Deutschland
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Italien

Deutschland-Italien im 11FREUNDE-Liveticker

20.000 Fanmeilen unter dem Meer

»Irgendwas machen die Italiener richtig«, sprach DFB-Boss Wolfgang Niersbach. »Und irgendwas machen wir falsch.« So einfach kann eine Analyse sein. Und so schmerzhaft ein 1:2. Einfach schmerzhaft: der Ticker.

10:40 Uhr

Buongiorno!

 

11:13 Uhr

Boah, Kinder. Bin ich aufgeregt. Hab schon seit zwei Stunden nicht mehr geschlafen.

11:21 Uhr

»Traditionen sind dazu da, um gekippt zu werden«, sagt Gianluigi Buffon im Interview mit der »Bild«. Sehen wir ähnlich.

11:49 Uhr

Zufall? Bestimmt nicht: Heute ist der Tag, an dem Marty McFly in der Zukunft landet. Er brach auf im Jahre 2000, um Deutschland in der Abstiegsrunde der UEFA zu retten, wollte das Siegtor gegen Andorra schießen. Doch es kam, was in der Ribbeck-Ära niemand ahnen konnte, anders. Marty, hol dir ’n Eis, setz dich hin, genieße.  

11:55 Uhr

Mmh, Birgit Schönau. Die Traumfrau aller lesenden Fußballfans schreibt in der »Süddeutschen Zeitung« den wohl schönsten Satz aller Zeiten: »Mit den Toren ist es wie mit dem Regen, sie fallen oder sie fallen nicht.« Auf einmal ist alles erträglicher - Tore, Gegentore, Graupel, Gegengraupel, alles. Man fällt oder man fällt nicht. Was soll man machen. Egal. Geht mir aus der Sonne, Gedanken.    

12:05 Uhr

Berichtigung: Marty McFly landet doch nicht heute, sondern erst am 21. Oktober 2015. Will beim Champions-League-Gruppenspiel RB Leipzig gegen SV Rossmann Großburgwedel gegen die Kommerzialisierung des Fußballs demonstrieren. Wie RB-Trainer Joachim Löw® das wohl finden wird?

12:29 Uhr

So möchte ich morgen drauf sein:

Und so Joachim Löw:

Zwei Welten, ein Gefühl.

12:37 Uhr

Falls jemand hier für Italien sein sollte und das auch ganz mutig ausleben möchte, aber gerade keine »Gazzetta dello Sport« zur Hand hat, mit der er sich locker ins Eiscafé von Bad Salzuflen setzten könnte – 11FREUNDE hilft gern. DAS hier einfach auf DIESES Papier drucken – fertig!

12:45 Uhr

Apropos – ein paar Worte zu diesem Buffon.

Als der italienische Nationaltorwart kurz vor dem Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen England wieder aus den Katakomben hervortrat, stand er für einen kurzen Moment im Lichte des Stadions von Kiew wie ein Gladiator, so kühn, angstlos und siegesgewiss, seine Zähne strahlend wie die Schuhe Gottes. Eine Vorentscheidung, wie jeder sofort erkennen musste, der im Kontrast sein hibbelig-überdrehtes Gegenüber Joe Hart beobachtete.

Doch warum hatte Buffon sich zuvor überhaupt zurückgezogen? Um genau diesen Auftritt zu inszenieren, sich von einer dienstfertigen Zofe noch schnell die Unterarme mit Olivenöl einreiben zu lassen? Dass er bloß sein Wasser abschlagen musste, ist ihm und uns dann doch zu profan. Gladiatoren strullen nicht. Und sollte er mit La Mama telefoniert haben, dann bestimmt nicht, um sich Mut zusprechen zu lassen. Sondern nur um anzukündigen, dass er gleich den Schuss von Ashley Cole festhalten werde. Für sie.

Ausschließen wollen wir allerdings, dass Buffon noch schnell eine Wette platzierte. Wie gesagt: Wir wollen. Aber wir können nicht. Diesem Keeper, dem wohl nervenstärksten des Weltfußballs, ist alles zuzutrauen. Sogar, dass er das große Paradox in die Wirklichkeit übersetzt: Er hält tatsächlich die Unhaltbaren. Also bitte erst jubeln, liebe Fanmeilen-Besucher, wenn das Tor schon in den Almanachen geführt wird.

13:17 Uhr

Mir brummt der Schädel, liebe Fans. Expertisen, Expertisen, Expertisen – und alle widersprechen einander, zum Teil sogar sich selbst. Aber wer gewinnt denn nun heute Abend? Wie gut es da tut, jemanden wie Lukas Podolski zu haben. Ganz ehrlich. »Wir sind besser als Italien«, sagt er im Interview mit 11freunde.de. So einfach, so klar. Fußball-Quartett-Sprache. Ein Blick auf die PS-Zahl: »Wir sind besser!« Poldi: von null auf hundert in einer Sekunde. Und dann macht es »Bumm«.

13:22 Uhr

Genau deshalb möchte ich auch, dass Poldi heute Abend spielt. Zehn Mal Poldi. Plus Neuer. Neuer – Poldi, Poldi, Poldi, Poldi – Poldi, Poldi – Poldi, Poldi, Poldi – Poldi. Allein der Anblick würde die Italiener in den Wahnsinn treiben. Wie damals, als Hannibal ante portas stand, mit seinen Kriegselefanten. Poldi, der Kriegselefant. »Ich denke nicht vor dem Tor. Das mache ich nie.« Törö.

13:25 Uhr

Hannibal sagte übrigens: »Wir finden entweder einen Weg, oder wir bauen einen.« In Poldi-Sprache: »Wir müssen die Köpfe hochkrempeln.«

13:46 Uhr

Noch mal zu gestern. Spanien gewinnt im Elfmeterschießen, Miss Portugal steht im Halbfeld und sagt: »Qué Injusticia!« Welche Ungerechtigkeit. Täusche ich mich, oder sieht das aus wie eine Szene aus »GZSZ«? Der »Fasan« ist wegen dubioser Machenschaften von Jo Gerner pleite, und irgendein schöner Kellner muss jetzt zum Arbeitsamt. »Welche Ungerechtigkeit!«, greint er und wirft die Schürze in die Spüle. Schwenk auf ungegossene Yuccapalmen. Werbung. Ich erkenne da keinen Unterschied zur EM. Das betrübt mich fast so sehr wie die Tatsache, dass ich weiß, dass es in »GZSZ« ein Lokal namens »Fasan« gibt.

 

14:01 (Tagtraum)

Klose! Nein, nein, nein, nein! Klose. 1:1. (Pause) Tor durch Klose. (Pause) Unglaublich. Ausgerechnet Klose, werden die Italiener sagen. Ausgerechnet Klose. Es ist nicht zu glauben.

14:32 Uhr

Michael Steinbrecher und ich können den Sieg schon riechen. Ihr auch?

14:34 Uhr

Ich denke nichts mehr. Ich höre nur noch eine Stimme. Sie sagt immerzu: »Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski!« Wenn es doch nur schon die Stimme nach dem Spiel wäre.

14:37 Uhr

Angebot! Jetzt zuschlagen, Jungs!

15:13 Uhr

Hinterhältiger geht es kaum: Der italienische Abwehrchef Andrea Barzagli hat sich lange vor dem Halbfinale als Deutscher verkleidet. Würde die Kleiderordnung der UEFA es erlauben, er trüge auf dem Platz ein in die Hose gestecktes Karohemd. Doch selbst im azurblauen Trikot wirkt der er wie ein Kombi-fahrender Familienvater, der Frau und Kind durch die polnische Nacht wohlbehalten zurück in die Wolfsburger Doppelhaushälfte bringt. Dort, beim VfL, ließ er sich von 2008 bis 2011 von Felix Magath zum Deutschen ausbilden. Täglich köpfte er Medizinbälle über den Mittellandkanal.

Und all das nur, um im kommenden EM-Halbfinale den Gegner mit den eigenen Waffen zu schlagen, mit Härte, Ausdauer und brummiger Präsenz. Genau das also, was einst schon Arminius, der Cherusker-Fürst, tat. Nur eben andersherum: Der Germane diente erst im römischen Militär und schlug es dann vernichtend. Droht 2003 Jahre danach also die Rache für die Varusniederlage?

»Das wird eine große Schlacht«, so Barzagli vor dem Spiel. Bezeichnend.

15:39 Uhr

»Schweini darf nicht rumheulen«, sagt Michael Ballack im »Express«. Da hat er Recht. Einem beinharten Profi steht das nicht gut zu Gesicht.

15:48 Uhr

»DER Mann im italienischen Mittelfeld heißt Pirlo«, weiß bild.de. Aber wie heißen die anderen? So:

15:57 Uhr

Ich! Kann! Es! Nicht! Mehr! Hören! Schon wieder sagt irgendein Italiener: »Die Deutschen haben Angst vor uns!« Was soll das? Echte Monster behaupten so etwas nicht, liebe Italiener. Bald macht der Eisverkäufer »Bu!«, wenn das Kleinkind seine Kugel Banane haben will. Und das soll dann ein psychologischer Vorteil sein.    

15:59 Uhr

Das hamse jetzt davon: »Merkel lässt Monti abblitzen«, meldet spiegel.de. Es ist keine Angst. Es ist Ekel. Bitte nicht verwechseln.

16:03 Uhr

Apropos Sex im Alter. »Mit Italien lebt man wie mit einer Geliebten, heute im heftigen Zank, morgen in Anbetung«, sagte Schopenhauer. »Mit Deutschland wie mit einer Hausfrau, ohne großen Zorn und ohne große Liebe.« 

16:09 Uhr

Und was Schopenhauer noch sagte und wir hier nur der Vollständigkeit halber abbilden: »Der Hauptzug im Nationalcharakter der Italiener ist vollkommene Unverschämtheit. Diese besteht darin, dass man einesteils sich für nichts zu schlecht hält, also anmaßend und frech ist, anderenteils sich für nichts zu gut hält, also niederträchtig ist. Wer hingegen Scham hat, ist für einige Dinge zu blöde, für andere zu stolz. Der Italiener ist weder das eine noch das andere, sondern nach Umständen allenfalls furchtsam oder hochfahrend.«

16:20 Uhr

Und jetzt das. Jürgen Klinsmann sagt: »Ich bewundere die junge Generation!« Das tat Thomas Mann auch, aber erzählte es nicht dem Sport-Nachrichtensender Sky Sport News HD, sondern nur seinem Tagebuch. O tempora, o mores.

16:23 Uhr

Der britische Phantasiemensch Ken Barlow (»Coronation Street«) twittert: »You can put CHICKEN in front of any Italian player’s name and he sounds like a meal. Chicken Buffon, Chicken Balzaretti, Chicken de Rossi.« Absolut richtig! Jetzt hab’ ich Hunger. Siegeshunger? Nö, einfach nur Hunger. Ganz vergessen, dass es so etwas gibt. Hunger! Verrückt. 

16:33 Uhr

Davor habe ich am meisten »Angst«. Beziehungsweise: »»Angst««.

16:47 Uhr

Noch mal zur Angst. Es gibt ja die so genannte »German Angst«, über die Thomas Wolfe in »Es führt kein Weg zurück« schrieb: »Ihm wurde klar, dass diese ganze Nation von der Seuche einer ständigen Furcht infiziert war: gleichsam von einer schleichenden Paralyse, die alle menschlichen Beziehungen verzerrte und zugrunde richtete.« Jetzt habe ich doch Angst. Vorm Maulwurf, der hier ja ganz offenbar gemeint ist. Vor mir selbst. Vor der Angst. Aber immer noch nicht vor den Italienern.

