23.02.2014 | Hamburg - Dortmund im 11FREUNDE-Liveticker
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Aufbau Nord

Jürgen Klopp hatte sich extra in Signalfarbe gehüllt, um die Baustelle abzusichern. Schließlich ging es beim Spiel in Hamburg darum, aus einem Trümmerhaufen wieder etwas Vorzeigbares zu machen. Was gelang. Die Dortmunder, selbst vor einigen Jahren fast am Ende ihrer Existenz angelangt, leisteten erfolgreiche Aufbauhilfe an der Elbe. Viel Harmonie auch im Liveticker-Team.

Text: Johannes Ehrmann und Gareth Joswig Bild: Imago

Aufstellung Hamburger SV (Trainer: Mirko Slomka):
Adler - Westermann, Djourou, Rajkovic, Jansen - Rincon, Badelj - Jiracek, Arslan, Calhanoglu - Lasogga

Aufstellung Borussia Dortmund (Trainer: Jürgen Klopp):
Weidenfeller - Piszczek, M. Friedrich, Sokratis, Schmelzer - S. Bender, Sahin - Aubameyang, H. Mkhitaryan, Großkreutz - Lewandowski

Schiri: Dr. Felix Brych

Hamburger SV
3
:
0
Borussia Dortmund

Los geht es ab 15:15

 

14:55 Uhr

Hamburg gegen Dortmund also. Für HSV-Neucoach Mirko Slomka eine ähnlich diffizile Mission, als würde er Reiner Calmund im Seifenkistenrennen herausfordern. Trotzdem gab Slomka in den letzten Tagen den notorischen Strahlekeks. Grinste die Tabelle, die Krise, die Realität einfach weg. Mal sehen, wie das bzw. er in knapp zweieinhalb Stunden aussieht. Die HSV-Profis haben ja noch ganz andere klein gekriegt. In dieser Hinsicht ist auf die Hamburger ja wirklich seit Jahren Verlass.

15:00 Uhr

Vielleicht aber klappt es ja doch mit dem Kickstart. Die Voraussetzungen scheinen gegeben, ist doch Sprint-Weltmeister Rafael van der Vaart (weniger Spurts pro Partie als Kalle von der Bratwurstbude) leider verhindert (Kapsel-Aua). Der muss statt auf dem Spielfeld die Knochen im Sky-Studio hinhalten, Jan Henkel und Patrick Owomoyela nehmen ihn unerbittlich in die Zange. Suggestivfragen-Bingo, bis die Ohren bluten. So hart ist der Abstiegskampf.

15:05 Uhr

Jetzt wird Slomka dazugeschaltet. Henkel: »Wie wichtig ist van der Vaart für Sie?« Slomka: »Leider gar nicht wichtig. Zu langsam. VIEL zu langsam. Aber leider hat der alte Mann eine Stammplatzgarantie im Vertrag« Haha. Tja, liebe Fans. Das wäre wirklich mal was, wenn Fußball-Verantwortliche so frei von der Leber weg reden würden. Im nächsten Leben. Versprochen. Dann holt der HSV auch wieder den Landesmeister-Cup-

15:10 Uhr

Jetzt wird's wirr. Einspieler mit Dortmunds Franzosen Aubameyang. Der parliert fließend Italienisch. Sprachtalent Henkel fällt gleich mit ein: »Bubedibapo. Bibedibibedibapo.« Owomoyela klopft ab. Anpfiff, bitte.

15:13 Uhr

Herrreinspazierrrrrt, herrrreinspazzierrrrt! Willkommen im Kuriositäten-Kabinett der Evolution. Heute: Bundesliga. Genauer gesagt: Artensterben von Großechsen aus der Kreidezeit. Mit Johannes »Archaeopterix« Ehrmann und Gareth »Triceratops« Joswig. Die biologische Uhr tickt – wir tickern. Verbleibende Zeit in der Bundesliga, wenn der HSV absteigen würde: 77 Tage, zwei Stunden, zwei Minuten und 17 Sekunden.

