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Bayern

Eintracht-Bayern im 11FREUNDE-Liveticker

Zu früh gekommen

1:0 in Frankfurt. Der FC Bayern München ist Meister – und das am 28. Spieltag. Der vorzeitigste Samenerguss der Bundesligageschichte. Lag auf dem Rücken und blickte lustlos an die Zimmerdecke: der 11FREUNDE-Ticker.

17:55 Uhr

Viel zu spät realisieren wir, dass wir analog zum bayrischen Durchmarsch, zur langweiligsten Bundesliga-Saison aller Zeiten, schon in der 75. Minute mit diesem Ticker hätten aufhören müssen. Daher jetzt also schnell ins Bett. Gute Nacht, deutscher Fußball. Gute Nacht, liebe Fans.

17:45 Uhr

In all der Heiterkeit plötzlich kritische Worte von Heynckes: "Die deutsche Meisterschaft ist der ehrlichste Wettbewerb." Was ist das? Eine Abrechnung mit den UEFA-Referees? Mit der europäischen Konkurrenz? Platini tobt. Kommt Juve jetzt doch noch weiter, am Grünen Tisch?

17:41 Uhr

Weil sonst nichts passiert: Noch mal Bilder von Heynckes' erstem Jubel, wie er mit erhobenen Armen auf Gerland, Sammer und Co. zuläuft. Erinnert vom Bewegungsablauf her ein bisschen an Heiner Brand damals.

17:40 Uhr

Heynckes im Interview, stolz und gerührt wie eine Mutti, die gerade vom Blockflötenkonzert ihrer Tochter kommt, sagt er: »Ja, ich freue mich natürlich wahnsinnig, das ist doch ganz klar!« Kriegt Philipp Lahm zur Belohnung ein Wendy-Abo?

17:38 Uhr

Und auf der Tribüne klopfen sich die Bayern-Funktionäre gegenseitig auf die Barbour-Jacken. Wenn man bedenkt, dass das eine Geste ist, die ursprünglich da her rührt, dass Cowboys sich gegenseitig den Staub aus der Weste hauten... Ach, komm. Spiel mir das Lied vom Tod. 

17:34 Uhr

Es ist ein Anlass, der auch die Sky-Mitarbeiter zu neuer Kreativität anspornt. Und so stellt Marco Hagemann fest, dass die Bayern ihren Gegner am Anfang klar "domonierten". Klingt nach Hygiene-Spray. Nach Waschmittel. Also auch wie Philipp Lahm: Putzig.

17:32 Uhr

Jetzt werfen die Bayern-Spieler Heynckes hoch, kriegen ihn aber nicht annähernd so hoch wie die Barca-Spieler Guardiola. Für wen ist das jetzt ein schlechtes Zeichen? Im Zweifel: Mal wieder für uns.

17:30 Uhr

Jan Henkel verkauft uns die Jubelszenen wie einen Gebrauchtwagen. Ohne Motor, ohne Reifen, aber Henkel sagt: »Ich bin begeistert!« Danke fürs Angebot, aber ich krieche lieber auf dem Zahnfleisch nach Hause. 

17:27 Uhr

»Fußball macht uns zu Dichtern. Fußball macht uns zu Dirigenten. Fußball macht uns zu Meistern«, heißt es nun in einem DFL-Spot. Fußball macht uns aber vor allem zu Menschen, die solche Bullshit-Sätze fassungslos lesen. »Danke«, Fußball.

17:24 Uhr

So wie sich das entwickelt, wird es die schmuckloseste Titelfeier in 50 Jahren Bundesliga. Bisschen Hüpfen, bisschen Freuen. Kein Bier. Keine T-Shirts. Die Bauhaus-Variante. Als hätte Walter Gropius die Choreografie gezeichnet.

17:22 Uhr

»Jetzt strahlt auch Matthias Sammer«, so Reif. Hat Kim Jong-un den Knopf gedrückt?

93.

Schlusspfiff. Die Bayern sind also Meister. Zum 23. Mal. Soso. Glückwunsch. Aber was ist mit uns? Wir sitzen immer noch hier vor der Glotze. Zwei arme kleine Schlucker. So weit entfernt von einer Bierdusche wie eine Gruppe Ex-Sprittis beim AA-Abend. Nüchtern betrachtet.

