20.10.2012 | Dortmund-Schalke im 11FREUNDE-Liveticker
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Holtbyr, es gibt was zu feiern!

Dortmund gegen Schalke, ein Derby, das seinen Namen verdient hat. Am Ende siegen die Schalker dreckig und Lewis Holtby bringt die Konsole per Traumpass auf den Rasen. Mit viereckigen Augen dabei: der 11FREUNDE-Liveticker.

Text: Gareth Joswig und Benjamin Kuhlhoff Bild: Imago

Dortmund: 1 Weidenfeller - 26 Piszczek, 4 Subotic, 15 Hummels, 19 Großkreutz - 6 Sven Bender, 5 Kehl - 7 Leitner, 11 Reus, 14 Perisic - 9 Lewandowski. - Trainer: Klopp

Schalke: 36 Unnerstall - 22 Uchida, 4 Höwedes, 32 Matip, 23 Christian Fuchs - 12 Höger, 33 Neustädter - 17 Farfan, 10 Holtby, 11 Afellay - 25 Huntelaar. - Trainer: Stevens

Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)

Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)

BVB
1
:
2
Schalke

13:56 Uhr

High Fans, heute ist also der Tag der Tage. Derby-Tag. Ein Tag, an dem Ruhrgebiet Herzen gebrochen, Wohnhäuser ausgeräumt, Freundschaften und Träume zerstört werden. Hier in Berlin ist alles – wie immer – wunderbar gleichgültig. Aber nicht bei mir, denn ich bin am Start wie eine Marienkäferplage. Und gleichzeitig aufgeregt wie eine Horde Teenager-Mädchen vorm ersten Wochenende auf dem Reiterhof. Als Schalker vernimmt man die grausamen Meldungen aus Lüdenscheid mit einem fahlen Beigeschmack. Angeblich ist die ganze Mannschaft verletzt, angeschlagen oder in Schockstarre. Aber angeblich wollen die Schwarz-Gelben ja auch nicht Meister werden. Wer's glaubt: Spätestens wenn Kloppo (Spitzname: Orang-Utan-Klaus) heute um 17:08 Uhr dem vierten Offiziellen ein Chelsea-Smile mit seiner Pöhler-Kappe einritzt, wissen wir, was das Adrenalin geschlagen hat. Und Schalke? Haben sich eigentlich ruhig verhalten, wenn, ja, wenn da nicht der Fleischbaron aus Rheda-Wiedenbrück wäre. Der hat ordentlich Gelantine in die angerostete Derby-Stimmung gekippt. Jetzt läuft die Maschine wieder wie geschmiert. Apropos geschmiert: Ich mach mir zur Einstimmung noch ein Mettbrötchen. Der Kaviar des kleinen Mannes. Ruhrpott, meine Perle. Schmackofatz!

14:06 Uhr

Und nur damit das klar ist: Ich bin heute zum Schreien parteiisch. Warum auch nicht, denn an meiner Seite sitzt als ausgleichendes Moment der Tickernovize Gareth, seines Zeichens Werder-Fan, Steinmenschen-Sammler und Berufsoptimist. Vorhin rief er schon ganz nervös an: »Moin Chef, ich weiß jetzt, wo man die Zahlen auf der Computertastatur findet!« Da weiß er mehr als ich.

14:11 Uhr

Draußen scheint die Sonne und in einer Kneipe vor meine Wohnung sitzt bereits ein BVB-Fan und schraubt sich das zweite Weizen rein. Auf seinem Trikot (Sponsor: S. Oliver) steht »Oswaldo«, sein leicht birniger Körperbau verrät prompt eine heillose Selbstüberschätzung. Wenn der Kerl kickt wie ein Brasilianer, dann kann Jürgen Klopp auch sehr gut verlieren. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

 

14:15 Uhr

Zur Einstimmung noch ein Video aus meiner Jugend. Ach, was war ich jung. Ach, was war ich unschuldig:

 

15:04 Uhr

Nochmals hallihallohallunken, an alle da draußen an den internetfähigen Endgeräten. Bin jetzt in den 11FREUNDE-Tickerverschlag umgezogen, den wir anlässlich des anstehenden Derbys in vier Kilometer Tiefe geschossen haben. Kumpel Joswig beißt sich derweil noch ein bisschen an der Flöze warm. Herrlich, diese Anfänger. Ich habe mir im Gegenzug eine halbe Flasche Pott-Rum in den Kaffee geschüttet. Prosit!

