Düsseldorf
1
0
Mönchengladbach

Düsseldorf-Gladbach im 11FREUNDE-Liveticker

An Scheißtagen wie diesen

»Für misch, wir waren 'ier ein Fehler mit diese Tor«, sprach Gladbachs Trainer Lucien Favre nach dem Spiel. Womit eigentlich alles gesagt wäre, wenn man es denn verstehen würde. Zum Glück übersetzt der 11FREUNDE-Ticker.

10:46 Uhr

Düsseldorf gegen Gladbach – wovon Hubert K. bislang vergeblich träumte, ist damit endlich wahr geworden: Die Achtziger sind zurück! Bevor Matthias Rust gleich auf dem Roten Platz landet, schalten wir schnell zum noch blutjungen und angenehm dezenten Reinhold Beckmann, der für uns vom Bökelberg berichtet. Reinhold? »Ja, Ralf Dusend trifft hier die Querlatte des eigenen Tores.« Klingt spannend, Reinhold!

11:05 Uhr

Ganz gemütlich, hier in den Achtzigern, einem Jahrzehnt, das, wie wir feststellen, vollkommen zurecht zum tollsten in der Geschichte der Menschheit erkoren worden ist. Wann sonst konnte man mit soviel Inbrunst sagen: »Ich bin von Beruf asozial, weil ich arbeitslos bin.«

11:06 Uhr

Und wann sonst konnte man mit soviel Inbrunst sagen: »Ich zeig dir gleich, wo der Frosch die Locken hat!« Ach, damals. Ach, Kermit.

11:07 Uhr

Und dann hat heute auch noch Bud Spencer Geburtstag! 83! Kann das ein Zufall sein? Wahrscheinlich. Aber es ist ja bekannt, was wir mit Zufällen machen.

11:46 Uhr

Die bangen Fragen vor dem Anstoß: Kann Holger Fach heute Abend spielen? Ist Fußball in Düsseldorf endlich wieder die schönste Nebensache der Welt? Was sieht Hellseherin Regina Klimmt in ihrer Glaskugel? Welche Begriffe schmecken Jörg Schmadtke am besten? Und: Gab es Jörg Dahlmann eigentlich schon immer?

12:08 Uhr

Was ist der Unterschied zwischen mir und dem Borussia-Fanklub »Preußen 93«? Ich hab 'ne Fahne, »Preußen 93« nicht! Vor dem Europaleague-Spiel gegen Marseille wurde sie, wie der »Express« meldet, von Unbekannten gestohlen. Doch die Fahndungsschlinge zieht sich zu! »Preußen 93«-Sprecher Michael Weigand: »Wir gehen davon aus, dass es keine Kölner waren.«  Hier die Liste der Städte, in denen die SOKO »Fahne« jetzt nur noch suchen muss.

12:58 Uhr

Derweil schwärmt Gladbachs Trainer Lucien Favre in der »Bild« total verliebt über seinen Spieler Juan Arango: »Er hat soviel Gefühl im Fuß wie andere in der Hand.« Beneidenswert. Manche haben im Gehirn soviel Gefühl wie andere im Keller, wie diese Bilder von der 11FREUNDE-Betriebssportgruppe beweisen.

13:53 Uhr

Sylvie van der Vaart macht bild.de! Diese Nachricht erschüttert derzeit die Medienbranche. Das können wir toppen: Gerd Zewe macht 11freunde.de! Hier die Beta-Version.

14:26 Uhr

Die Liste der Städte, in denen sich die »Preußen 93«-Fahne befinden könnte (wir berichteten), wird zusehends kürzer. Ohne zuviel verraten zu wollen: Wenn die Düsseldorfer das Ding heute Abend hervorzaubern und es wieder zu einem Platzsturm kommt – steigt Hertha BSC dann eigentlich noch mal ab? Ich hab vorsichtshalber jetzt schon mal Todesangst.

14:43 Uhr

11FREUNDE-Service: Wer sich fragt, ob er vor, während oder nach dem Spiel oder überhaupt ein Bier trinken gehen soll, findet HIER immer die richtige Antwort. Dafür nicht. 

