Deutschland
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Frankreich

Deutschland-Frankreich im 11FREUNDE-Liveticker

Die Geilheitsstatue

94. Minute beim Stand von 1:0 für Deutschland: Frankreichs Stürmer Karim Benzema kann ausgleichen – womit er nicht rechnet: Im Tor steht die Freiheitsstatue. Mit erhobener Faust ins Halbfinale: der Ticker!

20:22 Uhr

Wo ist Löw? Bzw. das achtköpfige Stammtischgremium, das die siegreiche Taktik ausgeheckt hat? Muss die ARD erst anbauen, um die genialen Acht ins Studio zu bekommen? Wir hingegen bauen ab. Hechten zu Merte in die Eistonne. Aber nicht untergluckern, Poldi! Dann ist die KMH doch eifersüchtig. Und das will wie immer nicht: der Liveticker. Guten Abend.

20:18 Uhr

Die Jungs von der »Tagesschau« senden die miesgelaunten Nachrichten aus dem NSA-Untersuchungsausschuss nur sehr widerwillig. Nichts klappt, Einspieler überlappen. Jens Riewa kippt den Sekt aufs Manuskript, er trötet in die Vuvuzela. Wen interessiert denn jetzt, dass die Welt untergeht? 

20:13 Uhr

Jetzt Deschamps. Fair, klar und groß. Holt sich in diesem Endspurt-Interiew noch schnell den Titel »Man of the Match«.

20:11 Uhr

Scholl entschuldigt Özil: »Gegen diese körperliche Übermacht: Wie soll er sich denn da auch durchsetzen?« Und am Strand im Hintergrund läuft sich Müller aus. Mit einem Treckerreifen auf dem Rücken.

20:09 Uhr

Und jetzt meldet sich auch noch das »German Wunderkind«. Ohne Frage: Dirk Nowitzki hätte den letzten Schuss von Karim Benzema festgehalten, dennoch gratuliert er fair und freundlich der DFB-Elf.

20:06 Uhr

Jetzt Neuer, lächelt sphärisch, Ruhepuls 20. Der Buddha der Glanztat. Eine Statue seiner selbst. Und wir beten sie an.

20:02 Uhr

Schreck, lass nach: Philipp Lahm, der Johan Cruyff des 21. Jahrhunderts, behält sich im Interview immer noch vor, wieder ins Mittelfeld zurückzukehren. »Bitte, bitte nicht ändern!«, ruft Opdenhövel panisch, schluchzt an Scholls Schulter. Dann ein dehydrierter Hummels: »Es ist der Hammer, was alles positiv klappt.« Negativ klappen: Hoffentlich erleben wir das nicht mehr bei dieser WM. Auch wenn es offenbar ein von Bundestrainer Joachim Löw einkalkuliertes Szenario ist. 

20:01 Uhr

Während in Berlin die letzten Chinaböller vom Silvesterfest 1983 explodieren (»Siehste, Schatz, ein Glück haben wir die aufgehoben!«) und Mehmet Scholl mit Matthias Opdenhövel über eine gute Mannschaftsleistung sprechen, sind wir immer noch gelähmt von der letzten Chance Benzemas. Wie Manuel Neuer den abwehren konnte? Wir sind komplett überfragt. Und geben ab zu Philipp Lahm, der am liebsten morgen weiterspielen würde.

19:59 Uhr

Neuer, du bist ein Teufelskerl Neuer, du bist ein Fußballgott! Dieser Torwart ist Favorit auf den Titel. Reicht bei den anderen die Kraft? Wie weh tun die Krämpfe? Also... ich verstehe – äh – die ganze Fragerei nicht. Wir sind weitergekommen, wir sind super happy, haben heute alles gegeben und bereiten uns jetzt auf Brasilien vor. Oder Kolumbien. Das ist mir völlig wurscht.

95.

Es kann nur noch ein Nachspiel von einer Minute sein. Deutschland führt, aber es droht Gefahr, die Franzosen auf dem rechten Flügel – jetzt hat Thomas Müller den Ball ins Aus geschlagen. Wer will ihm das verdenken? Die Franzosen erhalten einen Einwurf zugesprochen, der ist ausgeführt, kommt zu Benzema – Aus! Aus! Aus! – Aus! – Das Spiel ist aus! – Deutschland ist Halbfinalist, schlägt Frankreich mit eins zu null Toren im Viertelfinale von Rio! … Nach diesen 30 Sekunden, die Sie dem Reporter verzeihen müssen, wollen wir versuchen, in normaler Lautstärke und einigermaßen ruhig Ihnen das weitere Geschehen hier zu schildern. Hundert, zweihundert Fotografen auf dem Spielfeld, Angehörige der Brasilianischen Armee bilden mit einem Seil ein Karree. Die deutsche Mannschaft - Halbfinalist 2014! - ist vollkommen im Mittelpunkt der Ovationen, daneben stehen die Franzosen, die Franzosen, ruhig, gesammelt, ein Kompliment für diese Jungens, die großartig verlieren können.

94.

