12.10.2013 | Deutschland-Irland im Liveticker
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Ire: Wir sind WM!

Joachim Löw trat beim Eire-Lauf nach Brasilien mal wieder alleine gegen eine Million Bundestrainer an. Allen halben Neunen und ausgeschlagenen Zähnen zum Trotz reichte es am Ende für das Ticket nach Südamerika. Die Iren qualifizierten sich derweil für die FIFA-Tapferkeitsmedaille. Ging wieder mal leer aus: der Ticker.

Text: Johannes Ehrmann und Gareth Joswig Bild: Imago

Deutschland:
Neuer - Lahm, Mertesacker, J. Boateng, Jansen - Schweinsteiger, Khedira - T. Müller, T. Kroos, Schürrle - Özil

Irland:
Forde - Coleman, Delaney, Clark, S. Kelly - Gibson, McCarthy - Whelan, M. Wilson - Doyle - A. Stokes

Deutschland
3
:
0
Irland

22:39 Uhr

Irre. Bzw.: Ire. Nach einem 90-minütigen Abendspaziergang dürfen wir nach Brasilien. Was uns dort erwartet? Mal sehen. Was uns dort (leider) nicht erwartet: The Fields of Athenry. Die FIFA sollte über eine Sympathie-Wild-Card nachdenken. Oder zumindest eine Tapferkeitsmedaille vergeben an die wackeren Iren. Die werden sich in einen feucht-seligen Abend retten. Haben sie sich verdient. Wir haben uns verdient, der nächsten »Schwarz und Weiß«-Attacke durch Bedienen der Mute-Taste zu entfliehen. Macht's gut, liebe Fans. Und trinkt noch einen Whiskey auf unsere irischen Freunde. Oder zwei. Oder acht. Bye-bye.

92.

Machen wir's kurz: Konter. Özil. Tor. Toll! Aber dann: Schwarz und Weiß. Dieser Scheißsong. Wenn man sich freuen will, aber sich eigentlich schämt. Und dann glücklicherweise: Abpfiff.

89.

Die Iren machen ihren Klischees alle Ehre. Und Jogi Löw behält am Ende recht. Die »Boys in Green« brennen nochmal ein kleines Offensiv-Bengalo-Feuerwerk ab. Koboldhut ab.

89.

Sogar Sidney Sam darf jetzt noch ein bisschen Sambaschlange tanzen. Hätte er auch nicht gedacht, als er damals in der Holstein-Jugend von meinem kleinen Bruder ausgetanzt wurde. Danach kreuzten sich die Lebensläufe leider nicht mehr: Einer wurde Lebemann, der andere Musterprofi. Ihr dürft raten, wer was wurde.

87.

Was heißt gleich noch mal Sieg auf Griechisch? Keine Ahnung, wie ich jetzt drauf komme.

86.

Und jetzt darf auch noch Götze ein bisschen Werbung machen. Für sich. Für Stützstrümfpe. Für Moritz Bleibtreu. Und irgendwo tauschen Joko und Cro gerade ihre Hipster-Brillen und machen Selfies von ihren Facon-Frisuren.

85.

Forde scheint ernstlich erschöpft. Begibt sich nach der Partie unter Umständen in psychologische Behandlung.

83.

Und dann schießt Boateng ans Lattenkreuz. Falls Sie sich gefragt haben sollten, ob hier noch was drin ist für die Iren.

82.

Özil streichelt einen Ball per Rechenschieber zu Khedira. Der knobelt die Kugel fasst ins Rechteck. Aber der irische Keeper Ford erweist sich heut als Klassenprimus und hat Pi bis auf die hunderste Stelle im Kopf ausgerechnet. Hmm. 1,141...äh.

81.

Und dann werden sie wieder da sitzen, später, viel später, mit traurig-sanfter Miene, über ihren Bieren und Schnäpsen, werden noch ein paar Runden bestellen und dann noch ein paar letzte, werden über den Fußball reden und über das Leben, und am Ende, ganz am Ende, mit roten Gesichtern und weicher Stimme zu dem Schluss kommen, dass es das natürlich doch alles wert ist. Dass dies Leben doch das Bestmögliche ist. Wen stört schon ein 0:2, wenn er Wilde hat und Joyce und Beckett?