 

15:14 Uhr

Jessica Kastrop zu Jürgen Klopp: »Eine B-Note gibt's heute nicht.« Beruhigend. Einen russischen Sieger werden wir damit heute wohl nicht sehen. Und auf einem Sofa in Sotschi knallt Kathi Witt vor Freude die Kufen zusammen.

15:17 Uhr:

Bei Sky jetzt Horror-Werbung mit Zahnarzt-Humor: »1-4 und 2-5 müssen raus.« Sadisten, diese Zahnärzte. Oder war es doch ein Kabinenmitschnitt aus der Taktikbesprechung des HSV? Slomka mit immerhin sechs Wechseln in der Startformation. Wir essen erst mal ein paar Plombenzieher.

15:25 Uhr

Gleich geht's los. Mathe-Lehrer Slomka vertreibt sich die Minuten vor dem Anpfiff mit einem Sudoku (Schwierigkeitsgrad: Hölle). Teilt dann die Gewinnchancen des HSV durch die Jahre der Bundesligazugehörigkeit und die Wurzel von Uwe Seeler. Dann nur noch die Anzahl der Knochen eines handelsüblichen Brachiosaurus dazu minus van der Vaarts Hundert-Meter-Zeit, hoch 1887. Dabei ist die potenzielle Siegformel so simpel: Einen fallen lassen. Drei im Sinn.

15:22 Uhr

Sakrale Zwischentöne in der Sky-Berichterstattung. Bilder von einem Trauermarsch, gefolgt von einem Interview vom Fanklub »Hermanns treue Riege« erinnern an HSV-Legende Hermann Rieger. Wir kondolieren. Lotto King Karl besingt unterdessen seine neue Perle.

15:29 Uhr

Der HSV mit sechs Änderungen. Beziehungsweise: sieben, wenn man Slomka dazu nimmt. Wäre doch auch mal eine Maßnahme für Sky. So aber auch heute wieder: Henkel, Kastrop, Reif. Und damit also einmal mehr der alte Trio-Soundtrack: Dada. Da.

15:30 Uhr

Gedenken an den verstorbenen Hermann Rieger. Und die Frage: Was sind das eigentlich für Menschen, die in Schweigeminuten reinrufen oder pfeifen?

1.

Kick-off. Besser als Schalt-off.

2.

Bender schnürt gleich mal ein Carepaket für notleidende Gründungsmitglieder: Querpass im Spielaufbau direkt in den Fuß eines Hamburgers. Doch der HSV kann mit diesem Ballbesitz so viel anfangen wie mit der Bundesliga-Zugehörigkeit in den letzten fünf bis zehn Jahren. Nicht so richtig viel.

4.

Während ich noch mit Reif hadere, hat Dortmund schon die erste aussichtsreiche Freistoßchance. Doch Sahin knallt die Pille volle Elle in Richtung Familienjuwelen der HSV-Mauer. Und Irgendwo schreit mein Kreisliga-Trainer an der Seitenlinie: »Den ersten Freistoß immer in die Mauer!«

5.

Piszczek erinnert mich mit seiner drolligen Frisur heute nicht zum ersten Mal an einen Wellensittich, der einmal quer durch den Ventilator geflogen ist.

8.

Slomka hat es auf jeden Fall geschafft, Marcel Reif zu verwirren. Der zählt an seinen Fingern nach: »Ist das jetzt ein 4-2-3-1, 4-4-2 oder 1-1-1-1-1-1-1-1-1-1-1?« Wir haben jedenfalls keine Ahnung von binären Codes. Ein Königreich für einen Rechenschieber.

9.

Passend zur Frisur seines polnischen Außenverteidigers Klopp heute wieder als knallgelber Ganzkörper-Kanarienvogel am Seitenrand. Alles gut soweit. Solange er nicht nachher wieder vogelwild die Balustrade langflattert...

11.

Elf Minuten gespielt. Der HSV noch mit ebenso vielen Spielern auf dem Platz. Man muss ja auch mal das Positive erwähnen.

12.

Bis jetzt ist hier so viel los wie bei der Monopoly-begib-dich-direkt-ins-Gefängnis-Karte. Wir ziehen trotzdem 4000 Mark ein.