Der. Totale. Wahnsinn. Benzema plötzlich auf links durch. Hämmert den Ball aufs Tor. Drin? Nein?! Ja?! Latte?! Nein?! Ja?! Es ist Neuer, die menschgewordene Freieheitsstatue. Er hebt einfach die Hand und wehrt den Ball ab. Ein Mega-Block-Buster!

93.

Müller macht den Milla, macht Lloris den Higuita? Nein. Wir tanzen trotzdem Samba an der Eckfahne. Zeitspiel.

92.

Kroos geht, Kramer kommt. Crunch-Time.

91.

Götze holt einen Einwurf raus, fragt den Schiri: »Gilt das als Assist?« Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

90.

Wir rufen: »Schiri, es gibt keinen Grund für eine Nachspielzeit.« Nestor Pitana kämmt die Haare nach rechts und sagt: »Es gibt auch keinen Grund für meine Frisur. Doch auf meinem Kopf und im Maracana bestimme immer noch ich!« Wir trollen uns.

88.

Müller mit dem DFB-Pokalfinallauf, mit den Passionsspielen von Oberammergau, rennt und rennt und rennt, sieht aus blutenden Augen Schürrle, und der kann sich die Ecke schon wieder aussuchen, entscheidet sich diesmal für Evra. Dass er Poldi-Fan ist, hätte er uns auch ein ander Mal sagen können.

87.

Ach, wie blöd. Doch noch drei Minuten. Unsere Taktik für solche Situationen wäre: Romische Schildkrötenformation, Ball in die Mitte und dann auf zur Eckfahne. Aber auf uns hört in diesem Fall niemand. Zumindest nicht, bis wir mit dieser Taktik eines Tages die Champions League gewonnen haben.

85.

Die Arsenal-Rochade: Deschamps bringt Giroud, Löw bringt Mertesacker. Und auf der Tribüne hängt Arsene Wenger sich ein französisches und ein deutsches Fähnchen an die Brillenbügel.

84. +6

Jetzt beißt sich die deutsche Offensive wieder im französischen Strafraum fest. Simon findet das gut. Er findet auch, dass die Uhr ein wenig schneller laufen könnte. Wir sagen kein Problem. Es läuft bereits die 90. Minute. Juhu!

83.

Da isser ja, der Mesut! Bricht plötzlich durch auf Linksaußen, macht dann alles richtig, legt quer auf Müller, der vor lauter Begeisterung über die erste gelungene Aktion seines Mitspielers zusammenbricht, dann Schürrle, kann sich die Ecke aussuchen, entscheidet sich für Lloris. Wir fordern: Özil für Schürrle! Doch was macht Löw: Götze für Özil! Warum muss er bloß immer so antipopulistisch aufstellen?

82.

Chance für Frankreich. Wobei: Eher Körper gegen Deutschland. Mats Hummels nasenbeint den Ball knapp am Tor vorbei. Das sah ziemlich witzig aus. Wenn man Fan von Filmen mit Louis de Funes ist.

81.

Das gute alte 81.-Minute-Fazit kann nur lauten: »La Boum 2 – Die Fete geht weiter«. Noch jedenfalls.

79.

Die Tatsache, dass Özil immer noch irgendwo auf dem Feld herumschleicht, ist nur dadurch zu erklären: Löw hat vergessen, dass er immer noch irgendwo auf dem Feld herumschleicht. Vielleicht sollten sie mal durchzählen, wie auf Klassenfahrt.

78.

Frankreich macht jetzt Druck. Alles in Richtung Tor. Doch da steht Manuel Neuer. Der wehrt mit der Faust ab. Und da steht heute auch Manuel Neuer II. Der heißt Mats Hummels und wehrt mit dem Fuß ab. Verrückter Fußball.

76.

Benzema! Windet sich wie eine Schlange um Lahm, schießt, verdammt, ist das gefährlich. Doch dann Hummels! Blockt ab! Weltklasse! Diese Mauer würde nicht mal David Hasselhoff niedersingen.

75.

Da ist das Ding! Offizieller Weltmeister im Versteckenspielen: Mesut Özil.

74.

»So langsam guckt man auf die Uhr«, sagt Steffen Simon. Das Spiel erinnert jetzt zunehmend an das WM-Halbfinale von 1986. Auch da schleppten die Deutschen ein 1:0 bis in die späte Schlussphase. Und dann kam Rudi Völler. Deutschland stand im Finale, gegen Argentinien, der Fehler von Toni Schumacher, das Tor von Burrchaga, die tausend Sonnen von Mexiko City. Aber wir verlieren uns. Bleiben wir hier, bei den 500 Sonnen von Rio de Janeiro, die dagegen wie eine Eistonne wirken sollten.

72.

Jetzt mal Schürrle mal mit dem Schussversuch. Sieht jedoch aus wie Usain Bolt an der Torwand.

71.

Ganz stark: Schürrle hat soeben die 100-Meter-Norm für die Olympischen Spiele 2016 hier in Rio erfüllt. Ein Ball hätte ihn dabei nur gehindert. Muss man verstehen.

69.

Müller! Auf Klose! Was? Der ist raus? Hätte man uns ja mal sagen können.

68.