 

15:08 Uhr

Beim Bezahlsender stehen aber erst einmal die Bayern im Mittelpunkt. Spielen ja auch gegen Düsseldorf, Topspiel sozusagen. Uli Hoeneß darf sich über die Fans und die Nationalmannschaft auskotzen, Jupp Heynckes über die Medien. Jessica Kastrop trägt eine Siebziger-Jahre-Tapete als Oberteil. Funky!

 

15:10 Uhr

Dann endlich Derbyflackervorbericht. Mats Hummels, der D'Artagnan der Liga, hält ein Referat über die ökonomische Diskrepanz zwischen der dritten und der ersten Welt (Titel »Verdammte Champions League«). Benedikt Höwedes spricht im Gegensatz von »Hundestärken«. Hab ich was verpasst?

 

15:12 Uhr

»Angst? Von Angst brauche ich überhaupt nicht sprechen«, sagt Höwedes jetzt und spricht über, na klar, Angst. Dabei könnten die blanken Zahlen zumindest für ein bisschen Schweiß auf der Stirn: Dortmund seid geschätzten 325697567 Heimspielen ungeschlagen, dazu vier Derby-Siege in Folge. Ich schütte noch etwas Rum nach.

 

15:16 Uhr

Ein Blick auf die Aufstellung beweist: Heute gibt es Backenfutter. BVB-Atze Kevin Großkreutz spielt auf links gegen Jefferson Farfan. Alles egal, denn Huub Stevens ist bereits auf Betriebstemperatur. Blafft den Fieldfraggle vom Bezahlsender zusammen. »Sie reden immer über das, was nicht ist«, schnauzt der Knurrer von Kerkrade und ergänzt: »Ich bin nicht schlecht drauf, ich bin Realist!« Memo an mich: Tattootermin vereinbaren! Endlich ist ein richtig kluger Spruch gefunden!

 

15:19 Uhr

Langsam fängt es an zu kribbeln, so richtig Pe Werner mäßig: Brausestäbchen, Schmetterlinge, das ganze Programm. Ihr kennt das, liebe Ruhrpottfreunde. Ich spüre, das was geht heute. Was, das weiß ich indes nicht? Bestenfalls alles, schlechtestensfalls nur die gute Laune.

 

15:22 Uhr

NEEEEEEEEEEEEEEEEEEEIN, da hatten wir uns auf das Derby gefreut und dann kündigt das nächste Sky-Gesicht »Eine ganz, ganz große Stimme« als Kommentator an. Wir rechnen mit allem – Klaus Lage, Sarah Connor oder Otto Walkes – aber dann: Marcel Reif. Wie auf Knopfdruck wird der Schalke-Block gezeigt, der den Rücken zum Spielfeld dreht und den Stinkefinger in den Himmel streckt. Das lassen wir mal so stehen.

15:25 Uhr

Der BVB heute im Barca-Style. Soll heißen: Dreierkette, ganz modern, Vollgas, weißte Bescheid! Schalke mit Joel Matip in der Innenverteidigung. Soll heißen: Betriebsfrieden gefährdet. Mario Götze trotz 25 Grad Außentemperatur mit Wollschall. Soll heißen: Fashion-Victim. Der Ticker bekommt langsam Temperatur. Soll heißen: Derby, Pott, lasst die Spiele beginnen.

 

15:29 Uhr

Mir kommt die Kotze hoch. Kollege Joswig streichelt mir die Schulter und raunt im Nina-Ruge-Timbre: »Es wird alles gut!« Ich mache das Fenster schon Mal auf. Prophylaxe ist alles.

 

1.

Kurvenklassiker, die es so nicht gegen wird: Eyeyeyeye, nur das Ruhrpottderby. Wir singen und tanzen auf jedem Fußballplatz. Ein Pass, kein Tor, der Anstoß (Ende der Serie)

 

2.

Ivan »Chuck« Perisic begrüßt Marco Höger mit einem zärtlichen Facekick in diesem Derby. Höger sieht schwarz, Chuck nicht mal gelb. Ganz klar: Heimschiedsrichter!