17:06 Uhr

Zufall oder nicht – das hat historische Wucht, liebe Fans: In Brüssel ringen Merkel und Monti um den Euro, in Warschau ringen Özil und Pirlo um die Euro. Und im Finale wartet Spanien, das Deutschlands Hilfe braucht. Der Sport als Abziehbild der Politik? Oder andersherum? Wer ist der wahre Kanzler? Was sorgt derzeit für mehr Nervosität: die Aufstellung oder das Kabinett? Längst umweht den DFB-Tross etwas Staatliches, beinah Aristokratisches. Löw kann auf den Kaiserthron springen. Und Franz nimmt ihn einfach auf den Schoß.   

17:25 Uhr

Wer heute – unfreiwillig – allein ist, sollte unbedingt auf DIESEN KANAL umschalten – von Fanmeter zu Fanmeile, gewissermaßen, nach Lohne, in die Heimatstadt des großen Ansgar Brinkmann. Ansgar dazu: »Wenn ich Lohne wäre, wäre ich lieber ich.«

17:37 Uhr

Wir rufen Frankfurt! Seid Ihr mit uns?

18:53 Uhr

Angst? Immer noch nicht. Aber Respekt. Vor Andrea Pirlo.

»Ich habe noch nie gesehen, dass jemand einen Fisch so tötet wie Sie«, sagt jemand in dem Gangsterfilm »Der Clan der Sizilianer«. Er bekommt zur Antwort: »Sie haben vieles noch nicht gesehen.«

Zweifelsohne. Zum Beispiel einen Mann, der so wirkt, als hätte er keine Lust, Fußball zu spielen, und trotzdem zu den besten dieses Sports gehört. Wir fühlen uns so schrecklich naiv, wenn wir Pirlo sehen, hielten wir Fußball doch für anstrengend, den Weg zur Spitze für mühselig. Und dann löffelt er diesen Elfer gegen England rein, mit der Leidenschaft eines Mannes, der den Müll rausbringt, unsagbar phlegmatisch und dennoch genial.

Dass er mit einem solchen Ding schon mal gescheitert ist, im Gamper-Cup, fiel der Welt erst danach wieder ein.

19:55 Uhr

Warum ich gerne mit Jogi Löw verheiratet wäre: weil er sich auch nach sechs Jahren noch sehr, sehr viel Mühe gibt, einen zu überraschen. Die heutige Aufstellung: 1 Neuer - 20 Boateng, 5 Hummels, 14 Badstuber, 16 Lahm - 7 Schweinsteiger, 6 Khedira - 18 Kroos, 8 Özil, 10 Podolski - 23 Gomez. Es könnte allerdings sein, dass Thomas Müller gerade lieber die Scheidung einreichen würde. Dumm nur, dass er Oberbayer ist, da scheidet man sich nicht so schnell, weil sonst der Dorfpfarrer jeden Abend reinschneit, um einen vor der Sünde zu bewahren. Also doch lieber wieder zusammenraufen.

19:59 Uhr

»Lohne ist mitnichten die Heimatstadt des Ansgar Brinkmann«, belehrt uns ein Leser. »Vielmehr hat er für das einige KiIometer nördlich gelegen Dörfchen Bakum zum ersten Mal die Töppen geschnürt. Als Bewohner der Gegend kann ich euch sagen: Lohne hat diese Art von Ruhm NICHT verdient!« Was soll dieser Defätismus? Wenn wir jetzt nicht ALLE zusammenhalten, dann wird das nix! Lohne gehört auch zu Deutschland! 

20:01 Uhr

Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau! Wachstum und Beschäftigung! Rolf-Dieter Krause! Live! Aus Brüssel! Neue Instrumente! Zurück! Zu Thorsten Schröder! Und der macht das TOOOOOOOOOOOOOOOOR! 1:0 für ALLE! 

20:03 Uhr

Bild.de kürzt Hummels in der Aufstellung mit »Humme« und Khedira mit »Khedi« ab. Klingt freundschaftlich. Find ich toll. Ihr dürft mich »Giese« nennen. Gern auch »alte Säge«.

20:10 Uhr

TOOOOOR!!! TOOOOOOOOR FÜR DEUTSCHLAND!!!! TOOOOOR ÖZIL!!! Ach, wenn es doch nur schon so weit wäre. Es ist aber nur: Kollege Gieselmann beim Gute-Nacht-Telefonat mit seinem Sohn (1). Schöne Träume.

20:11 Uhr

Dicke Frauen im Bundestag. Müssen diese Bilder jetzt wirklich sein? Im italienischen Fernsehen werden derweil Gladiatoren gezeigt, die mit bloßen Händen Krokodile erwürgen. Jetzt kriege ich doch Angst. Vor dicken Frauen im Bundestag.

20:12 Uhr

Poldi SPIELT. Hab ich’s nicht gesagt? Hab ich’s nicht gesagt? Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski!

20:14 Uhr

Azurblauer Himmel morgen über Deutschland. 33 Grad, Rimini-Wetter in Recklinghausen. Und die Tagesthemen moderiert Ingo Zamperoni. Mir wird irgendwie komisch zumute. Angst? Noch nicht. 

20:15 Uhr

Die Tagesschau läuft. Ich bin viel zu aufgeregt, um genau hinzuhören, bekomme aber gleich zweimal die Phrase mit: Augen zu und durch! Hm. Ob wir das unterschreiben sollten? Jetzt nicht in Bezug aufs Betreuungsgeld, sondern auf einen deutschen Sieg? Einfach durch irgendwie? Notfalls auch rumpelig? Ich habe ja tatsächlich die Hoffnung auf ein schönes, ein berauschendes, von mir aus sogar ein sensationelles Fußballspiel, auch wenn mir Kloppo Sensationen eigentlich grundsätzlich madig gemacht hat. Andererseits beginnt dieses Spiel mit Reinhold Beckmann, kann also gar nicht mehr sooooo super werden. Ach, was soll’s? Augen zu und durch!

20:18 Uhr

Offenbar spielt Pocahontas, jedenfalls macht sich eine kleine Indianerin mit Stirnband und sibyllinischem Blick dort unten warm. Aus der gegnerischen Hälfte linst ein alter Häuptling lüstern zu ihr herüber, »Chippender Fuß« mit Namen, will sie in sein Wigwam zerren. Stamm gegen Stamm. Das Kriegsball ist ausgegraben. Wer gewinnetout? 

20:23 Uhr

»Der Bundestrainer denkt weiter als ich«, kapituliert Mehmet Scholl. Durchaus sympathisch, dass er das so zugeben mag. Aber es entzieht der ganzen Veranstaltung die Grundlage. Scholl und Beckmann: Zwei Druiden, die im Asterix-Themenpark in Hühnerknochen aus Plastik lesen. Und sich gleich die Kostüme ausziehen und in ihren Sharans nach Hause fahren. Entzaubernd.  

20:29 Uhr

Man müsste mal bilanzieren, wie es den Spielern so ergangen ist, die das Schicksal ereilt hat, von Sven Kaulbarß porträtiert zu werden. Jetzt der arme Khedira, für den die EM damit gelaufen sein dürfte. Softporno-Stimme, DB-Magazin-Poesie, Chillout-Musik: Das muss ihnen doch schaden. Die Voodoo-Puppe unter den Einspielern. 

20:30 Uhr

Löw. Seltsam rot. Hat er sich verjoggt und sich das Nivea-Face angebrannt? Gespenstisch. Dann sagt er: »In dieser Kotze-Phase trinken die Spieler was.« Nachdurst? Jetzt? Ich brech' zusammen.

20:35 Uhr

Es wird kribbeliger. »Schluss jetzt mit dem Gequatsche«, kokettiert Mehmet Scholl. Und normalerweise würden wir ihm ja auch recht geben. Aber heute: Wenn er aufhört zu quatschen, fängt Steffen Simon an. Ehrlich wahr, liebe Fans. Sowas machen die, mit euren Gebühren. Und wer protestiert dagegen? Ich!!! Und wer hört mich? Hallo? Haalllloooooo?

 

20:36 Uhr

Wenn ich das richtig gesehen habe, ist hier vorm Haus gerade ein Mann mit Federballschlägern auf dem Gepäckträger vorbei geradelt. Irgendwie frei. Irgendwie aber auch affig. Ich stehe vor einem Rätsel: Wie kann jemand so sympathisch und zugleich so unsympathisch sein? Das heißt im Umkehrschluss, dass ich der Mann, der ich bin und der hier gerade für Deutschland fiebert, nicht sein will. Identitätskrise! Das jetzt. JETZT habe ich Angst. German Angst.

20:40 Uhr

Die Hymnen. Kurzes Vorspiel, dann, zack, 1:0 für Italien. Sorry, liebe Fans, aber ist halt so. Eigentlich sogar 2:0, wegen der Hingabe Gigi Buffons, die Augen geschlossen und einen Mund, der aussieht, als würde er gerade noch mal all die Leibspeisen nachschmecken, die niemand so gut kocht wie seine Mama. 3:0, verdammt.

20:41 Uhr

BRÜHT IM LICHTE DIESES GLÜCKES! JETZT!

20:44 Uhr

Philipp Lahm trägt noch schnell ein selbstgeschriebenes Gedicht aus seinem demnächst erscheinenden Lyrikband (»Der feinste Unterschied«) vor, dann geht es los.

 

20:45 Uhr

WIR HABEN DIE SEITENWAHL GEWONNEN! DER ERSTE SIEG GEGEN ITALIEN BEI EINEM GROSSEN TURNIER! JAAAAAAAAA! FIPSI, DU BIST EIN MÜNZWURFGOTT!

1.

ANSTOSS! MEINE UMSCHALTTASTE KLEMMT! ABER DAS ENTSPRICHT MEINEM KÖRPERLICHEN UND EMOTIONALEN ZUSTAND! ICH BITTE UM VERSTÄNDNIS!

3.

Erster Schockmoment: Für einen klitzekleinen Augenblick dachte ich, statt Holger Badstuber spiele heute Oliver Pocher in der deutschen Innenverteidigung. Warum müssen die auch alle zum gleichen Friseur rennen?

4.

Brenzlig. Ein hassenswertes Adjektiv, zumal wenn es einen selbst betrifft. Stinkt nach im Aschenbecher vergessener Kippe. Stinkt nach Chance für Italien. Doch Hummels löscht. Wenn ich groß bin, will ich auch Feuerwehrmann werden. 

5.

Özil mit Chipball auf, ja auf wen, auf Podolski wohl, eventuell auch auf eine tieffliegende Schwalbe, die ich nicht sehen konnte. Andrea Pirlo jedenfalls dreht sich verächtlich ab.

6.

JAAAAAA! EIN TOR! FAST! Gestocher! Als wäre der italienische Strafraum Ottfried Fischers Mund nach der Brotzeit! Der Ball trudelt in Richtung Kasten, Stunden des Hoffens – dann Pirlo AUF DER LINIE! Der namenlose Torrichter schlottert, zuckt, bricht zusammen, Pirlo klärt, ich schlottere, zucke, breche zusammen. Zurück in die angeschlossenen Funkhäuser. 

7.

Mann, bin ich aufgeregt. Auch bzw. au deswegen, weil ich ja genau davor Schiss hatte: dass der Ball Buffon zwar durch die Beine fliegt, er ihn aber trotzdem mit völliger Gelassenheit noch abfängt und nicht halb so aufgeregt ist wie ich. Dafür bin ich aus genau diesem Grund nicht ein Zehntel so anfällig für Spielsucht.

8.

Kroos bewacht also Pirlo. Das ist edel. Gefällt mir enorm, dass wir einen unserer Besten für diese niedere Arbeit abstellen. Als würde Peter Handke unsere Einträge hier gegenlesen. Mach mal ’n Kaffee, Peter.

10.

Was hat dieses Spiel mit gewissen Erwachsenenfilmen gemeinsam? Das ist mir hinten alles zu offen.

12.