Jetzt junge französische Fans in Großaufnahme. Sehen aus wie Austauschschüler in dem Moment, da sie erkennen müssen, dass das Facebook-Profilbild ihrer deutschen Gastgeberin nicht ganz der Wahrheit entspricht. Aber es ist noch lange hin, bis sie nach Hause fahren dürfen.

66.

Über eine Stunde ist vorbei. Marcel Reif hat mal gesagt: »Je länger das Spiel dauert, desto weniger Zeit bleibt.« Steffen Simon sagt: »Der schnelle André Schürrle!«

64.

Schweinsteiger springt Valbuena um. Wenn man ehrlich ist: Es erinnerte ein wenig an Schumacher versus Battiston anno 1982. Doch Schweinsteiger winkt ab: »Für Jacketkronen habe ich leider kein Geld!«

62.

Jetzt Getränkepause. Schweinsteiger: »Habt Ihr auch Doppelherz?«

59.

Schweinsteiger mit Rollator, Khedira im Treppenlift, klingeln verzweifelt nach der Schwester, doch auch die kann nicht verhindern, dass die französischen Jungspunde hier immer öfter davonjoggen. Wann wechselt Strandläufer Löw sich selbst ein?

58.

Was auffällt, wenn man die Tribünen betrachtet: Die Zuschauer sind dauerhaft am Wandern. Warum das so ist? Vielleicht hält Pelé auf einem Nebenplatz eine Ansprache? Vielleicht erhöht das die Chance, mehrmals von der Kiss-Cam eingefangen zu werden? Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass die Zuschauer mobile Stehplätze geordert haben – der neueste Gag von Sepp Blatter für seine Familie.

56.

Zum wiederholten Mal trudelt ein zweiter Ball aufs Feld, und über die Außenmikros hört man Hansi Flick rufen: »Jetzt reicht’s aber, Kevin!« Großkreutz: »Der Eff-Zeh-Fan hat mich provoziert!«

55.

Gute Möglichkeit für Deutschland: Kroos kann abziehen, gibt aber auf die rechte Seite zu Lahm. Der in seiner Paradeposition. Versucht den Ball nach innen zu passen, doch der wird abgeblockt. Delegiert sich zur Strafe prompt selbst ins defensive Mittelfeld.

53.

Özil wieder mal sehr, sehr unentschlossen bei der Hereingabe. Umso entschlossener jedoch beim anschließenden »Ach, Menno!«-Rufen. So kommt man halt auch in die ARD-Emotionstrailer nach dem Spiel, unterlegt mit dieser fetzigen Mucke, die auch er immer auf dem Ipod hört.

52.

Am Anfang lobten wir die französischen Trikots. Aber: Auch die französischen Spieler scheinen die Trikot saußerordentlich adrett zu finden. Bei einigen sieht man nicht die geringste Abnutzung, keine Schweißflecken, keine Dreckspuren, keine Knicke – als wollten sie nach dem Spiel so noch zur Ruder-Club-Party auf der Hamburger Alster flanieren. Wobei: Vielleicht wollen sie ja.

50.

Abseits! Doch schon wieder hebt der Linienrichter die Fahne nicht. Mutmaßlich, weil er Manuel Neuer so gern beim Halten zuschaut. Verliebte Linienrichter: die unerzählte Tragödie dieser WM.

49.

Zumindest was die Werbebanden angeht, könnte das Spiel auch das Halbfinale von 1986 sein: McDonald, Coca Cola, Continental. Wenn gleich noch Portas oder Commodore auftauchen, gibt es dafür nur eine Erklärung: Johnny Otten und Sören Lerby sind die Marketing-Chefs im Maracana.

47.

Unübersichtlich: Schweinsteiger gegen Griezmann, Beine verhaken sich, Griezsteiger gegen Schweinmann, Körper verschmelzen, Schweingriez gegen Steigermann. Kein Dings, äh... hier Elfmeter.

46.

Anstoß. Der 104983. meines Lebens. Er ist beinahe so gut wie der 28034. Anstoß (Bayer Uerdingen - VfL Bochum 1989).

19:04 Uhr

Akt der Verzweiflung: Deschamps küsst Bartez’ Glatze.

19:02 Uhr

In der Wiederholung des 1:0 wird klar: Der sich um Hummels drehende weiße Kreise hat Varane irritiert. Hätte man pfeifen müssen.

19:01 Uhr

Schon mal vorab: Falls das mit dem Sieg gegen Deutschland nichts wird, haben die Franzosen immer noch den besten Film-Soundtrack aller Zeiten. Wobei: Die Titelmelodie von »Marienhof« ist natürlich auch nicht schlecht.

18:57 Uhr

...und plötzlich: Pep Guardiola. Taucht da in der Werbeunterbrechung wie ein Zeitreisender auf: Bundesliga, FC Bayern, HSV, Bayer Leverkusen, SC Paderborn. Alles im Moment so weit weg wie eine Facebook-Freundschaftsanfrage von Eric Cantona.

