Deutschland
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Ghana

Deutschland-Ghana im 11FREUNDE-Liveticker

FORTALEZA CHAINSAW MASSACRE

Deutschland-Ghana 2:2. Ein Horror der Intensität. Spieler schmolzen, verdampften, bluteten und weinten. Und auf der Bank saß Ron-Robert Zieler und schluchzte: »So was darf ich eigentlich noch gar nicht gucken!« Mit Augen zu: der Ticker.

23:39 Uhr

PS: Und hier der letzte Tweet von Rihanna. Miro, you da one. Gute Nacht.

23:09 Uhr

Jetzt Löw. Ausgemergelt, aufgedreht, dreißig Silben pro Sekunde, wir verstehen nur: »Der Muskel hat zugemacht, ffffffffffff!« Und nicht nur der, lieber Jogi! Interessante Beobachtung: Er hat eins dieser Lawinenarmbänder um. Hatte er Angst, verschüttet zu werden? Trägt Andi Köpke ein Schnapsfässchen um den Hals? Und wie um alles in der Welt haben es die US-Softies geschafft, diese monumentalen Ghanaer zu schlagen? Wenn jetzt jemand sagt, dass die gar nicht so soft sind und uns so was wie heute Abend noch mal bevorsteht, legen wir sofort unsere Ämter nieder. Wie Löw so schön sagt: »Es ist nicht klug, ins offene Messer zu laufen.« Dann lieber schreiend hinaus ins Dunkel der Nacht. Bis irgendwann mal, liebe Fans.

23:09 Uhr

Götze im Jungprofi-Interview, schnell, zielstrebig, abgeklärt, schüttelt die Fragen ab wie früher in Dortmund lästige Gegenspieler. Wär schön, wenn er auch heutzutage mal so souverän spielen würde.

23:06 Uhr

Ein volltätowierter Prince im Interview. Gott sei Dank haben wir den hinter uns! Und im portugiesischen Mannschaftshotel schiebt Cristiano Ronaldo »Texas Chainsaw Massacre« in den DVD-Player. Zur Beruhigung.

23:04 Uhr

Und in der Kabine vereist Dr. Müller-Wohlfahrt alle Spieler von Kopf bis Fuß. Kevin Großkreutz lässt sich sogar in den Mund sprühen. Wahnsinn.

23:03 Uhr

Nächstes Höhö-Interview, zumindest versucht Delling es, prallt an Miro Klose aber natürlich ab. Auf die Antworten kann sich aber ohnehin kein Mensch mehr konzentrieren, die Tonspur ist im Arsch, alle drei Sekunden ist Torjubel zu hören, der wieder abflaut, wieder ansteigt, wieder abflaut, wieder ansteigt, wieder abflaut, aber nie sind die dazugehörigen Tore zu sehen, Ronaldos Treffer wahrscheinlich, brasilianische Jubelfolter sozusagen, Klose, unter Schmerzen, gesteht schließlich: »Okay, okay, schab erst 14 WM-Tore, aber bitte stellen Sie das ab!«

22:58 Uhr

Und jetzt Lahm im Interview. Ein echter Downer. Als würde man die Liebe seines Lebens heiraten, und der Standesbeamte trägt selbstgeschriebene Gedichte vor. Und auf der Supermarkt-Serviette brennt ein Teelicht. Nein, ich will nicht.

95.

Freistoß, letzte Szene, abgewehrt. Eine epische Schlacht geht zu Ende. Und findet den Abschluss, den sie verdient: Thomas Müller prallt gegen die Schulter eines gigantischen Ghanaers, blutet wie eine Sau! Steht aber auf und ruft einen Namen. Adrian? Ramos? Weiß er jetzt schon, dass wir gegen Kolumbien im Halbfinale spielen? Halbfinale: Oh, fernes Gestade. Aber immerhin: Wir sehen wieder Land. Bzw. Schland.

93.

Freistoß für Deutschland. Letzte Gelegenheit für den Sieg. Ich als Schiri würde allerdings abpfeifen, wenn wieder drei Mann drüberlaufen. Spätestens beim zweiten.

92.