Da, da, da! Genau das meinte ich, es ist wie in meinen Alpträumen, die ich heute den ganzen Tag hatte. Khedira joggt durch die italienischen Reihen als wäre er eben das, ein Jogger, bleibt deswegen unbehelligt, passt auf Boateng, der senst ihn rein, keiner kommt ran, aber Buffon lässt den Ball wieder los, lässt ihn zu einem Italiener prallen, und von dort kullert er Zentimeter am Pfosten vorbei. Es ist das pure italienische Glück, dass es hier noch 0:0 steht und gleichzeitig so absolut typisch.

13.

Wer ist Pirlo? Kroos! Ganz kroos bzw. groß: Karl-Allgöwer-Gedächtnishammer, Buffons Maniküre war für die Katz. Lässt der schönste letzte Mann der Welt sich jetzt resigniert auswechseln?

16.

Bonuskarte im Kommentatoren-Bingo: »Prandelli ist so etwas wie der Jogi Löw Italiens.«

17.

Ich fühle mich gut, sehr gut, ja: Ich habe gerade überhaupt keine Angst mehr. Doch dann sagt Simon: »Es lässt sich gut an, was das junge deutsche Team hier veranstaltet.« Ein Satz wie im Pfadfinderlager am Steinhuder Meer. Kleinkariert, strebsam, demütig – und also doch wieder eine Angst verratend, auf die ich ÜBERHAUPT KEINEN BOCK HABE, STEFFEN! STEFFEN! WIE DER SCHON HEISST! FÄHNLEIN FIESELSTEFFEN! Ach, komm. Geh Holz sammeln. 

18.

Erste Chance für Italien, Neuer hält, Gott sei Dank, denn geschossen hatte Montolivo, der mit der deutschen Mutter. Und was ich zusätzlich zu einem italienischen Tor am wenigsten brauchen könnte, wäre eine Lawine von »ausgerechnet«, die über die deutsche Medienlandschaft hereinbricht.

 

19.

Und noch so’n Weitschuss der Italiener. »Die Weitschüsse sind nicht ohne«, so Simon. Dabei hatte ich doch deutlich gesagt: EINMAL WEITSCHUSS OHNE ALLES, BITTE! Verdammt. 

19.

Wir müssen jetzt ganz stark sein. 1:0. Nicht für uns. Cassano flankt, Badstuber macht nichts falsch und doch irgendwie alles, Balotelli steigt hoch, köpft, Neuer macht das X, vergeblich. Ein Satz mit X: Wir müssen jetzt auferstehen wie Phönix. 

22.

Jetzt bräuchte es jemanden wie früher in der Kreisligamannschaft, der erst mal auf den Ball tritt und »Ruuuuuuuuuhig« sagt. In einem Ton, als wären seine Mitspieler Pferde. Und sie senken die Köpfe und tun, was er sagt. Das Spiel beruhigt sich. 1:0? Was ist das schon? Aber es gibt diesen Mann nicht im deutschen Spiel, jedenfalls nicht jetzt. Also sagt Simon: »Es ist noch früh.« Und zum ersten Mal mag ich ihn irgendwie. So weit ist es gekommen.

25.

Boateng. Ideenlos nach vorn. Aber Ideen sind überschätzt, wie ich immer schon geahnt habe, und tatsächlich kommt der geile Zufall ins Spiel, ein Italiener strauchelt, Gomez brustet den Ball rüber zu Özil, der schießt, doch so schlaff, dass Buffon sich hinlegen kann wie eine Greisin des Nachts, die auf dem Nachttisch nach dem Glas für ihre Dritten fingert. Zahnlos. 

28.

Uncool: Gomez, der einen Einwurf beinahe direkt einem Italiener in den Lauf köpft und sich damit genau so verhält, wie ich mich fühle.

28.

Und bei euch so?

30.

Von Toni Kroos heißt es ja immer, er habe eine »super Schusstechnik«, einen »echten Hammer«, »eine Waffe« etc. pp. Aber mal ganz ehrlich: Könnte er diese Waffe nicht endlich mal mit scharfer Munition laden und sie auch mal einsetzen? Jetzt zum Beispiel? Wäre ein guter Zeitpunkt!

31.

Khedira jetzt mit dem Powersprint nach vorn. Sieht aber aus wie einer, der durch eine Italo-Disco rennen will, überall tanzende, flippende, irgendwie aufdringliche Typen. Ausgehen ist auch nicht mehr das, was es mal war. Ich krieg irgendwie Bock auf 'nen Videoabend.

33.

Chance! Ecke! Ja! Und was noch viel wichtiger ist: Poldi drückt Balotelli auf den Rasen, recht so, Poldi. Das hier muss ein Krieg werden. Zwei, drei, viele Poldis! 

35.

Okay, okay, ich habe mir ein super Spiel gewünscht, aber vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt: Ich wünsche mir kein super Spiel für neutrale Zuschauer, die sich dran begeistern können, dass es hier hin und her geht, wie jetzt gerade, sondern ein super deutsches Spiel, in dem es nur Richtung Buffon geht.

36.

2:0. Mehr dazu morgen in der Fachpresse.

36.

Es hilft ja nichts, dann »wollen« wir mal, verdammte Chronistenpflicht. Irgendein – natürlich – gelöffelter Pass, vermutlich von Montolivo, Lahm müsste einen Meter größer sein, ungefähr 1,80, um mit dem Kopf noch dran zu kommen, keine Chance, Balotelli hat drei Jahre Zeit, sich den Ball zurechtzulegen, mit ihm zu sprechen, ihm zu erklären, was er gleich mit ihm vorhat, nämlich ihn GNADENLOS in die Maschen zu hämmern. Neuer sieht einen weißen Kondensstreifen am Himmel über Warschau. Der sich nun verdunkelt. Kann auch sein, dass es mein Gemüt ist. Wann wird's mal wieder richtig Sommer? Scheißfrage, jetzt, im Herbst, wenn die Hoffnungen mit verneinender Gebärde fallen.

38.

Ein weiterer Grund, warum es das jetzt aber gewesen sein sollte mit italienischen Angriffen: Bei jeder Chance gibt meine Frau Geräusche von sich, die ich zuletzt im Kreißsaal von ihr gehört habe. Also Jungs: PRESSEN!!!

 

41.

Kriegen wir hier eigentlich 0:5 einen auf die Eier? Nein. Denn wir haben offenbar keine. 

44.

Es sieht überhaupt nicht danach aus momentan, sogar eher nach dem Gegenteil, aber wenn wir das hier noch drehen, dann werden wir alles, ABER WIRKLICH ALLES AUSNAHMSLOS GROSS SCHREIBEN. UND ES WIRD NICHTS AUSMACHEN, DENN HEUTE IST, WIE UNS EIN LESER AUFKLÄRT: INTERNATIONALER CAPSLOCK DAY! Stimmt wirklich. Bzw. STIMMT WIRKLICH!!!

45.

Simon jetzt mit der Grabrede. Erinnert an längst vergangene Chancen wie an jugendlichen Sturm und Drang, der 90 Jahre zurückliegt. »O Valerio, ich bin so alt, und die Welt ist so jung!« (Frei nach Büchner)  

47.

Geteilte Zeit ist halbe Zeit. Aber was ist mit dem Leid? Jetzt kommen mir die Vize-Titel der Bayern auf einmal vor wie ein schier unerreichbares Glück. Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie ausgelacht habe, Herr Hoeneß.

21:41 Uhr

Jetzt grinst der Zamperoni schon wie ein Europameister, dieser verdammte Aushilfsitaliener. Sitzt wahrscheinlich schon auf der Vespa und brettert nach den »Tagesthemen« mit meiner Frau über den Brenner. Sie trägt einen Rock, den ich noch nie an ihr gesehen habe. Und ich fahre nach Amrum, setze mich in den Strandkorb und quäle Seesterne.

21:40 Uhr

»FUSSBALL-GOTT, MACH’ IRGENDWAS«, betet die »BILD«, die den Capslock Day wahrscheinlich erfunden hat. Könnte nur leider sein, dass der Fußballgott mit der Arbeit schon fertig ist.

21:44 Uhr

Zwei Schland-Fans, er viel zu dick, sie viel zu dumm, gehen nach Hause und gucken lieber »Buffy« auf DVD. Ich beneide sie.

21:45 Uhr

Es kommen wohl Klose und Reus zur zweiten Halbzeit, was einleuchtend, sogar wünschenswert wäre, damit zumindest irgendwas passiert. Unklar bleibt jedoch, ob sie tatsächlich kommen, oder ob Beckmann das nur aus der »Körpersprache des Bundestrainers« ableitet, wie er selbst sagt, oder ob es wirklich stimmt. Was waren das für Zeiten, als die ARD immer mit in der Kabine saß. Und Reinhold Beckmann bei »ran«. Und wir hatten zuhause kein Kabelfernsehen. Und Deutschland, verdammt noch mal, war Weltmeister.

21:48 Uhr

Löw müsste zurücktreten, aber das geht jetzt leider nicht. Seine vielleicht letzte Amtshandlung: Reus für Podolski, Klose für Gomez. Und wer für mich? Irgendwelche Freiwillige? Hallo?

46.

Anstoß. Herzlich willkommen im Zeitalter der falschen Hoffnungen. 

47.

Kroos jetzt anscheinend über links, für Podolski, und Reus auf rechts, im Halbfeld, im Strafraum, mit Körpertäuschung, dem Schuss und damit, auch wenn Buffon hält, einem kleinen Funken Hoffnung.

49.

ich schreib jetzt bis auf weiteres alles klein. passt ja: chäncechen für lahmi. schüsslein. und simönchen kommentiert das hier auch noch alles durch den niedlichkeitsfilter. es ist demütigend. als würde der underdog einem riesen am bein rumzuppeln mit seinen kleinen milchzähnen, die keinen knochen knacken können. miau.

51.

Irgendwelche »Bravo Sport«-Leser singen jetzt »Superdeutschland olé!«. Ich bestell mir jetzt ’ne Pizza Depressioni. Noch irgendwer?

53.

Die größte Scheiße: Alle – ALLE! – Sätze, die nach diesem Spiel gesagt werden, fangen mit »Im Endeffekt« an. »Im Endeffekt waren die Italiener die stärkere Mannschaft«, »Im Endeffekt ist das Halbfinale ein Riesenerfolg«, »Im Endeffekt haben die Jungs die Zukunft noch vor sich«. Was im Endeffekt in der Natur der Zukunft liegt. Ich hoffe auf meinen baldigen Endeffekt. 

55.

Geht noch was? Oder tun die Italiener nur so, als ginge noch was, um uns dann noch mal auszukontern? Hatte Khedira also eben eine Chance, als er im Strafraum alles umdribbelte? Oder war das alles nur Kalkül, weil die Italiener genau wussten, dass er eben auch wieder aus dem Strafraum rausdribbeln würde, weil alles von italienischen Beinen verstellt war? Ich fürchte Letzeres.

56.

Cassano geht vom Feld. Grinst wie ein Taschendieb im Vatikan. Und ich gönne ihm sogar seine Beute. Scheiß EM-Touristen. 

57.

Super Deutschland Oléeee! Super Deutschland Oléeee! Klose köpft 22 Meter vorbei, aber: Super Deutschland Oléeee! Super Deutschland Oléeee!

60.

Was bei Simons wackeren Suggestionsversuchen ja leicht in Vergessenheit gerät: Italien ist näher am 3:0 als wir am 2:1. Und ich bin näher an Erich Ribbeck als an Joachim Löw.

62.

Foul an Kroos, super Freistoß-Position, aber: keine Freistoß-Schützen mehr (wir berichteten mehrfach). Deshalb schießt jetzt Reus, und er schießt nicht schlecht, aber was bringt das schon, er schießt ja auch nicht rein. Und im ARD-Studio sitzt Mehmet Scholl, und wenn er Anstand hat, dann weint er jetzt.

64.

Simon fängt an, seine Karteikarten vorzulesen. In einem EM-Halbfinale. Wenn meine Hoffnungen weiter so vor sich hin siechen müssen, ziehe ich ihnen gleich eine Brechstange über den Kopf.

66.