79.

Max Kruse steht am Spielfeldrand und ölt sich die Unterarmtatoos. Kommt er jetzt als halbe Neun? Als klassischer Elfer? Als umgedrehte Acht? Wir lassen uns das nach Abpfiff von Müller an der Tafel vorrechnen.

78.

»Man mag garnicht denken, wenn der Kopfball von Clark vor der Pause reingegangen wäre«, zerbricht sich Bartels den Kopf. Das mit dem Denken ist aber auch eine komplizierte Sache.

77.

Forde schwenkt jetzt um auf die beidarmige Scheibenwischer-Methode. Hält aber auch so oder gerade deswegen den Kasten sauber.

76.

Liebe Iren, damit ihr nicht ganz so traurig seid, hier, ganz ohne Häme, der Beweis, dass ihr es eigentlich könnt. Wenn es euch auch nur ein bisschen tröstet: Wir warten ja auch seit 1990...

73.

Müller deutelt die Flugbahn einer Schürrleflanke um und startet eine Kurvendiskussion mit der irischen Hintermannschaft. Rutscht dann jedoch aus und versucht erfolglos den Ball mit der Hand im Toraus unter zu bringen. Bezeichnend.

71.

Und da ist sie, die Hymne des Iren an sich. »Fields of Athenry«. Ewiger Song der stolzen Verlierer. Jetzt schamloserweise kurz unterbrochen von einer Chance von Thomas Müller. Bitt'schön, schämen Sie sich nicht. Jetzt: pssst. Und zuhören. Ahja. Wunderbar.

70.

Marcell Jansen schlägt eine Flanke unbedrängt ins Nirgendwo. Wirkt ein bisschen überfordert. Ist ja auch fies: Während seine Teamkollegen sich mit Elementarteilchen und Raumdeutung beschäftigen, muss er mit dem HSV erst einmal das Einmaleins des Abstiegskampfes pauken. Streber, elende.

69.

Aber, um mal auf dem Boden zu bleiben: Fahren Sie nach Brasilien? Oder wir? Nein. Nach Brasilien fahren, außer den Jungs da in der Glotze sonst ja vor allem: der Kaiser. Pelé. Oder Sepp Blatter. Der kleene Mann ist doch eh wieder neese. Keene Tickets. Keene Kohle für die Überfahrt. Und wehe, wir werden am Ende wieder nicht Weltmeister! Wehe.

67.

»Müller! Wie ist er da durchgekommen?« Labyrinthet sich durch die irische Abwehr. »Nicht umsonst wird er der Raumdeuter genannt«, doziert Bartels. Wir schlagen die bayerische Urgewalt für den Nobelpreis vor. Für die Entdeckung des Gottesteilchens. Auch wenn es eigentlich Higgs-Boson heißt. Erste Frage an Müller nach dem Spiel: Wenn das Universum die Antwort ist, was ist denn die Frage? Wir stellen uns auf den Schlauch.

66.

Brasiln. Brasiln. Wir fahren nach Brasiln.

63.

Bartels holt jetzt die ganz ollen Kamellen raus. »Müller wird 'Der Raumdeuter' genannt«. Gleich dann noch: Müller ist der Bomber. Und Rahn der Boss. Aber was ist Bartels? Der Wombat der Nation?

60.

Und wieder dieses ewig dumpfe, ewig lästige »Sieg!«-Gebrüll. Können wir uns da nicht mal was Neues einfallen lassen? Zum Beispiel so: »Dummdidummdidumm: Fein!« Etwas Leichteres, Tänzelndes eben.

58.

TOOOOR! Kroosartige Aktion von Toni, lupft den Ball in den Strafraum zu Schürrle. Der dreht sich mit der Pille am Fuß wie die Kathi Witt der rhythmischen Sportgymnastik und macht Macho-Salat aus der irischen Defensive. Guten Appetit.