13.

Haben normale Kanarienvögel eigentlich auch wuchernden Bartwuchs? Wenn Sie Ornithologe sind und es wissen, schreiben Sie eine Mail an birdcage@bvb.de.

15.

HSV mit Ballbesitz: Die Fans beginnen sofort, ihren Vereinsnamen zu skandieren und träumen von Europa-League.

16.

Slomka hat ein HSV-Sakko an, über der Raute befindet sich ein kleiner goldener Stern. Wird man in Hamburg jetzt schon bei Amtsübernahme zum General befördert? Bergfrühling mal anders.

18.

Der Spielfluss noch zäh wie der Ganges bei Niedrigwasser. Überraschend, wie gut Hamburg bislang mithält. Holy cow.

19.

Jiracek kommt für Hamburger Verhältnisse hier wie Oskar aus der Kiste. Wo wurde der eigentlich die ganze Zeit über versteckt? Wir tippen: Unter dem Sitzungstisch im Aufsichtsrat.

20.

Angelsächsische Namensforschung für zwischendurch: Würde Lasogga in England eigentlich konsequenterweise Lafootball genannt?

22.

Eine erste Zwischenbilanz: Das Spiel wie das Wetter hier draußen vor der Tür. Eigentlich ganz nett, aber doch irgendwie noch deutlich unterkühlt. Slomka fängt an, am Seitenrand Heizstrahler aufzubauen.

23.

Die HSV-Spieler sind sichtlich erleichtert darüber, dass ihr neuer Trainer nicht Magath heißt. Und während Lewis Holtby in London mit Medizinbällen jongliert, haben Dortmund hier weniger Zugriff als der »Bild-Plus-Bereich«. Vermuten wir zumindest mal.

26.

Reif mit Fremdwort-Bingo, baut irgendwo in einen Satz über die sportliche Entwicklung der Hamburger das Wort »Stringenz« ein. Der letzte Tanga in Paris. Mit Marlon Brando als Klaus-Michael Kühne und Maria Schneider als Rafael van der Vaart seine Neue.

27.

Apropos Wetter: erlebt der alte HSV hier seinen zweiten Frühling? Die Neuköllner Außentemperaturen jedenfalls befinden sich bei ungefähr 25 Grad im Schatten. Die Hundekacke auf den Bürgersteigen fängt an zu blühen, die schwäbische Biobäcker stellen Sitzbänke in die Sonne, die Dealer in der Hasenheide verkaufen Klischees oben ohne und die Fußball-Hipster können die Videobeamer in der HSV-Kneipe wegen des Gegenlichts nicht sehen. Ach ja.

29.

Dortmund lässt es langsam angehen. Mein Idol Gerd Rubenbauer hätte gesagt: behäbig. Bzw: »behääääbüüg«. Ach, Rubi. Mit dir war noch was los. Mehr Gaudi in 90 Minuten Fußballspiel als in vier Tagen Städtetrip Barcelona.

31.

»Nächste Woche ist erst mal Champions League«, kündigt Reif an, und Slomka fällt unten vor Schreck die Raute vom Jackett. Nein, nein, guter Mirko, keine Angst. Ging um Dortmund. Alles wird gut. Beziehungsweise: mal sehen.

32.

Reif: »Nüchtern betrachtet ist das kein wirklich gutes Bundesliga-Spiel«. Vielleicht hat er recht. Demnächst live aus der Hasenheide: der Ticker.

33.

Aubameyang gegen drei Dortmunder, holt dennoch einen Einwurf heraus. Fußballer sein beim HSV, das ist derzeit wie Hütchenspielen ohne Ball. Passend dazu der Chancenzettel des bisherigen Spiels: leer.

35.

»Hier kommt Hamburg«, singen die HSV-Fans zur Melodie von »Alex«. So richtig Horrorshow ist ja erst, wenn alle mitmachen.

36.

»Der HSV hält sich über der Wasseroberfläche«, hanseatelt Reif. Ein Spiel bis jetzt so spannend wie Schiffe-versenken ohne Schiffe. Immerhin hat Mirko Slomka Schwimmflügel dabei.