Konter Ghana. Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr, die Ghanaer dafür umso mehr. Verdammt noch mal: Wo ist Mustafi? Wo ist Schlindwein? Wo ist Borowka? Wo ist der Abpfiff? Löw parkt jetzt die Campo-Bahia-Fähre vor dem Tor. Högschde Sicherheitsstufe.

91.

16? 16? 16? Jetzt ist es Ronaldo, der im heimischen Wohnzimmer (500 qm) hinters Sofa (30 qm) hechtet, aus Angst, sein WM-Tore-Rekord, eben erst eingestellt, könnte ihm gleich auch gestohlen werden, von Klose, diesem Angler aus der Pfalz. Der aber verzieht. Noch. Petri heil.

90.

Auch Neuer wälzt sich jetzt unter Fieberträumen durch den Strafraum, glaubt, er sei ein Jongleur an einer Kreuzberger Ampel. Hoffentlich ist bald Grün.

89.

Gyan mit dem Fernschuss! Neuer geschlagen! Da taucht Suarez auf der Linie auf und hält! Ein Fiebertraum? Ja, aber die Grenzen verschwimmen.

88.

11FREUNDE-Statistikflash: Manuel Neuer hat mehr Ballkontakte als Mesut Özil.

86.

Erst Chance für Müller, der den falschen Fuß nimmt, dann Ecke, dann Konter, wir kommen kaum hinterher, sehen aus wie Philipp Lahm, dem man das Alter bei Anstrengung, also immer in der zweiten Halbzeit, ja mittlerweile am Gesicht ablesen kann, da landet der Ball schon wieder bei Özil im ghanaischen Strafraum, wird im letzten Moment vor Klose geblockt. Und wir brauchen entweder eine Pause oder ein Tor. Aber lieber ein Tor.

84.

Was nervt: Die Ghanaer sind immer noch da, weigern sich, müde zu werden, obwohl Lahm in seiner Verzweiflung schon FC-Bayern-Schlafanzüge verteilt. Sie rennen schneller als schnell, steigen höher als hoch, ein 2:2, das sich wie ein 8:8 anfühlt. Ein Horror. Und auf der Bank sitzt Ron-Robert Zieler und greint: »So was darf ich eigentlich noch gar nicht gucken!«

82.

Lahm erinnert sich jetzt, dass er den ersten der mittlerweile drei Fehler seiner Laufbahn, damals im EM-Halbfinale gegen die Türkei, gleich wieder mit einem Tor gut gemacht hat, kombiniert sich ähnlich wie damals wieder in den Strafraum, glaubt aufgrund seiner neuen Position (als Kapitän und Sechser) aber offenbar, einen Hackentrick ansetzen müssen, der allerdings beim Gegner lander, also eher ein Hackendreck ist.

80.

Noch mal zu Klose: Der Hugh Hefner der WM. Auch mit über 80 macht er ihn immer noch rein. Sollte im Bademantel spielen. Beneidenswert.

78.

Ecke Ghana. Und Hummels schickt Mustafi aus dem Strafraum: »Hol mal was zu trinken, Junge.« Mustafi: »Hä? Jetzt?« Hummels: »Immer.«

77.

Freistoß jetzt für Deutschland, »Es ist Zuch drin«, orgelt Bartels, »jetzt machen sie ernst«, und zum ersten Mal in meinem Leben will ich ihm einfach nur glauben. Sie machen dann aber keineswegs ernst, sondern führen wieder diese absolut, ja sogar högschd alberne Freistoßvariante auf, bei der drei Mann wie Varietétänzerinnen im Friedrichstadtpalast über dem Ball wegklappen, und der vierte dann verschießt. In diesem Fall Schweinsteiger. Mit Federboa.

73.

Wir treten mal kurz auf den Ball und halten fest: Welch ein Spiel. Welch ein Kampf. Welch eine Schlacht. Sind fast versucht, noch vor Abpfiff den Mitgliedsantrag an den Fanclub Nationalmannschaft powered by Coca Cola loszufaxen. JA! Auf nach Gibraltar! Zur EM-Quali! Mit dem Bus! Und gemeinsam in die Bordtoilette kotzen! SCHLAAAAAAAAAAAAAAAND!