58.

»Schweini kann die hundert vollmachen«, orakelt Bartels. Klingt schweinisch.

56.

Schürrle mit seinem Zamperoni-Bart (in der Van-Gogh-Ausführung) schneidet jetzt in den Strafraum der Iren, sein Schussversuch dann aber doch harmlos wie ein Strauß Sonnenblumen am Fenster.

55.

Feinstes Tiki-Taka, was die deutsche Handball-Nationalmannschaft hier zwischen den irischen Kontern spielt. Schwarzer am Mittelkreis. Zerbe im Rückraum. Franzi van Almsick auf der Tribüne.

54.

»Die Iren machen's Deutschland wahnsinnig schwer«, mault Bartels. Ist ja auch wirklich ein Ding. Dass die sich einfach nicht kampflos ergeben, sich die Dinger selbst reineiern. Muss man denn wirklich alles selber machen? Uff. Ächz. Nerv. Und immer noch 1:0.

52.

Was man an einem Freitagabend alles machen kann: a) ein Thin-Lizzy-Konzert auf Youtube schauen. b) drei bis achtzehn Pints im Pub saufen c) einen netten kleinen Abendspaziergang machen. Manuel Neuer entscheidet sich soeben für c) - Gottseidank nix passiert.

50.

Egal, wo er spielt: Lahm mit einer unfassbaren Aktion nach der nächsten. Lutscht eine Flanke mit der rechten Zehenspitze. Wir bekommen nur vom Zuschauen eine Leistenzerrung.

48.

Keine personellen Änderungen. Wenn ich mich nicht Ire. Hihihi.

47.

Die Iren machen da weiter, wo sie vor der Pause aufgehört haben. Das alte Lied von der Chancenverwertung droht erneut verwurstet zu werden. Zahle freiwillig eine verunglückte Bananenflanke in's Phrasenschwein.

46.

Weiter geht's. Und Irland gleich mal mit der einfachsten aller Kombinationen: Langholz auf Doll, verlängert, Schuss. Knapp vorbei. Ein Spielzug wie zu Zeiten von Liam Brady.

21:45 Uhr

»Wenn es 1:0 steht, MUSS man sich doch freuen«, jubelt Gerhard Delling. Scholli ist wenig begeistert, schlägt dann aber doch etwas über die Stränge: »Hängt die Grünen, solange es noch Bäume gibt.« Schnell zurück zum Fußball.

21:44 Uhr

Zamperoni ohne Bart. Die DFB-Elf ohne Stürmer. Wenn die Iren jetzt noch auf die Dritte-Halbzeit-Bierchen verzichten, können wir auch allesamt Schlummi machen gehen für die nächsten paar Jahre.

21:34 Uhr

Pause. Tagesthemen. Ingo Zamperoni. Der smarte ARD-Beau listig: »Möge der Bessere gewinnen. Féadfaidh an bua ceann níos fearr.«

46.

Mit dem Schlusspfiff der ersten Halbzeit fast noch der Lucky Punch der Iren: Clark mit einem Lattenkopfball nach einem Freistoß aus dem Halbfeld. Ehrmann verschluckt sich glatt an seinem Guinness-Pint und ich verwürze aus Versehen das Irish Stew. Beinahe hätte die Iren hier das ganze Spiel auf den Kopf gestellt. Doch beim Nachschuss luftlöchert Stokes über den Ball und Gummientchen pfeift ab. Puh. Jetzt erstmal ein Bad.

45.

Bartels brüllt mittlerweile, als sei er der Polier und die elf Weiß-Schwarzen da unten seine Leiharbeiter. »Müllerrrrrrr! Sofort zu mir!« Kürzt allen die Pause. Wird gleich also durchgespielt.

43.

Die armen Iren. Können einem fast schon leid tun. Sportarten, die in denen ein Fuß und ein Ball vorkommen und in denen die Iren gegen Deutschland eventuell eine Chance hätten (I): Gaelic Football. Ende der Serie.