90.

Jetzt Reif mit einer Satzkaskade, die sich anhört wie die Trauerrede für einen Mathematiklehrer: 18 Punkte, siebtletztes Spiel, sechs Spiele noch, verlöre, gewönne usw. Was er offenbar meint: Dortmund kann die Bayern nicht mehr einholen. Was hängen bleibt: Ein mit Reif befreundeter Mathematiklehrer, der nicht mehr lang zu leben hat, möchte man nicht sein.

88.

Jetzt wird's ein bisschen viel: Lakic versucht sich an einem Seitfallzieher, sieht dabei aus wie ein Capoeira-Tänzer auf Schlaftabletten. Für die Bildregie heißt das: Schere im Kopf.

87.

Das Spiel soll mir ja egal sein, aber wie Reif, weil er glaubt, damit könnte er die so genannte Spannung zusätzlich aufbauschen, jetzt keine Punkte mehr hinter seine Sätze macht und Namen wie »Rode« und »Lakic« ausspricht wie »Zico« und »Cruyff«, nur weil sie einen Einwurf rausholen – das schmerzt so sehr, wie es sich nur Michael Stich vorstellen kann (wir berichteten). 

86.

Reif ist längst in seine "Hui, ist das spannend"-Stimmlage gewechselt. Aber führen wir uns noch einmal vor Augen, dass diese so genannte Spannung in der Frage besteht, ob die Bayern am 28. oder 29. Spieltag Meister werden.

85.

Dieses Spiel will also unbedingt spannend sein. Gut. Das Duell kann es haben. Wetten, dass Kollege Ehrmann (acht Promille) trotzdem weiterschläft?

82.

Blitzanruf bei Toni Polster. Der sagt über Dante: »Dafür soll er sein ganzes Leben kein Glück mehr haben.« Harte Worte. 

81.

Flanke in den Bayern-Strafraum, Dante springt der Ball an die Hand. Die Frankfurter bedrängen Meyer wie Ballack einst Övrebö. Meyer fragt Dante, der sagt: Nix war's. Entscheidet auf Ecke. Also Meyer, soweit ist es ja dann doch noch nicht.

78.

Hä? Lakic! Riesenchance, Gigantenchance, Ozeanchance, Atomchance, Universalchance! Doch dann macht Neuer die Porto-Spinne – gehalten! Und wie. Hier die 11FREUNDE-Super-Slomo. Danke für diese wunderbaren Bilder.

76.

Shaqiri meterweit im Abseits, schießt den Ball aber nach dem Pfiff trotzdem noch rein, dieser kleine, drollige, unbekümmerte Frechdachs. Reif ist so verzückt ob so viel Frechheit, dass er lacht wie Goofy. Komik bzw Comic geht anders.

75.

Jetzt muss Gomez gehen, der Michael Stich des FCB, für ihn kommt Pizarro, laut Reif »Der Mann des vergangenen Samstags«. Frage von uns: Warum bringt Heynckes jetzt, wo alles entschieden ist, den »Mann des vergangenen Samstags« – und nicht das »Playmate des Jahres«? Wenn schon nicht Ralf Weber.

74.

Torhüter, die gefühlt immer 45 waren: Stefan Brasas. Franz Wohlfahrt. Andre Lenz. Und Oka Nikolov.

73.

Armin Veh sollte genau jetzt Ralf Weber bringen. Meine Meinung. Aber ich bin ja nicht Armin Veh. Immerhin: Ein Anlass zur Freude an diesem allzu grauen Tag.

72.

Irre. Die Fans singen: "Deutscher Meister wird nur der DFB!" Jedenfalls kommt das bei mir an. Versöhnt sich der Randalemeister endlich mit dem Verband? Gleich klettert Niersbach auf den Zaun.

71.

Gomez! Knickt um. Schlimm. Muss an Michael Stich denken. Und kotzen.

 

68.

Das Spiel nun mit einem Tempo wie die Karriere von Charly Körbel. Wenn sich die Spielzeit dem Dargebotenen anpasst, so bisschen Dalí-mäßig, dann gehen die Meisterfeierlichkeiten Anfang September los.