71.

Und Schweinsteiger und Klose sollen jetzt die Kastanien aus dem Feuer holen. Ich persönlich wäre ja eventuell beleidigt, ob der undankbaren Aufgabe, aber die beiden....
SCHLAAAAAAAAAAAND, KLOOOOOOOOOSE nach Ecke, neuvilled ihn rein, 15. WM-Tor, Weltrekord, Huhu Ronaldo, Huhu SOMMERMÄRCHEN, ich werd verrückt.

70.

Xavier Naidoo taucht in der Coaching Zone auf, singt: »Dieser Weg... wird kein leichter sein.« Löw lässt ihn abführen.

69.

Löw wechselt. Klose und Schweinsteiger kommen. Und dann noch Bernd Schneider, David Odonkor, Michael Ballack, Sönke Wortmann und Adi Katzenmeier.

68.

Der Rückstand hat nicht nur den negativen Effekt, dass Deutschland zurückliegt, sondern auch, dass wir jetzt jedes Mal vor Angst hinters Sofa hechten, wenn Ghana einen Konter fährt. Und gerade kommen wir hinter der Couch gar nicht mehr vor. Immerhin wissen wir jetzt, dass wir noch leben.

61.

Jogis Spuren im Schland, die ich gestern noch fand, hat Gyan mitgenommen. Jetzt gerät hier alles ins Schwimmen. Lahm mit dem zweiten und schlimmsten Fehlpass seiner Laufbahn, tödlicher Pass in die Tiefe, und Gyan macht ihn eiskalt rein. 1:2. Und im US-Mannschaftshotel fragt der Berti den Klinsi schon mal: »Was heißt ›Haut sie durch die Wand‹ auf Amerikanisch?«

60.

Immerhin: Mustafi hat beschlossen, dass er viel lieber seine Omas grüßen würde statt gegnerische Stürmer, versucht jetzt, seinen Fehler wieder gut zu machen, schlägt Flanken in den Strafraum, beschissene Flanken, aber immerhin Flanken, was man von seinem Vorgänger jetzt nicht unbedingt behaupten konnte.

57.

Noch mal Mustafi in der Zeitlupe. Und in der Vereinskneipe von Waldhof Mannheim köpft Jürgen Kohler die Bierbank aus dem Fenster.

54.

Shit! Ghana kopiert das deutsche Tor, mit dem Unterschied, dass Deutschland eigentlich gleich drei Abwehrspieler im Strafraum hat, einer davon ist Mustafi, der noch nicht mit den Begrüßungen fertig ist: »Hallo, guten Tag, ich bin der Shkodran, ich bin neu hier, hallo, Herr Ayew, hören Sie mich?« Tut er nicht. Hört nur die Flanke heransausen. Oder ist es Bartels Atem, den er schreckhaft einzieht? Kopfball, Tor. 1:1. André Ayew. Shit.

51.

Tor! Wenn es denn so nennen mag: Flanke Müller, was heißt, dass in der Mitte jetzt niemand mehr ist, der sie per Kopf abnehmen könnte. Klose hibbelt auf der Bank: »Trainer, lass mich rein, den mach ich!« Doch zu spät: Götze schickt sich an, erstmals in seinem Leben köpfen. Wie geht das noch mal? Hilfesuchende Blicke zurück zu Müller, der hebt nur den Daumen, du machst das schon, Mario, der springt gar nicht erst ab, was soll er da oben, bei diesen schrecklichen Verteidigern? Er bleibt unten, auf Grasnarbenhöhe, und er köpft sich aufs Knie, aufs Knie, sehr verehrte Damen und Herren, und von da springt der Ball ins Tor. Ein Treffer wie nachts um 1 auf Eurosport. Da heißt es »Snooker«. Hier heißt es: 1:0 für Deutschland. Irre.

53.

Das ging schnell. Familienmensch Kevin-Prince Boateng weigert sich, ohne seinen Bruder weiterzumachen, wird für Jordan Ayew ausgewechselt.

51.