38.

Braunschweig führt in Nürnberg. Hamburg damit Letzter. Da passiert was, obwohl gar nichts passiert. So hinterfotzig kann dieser so genannte Fußball sein.

39.

Lewandowski erlebt seinen persönlichen Sandwich-Moment mit lüsternen HSV-Verteidigern. Aki Watzke will ihn schützen und schmeißt Billy-Boys aufs Spielfeld. Richtig so.

40.

Reif kündigt irgendeine Sky-Talkshow an, mit Franz Beckenbauer und DFL-Boss Seifert. Hab leider schon was Besseres vor. Ziehe mir die Zehennägel einzeln raus, schon lange geplant.

43.

Äh... ja. Im Sinne von: Tor! Also: Toooor!!! Für. Den. H. S. V. (zum Mitschreiben). Lasogga darf im Strafraum eine Pirouette drehen, grazil, als wäre er eine russische Eiskunstläuferin, die BVB-Abwehr hält kollektiv die Tafeln mit der 10 hoch, und Jiracek köpft den HSV zum Olympiasieg in Sotschi. Wir gratulieren.

44.

Wortspiele, die sich jetzt verbieten: Der Piszcz-Check geht ins Leere, Hamburg kontert mit einem Jira-Check. Und irgendwo setzt sich Chuck Norris eine Rote Hose auf den Roundhousekick.

16:19 Uhr, Halbzeit

Sigmund Freud würde jetzt sagen: »Das war die Führung zum richtigen Zeitpunkt«. Marcel Reif jedoch sagt: »Das war eine unglaubliche Auferstehung«. Wart erst mal ab, bis Maria-Magdalena davon erfährt. Wir schwenken während der Halbzeit-Pause schon mal ein wenig Weihrauch und planen unser persönliches Comeback der 100 Tage.

16:22 Uhr

Ratlosigkeit am Sky-Tresen. »Was war das denn?«, fragt Henkel. Ja, liebes Sky-Team, DAS fragen wir uns auch oft. Ziemlich oft.

16:24 Uhr

»Es riecht hauchdünn nach Abseits«, henkelt Henkel. Owomoyela, schuldbewusst: »Pardon.«

16:25 Uhr

Sympathisch allerdings: schon zum zweiten Mal während der heutigen Übertragung drehen die Techniker des Pay-TV-Senders einem Field-Reporter mitten im Statement den Saft ab. Den einen oder anderen mit Fußball-Sachverstand scheint es also in dem Laden doch noch zu geben.

16:26 Uhr

Und plötzlich eine Weltneuheit: Sky präsentiert beim Stuttgart-Spiel exklusiv die »Schneider-Cam«. Wow, wir waren ja schon von der »Spider-Cam« überfordert. Der Sky-Reporter euphorisiert: »Unsere Schneider-Cam belegt: Er kann so richtig aus sich rausgehen.« Sowieso schon weggetreten: der Ticker.

16:29 Uhr

Seit wann kommt eigentlich keine Autowerbung mehr ohne Dubstep-Beats aus? Assoziiert beim mir nicht wirklich Design und Technik, sondern eher Parkplatzparty, Bassboxen und Vodka-Eistee. Muss ja jeder selber wissen.

16:33 Uhr

Oha, Klopp wechselt Woody Woodpecker ein.

46.

Weiter geht's. der HSV immer noch Gründungsmitglied. Glaube ich.

48.

Sorry, liebe Hamburger, aber: Mich nervt das alles. Dieses Trainerrausgeschmeiße und schon können die Spieler wieder schneller laufen und Tore schießen und was nicht. Psychologischer Impuls mein Arsch. Was sendet das bitte alles für ein Signal nach außen? Ich mein, ich stell doch auch meiner Freundin nicht die Koffer vor die Tür, wenn ich mal die Milch vergessen hab.

49.

»Zahlhanoglu«, polyglottet Reif. Klingt dabei ein wenig wie ein Geldeintreiber aus St. Pauli.