67.

Aber wenn Bayern tatsächlich Meister ist – warum sieht Jupp Heynckes dann momentan genau SO aus?

63.

Heynckes wechselt. Ribery und Gustavo für Müller und Robben. Dazu nur eine Frage: Muss man eigentlich, wenn man ein extrem wichtiger Flügelspieler ist, dabei das Gesicht verziehen, als würde man gerade gefoltert, muss man so langsam vom Platz trotten, als wäre man so alt wie Nikolov? Vermutlich muss man. Oder ist Robbens Leidensmiene doch nur eine missverstandene Hommage an das Turiner Grabtuch? Dann: Sorry.

61.

Was machen jetzt eigentlich all die Exegeten, die wieder und wieder behauptet haben, die Bundesliga sei so herrlich ausgeglichen? Falls nicht mal mehr die »Doppelpass«-Redaktion anruft: In der Jury von »Let's Dance« soll ja noch was frei sein. Gruß an Joachim Llambi!

60.

Nochmal die Zeitlupe von Schweinis Treffer. Nikolov sieht dabei aus wie ein Greis, dem man den Stock entreißt, er purzelt hilflos umher. Würde sich jetzt auswechseln lassen, wenn er wüsste, dass das schon erlaubt ist.

59.

Inui schießt eine Ecke direkt in die Arme von Neuer. Erinnert mich an eine Geschichte von Daniil Charms: »Da ging einmal ein Mann ins Büro und traf unterwegs einen anderen, der soeben ein französisches Weißbrot gekauft hatte und sich auf dem Heimweg befand. Das ist eigentlich alles.«

56.

Grotesk: Jetzt zaubern die Frankfurter. Zambrano dribbelt, Rode schlenzt. Ist das schon post-apokalyptisch?

55.

Bayern ist also Meister. Das verschafft weltweit Respekt. Eine Frage der Zeit also, bis wir lesen: »Sammer warnt Kim Jong-un!«

52.

Die Bayern in Gedanken noch bzw. schon bei Juve? Schweinsteiger tritt den ultimativen Beweis an, erzielt jetzt ein Tor in Gedenken an Alessandro del Piero. Ein, man kann es wirklich nicht anders sagen, wunderschönes Hackentor. In der Sportschau werden sie es nachher vermutlich "meisterlich" nennen oder so einen Quark. Dabei ist es einfach schön.

51.

Apropos Giraffe: Gomez jetzt beim Versuch eines Dribblings. Erschütternd beschissen. Oder tanzt er seine Gefühle? 

50.

Faszinierend: Robben sieht aus wie Jan Koller durch ein Fernglas, das man falsch herum hält. Wie eine kleine Giraffe ohne Hals. 

49.

Über Rode ist eigentlich schon alles gesagt (vgl. 42.). Macht weiter im Lumberjack-Modus, sägt Lahm um. Stumpf.

48.

Nachtrag zu Kim Jong-un: Wann schaltet sich wohl die DFL in die nordkoreanische Pyro-Debatte ein?

47.

Die Eintracht-Spieler machen da weiter, wo sie aufgehört haben. Zambrano haut Alaba den Unterarm ins Gesicht. Ganz neue Frankfurter Schule, diesmal kein Pardon.

46.

Und Anstoß. Mit Blick nach Nordkorea vielleicht der letzte in der Geschichte der Menschheit. Genießen wir ihn also.

PS: Hat nicht geklappt. 

16:30 Uhr

Noch keine Wechsel. Aber bald soll wohl Ribery kommen. Ob der das Spiel schöner macht, ist unklar.

16:29 Uhr

Was passiert eigentlich, wenn Kim Jong-un während der zweiten Halbzeit auf den Knopf drückt? Muss SKY dann ganz schnell eine Nachrichtenredaktion aus dem Boden stampfen, zu der umgeschaltet wird? Oder ist es an Marcel Reifs, den Weltuntergang zu verkünden? Es wäre durchaus bezeichnend. 

16:27 Uhr

Man kann ja zu Werbung im Fernsehen so oder so stehen. Ich persönlich verabscheue sie. Andere mögen sie, geschenkt. Aber vielleicht können wir uns auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen: Dass Spots, in denen sich hagere Männer nackt in Blechbadewannen legen, nicht gesendet werden. Oder noch besser: Nicht gedreht.