3.

Fußball-Hipster Lewis Holtby ackert bereits für drei. Die Frage ist: Wann holt er seinen Jutebeutel raus, um mit seiner alten Analog-Spiegelreflex die Südtribüne zu knipsen. Sicher klasse Bilder für seinen geheimen Modeblog (»Lewisholtbyr.tumblr.com«). Wir halten euch auf dem Laufenden.

6.

Freistoß Dortmund von der rechten Strafraumseite. Doch Reus tunnelt Sebastian Kehl per Schnibbelflanke. Genial bzw. Abstoß.

 

8.

»Wenn sie Stimmung wollen, eine bessere werden sie nicht finden«, shoppintippt Marcel Reif. Gut, dann können wir ja aufhören zu suchen!

 

10.

Der gesamte Schalke-Block heute mit weißen Mützen, erinnert ein wenig an eine angetrunkene Meute polnischer Bauarbeitet auf Betriebsausflug. Derweil weigern sich beide Mannschaften Beton anzurühren. Ganz im unseren Sinne, könnte man sagen, wenn wir überhaupt noch bei Sinnen wären.

 

12.

»Sie sehen, auf welchem emotionalem Niveau das hier geführt wird«, erinnert uns Reif. Achja, ist ja Derby. Danke, Mar-Zell.

 

13.

Ein wohl temperiertes »Moin Moin« auch von mir. Muss dem Kollegen, äh Chef, Kuhlhoff nochmals zur Beruhigung auf den Rücken klopfen. »Ruhig Brauner!« Meinem nordischen Temperament sei Dank beruhigt er sich ein bisschen. »Wenn Schalke auch noch gegen diese Rumpfelf verliert, dann ...«, er sieht sein Leben vor dem inneren Auge vorbeiziehen.

14.

TOOOOOOR!! Kuhlhoff:»JAAAAAAAAAAAA!« Affelay drischt die Pille ins linke Eck. Ich halte mein linkes Ohr zu, Kollege Kuhlhoff zieht sich aus.

 

16.

»Schalke hat hier mitgespielt«, sagt Reif. Führen sie deshalb? Danke Mar-zell, Nummer zwei.

17.

Fashion-Victim Mario Götze sitzt auf der Tribühne und fragt sich, warum er sich so schick gemacht hat. Fordert das Geld zurück.

 

19.

Vollzeit-Pessimist Kuhlhoff: »Ich glaub trotzdem, die verlieren vier zu eins.« Und das, obwohl Dortmunds Dreierkette so sicher steht, wie nie vollendete sowjetische Baudenkmäler.

 

21.

»Das ist sehr passitiv, was Dortmund da macht«, echauffiert sich Reif. Wird Zeit, dass Rangnick nach Dortmund fährt und Klopp die Viererkette erklärt.

24.

Freunde, Freunde, was ist hier los? Dortmund so gehemmt wie ein pickliger Teenager auf dem Abschlussball, Schalke so souverän wie ein Drill-Sergeant im Kindergarten. Und dennoch wünscht man sich von S04 ein bisschen mehr Willen, dem Erzrivalen die zweite Ohrschelle zu verpassen. So bleibt es beim munterem Rasenschach mit Anschwitzen.

 

27.

Schalke spielt jetzt ein bisschen Beamter: Verwaltet, ohne aufzufallen. Hier einen Pässchen tackern, da einen trotzigen Gegenüber abheften, immer schön ein Auge in der Kaffeeküche.

 

29.

Und dann: Chänchchen für Huntelaar. Doch sein Kopfball flockt butterweich in Richtung Südtribüne. Derweil entscheidet sich Klopp, dass seine Mannschaft doch noch nicht auf Barca-Niveau ist und kehrt zurück zur Viererkette. Chance vertan, Schalke.

 

31.

Der BVB kriegt in etwa so viel gebacken wie ein gelernter Schlachter am Ofen. Also: nix. Bender hackt stattdessen lieber Affelay um. Besinnen auf die eigenen Stärken, nennt man das, wenn man sehr positiv sein will. Wollen wir aber nicht. Also: Foul!

33.