18:49 Uhr

Die spannungszerstörenden Jingles werden Ihnen präsentiert von Sony und Bitburger. Ich bin ja nicht so weltfremd, noch auf eine werbefreie Übertragung zu hoffen, aber über das Timing könnte man doch trefflich streiten. Die Kaufbefehle werden inzwischen unmittelbar nach dem Abpfiff brüllend erteilt, ja: beinah schon davor. Wann rasiert sich Kloppo im Anstoßkreis, während das Spiel noch läuft? Wann grillt Thomas Müller mit Schland-Fans Schland-Würstchen im Strafraum? Und wer kauft eigentlich in seinem Zorn darüber, dass er, erhitzt vom Spiel, ins kalte Wasser der Reklame geschmissen wird, all diese Produkte? Wurde der nach seinem verschossenen Elfmeter in sich zusammensinkende Uli Stielike 1982 auch schon von irgendwem präsentiert (»Ab in den Urlaub«)? Labelte Kukident das Schumacher-Foul an Battiston? Doch bevor wir das beantworten, geben wir noch mal ganz kurz zurück nach Deutschland.

18:49 Uhr

1:0 für Deutschland. Halbzeitfazit: Mats Hummels heute so was wie Manuel Neuer im letzten Spiel. Er ist überall. Er ist Defensivgott und Offensivrakete. Eisenfuß und Wunderstürmer. Dieter Schlindwein und Zlatan Ibrahimovic. Wahnsinn. Bzw.: Halbzeit!

45.

Khedira heute ungewohnt rustikal. Baut das Spiel ab, statt es aufzubauen. Der junge Mann zum Mitreisen unter den deutschen Nationalspielern. Weiß er schon, dass der Rummel hier bald vorbei ist?

44.

Benzema köpft an Hummels’ Hand. Aber kein Elfmeter. »Jetzt können wir uns alle wieder entspannen«, raunt Simon. »ICH BIN ABSOLUT ENTSPANNT, VERDAMMT NOCH MAL!«, schreit Löw. Ist klar.

42.

Steffen Simon lobt ausdrücklich die deutsche Defensive. Zum wiederholten Male. Per Mertesacker sitzt hinter ihm, tätschelt ihm auf die Schulter und hält schließlich seine Hand auf – wieder ein Zuckerstückchen.

40.

Übrigens: Es heißt ja immer, dies sei die WM der Bärte. Leider haben wir bei diesem Spiel bislang keinen einzigen echten Vollbart gesehen. Wir trauern ein bisschen und suchen uns ein paar Bildchen zum Stillen unseres Bart-Sucht.

38.

Strafraumgetümmel: Klose will zum Salto ansetzen, Debuchy drischt den Ball in Khediras Gesicht. Ganz witzig: Er reklamiert, will offenbar einen Elfer. Und auf der Tribüne schaut Lena Gercke in den Schminkspiegel, ob auch nichts gebrochen ist. Muss Liebe schön sein.

36.

Müller kriegt wieder mal eins aufs Jochbein. Hat da mittlerweile statt einer Naht einen Reißverschluss.

35.

Riesenchance für Frankreich. Flanke von rechts, Griezman, dann Fuß, Kopf, Valbuena, Benzema, doch Hummels und Neuer wehren die Versuche der Franzosen gekonnt ab. In diesem Fall heißt das: mit dem unterschätztesten Köperteil neben dem linken Nasenflügel – dem Knie.

34.

Neuer mal am Ball. Irritierenderweise in Torwartmanier. Wann entscheidet der erste Schiri in so einer Situation aus Versehen auf Handspiel?

33.

Man muss aber auch sagen: Frankreich erschreckend harmlos. Lassen sich überlaufen und sogar überlupfen. Nun bekommt sogar Benedikt Höwedes die Möglichkeit, im Fallen mit der Hacke aufs Tor zu schießen. Besonders harte Kritiker nahmen bislang an, er würde sich schon bei einem Schuss mit der Picke das Schienbein zerren und das Kreuzband brechen.

31.

Stark bei den Franzosen: Varane. Feinde nennen ihn »Komodo«.

29.

Der Schatten der Kameradrohne dümpelt übers Feld wie eine Kotwurst durch die Brandung von Mallorca. Aber noch ein Eimer Sangria, und wir merken das gar nicht mehr.

28.

Ach, nicht dass ihr denkt, Lukas Podolski hätte beim Tor von Mats Hummels vergessen, das zu tun, was er am besten kann.

25.

Elfmeter? Klose gegen Debuchy: Halb zog er ihn, halb sank er hin. Kein Pfiff. »Einigen wir uns auf grenzwertig«, so ARD-Chefdiplomat Simon. Und wir antworten mit einem entschiedenen »Vielleicht«.

24.

Es gibt weltweit vermutlich nur einen Spieler, der mit seinem Kopf treffsicherer ist als Mats Hummels. Dieser hier:

21.

Manuel Neuer leitet übrigens gerade das Aufwärmtraining der Ersatzspieler.

20.

Das Maracana traut dem ganzen Spiel noch nicht so recht. Das Gesinge oder Gemurmel erinnert in der Summe an einen Kassettenrekorder von 1989, bei dem eine Alf-Hörspiel-MC einen Bandsalat produziert hat. Oder hat die ARD einen Störfilter dazwischengeschaltet? So oder so: Wir würden gerne wissen, ob Willie Tanner tatsächlich was zu dem Spiel zu sagen hat.