Liebe Fans, tapfer sein, das wird nichts mehr, nicht gegen Italien. Was ich trotzdem mag: Saltimbocca alla romana, Penne al ragu, pollo alla diavolo, die toskanische Küste, Ossobucco alla milanese, Spaghetti alla Puttanesca, Marchisio, der das 3:0 nicht macht, sondern Zentimeter am Tor vorbeischießt.

68.

Die deutsche Mannschaft brauche jetzt »ein kleines Wunder« und »öfter mal ein bisschen Glück«, meint Simon. Phrasen wie im Musikantenstadl. Ich sag euch mal was, liebe Deutsche: Das Brückerl, das über euer Bacherl geht, es brennt lichterloh.

70.

Wenn ich Müller wäre, würde ich mich jetzt endgültig von Löw scheiden lassen. Der soll es jetzt richten, er, der Raumdeuter, wo es doch längst keine Räume mehr gibt, zumindest nicht in der italienischen Hälfte, die Weiten in der deutschen bewacht nun für Sie: Ihr Libero Bastian Schweinsteiger.

72.

Jetzt patzt auch noch Neuer, verzettelt sich im Dribbling irgendwo in der Fußgängerzone von Warschau. Und die vier Turnier-Siege bislang verblassen langsam, aber sicher wie ein feuchter Traum, wenn der Wecker schrillt.

74.

Richtig witzig würde es ja, wenn das tatsächlich noch in die Verlängerung ginge und Deutschland mit dieser Fatalisten-Aufstellung weitermachen müsste.

76.

Italien drückt. Aufs Tor. Aufs Gemüt. 

76.

Seelenschmerzverzerrte Gesichter nun. Hummels schaut drein wie soeben von der Freundin verlassen. Klose wie seine eigene Ur-Oma. Schweinsteiger genauso, wie er heißt. Özil wie immer. Weiß er überhaupt, wie es steht? 

78.

Simon jetzt mit dem Paradoxon des Abends: Er will »die Hoffnung nicht aufgeben« und verweist darauf, dass es auf »jeden Fall noch weitergeht. Mit Waldis EM-Club«. DAS IST DOCH DIE RIESENSCHEISSE, MANN!

80.

Kroos. Ballert bis dorthinaus. Und Löw ist an den Lippen abzulesen: »Ach, Toni, des kannsch du doch!« Das klingt nicht nur nach Schwarzwald, das ist der Schwarzwald. Ganz finster.

81.

Erstaunlich: Dass die Italiener auf der rechten Angriffsseite permanent ausrutschen. Noch erstaunlicher: Dass Gegenspieler Philipp Lahm trotzdem nicht an den Ball kommt.

82.

Wenn sie die Italiener schon nicht besiegen können, laden sie sie wenigstens zu einem Tag der offenen Tür ein. Deutsche Ingenieurskunst. Und fasziniert besichtigt di Natale die größten Löcher der Welt.

84.

Scheint jetzt nur noch ein Test für den Linienrichter zu sein. Abseits oder nicht? Oder doch? Simon wacht streng über die Leistung des Fahnenmanns, trägt seine Prüfungsergebnisse vor wie der Vorsitzende eines Kaninchenzüchtervereins. Und irgendwo auf dieser Welt platzt der Kopf von Matthias Sammer. 

85.

Der Moment, in dem selbst der frühere Ministrant Steffen Simon einsehen muss, dass das hier nichts mehr wird, nähert sich unaufhaltsam. Und dann gnade uns Gott vor dem Abgesang, der folgen wird.

87.

Der Moment ist jetzt da. Und wird vermutlich bis gegen 23 Uhr dauern, also 28 Minuten. Ruft bitte nicht mehr an, ich kann nichts mehr hören. Ich gieß mir Wachs in die blutenden Ohren. Hmmm, Wachs!

88.

Löw ist längst nicht mehr Löw. Die ARD hat ihn durch Iris Berben ersetzt. Im Drehbuch steht: wütend aufspringen. Virtuos gespielt. Der Bambi winkt.

89.

Man soll ja nicht alles schlecht reden, und sicherlich werden wir dafür gegeißelt, dass wir es tun, weil wir nicht anders können. Aber: Wäre die deutsche Nationalmannschaft eine Band, sie sollte sich auflösen.

90.

Und dann, nur damit Simon noch ein »es soll einfach nicht sein« loswerden kann, fällt Hummels plötzlich im Strafraum der Ball vor die Füße, aber er schafft es nicht, ihn aus drei Metern im Tor unterzubringen. Er schafft es einfach nicht. einfach nicht. nicht.

 

91.

Was ist das jetzt für eine unnötige Hänselei des Schicksals? Elfmeter! Für Deutschland! Nach einem Handspiel. Özil schießt. Drin. Mein Puls rast. Und das, obwohl ich längst tot bin. Ein medizinisches Wunder.  

93.

Ich sterbe gleich. Und ich verspreche euch: Wenn sie den Ausgleich noch machen, werde ich umgehend den kompletten Ticker löschen und sagen, dass ich immer dran geglaubt habe.

 

94.

»Neuer ist jetzt der zwölfte Feldspieler«, zählt Simon. Und der Schiedsrichter lässt acht Tage nachspielen.

95.

Aus, aus, der Traum ist aus. Der so genannte.

22:24 Uhr

Adriano Celentano knarzt aus den Boxen. Cassano trägt ein konsterniertes Baby über den Platz. Gomez und Götze sitzen auf der Bank und haben sich nichts zu sagen. Löw versenkt seine Gefühle mit den Händen in der Tasche. Özil liegt auf dem Platz und weiß nicht, ob er sein Stirnband anbehalten soll. »Dann sehen wir uns eben in zwei Jahren wieder«, sagt Simon. Muss nicht sein. 

22:46 Uhr

Simon sagt jetzt noch mal, Neuer sei zum Schluss »der zwölfte Feldspieler« gewesen. Scheint was dran zu sein. War das hier etwa gar kein Fußball? Das würde einiges erklären. 

22:48 Uhr

»Es geht ja weiter«, so Simon mit dem Trostversuch, der als schlechtester in die Geschichte der Menschheit eingehen wird. »Bei uns mit Reinhold Beckmann und Mehmet Scholl.« Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Scheißdreck her.

22:50 Uhr

Das hat jetzt allerdings Stil. Scholl stellt Satzfetzen in den Raum, macht immer wieder Pausen. »Woran... liegt es... ... ... dass... ...wir... ... keine... Titel... gewinnen können.« Das ist großes Beckett-Theater! Und weiter geht's im Text:

 

Beckmann: »Wir finden doch immer einen Weg, um uns einzureden, das wir existieren, nicht wahr, Scholli?«

 

Scholl: »Ja, ja. Wir sind Zauberer.«

22:53 Uhr

Philipp Lahm jetzt im Interview. Es wäre mir lieber, er würde kein Interview geben. Weil ich jetzt einfach keine Phrasen hören will. Aber er glaubt ja, dass er vorangehen muss, Stellung beziehen, vor allem, »wenn ich merke, dass etwas falsch läuft«. In diesem Sinne: »Jede Niederlage ist bitter«. Danke, Capitinho.

 

22:55 Uhr

Wir befinden uns offenbar mitten in der Vorbereitung für die WM 2014. Oder 2018. Perspektiven. Entwicklungspotenziale. Nachwuchs. Toll, wer da aufrückt. Und ich freu mich schon tierisch auf das Qualifikationsspiel im November. Permafrost in Minsk. Operation Titel. Wer Handschuhe anzieht, ist kein Mann.

22:57 Uhr

Der Bundestrainer beantwortet die schneidende Frage von Opdendingsbums: »Warum?« Offenes Hemd, offene Worte. »Von daher«, setzt er an. »Von daher.« Dann die Zeitlupe. Löw singt: »Die Flanke darf nicht kommen.« – »In dieser Phase war das sicherlich nicht gut.« – »Klar.« – »Von daher: Klar!« – »Dann wird’s schwer.« Er spricht flüssig. Erstaunlich flüssig für einen Mann in seiner Situation. Beschwichtigend, deeskalierend. Verblüffend geringe Enttäuschung. Er scheint wirklich nur in der Zukunft zu existieren, in der Hoffnung, jener Erinnerung an die Zukunft. Im Potenzial. Was die Frage aufwirft: Hätte er sich über den Titel überhaupt gefreut?

23:04 Uhr

Löw abschließend: »In der Kabine fließen absolut die Tränen.« Wenn professionell geweint wird, bleibt kein Auge trocken. Absolut nicht.

23:05 Uhr

Cesare Prandelli im Interview. Er ist so etwas wie der »Jogi Löw von Italien« (wir berichteten). Genauso wie Vicente del Bosque der Jogi Löw von Spanien ist. Und Giovanni Trapattoni der Jogi Löw Irlands. Ach nee, Trapattoni ist der Otto Rehhagel Irlands. Dieser Prandelli jedenfalls beklagt sogar noch einige vergebene »Ballchancen«, was auch für den Dolmetscher gilt. Ansonsten ist er einfach nur ein sehr glücklicher und sehr stolzer Mann. Zu Recht!

23:09 Uhr

Kroos jetzt. Lächelt sphärisch. Wie einer, der seit Wochen nicht mehr gepennt hat. »Wir hatten Möglichkeiten«, murmelt er. Ein Konjunktivspieler, dieser Kroos. Könnte ein Großer sein. 

23:13 Uhr

Scholl verzeiht Löw: »Wenn der Bundestrainer seine Entscheidungen begründet, ist doch alles in Ordnung.« Ich verwüste jetzt das Wohnzimmer. Weil ich Bock drauf habe. Dann ist doch alles in Ordnung. 

23:15

Schön an Oliver Bierhoff ist ja unter anderem, neben seinem Haar, dass er bei jeder Gelegenheit passend gekleidet ist. Zum Interview erscheint er, als zöge er in Zukunft eine Karriere als Bestatter in Betracht. Nett von Oliver Bierhoff ist unter anderem, neben seiner ganzen Schwiegersohnigkeit, dass er mit derlei Details von seinen nichtssagenden Antworten ablenkt.

23:20 Uhr

Vielleicht war der ganze Tross auch gerade beim Casting für eine Fortsetzung von »Six Feet Under«, in Deutschland auch bekannt unter dem an diesem Abend geradezu programmatischen Titel »Gestorben wird immer«. Gestorben wird vor allem alle zwei Jahre, und heute hat es anscheinend den Kollegen von der ARD erwischt, der die deutschen Fans auf dem Weg aus dem Stadion erschreckt. Ich meine, ich habe ja jetzt auch ein paar Stunden nicht mehr in den Spiegel geschaut, aber ich hoffe, ich sehe trotz Niederlage noch etwas lebendiger aus. Wenn nicht, heuere ich gleich morgen in der nächsten Gehgeisterbahn an.

23:23 Uhr

Die Beziehung zwischen Beckmann und Scholl zerbricht nun vor einem Millionenpublikum. »Reinhold, das ist was ganz was anderes!« Wir blenden uns aus. 1:2 also. Und zwei gegen einen ist immer Mist. Am nächsten Morgen wacht man auf, und alles tut weh. Mag sein, dass wir das hier alles zu finster sehen, liebe Fans. (Herzlich willkommen übrigens im offiziellen 11FREUNDE-Fazit!) Aber man hat uns vier Wochen lang, ja eigentlich sechs Jahre lang mit einer nie dagewesenen PR-Kampagne zu grenzenlosem Optimismus erzogen, und jetzt macht es einfach »Plopp«, und wir sitzen wie kleine Kinder vor diesem riesigen, viel zu bunten Rummel-Ballon und schauen weinend zu, wie die Luft langsam entweicht. FFFFFFFF! Wie Löw immer macht: FFFFFFFF! Wollte er uns das damit sagen? All die Jahre? Dann tut es uns sehr, sehr leid. Absolut leid. Positiv leid. Und wir machen im Chor: FFFFFFF. So ist FFFFFFFußball. Gute Nacht, liebe FFFFFFFans. Möge es wieder Tag werden.