Affelay albertotombat sich durch die Dortmunder Defensive. Farfan lässt sich von Lewandowski anspringen und bleibt stehen. Ist das noch Schalke oder doch schon Transformers IV?

 

36.

Uffuffuffuff, Chance für den Meister. Der BVB-Reus sprintet wie der Nationalmannschaft-Reus über links, schließt aber wie der Derby-Reus ab. Unnerstall lächelt den Ball in seine Arme und haucht: »Komm Kuscheln, kleiner Lederfreund!« Lechz!

 

38.

Lewandowski steht allein vorm Tor, vergeigt, Marcel sieht es so: »versucht aber schon rüber zu spaniefeln.« Was will der Reif nur sagen, wir würden ihm so gerne helfen. Google und 11FREUNDE dankt aber für diese schöne Wortschöpfung.

 

42.

Man plänkelt jetzt so hin und her. Ist grad so aufrgende wie ein Marvel-Crossover-Comic mit dem Namen »Marsupilami-Stadt vs. Schlumpfhausen.«

 

44.

Kuhlhoff freut sich nach vergebenem Eckball der Dortmunder, dass die Schalker jetzt schon auf Zeit spielen und fordert abwechselnd »Schlaaaagen!« und Dribblings an der Eckfahne.

45+1

Höger högert Leitner um, sieht gelb. Kuhlhoff sieht bereits schwarz: »Jetzt fällt der Ausgleich per Kopf.« Freistoß bringt nichts, Kuhlhoff feiert den Pausenpfiff wie einen Sieg.

 

16:18 Uhr

User Marc Dillmann weist uns orthographisch zurecht: »Afellay ist kein Primat!!!« Recht hat er, denn wie könnte ein Primat so wunderbar Fußballspielen. Doch dann kommt uns Roy Keane in den Sinn. Nun gut, lassen wir das. 

 

16:21 Uhr

Halbzeit also. Zeit zum Durchschnaufen. Wenn man denn möchte. Ich hingegen dreh mir nochmal ein Tütchen mit den schönsten Szenen aus der ersten Halbzeit. Ich sehe Ibrahim Afellay, sehe Klaas-Jan Huntelaar, sehe verschwommene Bilder aus dem »Tiffany Piano Club«. Sollen sie feiern, diese Schalke-Holländer, sollen sie aufs Klo gehen, so oft sie wollen, sollen sie ein Leben führen, das ich mir nicht einmal vorstellen kann. Es riecht nach Derby-Sieg, alles andere ist wumpe.

 

16:24 Uhr

Beim Bezahlsender ist heute auf jeden Fall Scheißklamottentag. Kastrop in Tapete, Sebastian Hellmann hat einen internen Batik-Wettbewerb verloren und taucht in quietschtürkis auf dem Bildschirm auf. Was kommt als nächstes? Der Kaiser im pinken Einteiler? Ein Lothar Matthäus mit Strass-Jeansjacke? Alles kann, nichts muss.

 

16:27

Sind die Sky-Quizes a) zu leicht oder b) Kartoffel?

16:28

Jörg Pilawa streicht sich Daumendick Mett aufs Brot. Der Nachwuchs darf auch mal von der Maurermarmelade naschen und befindet: »Saulecker.« Ich nehm mir die Redaktions-Pistole und halte sie mir an die Schläfe.

 

46.

Es geht weiter. Ich nehm die Pistole wieder von der Schläfe, atme tief durch.

48.

TOOOOOOOOOOORRRR! Zuckerpass Holtby, Höger tut so, als wäre er Huntelaar in der letzten Saison. Stark. Kollege Kuhlhoff schreit schrill die heiligen Hallen der Redaktion zusammen.

51.

Farfan geht nur so zum Spaß in zwei Zweikämpfe. Die Gegner prallen an seine Brust ab, er fängt an den Ball zu jonglieren.

52.

Perisic geht, Schieber kommt. Der Ticker skandiert: SCHIEBER!

53.

Matip mit dem Frank Mill-Gedächtnis-Schuss. Kuhlhoff beißt in die Tastatur, spuckt die Apostroph-Taste aus. Will heute eh keinem mehr zuzwinkern.

 

55.