42.

Die Fans machen die Welle. Bierhoff zieht sich das Sakko aus und holt das lange Brett raus. Surfin' DFB.

40.

Chancen wie am Fließband für die Deutschen. Und dann ist es aber doch wie damals beim Model T in Detroit: Am Ende steht immer Forde.

40.

Gehen heute zusammen Quoten-Angeln im Sportschau-Klub: Alexander Bommes und Horst Hrubesch. Wir zuppeln lieber n paar glitschige Zoten.

38.

Müller mit dem Schuss, aber Forde übergriffig wie die Iren zuletzt zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

36.

So langsam müsste bei den Iren der Nachdurst einsetzen. Time for a Guinness. Wenn der belgische Schiri ein Herz hat, lässt er die Spieler gleich mal eine Trinkpause einlegen.

35.

Bartels: »Deutschland flankt nicht.« Eine Sekunde später: Flanke Lahm, Kopfabnahme Schürrle. Q.e.d. Hat im Westen Mathe gelernt: Tom Bartels.

34.

»Oh ja, genaus so!«, stöhnt Bartels ins Mikrofon. Wir hoffen, dass die Iren bald »Fields of Athenry anstimmen« oder Tonprobleme in der Sprecherkabine auftreten.

33.

»Zwei Schritte weiter, dann steh ich abseits«, sagt Bartels. Nö, Tom. Schon passiert.

31.

Noch 60 Minuten zu spielen. Eine Stunde Einsamkeit. Der neue Roman von 11FREUNDE-Autor David Forde.

30.

Deutschland nimmt die Bälle häufiger volley als Mila Superstar. Vermutlich würde Toni Kroos heute Abend sogar ein Manga-Tutu stehen.

29.

Das Zwischenfazit klingt, als hätte sich die berühmteste Berliner Wuchthure für eine Bauchtanz-Nummer bei DSDS beworben: Luft schon raus.

27.

Diese verdammte Perspektive. Kroos schießt, ich springe schon auf, mache den Diver, dann die Raupe, bussel mich selbst ab - da wird klar, dass ein Ire den Ball mit dem Kopf acht Meter nebens Tor abgefälscht hat. Nie hätte 3D einem Spiel so gut getan.

26.

Der Schiedsrichter der Partie heißt übrigens: Gumienni. Und genau so sieht er auch aus: klein, gelb, mit Loriot zusammen in der Badewanne.

25.

Bartels zählt derweil alle Fußballtrainer auf, die er kennt. Mourinho. Klopp. Tuchel. Happel. Rehhagel. Stevens. Schluss. Zuhause in Rivenich setzt sich Klaus Toppmöller an den Schreibtisch und fängt an, einen Brief an die ARD zu schreiben. »Liebe Kollegen, ich bin ein ehemaliger Profi, der dann...«

24.

Die Nationalelf jetzt mal mit ein paar Ecken: Löws Jungs präsentieren sich so edgy als wollten sie allesamt Werbetexter werden. Versuchen jetzt nur noch, Traumtore zu erzielen. Fehlt nur der Signature-Move-Torjubel. Don´t believe the hype.

23.

Die Iren kämpfen, die Iren köpfen. Aber es ist leider dennoch so, als ob sie sich in der Sportart geirrt hätten. Beim Gaelic Football oder Rugby sähe das vielleicht ästhetisch aus oder gewinnbringend. So nur: irgendwie irisch.

21.

Thomas Müller versucht eine Flanke aus dem Halbfeld via Kung-Fu-Bruce-Lee-Gedächtnis-Kick direkt zu verwandeln, merkt dann jedoch, dass ihm ungefähr fünf Meter Sprungkraft fehlen und zieht doch zurück. Sportlich.

20.

»Boys in Green«. Wie Bartels das so sagt, klingt es auch wie ein C-Movie über die amourösen Verstrickungen einer Gärtnerkolonne in Köln-Zollstock. Kein Wunder, dass das keiner sehen will.

18.