23:23 Uhr

Die Beziehung zwischen Beckmann und Scholl zerbricht nun vor einem Millionenpublikum. »Reinhold, das ist was ganz was anderes!« Wir blenden uns aus. 1:2 also. Und zwei gegen einen ist immer Mist. Am nächsten Morgen wacht man auf, und alles tut weh. Mag sein, dass wir das hier alles zu finster sehen, liebe Fans. (Herzlich willkommen übrigens im offiziellen 11FREUNDE-Fazit!) Aber man hat uns vier Wochen lang, ja eigentlich sechs Jahre lang mit einer nie dagewesenen PR-Kampagne zu grenzenlosem Optimismus erzogen, und jetzt macht es einfach »Plopp«, und wir sitzen wie kleine Kinder vor diesem riesigen, viel zu bunten Rummel-Ballon und schauen weinend zu, wie die Luft langsam entweicht. FFFFFFFF! Wie Löw immer macht: FFFFFFFF! Wollte er uns das damit sagen? All die Jahre? Dann tut es uns sehr, sehr leid. Absolut leid. Positiv leid. Und wir mach im Chor: FFFFFFF. So ist FFFFFFFußball. Gute Nacht, liebe FFFFFFFans. Möge es wieder Tag werden.

23:20 Uhr

Vielleicht war der ganze Tross auch gerade beim Casting für eine Fortsetzung von »Six Feet Under«, in Deutschland auch bekannt unter dem an diesem Abend geradezu programmatischen Titel »Gestorben wird immer«. Gestorben wird vor allem alle zwei Jahre, und heute hat es anscheinend den Kollegen von der ARD erwischt, der die deutschen Fans auf dem Weg aus dem Stadion erschreckt. Ich meine, ich habe ja jetzt auch ein paar Stunden nicht mehr in den Spiegel geschaut, aber ich hoffe, ich sehe trotz Niederlage noch etwas lebendiger aus. Wenn nicht, heuere ich gleich morgen in der nächsten Gehgeisterbahn an.

23:15

Schön an Oliver Bierhoff ist ja unter anderem, neben seinem Haar, dass er bei jeder Gelegenheit passend gekleidet ist. Zum Interview erscheint er, als zöge er in Zukunft eine Karriere als Bestatter in Betracht. Nett von Oliver Bierhoff ist unter anderem, neben seiner ganzen Schwiegersohnigkeit, dass er mit derlei Details von seinen nichtssagenden Antworten ablenkt.

23:13 Uhr

Scholl verzeiht Löw: »Wenn der Bundestrainer seine Entscheidungen begründet, ist doch alles in Ordnung.« Ich verwüste jetzt das Wohnzimmer. Weil ich Bock drauf habe. Dann ist doch alles in Ordnung. 

23:09 Uhr

Kroos jetzt. Lächelt sphärisch. Wie einer, der seit Wochen nicht mehr gepennt hat. »Wir hatten Möglichkeiten«, murmelt er. Ein Konjunktivspieler, dieser Kroos. Könnte ein Großer sein. 

23:05 Uhr

Cesare Prandelli im Interview. Er ist so etwas wie der »Jogi Löw von Italien« (wir berichteten). Genauso wie Vicente del Bosque der Jogi Löw von Spanien ist. Und Giovanni Trapattoni der Jogi Löw Irlands. Ach nee, Trapattoni ist der Otto Rehhagel Irlands. Dieser Prandelli jedenfalls beklagt sogar noch einige vergebene »Ballchancen«, was auch für den Dolmetscher gilt. Ansonsten ist er einfach nur ein sehr glücklicher und sehr stolzer Mann. Zu Recht!

23:04 Uhr

Löw abschließend: »In der Kabine fließen absolut die Tränen.« Wenn professionell geweint wird, bleibt kein Auge trocken. Absolut nicht.

22:57 Uhr

Der Bundestrainer beantwortet die schneidende Frage von Opdendingsbums: »Warum?« Offenes Hemd, offene Worte. »Von daher«, setzt er an. »Von daher.« Dann die Zeitlupe. Löw singt: »Die Flanke darf nicht kommen.« – »In dieser Phase war das sicherlich nicht gut.« – »Klar.« – »Von daher: Klar!« – »Dann wird's schwer.« Er spricht flüssig. Erstaunlich flüssig für einen Mann in seiner Situation. Beschwichtigend, deeskalierend. Verblüffend geringe Enttäuschung. Er scheint wirklich nur in der Zukunft zu existieren, in der Hoffnung, jener Erinnerung an die Zukunft. Im Potenzial. Was die Frage aufwirft: Hätte er sich über den Titel überhaupt gefreut?

22:55 Uhr

Wir befinden uns offenbar mitten in der Vorbereitung für die WM 2014. Oder 2018. Perspektiven. Entwicklungspotenziale. Nachwuchs. Toll, wer da aufrückt. Und ich freu mich schon tierisch auf das Qualifikationsspiel im November. Permafrost in Minsk. Operation Titel. Wer Handschuhe anzieht, ist kein Mann.

22:53 Uhr

Philipp Lahm jetzt im Interview. Es wäre mir lieber, er würde kein Interview geben. Weil ich jetzt einfach keine Phrasen hören will. Aber er glaubt ja, dass er vorangehen muss, Stellung beziehen, vor allem, »wenn ich merke, dass etwas falsch läuft«. In diesem Sinne: »Jede Niederlage ist bitter«. Danke, Capitinho.

22:50 Uhr

Das hat jetzt allerdings Stil. Scholl stellt Satzfetzen in den Raum , macht immer wieder Pausen. »Woran... liegt es... ... ... dass... ...wir... ... keine... Titel... gewinnen können.« Das ist großes Beckett-Theater! Und weiter geht's im Text:

Beckmann: »Wir finden doch immer einen Weg, um uns einzureden, das wir existieren, nicht wahr, Scholli?«

Scholl: »Ja, ja. Wir sind Zauberer.«

22:48 Uhr

»Es geht ja weiter«, so Simon mit dem Trostversuch, der als schlechtester in die Geschichte der Menschheit eingehen wird. »Bei uns mit Reinhold Beckmann und Mehmet Scholl.« Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Scheißdreck her.

22:46 Uhr

Simon sagt jetzt noch mal, Neuer sei zum Schluss »der zwölfte Feldspieler« gewesen. Scheint was dran zu sein. War das hier etwa gar kein Fußball? Das würde einiges erklären. 

22:24 Uhr

Adriano Celentano knarzt aus den Boxen. Cassano trägt ein konsterniertes Baby über den Platz. Gomez und Götze sitzen auf der Bank und haben sich nichts zu sagen. Löw versenkt seine Gefühle mit den Händen in der Tasche. Özil liegt auf dem Platz und weiß nicht, ob er sein Stirnband anbehalten soll. »Dann sehen wir uns eben in zwei Jahre wieder«, sagt Simon. Muss nicht sein. 

95.

Aus, aus, der Traum ist aus. Der so genannte.

94.

»Neuer ist jetzt der zwölfte Feldspieler«, zählt Simon. Und der Schiedsrichter lässt acht Tage nachspielen.

93.

Ich sterbe gleich. Und ich verspreche euch: Wenn sie den Ausgleich noch machen, werde ich umgehend den kompletten Ticker löschen und sagen, dass ich immer dran geglaubt habe.

91.

Was ist das jetzt für eine unnötige Hänselei des Schicksals? Elfmeter! Für Deutschland! Nach einem Handspiel. Özil schießt. Drin. Mein Puls rast. Und das, obwohl ich längst tot bin. Ein medizinisches Wunder.  

90.

Und dann, nur damit Simon noch ein »es soll einfach nicht sein« loswerden kann, fällt Hummels plötzlich im Strafraum der Ball vor die Füße, aber er schafft es nicht, ihn aus drei Metern im Tor unterzubringen. Er schafft es einfach nicht. einfach nicht. nicht.

89.

Man soll ja nicht alles schlecht reden, und sicherlich werden wir dafür gegeißelt, dass wir es tun, weil wir nicht anders können. Aber: Wäre die deutsche Nationalmannschaft eine Band, sie sollte sich auflösen.

88.

Löw ist längst nicht mehr Löw. Die ARD hat ihn durch Iris Berben ersetzt. Im Drehbuch steht: wütend aufspringen. Virtuos gespielt. Der Bambi winkt.

87.

Der Moment ist jetzt da. Und wird vermutlich bis gegen 23 Uhr dauern, also 28 Minuten. Ruft bitte nicht mehr an, ich kann nichts mehr hören. Ich gieß mir Wachs in die blutenden Ohren. Hmmm, Wachs!

85.

Der Moment, in dem selbst der frühere Ministrant Steffen Simon einsehen muss, dass das hier nichts mehr wird, nähert sich unaufhaltsam. Und dann Gnade uns Gott vor dem Abgesang, der folgen wird.

84.

Scheint jetzt nur noch ein Test für den Linienrichter zu sein. Abseits oder nicht? Oder doch? Simon wacht streng über die Leistung des Fahnenmanns, trägt seine Prüfungsergebnisse vor wie der Vorsitzende eines Kaninchenzüchtervereins. Und irgendwo auf dieser Welt platzt der Kopf von Matthias Sammer. 

82.

Wenn sie die Italiener schon nicht besiegen können, laden sie sie wenigstens zu einem Tag der offenen Tür ein. Deutsche Ingenieurskunst. Und fasziniert besichtigt di Natale die größten Löcher der Welt.

81.

Erstaunlich: Dass die Italiener auf der rechten Angriffsseite permanent ausrutschen. Noch erstaunlicher: Dass Gegenspieler Philipp Lahm trotzdem nicht an den Ball kommt.

80.

Kroos. Ballert bis dorthinaus. Und Löw ist an den Lippen abzulesen: »Ach, Toni, des kannsch du doch!« Das klingt nicht nur nach Schwarzwald, das ist der Schwarzwald. Ganz finster.

78.

Simon jetzt mit dem Paradoxon des Abends: Er will »die Hoffnung nicht aufgeben« und verweist darauf, dass es auf »jeden Fall noch weitergeht. Mit Waldis EM-Club«. DAS IST DOCH DIE RIESENSCHEISSE, MANN!

76.

Seelenschmerzverzerrte Gesichter nun. Hummels schaut drein wie soeben von der Freundin verlassen. Klose wie seine eigene Ur-Oma. Schweinsteiger genauso, wie er heißt. Özil wie immer. Weiß er überhaupt, wie es steht? 

76.

Italien drückt. Aufs Tor. Aufs Gemüt. 

74.

Richtig witzig würde es ja, wenn das tatsächlich noch in die Verlängerung ginge und Deutschland mit dieser Fatalisten-Aufstellung weitermachen müsste.

72.

Jetzt patzt auch noch Neuer, verzettelt sich im Dribbling irgendwo in der Fußgängerzone von Warschau. Und die vier Turnier-Siege bislang verblassen langsam, aber sicher wie ein feuchter Traum, wenn der Wecker schrillt.

70.

Wenn ich Müller wäre, würde ich mich jetzt endgültig von Löw scheiden lassen. Der soll es jetzt richten, er, der Raumdeuter, wo es doch längst keine Räume mehr gibt, zumindest nicht in der italienischen Hälfte, die Weiten in der deutschen bewacht nun für Sie: Ihr Libero Bastian Schweinsteiger.

68.

Die deutsche Mannschaft brauche jetzt »ein kleines Wunder« und »öfter mal ein bisschen Glück«, meint Simon. Phrasen wie im Musikantenstadl. Ich sag euch mal was, liebe Deutsche: Das Brückerl, das über euer Bacherl geht, es brennt lichterloh.

66.

