Düsseldorf
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Hertha BSC

Düsseldorf-Hertha im 11FREUNDE-Ticker

90. +28

Von Otto lernen heißt: Schweigen lernen. Hertha BSC verbrennt sich am Höllenfeuer, das die eigene Kurve entzündet. Am Ende pfeifen Fortunas Fans eine Relegation ohne Sieger ab. Nur mit dabei, aber nicht mittendrin: der 11FREUNDE-Ticker.

16:40 Uhr
Was wäre Berlin ohne dieses verdammte Internet? Vielleicht immer noch ohne Flughafen, vielleicht auch mit einer schlechten S-Bahn-Verbindung, vermutlich weiterhin laut, dreckig und kottbussertorig. Doch ganz sicher nicht: Das Gespött der Leute. Hier ein Beispiel von Millionen:


Hertha-Fans, die sich heute fern von Blogs, Foren und Twitter aufhalten, tun das zum Wohle ihrer eigenen Gesundheit.

16:44 Uhr
Vor dem heutigen Rückspiel hat das ZDF auf seiner Webseite die Situation analysiert. Man kommt zu diesem überraschenden Ergebnis:



16:49 Uhr
Otto Rehhagel, der in den vergangenen Tagen häufig für seine Urlaubssehnsüchte gerügt wurde, sagte gestern: »Seitdem ich hier bin, haben wir sehr viele Fehler gemacht, die unnötig waren.« Wir stellen uns die Frage: Machte Hertha vor Otto Rehhagel nur nötige Fehler? Und müssen erneut konstatieren:



16:50 Uhr
Berlin gegen Düsseldorf – das heißt quasi Tote Hosen gegen Ärzte. An der längsten Theke der Welt soll es im Falle eines Fortuna-Aufstiegs ein Hosen-Konzert geben. Ob die Ärzte live aufspielen, wenn Hertha drin bleibt, ist uns nicht bekannt. Indes, Frank Zander soll eine 3-Stunden-Extendend-Version von »Nur nach Hause geh'n wir nicht« auf der Gitarre komponiert haben. Gastvocals: Lucilectric (»Weil ich ein Mädchen bin«), Backingvocals: Dr. Alban (»Hello Africa«), Backgroundtänzer: Marcelinho. Sie wollten sich »House Of Pain« nennen. Doch, schade, den Namen gab's schon.

17:00 Uhr
Apropos Tote Hosen: Jens Jeremies (genau: der Jens Jeremies!) machte kürzlich bei einem Gewinnspiel der Düsseldorfer Punks mit – und gewann ein privates Konzert in seinem Partykeller. Jeremies trug ein Shirt mit der Aufschrift »I love Dynamo Dresden«. Und Campino sang: »Ich würde niemals zu den Bayern gehen.« Youtube-Screenshot (neben Jeremies ein Mann, der sich von dem blinden einbeinigen Kaninchen tätowieren ließ, das auch schon bei Claudia Effenberg Pfote anlegte):



17:32 Uhr
Ab sofort an dieser Stelle: Die miesesten Hertha-Wortspiele. Schickt eure Vorschläge an online@11freunde.de. Zu gewinnen gibt es: Eine angekaute Herta-Schinkenwurst (kommt per Post). Hier zur Inspiration:

- Hertha als Stahl
- Keiner schlägt Hertha*
- Der Hertha-Test
- Ich glühe Hertha vor, als du Party machst
- Hertha geht's nicht

* außer Fortuna und 16 andere Bundesligisten

19:32 Uhr
Jetzt bei »Gottschalk Live«: Ein Mann mit Brille, wildem Haar und Brille. Er heißt Gerrit. Er sagt: »Hallo, ich heiße Gerrit.« Und dann: »Ich fotografiere nackte Menschen in Herzform.« Hat was von Jim Morrison: Hippietum, Love, Peace and Harmony – 58 Minuten vor dem Anfang vom Ende, mein Freund.