Khedira spielt zwei Fehlpässe direkt hintereinander. Nur, um den Ganzen ein bisschen Würze zu verleihen. Glutamat für die Dramaturgie quasi. Problem: Die Iren wollen den Ball garnicht. Spielen unkommentiert zurück.

17.

Niedlich: Bartels sieht die »längste Phase des irischen Ballbesitzes«. Aber: näher als 50 Meter kamen die sympathischen grünen Männchen leider nicht ans deutsche Tor. Die Iren bislang genauso treffsicher wie ich damals auf der Hunderennbahn in Dublin. Vier Tipps, vier mal auf den Letzten. Und das Biergeld für den Abend war weg.

16.

Frappierend: Irland laut Bartels mit Doll. Ein brandgefährlicher Angreifer von Dynamo Dublin.

15.

Endlich ist es soweit. Der Fan Club Nationalmannschaft (powered by Kokain-Brause) darf »Sieg« schreien. Ein Reichsparteitag der Herzen für Schland-Jünger und Autofahnenschwenker. Und der gesunde Menschenverstand macht einen Autokorso. Wann? 15. Minute, die Stunde Null des guten Benehmens.

13.

Jetzt wird es spannend. Nicht. Kein Tor würde dem Spiel jetzt gut tun.

11.

Irlands Trainer heißt Noel King. Zu Deutsch in etwa: Weihnachtskönig. Wünscht sich dieses Jahr kein Gegentor unterm Baum. Bekommt aber: Khedira! Ein Ast von einem Schuss. Abgeelcht. Drin. Ja is denn heut scho Niederlage? Ja, armer alter King, ja.

10.

Jansen holt die erste Ecke heraus. Hätte Tim Borowski nicht schöner machen können. Jens Lehmann fordert seine Einwechslung als falsche Eins.

8.

Die Iren mit lustigem Zwei gegen Fünf am eigenen Strafraum. Einer der beiden ist Keeper David Forde. Eine Ballbehandlung, so filigran wie sein englischer Namensvetter Seaman. Einwurf Deutschland. Insel bleibt Insel.

7.

Während Bartels schon leicht beleidigt das Führungstor einfordert, kicken und rushen sich die »Irländer« das erste Mal vor das deutsche Tor. Doch Irlands Stürmer verstolpert. Sein Name: Stokes. Hätte Robert Huth auch nicht besser hinbekommen.

6.

Erster Angriff. Lahm wuselt auf rechts, dann zurück, zurück?!, ja: zurück auf Özil, auf den hängendsten Stürmer der Welt, der schlenzt am Tor vorbei. Und es wird klar: Wenn eh alle am gegnerischen Sechzehner stehen, ist auch egal, wer Verteidiger oder Stürmer ist auf dem Papier.

5.

Lahm braucht ungefähr drei Minuten, um einen Einwurf von der rechten Seite auszuführen. Findet sich dort garnicht mehr zurecht. Scheint etwas verloren. Wir geben ihn einfach im Kinderparadies ab. Später holen wir ihn wieder ab. Vielleicht.

3.

Sehe das jetzt erst: Marcell Jansen spielt. Ich weiß, das ist ungerecht, aber für mich wirkt das immer so, als würden gleich Fabian Ernst oder Andreas Hinkel ins Spiel kommen. Die Ungnade der frühen Geburt.

2.

Genial! Bartels kündigt selbst die Alternative zu Bartels an! Unter Audio-Option zwei gibt es den Radio-Ton. Noch nie war so viel Gerede so wohltuend. Ein Kommentator schafft sich ab.

1.

Erste Minute, Tom Bartels sagt das erste Mal: »Irländer«. Wir blasen uns jetzt die Irrlichter aus. Gute Nacht.

1.

Anstoß. Özil 9,5 - 0 Irland.

20:44 Uhr

»Großartig, was hier los ist«, freut sich Tom Bartels. Das letzte Fußballspiel, das er live gesehen hat, war das des KSC II gegen den SSV Reutlingen im leeren Wildparkstadion.