14:54 Uhr

»Jetzt geht es richtig los, jetzt fängt das Kribbeln an. Die Post wird abgehen, wir sind heiß«, so Düsseldorfs Trainer Norbert Meier vor dem Spiel gegenüber »bild.de«. Was er auch hätte sagen können: »Jetzt fliegen gleich die Löcher aus dem Käse, ich hab Flugzeuge im Bauch. Die Luzie wird abgehen, wir wollen ran an den Speck.« Oder: »Auf los geht's los, ich hab Hummeln im Hintern. Die Hütte wird brennen, wir scharren mit den Hufen.« Oder: »Das ist der Moment, in dem der Elefant das Wasser lässt, Schlauchboote sind an der Kasse zu haben. Das wird ein Feuerwerk, wir sind nicht zu bremsen.« Oder: »Wie finden Sie meine neue Phrasendreschmaschine? Warten Sie, ich führe Sie Ihnen gleich mal vor!« Äh, nein Danke. Ich hab schon. 

15:37 Uhr

Gladbach gegen Düsseldorf, Cola, Delling, das Leben überhaupt – man kann es sich nicht aussuchen.

15:40 Uhr

Wir müssen jedoch feststellen: Wassertrinken bringt einen auch nicht weiter.

15:49 Uhr

Schalke hat »es« ja schon hinter sich. 

20:00 Uhr

Guten Abend, meine Damen und Herren. Ich begrüße Sie zum Liveticker.

20:02 Uhr

Dieses Eindringliche und doch irgendwie Hohle – bei Mitt Romney mus ich immer einen Bundesliga-Feuerwehrmann denken. Könnte er den VfL Bochum retten? Zeit hat er ja bald. 

20:04 Uhr

Hammer: Wie die »Welt« meldet,  wurde Michael Ballack mit 211 km/h in Spanien geblitzt. Der Staatsanwalt fordere 10.000 Euro Strafe. Doch Ballacks Anwalt sagt, sein Klient habe keine Einnahmen – angemessen sei ein Sechs-Euro-Tagessatz. Genial! Demzufolge müsste ich, wenn ich in eine Radarkontrolle gerate, sogar noch Kohle bekommen. Wir sehen uns um Mitternacht auf der Straße des 17. Juni, liebe Fans. Ich bin der mit dem Kometenschweif. 

20:10 Uhr

Jetzt kann ich's ja sagen: Ich habe die »Preußen 93«-Fahne. Mir war so kalt vor dem Marseille-Spiel. Kann aber wieder – gebügelt – bei mir abgeholt werden. Danke.

20:12 Uhr

Wie soeben bekannt wurde, hat Disney nicht nur »Star Wars«, sondern auch den DFB-Pokal gekauft. Bitte merken: Es heißt jetzt nicht mehr »Der Pokal hat seine eigenen Gesetze«, sonder »Seine eigenen Gesetze der Pokal hat.« 

20:16 Uhr

Schock, schwere Not: Ein Navi mit Gerhard Dellings Stimme moderiert das Spiel, liest zunächst mal die Anfahrtsbeschreibung ins Düsseldorfer Stadion vor. Ich rase vorsichtshalber mal gegen den nächstbesten Baum. 

20:19 Uhr

Warum tragen seit Neuestem alle, wirklich ALLE mittelalten Männer diese albernen Geschirrtücher um den Hals? Soll wohl irgendwie verwegen aussehen. »Hey, Leute! Ich bin nur zufällig hier in der Fuzo und trinke einen Cappuccino bei Kamps. Eigentlich bin ich Lawrence von Arabien!« Is klar, Thomas Allofs. 

20:21 Uhr

Merke: Im Rheinland sieht man Dinge nicht »kritisch«, sondern »kritich«. Beziehungsweise »nicht kritich.« Wie bloß kommt Lucien Favre damit klar, der nicht mal »ich«, sondern nur »isch« sagen kann? Muss chlimm sein für ihn.

20:24 Uhr

Noch immer Allofs von Arabien. Sein Kamel scharrt schon mit den Hufen. Dann hat Delling ein Einsehen: »Ich freue mich auf dieses... (Pause)... Pokalspiel! Tschüss!« Allofs ab, Auftritt Gerd Gottlob. Auch er natürlich mit unsäglichem Geschirrtuch. Müssen ihre Frauen zu Hause jetzt eigentlich die Teller trocken föhnen? Unsichtbare Dramen, von 11FREUNDE zu Tage gefördert. 