50.

Der HSV macht nun das, was er seit ungefähr 1983 nicht gemacht hat: das Spiel. Vielleicht dürfen sie nächste Woche doch im Europacup ran, wenn das hier so weitergeht.

51.

Und auf einmal steht es bei Nürnberg-Braunschweig 2:1. »Es ist Leben in der Bude«, stellt Reif fest. Klont Uwe Seeler aus einem Bernstein und benennt das Stadion kurzer Hand in »Jurassic Park« um: Mirko Slomka. Für uns wird es immer die Aol-Arena bleiben.

53.

Klopp im intensiven Gespräch mit dem vierten Mann, dem mit dem Dekra-Schild auf dem Rücken. Vielleicht wollte er aber auch nur seinen Dienstwagen zur HU anmelden.

55.

Aubameyang nennt sich von nun an Bruce Lee und tritt Arslan mit den Stollen voran in den Kehlkopf. Autschbämeyang. Brych outet sich als farbenblind und zeigt gelb. Couragiert.

58.

Dortmunds Abwehr träge wie die DFB-Defensive bei der EM 2000. Manuel Friedrich übt sich an einer Lothar-Matthäus-Impersonation, hebt das Abseits auf, während Lasogga ungehindert durchstartet, bei seinem Sprint die doppelte Van-der-Vaart-Geschwindigkeit durchbricht und den Ball schon eingeschoben hat, bevor Weidenfeller auch nur gemerkt hat, dass er losgelaufen war. 2:0 für diese so genannte Aufbruchsstimmung.

61.

Auf der anderen Seite jetzt Lewandowski, aber leider nur mit dem Reenactment einer Zeitlupe vom olympischen Eiskunstlauf aus Albertville. Nur der Ball passt verständlicherweise nicht ins Bild. Daher weiter 0:2 aus BVB-Sicht.

62.

Feine Auslese: »Die Aussortierten danken es dem neuen Trainer«, schlürft Reif noch ein wenig Ambrosia, Spätauslese auf dem HSV-Debütantenball. Unterdessen Aubameyang mit der nächsten Akrobatik-Einlage. Diesmal: gegen den Ball. Aber: ins Aus. HSV: unbeeindruckt.

64.

Dortmund hat es jetzt eilig. Schmelzer besonders, rennt ins Abseits, dann wieder raus, das allerdings leider zu spät, daher: Freistoß. Wie spätnachts in der Herbertstraße also, wenn ein Freier seine Treuepunkte einlöst.

66.

HSV, Eghbal. Findet das nächste Comeback im Aufsichtsrat statt?

68.

Ein vorgefertigtes Fazit für diese Partie, falls z.B. Kollegen von den Hamburger Boulevard-Blättern mitlesen: Kaum ist der lahme Holländer draußen, läuft's doch.

70.

Micky Targaryen heute ohne Machtanspruch.

71.

Unglaublich, dieser HSV. Ihm zu Ehren nun einige unsaubere Reime mit Nullaussage: Haut hart locker jeden Hardrocker vom Barhocker: Pierre-Michel Lasogga. Kriecht wegen der Überschrift nach Canossa: der Ticker.

72.

Adler lenkt einen Kopfball ans Lattenkreuz. Adler, Adler, der Pleitengeier der letzten Wochen. Ist das nicht alles schön? Ach, ist das schön. Storylines wie bei der WWE. Gleich zieht sich Marcel Reif seinen neongrünen Einteiler über und setzt zur Clothesline an.

73.

Calhanoglu hat einen Achtziger-Flashback und tunnelt locker im Vorbeigehen Piszczek. Kommt gleich Felix Magath von der Bank und schießt Hamburg in den Pokal der Landesmeister? Wir fragen lieber mal bei Blitz-Transfer Beckenbauer nach und kassieren doch nur eine Kopfnuss von Horst Hrubesch. Zu recht.

75.

Hamburg lässt den Ball laufen, der BVB schont sich schon, für »St. Petersdorf«, wie Reif vorhin sagte. Absolut verständlich, diese Krafteinteilung. Das nächste Dorf ist schließlich immer das größte.