Erst jetzt fällt mir auf, dass Mustafi doch eine gewisse Ähnlichkeit mit Arne Friedrich hat, jetzt auch noch auf seiner Position spielt. Gibt’s jetzt wieder ein Sommermärchen? Ist wieder im Halbfinale Schluss?

49.

Ich ruf einfach mal was rein, in Richtung der Zweimeter-Innenverteidiger: Jetzt einfach nur die richtigen Schatten werfen!

48.

Doch irgendwie unbefriedigend mitanzusehen, wie Götze wieder und wieder an einem nicht mal besonders großen ghanaischen Abwehrspieler hochspringt und der ihm nicht mal den Gefallen tut, umzufallen.

46.

Weiter geht’s. Löw wechselt Mustafi für Boateng ein, bekommt dafür umgehend Stress mit Kevin-Prince. Genialer Move vom Bundestrainer?!

22:01 Uhr

Wenn die Experten sagen »Das muss der Bundestrainer entscheiden«, der Bundestrainer aber seinen Assistenten fragt »Und? Was haben die im Fernsehen uns empfohlen?«, dann hilft wirklich nur noch Müller.

22 Uhr

Tausende haben sich heute in Stonehenge versammelt, »um den längsten Tag des Jahres zu begrüßen«, berichten die »tagesthemen«. Wobei die Frage aufkommt, ob die Engländer die richtige Nationalmannschaft nach Brasilien geschickt haben.

21:58 Uhr

Auch in der Halbzeit das Wechselbad des Verstandes: Judith Rakers Haar glänzt wie der WM-Pokal, Opdenhövels Brille spiegelt schon die erste DFB-Pokal-Runde wider.

21:54 Uhr

Darüber berichten die »Tagesthemen« natürlich nicht: Wie verhungernde Schlandfans, die in der Halbzeit mit letzter Kraft zum Hörer greifen, von den Bringdiensten abgezockt werden.

21:50 Uhr

Thomas Roth sagt in den Halbzeit-»Tagesthemen«: »Papst Franziskus geht dahin, wo es weh tut.« Guter Mann. Und schon schickt Hansi Flick ihn zum Warmmachen. Franziskus: »Aber ich bin doch Argentinier!« Flick: »Geh joggen, Gaucho.«

21:47 Uhr

Halbzeit. Endlich. Es ging hin und her und her und hin, zwischendurch stand mal ein Ghanaer nicht im Abseits, wurde aber zurückgepfiffen, worüber wir nicht berichten konnten, weil wir uns grad eins gepfiffen haben. La Paloma ohe.

45.

Ist das anstregendend. Mehr Chancen hier, als die Boatengs auf einem Jungesellinnen-Abschied hätten. Wann stecken die Schland-Anhängerinnen den Spielern Scheine in die Buchse?  

44.

»Kann hier noch jemand ein Ausrufezeichen setzen«, fragt »kicker.de« Aber sicher doch:
!
Gern geschehen.

41.

Chance Deutschland, Chance Ghana, dann umgekehrt und wieder von vorn. Und im verwaisten Mittelfeld dreht Kevin Großkreutz einen Minzbonbon-Clip: »Da bleibste trotz Döner-Atem mit fit!«

40.

Müller, Özil, Poldi sowieso: Wenn das so weitergeht mit dem erhobenen Daumen nach missglückten Flanken, könnte der Daumen bald den Mittelfinger ablösen.

38.

Erneut Götze mit der Chance. Zieht so entschlossen ab wie ein Siebenjähriger am Schussgeschwindigkeitsmesser am Sonntagnachmittag im Autohaus. Kein Tor. Aber er darf sich ein Malbuch aussuchen,

37.

Weltpass von Kroos auf Özil, als wären die anderen überhaupt nicht auf dem Platz steckt er durch auf Özil, der wieder, wie alle anderen auch, wie vor allem die ghanaischen Abwehrspieler auch, Müller sucht, ihn so naturgemäß nicht finden kann. Vielleicht bräuchten sie mal einen Plan B.

34.

Schon wieder eine Chance für Ghana. Neuer klärt in höchster Not. Flick, schweißgebadet: »Jogi, ich seh schwarz!« Löw: »Hansi, denk immer dran: No to racism!«

33.