16:24 Uhr

Kurz auf dem Balkon eine geraucht. Impressionen: Ein Grafitto auf dem Bahndamm, das lautet: »Vielen Dank für den Gestank – brumm, brumm«. Ein Bernhardiner, der an seinem Herrchen hochspringt und dessen Jack-Wolfskin-Jacke einsaut. Und ein Mann, der aus seinem Mercedes steigt, sich den Finger anleckt und damit einen Fleck vom Lack putzt. Was die Welt nicht alles tut, damit man am Ende doch lieber SKY guckt.

46.

Halbzeit. Und noch mal der Nikolovs Jubel, nachdem Alaba den Elfmeter an den Pfosten gesetzt hatte: Wie ein Frührentner in der Bahnhofskneipe, wenn 2,10 Euro aus dem Spielautomaten fallen. Haben wir uns so das große Meisterschaftsfinale vorgestellt? Nein. Was vor allem daran liegt, dass wir es uns überhaupt nicht vorgestellt haben.

44.

Eisenkopf kann uns noch überraschen, spielt einen Pass (!) mit dem rechten Fuß (!!) in den Strafraum zu Gomez. Der bleibt sich treu, lässt den Ball prallen und schmeißt sich hinterher. Bewirbt sich für ein Probetraining in Swansea. Irgendetwas stirbt in mir.

43.

Augsburg-Dortmund 2:1. Das ist surreal. Wahrscheinlich wird die Partie geleitet von Alfons Berg aus Konz bzw. Alfred Konz aus Berg.

42.

Rode, auch so ein passionierter Holzfäller. Heißt ja schon wie die Axt im Walde.

40.

Immer wieder erstaunlich, dass Reif beim Anblick eines Standbildes, das Abseits zeigen könnte oder auch nicht, ist alles viel zu knapp, im Brustton der Überzeugung sagen kann, die Entscheidung sei "AB-SO-LUT unbegründet". Schrecklicher Verdacht: Wäre ich genau so übersteigert selbstbewusst, säße ich dann statt Reif dort oben und würde Unsinn reden?

38.

Die Frankfurter hier wie elf Josef Matulas, nerven, bleiben dran, lassen sich nicht abschütteln. In jedem Zweikampf hört man die Lederjacke knirschen. Wann rollt sich einer unterm elektrischen Garagentor durch?

35.

Shaquiri auf Robben: Klingt, als würde die kolumbianische Knödelsängerin in einem Musikvideo auf Seehunden reiten. Ist aber eine Chance für die Bayern. Waka-Waka.

34.

Was haben Eintracht-Profi Aigner und die gleichnamige Landwirtschaftsministerin gemeinsam? Den Pflug. Boateng ist der Leidtragende. Meyer reicht es jetzt. Gelb.

32.

Veh reagiert. Lanig muss raus. Neu dabei: Bum-Kun Cha. Nikolov strahlt. Endlich mal einer, den er kennt.

29.

Foul im Mittelfeld. Schweinsteiger fordert Gelb. War immer schon sinnlos. Ist so, als würde man sich blonde Haare an den Schläfen zurückwünschen. Es geht nicht.

26.

Elfmeter! Müller wird gefoult, Schiri Meyer braucht lange, sehr lange, denkt wahrscheinlich, dass hier schon genug gepfiffen wird, pfeift dann aber doch selbst. Zu Recht. Alaba tritt an, sieht jung aus, umso jünger, als Nikolov wahnsinnig alt aussieht, ein Duell der Generationen – und Alaba verliert es! Er setzt den Ball an den Pfosten! Und zwar genauso wie der Bremer Michael Kutzop 1986 im entscheidenden Spiel gegen die Bayern! GENAU SO! Gespenstisch. Und? Was ist damals passiert? Bayern wurde Meister. Genialer Plan von Alaba. Hat alle verarscht: Uns, Nikolov, ein bisschen auch sich selbst.

25.