77.

Hamburg mit Konterchancen im Minutentakt. Hat der Trikottausch diesmal vielleicht schon vor dem Anpfiff stattgefunden? Kollektiv? Würde auch erklären, warum Schmelzer plötzlich 1,90 Meter groß ist und ein Kreuz hat wie Marcell Jansen.

80.

Da ja jetzt an der Elbe zweifelsohne schnell neue Ziele hermüssen, hier ein Infoservice von 11FREUNDE: Nur noch 17 Punkte Rückstand auf die Europapokal-Plätze. Hey, liebe Hamburger: Noch zwölf Trainerwechsel bis Saisonende, und das könnte echt klappen!

81.

Die Dortmunder Jungspunde ziehen eine Flunsch als hätte ihnen Ziehvater Klopp ihnen heute die Samstagsmorgen-Cartoons und Fruit Loops verboten. Aus lauter Frustration schießt Reus den Ball unmotiviert über das HSV-Tor. Und am Seitenrand verkleidet sich Jürgen Klopp weiter als Banane. Lass das nicht Horst Hrubesch sehen.

88.

Ich weiß nicht, ob man auch den Bart runzeln kann, aber wenn dann hat es Klopp gerade in der Zeitlupe gemacht.

89.

So harmonisch war die Bundesliga noch nie: Wie das 11FREUNDE-Datenzentrum gerade herausgefunden hat, ist der Rückstand des BVB auf den FC Bayern genau gleich hoch (17 Punkte) wie der des HSV zum internationalen Geschäft. 17, das ist gleichzeitig natürlich genau eine halbe Bundesliga-Saison sowie die Rückennummer von Pierre-Emerick Aubameyang sowie die durchschnittliche Halbwertszeit eines Trainers in Hamburg (in Wochen). Was, wenn ich mich jetzt nicht verrechnet habe, bedeutet, dass Slomka die Bayern noch abfangen kann. Oder zumindest noch französischer Supercup-Sieger werden kann.

90.

»Ich will Ihnen die Spannung nicht nehmen...«, holt Reif aus, »...aber Hamburg steht jetzt auf einem Relegationsplatz«. Trägt den Spoiler lieber im Nacken: der Ticker.

90.

So, gleich ist Schluss. Eigentlich wollte ich mir im Anschluss noch »Der Gendarm von Saint Tropez« anschauen, aber das ist alles schon albern genug gewesen hier. Schreib's, und...

91.

Scha-la-la-la-la-lanoglu! TOR! Achwas: TOOOOOOR! Freistoß, aus 40 Metern. Weidenfeller, unbeteiligt: »This Calhanoglu has a grandios Freistoß getreten.« 3:0. In Worten: Drei zu null.

93.

Und jetzt ist Schluss. Das offizielle Endergebnis, präsentiert von der Asklepios-Klinik Hamburg Nord: The team formerly known as Haha-HSV: 3. The team formerly known as Champions-League-Finalist: 0. Wir lassen uns jetzt einliefern. Wo auch immer.

17:27 Uhr

Und da dachten wir, es ginge nicht verrrückter. Aber offensichtlich hat Sandro Wagner ein Tor geschossen.

17:29 Uhr

Verkehrt Welt: Die Hamburger Mannschaft feiert mit den eigenen Fans. Von wegen die Dinosaurier werden immer trauriger. Der Hamburger Chef-Paläontologe Slomka bringt die fossilen Knochen zum Rasseln und fünf Minuten nach Abpfiff sind immer noch HSV-Anhänger im Stadion. Das alle zwei Wochen stattfindende Frustrations-Hupkonzert auf der A7 muss heute leider ausfallen. Wir reiben uns ungläubig ein Fischbrötchen aus den Augen und spendieren dem redaktionsinternen Aufsichtsrat einen Maulwurfskuchen. Kann sie am Ende doch noch überraschen, diese Bundesliga? Wir haben Riesenechsen-Tränen in den Augen und geben ab in die angeschlossenen Rundfunkanstalten. Tschüss, Freunde!


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