20:02 Uhr
Ihr denkt sicherlich, dass bei unseren Gewinnspielen jedes Mal 300 bis 9000 User teilnehmen. Ihr folgt, dass es sich nicht lohnt mitzumachen. Wir sagen Euch: Ihr seid auf dem Holzweg. Normalerweise pendelt sich die Zahl der Teilnehmer bei 5 oder 6 ein. Dieses Mal war es nur EIN User. Er heißt: Till G. und erhält die Schinkenwurst für seine eingereichten Hertha-Wortspiele. Hier sein Best-Of:

»Im Sinne von alle Menschen sind Brüder und überhaupt sollte man sich ja nicht entblöden mitzumachen:

Hertha steigt niemand ab

Neue Deutsche Hertha

Rehakles Hertha denn je (wird bestimmt irgendwer als Überschrift texten wenn sie den Abstieg doch noch verhindern können)

Über die Hertha ins Spiel finden.«

Wenn Ihr jetzt denkt: »Krass, ich möchte auch mal bei einem 11FREUNDE-Spiel teilnehmen, sagen wir: Nur zu! In fünf Minuten läuft unsere Gewinnrunde »Champions« ab. Zu gewinnen gibt es drei CL-Finaltickets. Einfach hier klicken. Und dann hier.

20:13 Uhr
Der SID informiert 17 Minuten vor Beginn des Relegationsspiel: »Wölfe gewinnen Testspiel: Goslarer SC 08 - VfL Wolfsburg 0:2 (0:1)«. Eine Info, die man nicht hätte lesen müssen. Doch: Zu spät.

20:19 Uhr
Auf Facebook schreibt ein User elf Minuten vor Beginn des Relegationsspiels: »Jens Jeremies hat Ähnlichkeit mit Mickey Rourke.« Ein Satz, den man nicht hätte lesen müssen. Doch: Zu spät.

20:21 Uhr
So, los geht's. Die ARD blickt zurück aufs Hinspiel. Wir sehen Norbert Meier, der manchmal aussieht wie Michael Douglas in »Falling Down«, manchmal auch wie Martin Semmelrogge außer Rand und Band. N'Abend allerseits noch einmal von dieser Stelle. Euer Moritz »der manchmal aussieht wie Socrates« Herrmann und Euer Andreas »der manchmal aussieht wie Miroslav Okonski« Bock.

20:23 Uhr
Das Duo Beckmann/Scholl, das manchmal aussieht wie das Duo Scholl/Beckmann, orakelt. Ihre Prognose in der Zusammenfassung: Hertha ist raus. Bzw.: verliert. Bzw.: ist abgestiegen. Wir schalten um auf »Police Academy 8«.

20:25 Uhr
Otto Rehhagel wird von einem rasenden Jungreporter im Spielertunnel abgefangen. Das wirkt wie das Zusammentreffen von Zylinder und Baseballkappe, von Tanztee und Rave, von Pergamentpapier und Twitter, von 1912 und 2012.

20:29 Uhr
Der letzte Handshake. Die Seiten werden getauscht. Ein paar Spieler nicken sich zu. Die Vorräte werden verstaut. Willkommen in der Vorhölle. Wir sind in Sicherheit!

1.
Anstoß in Düsseldorf, Tor, 1:0 durch Beister. Die Aufregung von Kollege Bartels können wir nicht nachvollziehen, denn: Die Hertha immer noch abgestiegen.
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War nur'n Witz: Waaaaaaaaaaaaahnsinnsbeginn!

2.
»Ronny dirigiert«, bartelt Tom ins Mikro. Michael Preetz fasst sich zurecht an den Kopf. Ein Abstieg in die beste 2. Liga aller Zeiten bedeutet Umsatzeinbußen von 40 Prozent. Preetz will Rehhagel die Zahl hinter die Ohren tätowieren, aber der König plant seinen Urlaub.

4.
Die Roten wieseln wie Usain Bolt über den Platz. Vielleicht war ja diese Haltung gemeint, als Fortuna-Präsident im Interview mit Kollege Thorsten Schaar bekannte: »Wir gehen selbstbewusst bescheiden durch die Stadt.« Hm. Eine Vermutung, mit der mich jetzt mal zurückhaltend weit aus dem Fenster lehne.

6.
Unser namenlose Gast, der in einem Gewinnspiel, das nie ausgeschrieben war, gewonnen hat (aber nicht benachrichtigt wurde), dieser Gast probiert das jetzt gerade mal aus, also selbstbewusst bescheiden durch die Stadt zu gehen. Trägt muskelprotzendes Feinripp, darüber ein Jacket in dezentem Grau. Lässt vor den Mädels an der Ecke die Muskeln spielen, nur um die anerkennenden Ahs! und Ohs! dann lässig wegzuwedeln. Schaut genauso gut aus wie der Angriff, den die Hertha über Rukavytsya schickt. Außennetz, das Tor der zweiten Liga.