18.

Schiedsrichter Nestor Pitana: Typ Sportlehrer, der in der Freistunde auf der Hochsprungmatte ein Nickerchen macht und davon träumt, wie er das Dickerchen aus der 8b beim Zirkeltraining triezen kann. Also mich. Aber ich weiß ja, wo sein Auto steht.

16.

Simon lobt die einstudierte Freistoßvariante wie ein Fahrlehrer das Einparken einer 18-jährigen: »Sie haben sich gezielt drauf vorbereitet, und es funzt sofort.«

15.

Bemerkenswert, wie Löw jubelt: Klatscht mit schmerzverzerrtem Gesicht in die Hände, als wollte er das Insekt, das ihn gerade gestochen hat, aber mal richtig totmachen. Muss Hansi Flick gleich noch mal pusten?

14.

Und plötzlich führt Deutschland. Flanke von Kroos, Kopfball Hummels. Cathy Fischer interviewt vor Freude einen fliegenden (brasilianischen) Delphin für ihre Videokolumne. Wir tätowieren uns Hummels Stirn auf unsere Stirn und spielen das Tor am redaktionseigenen Kopfballpendel nach. Schön.

12.

Was nicht sooo gut funktioniert, ist entweder die deutsche Abseitsfalle oder der Arm des Linienrichters, mit dem er die Fahne heben müsste. Die Franzosen zum wiederholten Mal im Frontalangriff auf Neuer. Wann entscheidet er selbst auf Abseits?

11.

Kroos ist ja auch ein Typ Spieler, der etliche Male im Spiel mit dem Fuß auf Höhe seines eigenen Kopfes agiert. Wenn er nicht Fußballprofi geworden wäre, wäre er sicherlich Akrobat auf der Kirmes seiner Wahl geworden. Also ein »Junger Mann zum Mitreisen gesucht«, der uns heute mit Kunststücken zwischen hungrigen Löwen und giftigen Schlangen vollführt. Nur mal so ein Gedanke.

10.

Lahm wie Cruyff ’74. Dribbelt, trickst und flankt. Jetzt kann uns nur noch Deutschland stoppen.

8.

Schuss Benzema. Ziemlich weit daneben. Neuer legt ihm den Ball wieder hin: »Komm, Junge. Den machste noch mal.«

7.

Die ersten Minuten sind gespielt. Zeit für ein erstes Fazit bezüglich der neuen Aufstellung. Lahm treckert nicht nur, er spielt bislang fehlerfrei. Eine Annahme, ein Pass, ein Sprint. Wir sind begeistert, doch weil wir von so viel Perfektion überfordert sind, müssen wir jetzt einen Rechtschreibfehler machen: Tut uns leit!

6.

»Frankreich ist überhaupt nicht auf Ballbesitz aus«, meint Simon. Klingt dabei allerdings wie ein Hundebesitzer, der sagt: »Der tut nichts!«

5.

Ist das schön: Wie Lahm wieder über rechts treckert. Als würde man sich alte Fotos von seinen Kindern angucken, wie sie auf dem Bobby-Car sitzen.

3.

Deutschland im Angriff. Neuer ruft: »Hier! Bin frei!« Rückpass über 100 Meter. Richtig so!

2.

Das Spiel beginnt übrigens mit zweiminütiger Verspätung. »Weil ein Fifa-Funktionär auf dem Rasen steht«, informiert Steffen Simon. »So werden also die Flitzer ab dem Viertelfinale genannt?«, fragt Gieselmann. Ich weiß es nicht. Lese nur kurz seine Botschaft: »Wir sind eine große Familie! Also lasst uns tanzen!«

1.

Anstoß, du guter alter Freund. Schmeckst immer wieder gut. Wie Underberg auf Merlot. Wie Jägermeister auf Moët & Chandon.

18:01 Uhr

Verrückt: Mustafis Name in der Kaderliste ist bereits verblasst. Wie Marty McFlys Familienfoto, als er in der Vergangenheit alles verschüsselt.

17:59 Uhr

Und wieder einmal diese enervierenden Arme-verschränken-Aufstellungsfilmchen. Wäre ja ganz geil, wenn die unterlegene Mannschaft hinterher noch mal gezeigt wird, wie sie die Hände vors Gesicht schlägt.

17:58 Uhr

Und jetzt die deutsche.

17:56 Uhr

Die Hymnen. Zuerst die französische.

17:54 Uhr

In den Katakomben. Neuer stretcht sich, grätscht den Feuerlöscher von der Wand, lobt das Neuer-Tattoo auf Boatengs Wade, gibt Hugo Lloris ein Autogramm, nur das Trikot will er noch nicht mit ihm tauschen. »Wer weiß«, sagt er. »Vielleicht muss ich heute noch arbeiten.«

17:53 Uhr

Und oh, diese wunderschönen Trikots der Franzosen. Dieser formvollendete weiße Kragen. Dieser satte Blau. Diese unaufdringliche Typografie. Ein Trikot wie ein Poloshirt von Henri Leconte. Hätte uns Mutti früher gebeten, dieses anstatt eines zerrissenen Offspring-Shirts anzuziehen, hätten wir sie ausgelacht. Heute schämen wir uns dafür. Ein bisschen.