20:27 Uhr

Apropos unsichtbare Dramen: Im Spielertunnel schmachtet eine elfjährige Realschülerin Jens Langeneke an. »Willst du mit mir gehen?« – »Ja, aber nur bis auf den Rasen, dann mach ich Schluss.« Oh, ich weiß, wie du dich fühlst,... äh... Mandy.

1.

Anstoß, so hieß es früher. Seit Disney hier das Sagen hat, heißt es »Die Fußballer sind los«.

2.

Warum heißt es in der Ergebniseinblendung »Düsseldorf« und »M'gladbach« – und nicht »D'dorf« und »Mönchengladbach«. Ich finde das diskriminierend. Steckt da der D'dorfer Geldadel dahinter? Morgen zelte ich aus Protest auf der Kö. Aber nur, wenn es nicht allzu kalt ist.

4.

Tor! Nein! Doch! Oder? Nein. Dominguez mit der Monsterchance, doch van den Bergh kann den Ball mit den Familienjuwelen gerade noch so von der Linie bugsieren. Zur Strafe wird er von Gottlob »Pfosten« genannt. Ist ja auch bloß ein »D'dorfer«.

7.

Stranzl spielt Außenverteidiger, das ist, als müsste »Fury« plötzlich flanken können. Aber hey: Wenn es nicht klappt, holen Fury bzw. Stranzl einfach Hilfe, stupsen Joey bzw. Favre mit der Schnauze an. 

10.

Ein Blick auf den Platz macht deutlich: Unterarm-Tatoos sind für junge Männer offenbar das, was Geschirrtücher für ältere sind: Ausdruck von Individualität. Individualität allerdings, wie die Industrie sie uns verspricht. Man will für sich sein, und plötzlich sitzt man in einem Reisbus voller Arschgeigen, die alle entweder tätowierte Unterarme haben oder Geschirrtücher um den Hals tragen oder beides und lässt sich zu irgendwelchen Pyramiden karren. Oder zum DFB-Pokal. Ich lasse mir »I'm so lonesome, I could cry« auf den Arsch tätowieren und erwürge mich selbst mit dem Geschirrtuch.  

14.

»Es ist alles offen«, lechzt Gerd Gottlob, der offenbar noch auf dem Erwachsenenkanal des Hotel-Fernsehens hängen geblieben ist. Zwischen Düsseldorf und Gladbach steht es übrigens noch 0:0. 

17.

Bellinghausen – so hieß auch mein Musiklehrer, der samstags in den ersten beiden Stunden immer »Starlight Express«-Lieder mit uns singen wollte. Nur damit Ihr wisst, wie ich leide, wenn dieser Mann am Ball ist. Müsste eigentlich jedes Mal Gelb geben.

19.

Owowowowowowow: Herrmann windet, tankt und schlängelt sich durch, kann mit letzter Kraft schießen, doch Giefer hält. Ich sag mal so: Wenn Hermann sich fallen gelassen hätte, hätte er sich wenigstens kurz ausruhen und währenddessen auf den Pfiff des Schiris warten können, vielleicht sogar auf eine zärtliche Massage des heran eilenden Physio. So aber: Abstoß. Muss er selbst wissen.  

22.

Robbie Kruse heißt ja gar nicht Kruse, sondern Cruz, wie Penelope. Mmmh, Penelope! Wenn die doch nur Kruse heißen würde und nicht Cruz. Es wäre gleich viel realistischer, dass sie nebenan wohnt und mal klingelt. »Hallo, mein Name ist Penelope Kruse, ich bin Ihre neue Nachbarin. Haben Sie Eier?«  

25.

Weiterhin 0:0. Auch in dieser Höhe verdient.

28.

»Der wie für mich gemacht Kredit!«, prangt auf der Bande. Die wie für mich gemacht Hasswerbung. 

30.

Campino auf der Tribüne, der Gottlieb Wendehals des Punk. Warum sind wir nicht Amerikaner? Dann würde da jetzt vielleicht Iggy Pop sitzen. Aber auch Klinsmann an der Seitenlinie stehen. Verdammt. Sind die Amerikaner wirklich noch die Guten? Hat mal jemand die Nummer von Peter Scholl-Latour?  

33.

Nur mal so zum Rumgrübeln: Geht eigentlich die Welt unter, wenn Langeneke eine kurze Ecke schießt?

35.