8.
Norbert Meier gegen Otto Rehhagel, diplomatischer Diktator gegen demokratischen Diktator, tote Hose gegen alte Dame. Eigentlich ein Spiel der Gemeinsamkeiten, aber die Hertha schafft es trotzdem, völlig ungleich aufzutreten.

11.
Eine Ecke segelt durch den Düsseldorfer Strafraum, am Ende verstolpert Ramos. Idee: Ramos ist gar nicht Ramos, sondern Jupp Heynckes. Diese Kauzigkeit, die traurigen Augen! Fieser Körperklau vom Bayern-Coach, der sich nach der samstäglichen Pokalniederlage schamhaft in der Relegation versteckt hält. Aber die Verschwörungstheoretiker von 11FREUNDE permutieren das Anagramm:

R A M O S → O S R A M

13.
Berlin, Otto, Griechenland, Ruin, 2. Liga. Irgendwie macht doch alles Sinn.

15.
Als Bayer 05 Uerdingen anno 1975 gegen FK Pirmasens die Relegation gewann, kredenzten die Spielerfrauen ihren siegreichen Gatten eine riesige Torte, deren Spitze ein mazipanernes Bayer-Kreuz zierte. Heute plant Düsseldorfs Sponsor, Handygigant Otelo, eine Fortuna-Simkarte. Und woran würdet Ihr lieber ersticken, werte Fans?

18.
Wir sind schon gespannt wie ein Volleyballnetz auf die PK mit Otto Rehhagel nach der Partie. Wen zitiert die menschgewordene Referenzmaschine heute? Mit guten Chancen, meine Meinung zufolge, Theodor W. Adorno: »Wir hegen keinen Zweifel, daß die Freiheit in der Gesellschaft vom aufklärenden Denken unabtrennbar ist. Jedoch glauben wir, daß der Begriff eben dieses Denkens, nicht weniger als die konkreten historischen Formen, die Institutionen der Gesellschaft, in die es verflochten ist, schon den Keim zu jenem Rückschritt enthalten, der heute überall sich ereignet. Nimmt Aufklärung die Reflexion auf dieses rückläufige Moment nicht in sich auf, so besiegelt sie ihr eigenes Schicksal.«

22.
Ausgleich. Das heißt: 1:1. Änis Ben-Hatira nickt ein. »Noch ein Tor für die Hertha und es gibt Verlängerung«, informiert Bartels. Wir prüfen das noch einmal nach – und, ja, es stimmt. Fußball kann sehr einfach sein. 

24.
»Ist das spannend hier in Düsseldorf«, sagt Bartels mit einer Günter-Grass-Vorlesestimme............................................ ..................................... ..................................... ..................................... oh, sorry, auf der Tastatur eingenickt.

26.
Hertha sucht nun tatsächlich den Weg zum gegnerischen Tor. Das klingt, nach dieser Saison jedenfalls, als suche ein 9Live-Moderator einen Aphorismus. Aber gut: Es gibt immer ein erstes Mal.

28.
Auf der Tribüne das »Who is who« des deutschen »Who is who«: Günter Netzer, Wolfgang Niersbach, Campino und ein Mann mit einem Oberlippenbart, der ein bisschen so aussieht wie der Mann, der so aussieht wie der Ex-Freund von der Frau, die so aussieht wie Veronica Ferres und irgendwann mal bei »Unter uns« mitgespielt hat.

30.
Halbe Stunde vorbei. Bartels analysiert: »Der Bundesligist hat das Spielgeschehen übernommen.« Doch wer ist der Bundesligist? Hertha? Fortuna? Bartels? Wir sind verwirrt und gucken einfach mal das kleine DFL-Logo in der rechten unteren Bildecke an. Das ist definitiv: Bundesliga! Oder?

33.
Was denkt Otto Rehhagel momentan?

»Wir haben Fehler gemacht, die unnötig waren.«
»Ich will Urlaub!«
»Was? Wer sind Sie denn?«

Die richtige Antwort schickt bitte an unten stehende Adresse. Zu gewinnen gibt es: Nichts. 

36.
Nun kurze Einblendung. Wie immer hat Otto die Arme verschränkt. Man fragt sich: Kann der Mann die Arme eigentlich noch gerade ausstrecken? Oder sind sie mittlerweile nur noch gebeugt-verschränkt zu bewegen? Quasi O-Arme. Der Pierre Littbarski unter den Fußballtrainern. Geisterbahnartige Vorstellung.