TOOOOOOOR! Lewandowski spaniefelt den Ball rein. Nach einem Freistoß, mit dem Kopf. Puls steigt langsam. Die Werbebande verspricht »Pumpen Intelligenz«. Der Ticker nutzt sein Adrenalin, stemmt alte Brockhaus-Lexika und injiziert sich ein paar graue Zellen in die Venen. Danach verinnerlichen wir noch kurz die Stringtheorie.

57.

»Reusreusreus!«, marcellt Reif wie bei Messi, als Marco mit den schönen Haaren in den Strafraum dribbelt und ans Außennetz schießt.

 

59.

Klopp bringt Bittencourt. 18 Jahre, Debütant und wir wissen jetzt schon, wer das Derby entscheidet. Wann kommt eigentlich Alexander Frei? Und was ist mit Ebi Smolarek? Jetzt ist alles möglich.

 

60.

Schalke plötzlich wieder mit Zitterfuß. Dortmund reitet die Schlange der Euphorie. Jetzt haben wir ein Derby!

 

62.

Ach, sind auch Dortmund-Fans im Stadion. Von denen war bisher noch nichts zu hören. Und im Schalke-Block? Gibt es ein paar gefrorene Gesichtszüge. Lecker!

 

63.

Liebe Fans, falls hier gleich die Polizei mitschreibt, keine Sorge, dann habe ich den Kollegen Joswig aus dem Fenster geworfen. Der versucht ernsthaft mit mir über dieses Spiel zu diskutieren, während ich vor Nervosität meine Zehnägel abknabber. Oh, hallo Herr Wachtmeister.

 

65.

Jefferson Farfan läuft immer einen Halbmarathon pro Spiel im Vollsprint, aber verliert leider auch jeden zweiten Ball im Fantasiedribbling. Ist das dann wertvoll oder ärgerlich? Wo sind eigentlich all die Experten, wenn man sie mal braucht.

 

67.

Dortmund jetzt ganz klar Chef im Ring. Mike Tyson ähnlich. Schalke so mutig wie Axel Schulz ohne Fackelmann-Cappi. Jetzt hilft nur noch Zeitspiel. Oder Raul!

69.

Schalke gibt jetzt jeden Ball freundlich an die Jungs in Schwarz und Gelb ab, damit die in puncto Ballbesitz wenigstens ihren Saisondurchschnitt halten können. Nett, mag man denken, aber ist nett nicht die kleine Schwester von Scheiße?

71.

Konter Schalke. Huntelaar schickt seinen Piano-Club-Kumpel und nicht Primaten Afellay. Der sprintet schneller als Ben Johnson anno 1988 und ballert dann Weidenfeller ab.

 

73.

Reif rechnet schon Mal die Punkteabstände sämtlicher Mannschaft bis zur Kreisliga durch, als wüsste er nicht, dass der Fußballgott ein Arschloch ist. Als Warnhinweis hämmert Schieber einen Kanonenkugel in Richtung Unnerstall. Doch der Flutschfinger-Freund im Schalke-Tor hält nahezu sommerlich locker. Lecker.

 

75.

Barnetta mittlerweile für Farfan im Spiel. Übernimmt dessen Aufgabe eins zu eins. Soll heißen: Ballverluste am laufenden Band. Und Rudi Carrell kassiert die Tantiemen.

 

75.

Schalke nun wie eine italienische A-Jugend-Truppe: Zeitspiel, Ball weghauen, tief stehen. Und mit tief meinen wir tiefer als das Niveau dieses Tickers. Also bedenklich tief. Wenn das mal nicht in die Flöze geht!

 

77.

Autsch, Unnerstall bekommt den Ellenbogen von Lewandowski in die Familienplanung. Als er mal kurz nachgucken will, was der Nachwuchs so macht, pfeift die ganze Südtribüne. Dabei könnten sie sich freuen: Vielleicht gibt es bald einen Schalker weniger.

 

79.

Mein Damen und Herren, jetzt können wir für nichts mehr garantieren. In diese Atmosphäre der Hodenquetschungen kommt Jermaine Jones als »Bindemittel« wie Reif weiß. Dabei wissen wir seit einer 90er-OB-Werbung doch längst: Die Geschichte der weiblichen Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse.

 

81.