Kommt’s mir nur so vor oder schreit Bartels heute leiser, als er spricht? Bekomme vor lauter Ungenauigkeiten und deren einschläfernde Wirkung auf mich, kaum mit, dass Ghana überhaupt in Ballbesitz ist, da raketet Muntari den Ball schon auf Neuer, der zwar ungern, aber pflichtbewusst die Arme gerade noch an die Kugel kriegt.

28.

Ja! Götze mit dem Flankenlauf. Müller in der Mitte mit seinem typischen Laufstil, storchend, fuchtelnd, Götze versucht die Gesten zu deuten: Wo will er ihn bloß hin haben? Kopf? Fuß? Skrotum? Verdammt. Müller storcht, Müller fuchtelt, Götze weiß immer noch nicht, was er meint, als er schon am Pfosten steht. Dann die kürzeste Flanke der Welt, abgeblockt, Ecke. Götze: »Meintest du das?« Müller: »Am Oarsch.«

27.

Jerome: »Wann musst’n du heute zu Hause sein?« Prince: »Meine Ma sieht das nicht so eng. Hauptsache, ich bin zum Frühstück da.« Jerome: »Gibt’s bei euch immer noch diese geilen Smacks? Ich muss immer Müsli essen in Wilmersdorf.« Prince: »Wenn du mich gleich bei der Ecke nicht nervst, kriegste welche ab.« Jerome: »Yo, Bro.«

26.

Toni Kroos mit Vollspann auf das Girl in Reihe 36, das er nach dem Spiel noch gerne kennenlernen würde. Verständlich, nach bald drei Wochen Campo Bahia.

25.

Özil mit der Hacke auf Höwedes, der in der ganzen Saison noch keinen Ball mit der Hacke serviert bekommen hat, ihn vor Verblüffung auch prompt vertändelt.

23.

Ghanas 19 versucht im Strafraum Lahm per Fallrückzieher zu enthaupten, tritt dann aber doch einen Meter über den Kopf des Münchners.

21.

Plötzlich deutsches Zacki-Zacki: Özil auf Müller, der powerslided durch den Strafraum, rutscht dann samt Ball in den Atlantik.

18.

Khedira mit der Chance. Doch auch diese erstickt er wie immer konsequent im Keim. Für mich bislang der beste Sechser des Turniers.

15.

Und dann doch noch was aus der guten alten Zeit: ER wird IHM immer ähnlicher. Die Figur hat er ja schon. Und jetzt spielt THOMAS MÜLLER auch noch mit halb herunter gelassenen Stutzen. Beim nächsten Spiel dann mit Stirnband, im übernächsten mit Vollbart. Und am Ende überreicht ihm der wiederauferstandene SOCRATES persönlich den WM-Pokal.

13.

Chancen hüben wie drüben, würde Heribert Faßbender sagen. Aber das hier ist kein Spiel mehr für betuliche Umschreibungen nach dem Strickmuster eines Pullovers von »Peek und Cloppenburg«. Das ist härtester Stoff von der Konsole, aus den Käfigen dieser Welt, aus den geilen Werbespots, die uns bescheuerte Schuhe für unsere Neffen kaufen lassen, ein einziges Youtube-Best-Of des Unbedingtgewinnenwollens, das ist zu schnell selbst für Hoodie-Journalisten wie uns. Hoffentlich zeigt die ARD gleich Rhönradfahren.

12.

Hat Bartels eben den ominösen Satz »Götze gegen Deutschland« gesagt? Kurz bevor Götze in aussichtsreicher Position den Ball verloren hat? Was weiß er, was wir nicht wissen? Mal abgesehen von den Reporterauswahlkriterien der ARD.

10.

Uiuiui. Mesut Özil, der »Mesut Erlözil« des Spiels vor vier Jahren, hätte hier nun fast eine Chance gehabt. Kommt aber, genau genommen, gar nicht an den Ball. Hebt dann trotzdem den Daumen in Richtung des Passgebers. Poldi, der Spiritus Rector der immerguten Laune, spielt also doch mit. An jeder Hand einmal.

9.