Nordtveit - so würde ich auch gern heißen. Am besten mit Vornamen. Nordtveit Hämmer! Dann säße ich an der Theke, und wenn mich die Girls ansprechen, würde ich sagen: »Ich heiße Hämmer. Nordtveit Hämmer.« Und alles wäre geritzt. Ja, das sind die Gedanken, die man sich so macht bei so einem – wie steht's noch mal? – ach ja: 0:0. 

38.

Plötzlich ein Fuß im Gesicht von Martin Stranzl. Sieht aus wie ein Schuhverkäufer, der einer reichen Russin unbedingt den Antilopenpenisleder-Stiletto andrehen will. Ist aber dann doch nur ein Foul. 

40.

Penelope klingelt! Und was macht dieser ter Stegen? Die Tür zu. Irre. 

43.

Und das gleiche noch mal, diesmal will Bellinghausen rein. Doch ter Stegen hält dicht, als stünden die Zeugen Jehovas vor der Tür. 

44.

Ich komm nicht mehr hinterher. Kurze Zusammenfassung: Chance, Chance, Chance – mehr Chancen jedenfalls als selbst Christine Neubauer hätte, wenn sie im zu kleinen Dirndl nachts um halb drei auf der Sitzung einer CSU-Ortsgruppe auftauchen würde. Breiten wir über beides den Mantel des Schweigens.  

46.

Und Halbzeit. Was erstaunlich ist, ich hätte mit drei Dritteln gerechnet, seit auch der DFB-Pokal von Disney beherrscht wird. Singt jetzt wenigstens Christina Aguilera? Nein, denn »für Kultur sind die Tagesthemen zuständig«, wie Delling nun verkündet. Verwunderlich, aber nun gut. Ob der Hurrikan wohl eine positive Kritik bekommt? 

21:22 Uhr

Magath ist weg vom Fenster, doch seine Brille feiert ein erstaunliches Comeback – auf der Nase von Jan Hofer. Darf Tom Buhrow jetzt nichts mehr trinken?

21:26 Uhr

Halloween ist überall. Ein dickes Kind hat sich als Max Eberl verkleidet. Oder umgekehrt. Delling hat keinen Schokoriegel parat, speist es aber geistesgegenwärtig mit seinen süßlichen Fragen ab. Eberl schmatzt, rülpst, isst dann das Mikro. 

21:30 Uhr

Nachdenkliches kurz vor dem Wiederanpfiff: Kann Eberl eigentlich als weltweit einziger Mensch seinen eigenen Nacken sehen?

46.

Weiter geht es. Wobei »weiter« hier nur so dahin gesagt ist. Aber »kürzer« geht es ja eh immer.

47.

Dominguez »liegt im eigenen Strafraum«, wie Gottlob uns mitteilt. Will wohl mal wieder »im eigenen Strafraum« aufwachen. Dazu kommen diese promisken Profis ja nur allzu selten.

50.

Sind das eigentlich die alten Taktiktafeln von Klinsi, die da im Hintergrund hängen? Geschwungene Kreise, das hieß doch soviel wie: »Vor dem Spiel immer die CD von Xavier reinlegen!« Schön, dass der DFB die großen Verdienste des Alt-Bundestrainers durch diese geschmackvolle Galerie würdigt.

52.

Für den Fall, dass das Spiel hier nach 120 Minuten noch 0:0 stehen sollte, rücken in diesem Moment Düsseldorfer Ordner aus, um die Elfmeterpunkte zu bewachen. Was allein aber noch kein Grund ist, in Todesangst zu verfallen.

55.

»Was ist eigentlich eine Verlängerung?«, fragen jetzt auf der VIP-Tribüne viele Düsseldorfer Tussis ihre Gatten. Wohl dem, dem jetzt die Antwort einfällt: »So was Ähnliches wie Extensions, Schatzi!«

58.

Und eines ist eh klar: Wenn es heute einen Platzsturm gibt, nenne ich ihn »Sandy«.

60.

Auf der Tribüne: Günter Netzer. Wechselt er sich heute wieder selbst ein? Und wenn ja: Sind Tore, die mit dem Rollator erzielt werden, eigentlich regelkonform?

66.

Die 66. Minute. Wenn der Teufel zufällig plant, dem Fußball den Garaus zu machen – jetzt würde es gerade passen.

68.

