw. wuff!

30.

»Wo ist eigentlich Gomez?«, fragt plötzlich Ehrmann in die Dunkelheit. Tja, was eigentlich? Sprunggelenksverletzung, seit 4. August, Comeback offen, lesen wir fix nach. Ehrmann fassungslos, vermutet Burnout, Spielsucht oder Selbstfindungsreise durch Indien. Dann reißt er sich selbst die Achillessehne und kann schon nach fünf Minuten weitertickern. Unheimlich, dieser Mann.

32.

Dennis Diekmeier, von Freunden dem Vernehmen nach "Doppel-D" genannt, reißt Alaba um. Gelb. Nein, die Körbchengröße von Diekmeiers Freundin ist uns nicht bekannt. Tut auch nix zur Sache, Herr Effenberg. Ja, schönes Spiel Ihnen auch noch.

33.

Reif zwar begeistert vom Spiel (»Gaanz viel Qualität!«), aber der hat ja auch Ahnung. Wir Eventfans wollen Buden und Übersteiger und Buden, Taktik ist für uns Mathematik und deshalb kein Fußball. Wir ham gezahlt, wir wolln was sehn! Da! Ein Vier-Meter-Dribbling ohne Gegenspieler von Philipp Lahm! Man muss manchmal eben einfach nur mal laut werden. Danke, Fußball!

36.

Wir sind ganz durcheinander. Grund: Die Bandenwerbung im Volksparkstadion: »Fly Emirates« und dann »Zillertal.at«. Hm. Enttäuscht entsorgen wir den Redaktions-Globus, buchen eine Reise nach Peru und kommen planmäßig in Singapur an.

37.

Scharfe Flanke der Bayern, natürlich von der linken Seite, Müller duckt sich weg, hat Angst vor diesem Ding, Lahm kommt an den Ball, hämmert den Ball Westermann auf den Rumpf. Arschabschrubben, so hieß das bei uns auf dem Bolzplatz früher. Letzter hält.

39.

Ecke HSV, van der Vaart. Ecken bringen ja heutzutage nichts mehr ein.... es sei denn... einen Konter der Bayern, Müller köpft auf Kroos, der ist im Strafraum, wartet, wartet, sein Lieblingsbild MUSS die weiche Uhr von Dali sein, jetzt die Flanke, plötzlich wird alles wieder schnell, Schweini, Kopf, Tooooor! 1:0 Bayern.

41.

Die moderne Version des Kurvenklassikers "Ecke! Tor!" also. Toll.

42.

Tja, liebe Hamburger, so schnell, im Sinne von: so langsam (Kroos) kann das gehen. Ja, Freunde aus dem Norden, das ist diese so genannte Bundesliga, in der ihr schon, lasst mich kurz nachrechnen, knappe 50 Jahre rumdümpelt. Vielleicht überdenkenswert. Nur mal so als Idee. Zweite Liga, auch ganz schön. Passend dazu bringt Effe jetzt Marcus Berg als Joker ins Gespräch.

45.

Gleich ist Halbzeit. Van der Vaart signalisiert schon zur Bank, er will die 15 Minuten nutzen, noch ein paar Ecken zu üben. Horst Hrubesch zieht sich schon mal das Sakko aus.

45.+1

Neuer ist ein bisschen kalt, verständlich, dass er sich auch mal bewegen will. Schleudert den Ball daher zehn Meter hinter die Mittellinie. "Als wär es ein 60-Gramm-Ball bei den Bundesjugendspielen", schwärmt Raack, holt seine Ehrenurkunden-Sammlung raus, denkt an früher, an den guten alten Pokal der Pokalsieger und den Rune-Bratseth-Starschnitt in seinem Kinderzimmer. Und Pause.

19.20 Uhr

Halbzeit. Ehrmann geht Teelichter kaufen, der Fantasie-Stromausfall in der 11FREUNDE-Redaktion hält weiter an. War es etwa die neue Redaktionspraktikanten Sandy? Ok, schlechter Gag, wir ziehen unseren Witz zurück!

19:22 Uhr

Immer noch Halbzeit. Der blöde Streberfuchs von Schwäbisch Hall war im Bild, wird auch immer älter. Früher sprang er munter und geradezu geckenhaft über den Bildschirm und beglückte strahlende Bausparer, heute trägt er längst Lesebrille und wir meinen auch einen Buckel zu erkennen. Wenn das Viech demnächst im Rollator seine Zukunftsvisionen verkauft, sind wir wirklich alt geworden.

19:25 Uhr

Halbzeitanalyse. Die 4 von der Tasnkstelle labern sich die Haare glatt. Ehrmann versucht gemeinsam mit Oli Kalkofe Lothar Matthäus die Batterien aus der Mütze zu nehmen, aber keine Chance. Jan-Aage Fjörtoft analysiert nicht, er skandiert und jubiliert seine Gedanken in den Äther. Hat etwas von Fips Asmussen. Prostata-Tätowierte, du!