17:51 Uhr

Schland-Fans, die im Maracana zu AC/DC schunkeln, als wären sie im ZDF-Fernsehgarten: Ein mutiges Zeichen gegen die Globalisierung?

17:50 Uhr

Ach, wir lieben sie, denn sie sind wie wie Oma und Opa. Wie Mama und Papa. Wie Ernie und Bert. Opdenhövel (informierend): »Deutschland hat noch nie im Maracana gewonnen.« Mehmet Scholl (pikiert): »Ach, Opdi, musst du das gerade jetzt sagen.« Opdenhövel (beschwichtigend): »Damit es sich heute ändert.« Gekicher. Ab.

17:44 Uhr

Grillparty mit Thomas Müller gewinnen – auf der Fanmeile ist die Sehnsucht nach einem Würstchen mit dem WM-Liebling schon so groß, dass sich die Schland-Fans bei lebendigem Leib selbst braten. Haben wir gleich auch den Salat?

17:40 Uhr

Krisenberichterstatter Gerhard Delling, die Antonia Rados der ARD, hat folgende Neuigkeit für uns: »Das Einfachnurgutdraufsein, das ist nicht verschwunden, aber sie versuchen, sich, naja, auf diese Paarung einzustimmen.« Konzentration statt Fun. Muss die WM-Geschichte jetzt neu geschrieben werden?

17:38 Uhr

Eben erreicht uns eine Meldung aus Augsburg. Es ist eine von diesen Meldungen, die man auf jeden Fall kurz vor einem WM-Viertelfinale mit deutscher Beteiligung verkünden sollte: »Der #FCA hat den slowenischen Nationalstürmer Tim #Matavz für fünf Jahre verpflichtet.« Falls er heute Abend in der deutschen Viererkette spielt, sollte er sich langsam mal umziehen.

17:37 Uhr

Noch eine SMS für Löw: »Bin zufällig gerade in Rio. Nur so... Dein Stefan Kießling.«

17:36 Uhr

Die WM läuft seit gefühlt 18 Monaten. Dabei haben wir in den letzten 13 Monaten ausschließlich Spiele gesehen, die in der Verlängerung oder im Elfmeterschießen entschieden wurden. Setzt sich heute dieser Trend fort? Es wäre ungünstig, denn um 20.15 Uhr sind wir Oliver Geißen verabredet. Zu: »Die ultimative Chart Show – 50 Jahre Kassette«. Unser Ghettoblaster steht schon bereit.

17:30 Uhr

Löw drückt seit Minuten die Wuntanrufe von Guardiola weg. Dann kommt die SMS: »Du verratest moderne Futbol, Señor Playmobil-Mann. Lahm musse zentral! MUSSE! Mache du das! Ahora o nunca! Pep.«

 

17:29 Uhr

»Jetzt das Warmmachen, begleitet von Steffen Simon«, ruft Opdenhövel. Lieber Merte, es hat auch was für sich, wenn mal nicht dabei ist.

17:27 Uhr

Was machen Viertelfinalisten eigentlich anders als Achtelfinalisten? Sie spielen »Wolf-of-Wall-Street«-Szenen nach. Zum Spaß. Zur Motivation. Und weil sie es können.

17:22 Uhr

Was sagt Löw, wenn das Ding heute Abend verloren geht? Vielleicht: »Tja, war ja Eure Aufstellung. Also müsst Ihr auch zurücktreten!« Verdammt.

17:16 Uhr

Wir haben schon länger nichts mehr von unserem Kollegen Tim Jürgens gehört. Doch heute endlich: Eine Nachricht vom Maracana. Direkt aus dem Gefahrengebiet, direkt vom Gefahrenmann.

17:11 Uhr

Bei der Mannschaftsbesprechung. Löw: »Merte, du sitzt heute auf der Bank.« Merte: »Wat wollen Sie jetzt von mir? Wat wollen Sie jetzt – also – so kurz vor dem Spiel? Das kann ich nicht verstehen!« Löw: »Wie weh tut dir meine Entscheidung? Nur so...« Merte: »Ich versteh' die Fragerei nicht.« Löw: »Bitte halte dich bereit, vielleicht brauche ich dich als Stoßstürmer in der Nachspielzeit!« Merte: »Ich lege mich jetzt erst mal drei Tage in die Eistonne, und dann sehen wir weiter.«

17:02 Uhr

Die Aufstellung ist raus, und sie birgt Überraschungen: Lahm hinten rechts – als Lückenbüßer für den zuletzt überragenden Mustafi. Mertesacker ist raus – bzw. noch immer drin in der Eistonne. Und Klose ist bereit zum Salto. Ist Löw von einem Stammtischgremium entmachtet worden? Hat der DFB online abstimmen lassen, wer heute Abend spielen soll? Und warum habe ich Idiot diese einmalige Gelegenheit verpasst, Dieter Schlindwein zu seinem Debut zu verhelfen?