Müsste jetzt nur noch geklärt werden, wo Müller mehr Panik auslöst: Bei den Schlandfans, deren Schlandfreundinnen plötzlich hysterisch zu kreischen beginnen, sobald der sympathische Naturbursche ins Bild kommt, oder in der ghanaischen Abwehr, die hühnerhaft um ihn herumflattert.

7.

Höwedes dafür ungefähr so schnell wie Schmelzer in der Schmerzverlängerung des Pokalfinales, kann dementsprechend die Flanke nicht verhindern, könnte im Nachhinein argumentieren: »Warum auch?« Und hätte nicht ganz Unrecht.

5.

Erster halbguter Ball von Özil auf Müller, auf den Rängen bricht sofort Begeisterung aus, besorgniserregend ist allerdings, dass Müller sich jetzt schon so vorwärtsschleppt wie beim 2:0 im Pokalfinale gegen Dortmund, die Gegenspieler aber (noch) schneller sind als Marcel Schmelzer.

3.

Bis jetzt kein Spiel für Fußballästheten, viel Gehacke um lange, hohe Bälle. Also ein Spiel für uns.

2.

Jetzt wollte ich extra schauen, wie lange es dauert, bis Ghana das erste Mal an den Ball kommt und vorher einen 100-Prozent-Ballbesitz-Witz raushauen, und dann verlieren sie die Kugel schon, bevor auch nur die Uhr eingeblendet wird. Jogi raus!

1. Minute

Abpfiff. Gute Nacht, liebe Fans. Schön war’s.

20:59 Uhr

Und schade, dass Poldi nicht von Anfang an mitspielt – ich würde doch zu gern sehen, wie er die Daumen verschränkt.

20:57 Uhr

Ich hoffe doch sehr, dass die deutschen Nationalspieler die Dreharbeiten zu diesem Arme-verschränken-Filmchen, der bei den Aufstellungen gezeigt wird, mehr als einmal vor Lachen abbrechen mussten.

20:54 Uhr

Nachdem Reiner Calmund sein Riesenhandtuch aufs Feld hat tragen lassen, auf dem er sich offenbar gleich zu sonnen gedenkt, erklingen die Hymnen. Götze, ergriffen, lässt noch mal seine eigene Konfirmation Revue passieren, wirft sich beim Singen in die Brust. Khedira (peinlich berührt) denkt hingegen an all die Schland-Fans, die an seine Lena denken, schweigt. Sollen die doch mitsingen!

20:53 Uhr

Die deutschen Spieler im Tunnel, klatschen alles und jeden ab, erzeugen dabei ein Geräusch wie Alleinunterhalter, die Pferde imitieren. Aber was für Pferde? Sehr teure Pferde? Rennpferde gar? Oder sehr schlaue Pferde? Fury?

20:49 Uhr

Nur mal so am Rande: Was denken eigentlich die Mitarbeiter des brasilianischen Goethe-Instituts, die jahrelang deutsche Literaten über den Atlantik herbei haben fliegen lassen, damit sie vor zwölf Leuten nachdenkliche Deutschland-Texte vorlesen, wenn sie hier und heute jetzt schon siegestrunkene Schland-Fans mit Sonnenbrand und Narrenkappe auf der Tribüne sehen?

20:47 Uhr

Bundestrainer Joachim Löw sagt auch noch was. Hier die Zusammenfassung.

20:45 Uhr

Offenbar geht es heute alle zehn Minuten ins Stadion, dann wieder zurück, Spannung aufbauen, dann wieder zurücknehmen, neu aufbauen, verzögern, geniale Taktik. Leider wird jede Bemühung durch die Konfirmationsweste zerstört, die Gerd Delling ausgerechnet heute hat wiederfinden müssen.

20:40 Uhr

Heute ist ja neben Schland auch noch Fête de la Musique, was einem dann doch wieder vor Augen und vor allem Ohren führt, dass es noch Menschen gibt, die andere Probleme haben als Mats Hummels’ Verletzung. Jener junger Mann beispielsweise, dessen Lied eben noch auf verworrenen Schallwegen meinen Hinterhof erreichte, jaulte nicht so erbarmungswürdig, weil Özil die Bude nicht macht, sondern weil seine Frau weggelaufen ist, leider auch seine Stimme mitgenommen hat. Wo sich der Kreis dann allerdings wieder schließt: Er wird bei ihr auch keine Bude mehr machen.