20:44 Uhr

Die Bundeswehrkapelle ist in Einheitsgrau gekleidet. Machen erst eigenartige Marschmusik und treten dann auch noch den kompletten Rasen kaputt. Wenigstens singt Manuel Neuer lautstark mit: »Hey Benders, da ist doch noch des Glückes Unterpfand drauf!«

20:43 Uhr

Man hat ja immer Angst, dass Manuel Neuer (Kampfname: »Der weiße Riese«) seinen Nebenmann Philipp Lahm (»Little Lame«) bei der Hymnen-Umarmung einfach zerdrückt. Aber: Nochmal gut gegangen.

20:40 Uhr

Die deutsche Kurve. Anscheinend war da irgendeine Choreografie geplant. Aber dann kamen die ganzen verdammten Kölsch-Kneipen dazwischen und diese verdammt freundlichen irischen Fans, die ein Bierchen nach dem anderen ausgegeben haben. Und so also sieht diese Choreo aus wie ein 1.000-Teile-Puzzle, das ein Zweijähriger versucht hat zu lösen. Löst sich jetzt endlich der Fanclub Nationalmannschaft auf?

20:37 Uhr

Die Aufstellung. Philipp Lahm also Rechtsverteidiger. Klare Devise von Löw also: Weniger Guardiola wagen. Aber dann: Özil als einzige Spitze. Elf minus sechs plus neuneinhalb gleich 2014? 90 im Sinn.

20:36 Uhr

Delling handelt bereits Mehmet Scholl als Nachfolger des irischen Nationaltrainer Noel King. Der ziert sich jedoch. Will nicht ohne Schwimmflügel über den Ärmelkanal. Reif für die Insel: der Ticker.

20:35 Uhr

Die irischen Fans in der Kölner Altstadt. Keine andere Bevölkerungsgruppe könnte wohl Sonnenbrillen mit bunten Gläsern tragen und nicht komplett belämmert wirken. Bei den Iren aber sagt man: Jau, passt. Sympathisch. Gut, irgendwie müssen sich ja auch jahrhundertelange Lobby-Arbeit in Form von Irish Pubs auf der ganzen Welt auszahlen. A Guinness a day keeps the doctor away.

20:33 Uhr

Gewinnspielfrage: »Wie schnitt James Joyce´s Ulysses bei der WM 2002 ab?« Antwort A: Vize-Weltmeister; Antwort B: Wahl zum Frankfurter Buchmessi; Antwort C: Kartoffel. Knifflig.

20:29 Uhr

Als wären unsere Gebete erhöht worden. Da ist er: The Pod. Ganz in schwarz, weil er heute nicht spielen darf. Wir kondolieren. »Ich hätte natürlich gerner gespielt«, podolskit er drauflos, »aber das gehört zum Fußball dazu.« So geht Allgemeinplatzwart heute. Von dem kann Özil noch einiges lernen.

20:25 Uhr

»Wer das denkt, is´ au´ weit weg von der Realität, samma ma«, »logte Jöw« vor dem Spiel, wie Delling im nächsten Moment munter vor sich hin freudschfehlleistet. Wir haben den Faden verloren.

20:23 Uhr

500. Länderspiel hin oder her: Die Hoffnungen der Iren, hier ohne Giovanni Trappatoni auch nur einen Blumenpott zu gewinnen, sind in etwa so hoch wie die Chance, dass die »Boys in Green« ihre Nationalmannschaft mit der nordirischen vereinen, sich doch noch spontan für die WM qualifizieren und Robbie Keane nach dem Final-Sieg verkündet »auf Jahre hinweg unschlagbar zu sein.« Aber man hat ja auch schon Schafe kotzen sehen. Oder den heiligen Patrick, der Schlangen mit einem Bischofsstab verprügelt. Darauf ein Pint Fünf-Euro-Dunkelbier ohne Kohlensäure. Sláinte!

20:20 Uhr

»Wir wollen das Spiel gewinn´, wir wern alles gehm«, özilt Mesut auf einem klebrigen Hollywood-Musik-Trailer triefend vor künstlicher Spannung und wirkt dabei wie der Allgeimeinplatzwart der Herzen. Was Lukas Podolski jetzt wohl macht?