16:30 Uhr

Noch mal Stichwort: Tugenden. Auf geht’s Jungs, das Auswärtige Amt steht an eurer Seite. Und wenn man die Augen zumacht, klingt es wie ganz viele Wasserpistolen, die gleichzeitig durchgeladen werden.

16:19 Uhr

Doch widmen wir uns der Taktik. Zentrale Frage: Wer schaltet Benzema aus? Wir wüssten da jemanden. Stichwort: Tugenden.

16:10 Uhr

Erkältungswelle im deutschen Mannschaftslager: Jetzt hat es auch Hansi Flick erwischt!

15:53 Uhr

So cool möchte man wirklich mal sein, oder? Wobei sich nun wiederum die Frage stellt: Was muss eigentlich als gescheiterter angesehen werden – Löws Versuch, auf schöne Weise den Titel zu gewinnen? Oder Löws Versuch, trotz aller Anspannung als entspannt rüberzukommen? Hängt vielleicht beides auf fatale Weise zusammen? Der Tom Cruise dieser WM wird entweder lächelnd den WM-Pokal empor stemmen oder lächelnd seinen Rücktritt erklären, weil ein Lächeln, zumal dieses, nicht einfach so verschwindet. Ein fluoreszierendes Lächeln, das davonjoggt in die brasilianische Nacht, verfolgt von allen verfügbaren ZDF-Kameras. Ain’t no sunshine.

15:51 Uhr

Und noch ein gutes Omen: Heute hat Bill Withers Geburtstag! Und so cool, locker und irre entspannt wie sein Drummer in diesem Video wollen wir nun dem Viertelfinale entgegenblicken.

15:44 Uhr

Gute Omen: Heute vor 861 Jahren besiegte ein niederrheinisches Ritterheer während des Flämischen Erbfolgekriegs ein franko-flämisches Heer in der Schlacht bei Westkapelle. Heute vor 60 Jahren gewann Deutschland gegen Ungarn im Finale von Bern. Schlechte Omen: Heute vor 13 Jahren wechselte Marcio Amoroso zu Borussia Dortmund. Heute vor zehn Jahren wurde Griechenland Europameister.

15:26 Uhr

Im Tal der Tränen erreicht mich folgende aufschlussreiche Zuschrift: »Liebe Astrofreunde, kurz vor dem Frankreichspiel ein paar astrologische Bemerkungen, da wir ja Joachim Löw beim letzten Astroabend besprochen haben.« Anmerkung meinerseits: Ich war nicht anwesend! Aber weiter im Text: »Auffällig war seine momentane Auslösung Mars/Saturn in 8. Es wird jetzt deutlich, wie seine eigensinnige Haltung zur Frage der Position von Phillip Lahm in der Diskussion steht und darin sich die Kostellation spiegelt. Also habe ich mal das mundane Bild von Lahm angeschaut und mit den Positionen von Löw verglichen. Denn möglicherweise zeigt sich hier im Symptom das Ganze. Lahm hat auf 18,5 seine Sonne und auf 8,5 seinen Saturn jeweils im Skorpion. Es fällt auf, dass Löw seine dominante Grundkonstellation von Merkur/Uranus mit SP. Neptun genau damit in Verbindung steht. Also: Löws Neptun Kon. Lahms Saturn. Wenn man annimmt, dass der Saturn die Bestimmung und damit der Position in der Mannschaft entspricht, sieht Löw mit seinem Neptun in 6 SP. Merkur diese Bestimmung nicht. So gerät Löw aus persönlichen Verdrängungsgründen zwischen die Stühle (Merkur/Uranus im SP. dazu) und ist umstritten und gerät unter Druck (Saturn/Mars) in 8 in der Auslösung. Löw steht also eigensinnig auf Kontrolle im Sinne seiner (despotischen) Maßstäblichkeit (Saturn in 8), da er nicht in seiner Empfindung ist, die eine Veränderung seiner Haltung erforderte. (Uranus in 4 Quadrat Neptun in 6). Es ist also astrologisch durchaus denkbar, wenn Löw an der (falschen) Bestimmung/Position Lahms trotzig festhält, dass sich darin eine Gesamthaltung spiegelt, in der mit Macht und Zwang das Brechen der Form herausgefordert wird. So kommt es zum Schock, der durch das Erzwingen der Form provoziert wird. Falls aber Löw Lahm auf die alte Stammposition zurücknimmt und damit nicht in der Verbohrtheit verharrt und daher das freie spielerische (Wassermannsonne in 10) hervortreten und bestimmend werden kann, so kann es zur Befreiung kommen, und damit zum Erfolg. Also, soll die Mannschaft mit Lahm in der falschen Position den Sieg trotzig erzwingen, werden sie untergehen. Kommt es aber mit Lahm in der Rechtsaußenverteidigerposition zu einem Spiel mit Leichtigkeit, so werden die Deutschen wohl gewinnen. Der Beginn des Spiels liegt übrigens für Berlin gerade im Schützen, wogegen diese Zeit für Paris im Skorpion liegt - spricht für Deutschland.« Apropos Schock, der durch das Erzwingen der Form provoziert wird: Das Spiel heute Abend kommentiert übrigens Steffen Simon (Aszendent Zebra).