Eine Stimmung jetzt hier wie bei »Last Night Of The Proms« – grundlos ausgelassen. Gleich tritt bestimmt Chris de Burgh auf. Und Norbert Meier tanzt mit Campino Klammerblues zu »Lady In Red«.

70.

Arango, de Camargo, Alvaro Dominguez – ein Spielzug, der sich anhört, als würde Ché Guevara in den Bergwäldern von Bolivien seine Truppe durchzählen. Hasta la 0:0 siempre.

73.

Giefer ist offenbar langweilig, legt Herrmann den Ball auf, um ihn postwendend zu halten. Erinnert dabei ein bisschen an Karsten Braasch beim Training an der Aufschlagmaschine.  

76.

Nullbert Meier. 

77.

Die ersten brechen hier schlafend zusammen. Zahlt die Versicherung eigentlich auch, wenn man als Invaliditätsgrund »Langeweile« angibt? 

80.

Geradezu poetisch, wie die 80. Minute zur 81. wird. Wann bringt Favre Panta Rhei?

82.

Wie geil: Arango legt Penelope flach. Durchaus verständlich, bloß hätte er das vielleicht nicht im Strafraum tun sollen. Das gibt Elfmeter wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses. Langeneke tritt an, doch was ist das? Er schießt nicht, er schiebt, nein, er wischt, nein, er haucht – wie auch immer: viel zu schwach, gehalten, festgehalten sogar. Der schlechteste Elfmeter seit immer. Der offizielle Spielstand nunmehr: Minus 1 zu Null.   

84.

Wenn ter Stegen wegen dem Ding morgen als »Elfmeterheld« gefeiert wird, fährt meine Oma als dritter Torwart mit zur WM.

86.

Norbert Meier hat gekündigt, arbeitet jetzt bei den Stadtwerken Düsseldorf. Die Jacke hat er schon, gleich bekommt er auch noch einen eigenen Eimer zum Bengaloersticken.

90.

Wäre dieses Spiel ein Flughafen, es wäre der Berlin-Brandenburger. Das Ende ist für Herbst 2013 geplant. 

22:23 Uhr

Verlängerung also. Oder wie es eben auf der Kö heißt: Extensions. Und mir fallen die Haare aus vor lauter Depression.

91.

Der dritte Anstoß dieses Spiels. Das reicht Stranzl offenbar nicht, per Eigentor will er den vierten erzwingen. Und dann dieses Schulterzucken in der Superzeitlupe: »Tja, was soll ich machen?« Anstatt sich einzugraben! Das wäre doch mal ein schöner Anblick: Wie sich so ein Profi tatsächlich im Strafraum eingräbt vor lauter Scham. Spaten raus, zack, weg. Aber sie sie zucken nur mit den Schultern und fahren dann in ihrem Hummer nach Hause.  

95.

Gottlob hat jetzt offenbar einen Zettel reingereicht bekommen mit der Nachricht des Intendanten, dass er die Quote nicht mehr künstlich hochhalten muss. Nach 90 Minuten dienstfertigster Hofberichterstattung sagt er nun plötzlich: »Da könnte schon ein bisschen mehr kommen.« Und prompt kommt mehr! TOOOOOOOR! Nando Rafael! Ganz stark! Umkurvt Brouwers, schiebt dann ein, als wüsste, was er da tut. Und wie ein entsetzlicher Kopfschmerz pocht das Wort »ausgerechnet« in meinem Hirn. Ausgerechnet! Ausgerechnet Rafael! Ausgerechnet der Ex-Gladbacher! Ausgerechnet ein Tor! Ausgerechnet für Düsseldorf! Ausgerechnet 1:0! Ausgerechnet heute! Ausgerechnet hier! Aber warum ausgerechnet ich? Wobei: warum nicht? 

100.

Ilsö kommt ins Spiel. Ich an Meiers Stelle hätte Annettö gebracht.

102.

1:0 – was ist das heute noch wert, wenn sogar aus einem 4:0 ein 4:4 oder ein 7:5 werden kann? Ist das eigentlich auch schon Teil der viel beschrienen Inflation? Wann entfaltet Merkel den Rettungsschirm für Mannschaften, die uneinholbar führen?

105.

Hans Meyer im Verlängerungskrisengipfel mit seinem Vorstandskollegen Rainer Bonhof: »Bonni, hast du zufällig den Videorekorder für Navy CIS vorprogrammiert? Wenn ich die Folge verpasse, bin ich raus aus der Serie!«  

106.