19:28 Uhr

Fantasie-Werbung-Alarm! Neue Lufthansa-Promo, die uns beinahe sprachlos zurücklässt. Philipp Lahm führt die Bayern im Anzug in einer Art Spaziergang-Congaschlange durch eine Flughafenhalle, ein kleiner Wicht nervt seinen Alten: »Papa, wenn ich groß bin, will auch Kapitän werden!« Wir verstehen, bleiben aber dran. Jetzt holt sich der Hosenscheißer ein Autogramm vom Kapitän, Lahm greift Stift und grinst, der Bub entreißt Stift und grinst nicht. Holt sich natürlich ein Autogramm vom Lufthansa-Kapitän. Für solche Aktionen wurden wir früher mit dem Kopf ins Schul-Klo gestopft, heute wird damit Werbung gemacht. Stimmt´s, Ehrmann? Ehrmann? Mein Gott, der Junge ist vor Fremdscham aus dem Fenster gesprungen.

19.31 Uhr

HSV-Co Frank Heinemann kündigt einen Wechsel an, den neuen Mann identifizieren unsere Oldschool-Ohren zunächst als "Thomas Linke". Scheint aber bei näherer Betrachtung doch Tomas Rincon zu sein. Funny games.

46.

Die zweite Halbzeit läuft. Immer noch 1:0 Bayern. Der HSV hat sich einiges vorgenommen, hat gleich hundert Prozent Ballbesitz, das Ganze währt immerhin 41 Sekunden. Dann ist der Ball tatsächlich mal in den Armen von Manuel Neuer. Wahnsinnsspiel jetzt.

47.

Westermann räumt mit der Sohle Kroos ab, schön drübergehalten, ein richtiges 90er-Jahre-Foul, wie ja auch Westermann, bei genauerer Überlegung, auch ein 90er-Jahre-Spieler ist. Daher umso überraschender, dass er neulich wieder in der Nationalelf aufgetaucht ist. Setzt Jogi künftig wieder auf Zweikämpfe und Ecken? Unvorstellbar.

48.

Und schon wieder Tooor für die Bayern. Und was für eins. Ribery auf Müller, der ist an der Torauslinie, dreht sich, Adler kommt raus, und Müller schießt ihn einfach zwischen Pfosten und Adler aus der Drehung ins Tor! Irgendwo sitzt jetzt ein vor Freude weinender Mario Basler. Und die Bayern haben wohl damit auch einen neuen Eckenschützen.

52.

Effe darf jetzt von früher erzählen, "du als alter Hamburger", wie Reif eben etwas anbiedernd gesagt hat, schwärmt vom Wetter ("schmuddelig") und den Hamburger Eckkneipen ("muggelig"). Dann aber Schluss mit Nostalgie.... denn...

52.

Schweinsteiger gewinnt den Zweikampf im Mittelfeld, verteilt den Ball nach links, zu Ribery. Ribery zu Kroos, Kroos zu Ribery, Ribery zu Kroos, Vollspann mit links, Toooor! 3:0. Ein Bayern-Klischee-Tor im Jahr 2012. Der HSV wird jetzt auseinander genommen wie ein frisch geschossenes Wildschwein. Wie hätte es Bart Simopson gesagt: Messer rein, Gedärme raus! Apropos: Das Spiel ist gegessen. Mahlzeit.

55.

Heynckes reibt sich die Hände, die Birne leuchtet (vor Freude), Osram at its best! Nimmt jetzt Gustavo vom Platz, schickt einfach mal Javi Martinez aufs Feld. Kostete ja auch nur 40 Millionen Euro. Die Bayern verschwenderisch wie Lehman Brothers, nur ohne Krise.

58.

Aogo kommt für den bedauernswerten Beister, der in etwa so gut drauf war, wie ein depressiver Komödiant. Muss ein tolles Gefühl sein, bei 0:3, 30 Minuten vor dem Ende gegen die Bayern eingewechselt zu werden. Oder, um es mit Rio Reiser zu sagen, ein Gefühl, so süß wie Maschinenöl.

60.

Beister? Nee, der will nur spielen.

62.

Freistoß, drei Bayern stehen am Ball, hat was von Napoleon, der hoch zu Ross den nächsten Angriff befehligt. Alaba versucht es – ein Schuss ins Hamburger Water-loo.

63.

Mandzukic und Kroos könnten, wollen aber offenbar nicht das 4:0 machen. Verpeilen die Chance wie ein zugedröhnter Langzeitstudent das nächste Blockseminar, es bleibt beim 3:0. Ehrmann holt vor Schreck sein Abi nach.

66.

Drei null Bayern. Luft ist raus. Ribery und Co. haben das jetzt längst hier zum Trainingsspiel umfunktioniert, ein netter Test vor dem nächsten... äh... Trainingsspiel. Denn am Mittwoch heißt der Gegner: Lille. Französisch für Anfänger.

68.