Nikolov hat wenig zu tun, wirkt dennoch überfordert. Ist ihm alles zu voll, zu laut, als er Profi wurde, muss so um 1970 herum gewesen sein, waren die Stadien noch leerer, das Spiel langsamer, das Leben überhaupt einfacher. Dann kam die Ölkrise, der Börsencrash und irgendwann Jogi Löw mit seinem verdammten Tempofußball.

25.

Schweinsteiger sinkt vor der »Grippostad«-Bande zu Boden: Eine Metapher für vieles um uns herum.  

23.

Beim Betrachten des Rasens werde ich ganz melancholisch: Wie schade, dass heutzutage alle Plätze gleich gemäht sind, in parallelen Streifen. Wer erinnert sich noch an die komplizierten geometrischen Figuren, die die Platzwarte in den Achtzigern und Neunzigern in die Geläufe schnippelten? Ein Kulturverlust. Jetzt muss ich schon wieder weinen. 

22.

Für alle, die die "Lucky Luke"-Comics nicht kennen: Eisenkopf Wilson zertrümmert alles mit seinem fulminanten Dickschädel. Das ist seine Haupteigenschaft. Im Grunde seine einzige Eigenschaft.

21.

Falls Sie die "Lucky Luke"-Comics kennen: Muss bei Arjen Robben ja immer an Eisenkopf Wilson denken. Band "Am Mississippi". Also nicht nur wegen der Glatze. Auch so von der Art her.

18.

Müller, der selbst ernannte Raumdeuter, auf dem Weg zur Eckfahne. Was soll das? Welchen Raum gibt es da zu deuten? Und wozu? Manchmal verstehe ich dieses Spiel nicht. Ja, es ist mir zu kompliziert. Steige um auf Bahnradfahren. Oder Ultimate Fighting.

17.

Dieses Gepfeife! Nervt. Warum eigentlich immer beim Fußball? Warum nicht mal bei »Wetten, dass...?«? Da sitzen dieselben Menschen dann und glotzen kuhäugig-beseelt auf Heiner Lauterbach, der auf einer Kloschüssel durch den Saal tuckert. Ich fasse es nicht.

14.

Vor dem Spiel sagte Sammer: "Wir wollen den Titel heute." Enorm. Noch enormer: Die Bayern spielen auch so. Alle nach vorne, Letzter hält. Niersbach hat eine Blitz-K.o.-Klausel verfügt. Bei 5:0 ist hier Schluss. Können sich alle schonen für Juve. Sowas hätten sich die Hamburger auch gewünscht.

12.

Wie Kloppo wohl seine Dortmunder für das Spiel gegen Augsburg motiviert hat? Ich stelle mir das ungefähr so vor: Er hält eine weitschweifende Rede über aussichtslose Situationen, Stolz, der nie stirbt, und wie er damals im Schwarzwald immer den Hügel raufgestrampelt ist, und um 15:15 Uhr springt plötzlich Susi Zorc in die Kabine, verkleidet als Che Guevara und brüllt: »Seien wir realistisch! Versuchen wir das Unmögliche!« Und das Spielzeugmaschinengewehr in der geballten Faust, rennt er den Spielertunnel hinab. Auch das: Zücho! Bundesliga: Wahnsinn!

10.

Shaqiri ist ja wieder da. Nach acht Monaten, in denen er wohl irgendwo in einem gemütlichen Winkel der Säbener Straße Winterschlummi gemacht hat. Muss jetzt auf einmal jedes Spiel absolvieren. Macht dem gar nichts aus. Denn jetzt: Zack! Pfosten! Ansatzlos, wie seine Berufung in die Stammelf.

9.

Ecke Frankfurt, Kopfballabwehr der Bayern. Ich schreie laut auf, weil ich den Ball schon im Tor gesehen habe, ist aber nur einer dieser Fälle, in denen die Perspektive total verzerrt ist. Kann man da nicht mal was gegen tun? 3D oder so? Oder Fernsehübertragungen verbieten? Würde mich beruhigen.

8.

Immer, wenn Reif »ZAMBRRRRRANO!« sagt, kriege ich Schiss, dass hier gleich eine Flamenco-Combo reinkommt und mich mit Kastagnettengeklapper um das letzte bisschen Verstand bringt. Schon wieder: »ZAMBRRRRRANO!« Ob bei so was schon die Berufsunfähigkeitsversicherung greift? 