38.
Jetzt. Auf. Und. Ab. »Matchbälle!« So nennt das Bartels. Dumm nur, dass weder Hertha noch Düsseldorf diese nutzen. Ja, hier spielen die Anke Hubers und Eric Jelens der Bundesliga-Relegation! Es ist kaum zum Aushalten.

40.
Freistoß für Berlin aus dem Halbfeld. »Wir wollen nicht unken, aber so ist der Treffer durch Ben-Hatira gefallen«, unkt Tom Bartels. Das Leder (Merke: Nie einen Fußball das Leder nennen!) versandet im Morast der Relegation.

43.
Der Mann mit dem Namen eines ostdeutschen Fahrradganganführers (Ronny) probiert es aus der zweiten Reihe, Ratajczak faustet ins Aus. Den Ball, die Hertha, ach was, den ganzen Sport.

45.
Fast schon inflationär oft wird die Fortuna ja ein »schlafender Riese« genannt, neulich erst wieder von Günter Netzer. Da soll dann alles mitschwingen, Tradition, goldene Zukunft, monströses Potential, Weltmeister 2020, mindestens. Leider wird derzeit irgendwie versäumt, den Riesen aufzuwecken. Mit wildem Blick bastelt Norbert Meier am Wecker. Gähn.

21:20 Uhr
So, Halbzeit, bzw. nach der Rechnung von Otto Rehhagel, der das Rückspiel zur zweiten Halbzeit ausgerufen hat, die Halbzeit der Halbzeit. »Wir freuen uns auf Reinhold Beckmann und Mehmet Scholl«, flirtet Bartels. Ist das schon Nötigung? Kollege Bock stöbert im TV-Guide, schaltet dann um. Sein Programm-Tipp:

HR: Hessische Familienbetriebe mit Ideen
3Sat: Willkommen im Westerwald
VOX: Der V.I.P. Hundeprofi

21:26 Uhr
Die Tagesthemen geben sich gewohnt apokalyptisch und knüpfen damit an die Stimmung in der Hauptstadt an. Hertha BSC Stand jetzt abgestiegen. Und auch wir sagen: Tot wären wir schon gerne, nur auf Sterben haben wir keine Lust.

21:30 Uhr
Reinhold Beckmann begrüßt Tote-Hosen-Sänger Campino, dem es beim Anblick von Beckmanns aus Granit geschweißte Professorenbrille die Frisur zerfetzt. Campino feiert die rheinländische Mentalität, Beckmann vergisst, dass er hier nicht seine eigene Show moderiert, er menschelt, sich den Stecker aus dem Ohr ziehend: »Ich höre die Toten Hosen hier im Stadion.« - Campino: »Ja, ich auch.« Gott sei Dank.

46.
Zweite Hälfte läuft. Campino wird nicht Co-Kommentator von Bartels. Bartels hat ja eh schon einen: Bartels.

48.
Hertha gleich wieder am Ball. Gefühlt sind die Berliner in den ersten 48 Minuten häufiger am Ball gewesen als in der gesamten abgelaufenen Bundesligasaison. Doch man täuscht sich halt manchmal. Gefühlt ist Lewan Kobiaschwili bereits 34 Jahre alt. Dabei ist er erst 33.

50.
Meine Güte, Beister! Toll! (bartelsches Ausrufezeichen). Aus sechzehn Metern peitscht er den Ball über die Latte. Wie lange wird dieser Wunderjunge noch Fußball spielen können? Er wechselt bekanntlich zur Talentverbrennungsanlage HSV. Genießen wir also die Wiederholung. Und schreiben noch einmal: Meine Güte, Beister! Toll! (bartelsches Ausrufezeichen). 

52.
Rehhagel und Preetz nebeneinander auf der Bank. Rehhagel mit Denkerzeigefinger an der Wange. Preetz faltet die Hände. Wären die beiden ein Denkmal, stünden sie in einer post-sowjetischen Trabantenstadt.

54.
Je länger man Ben-Hatira anguckt, desto glücklicher kann man sich schätzen, dass einem selbst langsam aber sicher die Haare ausgehen. 

56.
Und nun fliegt dieser Ben-Hatira vom Platz. Vollkommen zurecht. Er fluggrätscht seinem Gegenspieler die Beine weg. Bartelsche Eruption. Herrmannsche Ruhe. Bocksche Nervosität. Wir ernennen den User »misterkite« zur neuen 11FREUNDE-Krake. Bereits um 21:15 orakelte er: »Ben Hatira fliegt vom Platz...« Einzig mit der Minute nahm er es nicht so genau: »Zwischen der 75. und 80. ...« Wir würden nun gerne »Chapeau!«, »Leider geil!« oder so was schreiben. Das macht man aber nicht mehr, haben wir gehört. Daher nur: Super, misterkite! Wir schicken Dir unsere EM-Toto-Scheine. Bitte ausgefüllt zurück an die Redaktionsadresse.