Es ist still geworden im Stadion, die Echsenfreunde aus dem Norden haben für heute genug gesehen von ihrem Dino. Könnte Zoff geben in den nächsten Tagen.

70.

Plötzlich auf der Tribüne: Philip Seymour Hoffman. Er ist zu Vertragsverhandlungen in der Stadt. Sein neuer Film: "Fußball als Schach - In cold matt."

73.

Noch nie war ein Spiel so früh beendet. Eigentlich sind noch knapp 20 Minuten zu spielen, aber eigentlich könnten Herr Kircher jetzt auch in seine Pfeife blasen, die Spieler Trikots tauschen, Interviews geben, duschen und nach Hause fahren, wir hier den Stecker ziehen. Hätten wir 20 Minuten unseres Lebens eingespart! Was das für neue Möglichkeiten bietet! Was wir stattdessen alles machen könnten. Zum Beispiel: Fußball gucken. Hm. Naja, dann eben zu Ende gucken.

76.

Auch Effe spricht schon vom Nachhausegehen. Hat wohl noch einen Kuchen im Ofen. Wie wir Effe kennen, wird er Kirschen dazu anbieten. Einfach, um mal ein Zeichen zu setzen.

77.

Chefzweikämpfer Effe rechnet jetzt vor, dass van der Vaart 11 von seinen 14 Zweikämpfen verloren hat. Eine traurige Bilanz, in der Tat, wie ein zu fetter Boxer, der nur zu Aufbaukämpfen gebraucht wird. Hamburgs kleiner Engel heute ohne Gesicht. Hölle.

78.

»Ne Niederlage ist gut, so bescheuert sich das auch anhört.« Sagt Stefan Effenberg. Wir legen mal nach: »Ein Herzinfarkt ist gut, so bescheuert sich das auch anhört.« »Umweltverschmutzung ist gut, so bescheuert sich das auch anhört.« »Nukleare Katastrophen sind gut, so bescheuert sich das auch anhört.«

80.

Die HSV-Fans singen, Reif ist ergriffen. Weiß wohl nicht, dass es sich in der Niederlage immer am besten feiern lässt. Ich haba da so meine Erfahrungen: Champions-League, 2:7 gegen Olympique Lyon, die schönsten YNWA-Minuten mit Werder Bremen aller Zeiten. Reif wäre wohl vor Freude in Schockstarre gefallen.

81.

"Jetzt müsste schon etwas Schwedisches passieren", sinniert Reif, "damit das hier noch kippt." Was meint er genau? Soll es gigantische Köttbullar regnen, ein Rudel Elche das Spielfeld verwüsten? Anregungen bitte an michel@loenneberga.se!

83.

Effe verteilt schon Noten, für Ribery fordert er die Einführung einer »1 mit Sternchen«. Guter Mann. Können wie die unselige 1plus endlich auf den Müllhaufen der Geschichte werfen.

85.

Es ist hier gerade wie beim Boxen, wenn der eine Hauer schon längst in eine gehirn-zermatschte Erdbeer-Welt abgetaucht ist und nur die Beine noch nicht checken, dass es bereits vorbei ist. Der HSV ist eigentlich K.o., bekommt aber noch einige Minuten lang ziemlich in die Fresse. Wann wirft Thorsten Fink das Handtuch? Und: wer baut den HSV jetzt wieder auf? Apollo Creed?

89.

Die letzten Sekunden laufen, die Hamburger Fans gehen so langsam schon nach Hause. Ist das nun also, das traurige Nach-Hause-Trotten des gedemütigten Anhangs, dieser berüchtigte "Hamburger Weg", der uns schon seit Jahren als Bande anlacht? Möglich. Klar ist: Er wird kein leichter sein.

90.

Nachspielzeit gibt es gnädigerweise keine. Sind die HSV-Spieler schneller am Kneipentresen, die dritte Halbzeit wird heute ausschließlich der Frustbewältigung durch Sturztunk bewältigt. So könnte auch ein Proseminar im Grundstudium Psychologie lauten. Ich sage Ihnen eins, hätte ich Psychologie studiert, ich hätte dieses Seminar besucht.

20.21 Uhr

Wir kommen zum Ende. Was macht die Bayern aus, fragt Hellmann. "Qualidäd", sagt Matthäus. Keine weiteren Fragen. Jetzt darf Müller noch mal was zu seinem Törchen sagen. "Hat sich gut angefühlt", grinst der Dauergrinser und erweist sich dann als guter Kenner der Vereinsgeschichte, erinnert an Giovane Elbers Tor gegen Martin Pieckenhagen. Das hätte er mal nicht machen dürfen, sofort geht in uns wieder der 90er-Nostalgie-Modus an, die Kelly-Family singt wieder, Take That lösen sich auf und Lothar Matthäus spielt noch immer. Mit diesen gruseligen Gedanken machen wir hier auch das letzte Licht aus und verabschieden uns - an den nächstbesten Tresen. Durst. Viel Durst. Tschüs.


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