Schalke hat sich auf jeden Fall aus diesem Spiel verabschiedet, sitzt mental schon im Mannschaftsbus, als Höwedes den heranstürzenden Lewandowski mit einer Jahrhundergrätsche stoppt. Vielleicht ein Signal, vielleicht ein Iduna. Wer kann das jetzt schon noch so genau unterscheiden?

 

83.

Soooooooooooooooooooooooooooooo: Großkreutz roundhousekickt erst einmal Jones über die Seitenlinie und versucht dann auch noch Lewis Holtby das Fußgelenk zu zertrümmern. Schiri Brych findet es schnafte. Wenn sie wissen wollen, was das heißt, fragen sie wen anders. Wir haben jetzt keinen Zeit!

 

85.

Holtby mimt den sterbenden Krampf, einem Dortmund-Fan fliegt der Bierschaum aus dem Mund. Beide trennen nur drei Meter Luftlinie, aber dennoch Welten.

 

86.

Barnetta kämpft sich per Hackentrick durch eine schwarz-gelbe zwei-Mann Wand, legt auf für Huntelaar, der schießt vorbei, als ob es die letzte Saison nicht gegeben hätte.

 

88.

Für Holtby ist das alles zu viel, ist schon wund untenrum. Braucht ein bisschen Babypuder und bekommt den Hintern am Seitenrand mit irgendwas vollgesprüht.

90.

Kollege Kuhlhoff droht, mir den Laptop an den Kopf zu schmeißen, falls das noch schief läuft für seine Schlümpfe. Das Vierte offizielle Fernsehen zeigt den Nachspielkrimi »Vier Minuten«. Schalke vergeigt einen Konter, Kuhlhoff mit Schnappatmung.

93.

»Die Nummer eins im Pott sind wir«, singt der blauweiße Shanty-Chor.

94.

Unnerstall beweist, dass er noch Eier hat, betreibt Zeitspiel vor der Südtribüne. Gelb für Unnerstall.

 

95.

Huntelaar vergeigt die Riesenkonter-Chance, Kollege Kuhlhoff den Tränen nah.

Abpfiff

Klopp schaut so freundlich drein wie einst Ekel Alfred bei der WM-Niederlage 1974 gegen die »Ostzone«. Auf der anderen Seite die mitgereisten Schalker Matrosen und Huub Stevens: Ein Herz und eine Seele. Wir nehmen Abschied von Wolfgang Menge und trinken erstmal ein Sparwasser.

17:26

Jessica Kastrop ist total aus dem Häuschen und flötet munter vor sich hin. Wirkt dabei in ihrem grünem Kleidchen ein bisschen wie ein Ninja-Turtle. Frank Zander kommt zur Tür hinein und singt: »Hey, jetzt kommen die Hero-Turtles, megastarke Hero-Turtles!« Jessica indigniert: »Ich mochte aber immer April Lavigne am Liebsten.« Nur nach Hause gehen wir nicht! Oder doch.

17:30 Uhr

Happs, Happs, Happs, was soll ich noch sagen? Was kann man noch sagen, wenn man eine geistige Erektion hat? Ich sehe kleine blaue Männchen, sehe Männer in Nadelstreifenanzügen, ich sehe einen Meister, der keinen zweiten Nadelstreifenanzug hat und sehe den ersten Derbysieg von S04 nach gefühlten 32 Jahren. Schalke gewinnt ein Spiel, das unüberraschenderweise aus zwei Halbzeiten bestand. Schon überraschender war, das Schalke in Hälfte eins das Spiel dominierte und der BVB sich selbst suchte wie ein arbeitsloser Sozialpädagoge. Nach dem Wechsel spielte Holtby dann einen Jahrhundertpass aus den Untiefen des Konsolenfußballs und erschütterte den Meister bis ins Mark. Dann wurde viel getreten, viel Zeit von der Uhr gedödelt und der BVB rammte nach vorne, ohne so recht zu rammen. Wir täuschen schon Mal einen Krampf vor, rammen uns deswegen jetzt fünf Liter Endorphine und noch mehr Bier rein und irgendwann heute Nacht, werde ich den Kollegen Joswig dann auch noch davon überzeugen, dass Schalke die einzige Alternative zur Depression ist. Bis dahin geht noch einige Zeit ins Land. Verkrämpfte Grüße ins Internet. Peace out!


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