Liebe Fans, tapfer sein, das wird nichts mehr, nicht gegen Italien. Was ich trotzdem mag: Saltimbocca alla romana, Penne al ragu, pollo alla diavolo, die toskanische Küste, Ossobucco alla milanese, Spaghetti alla Puttanesca, Marchisio, der das 3:0 nicht macht, sondern Zentimeter am Tor vorbeischießt.

64.

Simon fängt an, seine Karteikarten vorzulesen. In einem EM-Halbfinale. Wenn meine Hoffnungen weiter so vor sich hin siechen müssen, ziehe ich ihnen gleich eine Brechstange über den Kopf.

62.

Foul an Kroos, Super Freistoß-Position, aber: keine Freistoß-Schützen mehr (wir berichteten mehrfach). Deshalb schießt jetzt Reus, und er schießt nicht schlecht, aber was bringt das schon, er schießt ja auch nicht rein. Und im ARD-Studio sitzt Mehmet Scholl, und wenn er Anstand hat, dann weint er jetzt.

60.

Was bei Simons wackeren Suggestionsversuchen ja leicht in Vergessenheit gerät: Italien ist näher am 3:0 als wir am 2:1. Und ich bin näher an Erich Ribbeck als an Joachim Löw.

57.

Super Deutschland Oléeee! Super Deutschland Oléeee! Klose köpft 22 Meter vorbei, aber: Super Deutschland Oléeee! Super Deutschland Oléeee!

56.

Cassano geht vom Feld. Grinst wie ein Taschendieb im Vatikan. Und ich gönne ihm sogar seine Beute. Scheiß EM-Touristen. 

55.

Geht noch was? Oder tun die Italiener nur so, als ginge noch was, um uns dann noch mal auszukontern? Hatte Khedira also eben eine Chance, als er im Strafraum alles umdribbelte? Oder war das alles nur Kalkül, weil die Italiener genau wussten, dass er eben auch wieder aus dem Strafraum rausdribbeln würde, weil alles von italienischen Beinen verstellt war? Ich fürchte Letzeres.

53.

Die größte Scheiße: Alle – ALLE! – Sätze, die nach diesem Spiel gesagt werden, fangen mit »Im Endeffekt« an. »Im Endeffekt waren die Italiener die stärkere Mannschaft«, »Im Endeffekt ist das Halbfinale ein Riesenerfolg«, »Im Endeffekt haben die Jungs die Zukunft noch vor sich«. Was im Endeffekt in der Natur der Zukunft liegt. Ich hoffe auf meinen baldigen Endeffekt. 

51.

Irgendwelche »Bravo Sport«-Leser singen jetzt »Superdeutschland olé!«. Ich bestell mir jetzt 'ne Pizza Depressioni. Noch irgendwer?

49.

ich schreib jetzt bis auf weiteres alles klein. passt ja: chäncechen für lahmi. schüsslein. und simönchen kommentiert das hier auch noch alles durch den niedlichkeitsfilter. es ist demütigend. als würde der underdog einem riesen am bein rumzuppeln mit seinen kleinen milchzähnen, die keinen knochen knacken können. miau.

47.

Kroos jetzt anscheinend über links, für Podolski, und Reus auf rechts, im Halbfeld, im Strafraum, mit Körpertäuschung, dem Schuss und damit, auch wenn Buffon hält, einem kleinen Funken Hoffnung.

46.

Anstoß. Herzlich willkommen im Zeitalter der falschen Hoffnungen. 

21:48 Uhr

Löw müsste zurücktreten, aber das geht jetzt leider nicht. Seine vielleicht letzte Amtshandlung: Reus für Podolski, Klose für Gomez. Und wer für mich? Irgendwelche Freiwillige? Hallo?

21:45 Uhr

Es kommen wohl Klose und Reus zur zweiten Halbzeit, was einleuchtend, sogar wünschenswert wäre, damit zumindest irgendwas passiert. Unklar bleibt jedoch, ob sie tatsächlich kommen, oder ob Beckmann das nur aus der »Körpersprache des Bundestrainers« ableitet, wie er selbst sagt, oder ob es wirklich stimmt. Was waren das für Zeiten, als die ARD immer mit in der Kabine saß. Und Reinhold Beckmann bei »ran«. Und wir hatten zuhause kein Kabelfernsehen. Und Deutschland, verdammt noch mal, war Weltmeister.

21:44 Uhr

Zwei Schland-Fans, er viel zu dick, sie viel zu dumm, gehen nach Hause und gucken lieber »Buffy« auf DVD. Ich beneide sie.

21:40 Uhr

»FUSSBALL-GOTT, MACH’ IRGENDWAS«, betet die »BILD«, die den Capslock Day wahrscheinlich erfunden hat. Könnte nur leider sein, dass der Fußballgott mit der Arbeit schon fertig ist.

21:41 Uhr

Jetzt grinst der Zamperoni schon wie ein Europameister, dieser verdammte Aushilfsitaliener. Sitzt wahrscheinlich schon auf der Vespa und brettert nach den »Tagesthemen« mit meiner Frau über den Brenner. Sie trägt einen Rock, den ich noch nie an ihr gesehen habe. Und ich fahre nach Amrum, setze mich in den Strandkorb und quäle Seesterne.

47.

Geteilte Zeit ist halbe Zeit. Aber was ist mit dem Leid? Jetzt kommen mir die Vize-Titel der Bayern auf einmal vor wie ein schier unerreichbares Glück. Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie ausgelacht habe, Herr Hoeneß.

45.

Simon jetzt mit der Grabrede. Erinnert an längst vergangen Chancen wie an jugendlichen Sturm und Drang, der 90 Jahre zurückliegt. »O Valerio, und ich bin so alt, und die Welt ist so jung!« (Frei nach Büchner)  

44.

Es sieht überhaupt nicht danach aus momentan, sogar eher nach dem Gegenteil, aber wenn wir das hier noch drehen, dann werden wir alles, ABER WIRKLICH ALLES AUSNAHMSLOS GROSS SCHREIBEN. UND ES WIRD NICHTS AUSMACHEN, DENN HEUTE IST, WIE UNS EIN LESER AUFKLÄRT: INTERNATIONALER CAPSLOCK DAY! Stimmt wirklich. Bzw. STIMMT WIRKLICH!!!

41.

Kriegen wir hier eigentlich 0:5 einen auf die Eier? Nein. Denn wir haben offenbar keine. 

38.

Ein weiterer Grund, warum es das jetzt aber gewesen sein sollte mit italienischen Angriffen: Bei jeder Chance gibt meine Frau Geräusche von sich, die ich zuletzt im Kreißsaal von ihr gehört habe. Also Jungs: PRESSEN!!!

36.

Es hilft ja nichts, dann »wollen« wir mal, verdammte Chronistenpflicht. Irgendein – natürlich – gelöffelter Pass, vermutlich von Montolivo, Lahm müsste einen Meter größer sein, ungefähr 1,80, um mit dem Kopf noch dran zu kommen, keine Chance, Balotelli hat drei Jahre Zeit, sich den Ball zurechtzulegen, mit ihm zu sprechen, ihm zu erklären, was er gleich mit ihm vorhat, nämlich ihn GNADENLOS in die Maschen zu hämmern. Neuer sieht einen weißen Kondensstreifen am Himmel über Warschau. Der sich nun verdunkelt. Kann auch sein, dass es mein Gemüt ist. Wann wird's mal wieder richtig Sommer? Scheißfrage, jetzt, im Herbst, wenn die Hoffnungen mit verneinender Gebärde fallen.

36.

2:0. Mehr dazu morgen in der Fachpresse.

35.

Okay, okay, ich habe mir ein super Spiel gewünscht, aber vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt: Ich wünsche mir kein super Spiel für neutrale Zuschauer, die sich dran begeistern können, dass es hier hin und her geht, wie jetzt gerade, sondern ein super deutsches Spiel, in dem es nur Richtung Buffon geht.

33.

Chance! Ecke! Ja! Und was noch viel wichtiger ist: Poldi drückt Balotelli auf den Rasen, recht so, Poldi. Das hier muss ein Krieg werden. Zwei, drei, viele Poldis! 

31.

Khedira jetzt mit dem Powersprint nach vorn. Sieht aber aus wie einer, der durch eine Italo-Disco rennen will, überall tanzende, flippende, irgendwie aufdringliche Typen. Ausgehen ist auch nicht mehr das, was es mal war. Ich krieg irgendwie Bock auf 'nen Videoabend.

30.

Von Toni Kroos heißt es ja immer, er habe eine »super Schusstechnik«, einen »echten Hammer«, »eine Waffe« etc. pp. Aber mal ganz ehrlich: Könnte er diese Waffe nicht endlich mal mit scharfer Munition austatten und sie auch mal einsetzen? Jetzt zum Beispiel? Wäre ein guter Zeitpunkt!

28.

Und bei euch so?

28.

Uncool: Gomez, der einen Einwurf beinahe direkt einem Italiener in den Lauf köpft und sich damit genau so verhält, wie ich mich fühle.

25.

Boateng. Ideenlos nach vorn. Aber Ideen sind überschätzt, wie ich immer schon geahnt habe, und tatsächlich kommt der geile Zufall ins Spiel, ein Italiener strauchelt, Gomez brustet den Ball rüber zu Özil, der schießt, doch so schlaff, dass Buffon sich hinlegen kann wie eine Greisin des Nachts, die auf dem Nachttisch nach dem Glas für ihre Dritten fingert. Zahnlos. 

22.

Jetzt bräuchte es jemanden wie früher in der Kreisligamannschaft, der erst mal auf den Ball tritt und »Ruuuuuuuuuhig« sagt. In einem Ton, als wäre seine Mitspieler Pferde. Und sie senken die Köpfe und tun, was er sagt. Das Spiel beruhigt sich. 1:0? Was ist das schon? Aber es gibt diesen Mann nicht im deutschen Spiel, jedenfalls nicht jetzt. Also sagt Simon: »Es ist noch früh.« Und zum ersten Mal mag ich ihn irgendwie. So weit ist es gekommen.

19.

Wir müssen jetzt ganz stark sein. 1:0. Nicht für uns. Cassano flankt, Badstuber macht nichts falsch und doch irgendwie alles, Balotelli steigt hoch, köpft, Neuer macht das X, vergeblich. Ein Satz mit X: Wir müssen jetzt auferstehen wie Phönix. 

19.

Und noch so'n Weitschuss der Italiener. »Die Weitschüsse sind nicht ohne«, so Simon. Dabei hatte ich doch deutlich gesagt: EINMAL WEITSCHUSS OHNE ALLES, BITTE! Verdammt. 

18.

Erste Chance für Italien, Neuer hält, Gott sei Dank, denn geschossen hatte Montolivo, der mit der deutschen Mutter. Und was ich zusätzlich zu einem italienischen Tor am wenigsten brauchen könnte, wäre eine Lawine von »ausgrechnet«, die über die deutsche Medienlandschaft hereinbricht.

17.

Ich fühle mich gut, sehr gut, ja: Ich habe gerade überhaupt keine Angst mehr. Doch dann sagt Simon: »Es lässt sich gut an, was das junge deutsche Team hier veranstaltet.« Ein Satz wie im Pfadfinderlager am Steinhuder Meer. Kleinkariert, strebsam, demütig – und also doch wieder eine Angst verratend, auf die ich ÜBERHAUPT KEINEN BOCK HABE, STEFFEN! STEFFEN! WIE DER SCHON HEISST! FÄHNLEIN FIESELSTEFFEN! Ach, komm. Geh Holz sammeln. 

16.

Bonuskarte im Kommentatoren-Bingo: »Prandelli ist so etwas wie der Jogi Löw Italiens.«

13.

Wer ist Pirlo? Kroos! Ganz kroos bzw. groß: Karl-Allgöwer-Gedächtnishammer, Buffons Maniküre war für die Katz. Lässt der schönste letzte Mann der Welt sich jetzt resigniert auswechseln?

12.