Weltweit begehen Geometrieexperten Harakiri mit ihrem Lineal: Wir sind in der vierten Hälfte diese Spiels.

108.

Daems – Hanke – Giefer! Fast so spannend wie »Lafer - Lichter- Lecker«.

113.

Horrorgrätsche gegen Nodtveit. Also, ich pfeife jetzt einfach mal Elfmeter für Gladbach. Muss man denn alles selbst machen?

114.

Nordtveit wird beim Versuch, eine Ecke auszuführen, mit einem Feuerzeug beworfen. Cool wäre ja, wenn er sich damit eine Kippe anzünden würde. Warum zum Teufel kann Walter Frosch nicht für Gladbach spielen?

116.

Jetzt findet hier ein Einwurffestival statt. Ungefähr so attraktiv wie ein Lungenentzündungsfestival. 

119.

»Die letzte Minute ist angebrochen«, so Gottlob jetzt. Ein trefflicher Satz, kommt einem dieses Spiel doch längst vor wie ein seit drei Monaten aufgerissener Joghurt. Und jetzt läuft das Haltbarkeitsdatum endlich ab, Schiri Kircher pfeift ab. 1:0 für Düsseldorf bzw. D'dorf. Und schon geht die Angst um: Was komponiert Campino jetzt? An Tagen wie diesen müsste man Musik abschaffen. 

22:59 Uhr

Auch abschaffen müsste man die Interviews direkt nach dem Schlusspfiff. Jetzt erzählt Hanke, was wir alle gesehen haben. Bietet Philipp Lahm eigentlich nebenbei Rhetoriktraining an? 

23:03 Uhr

»Wie schlecht war das denn?«, fragt Claus Lufen jetzt Marc-André ter Stegen. Gegenfrage: »Was heißt schlecht?«  11FREUNDE hilft: Das Wort schlecht, das im heutigen Sprachgebrauch meist ein abwertendes Adjektiv darstellt, hat im Lauf der Jahrhunderte einen starken Bedeutungswandel erfahren. Das alt- und mittelhochdeutsche »sleht« stand für »glatt« oder »eben« (siehe auch das ähnliche Wort »schlittern«). Über seine spätmittelhochdeutsche Bedeutung »schlicht« beziehungsweise »einfach« (daher noch die Redensart »schlecht und recht« mit etwa der Bedeutung »o.k. und legal«) kam es zu der bis heute gültigen Verschiebung. Wir lernen also: Im Mittelalter hätte Gladbach das Ding gewonnen. 

23:05 Uhr

Giefer wird jetzt gefragt, wen er sich in der kommenden Runde wünsche. »Ist mir eigentlich egal.« Doch der Reporter insistiert: »Köln?« – »Wie gesagt.« – »Leverkusen?« – »Ist mir echt egal.« Und so geht es wohl weiter, bis Düsseldorf längst ausgeschieden ist. Barcelona? Das A-Team? Die TKKG-Bande? Egal.

23:06 Uhr

Jetzt Wolf Werner, der ziemlich genauso aussieht als würde er hier wohnen und all die jungen Leute, die zur Party seiner Söhne gekommen sind, gleich persönlich nach Hause fahren. Ich möchte auch gern einsteigen, in seinen gut beheizten, TÜV-geprüften Fortuna-Van, in dem ganz leise Roger Whitaker läuft. Ein bisschen schlafen auf der Rückbank, und dann trägt Wolf Werner mich zur Haustür. 

23:08 Uhr

»Man freut sich einfach«, so Norbert Meier. Man? Ein unbotmäßige Verallgemeinerung. Denn Favre freut sich für seinen Teil mal überhaupt nicht, nuschelt: »Für misch, wir waren 'ier ein Fehler mit diese Tor.« Ein Satz, auf den weltweit wohl niemand entgegnet: »Das wollte ich auch gerade sagen!« Ein Satz den wir zum Anlass nehmen wollen, um uns grüblerisch in die Nacht zu verabschieden. Auch wenn Norbert Meier noch warnt: »Das ist für die Psyche nicht so angenehm.« Aber was ist schon angenehm für die Psyche? Beziehungsweise: Was ist angenehm für die Psyche und gleichzeitig finanzierbar? Gute Nacht, Psyche. Gute Nacht, liebe Fans. 

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!