59.
Auf ROT folgt TOR! Jovanovic nickt nach Flanke von Bröker ein. Alles wie nach 25 Sekunden: Hertha braucht zwei Tore. Kleiner Schönheitsfehler: Es bleiben nicht mehr 89:35 Minuten für dieses Projekt.

60.
Jetzt kommt Feuer ins Spiel, und es ist, O-Ton Bartels, »schlimm, dumm, entsetzlich.« Warum? Weil es Bengalos sind. »Ihr gefährdet den Abbruch des Spiels«, rhapsodiert der Stadionsprecher aufgeregt. Das will die Hertha-Kurve natürlich nicht, den Abbruch gefährden, und schickt deshalb einen weiteren Raketenhagel. Ende? Kollege Bock hofft darauf, seine Lieblingsserie (laut eigener Aussage CSI: Miami, aber ich habe gesehen, wie er sich immer »Teeniemütter - Wenn Kinder Kinder kriegen« streamt) noch zu erwischen.

64.
Jetzt brennt die Werbebande, die - ja, so zynisch kann Fußball sein - Grillwerkzeug anpreist. Ronny löscht eilig, Rehhagel ruft Beate an, will schon heute Abend nach Lanzarote fliegen. Stark pfeift wieder an.

68.
Fortuna schwebt auf den Rauchschwaden gen Hertha-Tor, aber Kraft pariert sicher, springt dann eine Oliver-Kahn-Titan-Gedächtnisrolle ein. Eklige Kraftmeierei!

78.
Ups, schon die 78. Minute?! Wir haben gerade die total tolle Pyroshow der Hertha-Ultras betrachtet. Und uns ein bisschen wie Silvester 1987 gefühlt, damals, als als Tele 5 und RTL Plus an den Start gingen. Damals, als Airwolf die Welt vor dem Bösen bewahrte. Damals, als Ultra noch ein Waschmittel war.

81.
Die Fortuna nun immer wieder mit Kontermöglichkeiten. Zwei in Folge lässt sie aus. Von Hertha kommt nicht mehr viel. Die Mannschaft lethargt sich in Richtung gegnerisches Tor. Was macht eigentlich Otto? Ist er nun tatsächlich zur post-sowjetischen Statue erstarrt?

83.
Wolf Werner, Fortuna-Manager, wird von der ARD-Kamera eingefangen. Der Mann zückt sein Handy. Bartels rätselt, was wohl für eine SMS er bekommt. »Eine wichtige«, sagt er dann. Wir rätseln, wie lange das Spiel noch dauert. Herrmann tönt selbstbewusst: »Sieben Minuten!« Immer gut, echte Fußballexperten an seiner Seite zu haben.

86.
TOR. Herthas Raffael und Ramos spielen die Fortuna-Abwehr schwindelig. 2:2. Oh, und ja, endlich wieder Pyro, Knaller, hurra. Der große Abenteuerspielplatz. Light My Feier! Wobei: Welche Feier überhaupt?

88.
Zur Info: Hertha benötigt nur noch ein Tor, dann bleibt die alte Dame in der Bundesliga. In der Ersten sogar. Es bleiben zwei Minuten. Berlins Agüero heißt Rukavytsya. Oder Ronny. Der eine: Eine lettische Schnapssorte. Der andere: Ein brasilianischer Sachse. Hoffnung klang schonmal anders.

90.
Nachspielzeit. Und die ist endlos lang. Haben wir richtig gehört: Sieben Minuten? Sieben verdammte Minuten? Das ist ja länger als fünf Minuten! Mental am Ende: Der Ticker.  

93.
Großes Hallo an der Bande. Polizei, Ultras, Fans, Pyrotechniker, IT-Techniker, Fisher-Price-Techniker. Wirre Schlussphase. »Was stürmen wir?«, ruft Herrmann. Ich bin überfragt und lege mich einfach auf den Boden.