20:14 Uhr

Doch zurück zum Fußball: »Der Sack wird heute zugemacht!«, befiehlt Delling. Moderiert sich vor lauter Optimismus wund, wie Scholli Zähne fletschend anmerkt.

20:10 Uhr

Endlich. »Fields of Athenry« rückt näher. Gesangs-Leistungsvergleich ergibt im Vorfeld ein »starkes Irland-Schland-Gefälle«. Viel überraschender: Die »Tagesthemen« attestieren ein »Ost-West-Gefälle« in verschiedenen Schulfächern wie Mathematik und Naturwissenschaften. Zugunsten des Osten. Besonders weit vorne: Ostdeutsche Frauen. Der alte DDR-Bildungsvorsprung. Und während Angela Merkel jauchzend ihr Physikdiplom streichelt, holen die Wessis ihre TV-Duell-Schland-Belgien-Ketten hervor. Schwarz-rot-würg.

17:17 Uhr

Die Welt hält inne, wenn heute ab 20.45 Uhr die kleinen Iren die übermächtigen Deutschen fordern. Selbst der mächtigste Mann der Welt hat sich, vielleicht nicht ganz freiwillig, dem grünen Lager angeschlossen.

17:02 Uhr

Und noch ein neues Wort haben wir gelernt im Vorfeld dieser so wichtigen Partie: »Stützstrumpfgate«. Vielleicht das wichtigste aller Gates. Gleich nach Bill. Einmal die schwarzen in Größe 40-42, bitte, extralang und microsoft.

16:53 Uhr

Gerade ein schönes neues Wort von einem treuen Facebook-User gelernt: »Planetenkasper«. Aha. Sind wir also die legitimen Erben von Alf? Wenn Sie dem zustimmen, schreiben Sie eine leere Email an tommi.piper@web.de. Danke fürs Mitmachen.

16:52 Uhr

Hoffen wir darauf, dass es möglichst früh 3:0 für Deutschland steht. Nicht etwa aus überzogenem Nationalstolz oder sonst einem niederen Beweggrund, sondern einfach, weil DAS DA dann länger geht. Sternchen - Gänsehaut an - Sternchen.

16:39 Uhr

Iren, die wir nicht verstehen (3): Die Cranberries. Genauer gesagt, ist unverständlich, warum wir auf der Google-Suche nach unserer Lieblingsband in der 4. Klasse (na gut, zwei Wochen in der 4. Klasse) mit dem Wikipedia-Eintrag zur »Großfrüchtigen Moosbeere« behelligt werden. Habt ihr's wieder geschafft, ihr Iren: Another head hangs lowly.

16:36 Uhr

Ex-Iren, die wir nicht verstehen (1): Giovanni Trapattoni. Hier zu sehen bei seinem letzten Bad in der Menge der irischen Fans.

16:33 Uhr

Iren, die wir nicht verstehen (2): Colin Farrell. Was nicht weiter schlimm ist, der unnachahmliche Charme macht einiges an Akzent wett..

16:31 Uhr

Iren, die wir nicht verstehen (1): James Joyce. Wer »Ulysses« gelesen hat und behauptet, er habe auch nur einen Satz verstanden, gehört von einem Gaelic-Football-Spieler in den Bauch getackelt. Noch einer der simpleren Sätze: »Love loves to love love.« Oder? Gareth Joswig fängt an, aus den Ohren zu qualmen. Mit zitternder Hand streichelt er seine Match-Attax-Sammelkarte von Vagner Love. Tropft mit seinen Tränen »Shandong Luneng« auf die welken Herbstblätter. Portrait of the artist as a young fan.

14:22 Uhr

Der Ticker tanzt ab 20:15 Uhr direkt hinter Hansi Flick in der Sambaschlange nach Brasilien. Als Proviant dabei: Ein Omelette aus Irish Stew, 11 Eiren und einer Nike-Socke.


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