Da, da, da! Genau das gleich, es ist wie in meinen Alpträumen, die ich heute den ganzen Tag hatte. Khedria joggt durch die italienischen Reihen als wäre er eben das, ein Jogger, bleibt deswegen unbehelligt, passt auf Boateng, der senst ihn rein, keiner kommt ran, aber Buffon lässt den Ball wieder los, lässt ihn zu einem Italiener prallen, und von dort kullert er Zentimeter am Pfosten dabei. Es ist das pure italienische Glück, dass es hier noch 0:0 steht und gleichzeitig so absolut typisch.

10.

Was hat dieses Spiel mit gewissen Erwachsenenfilmen gemeinsam? Das ist mir hinten alles zu offen.

8.

Kroos bewacht also Pirlo. Das ist edel. Gefällt mir enorm, dass wir einen unserer Besten für diese niedere Arbeit abstellen. Als würde Peter Handke unsere Einträge hier gegenlesen. Mach mal 'n Kaffee, Peter.

7.

Mann bin ich aufgeregt. Auch bzw. au deswegen, weil ich ja genau davor Schiss hatte: dass der Ball Buffon zwar durch die Beine fliegt, er ihn aber trotzdem mit völliger Gelassenheit noch abfängt und nicht halb so aufgeregt ist wie ich. Dafür bin ich aus genau diesem Grund nicht ein Zehntel so anfällig für Spielsucht.

6.

JAAAAAA! EIN TOR! FAST! Gestocher! Als wäre der italienische Strafraum Ottfried Fischers Mund nach der Brotzeit! Der Ball trudelt in Richtung Kasten, Stunden des Hoffens – dann Pirlo AUF DER LINIE! Der namenlose Torrichter schlottert, zuckt, bricht zusammen, Pirlo klärt, ich schlottere, zucke, breche zusammen. Zurück in die angeschlossenen Funkhäuser. 

5.

Özil mit Chipball auf, ja auf wen, auf Podolski wohl, eventuell auch auf eine tieffliegende Schwalbe, die ich nicht sehen konnte. Andrea Pirlo jedenfalls dreht sich verächtlich ab.

4.

Brenzlig. Ein hassenswertes Adjektiv, zumal wenn es einen selbst betrifft. Stinkt nach im Aschenbecher vergessener Kippe. Stinkt nach Chance für Italien. Doch Hummels löscht. Wenn ich groß bin, will ich auch Feuerwehrmann werden. 

3.

Erster Schockmoment: Für einen klitzekleinen Augenblick dachte ich, statt Holger Badstuber spiele heute Oliver Pocher in der deutschen Innenverteidigung. Warum müssen die auch alle zum gleichen Friseur rennen?

1.

ANSTOSS! MEINE UMSCHALTTASTE KLEMMT! ABER DAS ENTSPRICHT MEINEM KÖRPERLICHEN UND EMOTIONALEN ZUSTAND! ICH BITTE UM VERSTÄNDNIS!

20:45 Uhr

WIR HABEN DIE SEITENWAHL GEWONNEN! DER ERSTE SIEG GEGEN ITALIEN BEI EINEM GROSSEN TURNIER! JAAAAAAAAA! FIPSI, DU BIST EIN MÜNZWURFGOTT!

20:44 Uhr

Philipp Lahm trägt noch schnell ein selbstgeschriebenes Gedicht aus seinem demnächst erscheinenden Lyrikband (»Der feinste Unterschied«) vor, dann geht es los.

20:41 Uhr

BRÜHT IM LICHTE DIESES GLÜCKES! JETZT!

20:40 Uhr

Die Hymnen. Kurzes Vorspiel, dann, zack, 1:0 für Italien. Sorry, liebe Fans, aber ist so. Eigentlich sogar 2:0, wegen der Hingabe Luigi Buffons, die Augen geschlossen und einen Mund, der aussieht, als würde er gerade noch mal all die Leibspeisen nachschmecken, die niemand so gut kocht wie seine Mama. 3:0, verdammt.

20:36 Uhr

Wenn ich das richtig gesehen habe, ist hier vorm Haus gerade ein Mann mit Federballschlägern auf dem Gepäckträger vorbei geradelt. Irgendwie frei. Irgendwie aber auch affig. Ich stehe vor einem Rätsel: Wie kann jemand so sympathisch und zugleich so unsympathisch sein? Das heißt im Umkehrschluss, dass ich der Mann, der ich bin und der hier gerade für Deutschland fiebert, nicht sein will. Identitätskrise! Das jetzt. JETZT habe ich Angst. German Angst.

20:35 Uhr

Es wird kribbeliger. »Schluss jetzt mit dem Gequatsche«, kokettiert Mehmet Scholl. Und normalerweise würden wir ihm ja auch recht geben. Aber heute: Wenn er aufhört zu quatschen, fängt Steffen Simon an. Ehrlich wahr, liebe Fans. Sowas machen die, mit euren Gebühren. Und wer protestiert dagegen? Ich!!! Und wer hört mich? Hallo? Haalllloooooo?

20:30 Uhr

Löw. Seltsam rot. Hat er sich verjoggt und sich das Nivea-Face angebrannt? Gespenstisch. Dann sagt er: »In dieser Kotze-Phase trinken die Spieler was.« Nachdurst? Jetzt? Ich brech' zusammen.

20:29 Uhr

Man müsste mal bilanzieren, wie es den Spielern so ergangen ist, die das Schicksal ereilt hat, von Sven Kaulbarß porträtiert zu werden. Jetzt der arme Khedira, für den die EM damit gelaufen sein dürfte. Softporno-Stimme, DB-Magazin-Poesie, Chillout-Musik: Das muss ihnen doch schaden. Die Voodoo-Puppe unter den Einspielern. 

20:23 Uhr

»Der Bundestrainer denkt weiter als ich«, kapituliert Mehmet Scholl. Durchaus sympathisch, dass er das so zugeben mag. Aber es entzieht der ganzen Veranstaltung die Grundlage. Scholl und Beckmann: Zwei Druiden, die im Asterix-Themenpark in Hühnerknochen aus Plastik lesen. Und sich gleich die Kostüme ausziehen und in ihren Sharans nach Hause fahren. Entzaubernd.  

20:18 Uhr

Offenbar spielt Pocahontas, jedenfalls macht sich eine kleine Indianerin mit Stirnband und sibyllinischem Blick dort unten warm. Aus der gegnerischen Hälfte linst ein alter Häuptling lüstern zu ihr herüber, »Chippender Fuß« mit Namen, will sie in sein Wigwam zerren. Stamm gegen Stamm. Das Kriegsball ist ausgegraben. Wer gewinnetout? 

20:15 Uhr

Die Tagesschau läuft. Ich bin viel zu aufgeregt, um genau hinzuhören, bekomme aber gleich zweimal die Phrase mit: Augen zu und durch! Hm. Ob wir das unterschreiben sollten? Jetzt nicht in Bezug aufs Betreuungsgeld, sondern auf einen deutschen Sieg? Einfach durch irgendwie? Notfalls auch rumpelig? Ich habe ja tatsächlich die Hoffnung auf ein schönes, ein berauschendes, von mir aus sogar ein sensationelles Fußballspiel, auch wenn mir Kloppo Sensationen eigentlich grundsätzlich madig gemacht hat. Andererseits beginnt dieses Spiel mit Reinhold Beckmann, kann also gar nicht mehr sooooo super werden. Ach, was soll’s? Augen zu und durch!

20:14 Uhr

Azurblauer Himmel morgen über Deutschland. 33 Grad, Rimini-Wetter in Recklinghausen. Und die Tagesthemen moderiert Ingo Zamperoni. Mir wird irgendwie komisch zumute. Angst? Noch nicht. 

20:12 Uhr

Poldi SPIELT. Hab ich's nicht gesagt? Hab ich's nicht gesagt? Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski!

20:11 Uhr

Dicke Frauen im Bundestag. Müssen diese Bilder jetzt wirklich sein? Im italienischen Fernsehen werden derweil Gladiatoren gezeigt, die mit bloßen Händen Krokodile erwürgen. Jetzt kriege ich doch Angst. Vor dicken Frauen im Bundestag.

20:10 Uhr

TOOOOOR!!! TOOOOOOOOR FÜR DEUTSCHLAND!!!! TOOOOOR ÖZIL!!! Ach, wenn es doch nur schon so weit wäre. Es ist aber nur: Kollege Gieselmann beim Gute-Nacht-Telefonat mit seinem Sohn (1). Schöne Träume.

20:03 Uhr

Bild.de kürzt Hummels in der Aufstellung als »Humme« und Khedira mit »Khedi« ab. Klingt freundschaftlich. Find ich toll. Ihr dürft mich »Giese« nennen. Gern auch »alte Säge«.

20:01 Uhr

Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau! Wachstum und Beschäftigung! Rolf-Dieter Krause! Live! Aus Brüssel! Neue Instrumente! Zurück! Zu Thorsten Schröder! Und der macht das TOOOOOOOOOOOOOOOOR! 1:0 für ALLE! 

19:59 Uhr

»Lohne ist mitnichten die Heimatstadt des Ansgar Brinkmann«, belehrt uns ein Leser. »Vielmehr hat er für das einige KiIometer nördlich gelegen Dörfchen Bakum zum ersten Mal die Töppen geschnürt. Als Bewohner der Gegend kann ich euch sagen: Lohne hat diese Art von Ruhm NICHT verdient!« Was soll dieser Defätismus? Wenn wir jetzt nicht ALLE zusammenhalten, dann wird das nix! Lohne gehört auch zu Deutschland! 

19:55 Uhr

Warum ich gerne mit Jogi Löw verheiratet wäre: weil er sich auch nach sechs Jahren noch sehr, sehr viel Mühe gibt, einen zu überraschen. Die heutige Aufstellung: 1 Neuer - 20 Boateng, 5 Hummels, 14 Badstuber, 16 Lahm - 7 Schweinsteiger, 6 Khedira - 18 Kroos, 8 Özil, 10 Podolski - 23 Gomez. Es könnte allerdings sein, dass Thomas Müller gerade lieber die Scheidung einreichen würde. Dumm nur, dass er Oberbayer ist, da scheidet man sich nicht so schnell, weil sonst der Dorfpfarrer jeden Abend reinschneit, um einen vor der Sünde zu bewahren. Also doch lieber wieder zusammenraufen.

18:53 Uhr

Angst? Immer noch nicht. Aber Respekt. Vor Andrea Pirlo.

»Ich habe noch nie gesehen, dass jemand einen Fisch so tötet wie Sie«, sagt jemand in dem Gangsterfilm »Der Clan der Sizilianer«. Er bekommt zur Antwort: »Sie haben vieles noch nicht gesehen.«

Zweifelsohne. Zum Beispiel einen Mann, der so wirkt, als hätte er keine Lust, Fußball zu spielen, und trotzdem zu den besten dieses Sports gehört. Wir fühlen uns so schrecklich naiv, wenn wir Pirlo sehen, hielten wir Fußball doch für anstrengend, den Weg zur Spitze für mühselig. Und dann löffelt er diesen Elfer gegen England rein, mit der Leidenschaft eines Mannes, der den Müll rausbringt, unsagbar phlegmatisch und dennoch genial.

Dass er mit einem solchen Ding schon mal gescheitert ist, im Gamper-Cup, fiel der Welt erst danach wieder ein.

Pirlo selbst hatte es offenbar auch vergessen. Oder es war ihm egal. Wir haben noch nie gesehen, dass jemand eine Mannschaft so tötet wie er.

17:37 Uhr

Wir rufen Frankfurt! Seid Ihr mit uns?