20:35 Uhr

Guten Abend. Der Countdown läuft, und da er das tatsächlich auch in der ARD tut, links oben, wo sonst die Spielstände notiert werden, habe ich eben einen Riesenschreck bekommen, dass das Spiel schon seit 25 Minuten läuft. Jetzt erst mal runter kommen. Ghana wohl nicht wahr sein!

17:58 Uhr

Und mit unserem Lieblingssprichwort aus Ghana »Auch mit schmutzigem Wasser kann man einen Brand löschen« geben wir ab an den Liveticker Argentinien-Iran. Hier geht es weiter um kurz vorm Anstoß. Mit etlichen Bränden und viel schmutzigem Wasser. Bis später, liebe Fans!

17:47 Uhr

Und noch ein Sprichwort aus Ghana: »Der Mensch ist keine Kokosnuss, er ist nicht rundherum abgekapselt.« Das stammt übrigens aus der Zeit vor Kevin-Prince Boatengs erstem Länderspiel.

17:42 Uhr

Aber zu leicht wollen die Chose hier auch nicht nehmen. Noch ist die Vorrunde nicht überstanden. Oder wie ein ghanaisches Sprichwort sagt: »Wirf deinen Wanderstab nicht fort, ehe du aus dem Sumpf heraus bist.«

16:58 Uhr

Nein, es liegt ganz sicher kein Fluch über diesem zweiten Gruppenspiel gegen Ghana.

16:48 Uhr

Wir freuen uns schon auf den übernächsten Trend: Der Finalfluch! Nur 50 Prozent der Mannschaften gewinnen ein Endspiel. Wie kann das sein? Und ZDF-Cacau erzählt uns von dem verlorenen Pokalfinale 2007 mit dem VfB Stuttgart, kommt aber zu dem Schluss, dass »imma schön is, dabei ßu ßein in ßo ein wunderbare ßpiel«.

16:40 Uhr

Jetzt, da es keine Geheimfavoriten mehr gibt, sucht sich mancher WM-Angeber neues Hoheitswissen. Der letzte Schrei: Der Fluch des zweiten Spiels. Liegt angeblich über der deutschen Nationalmannschaft, schreibt etwa »spiegel.de«. Wir schauen uns schnell noch mal das 5:1 gegen die Vereinigten Arabischen Emirate im zweiten Gruppenspiel der WM 1990 an. Was lief falsch? Warum nur 5:1? Beckenbauer raus!

16:36 Uhr

Apropos Niederlagen: In diesem Moment erreicht uns ein ganz guter Witz. »What’s the difference between England and teabag? – A teabag stays in cup longer.«

16:33 Uhr

Natürlich wünschen wir uns hier auf unserer Yacht nichts sehnlicher als einen Sieg heute Abend gegen Ghana. Vor allem, weil wir im gesamten deutschen Kader niemanden ausmachen können, der nach einer Niederlage derart würdevoll ein Stadion verlässt wie Andrea Pirlo nach dem 0:1 gegen Costa Rica: zornig, aber nicht unkontrolliert, abgekämpft, aber nicht schlaff, geschlagen, aber nicht geschlagen. Ein Feldherr mit unsichtbarem Lorbeerkranz. Als wäre das alles eine etwas unnötige Hänselei des Schicksals. Das 0:1. Seine Kollegen. Diese WM. Alles. Und jetzt denken Sie mal für eine Sekunde an ein Interview mit Philipp Lahm nach einer Pleite.

16:05 Uhr

Ahoi, liebe Fans. Die 11FREUNDE-Yacht dümpelt vor der Küste Brasiliens. Haie mit schwarz-rot-goldenen Rückenflossen umkreisen uns, es gibt zu trinken, die Stimmung könnte kaum besser sein. Meine Güte, sind wir optimistisch. Meine Güte, sind wir siegesgewiss. Es tut fast weh.

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