95.
Ist das hier ein Kunstprojekt? Fans rennen aufs Feld, das Spiel läuft aber noch. Mehrere hundert Düsseldorfer auf dem Platz, Sascha Rösler macht den Hobby-Ordner und scheucht die Leute wieder runter. Bartels schreit Dinge ins Mikrofon. Immer wieder: »15 Jahre haben die doch gewartet!« Notiz an mich: Szenario morgen als Installation vor der Neuen Nationalgalerie nachbauen.

97.
Norbert Meier steht auf dem Spielfeld. Als Martin Semmelrogge. In einer Rolle als Michael Douglas. Da hinten Hunde und Polizisten mit Schlagstöcken. Fans überall. Wenn Düsseldorf die längste Theke der Welt hat, haben die Zuschauer in der Esprit-Arena die längste Leitung der Welt. Also noch mal zum Mitschreiben: Die Fans bevölkern den Rasen. Doch das Spiel ist noch nicht vorbei. Nicht vorbei!

100.
Läuft mittlerweile eigentlich die hundertste Minute? Wird das Spiel heute noch zu Ende gespielt? Laufen gleich noch jonglierende Elefanten und Salto schlagende Giraffen aufs Feld? Clowns? Junker? Seilartisten? Ist das hier gar Zirkus Sarasani auf Tour? 

102.
Was machen wir hier nur? Wir konnten uns immerhin diese Fackel bauen:

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Schenken wir Euch! Für eure Emotionen, die wir respektieren!

1029.
Es läuft die tausendneunundzwanzigste Minute. Kollege Herrmann jauchzt: »Vielleicht steigt der FC St. Pauli jetzt am Grünen Tisch auf.« Ich denke: »Vielleicht steigt der HSV jetzt am Grünen Tisch ab?« Tausend und dreißig. Acht Tage wach.

10.530.384.
Ist schon Mittwoch? Ach, Juli? Wer ist Europameister geworden?

90.+28
Meditationsmusik von Campino. Verdammt. MEDITATIONSMUSIK VON CAMPINO! Und es wirkt: Die Herthaner, Tote-Hosen-Fans, der ersten Stunde, lassen sich locken. Kriegen alle ein Autogramm. Wir wollen nicht mehr. Wirklich nicht. Was, wenn Stark jetzt Elfmeter im Düsseldorfer Strafraum pfeift? Muss dann der andere Punkt verpflanzt werden?

90.+47+12
Spätestens, wenn »Menschen bei Maischberger« nicht mehr im Anschluss, sondern gar nicht gezeigt werden soll, wissen wir, dass wir was falsch gemacht haben.

22:51 Uhr
Es ist vorbei. Bock kämmt seinen Rauschebart, der ihm in der Nachspielzeit gewachsen ist, glatt, modelliert daraus ein Protestschreiben der Hertha. Bartels kommentiert den zweiten (fünften? neunten?) Platzsturm an diesem Abend mit der Stoia eines Mannes, der morgen in Rente gehen wird.

22:54 Uhr
»Kannst du reden?«, fragt ein Reporter den Düsseldorfer Lambertz. Der kreidet mit müden Augen das Motto des Tages ins Mikro: »Es ist alles egal.« Super, finden wir auch. Alles egal. Freude? Egal. Platzsturm? Egal. Die Feierlichkeiten livetickern? Egal. Von Otto lernen, heißt Schweigen lernen.
23:01 Uhr
Ist es tatsächlich vorbei? Bartels schwadroniert von einer »hässlichen Fratze«. Wir sehen Fortuna-Fans auf dem Rasen. Aus den Boxen tönt »Que Sera, Sera«. Christian Lell wird im Spielertunnel von einem Hertha-Mitarbeiter in Richtung Kabine begleitet, während er noch ein Interview gibt. Uff.

Wir zünden –

eine Zigarette an.

Die Ruhe nach dem Sturm. Was wird nun? Startet Campino gegen einen möglichen Punktabzug eine Petition? Oder startet Fortuna mit Minus 18 Punkten in die Saison? Wir wissen es nicht. Mehmet Scholl auch nicht. Nicht mal Reinhold Beckmann. Wir wissen nur: Fortuna ist aufgestiegen. In die härteste Liga aller Zeiten. Nach der härtesten Zweiten Liga aller Zeiten. Wir geben ab. Zurück in die Funkhäuser. Zurück irgendwohin. Ach, und wer den Elfmeterpunkt findet, der von einem Fortuna-Fan während des Spielabbruchs entwendet wurde, schickt ihn bitte an online@11freunde.de. Zu gewinnen gibt es: Zwei Minuspunkte vom Fortuna-Punktabzug. Falls Campinos Petition scheitert.

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