17:25 Uhr

Wer heute – unfreiwillig – allein ist, sollte unbedingt auf DIESEN KANAL umschalten – von Fanmeter zu Fanmeile, gewissermaßen, nach Lohne, in die Heimatstadt des großen Ansgar Brinkmann. Ansgar dazu: »Wenn ich Lohne wäre, wäre ich lieber ich.«

17:06 Uhr

Zufall oder nicht – das hat historische Wucht, liebe Fans: In Brüssel ringen Merkel und Monti um den Euro, in Warschau ringen Özil und Pirlo um die Euro. Und im Finale wartet Spanien, das Deutschlands Hilfe braucht. Der Sport als Abziehbild der Politik? Oder andersherum? Wer ist der wahre Kanzler? Was sorgt derzeit für mehr Nervosität: die Aufstellung oder das Kabinett? Längst umweht den DFB-Tross etwas Staatliches, beinah Aristokratisches. Löw kann auf den Kaiserthron springen. Und Franz nimmt ihn einfach auf den Schoß.   

16:47 Uhr

Noch mal zur Angst. Es gibt ja die so genannte »German Angst«, über die Thomas Wolfe in »Es führt kein Weg zurück« schrieb: »Ihm wurde klar, dass diese ganze Nation von der Seuche einer ständigen Furcht infiziert war: gleichsam von einer schleichenden Paralyse, die alle menschlichen Beziehungen verzerrte und zugrunde richtete.« Jetzt habe ich doch Angst. Vorm Maulwurf, der hier ja ganz offenbar gemeint ist. Vor mir selbst. Vor der Angst. Aber immer noch nicht vor den Italienern.

16:33 Uhr

Davor habe ich am meisten »Angst«. Beziehungsweise: »»Angst««.

16:23 Uhr

Der britische Phantasiemensch Ken Barlow (»Coronation Street«) twittert: »You can put CHICKEN in front of any Italian player's name and he sounds like a meal. Chicken Buffon, Chicken Balzaretti, Chicken de Rossi.« Absolut richtig! Jetzt hab' ich Hunger. Siegeshunger? Nö, einfach nur Hunger. Ganz vergessen, dass es so etwas gibt. Hunger! Verrückt. 

16:20 Uhr

Und jetzt das. Jürgen Klinsmann sagt: »Ich bewundere die junge Generation!« Das tat Thomas Mann auch, aber erzählte es nicht dem Sport-Nachrichtensender Sky Sport News HD, sondern nur seinem Tagebuch. O tempora, o mores.

16:09 Uhr

Und was Schopenhauer noch sagte und wir hier nur der Vollständigkeit abbilden: »Der Hauptzug im Nationalcharakter der Italiener ist vollkommene Unverschämtheit. Diese besteht darin, dass man einesteils sich für nichts zu schlecht hält, also anmaßend und frech ist, anderenteils sich für nichts zu gut hält, also niederträchtig ist. Wer hingegen Scham hat, ist für einige Dinge zu blöde, für andere zu stolz. Der Italiener ist weder das eine noch das andere, sondern nach Umständen allenfalls furchtsam oder hochfahrend.«

16:03 Uhr

Apropos Sex im Alter. »Mit Italien lebt man wie mit einer Geliebten, heute im heftigen Zank, morgen in Anbetung«, sagte Schopenhauer. »Mit Deutschland wie mit einer Hausfrau, ohne großen Zorn und ohne große Liebe.« 

15:59 Uhr

Das hamse jetzt davon: »Merkel lässt Monti abblitzen«, meldet spiegel.de. Es ist keine Angst. Es ist Ekel. Bitte nicht verwechseln.

15:57 Uhr

Ich! Kann! Es! Nicht! Mehr! Hören! Schon wieder sagt irgendein Italiener: »Die Deutschen haben Angst vor uns!« Was soll das? Echte Monster behaupten so etwas nicht, liebe Italiener. Bald macht der Eisverkäufer »Bu!«, wenn das Kleinkind seine Kugel Banane haben will. Und das soll dann ein psychologischer Vorteil sein.    

15:48 Uhr

»DER Mann im italienischen Mittelfeld heißt Pirlo«, weiß bild.de. Aber wie heißen die anderen? So:

15:39 Uhr

»Schweini darf nicht rumheulen«, sagt Michael Ballack im »Express«. Da hat er Recht. Einem beinharten Profi steht das nicht gut zu Gesicht.

15:13 Uhr

Hinterhältiger geht es kaum: Der italienische Abwehrchef Andrea Barzagli hat sich lange vor dem Halbfinale als Deutscher verkleidet. Würde die Kleiderordnung der UEFA es erlauben, er trüge auf dem Platz ein in die Hose gestecktes Karohemd. Doch selbst im azurblauen Trikot wirkt der er wie ein Kombi-fahrender Familienvater, der Frau und Kind durch die polnische Nacht wohlbehalten zurück in die Wolfsburger Doppelhaushälfte bringt. Dort, beim VfL, ließ er sich von 2008 bis 2011 von Felix Magath zum Deutschen ausbilden. Täglich köpfte er Medizinbälle über den Mittellandkanal.

Und all das nur, um im kommenden EM-Halbfinale den Gegner mit den eigenen Waffen zu schlagen, mit Härte, Ausdauer und brummiger Präsenz. Genau das also, was einst schon Arminius, der Cherusker-Fürst, tat. Nur eben andersherum: Der Germane diente erst im römischen Militär und schlug es dann vernichtend. Droht 2003 Jahre danach also die Rache für die Varusniederlage?

»Das wird eine große Schlacht«, so Barzagli vor dem Spiel. Bezeichnend.

14:37 Uhr

Angebot! Jetzt zuschlagen, Jungs!

14:34 Uhr

Ich denke nichts mehr. Ich höre nur noch eine Stimme. Sie sagt immerzu: »Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski! Sehr, sehr positiv. AUUUUUUUU! Der Lukas Podolski!« Wenn es doch nur schon die Stimme nach dem Spiel wäre.

14:32 Uhr

Michael Steinbrecher und ich können den Sieg schon riechen. Ihr auch?

14:01 (Tagtraum)

Klose! Nein, nein, nein, nein! Klose. 1:1. (Pause) Tor durch Klose. (Pause) Unglaublich. Ausgerechnet Klose, werden die Italiener sagen. Ausgerechnet Klose. Es ist nicht zu glauben.

13:46 Uhr

Noch mal zu gestern. Spanien gewinnt im Elfmeterschießen, Miss Portugal steht im Halbfeld und sagt: »Qué Injusticia!« Welche Ungerechtigkeit. Täusche ich mich, oder sieht das aus wie eine Szene aus »GZSZ«? Der »Fasan« ist wegen dubioser Machenschaften von Jo Gerner pleite, und irgendein schöner Kellner muss jetzt zum Arbeitsamt. »Welche Ungerechtigkeit!«, greint er und wirft die Schürze in die Spüle. Schwenk auf ungegossene Yuccapalmen. Werbung. Ich erkenne da keinen Unterschied zur EM. Das betrübt mich fast so sehr wie die Tatsache, dass ich weiß, dass es in »GZSZ« ein Lokal namens »Fasan« gibt.

13:25 Uhr

Hannibal sagte übrigens: »Wir finden entweder einen Weg, oder wir bauen einen.« In Poldi-Sprache: »Wir müssen die Köpfe hochkrempeln.«

13:22 Uhr

Genau deshalb möchte ich auch, dass Poldi heute Abend spielt. Zehn Mal Poldi. Plus Neuer. Neuer – Poldi, Poldi, Poldi, Poldi – Poldi, Poldi – Poldi, Poldi, Poldi – Poldi. Allein der Anblick würde die Italiener in den Wahnsinn treiben. Wie damals, als Hannibal ante portas stand, mit seinen Kriegselefanten. Poldi, der Kriegselefant. »Ich denke nicht vor dem Tor. Das mache ich nie.« Törö.

13:17 Uhr

Mir brummt der Schädel, liebe Fans. Expertisen, Expertisen, Expertisen – und alle widersprechen einander, zum Teil sogar sich selbst. Aber wer gewinnt denn nun heute Abend? Wie gut es da tut, jemanden wie Lukas Podolski zu haben. Ganz ehrlich. »Wir sind besser als Italien«, sagt er im Interview mit 11freunde.de. So einfach, so klar. Fußball-Quartett-Sprache. Ein Blick auf die PS-Zahl: »Wir sind besser!« Poldi: von null auf hundert in einer Sekunde. Und dann macht es »Bumm«.

12:45 Uhr

Apropos – ein paar Worte zu diesem Buffon.

Als der italienische Nationaltorwart kurz vor dem Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen England wieder aus den Katakomben hervortrat, stand er für einen kurzen Moment im Lichte des Stadions von Kiew wie ein Gladiator, so kühn, angstlos und siegesgewiss, seine Zähne strahlend wie die Schuhe Gottes. Eine Vorentscheidung, wie jeder sofort erkennen musste, der im Kontrast sein hibbelig-überdrehtes Gegenüber Joe Hart beobachtete.

Doch warum hatte Buffon sich zuvor überhaupt zurückgezogen? Um genau diesen Auftritt zu inszenieren, sich von einer dienstfertigen Zofe noch schnell die Unterarme mit Olivenöl einreiben zu lassen? Dass er bloß sein Wasser abschlagen musste, ist ihm und uns dann doch zu profan. Gladiatoren strullen nicht. Und sollte er mit La Mama telefoniert haben, dann bestimmt nicht, um sich Mut zusprechen zu lassen. Sondern nur um anzukündigen, dass er gleich den Schuss von Ashley Cole festhalten werde. Für sie.

Ausschließen wollen wir allerdings, dass Buffon noch schnell eine Wette platzierte. Wie gesagt: Wir wollen. Aber wir können nicht. Diesem Keeper, dem wohl nervenstärksten des Weltfußballs, ist alles zuzutrauen. Sogar, dass er das große Paradox in die Wirklichkeit übersetzt: Er hält tatsächlich die Unhaltbaren. Also bitte erst jubeln, liebe Fanmeilen-Besucher, wenn das Tor schon in den Almanachen geführt wird.

12:37 Uhr

Falls jemand hier für Italien sein sollte und das auch ganz mutig ausleben möchte, aber gerade keine »Gazzetta dello Sport« zur Hand hat, mit der er sich locker ins Eiscafé von Bad Salzuflen setzten könnte – 11FREUNDE hilft gern. DAS hier einfach auf DIESES Papier drucken – fertig!

12:29 Uhr

So möchte ich morgen drauf sein:

Und so Joachim Löw:

Zwei Welten, ein Gefühl.

12:05 Uhr

Berichtigung: Marty McFly landet doch nicht heute, sondern erst am 21. Oktober 2015. Will beim Champions-League-Gruppenspiel RB Leipzig gegen SV Rossmann Großburgwedel gegen die Kommerzialisierung des Fußballs demonstrieren. Wie RB-Trainer Joachim Löw® das wohl finden wird?

11:55 Uhr

Mmh, Birgit Schönau. Die Traumfrau aller lesenden Fußballfans schreibt in der »Süddeutschen Zeitung« den wohl schönsten Satz aller Zeiten: »Mit den Toren ist es wie mit dem Regen, sie fallen oder sie fallen nicht.« Auf einmal ist alles erträglicher - Tore, Gegentore, Graupel, Gegengraupel, alles. Man fällt oder man fällt nicht. Was soll man machen. Egal. Geht mir aus der Sonne, Gedanken.    

11:49 Uhr

Zufall? Bestimmt nicht: Heute ist der Tag, in dem Marty McFly in der Zukunft landet. Er brach auf im Jahre 2000, um Deutschland in der Abstiegsrunde der UEFA zu retten, wollte das Siegtor gegen Andorra schießen. Doch es kam, was in der Ribbeck-Ära niemand ahnen konnte, anders. Marty, hol dir 'n Eis, setz dich hin, genieße.  

11:21 Uhr

»Traditionen sind dazu da, um gekippt zu werden«, sagt Gianluigi Buffon im Interview mit der »Bild«. Sehen wir ähnlich.

11:13 Uhr

Boah, Kinder. Bin ich aufgeregt. Hab schon seit zwei Stunden nicht mehr geschlafen.

10:40 Uhr

Buongiorno!

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