15:20 Uhr

Ich bin jetzt am mentalen Tiefpunkt, ganz sicher, dass Deutschland rausfliegt. Kauere im Büro wie Uli Stielike 1982.

Und trage dabei sein Jackett.

14:32 Uhr

Immerhin: Per Mertesacker scheint recht siegessicher zu sein. Er bereitet sich zur Stunde im Mannschaftshotel aufs nächste Eistonnen-Interview vor. Hier erste Bilder.

14:25 Uhr

Und wie bereitet sich Frankreich auf das Viertelfinale vor? Mit Muskatnuss! Herr Müller!

14:13 Uhr

Und jetzt hat die Anti-Schland-Mafia auch noch Philipp Lahm am Wickel. Was hat er zu verbergen? Vielleicht versteckt sich die Schmuggelware ja im Koffer...

14:07 Uhr

Doch auch andere verrutschen – und das nicht nur in der Zeile. Günter Jauch etwa macht zu Stunde Manuel Neuer, unseren besten und eigentlich einzigen Mann, vollkommen fertig, indem er ihm Videos von seinem alten Schalke-Teddy vorspielt. Wer bezahlt diesen Jauch dafür? Warum schützt Köpke ihn nicht? Was weiß Weidenfeller?

14:00 Uhr

Und dann verrutscht man noch mal in der Zeile, und... Ach, lassen wir das.

13:52 Uhr

Ein Blick auf »spiegel.de«. Dort finde man angeblich »zehn Dinge, die Sie über ›Les Bleus‹ wissen sollten«. Und dann verrutscht man nur einmal in der Zeile, und schon sind wieder nur die schlimmsten Vorurteile bestätigt.

13:45 Uhr

Das ZDF jedenfalls ist auf Löws sich ja jetzt schon anbahnende Beachboy-Karriere super vorbereitet. In der App gibt es sogar noch zusätzliche Kameraperspektiven, zum Beispiel auf die malerisch aufflatternden Möwen und die ihm auf einem Schimmel entgegenreitende Katrin Müller-Hohenstein.

13:40 Uhr

Darunter die Frage: »Was passiert mit Jogi, wenn wir doch rausfliegen?« Und ich antworte reflexartig: »Dann verkauft er am Strand Pelzmützen!« Keine Ahnung, wie ich darauf komme.

13:37 Und

Und bei »bild.de« tickt schon die Dino-Uhr. Noch 4 Stunden, 21 Minuten und 44 Sekunden, dann steigt Deutschland also ab.

13:25 Uhr

Also: Laufen wieder vier Innenverteidiger auf? Spielt Lahm wieder zentral? Neuer wieder Libero? »Es gibt nichts, was für ewig zementiert ist«, sagte Bundestrainer Löw heute. Das gilt natürlich auch für diesen Satz.

13:20 Uhr

Selbst mein Hausarzt sagte heute Morgen zu mir: »Ich weiß, sie haben andere Probleme, aber ich muss Sie das fragen. Werden wir Weltmeister? Ich meine: Vor einem Jahr war ich mir noch sicher. Aber jetzt? Was macht Löw? Was macht er? Vier Innenverteidiger! (schleudert den Rezeptblock in die Ecke) Lahm! Mustafi! Was macht er? Der verjuxt es, der Löw! Ich sag Ihnen: Wir fliegen raus. Ich bin mir sicher, eigentlich. Oder? Was meinen Sie? Sie sind doch vom Fach! Werden wir Weltmeister?« Ich: »Können Sie vielleicht erstmal die Spritze aus meinem Arm ziehen?«

13:10 Uhr

Auch hier in der 11FREUNDE-Redaktion beginnen die Gespräche mit einem kurzen, fast stimmlosen »Und?« An anderen Tagen meint das einfach: »Und? Bist du auch noch so besoffen?« Heute meint es natürlich: »Und? Werden wir Weltmeister? Und bitte, bitte, bitte sag jetzt nicht Nein!« Da betritt 11FREUNDE-Großvater Philipp Köster den Raum und umarmt alle Trostsuchenden mit nur einem Satz: »Ich leg mich mal fest: Wenn die Deutschen das heute gewinnen, dann schaffen sie es auch bis ins Halbfinale.« Tränen der Erleichterung.

12:57 Uhr

Guten Tag. Wir sind, wie ganz Deutschland, zutiefst verunsichert: Weltmeister werden – wie geht das noch mal? Man könnte nun Andreas Brehme fragen, Lothar Matthäus, Guido Buchwald, aber das wäre, als würde man eine Floppy-Disc in ein Tablet schieben wollen. Der Titel von 1990 ist fern, der Fußball von damals ein archaischer Ritus. Heute spielen Torhüter und rechte Verteidiger im Mittelfeld, Spielmacher und Stürmer sind unsichtbar, der Bundestrainer ist schöner als damals die Eiskunstläuferinnen. Wir betreten Neuland. Und was wollen wir hier? Wollen wir ‘ne erfolgreiche WM, oder sollen wir wieder ausscheiden – äh – und haben schön gespielt?  Also... ich verstehe – äh – die ganze Fragerei nicht. Und dazu alles Gute. Danke.

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