7.

Frankfurt langt gleich ordentlich zu. Eben blieb Martinez liegen, jetzt Boateng. Lässt Pirlo für jeden Verletzten eine Reise an den Gardasee springen?

6.

Robben wird hier gnadenlos ausgepfiffen. Wie hält er das aus? Vielleicht durch diesen Psycho- bzw. Züchotrick: Stellt sich vor, die Tribüne sei voll von Bauarbeiterinnen, die ihm auf die Radlerhose gucken. 

4.

Was sich seit der angesprochenen Saison 1993/94 geändert hat: Neun Meistertitel für die Bayern mehr. Was sich nicht geändert hat: Oka Nikolov. Tut das, was ein 90er-Jahre-Keeper so macht: Faustet. Köpke merkt sich den Namen vor. Sicher ist sicher.

3.

»Die Bayern mit der breiten Brust der erfolgreichen Saison«, lechzt Reif nun. Breite Brüste: Seit wann spielt Simone Thomalla für den FCB?

2.

Zum Anpfiff vergreift sich Sky gleich mal im Ton. Ausnahmsweise nicht Marcel Reifs Schuld. Anscheinend steht irgendein Techniker auf der Leitung. Reif klingt wie R2D2, und eine unbekannte sonore Stimme aus dem Off sagt: "Gutes Spiel!" Fußballgott, bist Du's?

15:30 Uhr

Tonprobleme jetzt hier. Reif klingt wie Neil Youngs Gitarre im Feedback-Gewitter. Rust never sleeps. Aber kann er nicht heute mal 'ne Ausnahme machen und einfach 'ne Runde pennen? Zu spät: Anstoß. Das Spiel beginnt. Mit Reif, dem Crazy Horse des Fußballs.

15:28 Uhr

Meistertitel Nummer 23 können die Bayern heute schon klar machen. Ich erinnere mich noch an die kicker-Sonderheft-Überschrift "Die verflixte Dreizehn". Ist das wirklich schon zehn Jahre plus ein paar Dortmunds und Wolfsburgs hier und da her? Protagonisten des Titels damals unter anderem: Helmer (Bayern), Schwabl (Nürnberg), Osmers (DFB), Phantom (Tor). Die erste Saison, die ich bewusst als Fan verfolgt habe. Und dann gleich sowas. Ich hätte es mir eine Lehre sein sollen. Aber Sie sehen ja, wozu es geführt hat...

15:27 Uhr

Aha, gutgut. Gomez darf heute mal spielen. Muss an Marco Arnautovic denken, der sich in die Schuhzunge »Champions-League-Sieger 2010« sticken ließ, obwohl er in diesem Wettbewerb kein Spiel für Inter Mailand bestritt. Natürlich ein ungerechter Vergleich. Aber so ist Fußball. Und das Leben. Und der ganze Scheiß.

15:23 Uhr

Da isser auch: Reif. Brille, Dauerwelle, Spitzmund. Erinnert mich mittlerweile doch stark an Tante Gertrud von nebenan, die mir damals immer Hanuta geschenkt hat, Hanuta allerdings, das stark nach Nikotin schmeckte, weil Tante Gertrud drei Schachteln HB am Tag rauchte. Ich warf die Hanutas immer in den Wald. Wie viele Rehe sind daran bloß gestorben? Oh Gott. Jetzt muss ich weinen. Ein bisschen auch wegen Reif.

15:21 Uhr

Da isser: Sammer. »Wir müssen züchisch in einer absoluten Top-Verfassung sein«, warnt er. Genau das will die Eintracht aber sicherlich auch. Die Bundesliga: Spannender als: »Zücho«.  

15:19 Uhr

So spät dran waren wir noch nie. Dachten, vielleicht könnten wir die Saison so noch mal spannender machen. Hat nicht geklappt. Stattdessen hat bloß Kollege Ehrmann, der gerade eben aus der Kneipe gefallen ist, eine rötliche Pfütze Erdbeertraum in die Tickerstube gekotzt. Und wer muss es wegmachen? Niemand Geringerer als: ich. Warum hat Matthias Sammer mich nicht gewarnt? Immerhin: Es riecht nach Frühling!

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